Nebellicht

GeschichteAllgemein / P12
23.03.2020
23.03.2020
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Durch den dicken Nebel war nicht viel zu erkennen, er verschluckte jegliche Gebäude oder sogar Menschen, die sich in dieser Dunkelheit überhaupt noch trauten, einen Schritt vor die Tür zu setzen. Von diesen Menschen gab es nicht viele, besonders nicht in der von Mauern umgebenen Ruinenstadt Kitos. Keines der Gebäude innerhalb dieser Mauern war noch ganz, alle waren eingerissen und boten nur spärlich Schutz vor dem Wetter, doch die Bewohner von Kitos hatten sich daran gewöhnt und hatten ihre eigenen Methoden entwickelt, um zu überleben.
Eine Gestalt huschte zwischen zwei Hauswänden durch und nutzte den dicken Nebel, dass sie niemand sah. Mit wenigen Handgriffen kletterte sie geschickt über das Eingangstor, das von aussen verschlossen wurde und nie geöffnet werden sollte. Den Kitos war ein Gefängnis für schlechte Menschen, für den Abschaum des ganzen Königreichs Kineos. Doch die Gestalt hatte bereits vor Jahren gelernt, wie man ungesehen raus- und reinkam. Sie war eine lebende Legende, keiner von Kineos kannte ihr Gesicht, aber sie hassten sie alle abgrundtief. Sie wurde hinter vorgehaltener Hand Meisterdieb genannt und der König hatte bereits seit Jahren eine riesige Summe Kopfgeld ausgesetzt auf sie, die man ehrfürchtig Black nannte. Alle waren überzeugt, dass diese Gestalt ohne Gewissen sich das nahm, was sie wollte, mordete, wie sie wollte, und den König stürzen wollte.
Die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, schlich sie sich der Mauer entlang in Richtung der Stadt. Einmal sah sie über ihre Schulter hinweg und ich wusste, dass ich aufgeflogen war, noch bevor ihre eiskalten blauen Augen meine trafen. Sie hatte es bemerkt. Sie hatte mich bemerkt. Leise fluchend löste ich mich aus dem Schatten der Mauer und wollte wieder umkehren, da sie mir sowieso befehlen würde, wieder zurück zu meinen Geschwistern zu gehen, auf sie aufzupassen und auf keinen Fall jemals etwas Verbotenes zu tun. Black war zwar für Kineos die wohl grösste Gefahr, doch für Kitos war sie ein Held, der Beschützer. Nur durch diese zwielichtige Gestalt konnten wir alle hier überhaupt überleben, sie riskierte ihr Leben, in dem sie für uns stahl. Doch sie wollte nie jemanden dabei haben, sie wollte niemanden von uns gefährden.
Plötzlich packte mich eine Hand und wirbelte mich zu sich herum. Mit grossen Augen schaute ich Black an, welche plötzlich vor mir stand. Ohne Wort gab sie mir zu verstehen, ihr zu folgen. Und das war das erste Mal, dass ich mitging, dass ich stiehl und dass ich etwas Verbotenes tat. Ich würde niemals behaupten, dass ich stolz auf diese Taten war, aber ich würde immer wieder behaupten, dass ich stolz darauf war, die Erwählte von Black zu sein, mich ihre Schülerin zu nennen und allen Menschen in Kitos somit zu helfen. Den wenn das Königreich es nicht für nötig hielt, uns essen und Medizin zu geben, da wir ihrer Meinung nach unwürdig waren und böses Blut in uns trugen, so mussten wir selber dafür sorgen. Koste es was es wolle, auch wenn es mein Kopf sein sollte.
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