Music of the Soul

SongficFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Arthur Pendragon Elyan Gwaine Leon Merlin Percival
21.03.2020
01.08.2020
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03.06.2020 7.419
 
Hey!
Hier das nächste Kapitel, danke für eure Geduld.
Beim nächsten Kapitel gelten dieselben Regeln, entweder nächste oder übernächste Woche Mittwoch und danach haben wir zur Originalgeschichte aufgeholt und müssen schauen, wann dort das nächste Kapitel kommt. Aber jah. Viel Spaß erst mal mit dem!



Music of the Soul (Musik der Seele)



All die Jahre zurückdenkend, erinnerte Merlin sich daran, was als nächstes in dieser Reihe von scheinbar endlosen Kämpfen geschehen war. „Viele Leute sagen, dass Cornelius Sigan der mächtigste Zauberer war, den Camelot je zu Gesicht bekommen hat. Gaius meinte, dass es sogar heißt, dass Sigans Zauber sogar dabei geholfen hätten, Camelot zu bauen.“

Da meldete sich Gwaine zu Wort. „Nun, er war der mächtigste Zauberer. Bis du dahergekommen bist, oh, du mächtiger Emrys.“ Er grinste Merlin an, als dieser den Mund öffnete, um der Aussage zu widersprechen, bevor er ihn wieder schloss und den Blick senkte, ein leichtes Rot auf seinen Wangen. Es war ja nicht so, als könnte er Gwaine widersprechen, schließlich hatte er Sigan tatsächlich besiegt.

Die anderen Ritter grinsten ebenfalls, in dem Wissen, dass es die Wahrheit war, auch wenn es ihnen noch nicht so ganz gelang, ihre Vorstellung von Merlin mit dem mächtigen Zauberer Emrys übereinzubringen.

„Jedenfalls“, kehrte Merlin nervös zu seiner Erzählung zurück. „Nachdem Ihr mich einsperren habt lassen, weil ich Euch die Wahrheit gesagt habe, Arthur“ – Merlin warf dem König einen Blick zu, woraufhin dieser schnaubend den Kopf abwandte, beschämt, dass er in einer so ernsten Situation nicht auf seinen Diener gehört hatte. Tatsächlich – nun, wo er darüber nachdachte, war dies bereits öfters geschehen. „Ich musste mithilfe meiner Magie aus der Zelle ausbrechen und ging zu Kilgharrah für Rat. Er versprach mir, mir einen mächtigen Zauber zu verraten, einen Zauber, den ich gegen Sigan würde einsetzen können; einen Zauber, der seine Seele wieder zurück in den Kristall sperren konnte, in dem sie seit seinem Tod verwahrt war.“ Merlin zögerte, bevor er weitererzählte, doch er weigerte sich, noch länger Lügen zwischen ihm und seinen Freunden stehenzulassen. „Er versprach mir diesen mächtigen Zauber, doch als Gegenleistung wollte er etwas, nach dem er sich 20 Jahre lang gesehnt hatte: er wollte seine Freiheit zurück.“ Hier hielt Merlin erneut inne, denn er wusste, dass diese Enthüllung für Empörung sorgen würde.

Die Männer um den Tisch sahen allesamt erschrocken drein, als ihnen nun versichert wurde, dass es tatsächlich Merlin war, der den großen Drachen befreit hatte. Zwischen den Rittern war es jedoch Leon, der am aufgebrachtesten über diese Tatsache schien. Er war der einzige, der die Furcht und Zerstörung erlebt hatte, die der Drache mit seiner Rache über die Stadt gebracht hatte. Leon hatte mitangesehen, wie seine Kollegen ihre Leben gegeben hatten, um Camelot zu beschützen. Er hatte gesehen, wie Menschen, mit denen er noch am Tag zuvor gelacht hatte, die seine Freunde waren, vor seinen Augen gestorben waren, verbrannt in den Flammen des Drachen, den Merlin losgelassen hatte. Er schloss die Augen und wandte den Kopf vom reuevollen Zauberer ab. Er benötigte einen Moment, um sich zu fassen.

Arthur blickte wütend zu Merlin. Wie konnte er nur so etwas versprechen, wenn er doch wusste, dass der Drache sich an der Stadt würde rächen wollen, die seine Art umgebracht und ihn 20 Jahre lang eingesperrt hatte? Wie konnte er den Drachen freilassen, wenn er wusste, dass dieser daraufhin Unschuldige töten würde?

„Bitte!“, rief Merlin. „Ich hatte keine Wahl! Es war entweder den Drachen irgendwann in der Zukunft befreien, oder Camelot in diesem Augenblick dem Untergang überlassen! Ich tat, was ich musste, um die Stadt noch einen Tag länger stehen zu lassen, und die Menschen in ihr einen weiteren Tag in Sicherheit zu wissen.“ Als er seine Verteidigungsrede beendet hatte, ließ Merlin den Kopf hängen.

„Sicherheit!“, wiederholte Arthur ungläubig. „Camelot wurde tagelang attackiert, weil du dich dazu entschiedest, ihn gehen zu lassen! Unschuldige Männer und Frauen, mutige Ritter sind wegen dir gestorben!“ Merlin zuckte unter Arthurs Anschuldigungen zusammen, doch bald fand er sein Selbstbewusstsein wieder.

„Dann sagt mir, was ich stattdessen hätte tun sollen!“, rief Merlin und der gesamte Raum verstummte, als sie die Wut in seiner Stimme und den Schmerz in seinen Augen wahrnahmen. „Ich weiß, dass Menschen gestorben sind, weil ich den Drachen freigelassen habe“, zischte Merlin. „Ich weiß. Glaubt ihr etwa, diese Schuld frisst mich nicht jeden Tag aufs Neue auf?“, fragte er und in seiner Stimme klang unglaublich viel Gefühl mit. Er blickte die anderen Männer um den Tisch herum an, die daraufhin verstummten und Merlin anstarrten. Noch nie zuvor hatten sie ihn so gequält dreinschauen gesehen. „Aber was hätte ich sonst tun sollen?“, flüsterte er und der Ausdruck in seinen Augen verriet ihnen, dass er sich gerade Meilen und Jahre entfernt von diesem Tisch befand. „Es gab die Entscheidung zwischen Sigan, der die Stadt zerstören und all diese Menschen an diesem Tag töten würde, oder Kilgharrah, der dasselbe irgendwann in der Zukunft tun würde.“ Ein bitteres Lachen brach aus Merlins Kehle, als er sich dieser unmöglichen Entscheidung entsann. Seine Freunde starrten den Zauberer überrascht an. Sie waren sich der Last, die ihm mit seiner Rolle auf die Schultern gelegt worden war, bis soeben nicht bewusst gewesen. Es war eine Last, die er viel zu lange allein getragen hatte. „Ich dachte, dass ich vielleicht einen Ausweg finden könnte, um mein Versprechen doch nicht zu erfüllen, oder, sollte ich ihn befreien, ich zumindest eine Möglichkeit finden würde, ihn aufzuhalten, bevor er irgendjemanden verletzen konnte.“ Merlin hielt einen Atemzug lang inne. „Offensichtlich gelang mir das nicht.“ Der Mann, der stets ein Lächeln auf dem Gesicht hatte, der stets andere dazu ermutigte, weiterzukämpfen und nie die Hoffnung aufzugeben, sah geschlagen drein. Die anderen blieben still und starrten entweder auf Merlin oder den Tisch, in der Hoffnung, dass irgendjemand anders das erste Geräusch machen würde.

