Music of the Soul

SongficFreundschaft, Schmerz/Trost / P12
Arthur Pendragon Elyan Gwaine Leon Merlin Percival
21.03.2020
01.08.2020
10
47.167
6
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
01.08.2020 11.114
 
Hey!
Hier bin ich wieder. Ich bin im Juni leider nicht mehr dazugekommen, dieses Kapitel zu korrigieren und hochzuladen, weil einige Prüfungen anstanden und dann war auf einmal Juli und Camp NaNoWriMo, wo ich vor allem geschrieben und geschrieben habe und mich weniger auf das Korrigieren und Hochladen fokussiert habe.
Anyways. Das ist jetzt das aktuelle Kapitel. Im Original gibt es keine weiteren mehr, bzw. sie müssen erst hochgeladen werden, das heißt ich kann nicht sagen, wann das nächste kommen wird. Ihr könnt aber gerne dem Link am Anfang der Story folgen und ein Review bei der Originalgeschichte dalassen und darum bitten, dass es doch bitte weitergeht :)
Ansonsten ... Viel Spaß und wir sehen uns hoffentlich bald wieder!
LG



Music of the Soul (Musik der Seele)



Trotz des harten Steinbodens, auf dem er geschlafen hatte, erwachte Merlin am nächsten Morgen so ausgeruht, wie wohl noch nie zuvor in seinem Leben. Nicht nur hatte er frische Energie getankt, auch eine eigenartige Ruhe schien sich in ihm breitgemacht zu haben. In den ersten paar Momenten, bevor er wirklich ganz wach wurde und sich wieder der gestrigen Ereignisse bewusstwurde, lag Merlin einfach nur ruhig da und genoss das Gefühl. Als die Erinnerung schließlich wiederkehrte, breitete sich ein unkontrollierbares Grinsen auf seinem Gesicht aus, noch bevor er überhaupt die Augen geöffnet hatte und in das helle Sonnenlicht blickte. Endlich, endlich war er von der Last seines Geheimnisses befreit. Und die Reaktionen waren mehr als Merlin es je zu hoffen gewagt hatte.

Sein Moment der Glückseligkeit wurde durch ein amüsiertes Schnauben unterbrochen. „Warum bist du so glücklich?“, fragte Gwaine und lachte leise, doch ein wissender Glanz lag in seinen Augen. Er nahm einen Bissen aus dem Apfel, den er in der Hand hielt, und lehnte sich an den runden Tisch, bereits fertig angezogen und bereit für den neuen Tag.

Einen Moment lang war Merlin verwirrt. Normalerweise war er derjenige, der als erstes aufwachte, weil er das sein musste, um all seine Aufgaben zu erledigen und schließlich die Ritter und Arthur aufzuwecken. Merlins Augen weiteten sich erschrocken, als er realisierte, dass es bereits lange nach Sonnenaufgang war, die Zeit, zu der er üblicherweise erwachte. Er sprang, leicht panisch, auf die Füße und fiel dabei fast wieder zu Boden, weil sich seine Beine in der Decke verhangen hatten. Das Geräusch ließ die anderen zu ihm blicken, um zu sehen, was für ein Chaos er angerichtet hatte. Die meisten Ritter begannen amüsiert zu lachen, während der Zauberer tiefrot anlief und sich das dümmliche Grinsen zurück auf sein Gesicht schlich. Langsam beruhigte sich sein wild klopfendes Herz wieder.

Arthur trat hinzu, gekleidet in Hosen und ein helles Oberteil. „Wie ich sehe hat der Fakt, dass du Magie hast, dich nicht weniger zu einem Tollpatsch gemacht, Merlin.“ Es gelang dem König nicht, seine Erleichterung vollkommen zu verbergen. Er hatte sich Sorgen gemacht, dass Merlin nur so getan hatte, als wäre er ein kindischer, tollpatschiger Idiot, um die Tatsache zu verheimlichen, dass er in Wahrheit der mächtigste Zauberer aller Zeiten war. Nun tat es gut zu sehen, dass trotz all der Enthüllungen, die den letzten Tag gefüllt hatten, manche Sachen noch immer dieselben waren. Arthur wurde langsam klar, dass Merlin, tatsächlich, noch immer sein blöder Diener war, trotz der enormen Macht, die er besaß.

