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Quo vadis, Lucius?

von Lucy Monk
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Mystery / P18 / Gen
Dr. Natalie Lambert Lacroix
22.03.2020
27.03.2020
9
14.508
 
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Dieses Kapitel
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22.03.2020 2.242
 
QUO VADIS, LUCIUS?

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Vorwort:
Dies ist eine autorisierte Übersetzung der gleichnamigen Story von Ragna Katharina. Das englische Original findet ihr auf  Fanfiction.net unter diesem Link: http://www.fanfiction.net/s/671950/1/QUO-VADIS-LUCIUS

Die Geschichte hat mir so gut gefallen, dass ich die Autorin bat, sie übersetzen und hier posten zu dürfen. Nun, was soll ich sagen, sie hat es mir erlaubt :-D  

Es freut mich besonders, weil es eine wirklich gute Story ist und ich alle deutschsprachigen „Forever-Knight-Fans“ gerne daran teilhaben lassen möchte.

Die Kapiteleinteilung habe ich wie im Original belassen.

Doch nun lassen wir die Autorin selbst zu Worte kommen:

Vorbemerkungen der Autorin Ragna Katharina:

Die Geschichte spielt nach der Episode „Last Knight“. Natalie erwacht… auf der Via AppiaDisclaimer:

Falls diese Geschichte erträglich ist, so ist dies vollkommen meinen lieben und geduldigen Korrektur-Lesern Heather-Anne Gillis und Ivy (LPRaven) zu verdanken.

Es findet sich etwas Latein in dieser Geschichte und ich werde die Übersetzungen am Ende der Story in einem einzigen Beitrag hinzufügen, damit diejenigen, die es interessiert, einen Blick darauf werfen können. Meine eigenen Latein-Kenntnisse sind sehr begrenzt und völlig eingerostet. Deshalb kann ich nicht für ihre Korrektheit garantieren.

Oh, bitte… falls jemand daran interessiert ist, diese Story woanders zu posten, möge er sich bitte mit mir in Verbindung setzen.

Ich würde mich über alle Kommentare freuen, sofern sie mich nicht in vollem Umfang zerreißen ;)

Meine E-Mail-Adresse ist: iejasu@fan-fiction.de

Liebe Grüße

Iejasu
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Abschließende Bemerkung der Übersetzerin:

Ihr könnt der Autorin gerne auf Deutsch schreiben, wenn ihr mögt. Aber ihr könnt auch Reviews hinterlassen. Ich werde eure Feedbacks dann gerne der Autorin weiter übermitteln.

Und nun wünsche ich Euch viel Vergnügen beim Lesen der Story.

LG

LucyPS: Der Einfachheit halber habe ich mir erlaubt, Ragna Katharinas Übersetzungen der lateinischen Wörter und Redewendungen jeweils nach dem Abschluss des entsprechenden Kapitels anzufügen.


Kapitel 1


Lacroix war in mieser Stimmung. Sein Sohn war nach der Körperverletzung seiner sterblichen Freundin verschwunden und hatte ihm ein Chaos hinterlassen.

Wie immer war Nicholas viel zu hastig gewesen, seine zwanghaften Schuldgefühle und seine egoistische Natur hatten ihn zu der Überzeugung gebracht, dass Dr. Lambert tot sei.

Lacroix war gezwungen, sie ins Krankenhaus zu bringen, statt seinen Sohn zu verfolgen. Nicht, dass er ihr Leben mehr als das irgendeines anderen Sterblichen wertschätzte, aber falls Nicholas jemals zurückkehrte, wäre es zu seinem Vorteil, Nicholas eine lebendige und atmende Natalie Lambert zu präsentieren, statt eines Grabes.

So fand er sich selbst mitten in der Nacht in einer Notfallaufnahme [1] wieder, gab ihnen Auskunft über ihre Blutgruppe, so dass sie ihr rasch und möglichst effizient die Behandlung zukommen lassen konnten, die sie am meisten benötigte.

Nachdem er davon überzeugt war, dass die Mitarbeiter sich nicht an ihn oder an irgendetwas über die Person, die sie ins Krankenhaus gebracht hatte, erinnern konnten, ging er nach Hause.

Nicholas hatte sich selbst vollständig verschlossen. Lacroix hätte niemals gedacht, dass Nicholas dazu imstande sein würde, aber offensichtlich hatte er sich geirrt. Das Einzige, was er fühlen konnte, war, dass Nicholas noch am Leben war.

