Odyssee

GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
25.03.2020
26.03.2020
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Müde und etwas desorientiert erwachte Blake nach einer langen Nacht, in der er durchgearbeitet hatte. Müde rieb er sich eines seiner goldbraunen Augen, und sah sich einen Moment in seinem Arbeitszimmer um. Warf einen Blick auf die Wanduhr und stellte fest, dass es bereits nach Zehn Uhr war. Gähnend löste er den Klebezettel von seiner Wange und sah kurz auf seine Unterlagen. Verschiedene Papyrusrollen aus dem antiken Griechenland, etliche Notizen und verschiedene Atlanten lagen durcheinander auf dem Tisch.
Verspätet bemerkte er, dass jemand eine Decke über ihn ausgebreitet hatte, während er geschlafen hatte. Schmunzelnd streckte er sich, suchte sich seinen Weg in die Küche des Hauses. Im geräumigen Wohnzimmer war die Terrassentür geöffnete worden, graue Vorhänge wehten in der Meeresbrise. In der offenen Küche machte er sich einen Kaffee, schritt dann auf den kleinen privaten Strand hinaus. Am Ufer stand eben jene Frau, die sein Leben teilte. Ihr weißes schulterlanges Haar wallte im Wind, den hellen Morgenmantel trug sie offen, darunter ihr dunkelviolettes Nachthemd. Schweigend stellte er sich neben sie, sah einfach nur aufs weite Meer hinaus, beide lauschten sie nur dem rauschen des Meeres.
Nach einer Weile fragte Jeanne vollkommen unvermittelt; „Hast du gefunden, wonach du gesucht hast?“
Er murrte und nahm einen Schluck aus seiner Tasse, ein Zeichen seines Ärgers über sich selbst, gleichzeitig hatte sie ihre Antwort. „Du hast doch nicht erwartet, dass du den Dreizack so einfach finden würdest, oder?“, fragte sie belustigt.
„Dass nicht, aber dass der Dreizack des Poseidon so schwer zu finden ist, hätte ich nicht gedacht!“
Sanft knuffte sie ihn gegen die Schulter.
„Lass uns beim Frühstück weiter darüber reden!“
Er sah ihr kurz in ihre goldenen Augen, zog sie dann mit seiner freien Hand zu sich heran und küsste sie einfach. Sie erwiderte den Kuss, fuhr mit einer Hand durch sein dichtes, schwarzes schulterlanges Haar.
„Wofür war dass?“, fragte sie grinsend als er wieder von ihr abließ.
„Für gestern. Als Entschuldigung und als Dank!“
Sie gab ihm einen Klaps auf die filigran muskulöse Brust. „Ich bin deine Ehefrau, ich kenne dich, also hör auf dich für solche Lappalien zu bedanken!“
Er wollte gerade den Mund öffneten, als sie ihn finster ansah. „Wag es ja nicht, Sohn der Athena!“
Beschwichtigend hob er eine Hand, folgte ihr dann ins Esszimmer.
Es gab mehr als einen Grund dafür, warum sie so abgeschottet lebten, unter anderem die Magie. Sie lebten ungefähr zwanzig Kilometer außerhalb von Athen, was aus mehreren Gründen der Fall war. Generell war Blakes Leben noch nie einfach gewesen. Sein Leben war von Sagen, Mythen und Göttern bestimmt, und dass alles nur weil er der leibliche Sohn von Athena war. Ein klarer Beweis dafür, dass selbst Halbgötter der heutigen Zeit kein einfaches Leben führten. Zwar wäre es noch besser gewesen, direkt in Athen zu leben, um unter dem Schutz seiner Mutter zu stehen, aber dass war ihm damals einfach zu kritisch gewesen. Magie war ein gefährliches Handwerk, welches nicht mit Unwissenden geteilt werden durfte, daher war eine Abgeschiedenheit stets die bessere Wahl.

Nachdem sie dann zusammen gefrühstückt hatten, und Jeanne gerade den Abwasch machte, fragte sie interessiert: „Hast du denn wenigstens eine ungefähre Ahnung, wo der Dreizack zu finden ist!“ Nachdenklich rollte er eine Seekarte des Mittelmeeres auf dem Esstisch aus, nahm sich ein Lineal zur Hand und kreiste die ungefähre Position ein. Neugierig schaute sie ihm über die Schulter, während sie eine Tasse trocknete. Mit der Zeigefingerspitze tippte er in die Mitte des Zirkels. „Ungefähr hier, aber ich bin mir nicht hundertprozentig sicher!“
„Uhmm, Blake?“
„Hmm?“
„Schau dir mal deine Einzeichnungen an!“
Verwundert kam er der Aufforderung seiner Gattin nach und sah sich seine Einzeichnungen genauer an, seine Augen wurden groß als es ihm auffiel.