„Oh!“, rief Merlin in übertriebener Überraschung. „Wie ich sehe habt Ihr heute gelernt, Euch selbst anzukleiden! Das verdient wirklich meine Glückwünsche!“ Der Sarkasmus in Merlins Stimme war beinahe greifbar und sein Grinsen wurde hinterhältig. Die Ritter unterdrückten alle ihr eigenes Grinsen bei der Stichelei, die inzwischen ein so großer Teil ihres Lebens geworden war. Ja, hoffentlich würden einige Dinge sich nie verändern.

Arthur warf den Kelch, den er in der Hand gehalten hatte, in Richtung Merlin – seine übliche Reaktion. Doch statt sich darunter hinweg zu ducken, wie er es normalerweise tat, ließ Merlin den Kelch einfach mit einem kurzen Glühen seiner Augen mitten in der Luft stehenbleiben. Arthurs Augen weiteten sich ein kleines bisschen, noch immer nicht an die beiläufige Verwendung von Magie von seinem langzeitigen Freund gewöhnt. „Oh, ruiniere doch nicht all meinen Spaß, jetzt wo ich dein Geheimnis kenne“, meinte der König schnaubend und mit einem Augenrollen. Ein Lachen brach aus Merlin hervor. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals so glücklich gewesen zu sein. Die anderen Männer lachten mit und bald schloss sich auch Arthur ihnen an. Merlins Euphorie war schon immer ansteckend gewesen.

Als er sich umblickte, bemerkte Merlin den Topf über dem Feuer hängen und etwas, das wie eine Art Eintopf schien, blubberte darin. Elyan deutete mit einer Kopfbewegung auf den Topf. „Wir waren schon jagen und haben das Frühstück vorbereitet. Wir dachten uns, du kannst den Schlaf gebrauchen.“ Merlin lächelte dem Ritter dankbar zu, bevor er zum Topf trat. „Ich habe den Eintopf gekocht“, meinte Elyan mit etwas Stolz und Amüsement in der Stimme.

Merlin blickte in den Topf, bevor er sich wieder dem Ritter zuwandte. „Und du bist sicher, dass es auch essbar ist?“, fragte der Zauberer neckisch und grinste leicht. Leon verschluckte sich an dem Wasser, aus dem er gerade trinken wollte.

„Oh, halt die Klappe, Merlin.“ Elyan schlug Merlin leicht gegen den Arm und ließ sich auf seinem Stuhl am Tisch nieder, um sein eigenes Frühstück zu genießen. Schnell versammelten sich auch die anderen Männer um den Tisch, jeder mit seiner eigenen Schüssel, und das Gespräch verstummte, während sie alle mit ihrem Essen beschäftigt waren.

„Also“, sprach Gwaine schließlich über das Geräusch von sechs Löffeln, die die Schüsseln auskratzten, hinweg. „Wann treffen wir jetzt deinen Drachen?“ Er schlürfte den letzten Rest seines Eintopfes, bevor er die Schüssel niedersetzte und sich Merlin zuwandte. Auch die anderen beendeten ihr Essen schnell und taten es dann Gwaine nach.

„Kilgharrah“, verbesserte Merlin und Gwaine rollte mit den Augen.

„Ja, Kilgharrah. Wann wird er etwa da sein?“, fragte Gwaine ungeduldig. Er konnte es kaum erwarten, den Drachen zu treffen, der Merlin so viele wertvolle Ratschläge erteilt hatte. Von den Blicken auf den Gesichtern der anderen nach zu schließen, waren sie genauso neugierig auf Kilgharrah, wenn vielleicht auch ein wenig besorgter.

Merlin räusperte sich und trank einen Schluck seines Wassers, bevor er antwortete. „Ich werde ihn herrufen müssen“, meinte er etwas nervös. Er hatte den Drachen noch nie vor so vielen Menschen gerufen, und noch nie, wenn es sich nicht gerade um eine wichtige Situation gehandelt hatte. Er fühlte sich ein wenig befangen, er wusste, dass die alte Sprache der Drachen sehr einschüchternd klingen konnte.

„Nun, dann mach es doch!“, drängte Gwaine ihn aufgeregt und das Grinsen auf seinem Gesicht erstreckte sich von Ohr zu Ohr.

Merlin verdrängte sein Unbehagen und stand auf. „Gut, dann kommt mit“, meinte er und führte seine Freunde nach draußen.