Merlin seufzte, unfähig, die Spannung weiter zu erstragen. Dann meinte er leise: „Ich nutzte den Zauber, den Kilgharrah mich gelehrt hatte, gegen Sigan, sperrte seine Seele wieder in den Kristall und gab diesen Uther, damit er ihn wieder an seinen rechtmäßigen Platz zurückbringen konnte.“ Die anderen schienen sich wieder zu entspannen, sei es, aus Erleichterung, weil Merlin gesprochen hatte, oder sei es, aus Erleichterung über den Inhalt des Gesprochenen. Sie wandten ihren Blick erneut Merlin zu, bereit, den nächsten Teil der Geschichte zu hören. Merlin atmete einmal tief durch. „Ich habe Myrors Sattelgurt zerstört, als er Euch gerade im Kampf töten wollte“, fuhr er fort, an Arthur gewandt. „Ich war derjenige, der Morgana zu den Druiden geschickt hat. Sie ist freiwillig gegangen, sie wurde nicht entführt, wie Uther angenommen hatte.“ Merlin seufzte und schüttelte bedauernd den Kopf. Er hätte so viel mehr tun können, um ihr zu helfen.

„Warum solltest du sie zu den Druiden schicken. Und warum sollte sie freiwillig dorthin gehen?“, fragte Percival überrascht. Percival sah die Druiden als sehr friedliebende und freundliche Menschen, die sanftmütigen Reisenden, an die er sich aus seinen Wanderjahren erinnern konnte. Morganas Magie war alles andere als sanft und freundlich. Sie passte seiner Ansicht nach so gar nicht dorthin.

Merlin zog eine Grimasse, als er weitersprach. „Morgana wurde von Albträumen heimgesucht, erinnert Ihr Euch?“, fragte Merlin an Arthur gewandt, der nickte, um zu zeigen, dass, ja, er sich ebenfalls noch erinnerte. Sie wachte während viele Nächte schreiend auf. „Nun, das waren aber in den seltensten Fällen einfach nur Albträume. Es waren Prophezeiungen der schrecklichen Sachen, die eintreten würden. All die Sachen, die sie in ihren Träumen beschrieben sah, traten tatsächlich ein“, fuhr Merlin mit ernster Stimme fort. „Das war ihre Magie, die sich auf diese Weise manifestierte.“

„Also“, unterbrach Elyan ihn und sah dabei ziemlich besorgt drein, „kann Magie einfach in jemandem auftauchen, zu jeder Lebenszeit?“

Merlin grinste wissend. „Seid Ihr etwa besorgt, dass Ihr, Sir Elyan, in Wahrheit auch ein Zauberer seid?“ Überall um den Tisch herum erklang nervöses Lachen. Mit dieser neuen Enthüllung war diese Frage tatsächlich zu einer legitimen Sorge geworden. Merlin schüttelte den Kopf, als er fortfuhr. „Nein, es ist sehr ungewöhnlich so spät in seinem Leben noch Magie in sich zu entdecken. Morgana ist da ein Fall für sich. Druiden sind schon sehr früh in ihrem Leben Magie ausgesetzt und deswegen ist es auch einfach zu sagen, ob ein Kind fähig sein wird, Magie zu studieren oder nicht. Meine Vermutung ist, dass Morgana, da sie in einer Umgebung aufwuchs, in der jedes Stück von Magie unterdrückt wurde, ihr nie wirklich ausgesetzt war und dass die Magie deswegen in ihr wuchs und sich anstaute, bis sie schließlich in der Form dieser Albträume zu Vorschein kam. Sie brach unkontrolliert aus ihr aus, als sie, in ihrem Schrecken des Albtraums und ohne je irgendwie gelernt zu haben, wie sie ihre Magie kontrollieren konnte, ihren Vorhang mit einem ungewollten Flammenzauber entzündete. Morganas Magie ist sehr mächtig und sie konnte sie nicht länger in sich unterdrücken. Die meisten Menschen müssen Magie und die alte Sprache erst jahrelang studieren, bevor sie dazu fähig sind, auch nur irgendeinen Zauber zu wirken. Wie ich also sagte, Morganas Situation ist sehr ungewöhnlich.“

Dieses Wissen schmerzte Arthur. Es war also niemals ihre Entscheidung gewesen. Wie bei Merlin, war ihr die Magie aufgezwungen worden. Arthur schüttelte den Kopf, um das Mitgefühl, das er für seine Halbschwester empfand, loszuwerden. Merlin nutzte seine Magie für gute Sachen, er beschützte Camelot und die Menschen, die ihm wichtig waren, wohingegen Morgana ihre Magie aus ihren eigenen, egoistischen Gründen heraus benutzte und Böses tat, indem sie Unschuldige tötete, nur um an Macht zu gelangen. Merlins Erzählung jedoch ließ ihn zurückdenken an eine Zeit, in der Morgana wahrhaftig seine Schwester gewesen war. Er musste sich zwingen, sich daran zu erinnern, dass diese Frau nun schon lange verschwunden war.

Da meldete sich Gwaine auf einmal zu Wort. „Kannst du diesen Flammenzauber auch, den Morgana gemacht hat?“ In seinen Augen blitzte es neugierig.

„Ja, kann ich“, erwiderte Merlin.

Gwaine wartete ein paar Sekunden, bevor er hinzufügte: „Und …? Zeigst du ihn uns nicht?“ Merlin sah überrascht aus. Er warf einen Blick zu Arthur, eine stille Frage nach Erlaubnis. Nach einem kurzen Moment des Zögerns nickte Arthur und ein erleichtertes Lächeln breitete sich auf Merlins Gesicht aus. Das war um ein Vielfaches besser, als er es sich vorgestellt hatte, beinahe schon wie ein Traum. Seine Freunde hörten ihm nicht nur zu, wie er sich erklärte, sie wollten sogar aktiv mehr über seine Magie erfahren. Es schien so, als hätten sie die Tatsache tatsächlich akzeptiert, dass Merlin ein Zauberer war.

Noch immer lächelnd hob Merlin die Hand an seinen Mund und flüsterte ein „Forbearnan“ hinein. Seine Augen färbten sich golden und der Zauberer senkte seine Hand, in der nun eine kleine, aber starke Flamme tanzte, den anderen zu zeigen. Merlin lächelte über ihre faszinierten Blicke. Ohne ein weiteres Wort färbten Merlins Augen sich ein weiteres Mal golden und das Feuer nahm die Form eines Drachen an, der von seiner Hand abhob und einmal um den Tisch wirbelte, zwischen den und über die Ritter flog, aber niemals nahe genug kam, um jemanden zu verletzen. Schließlich kam er bei Arthur an, vor dem er auf dem Tisch landete und sich vor dem verblüfften König verbeugte, bevor er schließlich in Rauch aufging, der sich in der Luft verlor.

