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Mut zur Liebe

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Julia Schindel Tonio Niederegger
23.03.2020
08.04.2020
17
26.686
3
Alle Kapitel
28 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.03.2020 1.262
 
Hallo meine lieben Leserinnen und Leser.
Ich weiß gar nicht, ob es hier so viele Fans der Serie gibt, aber da ich ohnehin schon ein paar Kapitel geschrieben habe, habe ich mich entschieden diese auch hier zu posten.
Wie viele Andere sicherlich auch sitze ich aktuell zu Hause, habe sehr viel freie Zeit und versuche ab und an ein wenig abzuschalten und die ganzen Nachrichten für ein paar Stunden einfach mal zu vergessen. Die Vorfreude auf die Serie ist da auf jeden Fall eine willkommene Ablenkung!

Ich wünsche euch beim Lesen der Geschichte viel Spaß und würde mich natürlich sehr über euer Feedback freuen.
Die Charaktere habe ich natürlich nicht erfunden und ich habe auch keinerlei Absichten mit der Geschichte hier Geld zu verdienen.

Liebe Grüße,
Lisa.

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Julia's POV (Point of View)

Es hatte ein entspannter Abend mit Felix' Freunden werden sollen, aber die Erkenntnis, dass die Frau seines Bekannten meine Klientin war, hatte mich vor eine große Herausforderung gestellt. Ich durfte mir natürlich nicht anmerken lassen, dass Brigitte die völlig aufgelöste Hanna Stegmeyer am Tag zuvor nach einem harmlosen Auffahrunfall in die Beratungsstelle gebracht hatte und ich mich anschließend mit ihr unterhalten hatte. Der Eindruck, den sie bei dem Gespräch nur zögerlich übermittelt hatte, bestätigte sich dann leider am heutigen Abend.
Ihr Mann Joachim, der nicht nur ein Freund von Felix sondern auch sein Chef in der Klinik war, behandelte seine Frau den ganzen Abend über von oben herab. Er nutzte jede Möglichkeit sie zu kommandieren oder zu demütigen und ich musste mich schwer zusammen reißen, damit ich nicht dazwischen ging und die Situation damit wahrscheinlich noch schlimmer machen würde. Noch schockierter als von dem Verhalten des Mannes war ich jedoch als Felix' dessen Verhalten auf dem Heimweg herunterspielte und mir vorwarf, dass ich eine hysterische Feministin war, die in die Situation mehr hinein interpretierte als es eigentlich gewesen war. Ich war enttäuscht, dass Felix den Ernst der Lage nicht erkannte und vor allem, dass er meiner Erfahrung als Psychologin nicht vertraute und stattdessen stur auf seiner Meinung beharrte.

Als wir bei dem Haus ankamen, in dem wir seit kurzem beide in benachbarten Wohnungen wohnten, konnte ich es kaum erwarten aus dem Auto auszusteigen. Ich verabschiedete mich ohne einen Kuss oder eine Umarmung von Felix und entschloss noch eine Runde um den Block zu laufen.
Wir hatten uns bisher eigentlich immer gut verstanden und nie gestritten.
Nach der zweijährigen Affäre mit Paul war ich froh, mit Felix einen Mann gefunden zu haben, der zu mir stand und mit dem ich mir eine Zukunft aufbauen konnte. Felix war von Anfang an geduldig gewesen, hatte mir aber auch zu Verstehen gegeben, dass er sich mehr vorstellen könnte. Ich war zunächst noch etwas zögerlich gewesen, aber die Entscheidung für die Wohnung neben ihm war irgendwie auch eine Entscheidung für eine Beziehung mit ihm gewesen. Obwohl es mir nicht leicht gefallen war den Schindelhof zu verlassen, fühlte ich mich in der Stadt und in seiner Nähe sehr wohl. Das Leben mit ihm war unkompliziert und ich war zum ersten Mal seit langer Zeit wieder unbeschwert und glücklich.

Während ich durch die Straßen lief und nachdachte, merkte ich nicht, dass ich mittlerweile vor der Kirche unserer Gemeinde stand. Es war schon dunkel draußen, doch in der Kirche brannte noch Licht. Ich hielt kurz inne, entschied mich dann aber das Gebäude zu betreten. Schon vom Eingang aus konnte ich erkennen, dass die Person, die dort mit dem Rücken zu mir am Altar stand, Tonio war. Er betete nicht, jedenfalls nicht laut, aber er war so vertieft in seine Gedanken, dass er mich erst bemerkte, als ich direkt hinter im stand. Erschrocken drehte er sich rum:
„Julia, was machst denn du hier ?“
„Ich war spazieren und hab' gesehen, dass hier noch Licht brennt ...“. Ich stoppte und schaute auf den Boden. Tonio sah mich eindringlich an. Er merkte sofort, dass etwas nicht stimmte und forderte mich auf, die ganze Wahrheit zu erzählen. Ich seufzte und setzte mich auf die Stufe vor dem Altar. Tonio tat es mir gleich und ließ sich neben mir nieder. Ich erzählte ihm von dem missglückten Abend und im Gegensatz zu Felix erkannte Tonio, dass Hanna unsere Hilfe brauchte. Ich war dankbar für sein Verständnis und überlegte mit ihm zusammen, wie wir Hanna am besten helfen konnten.