Das Schloss befand sich mitten auf einer großen Lichtung, also mussten sie auch gar nicht weit gehen, nur ein paar Meter, so dass der Drache nicht unabsichtlich mit seinen weiten Flügeln das Schloss zerstören konnte.

Merlin wandte sich zu den anderen um, die erwartungsvoll hinter ihm standen. Er seufzte und spielte mit seinen Händen, bevor er einen Mundwinkel in die Höhe zog und fragte: „Bereit?“

Arthur dachte bei sich, dass Merlin versuchte, sich sogar noch kleiner zu geben, als er ohnehin schon war. Ganz offensichtlich fühlte der Diener sich bei dem, was er jetzt tun würde, nicht wohl. Was als nächstes geschah überraschte Arthur sowie die Ritter vollkommen. Merlin drehte sich um und hob seinen Blick in Richtung Himmel, bevor er das lauteste, am befehlend klingendste Gebrüll losließ, das sie jemals gehört hatten. Sie waren überrascht, dass der Boden nicht von der Kraft bebte, die Merlin in jedes seiner Worte legte, um Kilgharrah in jeder uralten Sprache zu rufen, die nun nur noch sie beide verstanden. Die Männer standen sprachlos da, als Merlin seinen Ruf beendete und sich langsam zu seinen Freunden umdrehte, die ihn unverhohlen und mit offenen Mündern anstarrte. Er errötete ein wenig und fuhr sich mit einer Hand peinlich berührt über den Nacken.

„Kilgharrah sollte bald da sein“, sagte Merlin, wieder mit seiner normalen Stimme und der krasse Unterschied zu zuvor ließ die Männer wieder in die Realität finden.

Percival hatte als Kind bereits Magie gesehen, doch die Zauberer waren nur gewöhnliche Druiden gewesen, die ihre Magie genutzt hatten, um kleinere Wunden zu heilen, oder jüngere Kinder zu unterhalten. Und auch wenn Merlin gerade keine Magie ausgeführt hatte, hatte Percival noch nie so viel Macht gesehen, die von einer einzelnen Person ausstrahlte. Die Verbindung zwischen einem Drachen und einem Drachenmeister war zweifellos sehr alt und sehr stark. Lass dich nie vom Aussehen einer Person täuschen, dachte Percival. Wer hätte je gedacht, dass Merlin eine so große Macht besaß? Wenn er es wünschte, hätte Merlin die vollkommene Kontrolle über den Drachen erlangen können. Er war der mächtigste Zauberer der Welt und der letzte Drachenmeister und jetzt erst realisierte Percival wirklich, was das bedeutete.

Die Freunde mussten nur noch ein paar Minuten lang warten, jeder in seinen eigenen Gedanken versunken, bis auf einmal Merlin den Kopf hob. Die Bewegung riss die anderen aus ihren Gedanken, die seinem Blick folgten, aber ein paar Momente lang noch nichts erkennen konnten, bevor ein dunkler Fleck am Horizont auftauchte und mit jeder Sekunde größer wurde. Merlin lächelte leicht und trat nervös von einem Bein aufs andere, doch in seinen Augen war ein Funken Aufregung zu erkennen. Der Zauberer wandte sich dem dunklen Fleck zu, der schnell die Form des großen Drachen annahm, von dem die anderen während des letzten Tages so viel gehört hatten. Arthur und seine Ritter standen ein wenig hinter Merlin, indem sie ihm erlaubten, sich als erstes an den Drachen zu wenden, den er zum Schloss gerufen hatte, und ihm die Situation zu erklären.

Als Kilgharrah vor Merlin und dem Halbkreis, den die anderen hinter ihm geformt hatten, landete, war sich Arthur sicher, dass er den Drachen beinahe lächeln gesehen hatte. Auf einmal ließ Kilgharrah ein Lachen hören, das den Boden erschütterte. Das Lachen wandelte sich in ein leichtes Glucksen und der Drache warf Merlin einen wissenden Blick zu.

Merlin stand einfach nur vor Kilgharrah, ohne etwas zu sagen, und wartete, bis der blasierte Drache sich wieder beruhigt hatte.

„Nun, junger Zauberer“, sprach Kilgharrah schließlich und blickte amüsiert auf den Mann vor ihm hinab. „Wie ich sehe hast du endlich auf meinen Rat gehört und den Menschen von deinem Schicksal erzählt, die es mir dir teilen.“ Merlin blickte zu Kilgharrah auf und wollte mit den Augen rollen, doch es gelang ihm nicht, das Grinsen zu unterdrücken. Das Grinsen wurde nur noch breiter, als er einen Blick über seine Schulter zu Arthur und den Rittern warf, die Ausdrücke voller Erstaunen auf ihren Gesichtern hatten, seit sie den Drachen sprechen hörten.