Alle, bis auf Merlin, saßen mit offenem Mund da, erstaunt über die wunderschöne magische Vorstellung. Arthur hatte noch nie Magie gesehen, die für eine solche Sache genutzt wurde; die genutzt wurde, um zu formen, anstatt zu zerstören. Es war wahrlich wunderbar. Der Drache aus Feuer hatte keinem Zweck gedient, er war lediglich aus einer Laune heraus, aus Merlins Wunsch heraus entstanden, ihnen zu zeigen, dass Magie nicht zerstörerisch sein muss, sondern dass sie auch wunderschön sein konnte.

„Magie ist grundsätzlich weder gut, noch böse“, meinte Merlin leise, ohne den Zauber des Momentes zu brechen. „Sie ist ein Werkzeug, ein Mittel zum Zweck. So wie Morgana ihre verwendet, um Schaden zuzufügen, so verwende ich, genauso wie viele andere, sie, um zu beschützen. Ein Feuer beispielsweise …“ Erneut ließ Merlin eine Flamme in seiner Hand auflodern. „… kann ein Haus niederbrennen. Genauso kann es aber auch die Menschen darin in einer kalten Nacht wärmen. Wozu es genutzt wird, das bestimmt einzig und allein die Person, die es nutzt.“

Percival lächelte Merlin zu, er stimmte seiner Aussage zu. Arthur sah gequält drein. Ganz offensichtlich war das, was Merlin sagte, wahr. Magie korrumpierte nicht. Sie wurde von den verschiedensten Menschen für ihre eigenen Absichten genutzt, ob die nun gut waren oder nicht. Wie viele gute Menschen hatten gelitten, waren gestorben, wie viele Familien wurden auseinandergerissen, nur wegen eines Gesetzes, das auf einem völlig falschen Glaubensgrundsatz beruhte?

Merlin sah, dass Arthur und die Ritter endlich zugehört und endlich verstanden hatten, was er schon seit Ewigkeiten hatte sagen wollte, doch er setzte nur seine Geschichte fort. „Morgana war entsetzt von sich selbst und ihren Fähigkeiten, doch sie vertraute mir das Geheimnis ihrer Magie an.“ Merlin schloss reuevoll die Augen. „Ich habe ihr nicht von meiner Magie erzählt.“ Er atmete aus. „Stattdessen habe ich sie zu den Druiden geschickt, in dem Glauben, dass sie ihr helfen könnten, ihre Magie besser zu verstehen, und ohne mich selbst vor der Person preiszugeben, die bestimmt dazu war, meine größte Feindin zu werden. Unglücklicherweise glaubte Uther, dass sie entführt worden war und schickte einen Suchtrupp los, der das Lager der Druiden angriff und Morgana zurück nach Camelot brachte.“ Merlin sah auf und sein Blick traf auf den Arthurs. „Mordred war in diesem Lager“, meinte er ernst. „Er wurde von vielen Soldaten umzingelt, aber er schrie und ließ einen mächtigen Stoß an Magie los, der die Männer alle zurückstieß und sie bewusstlos werden ließ.“ Merlin sah nervös aus. „Selbst damals schon, in so einem jungen Alter, Arthur, war er schon sehr mächtig.“ Arthur blickte düster und nickte einmal als Zeichen, dass er verstanden hatte.

„Ich fuhr fort, im Stillen über Magie zu lernen und erlangte langsam die Kontrolle über meine. Als Lady Catrina, oder, nun, der Troll, der sich als Lady Catrina ausgegeben hatte …“ Ein Grinsen trat auf Leons und Arthurs Gesicht, als sie sich an die Zeit erinnerten, als Uther einen Troll heiratete. „… Uther verzauberte und zur Königin Camelots wurde.“ Bei der kurzen Zusammenfassung der damaligen Ereignisse, breitete sich auch auf den Gescihtern der restlichen Ritter ein breites Grinsen aus. Schon der Gedanke, dass der strenge, beherrschende Uther einen Troll heiraten würde, war lächerlich. „Ich war derjenige, der es herausfand, aufdeckte und den Troll in seinem Weg nach Macht aufhielt.“ Nun begann schließlich auch Merlin zu grinsen. „Glücklicherweise bevor sie und Uther ihre Ehe vollziehen konnten.“ Bei diesem Kommentar brachen alle Anwesenden in lautes Gelächter aus. Leon schlug Merlin freundschaftlich auf den Rücken, die Stimmung im Raum nun um einiges besser, als sie Momente zuvor noch gewesen war, genauso wie Merlin es erhofft hatte.

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, fuhr Merlin fort. „Dann rief Uther den Hexenfinder, weil eine Frau berichtet hatte, dass sie knapp außerhalb von Camelot Magie gesehen hätte.“ Merlin seufzte. „Das war ich, wie ich aus Rauch ein Pferd geformt habe. Einfach nur aus Spaß und um ein bisschen zu üben.“ Er schüttelte den Kopf. Wie hatte er nur so unvorsichtig sein können?

„Du hättest wirklich besser aufpassen müssen mit deiner Magie, Merlin“, ermahnte ihn Arthur und klang dabei tatsächlich ein wenig wie Gaius. Das überraschte Merlin. Arthur klang so sorglos, als er über Magie sprach, obwohl die Ausübung ihrer immer noch gegen das Gesetz verstieß und jedem, der dabei erwischt wurde, die Todesstrafe drohte.

„Jaaaa.“ In seiner Überraschung sprach Merlin das A ganz lange aus. „Das hätte ich wirklich. Morgana war in Angst und Schrecken versetzt, sicher, dass er ihr Geheimnis herausfinden würde, aber er beschuldigte mich, ein Zauberer zu sein. Was der Wahrheit entsprach, natürlich. Aber Gaius nahm die Schuld auf sich und wurde deswegen beinahe umgebracht.“ Die Gesichtsausdrücke aller wurden ernst, als sie darüber nachdachten, was geschehen hätte können. „Ich war es, der dem Hexenfinder die Amulette und alles untergeschummelt hat. Ich war auch derjenige, der das Messer, das er an Morganas Hals hielt, zum Glühen brachte. Er ließ das Messer fallen und wich zurück, an ein Fenster, durch das er in den Tod fiel“, beendete Merlin die Geschichte, während er sich innerlich schon auf das nächste vorbereitete, wissend, dass es Arthur Schmerzen bereiten würde. Doch er musste es erzählen. Er würde nicht mehr lügen.

