Liebe in Frieden - Romy

von M i n a
KurzgeschichteRomanze, Familie / P12
OC (Own Character)
21.03.2020
21.03.2020
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· „Das Leben ist voll von kleinen perfekten Momenten.“ ·
aus Cinderella



Romilla Sinclairs Zofen wollten Romilla und ihn mithilfe eigentümlicher Methoden wie dem gestrigen Bad in Goldschimmer verkuppeln, gegen die er nichts einzuwenden wüsste, entsprächen diese Methoden auch Romillas Art, zu leben – aber ihn ins Gemach einzulassen, während sie sich noch ankleiden musste, das ging wirklich zu weit, Ankleidezimmer hin oder her!
Seine Verärgerung befand sich auf einem Level, das aus der wohl von natürlicher Fröhlichkeit der drei Zofen bedingten Quasselei und Lacherei ‘Wir schweigen wie ein Grab’ werden lassen hatte. Eine ernstzunehmende Zurechtweisung blieb ihm erspart. Dafür hörte er Romilla waschecht schimpfen, motzen und fluchen. Ja, waschecht. Romilla konnte nicht aus Romilla herausbekommen werden.
Ihre Zofen waren aber anscheinend die aus dem härtesten Holz und quälten sie unbeirrt weiter. Oder gefühllose Roboter? Himmel! Wie lange dauerte das noch? Saß er nicht bereits seit fünf Minuten hier auf ihrem Sofa und trank aufgrund seiner Freundlichkeit den Beruhigungstee, den Dilayla ihm frecherweise serviert hatte …
Fünf Minuten waren die Ewigkeit für einen Mann, der etwas sagen wollte. Die Selection beschenkte ihn aber auf jedem Fall mit dem Vorteil, nicht an der Farmtür klingeln oder klopfen zu müssen, die dann ein Vater und fünf Brüder öffneten. Andererseits würde seine Fantasie ihm die Farm als Fuchsbau vorgaukeln und er im peinlichsten Fall einfach ins Haus stürmen, um all die Wunder mit eigenen Augen zu sehen. Sollte er jemals die Familie Sinclair zu Hause besuchen, würde er nicht anders können als sich freiwillig von einem Anstandswauwau begleiten zu lassen.
Einem Anstandswauwau von Professor McGonagalls Gemüt, autoritär, großherzig. Er würde Exton fragen müssen.
Großartig. Exton auf einer Farm – nein, darüber wollte er nicht nachdenken. Freddie? Freddies erste Aktivität wäre der Versuch, die Farm auf einem Heuballen balancierend zu erkunden. Einer würde die Rolle des Erwachsenen übernehmen müssen, was somit auf Dawson zurückfallen würde …
Himmelwielangedauertedasnoch?
Der Tee war doch getrunken und er saß immer noch unbeachtet hier! »Was gibts zu schmollen?«
»Nichts.« Er wollte sich noch nicht als Weichei herausstellen. »Hallo Romy. Was gibts zu gähnen?«
»Muss ich dir das echt erklären? Alles«, beschwerte sie sich mürrisch, aber er grinste.
»Mittags schon?«
»Hast recht. Erst mittag, ich spars mir auf.«
»Gute Entscheidung«, bestätigte er lachend. »Also, ich … Ich … Du musst nicht zum Pavillon kommen. Diese Einladung habe ich ausgesprochen, um herauszufinden, ob du überall zumindest erscheinen würdest, aber … solche Tests haben wir nicht nötig. Meine Verunsicherung hat mich geleitet, es tut mir leid, Romy.«
»Gut, dass wir beim Stolzierenüben nicht dich auf dem Kopf tragen müssen. Du würdest das wirklich zu einer Herausforderung machen.« Die Zofen lachten im Ankleidezimmer derart leidenschaftlich, dass es auf der gesamten Etage zu hören sein dürfte. »Verziehen.«
»Stolzieren? Ich stolziere nicht. Niemand hier stolziert
»Mhm«, machte sie leise, was er nicht deuten konnte. »Nein, du nicht. Du bist nur selbstsicher unterwegs. Du würdest sogar selbstsicher stolpern, nehm ich an.« Selbstsicher stolpern? Das klang nach einer Herausforderung.