„Ich habe ihnen die Wahrheit davon erzählt, was in den letzten Jahren geschehen ist, und sie wollten dich treffen“, erklärte Merlin.

„Es ist eine Ehre, endlich die Menschen kennenzulernen, von denen ich so viel gehört habe“, meinte Kilgharrah und blickte jedem der Ritter in die Augen, bevor er sich schließlich Arthur zuwandte. „Auch wenn ich nicht weiß, ob ich diesem hier vergeben kann, dass er auf mich eingestochen hat.“ Das Gesicht des Drachen näherte sich Arthurs mit leicht verengten Augen, doch hinter ihnen war ein schelmischer Glanz zu erkennen.

Der König verspannte sich und behielt seine Arme in der Nähe Excaliburs, begegnete jedoch dem Blick des großen Drachen. „Ihr habt meine Leute getötet, Ihr habt meine Ritter getötet“, begann Arthur wütend, während die Schreie der Menschen Camelots wieder durch seinen Kopf hallten.

Kilgharrah brummte nur zustimmend und unterbrach somit den König. Dann zog er seinen Kopf wieder zurück. „Der einstige und künftige König“, sprach Kilgharrah zu Arthur. „Es ist wahrhaftig eine Ehre, Euch zu treffen.“ Der Drache breitete seine Flügel seitlich aus und beugte seinen Kopf in Richtung Arthur, sehr zur Überraschung der Ritter. „Ich war verblendet von meiner Trauer und meinem Wunsch nach Rache, als ich Eure Stadt angriff. Ich glaube nicht, dass Ihr die Tortur nachvollziehen könnt, die aus dem Glauben entsteht, dass Ihr der letzte Eurer Art seid. Seid versichert, junger König, ich wünsche weder Euch noch Eurem Volk Schaden zuzufügen.“

Arthur blickte zu dem Drachen auf, dem letzten seiner Art. Er wusste, dass er sich für die Taten seines Vaters entschuldigen sollte, für den methodischen Genozid an der Art der Drachen, doch die Worte blieben ihm in der Kehle hängen. Was konnte Arthur sagen, das nicht völlig inadäquat und schwach klingen würde, verglichen mit den Schrecken, die Kilgharrah zugefügt wurden? Selbst wenn Arthur nicht derjenige gewesen war, der sie befohlen hatte. Stattdessen nickte der König also nur einmal mit dem Kopf. Der Gram über alles, was sein Vater getan hatte, evident in seinen Augen.

Die Ritter schienen den Atem anzuhalten, als der Drache sich daraufhin ihnen zuwandte. Sie alle starrten ihn mit weiten Augen an. Sie hatten die Chance, mit einem echten Drachen zu sprechen, mit dem letzten seiner Art, bevor sie zu nichts weiter als einer Mär und einer Legende werden würden.

„Und eure Namen sind?“, fragte Kilgharrah amüsiert von den Reaktionen der kleinen Menschen um ihn herum.

Gwaine war natürlich der erste, der einen Schritt vorwärts trat, schließlich war er es auch gewesen, der um dieses Treffen gebeten hatte. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht erklärte er dramatisch: „Sir Gwaine zu Ihren Diensten.“

Wenn Drachen Augenbrauen hätten, dachte Merlin, dann würde Kilgharrah seine gerade so weit heben, dass er Gaius Konkurrenz machen würde. Der Drache hielt jedes Kommentar zurück, bis all die Ritter vorgetreten und sich vorgestellt hatten, keiner von ihnen mit so viel Elan wie Gwaine.

Schließlich nickte der Drache und sprach: „Merlin hat von euch allen sehr hoch gesprochen, es ist mir eine Ehre.“

Elyan lächelte bei dem Gedanken, dass Merlin diesem riesigen Wesen von seinen Abenteuern mit seinen Freunden erzählte, bevor ihm klar wurde, dass Kilgharrah wohl der einzige war, dem Merlin eine sehr lange Zeit lang diese Geschichten hatte erzählen können. Abgesehen von Gaius natürlich, aber manchmal musste man sich auch mit jemandem unterhalten können, der keine Vaterfigur für einen darstellte. Doch nicht länger würde Merlin seine Abenteuer, seine Leistungen und seinen Schmerz verstecken müssen; ein neues Kapitel war angebrochen.