Eine Sache linderte die Besorgnis des alten Generals. Nicholas war ein Katholik. Die katholische Kirche verbot Selbstmord. Das war der Grund, warum Nicholas Lacroix gebeten hatte, ihn zu töten.Gerade deshalb würde Nicholas nicht in die Sonne gehen oder Zuflucht bei anderen widerlichen Aktivitäten suchen, wie sich selbst aufzuspießen etc.

Die Sonne stieg auf, als er zu Bett ging.



***


Lucien erwachte sofort. Dieser freche Hahn. Wie konnte er es wagen, seinen Schlaf zu stören?

Er öffnete seine Augen und schloss sie sofort wieder, rollte sich instinktiv aus seinem Bett, um sich vor den brennenden Strahlen der Sonne zu verstecken. Plötzlich blinzelte er. Auf dem Boden liegend fühlte er die Wärme der Sonne, aber nicht den Schmerz. Die Sonne verbrannte ihn nicht, stattdessen fühlte er sich warm und geborgen

Langsam erhob er sich. Wo war er? Dies war ein sonniger Raum, der ihm vertraut vorkam.Er ging zu einer Truhe und öffnete sie… Seine Rüstung! Nein, das war nicht die Rüstung eines Generals, sondern bloß diejenige eines Legatus.

Er schaute nach unten. Offensichtlich war er ein bisschen leichter gebaut, als er in Erinnerung hatte. Er blickte auf seine Hände und Arme. Es waren die Arme und Hände eines sehr viel jüngeren Mannes.

Er hörte Stimmen von draußen…

„Lydia! Komm herein. Du musst mir mit dem Schwenken helfen.”

‚Lydia?‘

Er ging zum Fenster und sah eine junge, blonde Frau gehorsam nach innen eilen.

Seine Schwester?

Aber sie starb 69 unter der Herrschaft von Nero.

Verwirrt kniff er sich selbst um aufzuwachen, aber er außer einem blauen Fleck an seiner Wade brachte es nichts.

Plötzlich realisierte er, dass er nicht nur Latein hörte, sondern auch wieder in Latein dachte.

Er schüttelte den Kopf vor Ekel. Das war der seltsamste Traum, den er je erlebt hatte.

***


Natalie erwachte auf einer Straße. Schöne Pflastersteine, fast blank nach dem Sturm. Die Luft roch frisch nach dem gefallenem Regen. In der Tat roch es fast lebendig. So ganz anders als der Geruch der Stadt, sie nahm einen tiefen Atemzug.

Sie hatte keine Ahnung, wie sie auf diese Straße gekommen war, aber sie fühlte sich gut… beinahe so gut wie in einem angenehmen Traumzustand. Einige Vögel sangen in der Ferne und die Sonne war warm und einladend.

Natalie war so vertieft in ihr eigenes Universum, dass sie die Geräusche nicht wahrnahm, die plötzlich von hinten kamen… eine Art Klatschen…

Plötzlich wurde sie aus ihren Träumen gefegt… Ein Pferd wieherte und ein Mann mühte sich damit ab, seine Stute unter Kontrolle zu bringen.

„MOVI!!!" [2]

Natalie sprang von der Straße und ihre Augen weiteten sich vor Staunen, als sie einen Wagen mit rasender Geschwindigkeit, auf dem sich ein römischer Soldat in voller Rüstung befand, an sich vorüberfahren sah.

„Das ist ganz bestimmt ein sehr dummer Streich… wahrscheinlich macht jemand einen verdammt miserablen Witz… Nick! Komm sofort raus…!“

Plötzlich erfasste sie ein Schwindel. Sie musste sich neben die Straße setzen und ihren Kopf festhalten. Was war geschehen? Sie erinnerte sich, dass Nick sie in den Armen hielt und versprach, mit ihr zusammen zu sein, fühlte seinen Atem an ihrem Hals… den scharfen Stich seiner Zähne. Die plötzliche Erkenntnis, dass er unfähig war, sich unter Kontrolle zu halten…

Ein kleiner Wagen, der von einem Ochsen gezogen wurde, kam die Straße entlang. Die Frau, die auf ihm saß, schaute zu ihr und hielt an. Natalie merkte, dass die junge Frau sich niederbeugte und sie etwas fragte, aber sie war zu aufgeregt, um zuzuhören, viel zu verwirrt.

Die Frau gab ihr etwas aus einem Wasserbeutel zu trinken und versuchte, sie mit Worten zu beruhigen. Allmählich wurde Natalie tatsächlich etwas ruhiger.

