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What if - Was wäre, wenn...

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Agron Nasir
24.03.2020
24.04.2020
6
7.922
10
Alle Kapitel
46 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
 
24.03.2020 1.103
 
Dienstag, 24.03.2020

Hallo, liebe Leser, bekannte wie auch neue!

Ich habe es lange versprochen - und in Zeiten von Corona, von Kontaktverboten und der dringenden Bitte, zu Hause zu bleiben, um die Infektion in Deutschland zu verlangsamen dachte ich, nun wäre der richtige Zeitpunkt, Euch auf diesem Weg ein klein wenig Ablenkung zu schenken.

Wer „Flashlights of Love“ gelesen hat weiß, dass ich ein paar kleine zusätzliche Geschichten zu unserem Lieblings-Rebellen-Pairing versprochen hatte. Hier sind sie.

Die Kapitel sind recht kurz und stehen meist in keinem inhaltlichen Zusammenhang zueinander, können also einzeln und auch ohne Kenntnisse von „Flashlights“ gelesen werden. Sie alle passen in den Serien-Canon, beschäftigen sich aber - wie der Titel schon sagt - mit dem Gedankenspiel „Was wäre, wenn“. Und das zu den unterschiedlichsten Themen.

Bisher habe ich 5 verschiedene „was-wenn“-Szenarien fertig geschrieben, die ich heute und in den kommenden 4 Wochen posten werde. Weitere Ideen spuken noch ein meinem Kopf. Sollte Euch eine solche Idee kommen - eine Szene aus der Serie, die ganz anders hätte verlaufen können, wenn die Protagonisten sich anders entschieden hätten - dürft Ihr diese Ideen gerne schicken. Vielleicht fällt mir auch dazu eine kleine Story ein!

Nun stelle ich Kaffee und Tee nach Wunsch sowie Schoko-Kekse bereit und wünsche viel Vergnügen beim ersten Gedankenspiel „Was wäre, wenn...“

LG

Eure Ann

 

Disclaimer: Die Serien und die Figuren gehören natürlich/leider nicht mir, sondern Startz, und ich verdiene hiermit kein Geld.



geschrieben am 27.12.2018


Gnade

Agron liebte es, ihn einfach nur anzusehen...

Manchmal blieb er plötzlich stehen und beobachtete gebannt, wie der junge Syrer seinen ganz alltäglichen Verrichtungen nachging...

Wie zum Beispiel dann, wenn Nasir mit zielstrebigen, geschmeidigen Schritten über den Hof der alten Tempelanlage ging und dabei geschickt einen Stapel Brennholz trug. Wie dabei sein rabenschwarzes Haar in der Sonne glänzte, verlockte, darüber zu streichen, die seidige Glätte zu spüren und die Finger darin zu vergraben, um den Kopf des jungen Mannes sacht und doch bestimmt an sich heran zu ziehen, das wissende, belustigte und zugleich begehrliche Funkeln in den herrlich dunkelbraunen Augen zu sehen, bevor sie flatternd zufielen, um sich völlig Agrons Kuss hinzugeben...

Ihn beim Training zu beobachten, wenn Nasirs wachsame Aufmerksamkeit ausschließlich auf seinen Gegner konzentriert war und nur Agron, der ihn besser als jeder andere kannte, am Zucken eines einzigen Muskels, am fast unmerklichen Blinzeln erkannte, dass der junge Syrer angreifen - und obsiegen würde...

Oder wenn er sich am Abend niederbeugte, um eins der Kochfeuer anzufachen, so dass der Schein der wärmenden Flamme seine olivbraune Haut eine Spur dunkler erscheinen ließ, die sich durch beharrliches Training inzwischen wohlgeformten Muskeln als lebendige Schatten darunter abzeichneten und Agron mit wohligem Schauer daran erinnerten, wie es sich anfühlte, wenn seine Finger sanft über die harten Wölbungen fuhren, so dass der Jüngere vor Wonne dunkel aufstöhnte.

Unzählige, kostbare Momente, in denen Agron pures, nie gekanntes Glück empfand.

Und doch geschah es hin und wieder, dass er mitten in einer solchen Betrachtung mit einem Schlag erstarrte, die Erinnerung ihn zu Eis gefrieren ließ...

...an die Nacht, in der er Nasir getötet hätte.

...ohne Zögern oder Bedauern dieses junge Leben fast beiläufig ausgelöscht worden wäre, wäre es nach seinem Willen gegangen...

In Agrons Welt gab es keine Gnade, kein Erbarmen.

