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Unerwartet erhofft

von KeiLune
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16
22.03.2020
25.11.2020
3
5.691
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22.03.2020 1.960
 
Es war fast Mitternacht und Tsukishima Kei starrte wieder fassungslos auf die Nachricht auf seinem Handy, die er schon zum gefühlt millionstel Mal gelesen hatte. Eine Nachricht von Unbekannt:

''Ich bin stolz auf dich''

Fünf Worte, die er einfach nicht verstand.

Als sie nach dem Turnier und dem siegreichen Match gegen Shiratorizawa nach Hause fuhren, hatte er nach seinem Handy gefummelt und es wieder in Betrieb genommen. Die Jungs waren durch den Sieg immer noch aufgedreht gewesen, aber ihm hatte es nach Ruhe gedrängt, daher hatte er sich die Kopfhörer aufgesetzt und gewartet, bis sein Handy hochgefahren war.

Ja, sie hatten gewonnen, aber er war unzufrieden mit sich selbst. Ein Block, nicht mehr. Und seine Hand hatte teuflisch geschmerzt, auch wenn es nur ein Kratzer war. Es sah schlimmer aus als es war und trotzdem verstand er noch immer nicht ganz, wieso er sich so reingehängt hatte. Es war doch nur ein Club, bloss Teammitglieder die zufällig in einem Team sind, etwas das ein sozial kompetent erscheinen liess, hatte man dies in seinen Unterlagen…, also…, wieso?? Ja, es hatte ihn gefuchst, beinahe in den Wahnsinn getrieben, dass er Ushijima nicht blocken konnte und es war das erste Mal, dass er sowas, wie Frustration verspürt hatte. Damit hatte seine Unsicherheit einen Nährboden gefunden und gaukelte ihm immer wieder vor, dass es reines Glück gewesen war. Trotz des Hochgefühls, dass er verspürt hatte, denn ewig hielt es nicht an. Und dann sprang ihm diese Nachricht, als er Musik anmachen wollte, praktisch ins Gesicht als wollte sie ihn verhöhnen.

''Ich bin stolz auf dich!''

Zum Teufel, wer schrieb ihm hier solch einen Stuss? Wollte sich Jemand einen Scherz mit ihm erlauben? Er hatte die Nachricht stur und unbeantwortet weggedrückt und sie mit Musik aus seinem Kopf verbannt. Bis zuhause hatte er nicht mehr an die sie gedacht. Erst als er aus der Dusche kam und gerade sein Haar trocknete, fiel sein Blick wieder auf sein Handy.
Während er in bequeme Klamotten schlüpfte schielte er immer wieder auf seinen Tisch und überlegte, wer dahintersteckte. Seine Teammitglieder schloss er aus. Er hatte von jedem die Nummer, somit konnte es keiner von ihnen sein. Ausser einer von ihnen hatte ein zweites, aber wozu? Jemand aus der Schule? Vielleicht aus seiner Klasse? Aber woher hatte dieser Jemand seine Nummer?
Mit seinem Handy bewaffnet hatte er es sich auf seinem Bett bequem gemacht und hatte bis jetzt auf diese Nachricht gestarrt, überlegend was er tun sollte. Antworten? Ignorieren? Er war uneins mit sich selbst und das nervte ihn tierisch, genauso, dass er seine Neugier vor sich selbst nicht leugnen konnte. Seine Finger schwebten über dem Display. Was sollte er schreiben, wenn er es denn tat…? Die goldenen Augen fixierten die Tastatur und seine Finger setzten sich in Bewegung.

''??''

Zugegeben, mehr viel ihm wahrhaft nicht ein, wie peinlich. Aber er würde sich noch länger wahnsinnig machen, wenn er weiter darüber grübeln würde, was er denn nun schreiben sollte.
Jetzt hiess es warten und Geduld haben. Leider war das nicht gerade seine Stärke, auch wenn er es tunlichst vermied, dass es jemand mitkriegte. Doch es war jetzt kurz nach Mitternacht, da konnte er unmöglich eine Antwort erwarten und er selbst sollte zusehen selbst zu schlafen. Sie hatten morgen zwar kein Training, aber es würde schön werden und man hatte ihn überreden können, im Park, mit den Anderen Volleyball zu spielen. Dafür musste er um acht Uhr aus den Federn.
Nach dem harten Match würde es eine Wohltat sein, aus Spass und ohne Druck zu spielen und miteinander den Sieg nachklingen zu lassen. Sie wollten danach picknicken und das Wetter geniessen. Daichis Idee und dieser hatte es sich nicht nehmen lassen, Tsukishima nahe zu legen, auch wirklich zu kommen.
Er legte sein Handy auf den Nachttisch, seine Brille folgte und er ruckelte sich ihm Bett zurecht, um eine bequeme Position zu finden. Ein Vibrieren kündigte eine neue Nachricht an und er zuckte erschrocken zusammen. Komplett starr konnte er sich einen Moment nicht bewegen, um nach seinem Handy zu greifen und sein Herz beschleunigte sein Tempo rasant. Herrgott, das war nur eine Nachricht, er sollte sich nicht so anstellen. Einen tiefen Atemzug nehmend, drehte er sich um und nahm sein Handy. Die Nachricht war tatsächlich wieder von Unbekannt. Nervös drückte er auf Lesen.

