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Élite - Die Schwestern

von JaliceTo
OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
21.03.2020
21.03.2020
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Élite - Die Schwestern



Ihr Zimmer hatte sich nicht verändert. Das große Haus und der Pool ebenso wenig. Ihr große Schwester Carla war weiterhin mit Polo zusammen und die Hausangestellten waren immer noch die selben wie vor Hestias Abreise vor knapp einem Jahr. Es war seltsam zurück nach Hause zu kommen und in einigen Tagen in die Schule gehen zu müssen. Es war nicht ihre Entscheidung gewesen die neu gewonnene Sicherheit die ihr durch die Einrichtung geschenkt worden war, aufzugeben und sich auf den Alltag an der Las Encinas vorzubereiten. Viel lieber wäre Hestia in der psychologischen Einrichtung geblieben und hätte den Schmerz und die seelischen Wunden die man ihr zugefügt hat, weiter behandeln lassen. Doch so eine Entscheidung zu fällen lag einfach nicht an ihr. Ihre Eltern hatten mit den Ärzten und Psychologen gesprochen - immer wieder das Argument gebracht, dass sie ihr kleines Mädchen endlich nach Hause holen wollten und dass sich in den Berichten die sie jedes mal zugeschickt bekommen hatten, eine deutliche Besserung in Hestias Verhalten gezeigt hat. Schlussendlich haben die Ärzte ihrer Entlassung zugestimmt - und dennoch fühlte die 16 Jährige sich wie eine Fremde in ihrem eigenen Haus.

"Liebling? Du solltest schlafen gehen. Dein erster Schultag wird ein großer Auftritt werden und du möchtest mich doch nicht enttäuschen oder?"
Hestia blickte vorsichtig von dem großen Fenster ihres Zimmers fort und direkt in die Augen ihrer Mutter Beatriz. Sie hatte ebenso wie Carla früh gelernt, dass man nach außen hin die perfekte Tochter spielen sollte, sich den Regeln nicht wiedersetzt und dem Familiennamen keinen Schaden zufügt. Und dennoch fürchtete Hestia sich vor dem ersten Schultag an dem Ort, den sie damals so gern gehabt hat. Ein Jahr kann Menschen verändern, Freundschaften zerstören und Gerüchte entstehen lassen. Eines dieser Gerüchte war ihre plötzliche Abwesenheit gewesen und bis heute wusste Hestia nicht ob Carla sie verteidigt hat.
"Kommt Papa nicht? Muss er noch arbeiten Mama?", fragte Hestia und sie hatte ihren Vater seit ihrer Heimkehr kaum zu Gesicht bekommen. Es war nichts neues denn als Geschäftsmann hat Teo  Rosón Caleruega sehr viel zu tun - soviel dass Zeit mit der Familie nicht mitinbegriffen ist.
"Er muss länger arbeiten. Hast du deine Uniform schon zurecht gelegt?", wechselte ihre Mutter das Thema und Hestia nickte wortlos zum Kleiderschrank, wo die schwarz-rote Schuluniform fein säuberlich auf einem Kleiderbügel hing.
"Ja Mama. Wer wird mich morgen zur Schule fahren?", fragte das blondhaarige Mädchen nach und sie wollte versuchen trotz der Angst stark zu sein - damit ihre Eltern stolz auf sie sein könnten.
"Ich werde dich und Carla fahren - und jetzt geh schlafen Liebling"
Und Hestia tat was von ihr verlangt wurde.

Doch so sehr sie sich auch hin und her wälzte, so konnte das Mädchen keinen Schlaf finden. Sie vermisste die abendlichen kurzen Gespräche mit Carla die sie, vor ihrer Einweisung in die psychologische Klinik immer geführt hatten. Hestia und Carla hatten so ein wunderbare Beziehung gehabt, sie waren der Typ von Schwestern gewesen, die sich alles anvertrauen konnten und für die jeweils andere da waren - das war Vergangenheit und wenn man seine große Schwester ein Jahr nicht zu Gesicht bekommt, dann verändert man sich. Hestia hatte Abstand genommen zu Carla wenn sie zuhause war, sie hatte Angst dass die Person, die ihr einst so nahe gestanden hat, sie wie einige andere Patienten der Klinik als ´Freak´ ansehen würde. Außerdem hatte Carla die letzten Tage unterwegs verbracht - mit Polo. Hestia hatte so furchtbare Angst vor Ablehnung und dem erneuten Zerbrechen des Bandes zu ihrer Schwester.
Mit Unsicherheit vor dem morgigen Tag schlief das Mädchen irgendwann ein. Und sie würde viel zu früh von ihrem Wecker aufgeweckt werden.


Carla hatte den gestrigen Abend tatsächlich mit Polo verbracht, allerdings nicht alleine denn sie hatten sich alle bei Guzman getroffen und ausgiebig darüber diskutiert, wie erbärmlich es doch war, dass drei Schüler auf die Schule gehen sollten, die aus armen Verhältnissen kamen, doch auch die Rückkehr von Hestia war ein Thema und Carla war ihren Freunden gegenüber offen gewesen, was der Grund für Hestia´s einjährige Abwesenheit war. In der Öffentlichkeit war natürlich erzählt worden, dass Carlas kleine Schwester aufgrund eines Autounfalls in eine Rehabilitationsklinik in Deutschland bekommen sollte - aber die Wahrheit konnte nicht weiter entfernt sein.