„Arthur“, begann Merlin, ohne seinem Freund in die Augen zu blicken. Ein ungutes Gefühl bildete sich in Arthurs Magen, als er Merlins Stimme vernahm. Was nun kam konnte nicht gut sein … „Als Morgause zum ersten Mal nach Camelot kam, als sie uns zu ihrem Schloss führte und Euch Eure Mutter zeigte …“ Merlin nahm einen tiefen Atemzug. „… es war keine Illusion. Ihr habt wirklich mit Eurer Mutter gesprochen und sie erzählte Euch auch die Wahrheit.“ Nun hob Merlin den Blick zu Arthur, auf dessen Gesichtsausdruck sich langsam von ausdruckslos zu verleugnend verwandelte, als Merlins Worte einsanken.

Arthur begann seinen Kopf, beinahe verzweifelt, zu schütteln. Es konnte nicht wahr sein, das konnte es einfach nicht.

Die Ritter blickten ihren König besorgt an, sie verstanden nicht, was vor sich ging. Von dieser Reise hatten sie noch nie auch nur ein Sterbenswörtchen gehört.

Schließlich war es Leon, der nachfragte, wenn auch sehr leise. „Merlin?“ Der Ritter wandte sich an den Zauberer, er wagte es nicht, Arthur zu stören, der tief in Gedanken versunken schien und dessen Blick Bände von inneren Qualen sprach. „Von was redet ihr?“ Er deutete mit einer kaum merklichen Kopfbewegung zu Arthur und die Sorge war ihm sofort anzusehen.

Merlin schien ebenfalls gequält. „Nachdem Morgause Arthur zu einem Duell herausgefordert hatte, führte sie uns zu einer Ruine eines Schlosses, wo sie uns –“

„Halt!“ Arthur atmete schwer, als er sich am Tisch umblickte und in die über den plötzlichen Ausruf erschrockenen Gesichter seiner Freunde blickte. Er senkte den Blick auf den Tisch, bevor er ihn erneut, entschlossen hob. „Ich werde es ihnen erzählen“, fügte er mit zitternder Stimme hinzu und Merlin nickte zustimmend.

„Morgause sagte mir, ich solle meinen Kopf auf den Schlachtblock legen, so dass sie ihn mir abschlagen könne.“ Bei diesen Worten weiteten sich die Augen der Ritter. „Ich hatte ihr versprochen, alles zu tun, um das sie mich bat, also legte ich meinen Kopf nieder.“ Einige Münder klappten erschrocken auf. „Sie war beeindruckt davon, dass ich mein Wort gehalten hatte und bot mir ein Geschenk als Belohnung für meinen Mut an.“ Ein tiefes Durchatmen. „Die Möglichkeit mit meiner Mutter zu sprechen.“ Bei der Erinnerung biss Arthur die Zähne zusammen. Nun wusste er, dass er damals tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben mit seiner Mutter gesprochen hatte und dass ihm nur vorgegaukelt worden war, dass es sich dabei lediglich um eine Illusion gehandelt hätte. „Meine Mutter nannte mir den Grund, aus dem die Große Säuberung begann. Sie erzählte mir, dass sie und Uther kein Kind bekommen konnten und Uther deshalb Nimueh um magische Hilfe gebeten hatte. Ich wurde durch Magie empfangen, durch Magie, die Sache, die mein Vater mitleidslos auszurotten wünschte.“ Arthur Hände begannen vor Zorn zu zittern und Merlin legte seine Hand auf Arthurs Schulter, um den König wieder zu beruhigen und in der Gegenwart zu verankern. „Aber ein Leben kann nicht geschaffen werden, ohne dass ein bestimmter Preis gezahlt wird. Nimueh sagte meinem Vater, dass der Preis eines Lebens ein anderes Leben ist und er vermutete wohl, dass irgendein armer Bauer sterben würde, damit ich geboren werden konnte. Das kümmerte ihn nicht, er brauchte schließlich einen Erben“, meinte Arthur mit bitterem Sarkasmus, angewidert von den Taten seines Vaters. Leise fuhr er zu sprechen fort: „Aber es war kein namensloser Bauer, der sein Leben geben musste, sondern meine Mutter.“ Der Schmerz war klar in Arthurs Augen zu erkennen. Er gab sich selbst etwas von der Schuld am Tod seiner Mutter, auch wenn er keinerlei Entscheidung dabei getragen hatte.

Wenn er nicht geboren worden wäre, dann wäre seine Mutter noch am Leben. Schlimmer noch, wenn er nicht geboren worden wäre, dann wären hunderte, wenn nicht sogar tausende Menschen noch am Leben. „Uther beschuldigte Nimueh, behauptete, dass sie ihn ausgetrickst hätte. Er gab der Magie die Schuld am Tod seiner Frau und weigerte sich anzuerkennen, dass es seine eigenen Entscheidungen waren, die sie umgebracht hatten. Auch wenn man Nimueh keineswegs als eine Freundin bezeichnen konnte, wusste sie doch nicht, wessen Leben genommen werden würde. Sie hatte den Tod meiner Mutter nicht beabsichtigt. In seiner Trauer begann Uther die Säuberung, von der Annahme besessen, dass alle Magie böse sei, anstatt Verantwortung für seine Entscheidungen zu übernehmen und sich den Konsequenzen zu stellen“, beendete Arthur seine Erzählung zornig. Wie konnte er nur mit sich selbst leben, wenn er wusste, dass seine eigene Geburt so viel Leid über die Menschen gebracht hatte? Er stützte beschämt seinen Kopf in die Hände. Er wusste wirklich nicht, wie er nun mit dieser neugewonnenen Information weitermachen sollte.

Die anderen, mit Ausnahme von Merlin, saßen erstarrt da und starrten ihren König erschrocken an. Alles, was ihnen ihr Leben lang beigebracht wurde, dass Magie böse sei, all diese Hinrichtungen, war das alles wirklich nur weil ein König sich geweigert hatte, die Verantwortung für den Tod seiner Frau zu übernehmen, an dem er jedoch eindeutig schuld war? Eine Weile lang herrschte Stille im Raum, während sie alle darüber nachdachten, was die Welt an diesem Tag verloren hatte, und in den darauffolgenden Jahren, in denen Uther versucht hatte, seine Schande zu verstecken.

Merlin legte ein weiteres Mal seine Hand auf Arthurs Schulter, was den König dazu bewegte, den Blick zu heben und seinem Freund in die Augen zu blicken.

„Es tut mir leid“, sagte Merlin und verwirrte Arthur damit. „Dass ich Euch erzählt habe, es handle sich nur um eine Illusion. Aber ich konnte nicht zulassen, dass Ihr Euren Vater tötetet. Auch wenn die Magie dadurch vielleicht wieder hätte befreit werden können, da Ihr nun die Wahrheit wusstet, konnte ich es einfach nicht zulassen. Ihr hättet Euch nie vergeben, Ihr hättet nicht länger mit Euch leben können, wenn Ihr Euren Vater getötet hättet. Und das konnte ich nicht zulassen“, erklärte Merlin voller Überzeugung.

Arthur nickte und antwortete leise: „Und ich danke dir dafür.“ Auch ihm war klar, dass er diese Tat im Nachhinein bereut hätte.