''Eigentlich dachte ich, du seist eloquenter :) Was kann man unter ‘Ich bin stolz auf dich’, nicht verstehen??''

Empört bliess er die Backen auf und stierte mit zusammengekniffenen Augen böse auf die Nachricht. Wie bitte?? Was erlaubte sich diese Person eigentlich?? Hastig flogen seine Finger über die Tastatur, um eine gepfefferte Antwort zurückzuschreiben.

«Mit Feiglingen, die Fremde beleidigen und ihren Namen nicht nennen, habe ich nichts am Hut. Also du entschuldigst, es ist spät. Keine gute Nacht.»

Beleidigt knallte er sein Handy auf den Nachtisch und schmiss sich in die Decken. Also wirklich…, da traut man sich über seinen Schatten zu springen und dann sowas.

«Tze…, voll uncool…», nuschelte er leise vor sich hin. Was regte er sich überhaupt auf? Er sollte es einfach ignorieren und nicht mehr daran denken. Vermutlich würde nach seiner Antwort eh keine weitere Nachricht mehr folgen. Ein weiteres Vibrieren liess in beinahe aus dem Bett springen. Mit seiner Hand auf der Brust sass er aufrecht auf dem Bett und sah böse auf sein Handy. Das war doch…, am besten er stellte es aus. Immer noch das Handy fixierend überlegte er, ob er es, nach diesem Schreck, gefahrlos anfassen konnte. Er schüttelte über sich selbst den Kopf und griff hastig danach. Über sich selbst genervt las er die Nachricht.

''Sorry, es war nicht meine Absicht, dich zu beleidigen. Ich weiss, dass du sehr wortgewandt und auch intelligent bist. Aber auch sehr eigen…, ich hätte es besser wissen müssen. Also, es tut mir aufrichtig leid.''

Vollkommen überrascht und perplex musste er die Nachricht ein paarmal lesen, bis sie endlich in seinem Hirn angekommen war. Seine Wangen fühlten sich irritierend warm an. Schande über sein Haupt für seine Langsamkeit, aber auch jetzt, wo er den Sinn verstanden hatte…, er verstand noch weniger. Seine Finger tippten automatisch eine Antwort.

''Kennen wir uns? Wer bist du?'' Er stierte ungeduldig auf das Display und wackelte nervös mit den Zehen. Als sein Handy erneut vibrierte, zögerte er nicht mehr auf Lesen zu drücken.

''Eigentlich nicht, schwer zu sagen, aber wir sind uns schon öfters über den Weg gelaufen. Ich hoffe, du wirst es mir nicht übelnehmen, aber ich bevorzuge es, vorerst unbekannt zu bleiben, aber du kannst mich Luna nennen, falls du weiterhin schreiben möchtest, das ist mein richtiger Zweitname. Somit hast du schon zwei Fakten über mich.''

Ach du Schei…, ein Mädchen schrieb ihm. IHM…! Seine Wangen fühlten sich nun heiss an und er warf sein Handy auf die Bettdecke als hätte er sich verbrannt. Das war…, es hatte ihm noch nie ein Mädchen geschrieben, er hatte auch noch nie allzu viel mit ihnen zu tun. Ausser bei Partner-Arbeiten in der Schule oder mit Kiyoko und Yachi. Oder die dämliche Zimtzicke Ujinima Hikari eine Stufe über ihm, mit der er immer mal wieder aneinandergeriet. Sie machten einander ständig ihre Position als bester Schüler streitig und konnten sich nicht ausstehen. Aber das war was ganz anderes.
Sie hatte geschrieben, sie sei stolz auf ihn…, wie kam sie dazu? Dazu müsste sie ihn eigentlich schon etwas kennen…? Er nahm sein Handy wieder in die Hand und tippte los. Vorher speicherte er jedoch die Nummer unter ihrem Namen. Dass sein Verhalten nicht typisch für ihn war, wusste er wohl weisslich, schob es aber ins hinterste Eck seines Bewusstseins. Seine Neugier war grösser.