Kilgharrah wandte sich wieder Merlin zu, der noch immer mit etwas Abstand zum Rest der Gruppe stand. Ein Hauch von Stolz war im Ausdruck des Drachen zu erkennen, als er sprach: „Die Zeilen des Schicksals scheinen Gestalt anzunehmen.“ Merlin und Kilgharrah begannen zu lächeln, der Drache und der Drachenmeister, als ihre Blicke sich im morgendlichen Licht einer sich rasant verändernden Welt trafen. „Gut gemacht, junger Zauberer“, sprach Kilgharrah, wie zum Abschied. Ein weiteres Mal ließ er seinen Blick über die Männer hinter dem Zauberer gleiten, bevor er seine Flügel ausbreitete und in den Himmel schoss. Der Wind vom Flügelschlag des Drachen ließ die Freunde die Augen zusammenkneifen und ihr Haar wild tanzen.

„Danke“, flüsterte Merlin und beobachtete gemeinsam mit den anderen die immer kleiner werdende Silhouette Kilgharrahs.

Als der Drache nichts weiter mehr als ein weit entfernter Fleck am Horizont war, drehte Merlin sich wieder zu seinen Freunden und räusperte sich. „Nun“, begann er, „was haltet ihr davon, wenn wir uns jetzt der restlichen Geschichte annehmen?“ Gwaine lächelte breit, begierig nach einem ohnehin schon so aufregenden Morgen noch mehr von dieser spannenden Geschichte hören zu können.

Die Männer wandten sich um, um ein weiteres Mal zurück zum Schloss zu gehen, schritten durch die Eingangstüre und nahmen ihre Plätze am runden Tisch ein, bevor sie ihre volle Aufmerksamkeit wieder dem Zauberer zuwandten.

Merlin lächelte gepresst, als er sich wieder in den Strom der Erinnerungen versenkte, bevor er langsam den Mund öffnete, um seine Geschichte weiter zu teilen. „Ein Jahr lang suchten wir vergeblich nach ihr. Morgana.“ Den Namen fügte er hinzu, um jeden Zweifel daran beiseitezuräumen, von wem er gerade sprach. Merlin wandte sich Arthur zu. „Jedes Mal, wenn wir ausritten, um sie zu suchen, befürchtete ich, dass wir erfolgreich wären und dass sie meinen Verrates enthüllen würde.“ Der ernste Ausdruck auf seinem Gesicht hielt die anderen davon ab, zu sprechen. „Ich fürchtete, was geschehen würde, wenn wir sie fänden, doch um sie im Auge zu behalten wusste ich auch, dass ich sie in meiner Nähe haben musste. Und dann, eines Tages, geschah es schließlich. Wir fanden sie.“ Obwohl Arthur und Leon wussten, was als nächstes geschehen war, waren sie alle im Zauber von Merlins Erzählung gefangen.

„Sie konfrontierte mich, als wir zurück in Camelot waren.“ Merlin nickte geistesabwesend. „Aber sie meinte, sie verstünde, weswegen ich sie vergiftet hätte, dass ich keine andere Wahl gehabt hätte. Sie sagte, dass sie in meiner Situation dasselbe getan hätte. Und obwohl ich skeptisch blieb, wagte ich es zu hoffen, dass sie sich verändert hätte.“ Merlin grinste beinahe schon sadistisch, ohne dass auch nur ein Funken wahrer Freude seine Augen erreichte. „Ganz offensichtlich war das die Hoffnung eines Narren. Morgana arbeitete natürlich noch immer mit Morgause zusammen. In der Zeit, die sie fort von Camelot verbracht hatte, hatte sich ihr Verlangen, Uther zu zerstören und selbst den Thron zu beanspruchen, nur verstärkt. Sie machte sich also etwas namens Alraune zu nutzen, sie hatte sie extra für Uther besorgt.“ Merlin zog eine mitleidige Grimasse. Alraunen gehörten zu der dunkelsten Magie, die es gab. Sie quälten ihr Opfer unaufhörlich. „Wegen dieser Alraune machte es den Anschein, als würde Uther verrückt werden. Ich weiß, dass ich den ganzen gestrigen Tag damit verbracht habe, euch zu zeigen, dass Magie auch für Gutes eingesetzt werden kann.“ Merlin atmete tief durch. „Aber Alraunen haben nichts Gutes an sich. Sie sind eine wahrhaft bösartige Form von Magie.“ Merlin sah erst drein. Er dachte daran, dass Morgana nicht nur den Thron für sich selbst haben wollte, sondern sie auch noch so sadistisch war und Uther wirklich leiden hatte sehen wollen. Was für eine Veränderung ein einziges Jahr herbeiführen konnte.