Sie schaute zu der jungen Frau hinauf und versuchte, etwas zu lächeln. In ihrem Medizinstudium hatte sie Latein gehabt und erinnerte sich noch an Einiges davon. Die junge Frau wollte ihren Namen wissen.

„Natalie...", sagte sie und deutete auf sich.

„Ahhh.“

Die junge Frau lächelte und deutete auf ihre Brust.

„Sabina.“

Natalie grinste und murmelte zu sich selbst…

„Alle Wegen führen nach Rom… dann sollte dies Rom sein, die Via Appia.“

Und Sabina bestätigte: „Via Appia.“

***


Eine Stunde später saß Natalie auf dem Wagen und fuhr die holprige, gepflasterte Straße entlang. Sie versuchte, sich immer noch einzureden, dass sie träumte. Aber alles war so echt. Es roch real. Sie kniff sich in den Arm und fand, dass es weh tat…

Sie fuhr auf der Via Appia auf ihrem Weg nach Rom.

***




Lucius rülpste laut. Es war nicht die feinste Verhaltensweise, aber er hatte seit Zeitaltern nicht mehr so viel gegessen. Nicht ETWAS hatte er seit Jahrhunderten verspeist…

„Oh, oh… Lucius. Du hast wahrhaftig Appetit bekommen.“

Er nickte und nahm noch eine Traube.

„Ja, Mutter.“

„Sei nicht so maulfaul, Lucius. Was spielt sich in deinem Kopf ab? Ich weiß immer, wenn dein Geist mit anderen Dingen beschäftigt ist. Gestern, als du nach Hause kamst, warst du so müde, dass du kaum stehen konntest, und heute, anstatt uns etwas über deine neuesten Abenteuer zu erzählen, sitzt du hier und isst wie ein Barbar.“

Lucius versuchte verzweifelt, sich daran zu erinnern, was auf dieser speziellen Reise geschehen war,… und scheiterte kläglich. Sein einwandfreies Gedächtnis war verschwunden, zusammen mit seiner vampirischen Natur. Aber er fand genug Geschichten in seinem Kopf, um seine Mutter und seine Schwester zu unterhalten.

Er betrachtete seine Schwester. Sie war ungewöhnlich still und schien geistesabwesend.  Jetzt erinnerte er sich, warum sie vor langer Zeit gestorben war. Hatte es bereits begonnen, sie zu infizieren? War sie diesen fremden Männern schon begegnet?

Er beugte sich über die junge Frau und fragte leise: „Lydia. Gibt es etwas, dass du mir gern erzählen würdest, kleine Schwester?“

Sie schaute ihn an, als ob sie plötzlich erwacht sei.

„Lucius… Nein, bestimmt nicht. Alles ist in Ordnung… einfach wunderbar und einwandfrei.”

Lucius schüttelte seinen Kopf. Er war besorgt. Dies war gewiss ein grausamer Traum. Einerseits erfreulich, andererseits schmerzhaft.

Er beschloss, dass es nicht seine Sache war. Es war vor langer Zeit passiert.

***


Es fühlte sich gut an, wieder eine Toga zu tragen. Er wanderte durch die Straßen und hörte die Kaufleute und beobachtete die Menschen, wie sie ihren Geschäften nachgingen.

Rom war wahrlich eine beeindruckende Stadt, sogar bevor es niederbrannte.

Gewiss, es war ein bisschen muffig, aber bald gewöhnte er sich zunehmend an den Geruch. Es fühlte sich gut an, daheim zu sein, auch wenn dies nur ein merkwürdiger Traum war.

Er befand sich gerade im Gespräch mit einem alten Freund aus Kindertagen, der jetzt in der Prätorianergarde des Nero diente, als seine Augen auf einen durch das Tor kommenden Wagen fielen.

Er stand wie erstarrt da.

Auf dem Wagen saß eine gewisse, appetitlich anzuschauende Gerichtsmedizinerin, die sich mit großen Augen umsah. Er bemerkte leicht überrascht, dass das übliche Jucken in seinen Zähnen durch einen bestimmten Juckreiz an einem ganz anderen Ort ersetzt wurde.

„Gaius, würdest du mir den Gefallen tun und den dort Wagen überprüfen? Ich würde gern einen näheren Blick auf diese Frau werfen.“

Gaius lachte.