''Wieso hast du das geschrieben?'' Ungeduldig wartete er auf Antwort.
''Was? Das ich stolz auf dich bin?''
''Ja''

Dieses Mal musste er länger auf eine Antwort warten und sein Blick fiel auf seinen Wecker. Ein Uhr nachts…, er sollte eigentlich schlafen und doch konnte er dieses Handy jetzt einfach nicht weglegen. Da er immer noch im Bett sass und seine Beine langsam protestierten legte er sich wieder bequem hin und kuschelte sich in die Decken. Sein Handy meldete wieder eine Nachricht.

«Weil ich es bin. Es mag für dich keinen Sinn ergeben, aber es ist nun mal so, dass es mir nicht leichtfällt, dir nicht beim Spielen zuzusehen. Keine Sorge, ich bin keine Stalkerin. Ich liebe und spiele selbst Volleyball und wir gehen schon seit der Grundschule in die gleichen Schulen, ein Jahr zeitversetzt.''

Er runzelte die Stirn. Es war schon ein etwas surreales Gefühl, so etwas zu erfahren. Sie beobachtete ihn und dass schon länger, aber es fühlte sich ungewöhnlicher Weise nicht so unangenehm an, wie er gedacht hätte. Und sie war ein Jahr jünger oder älter als er. Seine Augen flogen über die weiteren Zeilen.

''Ich habe vereinzelt das Training von euch gesehen und natürlich war ich bei jedem Spiel dabei. Deine Art zu spielen hat mich schon von Anfang an fasziniert. Auch wenn du nicht annähernd dein volles Potenzial ausschöpfst, was ich schade finde, sehe ich, zu was du imstande wärst. Und mit eurem Spiel gegen Shiratorizawa, eurem Zusammenhalt und deinem Block gegen Ushijima hast du mich in meiner Annahme bestätigt. Ich spiele auf der gleichen Position wie du und weiss daher, was für ein Kaliber er ist.''

Völlig baff las er sich die Nachricht nochmals durch. Er konnte sich gerade nicht entscheiden, wie er sich fühlen sollte. Geschmeichelt? Peinlich berührt? Stolz? Verlegen? Irritiert? Verarscht? Er vermutete, alles zusammen, ein chaotischer Mix. Noch niemand hatte ihm je so etwas Direktes gesagt. Konnte er ihr glauben? Aber wieso sollte sie auch einfach so aus Jux und Tollerei, sich um die Uhrzeit die Mühe machen, mit ihm zu schreiben? Oder sagen, sie sei stolz auf ihn. Unsicher was er darauf antworten sollte, verharrte er. Er hatte keine Ahnung was er schreiben sollte. Tatsache…, die erste Person, die ihn hatte, mundtot machen können. Sein Handy vibrierte erneut in seinen Händen.

''Ich weiss, etwas plötzlich und viel auf einmal und es ist schon recht spät. Am besten wir gehen schlafen, ich muss früh raus und wenn ich den Kopf nicht bei der Sache habe, wird mir der Kopf abgerissen Falls du nichts dagegen hast…, können wir morgen wieder schreiben…?''

Erstaunt las er die Nachricht. So lange hatte er sich nicht Zeit gelassen und doch ahnte sie, dass er etwas überfordert war. Anscheinend jemand, der Rücksicht nehmen konnte, daher entschloss er sich, etwas entgegenkommend zu sein. Die Hoffnung hinter der letzten Frage, liess seine Wangen wieder erstaunlich warm werden.

''Ich weiss noch nicht ganz genau, was ich von all dem halten soll. Sowas kam nicht alle Tage vor, aber ich gebe zu, ich bin neugierig. Daher können wir fürs erste miteinander schreiben. Bis dann und gute Nacht.''

Er las sich die Nachricht nochmals durch. Doch das ging so. Er wollte nicht zu euphorisch rüberkommen, um eine mögliche Enttäuschung zu verhindern, denn er musste zugeben, dass er sich sehr geschmeichelt fühlte. Aber das würde er nie laut zugeben. Über sich selbst den Kopf schüttelnd wollte er sich gerade hinlegen, als sein Handy eine neue Nachricht ankündigte.

''Das freut mich…, dann lasse ich dich mal in Ruhe. Schlaf schön und gute Nacht.''

Sein Handy fand seinen Weg zurück auf den Nachtisch. Sein Kopf grübelte noch einige Zeit vor sich hin, wer das sie sein könnte. Wann er genau einschlief, konnte er nicht mehr sagen, doch als am Morgen sein Wecker klingelte, fühlte er sich nicht komplett ausgeschlafen. Es muss ihn bis in seine Träume verfolgt haben.
 
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