Die anderen um den Tisch sahen leicht alarmiert aus. Merlin konnte in allem etwas Gutes sehen, er war ein wahrer Optimist. Doch wenn nicht einmal er etwas Positives an Alraunen erkennen konnte, wie schlimm waren sie dann?!

Leon unterbrach die nachdenkliche Stille, die sich an dem Tisch breitgemacht hatte. „Was genau ist eine Alraune, Merlin?“ Sie alle erwarteten die Antwort mit einem bangen Gefühl in der Brust.

„Sie ist eigentlich nur eine Wurzel, scheinbar harmlos. Doch wenn man sie verzaubert, dann kann sie die Seele derjenigen ohne Magie durchbohren und sie mit ihren schlimmsten Erinnerungen quälen und ihre schlimmsten Albträume real erscheinen lassen. Sie kreiert Illusionen der größten und intimsten Ängste einer Person und lässt sie für diese Person genauso real erscheinen, wie ein jeder von uns“, beendete Merlin seine Erklärung leise.

Alle Augen waren entsetzt geweitet. Man musste wahrhaftig niederträchtig sein, um einer anderen Person so etwas anzutun. Gestern erst hatten sie einander ihre schlimmsten Ängste und Erlebnisse verraten und es war ihren vorgekommen, als hätte jemand ein enormes Gewicht von ihren Schultern genommen. Ein Gewicht, das nun unendlich viel leichter schien, da sie es zu sechst trugen. Sie konnten und wollten sich gar nicht vorstellen, wie es sich anfühlen musste, all diese schrecklichen Momente wieder zu erleben. Ihre größte Schande, ihre größten Ängste, alles, was sie bedauerten, immer und immer wieder, unaufhörlich und vollkommen allein.

Arthur schüttelte ungläubig den Kopf. Selbst damals schon war Morgana für sie verloren gewesen. Keine Spur des gutherzigen Mädchens, das sie einst gewesen war, war mehr zu erkennen. Nur noch Grausamkeit und Rachsucht waren übriggeblieben.

„Neuigkeiten von Uthers angeblichem Wahnsinn hatten sich verbreitet. Er hatte die Illusionen der Alraune vor anderen bekommen und Panik Attacken gehabt“, fuhr Merlin fort.

„Sogar ich habe von Uthers Wahnsinn gehört, mehrere Tagesritte von Camelots Schloss entfernt. Ich kann kaum glauben, dass Morgana das getan haben soll“, warf Gwaine ein. Damals war es ein Scherz gewesen, der in einer Taverne herumerzählt wurde. Der König war verrückt geworden! Alle hatten darüber gelacht und es nicht ernst genommen … So viel war in Camelot geschehen, von dem niemand bis auf Merlin es bemerkt hatte! Wie er es geschafft hatte, all das geheim zu halten, überstieg Gwaines Vorstellungskraft.

„Ja, nun, auch wenn es grausam war, entschied Morgana sich nicht nur aus Rache, die Alraune bei Uther anzuwenden“, erklärte Merlin. „Als sich das Gerücht verbreitete, dass Uther verrückt geworden wäre, reiste Morgause zu Cenreds Schloss, um eine Armee aufzutreiben, die Camelot überfallen sollte, wenn es gerade am schwächsten war.“ Merlin seufzte. Natürlich hatte es eine Armee gegeben. Es schien fast, als stünde mindestens einmal im Monat eine Armee vor den Toren Camelots.

Merlin sah auf einmal etwas verlegen drein. Der plötzliche Wechsel der Stimmung erregte die Aufmerksamkeit der Ritter und des Königs. Der Zauberer rieb sich den Nacken und erklärte, was als nächstes vorgefallen war: „Ich entschied mich, Morgana in dieser Nacht in den Wald zu folgen, in der Hoffnung herauszufinden, was sie geplant hatte. Doch wie sich herausstellte, war mein Talent im Anschleichen nicht genug. Sie wusste, dass ich ihr folgte und lockte mich in den Wald, wo Morgause bereits wartete. Dort fingen sie mich ein und fesselten mich mit magischen Ketten.“ Merlin errötete etwas.

