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What if - Was wäre, wenn...

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
24.03.2020
24.04.2020
6
7.922
10
Alle Kapitel
46 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
31.03.2020 2.352
 
Dienstag, 31.03.2020

Hallo, meine Lieben!

Oh wow - schon in der ersten Woche neun Favoriteneinträge und zwei Sterne - Leute, ich danke Euch herzlich! Vor allem aber Julia, Deira, Sara und Caro für Eure superlieben Reviews!

Das heutige Kapitel habe ich als erstes für diese Sammlung geschrieben. Außerdem ist es das längste der bisher geschriebenen. Es sollte viel kürzer werden - aber dann hat mich die Szenerie irgendwie überrollt, es hat einfach Spaß gemacht, zu schreiben... Naja, ich denke, dass sich niemand darüber beschweren wird *zwinker*

Bedient Euch an Kaffee oder Tee nach Wunsch, und gute Unterhaltung!

LG

Ann





Duro

begonnen am 10.03.2018


Agron trat aus dem Hauptgebäude der Villa, die sie vor einigen Tagen eingenommen hatten, in die frische Morgenluft und dehnte seine noch schlafschweren Glieder.

Die Sonne stand schon deutlich erhöht über dem Horizont, doch der Krieger - rechte Hand des charismatischen Rebellenführers Spartacus - hatte kein schlechtes Gewissen, weil er an diesem Morgen später als sonst üblich seine Bettstatt verlassen hatte.

Natürlich gab es im Rebellenlager immer etwas zu tun - einen Streit zu schlichten, Essen zu organisieren oder ihren nächsten Zug zu planen - doch gab es genügend andere fähige Männer, dies für einen Tag zu übernehmen, so dass Agron sich nach einer langen, erschöpfenden Nacht diesen Morgen der Ruhe gegönnt hatte.

Ein verträumtes, breites Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er sich daran erinnerte, wie er die letzte Nacht verbracht hatte...

Nasir...

Rabenschwarzes Haar, braune Augen, so tief wie der wilde Rhein, olivfarbene, samtene Haut, die inzwischen von einigen Kampfesnarben durchzogen waren, die ihn in Agrons Augen aber nur umso atemberaubender und begehrenswerter machten, zeigten sie doch deutlich, dass von dem schmächtigen Sklavenjungen, dem er erst vor wenigen Monden begegnet war und an den er längst sein Herz verloren hatte, kaum etwas übrig geblieben war.

Das Leben unter den Rebellen begann, Nasir zu einem selbstbewussten Krieger zu wandeln, und Agrons Herz erzitterte immer wieder erneut vor purem Glück bei dem Gedanken, dass dieser junge Syrer ausgerechnet ihn erwählt hatte, um ihm sein Herz zu schenken.

Tief atmete er die frische Morgenluft ein, schloss für einen Moment die Augen und wendete sein Gesicht der sanft wärmenden Sonne entgegen, bevor er überlegte, wohin er seine Schritte als erstes lenken sollte.

Gerade entschied er, dass er Spartacus aufsuchen wollte um zu hören, welche Pflichten fürs erste am dringlichsten waren, als er Tumult unter den Wachen auf der Mauer bemerkte.

Alarmiert griff er instinktiv nach seinem Schwert und lief gleichzeitig mit großen Schritten zum Tor, um zu hören, was es gäbe.

„Reiter!“, rief ihm Rhaskos zu, der die Frühwache beaufsichtigte.

„Wie viele?“, war Agrons angespannte Rückfrage.

Donar, der neben seinem Freund auf der Mauer stand, beschirmte seine Augen gegen das Licht der aufgehenden Sonne, spähte angestrengt in die Ferne und rief dann Agron zu: „Drei, vielleicht vier. Noch eine viertel Meile entfernt!“

Hastig sah Agron sich um.

Auch andere hatten bemerkt, dass etwas vor sich ging und scharten sich um ihn.

„Marcus!“, rief er einem der Jünglinge aus der Schar zu. „Lauf ins Haupthaus und berichte Spartacus, Crixus und Gannicus! Schnell!“

Marcus nickte knapp und rannte los, um mit stolzgeschwellter Brust dem Befehl nachzukommen.

„Ihr da: Holt eure Waffen!“, wendete er sich anschließend an die Krieger unter den Zusammengelaufenen. In der Gewissheit, dass auch diesem Befehl unverzüglich Folge geleistet werden würde, wartete Agron nicht länger, sondern erklomm über die schmale, steile Treppe selbst die Mauer, stellte sich neben Rhaskos und tat es Donar gleich, indem er seine Augen beschattete, um besser sehen zu können.