Merlin wartete noch ein wenig länger, damit alle sich erst etwas mit den eben erfahrenen Informationen auseinandersetzen konnten, bevor er seine Geschichte fortsetzte. „Als Halig, der Kopfgeldjänger, ein paar Wochen später nach Camelot kam, brachte er ein Mädchen mit sich, Freya.“ Merlin sprach den Namen leise aus, mit einer gewissen Sehnsucht in seiner Stimme, doch niemand bemerkte es.

„Ja, ich erinnere mich an sie. Die verfluchte.“ Leon nickte, als er sich der Ereignisse entsann. Merlin hingegen biss bei dieser Erinnerung die Zähne zusammen, bevor er sich dazu zwang, sich wieder zu beruhigen. Diesmal war der Schmerz eindeutig in seinen Augen zu erkennen.

„Ich war derjenige, der sie aus Haligs Käfig befreite und in den Tunneln unter Camelot versteckte.“ Arthurs Augen weiteten sich leicht, bevor er realisierte, dass Merlin natürlich gefangenen Druidenmädchen helfen und sie beschützen würde.

„Ich stahl Essen aus dem Schloss und eines von Morganas Kleidern für sie, ich kümmerte mich um sie. Es fühlte sich an, als könnte ich zum ersten Mal in meinem Leben mit jemandem ich selbst sein, ohne diesen Menschen ständig anlügen zu müssen oder Geheimnisse vor ihm zu haben.“ Merlins Stimme quoll vor Emotionen beinahe über, als er sprach und die Ritter und Arthur ihm zuhörten. „Erst später fand ich heraus, dass sie das Bastet war, das jede Nacht Menschen tötete.“ Merlin seufzte. „Aber es war nicht ihre Schuld! Sie wollte keine Menschen umbringen, sie war verflucht worden, sich jede Nacht in ein Bastet zu verwandeln, dann wurde sie von ihrer Familie und ihren Bekannten verstoßen, wurde geschnappt und von Halig gefangen gehalten.“ Merlin sah schrecklich gequält aus, als er das erzählte. Als er weitersprach, vermied er es den anderen in die Augen zu sehen. „Ich liebte sie.“ Die Stille war ohrenbetäubend. Sowohl Arthur, als auch Leon wussten, was mit dem Druidenmädchen geschehen war, doch selbst für diejenigen, die nicht wussten, was sich damals ereignet hatte, war Merlin das gebrochene Herz deutlich anzumerken. „Wir wollten eines Nachts zusammen weglaufen, um unser restliches Leben lang in einem kleinen Haus am See, bei einem Berg zu wohnen.“ Merlin lächelte traurig bei der Erinnerung an das Leben, das er niemals gehabt hatte. „Aber sie glaubte, dass es mir ohne sie besser gehen würde und beschloss, alleine aus Camelot fortzugehen, um mich nicht noch mehr Gefahr auszusetzen.“ Merlin schüttelte langsam und bedauernd seinen Kopf. „Ein Alarm wurde ausgelöst und sie wurde in dieser Nacht getötet.“

In Arthurs Kopf überschlugen sich die Gedanken. Wie hatte das nur geschehen können? Als er das Bastet getötet hatte, hatte er einfach nur Camelot beschützen wollen, wie es seine Aufgabe war. Er hätte sich niemals, niemals vorgestellt, dass er gerade die Frau tötete, die Merlin liebte, die Frau, für die er sein gesamtes Leben in Camelot aufgegeben hätte.

Merlin setzte an, weiterzusprechen: „Es tut mir leid, dass ich einfach so verschwinden wollte –“

„Bitte, hör auf“, unterbrach Arthur ihn, Reue und Unglauben in seiner Stimme. „Entschuldige dich nicht. Du verdienst es, glücklich zu sein, Merlin, und ich …“ Arthur holte tief Luft. „Mir tut es so, so leid.“ Er blickte Merlin in die Augen, die noch vom Schmerz, seine Liebe verloren zu haben, gefüllt waren, und suchte nach Vergeben, das Merlin ihm nur allzu gerne gab und das Arthur nicht um das Schuldgefühl erleichterte, das er empfand. Er wandte sich an die anderen, die von ihrem Gespräch verwirrt waren. „Ich war derjenige, der das Bastet getötet hat. Ich habe Freya getötet“, würgte Arthur hervor und gab damit vor allen seine Schuld offen zu.

Percival biss sein Kiefer zusammen, er hatte solches Mitgefühl mit dem jungen Zauberer. Er wusste, wie es sich anfühlte, einen Geliebten zu verlieren und die Zukunft, die man sich vorgestellt hatte, grausam aus seinen Händen gerissen zu bekommen. Leon senkte seinen Blick auf den Tisch, er hatte bereits gewusst, dass Arthur Freya umgebracht hatte. Doch wie hatte Merlin dem König so einfach vergeben können, dass er seine Geliebte getötet hatte? Gwaine kniff sorgenvoll die Augen zusammen und Elyan schüttelte ergriffen den Kopf. Welch eine Ironie es doch war, dass Merlins bester Freund die Frau getötet hatte, die dieser geliebt hatte, ohne es überhaupt zu wissen. Wahrscheinlich war Arthur danach tagelang in guter Stimmung gewesen und hatte sich benommen, als wäre es ein großer Sieg gewesen, ohne je mitzubekommen, wie verletzt Merlin war.

„Danke“, meinte Merlin leise an Arthur gewandt. Er hätte nie gedacht, jemals diese Entschuldigung von dem König zu hören. „Ich habe sie später in dieser Nacht gefunden, schwer verletzt, und an den See von Avalon gebracht, der klein ist und abgelegen liegt, vor Bergen, genauso, wie sie es sich gewünscht hatte.“ Merlin lächelte tränenschwach, wissend, dass sie sich nun am schönsten aller Orte befand. „Ich machte ihr ein Begräbnis und ließ sie im See frei“, endete er mit leiser Stimme.

„Du warst alleine?“, fragte Gwaine, entsetzt bei dem Gedanken daran, dass Merlin durch all das hatte gehen müssen, ohne Freunde an seiner Seite zu haben, die ihn unterstützen konnten.

„Ja“, antwortete Merlin mit Blick auf den Tisch, während die anderen ihn mitleidsvoll anstarrten. „Aber ich hatte in dieser Nacht noch eine Unterhaltung mit Gaius. Er war immer für mich da.“ Merlin nickte, wie zur Bestätigung seiner Worte. Er wusste nicht, was er getan hätte, wäre Gaius nicht dagewesen.