„Ein magischer Zirkel?“, fragte er sich selbst laut und kratzte sich am Hinterkopf. „Aber für was?“
Ohne weiter auf die Frage einzugehen, nahm er sich eine transparente Karte zur Hand, auf der die magischen Linien des Mittelmeeres eingezeichnet waren. Die magischen Linien konnte man auch als Adern der Welt bezeichnen. Es waren Stränge aus purer Magie, die die Welt zusammenhielten.
„Poseidon, Malaka!“, fluchte Blake in seiner Muttersprache, schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und ging nach draußen.
Jeanne schaute sich kurz die Karte an und bemerkte was Blake so verärgerte. Der Dreizack des Poseidon lag auf einer kleinen, verborgenen Insel, welche inmitten eines riesigen magischen Zirkels lag. Dieser Zirkel war sowohl als Schutzzauber gedacht, als auch als Tarnzauber. Abgerundet wurde dies noch davon, dass die Insel im sogenannten Loch des Meeres lag. Ein Teil des Meeres, in dem es vor Seeungeheuern und Mythischen Wesen nur so wimmelte. Vermutlich wäre nicht einmal Perseus wagemutig genug gewesen, dort hinzufahren. Sie lehnte sich in den Rahmen der Terrassentür, verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihren Gatten einfach nur an. Er stand dort, die Hände in die Hüften gestemmt, den Blick auf das Meer gerichtet. Wie immer hatte sie absolut keine Ahnung davon, was in seinem Kopf vor sich ging. Sie liebte und hasste diesen Anblick gleichzeitig. Einerseits liebte sie es, ihn beim Grübeln zu zusehen, sein Gesicht zu sehen wenn er vollkommen in Gedanken war und wie er an der Unterlippe kaute, wenn er ein Rätsel nicht knacken konnte. Andererseits hasste sie diesen Anblick, weil er dann auch gequält wirkte. Als Sohn der Athena hatte er eine unglaubliche Intelligenz und einen riesigen Intellekt, gepaart mit seiner Neugierde, seinem Wissensdurst und seiner gutherzigen Art ergab dass eine Persönlichkeit, die man nur lieben konnte. Ihr Job war es meist dafür zu sorgen, dass niemand seine Gutherzigkeit ausnutzte und ihn zu lieben.
„Scheiße!“, fluchte er leise und lockerte seine Haltung etwas.
Sie kannte die Signale bereits sehr gut und wusste, dass sie sich jetzt wieder an ihn heranwagen konnte.
„Was wirst du jetzt tun?“, fragte sie und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Mich auf ein anderes Relikt konzentrieren, vielleicht findet sich etwas, mit dem ich dann an den Dreizack herankomme!“
Sie schmunzelte.
„Hast du an etwas bestimmtes gedacht?“, fragte sie interessiert. „Den Stab des Hermes vielleicht?“
„Ich hatte mehr daran gedacht, jemanden aufzusuchen!“
„Oh, und wen?“
„Poseidon!“
Sie hob verwundert die Brauen, sah dann aber den nachdenklichen Ausdruck in seinen Augen.
„Du willst also zum Olymp gehen!“, sagte sie düster.
Sie meinte es nicht als frage.
„Ich muss mit Poseidon sprechen!“, erklärte er sachlich. „Ich muss etwas wissen, und er kann es mir sagen!“
„Du weißt, dass ich dir zum Olymp nicht folgen kann!“, sagte sie düster und senkte den Kopf. „Dort kann ich dich nicht schützen!“
„Ich weiß!“, gab er trocken zurück und legte seine Hände um ihre Hüften. „Ich versprechen vorsichtig zu sein!“
„Wehe dir wenn nicht!“, sagte sie düster und drückte ihn fest an sich. „Ich werde hier auf dich warten, Zuhause!“
Sanft legte er ihr eine Hand auf den Hinterkopf, flüsterte ihr lächelnd ins Ohr; „Und hierher komme ich zurück!“
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