Die Reiter - es waren drei, wie man inzwischen deutlich sehen konnte, hielten in gemäßigtem Galopp genau auf das Tor der Villa zu. Da sie die einzige menschliche Niederlassung im Umkreis von mehreren Meilen war war klar, dass die Reiter kein anderes Ziel haben konnten.

Agron sah sich nach dem Haupthaus um, doch von Spartacus war noch nichts zu sehen. Hastig überlegte er, wie er entscheiden sollte, würde sein Anführer nicht rechtzeitig da sein. Ihm war bewusst, dass es den Reitern nicht erlaubt werden durfte, Kunde davon zu verbreiten, dass die Villa unter die Herrschaft der Rebellen gefallen und ihr römischer Dominus getötet worden war.

Dies ergab zwei Möglichkeiten: Sie von der Mauer aus mit Pfeil und Bogen zu töten, oder sie wie Gäste einzulassen und sie dann gefangen zu nehmen.

Obwohl Agron ein Hitzkopf war und es als seine Pflicht ansah, soviel römisches Blut wie möglich zu vergießen wusste er doch, welche Lösung Spartacus vorziehen würde.

Und deshalb rief er nach unten: „Ich brauche zwei frühere Haussklaven, die das Tor öffnen und die Reiter in Empfang nehmen, ohne ihr Misstrauen zu erwecken.“

Diese List hatte bereits in anderen Villen funktioniert. Mit leiser Wehmut erinnerte er sich an das erste Mal - als Nasir, sein Geliebter, mit seinem klugen Handeln ihr aller Leben gerettet hatte. Einen kurzen Augenblick lang gestattete er sich, seine Gedanken zu dem jungen Syrer schweifen zu lassen, bevor er Rhaskos und Donar mit einem grimmigen Lächeln befahl: „Bleibt außer Sichtweite - keiner würde euch den unterwürfigen Haussklaven abnehmen!“ Die beiden lachten rau auf, und Agron verließ mit einem wölfischen Grinsen die Mauer, um unten im Hof Stellung zu beziehen.

Da tauchte Spartacus aus dem Haupthaus auf und lief mit eiligen Schritten an seine Seite.

„Gannicus und Crixus sichern mit ein paar Männern die anderen Seiten der Villa, falls dies eine Falle sein sollte...“, informierte er seinen Stellvertreter und fragte dann: „Wie nahe sind sie?“

„Gleich am Tor!“, entgegnete Agron ruhig. „Ich habe Befehl gegeben, es zu öffnen, um sie einzulassen.“

Spartacus nickte ihm dankbar zu - sie kannten einander gut genug, so dass es keiner weiteren Worte bedurfte, als sie sich mit gezogenen Schwertern links und rechts neben das noch geschlossene Tor bereit stellten, je eine Hand voll Krieger hinter sich.

Rhaskos gesellte sich von der Mauer herab zu Agron und rief mit verhaltener Stimme, so dass auch Spartacus und seine Leute es hören konnten: „Keine römische Rüstungen. Nur einfache Reisekleidung und Umhänge. Aber gute Pferde und Waffen!“

„Könnte eine Finte sein...“, warnte Spartacus, und seine Leute nickten. Nur durch Vorsicht waren sie mit ihrer Rebellion überhaupt so weit gekommen.

Endlich hörten sie Hufschlag, der sich vor dem noch geschlossenen Tor verlangsamte, und Bacchus, einer der ehemaligen Haussklaven, fragte von der Mauer herab: „Wer seid Ihr, und was ist Euer Begehr?“

„Einfache Kaufleute, die die ganze Nacht geritten sind und nun Obdach und eine Mahlzeit suchen.“

Agron sah zu Spartacus hinüber, der mit zusammengezogenen Augenbrauen den Kopf schüttelte. Niemals würden drei allein reisende Kaufleute in der Nacht reiten - in diesen unsicheren Zeiten wagte das nur ein großer, gut bewachter Konvoi.

Agron zeigte, dass er verstanden hatte und gab Bacchus ein entsprechendes Zeichen.

„Wartet einen Moment - ich öffne euch das Tor!“, erwiderte der Alte mit einem gutmütigen Grinsen. Nicht umsonst hatte er in seinem Sklavendasein als Schauspieler gedient.

Kaum war er von der Mauer und in Sicherheit, als Rhaskos das Tor öffnete und die drei Reiter einließ. Bevor diese wussten, wie ihnen geschah, hatten Spartacus, Agron und Rhaskos sie bereits von ihren Pferden herunter gerissen und mit an die Kehlen gepressten Schwertern in den Staub des Hofes geworfen.