Um das Thema von Freya hinter sich zu lassen, fuhr Merlin schnell mit der Erzählung fort. „ls Lady Vivian mit den Vertretern der fünf Königreiche nach Camelot kam, wurdet Ihr von König Alined verzaubert, Euch in sie zu verlieben. Das war sein Versuch, einen Krieg anzustacheln. Als die Könige das über euch beide herausfanden und König Olaf Euch zu einem Duell auf den Tod herausforderte, erklärte Kilgharrah mir, dass nur ein Kuss Eurer einen wahren Liebe den Zauber brechen würde. Also schickte ich Gwen zu Euch.“ Merlin grinste Arthur an, der bei der Erinnerung an ihren leidenschaftlichen Kuss rot anlief. „Zum Glück wurde der Zauber gebrochen und alles wurde wieder normal. Nun, zumindest so normal, wie es üblicherweise in Camelot ist.“ Merlin rollte mit den Augen. Er bekam wohl nie eine Pause, was?´

„Bald darauf“, begann Merlin, „kam Alvarr zusammen mit Mordred nach Camelot und sie brachten Morgana dazu, den Kristall von Neahtid für sie zu stehlen. Sie war diejenige, die sie warnte, dass Ritter Camelots kommen würden, was ihnen wiederum erlaubte, einen Hinterhalt vorzubereiten. Und sie war auch diejenige, die Alvarr befreite, als er gefangen genommen wurde.“

Es schmerzte Arthur zu erfahren, wie früh Morganas Verrat schon begonnen hatte, wie lange er geglaubt hatte, sie sei seine Freundin während sie in Wahrheit Pläne für den Fall von Camelot hinter ihrem Rücken schmiedete. Wenn er damals nur von ihrer Magie gewusst hätte, vielleicht hätte er ihr dann helfen können und sie hätte sich nicht Menschen wie Alvarr zuwenden müssen, die sie nur weiter an die Grenze des Verrates brachten.

„Kilgharrah erzählte mir, dass der Kristall dem Besitzer die Fähigkeit gibt, in die Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft zu schauen. Als ich ihn hielt, sah ich Bilder davon, wie er Camelot angriff. Damals war es nur eine von vielen Möglichkeiten, die in der Zukunft eintreten konnte, noch nicht in Stein geschrieben, aber wie wir alle wissen, ist es tatsächlich eingetreten.“ Merlin sah sehr ernst drein, als er diesen Teil der Geschichte beendete.

„Dann kam es zum Kampf mit den Rittern von Medhir.“ Ein Gefühl des Schames machte sich in Merlin breit, als er sich erinnerte, wie dieser Kampf geendet hatte. „Morgause hatte die Feuer von Idirsholas angezündet und damit die sieben Ritter zum ersten Mal seit 300 Jahren wieder aufgeweckt. Sie traf sich mit Morgana und sprach einen Zauber, um ganz Camelot einschlafen zu lassen, während Arthur und ich gerade das Schloss erforschten, in dem die Ritter erwacht waren. Wir entkamen gerade noch so mit unseren Leben“, fasste Merlin zusammen, detaillierter als die anderen Erzählungen, um den Moment noch ein wenig mehr hinauszuzögern, in dem er ihnen erzählen musste, was er getan hatte.

„Als wir nach Camelot zurückkehrten, schlief bereits jeder bis auf Morgana, die sich unschuldig stellte. Ich ging und fragte Kilgharrah um Rat, doch er verlangte von mir eine Gegenleistung. Bevor er mir verriet, wie ich die Ritter aufhalten konnte, ließ er mich auf das Leben meiner Mutter schwören, dass ich ihn bald befreien würde“ Merlin verkrampfte sich leicht, doch er erinnerte sich, dass ihm keine andere Wahl übriggeblieben war. „Kilgharrah sagte, dass die einzige Möglichkeit, die Ritter zu stoppen, war, die Quelle ihrer Magie zu zerstören.“ Merlin blickte voller Pein auf und jedem der Ritter in die Augen, bevor er die nächsten Worte sprach. „Die Quelle ihrer Magie war Morgana.“ Er schloss die Augen. Die anderen hörten ihm konzentriert zu und warteten geduldig, bis er sich bereit fühlte, weiterzuerzählen. „Als sich Morgana mit Morgause getroffen hatte, hatte Morgause sie zur Quelle der Magie gemacht. Ich vermutete, dass das mit Morganas Wissen geschehen ist.“ Merlins Stimme wurde leiser und verzweifelter, je weiter er sprach. „Mir blieb also die Wahl zwischen dem Leben einer Freundin und dem Überleben Camelots und aller Stadtbewohner.“ Merlin schüttelte den Kopf und seine Sicht verschwamm hinter Tränen, die er nicht fließen ließ. „Das war die schwerste Entscheidung, die ich je treffen musste“, meinte er zittrig. Dann konzentrierte er sich auf seine Atmung, in der Hoffnung, sich so etwas beruhigen zu können. „Ich holte Gift aus Gaius‘ Zutaten und gab es in mein Trinken und bot es dann Morgana an. Ich konnte sie nicht einmal ansehen, als sie das vergiftete Wasser trank.“ Wie ein Feigling, dachte Merlin. „Ich konnte nicht dabei zusehen, wie das Vertrauen und die Dankbarkeit in ihren Augen verschwanden und die Erkenntnis und der Schreck des Verrates an ihrer statt auftauchten. Sie wusste nicht einmal, weshalb ich sie vergiftet habe, weil sie nicht einmal wusste, dass sie die Quelle der Magie für die Ritter von Medhir war! Morgause hatte sie ohne ihr Wissen zur Quelle gemacht. Sie dachte wahrscheinlich, dass ich sie angriff, weil ich wusste, dass sie Magie hatte. So wie es jeder andere in Camelot zu dieser Zeit getan hätte.“ Merlin begann, aus Entsetzen vor dem, was er hatte tun müssen, um Camelot zu retten, den Kopf zu schütteln. „Ich hielt sie, als das Gift sich in ihrem Körper ausbreitete.“ Eine einzige Träne bahnte sich den Weg über Merlins Wange. „Ich kann sie manchmal noch immer in meinen Albträumen nach Luft schnappen hören.“

Weitere Tränen begannen zu fallen und Arthur legte seine Hand auf Merlins Schulter und drückte sie fest, um den jungen Mann davor zu bewahren, sich in seiner Erinnerung an die Vergangenheit zu verlieren. Die Ereignissen lagen schon Jahre zurück, doch noch immer kamen suchten sie Merlin heim, ganz so als wäre kein Tag seither vergangen. Oh, wie er sich nur hasste, sie so verletzt zu haben. Sein Verrat, den er so verzweifelt nicht hatte begehen wollen, hatte ihre beiden Schicksale als ihrer größten Feinde beschlossen.

Die Freunde saßen still beieinander und ließen Merlin weinen. Er weinte um das Mädchen, das seine Freundin, seine Vertraute gewesen war. Er weinte um die Schwester, die Arthur verloren hatte und die beste Freundin, deren Platz Gwen niemals mit einer anderen würde füllen können. Auch wenn Morgana überlebt hatte, so war das Mädchen doch von Merlins Gift getötet worden. Wenn er ganz ehrlich mit sich war, dann hatte es schon im Sterben gelegen, seit dem Moment, in dem Morgana von ihrer Magie erfahren wurde. Doch er hatte ihr den letzten, todbringenden Schlag versetzt.