Beruflich waren Tonio und ich nach wie vor ein eingespieltes Team, auch wenn unsere Ansätze manchmal nicht unterschiedlicher hätten sein können. Das Wohl der Leute in unserer Gemeinde stand für uns beide an erster Stelle, aber in letzter Zeit hatten sich unsere Interaktionen auf das Nötigste beschränkt. Privat hatten wir in den letzten Wochen kaum noch Kontakt gehabt. Nicht mal zu meiner Einweihungsparty war Tonio gekommen. Ich vermisste die Gespräche und die gemeinsame Zeit mit ihm, aber ich respektierte seine distanzierte Art. Seitdem er damals auf dem Hof meiner Eltern Zeuge meines ersten Kusses mit Felix geworden war, hatte er sich zurückgezogen. Ich hatte mich bis heute nicht getraut zu fragen, was er an dem Abend von mir gewollt hatte. Obwohl mich die Antwort brennend interessierte, hatte ich Angst, dass sie meine Gefühlswelt durcheinander bringen würde. Die Beziehung zu Felix war unkompliziert und komfortabel und genau das brauchte ich im Moment. Außerdem wollte ich nicht, dass Tonio komplett aus meinem Leben verschwand. Dass er kurz davor war, die Leitung im Priesterseminar in München zu übernehmen , hatte mir einen Stich ins Herz versetzt, aber er entschied sich trotz dem erneuten Drängen  des Generalvikars gegen die Stelle und für seine Gemeinde in Bad Tölz. Was ihn zu der Entscheidung bewogen hatte, wusste ich nicht und auch hier akzeptierte ich es einfach.

Da wir beide gerade nicht redeten und Tonio gedankenverloren nach vorne schaute, ließ ich meinen Blick über sein Gesicht wandern. Den dunkeln Teint, die braun-grünen Augen und die vollen Haare hatte er von seiner spanischen Mutter geerbt. Ich war mir ziemlich sicher, dass ich nicht die einzige Frau war, die ihn attraktiv fand, aber ein Frauenschwarm war er dennoch nie gewesen. Bereits in der Schulzeit engagierte er sich ehrenamtlich für die Kirche und war auch sonst erwachsener und verantwortungsbewusster gewesen als die meisten Jungen in seinem Alter. Er ging darin auf Anderen zu helfen und für sie da zu sein und er war der zuverlässigste Mann, den ich kannte. Seine eigenen Bedürfnisse hatte er schon früher immer hinten angestellt und ich war mir nicht sicher, ob diese Eigenschaft unsere momentane Situation einfacher machte oder ob es nur noch einen Funken brauchte, der dann alles nur noch schwieriger machen würde.

Für eine Auseinandersetzung mit dem Thema heute Abend war ich zu müde und auch Tonio schien nicht mehr groß reden zu wollen. Ich nahm meine Tasche und hatte seine Aufmerksamkeit sobald ich mich erhob.
„Es ist schon spät. Ich denke ich sollte mich so langsam auf den Weg machen.“
Er nickte: „Machst du dann morgen einen Termin mit Frau Stegmeyer oder sollen wir direkt zu ihr fahren ?“
„Ich würde gerne direkt morgen früh zu ihr nach Hause fahren, wenn das für dich in Ordnung ist?“
„Klar“, antwortete er kurz.
„Okay … also dann, bis morgen!“, verabschiedete ich mich und lief Richtung Ausgang.
„Juli ?“. Ich war kurz vor der Tür angekommen, als ich Tonio meinen Spitznamen rufen hörte.
„Bist du glücklich ?“, fragte er mich als ich mich zu ihm gedreht hatte. Wir sahen einander tief in die Augen und statt seine Frage zu beantworten, stellte ich ihm die Gegenfrage:
„Bist du es denn ?“
Er schaute auf den Boden und ohne eine eventuelle Antwort abzuwarten, verließ ich die Kirche mit einem mulmigen Gefühl im Magen.
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