Wind zwischen den Halmen

von Orodruin
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Aragorn Legolas OC (Own Character) Théoden
24.03.2020
26.03.2020
2
1668
 
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Der, wie ich in der Zwischenzeit erfahren hatte, Waldläufer, führte uns in Richtung Südosten, in Richtung der großen Oststraße. Der Zustand meines Bruders war relativ stabil, obwohl wir nun schon den zweiten Tag so unterwegs waren. Etwa drei Meilen nördlich der Straße, wie ich schätzte, führte er uns in ein dichtes Waldstück hinein. Plötzlich öffnete sich das Waldstück, und gab den Blick auf ein Lager frei, welches von Frauen, Kindern und Männern bevölkert war, allesamt in grün, braun und schwarz gewandet. Sie blickten kurz von ihren Arbeiten auf, wenn wir vorbeiritten, und fuhren dann mit ihren Tätigkeiten fort, seltsame Besucher waren sie offenbar gewohnt.
Wir durchritten das gesamte Lager, zu einer kleinen Hütte am Rand. In dem Moment, in dem wir hielten, erschien im Eingang der Hütte ein Elb mit goldblondem Haar, der uns überrascht musterte. Zwar erwiderte ich seinen Blick, doch Emotionen können kaum darin gelegen haben, ich fühlte mich so leer wie noch nie.
„Glorfindel, mae Govannen.“ Sagte der Waldläufer. „Mae Govannen, Aragorn.“, erwiderte der Elb. „Was ist passiert?“ Dann erst sah er meinen Bruder, der immer noch auf dem Pferd saß, und sich kaum halten konnte. Seine Augen weiteten sich, und er eilte zu mir, um ihn zu stützen. Gemeinsam bekamen wir ihn vom Pferd und trugen ihn in die Hütte. Erneut fragte er: „Was ist mit ihm passiert? Ich habe so etwas noch nie gesehen.“ Schmerz schoss durch meine Brust, als wäre sein Schmerz der meine. „Er hat seine Liebe verloren, er hat sie aufgegeben.“, presste ich mit einiger Mühe hervor. Der Elb namens Glorfindel schaute mich forschend an, dann wandte er sich wieder meinem Bruder zu. Aragorn, der Waldläufer, trat näher heran. „Weißt du, wie ihm geholfen werden kann?“ Glorfindel blickte mich leicht gequält an. „Ich bin mir nicht sicher, aber ich fürchte, er braucht Unbekanntes.“ Ich blickte ihn leicht irritiert an. „Er sollte alles vergessen, was mit IHR zu tun hat. Ich glaube allerdings, dazu dürfte er eure Präsenz eine Weile nicht mehr in seiner Nähe haben.“
Ich dachte einige Sekunden über seine Worte nach, mein erster Impuls war, ihm zu widersprechen, doch letztlich konnte ich nichts tun, um ihm zu helfen. Nach einigen Momenten erwiderte ich schweren Herzens: „Ich werde tun, was ihr für das Beste haltet. Wenn ich fort bin, passt für mich auf ihn auf.“
Ich verließ die Hütte, meine Augen füllten sich erneut mit Tränen. Würde es jemals einen Tag geben, an dem ich keine Tränen mehr hätte? Ich hörte, dass mir der Waldläufer gefolgt war. „Wo wollt ihr hin?“ „Ich weiß es nicht. Noch nicht zumindest.“ Meine Stimme klang erstickt. Für einen Moment wünschte ich mir, mehr wie mein Bruder zu sein, die Maske besser halten zu können. Im selben Moment verbannte ich den Gedanken an ihn aus den meinen. Ich würde mich jetzt von ihm entfernen. Für eine sehr lange Zeit. „Lasst mich mit euch kommen. Ich kenne mich in vielen Gegenden dieser Welt aus und ihr könnt Begleitung sicherlich gut gebrauchen.“, riss mich der Waldläufer aus den Gedanken. „Nein. Mein Bruder braucht jede Hilfe, die er bekommen kann. Ich glaube, er wird euch mögen, wenn er erstmal wieder wach ist. Er wird jemanden brauchen, mit dem er reden kann.“ Ich kämpfte um meinen Gesichtsausdruck, von dem ich hoffte, dass er möglichst wenig meiner Gefühle erkennen ließ. „Und ich kann mich durchaus auch selbst verteidigen.“ Er sah mich mit seinen durchdringenden grauen Augen an und nickte schließlich kaum merkbar. „Ihr habt Recht. Ich werde nicht mit euch kommen. Doch falls ihr mir Nachricht senden wollt, schickt sie nach Bruchtal. Man kennt mich dort.“ Ich stimmte ihm zu und wollte gerade aufsteigen, als er mich am Arm festhielt und sagte: “Wenn ihr einen Waldläufer trefft, wird er euch, im Bezug auf eure Geschichte, vermutlich nicht glauben. Zeigt ihm dies hier und er wird euch helfen, soweit ihm das möglich ist.“ Mit diesen Worten zog er einen Ring von seiner linken Hand und reichte ihn mir. Meine Augen weiteten sich und ich nahm den Ring vorsichtig entgegen. Jetzt ergab auch sein Name Sinn für mich und auch, warum er mir bekannt vorgekommen war. Die Linie Isildurs war also noch nicht ausgelöscht. „Ich danke euch, Aragorn, Arathorns Sohn. Möget ihr die Schlachten erfolgreich bestreiten, die noch kommen. Folgt mir nicht.“ Mit diesen Worten stieg ich auf mein Pferd und galoppierte aus dem Lager der Waldläufer.
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