Forever you, forever me

von TheWInd
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
HIM
22.03.2020
17.05.2020
50
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22.03.2020 1.562
 
Christel hatte nur halb mitbekommen, dass Jonne die Klinik verlassen hatte.  Er war einfach gegangen, ohne ein Wort oder eine Erklärung, er war einfach abgehauen. Sie war entsetzt und wollte ihm nach, doch im Augenblick konnte sie sich nicht auch noch darum kümmern, da sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Arzt, der vor ihr stand, lenken musste, um ihn halbwegs zu verstehen.
Alles drehte sich wild durcheinander. Ihr Herz pochte ihr wild in den Schläfen, sodass sie Mühe hatte sich zu konzentrieren. Warum nur ließ Jonne sie und Ville gerade jetzt im Stich?
„Ville...,“ flüsterte sie leise, kaum hörbar. „Was ist mit ihm?“
Plötzlich war sie wieder im Hier und Jetzt, die Realität stand deutlich vor ihr und sie verdrängte ihre  schlechten Gefühle, wie auch ihre Sorgen um Jonne, denn jetzt zählte nur noch Ville. Sie wollte endlich wissen, wie es ihm ging und sie wollte ihn sehen.
„Was..?“
Der Arzt runzelte kurz die Stirn. „Wir haben vorhin noch ein MRT bei ihm gemacht. Er hat eine leichte Gehirnerschütterung und zwei gebrochene Rippen, dazu einen Milzriss. Wir operieren ihn gerade um die inneren Blutungen zu versorgen. Aber er hat nicht viel Blut verloren, und er ist stabil.“
Christel stand da wie vom Blitz getroffen. Sie hatte die Worte gehört und dann doch wieder nicht gehört. Alles klang scheppernd und sie konnte kaum noch Luft holen.
„Er muss operiert werden? Jetzt?“ Sie war den Tränen wie auch der Verzweiflung nahe und faltete die Hände ineinander. Sie hatte entsetzliche Angst um ihren Freund. Und wieder hatte sie das Gefühl als würde sie vollkommen neben sich stehen. Alles flackerte wild durcheinander.
„Ist es so schlimm?“
Der Arzt schüttelte den Kopf. „Nein, aber die inneren Blutungen müssen auf jeden Fall gestoppt werden. Beruhigen sie sich, der Riss ist nicht sehr tief und wir können seine Milz retten. Er ist wirklich in einem stabilen Zustand und der Eingriff dauert auch nicht sehr lange. Nach der OP wird er noch für die nächsten 24 Stunden auf der Intensivstation überwacht werden, ehe er auf die Normalstation verlegt werden kann. Dann dürften auch die Symptome der Gehirnerschütterung ein wenig abgeklungen sein. Die gebrochenen Rippen versorgen wir ebenfalls. Allerdings...“
Christel konnte nicht antworten. Sie war erleichtert, irgendwie, dass es nicht noch schlimmer war, und dennoch auch voller Angst, dass er gerade im OP lag, sie nicht zu ihm konnte und er von all dem nichts mitbekam. Ihr wurde schlecht, sodass sie aufkeuchte und der Arzt erschrocken nach ihrem Arm griff.
„Was? Was ist mit ihm?“
Der Arzt hob den Blick. „Allerdings wird er sich nach dem Eingriff einige Zeit lang schonen müssen. Die Rippen müssen erst richtig zusammen heilen, und das braucht seine Zeit. Er hat die vierte und die neunte Rippe gebrochen, das wird ihm auch beim Atmen sehr behindern und es ist eine äußerst schmerzhafte Verletzung.“
Ihre Augen wurden groß. „Wie lange wird es dauern? Ich meine, bis er wieder fit ist und auch auftreten kann? Er... er hat morgen eine Tour...“
„Eine Tour? Oh nein, das wird er nicht machen können. Er wird nach der Operation noch einige Zeit hier in der Klinik bleiben müssen. Die Heilungsdauer ist sehr unterschiedlich. Wichtig wird jetzt vor allem sein, dass Ville eine Atemtherapie machen wird, sodass es nicht auch noch zu einer Lungenentzündung kommt. Wir werden ihm auch keinen Verband anlegen, da manche Patienten dann zu flach atmen. Er wird auf jeden Fall auch starke Schmerzmittel bekommen und ja, es kann bis zu 6 Wochen oder auch länger dauern, ehe alles wieder richtig verheilt ist. Vorausgesetzt es kommt nicht noch zu Komplikationen.“
Christel stand noch immer wie unter Schock.
„Was...? So lange? Aber er... er ist Sänger... er kann unmöglich so lange ausfallen...“
Der Arzt nickte. „Ja, aber er wird so niemals auftreten können. Zum einen wegen der enormen Schmerzen und zum anderen, da er kaum richtig Luft holen kann. Nein, das ist vollkommen ausgeschlossen. Und 6 Wochen sind bloß ein Minimum, wenn alles gut verläuft. Sonst kann es auch deutlich länger dauern, sollte er sich nicht schonen oder seine Therapie machen. Dass muss ihm klar sein. Er würde dann mit seinem Leben spielen!“
Christel sah auf. Ja, sie hatte verstanden und nickte unmerklich. Sie spürte in diesem Augenblick, wie gerade alles den Bach hinter zu gehen schien und schloss kurz die Augen. Das alles wäre ein riesiger Schock für ihn, aber auch für seine Band, die Veranstalter und die Fans... es war eine riesengroße Katastrophe, wenn nicht sogar das Ende seiner musikalischen Karriere.