Einige Minuten nachdem Merlins Tränen wieder versiegt waren, Arthur seine Schulter wieder losgelassen hatte und die Stille sich ins Unendliche zu ziehen schien, hob Merlin schließlich mit einem tiefen Atemzug den Kopf, die Augen rot und verquollen. Seine Stimme brach, als er sprach: „Morgause fand uns so vor, auf dem Boden, und wir schlossen einen Deal: Ich würde ihr verraten, was für ein Gift ich verwendet hatte, und sie würde die Ritter zurückrufen. Sie hielt ihr Versprechen und ich das meine. Morgana wurde durch das Gegengift gerettet und Camelot vor den Rittern von Medhir. Morgause brachte Morgana fort aus Camelot, ein Jahr lang, unter dem Vorwand, dass Morgana entführt worden wäre. Ls sie zurückkehrte, war nicht einmal mehr ein Hauch des Mädchens mehr da, das sie einmal gewesen war.“ Merlin schloss die Augen, als er seine Geschichte beendet hatte.

Mit einem schnellen Blick aus dem Fenster bemerkte Leon den Stand der Sonne und sprach leise: „Vielleicht sollten wir eine Abendessenspause machen.“ Das Kommentar riss alle aus der Trance, in die Merlins Erzählungen sie versetzt hatte, und als sie sich umblickten, bemerkten sie, dass es schon fast finster draußen war und auf jeden Fall zu dunkel, als dass sie noch einmal jagen gehen konnten. Sie würden sich also mit dem restlichen Reh und dem Eintopf begnügen müssen, das noch vom Mittagessen übrig war.

Langsam erhoben sich alle und streckten ihre vom langen Sitzen steifen Glieder. Es war ein emotional sehr beanspruchender Tag gewesen und sie konnten es kaum erwarten, mit einem guten Essen ihre Mägen zu füllen und sich dann schlafenzulegen.

„Merlin?“, meinte Arthur. „Könntest du ein Feuer machen?“ Merlin nickte nur, bevor seine Augen sich einmal kurz golden färbten und plötzlich ein Feuer lebensfroh in ihrer provisorischen Feuerstelle prasselte. Die Ritter versteiften sich etwas ob der unerwarteten Verwendung von Magie, doch als Merlin den Topf über das Feuer hing, um das Essen wieder zu erwärmen, entspannten sie sich schnell wieder. Sie waren alle nicht daran gewöhnt, plötzlich Magie um sich herum zu erleben, doch das war zu erwarten. Es war schließlich noch nicht einmal ein Tag vergangen und sie nahmen es jetzt schon besser auf, als Merlin sich je zu hoffen getraut hatte.

Merlin war der erste, der sein Abendessen beendete, während die anderen noch auf ihren zusammengerollten Decken saßen und das Essen fleißig in sich hineinschoben. Der Himmel draußen war mittlerweile vollkommen dunkel geworden, doch er entschied sich dazu, noch eine weitere Geschichte zu erzählen, bevor sie sich alle zum Schlafen niederlegen würden, da er den nächsten Tag nicht ausgerechnet damit beginnen wollte, diese Erinnerung wieder zu durchleben.

Merlin räusperte sich, was ihm die Aufmerksamkeit aller anderer einbrachte. „Ich erzähle euch noch eine weitere Geschichte für die Nacht.“ Das überraschte die Männer, sie hatten vermutet, dass Merlin an diesem Tag wohl eher nicht mehr über die Vergangenheit sprechen wollen würde. Nicht nach all den Sachen, die ans Licht gekommen waren, von denen die Erschreckendsten wohl Freya und Morgana waren – mit Ausnahme von Merlins Magie, natürlich.

„Nachdem die Ritter besiegt waren und Morgause Morgana mit sich fortgenommen hatte, ging ich aus dem Schloss und hob eines der zurückgelassenen Schwerter der Ritter von Medhir auf. Ich ging zu Kilgharrah und nutzte das verzauberte Schwert, um die Ketten zu durchschlagen, die ihn dort festhielten, und setzte ihn somit frei.“ Merlin atmete tief durch. Die Worte hatte er schnell und leise gesprochen und die Ritter hatten ganz vergessen, dass sie noch etwas zu Essen in ihren Händen hielt, als sie ihm gespannt lauschten. „Wie ihr alle wisst, griff der Drache Camelot an, als Rache für das Ausrotten seiner Art und seine eigene Gefangenschaft.“ Sie konnten alle den Schmerz in Merlins Augen sehen, doch ob dieser von Mitgefühl für Camelots Leid oder das Schicksal des Drachen stammte, konnten sie nicht bestimmt sagen. „Gaius schickte uns los, um Balinor zu suchen.“ Merlin biss die Zähne zusammen und der schmerzvolle Ausdruck in seinem Gesicht verstärkte sich nur. „Den letzten Drachenmeister.“ Die Männer hörten ihm konzentriert zu. Die wenigsten von ihnen hatten bisher von einem Drachenmeister gehört. „Wir entdeckten die Höhle, in der er lebte und, mit etwas Mühe, überzeugten ihn, uns dabei zu helfen Kilgharrah zu stoppen und Camelot zu retten.“

„Was genau ist ein Drachenmeister, Merlin?“, fragte Gwaine neugierig, etwas, das ein leises Lächeln auf dessen Gesicht zauberte.

„Ein Drachenmeister kann in der alten Sprache der Drachen kommunizieren. Diese Fähigkeit wird innerhalb einer Familie durch die Generationen hindurch weitergegeben. Wenn ein Drachenmeister zu einem Drachen in dieser Sprache spricht, von gleich zu gleich, dann kann der Drache nicht anders, als seinem Befehl Folge zu leisten. Der Drache muss dem Drachenmeister gehorchen, daher stammt auch der Name“, erklärte Merlin lächelnd und zuckte mit einer Schulter. Gwaine, Percival und Elyan sahen vollkommen verblüfft drein. Es schien ihnen unglaublich zu glauben, dass eine einzige Person so viel Macht über einen so mächtigen Drachen haben konnte!

„Wir verbrachten diese Nacht im Wald, doch am nächsten Morgen wurden wir von Cendreds Soldaten getötet.“ Merlin schloss einen Moment lang seine Augen und atmete tief durch. „Ein Soldat wollte mich gerade mit seinem Schwert töten, als Balinor mich zur Seite stieß und stattdessen von dem Schlag getötet wurde. Ich hielt ihn in meinen Armen, als er starb“, flüsterte Merlin und ein weit entfernter Ausdruck trat in seine Augen. Keiner der Männer sprach und ein weiteres Mal sah Arthur, wie sehr Merlin von diesem Tod betroffen war. Der Zauberer hatte jedoch bereits viele gute Menschen sterben gesehen, weshalb bereitete ihm also genau dieser eine Tod so viel Kummer?