„Lucius, ich schwöre, dass es kein Gallier sein wird, der dich eines Tages tötet, sondern ein zorniger Ehemann.“

Lucius lachte, als Gaius ging, um jenen Wagen zu stoppen.

Er spazierte scheinbar uninteressiert zu dem Wagen hin und schaute auf die schmalen Knöchel.

“POST NUBILA DIANA!” [3]

Er lächelte zu der beunruhigten Frau hinauf. Sie sah sofort nach unten und es war ziemlich offensichtlich, dass sie nichts kapierte.

Die Frau neben Natalie kicherte etwas und errötete. Sie verstand die Bemerkung. Aber offenbar versuchte sie Natalie zu schützen und antwortete an ihrer statt.

“QUOD LICET IOVI, NON LICET BOVI!” [4]

Er lachte über ihre beißende Bemerkung. Er war sicherlich kein Ochse.

Natalie starrte auf den jungen Römer, der sie angrinste. Er sah vertraut aus, sehr vertraut, aber sie konnte sich nicht erinnern, wo sie ihn schon einmal gesehen hatte. Er besaß phantastische blaue Augen und ein glattes, sonnengebräuntes Gesicht. Seine Muskeln waren gut ausgebildet und er sah ausgesprochen attraktiv aus.

Er blickte auf und sah, dass Dr. Lambert offensichtlich versuchte, ihn irgendwo einzuordnen…, aber damit nicht ganz erfolgreich war. Er beschloss, ihr zu helfen.

„QUID NOVI, NATALIE?“ [5]

Sie sah genauer hin und schnappte plötzlich nach Luft

„Lacroix!“

Er grinste.

„Gut, gut, meine liebe Dr. Lambert, Sie brauchten eine ganze Weile, um mich zu erkennen. Ich sollte gekränkt sein.“

„Was machen Sie in meinem Traum?“

„Ich hasse es, überheblich zu klingen, meine liebe Dr. Lambert, aber ich muss darauf bestehen, dass es mein Traum ist, in den Sie eindringen“, antwortete er mit aalglatter Stimme.

„Seit wann haben Sie jemals erwogen, dass Arroganz nicht von Vorteil ist?“

„Oh, meine liebe Frau Doktor, Sie können so witzig sein.“

Die Frau neben Natalie schaute interessiert und bemerkte etwas, und Lacroix erwiderte auf gleiche Weise.

„Was haben Sie gesagt?“

„Meine liebe Frau Doktor, erkenne ich da die Andeutung von Neugier?“ neckte er sie freundlich. „Ihre Freundin hier fragte, ob wir einander kennen, und ich antwortete, dass wir uns getroffen haben und dass Sie aus einer weit entfernten Provinz kommen, in die ich mit der Armee ging.“

Offenbar versuchte sie, ihren Witz aufzubringen und antwortete auf ebenso freundschaftliche Weise.

„Gut, Lacroix, es war gewiss nett, Sie zu treffen, aber ich würde es vorziehen, für mich allein zu träumen. Wenn Sie mich also entschuldigen würden.“

„Sehr gut, meine Liebe. Ich werde gehorchen. Wenn Sie mich brauchen, fragen Sie nur einen aus der Prätorianergarde nach dem Hause des Lucius Seianus.“

Er wusste, dass jeder Prätorianer das Haus des Seianus kannte. Der „Ruhm“ seines Großvaters als Leiter der Prätorianergarde trug sicher dazu bei und hatte verhindert, dass er oder jeder andere männliche Nachkomme seiner Familie jemals ein Mitglied der Prätorianer werden konnte. Es war purem Glück und einigen guten Verbindungen zu verdanken, dass seine Familie immer noch existierte und nicht befohlen bekam, Selbstmord zu begehen.

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[1] Im Original steht an dieser Stelle ER, die Abkürzung für „Emergency room“.

[2] Movi = „Beweg dich!“

[3] Post nubila Diana! = „Nach den Wolken erscheint Diana“ (in etwa: Nach der Dunkelheit kommt die Göttin)  - Im Original eigentlich: ‚Post nubila Phoebus‘ (aber ich mag Phoebus – den Sonnengott – nicht, weil er so männlich aussieht… deshalb tauschte ich ihn durch eine Göttin aus.)

[4] Quod licet Iovi, non licet Bovi! = „Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt!“ - d.h. nicht jeder darf mit der auf dem Wagen sitzenden Natalie flirten :) grins!

[5] Quid novi, Natalie? = „Was gibt’s Neues, Natalie?“
 
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