»Also … läuft es gut?«, wechselte er das Thema. »Ohne mich auf deinem Kopf kommst du zurecht?«
»Ich kann laufen«, antwortete sie. »Überrascht?«
»Nein. Dafür müsste ich ja gezweifelt haben … Ich habe mir überhaupt keine Gedanken gemacht. Es geht alleine um dich und mich, würde ich sagen, und … mit den Beinen liebt man nicht, also …« Eine Zofe quietschte hingerissen, als wäre er ein niedliches Kängurubaby.
Kängurubaby? Weshalb ein Kängurubaby? »Es wäre egal.«
»Schon gut. Du hast mich bereits bei ‘Dafür müsste ich ja gezweifelt haben’ überzeugt.«
»Ja. Unterhalten wir uns über Schokolade. Favorit? Oder Favoriten?«
»Schokolade?«
»Die meisten mögen Schokolade. Ich habe auch ein Buch dabei, falls … du dich nicht unterhalten möchtest. Oder wir … Ich bin für alles offen, ich möchte einfach hier sein.«
»Die meisten Erwählten?«
»Die meisten Menschen.«
»Na gut.«
»Na gut?«
»Na gut, du bleibst hier. Was für ein Buch?«
»Der König der Löwen in Gedichten. Von Freddie.«
»Er ist … speziell«, sagte sie, als sie sich neben ihn setzte. »Er hält Sex für ein Allheilmittel, glaub ich.«
Er lächelte. »So empfindet er Sex aus Liebe, Romy. In unserem Alter ist es das anscheinend, aber … am Ende erinnern wir uns doch nicht daran zurück. Am Ende sind wir nicht dafür dankbar. Die große Liebe ist nichts Körperliches. Was hat er denn gesagt?«
»Ich will nicht darüber reden«, sagte sie so ablehnend, dass sie sich dabei anscheinend unwillkürlich verkrampfte und er das Buch aus der Tasche holte, um sie zu beruhigen.
»Okay.« Er wollte irgendetwas sagen, das Freddies Fehler wieder aus ihrer Beziehung drängte, den ersten Schritt machen, damit dieser Mist bald in Vergessenheit geraten konnte. »Es tut mir leid.«
»Ist das eine Träne?«, fragte sie, grinsend, denn selbstverständlich war da keine Träne. Ein geglückter Versuch – nun, das Eis zu brechen. Wer behauptete, dass es leicht war, das Herz für eine neue Beziehung zu öffnen …
Nein. Niemand würde das behaupten.
»Also, wie … wie sieht dein Leben normalerweise aus, Romy? Was machst du gerne, wenn du … ich weiß nicht, hast du frei? Oder Urlaub? Und …« Super. Nun wurde er nervös. Er umklammerte das Buch, als würde er meinen, damit irgendetwas voranzubringen. »Möchtest du Korvapuusti? Henri hat sie mir mitgegeben. Drei Stück, eins mehr, für den Fall, dass du auf den Geschmack gekommen bist. Korvapuusti ist das, was er für das Allheilmittel hält.«
»Okay. Bin neugierig, ob du auch was in deiner Tasche hast, ohne dass du nirgends hingehen willst.« Er wusste nicht, ob sie wirklich interessiert klang oder es lediglich gerne so haben wollte … War das nicht auch egal?
»Nun ja, ich denke nicht. Ich hätte die Tasche nicht tragen können, wäre ich in der Tasche gewesen. Ich bin aber ja auch nicht umgezogen.« Er würde nun nicht erzählen, dass er rund um die Uhr nichttödliche Waffen am Körper trug. Seine Kleidung bestand aus kugelsicherem Material. Niemand wollte sowas hören, oder? Sein Herz schlug. Sein Verstand funktionierte einwandfrei. Seine Erinnerungen waren alle da. Mehr brauchte er nicht, um zu leben, oder? »Was wäre in der Tasche, hättest du mich besucht?«
»Pyjama und Zahnbürste, wie ich die drei kenne.«
»Pyjama? Da bin ich mir nicht sicher«, sagte er kopfschüttelnd, mit einem grimmigen Blick in Richtung Ankleidezimmer, als könnten die drei diesen durch die Wand mitbekommen. »Naja. Ich denke, sie wollen dir einfach etwas Gutes tun, mit diesem Bad in Goldschimmer. Gewiss tut es dir auch wirklich gut, aber … mit Goldschimmer bist du nicht du, richtig?«
Sie schnaubte und sagte damit alles, weshalb sie nicht verbal antwortete. »Was ist Korvapuusti für uns?«
»Zimtschnecke.« Sie anlächelnd tauschte er das Buch gegen die Gebäckdose aus. Sie würde nicht bestätigen, dass die Chemie zwischen ihnen stimmte. Sie müsste auch nicht.