Nach einem zitternden Atemzug sprach Merlin weiter: „Balinor war mein Vater.“ Er schloss seine Augen und atmete langsam, um sich zu beruhigen. Als er sie wieder öffnete, sah er, dass Elyan und Percival mitleidig zusammengezuckt waren, wussten sie doch selbst, wie es sich anfühlte, einen Vater zu verlieren. Gwaine hatte eine Hand über seinen Mund und einen Teil seines Gesichtes gelegt und schüttelte langsam den Kopf. Konnte das Schicksal ihm nicht einmal eine Pause gönnen? Dieser junge Mann hatte schon so viel gelitten und keiner von ihnen hatte auch nur den kleinsten Verdacht darauf gehegt! Leons Mund war vor Überraschung leicht geöffnet. Merlin hatte in so kurzer Zeit so viel Verlust erlebt, wie hatte er das alles nur für sich behalten können und es trotzdem geschafft, einfach weiterzumachen, so als sei nichts geschehen? Arthur war vor Schreck komplett erstarrt, als das Entsetzen ihn überflutete. Als Uther gestorben war, hatte Merlin dem damals frischgebackenen König so sehr geholfen. Er ließ ihn trauern und weinen, ohne ihn auch nur ein einziges Mal dafür zu verurteilen. Und Arthur hatte Merlin gesagt, dass der Tod seines eigenen Vaters seiner Tränen nicht wert wäre! Arthur fühlte sich krank, war angeekelt vor sich selbst. Wie konnte Merlin ihm nur für alles, was er getan hatte, vergeben? Balinors Tod einmal außer Acht lassend, dass er nicht gesehen hatte, wie verletzt Merlin damals gewesen war, das war vollkommen inakzeptabel. Merlin musste wirklich ein ausgesprochen guter Schauspieler sein, wenn es Arthur nicht gelungen war zu sehen, wie sehr Merlin trauerte, erst um Freya, dann um Morgana und so bald darauf auch noch um Balinor. Oder vielleicht ist Merlin gar nicht so ein guter Schauspieler, dachte Arthur. Vielleicht bin ich einfach nicht so aufmerksam, oder kümmere mich nicht so sehr, wie ich es eigentlich sein sollte.

„Merlin“, sprach Arthur mit heiserer Stimme, „was ich damals gesagt habe, bevor wir gegen den Drachen geritten sind –“ Merlin begann den Kopf zu schütteln, wie als wolle er Arthur davon abhalten, sich zu entschuldigen, bereits in dem Wissen, was er sagen würde.

„Ihr wusstet nicht –“ Doch nun war Merlin derjenige, der unterbrochen wurde.

„Ich hätte es nicht sagen sollen“, meinte Arthur zornig, wütend auf sich selbst, wütend, dass er wusste, dass er Merlins Loyalität nicht verdiente, Merlins Freundschaft nicht verdiente. „Natürlich, natürlich ist dein eigener Vater deiner Tränen wert. Es tut mir so leid, Merlin.“

Arthur wusste nicht, was er sonst sagen sollte. Seine Entschuldigung erschien ihm längst nicht adäquat, doch Merlin nickte einfach nur und meinte: „Danke, Arthur“ leise. „Gaius hat es mir verraten, als wir aufbrachen, drei Tage davor, dass Balinor mein Vater war. Wir hatten uns gerade erst kennengelernt, aber …“ Merlin verstummte. Der Schmerz war deutlich in seinem Gesicht zu erkennen und die anderen nickten. Sie verstanden, dass, ganz gleich, wie lange Merlin ihn gekannt hatte, Balinor sein Vater war und dass er das Recht darauf hatte, zu trauern.

Es gab einen Moment der Stille, bevor Merlin beschloss, mit seiner Geschichte fortzufahren. „Wir kehrten nach Camelot zurück und bereiteten uns vor, auch ohne einen Drachenmeister gegen den Drachen zu reiten. Und da erzählte Gaius mir, dass die Macht des Drachenmeisters nach dem Tod des Vaters auf den Sohn übergeht.“ Die Augen der Ritter weiteten sich, als ihnen die Bedeutung dieses Satzes klar wurde. „Er meinte, dass, wenn ich stark genug wäre, es mir gelingen würde, mit der Macht umzugehen, die ich gerade erst vererbt bekommen hatte, und dass ich den Drachen würde kontrollieren können. Im Kampf tötete Kilgharrah mit Leichtigkeit alle Ritter, bis schließlich nur noch Arthur und ich übrigblieben. Arthur stach auf Kilgharrah ein, wurde k.o. geschlagen und ich spürte, wie diese jahrhundertealte Macht in mir erwachte. Ich befahl Kilgharrah in der Sprache der Drachen, in seinem Angriff auf Camelot einzuhalten, doch ich konnte ihn einfach nicht töten.“ Wenn möglich, sahen die anderen sogar noch erschrockener aus, als zuvor schon. Sie alle hatten bis soeben noch angenommen, dass der große Drache vor vielen Jahren bereits getötet worden war. „Er war der letzte Drache und ich bin der letzte Drachenmeister. Wir sind uns gleich, und ich werde ihn nicht töten.“ Merlin sprach entschlossen, als er die Besorgnis auf den Gesichtern der anderen wahrnahm. „Ich befahl ihm, niemals wieder Camelot zu betreten, es sei denn ich befehle es ihm, und er kann mir nicht nicht gehorchen. Camelot ist sicher was das betrifft, ihr habt mein Wort.“ Merlin nickte einmal und weigerte sich dann, weiter über dieses Thema zu diskutieren.

„Aber –“ Arthur fiel nichts mehr ein, was er noch sagen konnte, viel zu entgeistert, dass Merlin nicht nur der mächtigste Zauberer jemals war, sondern auch noch ein Drachenmeister! Arthur schüttelte in leichtem Unglauben den Kopf. Er sollte nicht mehr überrascht sein, dass es nicht er, sondern Merlin war, der den Drachen besiegt und Camelot gerettet hatte. Wieder einmal.

Die anderen Männer schienen genauso überrascht, nichtsdestotrotz fassten sie sich schneller wieder als Arthur.

Ein Feuer schien hinter Gwaines Augen entflammt zu sein, als er, aufgeregt wie ein Kind, fragte: „Kannst du uns dem Drachen vorstellen?“ Alle Augen weiteten sich bei dieser Frage und Merlin lachte erleichtert auf.

„Natürlich“, meinte Merlin, immer noch lachend. „Ich kann ihn morgen in der Früh herrufen. Aber ihr werdet ihn alle Kilgharrah nennen müssen, nicht ‚den Drachen‘. Und macht euch keine Sorgen“, fügte Merlin hinzu, als er die beunruhigten Gesichtsausdrücke Arthurs, Leons, Elyans und Percivals sah, „ich werde euch beschützen.“ Mit einem Grinsen begann Merlin, seine Decke auszurollen und alles für die Nacht herzurichten. Nach einem kurzen Moment folgten auch die anderen seinem Beispiel. Es herrschte Stille fortan, die Freunde zu beschäftigt damit, über die Ereignisse des Tages nachzudenken, als dass sie noch groß miteinander sprechen könnten.
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