Auf einer der veranstalteten Gala Partys hat ein Junge Hestia gefoltert und wollte sie in seinem Auto entführen, was zum Glück verhindert werden konnte, ihre Eltern hatten das Leben des Jungen zerstört und Hestia war durchaus nach Deutschland geschickt worden, um in einer der besten psychologischen Krankenhäuser eine lange Auszeit zu bekommen, damit all ihre Wunden geheilt werden konnten. Natürlich wäre es auch in Spanien möglich gewesen, aber Carlas Eltern hatten sich für diesen Schritt entschieden, nachdem die Bilder des kaputten Autos des Jungen, der Hestia so viel Leid zugefügt hatte durch die Medien gegangen war. Ihre Clique stand hinter ihr und würde Hestia empfangen als wäre sie nur auf einem längeren Urlaub gewesen und das beruhigte Carla etwas.

Als die Blondine an diesem Morgen noch vor ihrem Wecker aufstand, um sich fertig für die Schule zu machen, bemerkte sie aber erneut, dass Hestia immer mehr Abstand zu ihr nahm. Es war nicht mehr das, was es vor einem Jahr war und mehr als einmal hatte Carla die Richtlinien der Klinik verflucht. Denn zur optimalen Heilung solcher Patienten ist ein Kontaktverbot erforderlich. Sie hatte ihre kleine Schwester nicht einmal zu Gesicht bekommen oder mit ihr telefonieren dürfen. Dennoch war Carla optimistisch, dass der erste Schultag von Hestia toll werden würde.

"Warum möchte die Direktorin mit Hestia vorher sprechen? Ich dachte sie kommt direkt mit mir zum Klassenzimmer?"
Als das Auto ihrer Mutter vor dem Schulgelände hielt konnte Carla diese Nachricht nicht verstehen. Sie war fest davon ausgegangen, dass sie Hestia direkt mit sich ziehen könnte und sie wieder in die Clique gebracht werden könnte. Sie wollte wirklich alles tun, damit der Neustart für das Mädchen so gut wie möglich läuft. Dass Hestia seit dem aufstehen kaum ein Wort gesprochen hat, schob Carla auf die Vorfreude.
"Euer Vater und ich haben der Schule eine großzügige Spende zukommen lassen, die Direktorin weis von Hestias Zustand und möchte vorher mit ihr sprechen Carla", erklärte die Mutter der beiden Mädchen und schenkte ihnen ein knappes, aufmunterndes Lächeln. Es kostete vor allem Hestia Überwindung das Auto zu verlassen und Carla ins Schulgebäude zu folgen.

Der einzige Vorteil war, dass es so früh wie sie angekommen sind noch leer war und Hestia sich nicht den Blicken der anderen stellen musste. Das freundliche ´Wir sehen uns später´ von Carla nahm Hestia nicht zur Kenntnis, sie durfte sich im Büro der Direktorin über den neuen Stundenplan und einer Befragung über ihren aktuellen psychischen Zustand unterziehen. Es war alles in einem netten Tonfall und Hestia wusste auch, dass sie keine Angst haben brauchte - aber sie hasste es sich Fragen zu stellen - das hatte sie in Deutschland schon zu Genüge tun müssen.

Allerdings sollte sie die ersten beiden Stunde - als ´Freizeit´ haben und nicht mit ihrer  Schwester den Französisch Unterricht besuchen, was Hestia ganz recht war. So würde sie erst zum Beginn der Pause auf Guzman, Polo, Ander und Lucrecia treffen und erneut fürchtete sie die Ablehnung aus der Gruppe die sie damals von einen auf den anderen Tag hatte hinter sich lassen müssen. Um die Zeit bis zur Pause zu überbrücken verkroch sie sich in die modern eingerichtete Bibliothek der Schule und versuchte einen Teil des Wissens aufzuholen, dass sie im letzten Jahr verpasst hatte. Den Weg zur Mensa fand die Blondine dann doch alleine und auch dort hatte sich kaum etwas verändert - außer das auf einmal jemand vor ihr stand, denn sie nicht kannte und der auf eine sehr anstrengende Art und Weise meinte sie volltexten zu müssen.

".....so eine Schönheit. Du siehst aus wie das andere Blondhaarige Mädchen da vorne - weist du zufällig wer von denen das sagen hat? Ah wie uncool mich nicht vorzustellen - Christian und du bist?"

Hestia wusste nicht genau ob sie einfach zu ihrer Schwester gehen sollte oder auf die vielen Fragen antworten sollte. Was wollte dieser gesprächige Typ namens Christian und warum war er interessiert daran, wer aus dem inneren Zirkel das sage hatte?