„Wer seid Ihr, und was wollt Ihr?“, verlangte Spartacus zu wissen. Der unter ihm liegende starrte ihn jedoch nur ängstlich an. Der, den Rhaskos in seiner Gewalt hatte war es, der antwortete: „Spartacus? Bist du es wirklich?“

Als er die Stimme erkannte, erstarrte Agron.

Sein Blick kreuzte sich mit dem seines Anführers, voller Unglaube - voller Hoffnung, und mit einem Mal ließ der große Germane seinen Gefangenen fahren, sprang auf, stieß den völlig überraschten Rhaskos bei Seite - und erstarrte erneut.

„Duro!“, flüsterte er.

Der Gefangene - Rhaskos‘ Schwert an seiner Kehle entledigt - richtete sich auf und hatte seinerseits nur Augen für Agron.

Einige Sekunden lang herrschte schier atemloses Schweigen, bis der am Boden Sitzende mit belegter Stimme erwiderte: „Bruder!“

Augenblicklich ließ Agron sein Schwert fallen, stürzte auf seine Knie und zog den anderen Mann in eine stürmische Umarmung, die ebenso leidenschaftlich erwidert wurde.

Verwundert entließ Spartacus den dritten Gefangenjen aus seinem Griff, stand auf und trat zu den germanischen Brüdern, um sich zu vergewissern, dass seine Ohren ihn nicht getrogen hatten.

Endlich entließ Agron den jungen Mann aus seiner Umarmung, half ihm auf, ohne auch nur eine Sekunde von ihm abzulassen und blickte seinen Anführer mit vor Glück strahlenden Augen an.

„Er ist es!“, jubelte er. „Er lebt! Bei den Göttern - er lebt! Ich wusste es!“

Auch Spartacus‘ Miene zeigte Überraschung und Wiedersehensfreude. Er klopfte dem jungen Mann auf die Schulter und erklärte mit einem breiten Lächeln: „Sei uns willkommen...“

In diesem Moment ertönte eine Stimme in ihrem Rücken: „Muss ich mein Schwert benutzen, um mein Herz zu verteidigen - oder erklärt mein Krieger mir, warum er einen fremden Jüngling derart liebevoll umarmt?“

Die Worte schienen wie im Scherz gesprochen, doch ein Blick in die hart glitzernden braunen Augen klärten jeden Zweifler augenblicklich darüber auf, dass der Sprecher ohne Zögern bereit sein würde, seinen Worten die angekündigten Taten folgen zu lassen.

„Als wenn ein elender Syrer mir gefährlich werden könnte!“, spottete Duro herablassend und wendete sich an Spartacus, um verächtlich zu fragen: „Wieso duldest du nach Ashur noch solchen Abschaum in deiner Gefolgschaft?“

Agron, der überwältigt von den Ereignissen bisher dem Wortwechsel nur verwirrt schweigend gefolgt war, ließ sich nun in scharfem Ton vernehmen: „Schweig, Duro - und begrüße den als Bruder, den mein Herz als Gefährten auserwählt hat!“

„Duro?“ - „Gefährte?“

Die so ungleichen jungen Männer sprachen gleichzeitig, musterten sich mit völlig neuem Blick, und Agron trat mit einem glückseligen Lächeln in den Augen zu Nasir und verkündete voller Jubel: „Die Götter haben uns gesegnet - mein Bruder ist von den Toten zurück gekehrt!“

Und so tat Nasir den ersten Schritt, trat auf Duro zu und hielt ihm mit offenem Blick die Hand zum Gruße hin, während er nun deutlich von Humor geprägt erklärte: „Ich habe gelernt, die Männer von östlich des Rheins zu schätzen, auch wenn sie niedrig von meinen Landsleuten denken. Sei gegrüßt, Bruder meines Gefährten!“

Duro zögerte, sah kurz zu Agron - und erkannte mit einem Mal an dessen angespannter Miene, wie wichtig seinem Bruder dieser Moment war. Also gab er sich einen Ruck, ergriff die dargebotene Hand und erwiderte: „Nun denn: Ich danke dir!“

Beide sahen Agron an, beide lächelten - und dieser dachte für einen Moment, sein Herz müsse bersten vor Glück. Seine Augen wurden feucht, und er schämte sich dessen nicht, als er zu den beiden treten und sie in einer knochenbrechenden Umarmung an sich ziehen wollte.

In diesem Moment geschah es...