Arthur starrte ihn einen Moment lang an, bevor er „Merlin!“ rief und den Kopf schüttelte. „Man sollte meinen, dass nach jahrelangem Verstecken deiner Magie im Herzen Camelots du zumindest gelernt hättest, diskret zu sein!“ Die Ritter brachen in Gelächter aus, konnten dieser Logik aber nur zustimmen.

„Nun, ich hatte mich so sehr daran gewöhnt, dass niemand mich bemerkte, dass ich nachlässig wurde, schätze ich“, verteidigte Merlin sich, noch immer rot im Gesicht.

Leon schüttelte nur lächelnd den Kopf über seine Freunde. Langsam beruhigten sich die Ritter wieder und die Stimmung unter ihnen war um einiges besser als zuvor.

„Lassen wir mein Talent im Anschleichen einmal außer Acht –“ Merlin wurde unterbrochen.

„Oder fehlendes Talent“, warf Arthur getarnt mit einem Husten ein, woraufhin die Ritter ein weiteres Mal neckisch grinsten.

Merlin rollte mit den Augen. „Ja, ja, oder fehlendes Talent. Wie ich bereits sagte, ich erwachte in verzauberten Ketten und wurde bald von Serkets gefunden. Das sind Skorpione, die die doppelnde Größe von Percival haben.“ Der eben genannte Mann lächelte dem Zauberer zu und setzte sich gleich etwas aufrechter hin.

„Es gelang mir nicht, mich mit meiner Magie von den Ketten zu befreien und so stach mich ein Serket in den Rücken.“ Die Männer zuckten zusammen. Ein solch großer Stich musste furchtbar geschmerzt haben! „Zu meinem Glück gelang es mir, Kilgharrah um Hilfe zu rufen, bevor ich dem Gift erlag. Er kam und rettete mir das Leben.“ Merlin blickte mit ernstem Gesicht zwischen seinen Freunden umher. „Als ich erwachte, war Cenred schon bereit, seinen Angriff auf Camelot zu starten und ich befand mich mehrere hundert Meilen entfernt. Das Positive daran –“ Merlin grinste Gwaine breit an. „– ich bekam einen Ritt auf einem Drachen für die Strecke, die eine mehrtägige Wanderung zurück nach Camelot bedeutet hätte.“

Gwaines Mund klappte auf, Leons und Elyans ebenfalls. „Du bist geflogen?!“, prustete Gwaine. „Warum kann ich kein Drachenmeister sein?“, fragte Gwaine das Schicksal, den Blick in Richtung der Decke des Schlosses gerichtet.

„Wenn du das wärest, dann wärst du wahrscheinlich schon tot, Gwaine.“ Merlin zog eine Grimasse als er alle Anwesenden daran erinnerte, dass er der letzte lebende Drachenmeister war. Eine ernste Stimmung breitete sich wieder unter ihnen aus.

„Warte, ich erinnere mich daran!“, rief Arthur auf einmal aus. „Du warst den ganzen Tag lang fort und mein Gemach war ein vollkommenes Chaos! Als ich von dir verlangte zu wissen, wo du warst, sagtest du mir, du hättest im Sterben gelegen! Ich hätte nie gedacht, dass du das tatsächlich so gemeint hast …“ Arthur schüttelte ungläubig den Kopf.

Merlin gluckste leise. „Um ganz ehrlich zu sein, Majestät, ich habe Euch oft die Wahrheit gesagt und mich darauf verlassen, dass Ihr mir nicht glauben würdet und stattdessen annehmen würdet, dass ich ein weiteres Mal im Wirtshaus gewesen wäre.“ Das freche Grinsen, das Merlin Arthur zuwarf, ließ diesen stöhnen und genervt etwas murmeln, was Merlin jedoch nicht verstand.

„Ich habe wirklich mein Bestes versucht, Euch so wenig wie möglich anzulügen, Arthur.“ Der Zauberer blickte mit einem traurigen Ausdruck auf seinem Gesicht zum König.