Was, wenn er danach nicht mehr richtig würde singen können, weil er nicht richtig Luft holen konnte? Oder wenn es doch noch zu Komplikationen kam? Entweder jetzt bei der laufenden OP oder ach später, weil er es nicht abwarten konnte endlich wieder auf der Bühne zu stehen? Weil ihn wieder alle dazu drängen würden, ohne Rücksicht auf ihn oder seine Gesundheit? Sie hatte es bei ihm erlebt und schon damals war es fast zu spät für ihn gewesen.
Ihre Gedanken begannen sich erneut zu überschlagen. Verzweiflung machte sich in ihr breit.
„Wann kann ich ihn sehen? Ich will bei ihm sein, wenn er aufwacht, er braucht mich. Bitte... wann kann ich zu ihm?“, fragte sie den Arzt nach einer ganzen Weile. Sie zitterte am ganzen Körper und konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. All das war eine riesige Katastrophe und es würde Ville sehr hart treffen, denn er hatte lange für diese Tour gearbeitet, dass wusste sie. Sie bedeutete ihm sehr viel, ebenso auch wie es das neue Album tat. Aber es ließ sich im Augenblick nicht mehr ändern. Er war schwer verletzt und er würde lange Zeit brauchen, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen.
Und jetzt konnte sie nur abwarten und hoffen, dass er das alles gut überstehen würde.
„Kommen sie morgen früh wieder her. Er wird nach der Operation noch in den Aufwachraum gebracht werden, ehe er auf die Intensiv kommt. Er wird noch lange Zeit schlafen. Auch aufgrund der starken Schmerzmittel. Ja, morgen früh können sie ihn kurz sehen. Sollte etwas sein, so werden wir sie informieren. Machen sie sich keine Sorgen, Mrs. Hier ist er in guten Händen.“
Christel versuchte die Schultern zu straffen und sich von ihrer ganzen Angst nichts anmerken zu lassen. Sie nickte. „Ja... ich... und die Narkose?“, fragte sie auf einmal, „Gab es da Probleme? Er hat Asthma und...“
„Nein. Es verlief alles reibungslos. Wir konnten ihn ohne Schwierigkeiten intubieren. Es könnte nur bei der Entwöhnung von der Beatmung zu leichten Schwierigkeiten kommen, aber unser Personal ist darauf geschult. Machen sie sich keine Sorgen. Kommen sie morgen früh wieder, dann wird ihr Freund sicherlich auch schon wieder so weit wach sein. Sie könnten ihm einige private Dinge mitbringen, Wäsche oder etwas, was er gerne hat, ein Buch vielleicht....“
Sie nickte, auch wenn sie die Worte kaum gehört hatte. „Er ist Musiker... er...“ Ihr versagte fast die Stimme. Aber sie hatte eingesehen, dass es nichts bringen würde. Er war schwer verletzt worden und das alles würde Zeit brauchen. Sehr viel Zeit.  
„Ja, das wissen wir.“
„Aber... er wird es schaffen, oder?“
Der behandelnde Arzt sah sie wieder an. „Ja, davon gehen wir auf jeden Fall aus. Wie gesagt, er ist stabil, machen sie sich bitte keine Sorgen. Ville hat nochmals Glück gehabt, denn die Verletzungen hätten auch um ein vielfaches schlimmer sein können.“ Damit wandte er sich schon zum gehen. Sie gaben sich kurz die Hand, dann war Christel wieder alleine.
Langsam ließ sie sich auf die weißen Plastikstühle sinken und zog die Knie an. Sie zitterte noch immer, aber irgendetwas sagte ihr, dass der Arzt Recht behalten würde. Alles andere durfte einfach nicht sein.
Ville würde es überleben. Ja ganz sicher würde er das.
Ihre Gedanken wirbelten durcheinander, dann erst fiel ihr ein, dass sie seiner Familie noch gar nichts gesagt hatte Kari und Anita würden in heller Sorge um ihren Sohn sein, sie sollten hier sein, wenn er aufwachte. Hastig kramte sie nach ihrem Handy. Sie musste versuchen seinen jüngeren Bruder Jesse zu erreichen. Ja, sie mussten wissen, dass er hier war und operiert wurde.
Tränen standen ihr in den Augen, sodass das Display vor ihren Augen verschwamm und sie hatte keine Ahnung, wie sie Jesse all das erklären sollte, aber sie musste. Er war sein Bruder. Und er würde wissen wollen, was los war. Ganz gleich wie schlimm es auch war. Oder wie spät es war.
Das Tuten in der Leitung hallte dumpf durch sie hindurch, dann meldete sich auf einmal eine etwas verschlafene, heisere Stimme, sodass Christel innerlich zusammen fuhr.
„Valo? Hi? Wer ist da?“
Christel holte Luft.
„Jesse?“
„Ja...“
„Hi. Ich bin es, Christel. Ville liegt im Lastenlinna. Er liegt im Krankenhaus, Jesse. Und er wird gerade operiert. Er hat Rippenbrüche, eine Gehirnerschütterung und einen Milzriss...“ Die Worte kamen immer schneller aus ihr heraus, sie strömten gerade zu aus ihrem Kopf, während sie sich selbst kaum noch hörte. „Aber die Ärzte sagten, er ist stabil. Jesse... ich bin hier in der Klinik, ich habe gerade mit den Ärzten gesprochen. Er wird durchkommen. Er ist stabil.“
Jesse stand unter Schock.
„Was? Ville? Er hat was? Was ist passiert?“
Christel schluchzte heftig, obwohl sie es gar nicht merkte. Sie umklammerte das Handy, dann glitt ihr Blick wieder den leeren, stillen Klinikflur entlang.
„Zwei Kerle haben ihn im Park zusammen geschlagen...  es war wegen Jonne... bitte, kannst du herkommen, ja?“
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