Duro lächelte nach wie vor - sein jugendliches, mitreißendes Lächeln, das dem seines Bruders so ähnlich war - und doch blühte mit einem Mal eine rote, unheilvolle Blume auf dem hellen Stoff, der seine Brust bedeckte... und im nächsten Moment brutal von einer Schwertspitze durchbohrt wurde.

Agron wollte schreien, doch das blanke Entsetzen ließ ihn erstarren als er erkannte, dass er das schon einmal gesehen hatte: Duros herzzerreißendes Lächeln, während ein Schwert seine Brust in tödlicher Präzision zerriss...

Alles um sie her verschwamm, verschwand im Strudel der Zeit, und Agron kniete wieder im Hof des Ludus des Batiatus, hielt den noch warmen, doch schon leblosen Körper seines Bruders in den Armen. Ein alles verschlingender Schrei löste sich aus seiner Kehle...

 

...und ließ ihn erwachen.

Wie bereits unzählige Nächte zuvor, in denen seine Träume ihm in den vergangenen Wochen auf die unterschiedlichste und doch immer so reale Weise vorgaukelten, sein Bruder sei noch am Leben...

Das Grauen schüttelte ihn, machte ihn blind dafür, wo er war, was um ihn herum vorging - bis mit einem Mal eine Hand sacht seinen Rücken entlang strich.

„Es war nur ein Traum...“ Eine Stimme, sanft und tröstend, wie aus einem anderen Leben.

Langsam drehte sich Agron um und erkannte im schwachen Schein des Mondes, der durch das kleine Fenster seines Quartieres fiel, den jungen Mann, der erst seit wenigen Nächten sein Lager teilte.

Noch war er gefangen zwischen den Welten - zu einem Teil in dem Traum verhaftet, der ihm seinen Bruder wiedergeschenkt hatte, zum anderen in der Realität, in der er den Schmerz des Verlustes allzu lange alleine hatte tragen müssen.

Doch zum ersten Mal seit Duros grausamem Tod war da noch etwas anderes als trostlose Einsamkeit - noch jemand...

Der Mensch, der als einziger den unendlichen Kummer lindern konnte, dessen Wärme und Verständnis Agrons Herz wie heilsamer Balsam umschlossen - in dessen Arme er sich fallen lassen konnte, ohne seine Würde oder seine Ehre zu verlieren.

Nasir umschloss den großen Krieger wie ein Kind, zog den Kopf seines Geliebten auf seine Brust und wartete voller Geduld, bis sein eigener Herzschlag den seines Gefährten beruhigte.

„Es war Duro...“, murmelte Agron schließlich, und Nasirs Herz zog sich voller Mitgefühl zusammen. Er wusste, welch große Bürde und unendlicher Kummer der Tod des Bruders für seinen Geliebten bedeuteten. Doch da erzählte Agron weiter, mit sehnsuchtsvoller Freude in seiner Stimme: „Er lebte - und er hat dich kenne gelernt, mein Herz...“

Einen Moment lang verschlug es Nasir die Sprache, doch dann fragte er mit leiser Stimme: „Mochte er mich?“

Agron richtete sich auf einem Ellbogen auf, sah dem Jüngeren forschend ins Gesicht und lächelte dann weich, voller Wärme, bevor er mit einem überraschenden Auflachen erwiderte: „Du wolltest ihm zunächst mit dem Schwert zuleibe rücken, woraufhin er dich als ehrlosen Syrer beschimpft hat... Aber dann... ja, dann mochte er dich. Um meinetwillen...“

„Ich wünschte, ich hätte ihn kennen lernen dürfen...“, flüsterte Nasir inbrünstig und beugte sich zu Agron, um ihn sanft zu küssen.

An den Lippen seines Geliebten murmelte dieser: „Wenn es hätte sein dürfen... er wäre auch dir ein treuer Bruder und Freud geworden...“

Und dann trat Duro in den Hintergrund, und dieses neue, ihn mit Leben erfüllende Gefühl nahm ganz und gar von dem großen Germanen Besitz...

...dieses Wunder Namens Nasir..

-s-s-s-


Da ich ja im Canon bleiben will konnte ich Duro nicht wirklich wiederauferstehen lassen. Zumal er diesen Schwerthieb niemals hätte überleben können.

Leider...

Doch die Frage: Wie würde er auf einen Syrer an der Seite seines Bruders reagieren? hat mich beschäftigt, und das waren meine Gedanken dazu.

Wie immer freue ich mich sehr über Rückmeldungen.

Bleibt gesund, haltet Abstand und denkt positiv!

Bis nächste Woche dann

GLG

Ann
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