Sie musste nun erst einmal nichts weiter, als Korvapuusti zu genießen, wenn sie wollte. »Henri hat gesagt, wir müssen Kaffee dazu trinken, Kaffee ist genau genommen Swendways Nationalgetränk«, erzählte er, während er die Korvapuusti auf den ebenfalls mitgebrachten Tellern anrichtete. »Ich stecke mit meiner Kaffee-Weltreise aber immer noch in Frankreich fest, ich kann nun nicht einfach normalen Kaffee trinken und … weißt du, es ist echt ein Wunder, dass mein Körper nicht nach Alkohol giert. Trinken mit Stil, der französische Volkssport«, weihte er sie mit einem Augenzwinkern ein.
»Das ist dein Hobby? Kaffeetrinken?«
Er grinste. »Kann man so sagen, ja. Ohne Kaffee wäre ich aber nur halb lebendig. Sport. Sport ist mein privates Nonplusultra. Ich würde als Normalo für Sport leben. Du möchtest nichts über dich erzählen? Möchtest du gleich zur Auffangstation, wo du eine Patenschaft für einen Papagei übernehmen kannst?«
»Klingt gut.« Sie sah auf ihren Teller. Wich sie seinem Blick aus? »Ich habe ein Paket mit Essen nach Hause geschickt, das ich am liebsten zurückholen würde. Ich kann nicht einfach mal Essen hinschicken und … Ich habe nichts für dieses Essen gemacht. Wir rackern uns ab, um zu überleben, das … das …«
Deshalb war sie so still, wollte nicht mit ihm reden? »Romy.« Hungrig war er nicht gewesen, so kurz nach dem Mittagessen, der Appetit war ihm aber auch vergangen. »Es tut mir leid, wir … wir vernachlässigen Panama offenbar. Ich bitte Exton, die Lage gemeinsam mit dem Rat vor Ort zu prüfen. Was kann ich tun? Ich kann euch finanziell unterstützen, für Mitarbeiter, für Landmaschinen, für … Du tust etwas dafür, Romy. Du wirst als Erwählte mehr bewirken, als du dir momentan womöglich vorstellen kannst. Du bewirkst doch bereits etwas, indem du hier bist, indem du offen mit mir redest. Außerdem … freut es dich nicht, dass die Nahrung von eurer Farm anderen ein Lächeln auf das Gesicht zaubert? Dass meine Mom euch mit ihren Snacks willkommen geheißen hat, kann nicht nur zu eurem und Moms Glück beigetragen haben. Verlier das nicht aus den Augen, okay, Romy?«
»Ja, du … du hast recht«, stellte sie fest, offenbar aber überrascht davon. Sie klang überrascht. Sie sah ihn überrascht an.
Sie war überrascht! »Du hast recht.«
»Stets zu deinen Diensten«, antwortete er lächelnd. »Iss. Ich lese, bis du für deinen nächsten Schritt für eine noch bessere Welt bereit bist.«
»Du wirst mir nicht glauben, aber ich habe echt das Gefühl, neben einem künftigen König zu sitzen.«
»Hmm, sitzt er links oder rechts von dir?«, witzelte er wegen des Platzes zwischen ihnen und generell. Auf dieses Sofa würden zweifellos alle Kronprinzen passen. Feixend schüttelte sie den Kopf über ihn und biss beherzt in ihr zweites Dessert, sofern sie überhaupt ein Dessert nach dem Mittagessen genossen hatte. Am Samstag, dem freien Tag der Erwählten, durfte er nicht einmal im selben Raum essen. Verrückt, oder? »Danke.«
»Du willst, dass ich dein Buch vollkrümle?«, fragte sie mit vollem Mund, und er konnte lediglich amüsiert grinsen, während er Freddies erstes Buch aufschlug. Sie war witzig. »Lecker«, flüsterte sie, unüberhörbar zufrieden. Für den ersten oder nächsten Brief nach Hause würde er ihr einfach das Rezept geben.