Man hatte ihm immer und immer wieder alles genommen: Sein Heim, seine Familie, seine Freiheit - und zuletzt seinen Bruder - der wichtigste Grund für ihn, zu leben.

Niemand hatte ihm je Gnade gewährt - wieso sollte er im Gegenzug nun verzeihen, dass dieser unwürdige Leibsklave versucht hatte, seinen Freund und Waffenbruder, seinen Befreier zu ermorden?

Ausnahmsweise war er damals einmal einer Meinung mit dem verhassten Gallier gewesen.

Crixus und er sahen in dem jungen Tiberius nichts als einen ungezähmten Hund, der erneut zubeißen würde, sobald man ihm allzu vertrauensselig den Rücken kehrte. Doch Spartacus in seiner manchmal nicht zu verstehenden Großherzigkeit hatte darauf bestanden, diesem jungen, syrischen Haussklaven das Leben zu schenken.

Und was wäre ohne diese Großherzigkeit aus Agron geworden?

Ohne diesen Jungen, der sein zu Eis erstarrtes Herz geschmolzen hatte, der ihn gelehrt hatte, zu lieben und zu vertrauen, der seinem Dasein erst wieder einen Sinn und ein Ziel gegeben hatte...

Der von einem unbekannten, beliebigen Sklaven zum Herrn über Agrons Herz und Seele geworden war, dem Mittelpunkt all seines Seins und Strebens...

Die unsägliche Vorstellung, ohne Nasir zu existieren, ohne die geringste Ahnung zu haben, was in seinem armseligen Dasein fehlte,  versteinerte Agrons riesige, kampferprobte Gestalt, als habe er Medusas Haupt erblickt.

Nasir sah vom Feuer auf, geradewegs in Agrons Augen, als würde ein unsichtbares Band ihn magisch anziehen. Und trotz der hereinbrechenden Dunkelheit erkannte Agron, wie sich eine fragende Besorgnis in den Blick des Jüngeren stahl, als er die entsetzte Starre bemerkte, die den Körper seines Geliebten gefangen hielt.

Da legte sich eine Hand schwer auf Agrons Schultern. Erschrocken fuhr er herum - um Spartacus in die Augen zu sehen.

„Welch finstere Gedanken haben deine Seele umfangen, Bruder?“, fragte der Thraker in ruhiger Freundlichkeit.

Agron entspannte sich, der Schrecken wich der Nachdenklichkeit, als er schließlich erwiderte: „Die Möglichkeit dessen, was wäre, hätte ich in der Nacht von Nasirs Befreiung meinen Willen durchgesetzt...“

Ein feines, wissendes Lächeln umspielte Spartacus‘ Mundwinkel, als sie nun beide zu dem jungen Syrer hinüber blickten. Nasir erhob sich und trat zu ihnen, noch immer den Anflug von Besorgnis auf seinem Gesicht, als er fragte: „Ist alles in Ordnung?“

Ohne Rücksicht auf die Anwesenheit seines Anführers schlang Agron einen Arm um die Schulter des Jüngeren, zog ihn nahe an sich und erwiderte: „In der Tat ist es das!“

Ruhig wendete er sich Spartacus zu, suchte dessen Blick und erklärte aus tiefster Seele: „Ich danke dir, mein Bruder!“

Spartacus nickte lediglich, senkte grüßend das Haupt und entfernte sich.

Nasir sah seinen Geliebten fragend an und wollte wissen: „Wofür schuldetest du Spartacus deinen Dank?“

Das Lächeln, das Agrons Gesicht überzog und auf diese Weise ausschließlich ihm galt, wärmte Nasir mehr als jedes Feuer.

„Für die Gnade deines Lebens, mein Herz...“

-s-s-s-s-


Diese Idee, dass Nasir sein Leben Spartacus‘ Gnade verdankt, hatte ich auch in „Flashlights“ schon mal aufgegriffen. Doch hier fand ich schön, es auch noch mal durch Agrons Augen zu betrachten. Seine Gedanken, was aus ihm ohne Nasir geworden wäre...

Wie immer freue ich mich natürlich mächtig über Rückmeldungen von Euch! Da das reguläre soziale Leben derzeit ja ziemlich darnieder liegt, habt Ihr vielleicht ein bisschen mehr Zeit und Lust, hier zu kommunizieren? Antwort gibt es garantiert auf jedes Review :-)!

 

Wenn Ihr wollt, lesen wir uns nächste Woche an dieser Stelle wieder!

Haltet Abstand, bleibt gesund, und bis bald

Ann

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