"Das ist meine Schwester - und....", doch Hestia hatte gar nicht die Möglichkeit etwas weiteres zu ihrem Satz hinzu fügen zu können, denn kaum dass Christian das Wort ´ Schwester´ gehört hatte - beging er einen ihm noch nicht bewusst werdenden Fehler, denn durch seine große Portion Selbstbewusstsein nicht die feinen Signale wahrnehmen konnte, die Hestia ausstrahlte.
Denn Christian legte einfach, als wäre es das normalste der Welt - einen Arm um Hestia, was das Mädchen dazu veranlasste automatisch die Luft anzuhalten und sich nicht zu bewegen, auch wenn ihre Körpersprache einen Schrei nach Hilfe ausstrahlte.

"Lass deine Finger von ihr du Straßenratte!", knurrte Polo nun und stand wenige Momente mit Ander und Guzman neben Hestia und Christian tat was ihm befohlen wurde und Hestia nahm die Jungs aus Carlas Clique kaum war, auch nicht wie sie Christian sagten er würde es bereuen, wenn er ihr noch einmal so nah kommen würde. Ihre Beine hatten ein Eigenleben entwickelt und immer noch hielt sie die Luft an. Eine Panik Attacke machte sich in ihr breit und Carla bemerkte dies, griff vorsichtig nach den Händen ihrer Schwester und versuchte sie zum Luftholen zu bewegen.
Aber alles was Hestia tat, war zusammen zuzucken, sich von Carla loszureißen, endlich auszuamten und in die Richtung der WC´s zu laufen. Wie sollte ihre große Schwester sie beruhigen können - wenn sie sich kaum noch kannten? Sie hatte das Vertrauen in Carla verloren und die ständige Abwesenheit in den letzten Tage hatte es ebenso wenige verbessert.

Während Hestia in einer der Kabinen versuchte ihre Atmung und ihre Tränen unter Kontrolle zu bringen, hasste sie sich dafür, dass sie ihre Schwester weggestoßen hatte, Hestia wusste ganz genau dass Carla nur hatte helfen wollen....nur eben nicht auf die richtige Art und Weise. Sie spürte wie sie zitterte und die Panik, dass dieser Christian so aufdringlich gewesen ist benebelte ihre Sinne.

"Wenn du die Tür nicht sofort aufmachst, werde ich sie eintreten Hestia!"

Das ungeduldige Klackern von Absätzen vor der Tür und die Stimme von Lucrecia ließen Hestia für einen Moment inne halten. Was machte sie hier?
"Nein!....C....Carla hasst mich jetzt", kam es schniefend von Hestia und ehe das Mädchen bis vier zählen konnte, hörte man nur wie Lu es von außen schaffte die verschlossene Tür aufzukriegen und Hestia konnte das wunderschöne Parfüm riechen, als Lu sie ohne zu zögern an der Hand packte und aus der Kabine zog. Doch zittern tat Hestia nach immer und auch die Tränen wurden nicht weniger.
"Carla hat uns erzählt was passiert ist - dieser Idiot soll es nicht erneut wagen, dir zu nahe zu kommen. Und jetzt hör auf zu weinen - du siehst aus wie ein verunglückter Panda Süße", die Stimme von Lu tat ihr gut - die Anwesenheit der Älteren hätte sie beruhigen können, aber die Panik die Hestia auch damals gespürt hatte - damals bei dieser Gala wollte einfach nicht verschwinden.
"Carla wollte nur helfen....ich bin eine schlechte kleine Schwester...", schniefte Hestia und elegant entfernte Lu mit einem Taschentuch die Spuren der Tränen und fuhr Hestia mit einem Finger über die Wange.
"Du solltest aufhören so einen Schwachsinn von dir zu geben Hestia .- alles wird wieder so werden wie früher - wir werden diese Schule regieren und du bist ein Teil davon. Wie könnten Carla und ich ohne dich den Alltag auch nur überleben?"

Ein leises ungewolltes Lachen entfuhr Hestia und sie musste bei der Berührung ihrer Wange an einen Moment vor knapp zwei Jahren denken - sie hatten Flaschendrehen gespielt und als es darum ging, wer nun wen küsst, war die Wahl auf sie und Lu gefallen. Es war nur ein dummes Spiel gewesen aber der Kuss hatte etwas in Hestia verändert, über dass sie mit niemandem gesprochen hat - sie hatte seit dem Tag immer mehr Gefühle für Lu empfunden - doch sie wusste ganz genau, dass die wunderschöne Schülerin mit den schlagfertigen Worten niemals so etwas erwidern würde. Sie gehörte zu Guzman. Und dennoch genoss sie diesen kurzen Moment der Aufmerksamkeit den Lu  ihr ganz alleine schenkte. Sie hatte es immerhin geschafft, sie zu beruhigen - etwas das Carla nicht geschafft hatte.

"O...Okay...danke Lu - du bist eine tolle Freundin", brachte Hestia hervor und sie beruhigte sich langsam, die Tränen wurden weniger, ebenso wie die Angst und das Zittern verschwand nach einer Weile auch.

"Meine bloße Anwesenheit ist eben Gold wert Süße. Und das mit Carla wird schon wieder gut werden. Aber jetzt sollten wir erstmal dein Makeup in Ordnung bringen - denn so gehst du ganz bestimmt nicht hier raus"


ENDE
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