„Nun, ich danke dir dafür, Merlin“, entgegnete Arthur ehrlich. Gestern noch war Arthur entsetzt gewesen, dass die vielen Jahre ihrer Freundschaft nichts als eine Lüge gewesen sein könnten. Es war gut zu wissen, dass Merlin sich nie wirklich an die Lügen gewöhnt hatte und es noch immer bevorzugte, Arthur über die Jahre hinweg die Wahrheit zu sagen, zumindest soweit er es konnte.

„Wie ihr alle wisst, begann Cenred mit seinem Angriff und nahm die Unterstadt ein. Uns blieb also nur noch das Schloss zu verteidigen. Morgause jedoch hatte Morgana einen Ebereschenstab gegeben, der seinem magisch begabten Besitzer es erlaubt, die Toten lebendig zu machen und zu kontrollieren.“ Percival und Gwaine, die zu dieser Zeit nicht in Camelot gewesen waren, hörten voller Entsetzen zu. Es schien wahrhaftig keine Grenze zu geben, wie weit Morgana gewillt war zu gehen, um Camelot zu zerstören und selbst den Thron einzunehmen.

„Bald waren wir also gezwungen an zwei Fronten zu kämpfen – einmal, um Cenreds Armee zurückzudrängen und einmal, um die lebenden Skelette, die nicht getötet werden konnten, zu besiegen. Ich folgte Morgana in die Krypta und duellierte mich mit ihr, bevor sie schließlich k.o. geschlagen wurde, als ein Mauerbogen zusammenbrach“, erzählte Merlin.

Arthur dachte einen Moment lang nach, bevor er fragte: „Merlin, all die Male, bei denen zufällige Teile des Schlosses zusammenbrachen und auf die Feinde fielen, die mich gerade angriffen … Das warst immer du, oder?“

Merlin gluckste und gab dann zu: „Ja, Majestät. Es schien erstaunlich gut zu funktionieren, besonders da Ihr es niemals seltsam fandet, da der Kampf Euch zu sehr ablenkte. Ich musste Euren traurigen Hintern ja irgendwie am Leben erhalten.“ Merlins Augen glühten einen Moment lang golden und die Schlossmauern begannen zu beben. Die anderen rissen die Köpfe herum, bevor sie zu Merlin blickten, der nur grinsend zurückblickte.

Leon schüttelte den Kopf, während die anderen Ritter amüsiert dreinsahen und Arthur nur entnervt wirkte. „Ich glaube nicht, dass ich mich jemals daran gewöhnen werde.“

Merlin grinste nur und seine Augen glänzten hell, dieses Mal jedoch vor Freude und nicht aufgrund von Magie. Er konnte sich definitiv an das Gefühl der Freiheit gewöhnen, das ihn überkam, wann immer er sich daran erinnerte, dass seine Freunde endlich wussten, wer er war.

„Ich zerstörte den Ebereschenstab und die Armee der Untoten wurde wieder so wenig lebendig, wie sei es eigentlich sein sollte. Es gelang uns, den Sieg über Cenreds Armee zu erlangen und ich machte mich auf den Weg, um Arthur von Morganas Verrat zu berichten, kam jedoch zu spät. Sie hatte bereits sowohl Arthur als auch Uther erzählt, dass sie diejenige gewesen sei, die den Ebereschenstab zerstört habe.“ Hätte er es nicht selbst erlebt, hätte Arthur nicht geglaubt, wie leicht Morgana sie alle damals hatte täuschen können. Nun, sie alle bis auf Merlin und Gaius.

„Ich bin nur wenige Wochen nach dieser Schlacht nach Camelot gekommen“, meinte Gwaine, aufgeregt, Merlins Sicht auf die Dinge zu hören, die auch er selbst erlebt hatte.

„Ja, aber es gab eine Sache, von der ich Arthur wahrscheinlich erzählen sollte, die geschehen ist, bevor du kamst“, sagte Merlin und lächelte schalkhaft.

„Oh, nein, Merlin. Wage es ja nicht!“, rief Arthur, als ihm klar wurde, von was für einem Ereignis Merlin da gerade sprach.

Merlin lachte nur und begann mit seiner Geschichte. Die Ritter hörten ihm gleich umso interessierter zu, wollten sie doch alle wissen, was ihren König vor Verlegenheit so rot anlaufen ließ. „Eine Woche, vielleicht zwei, nach der Schlacht habe ich unabsichtlich einen Kobold freigelassen.“

Arthurs Mund klappte auf. „Das warst du?!“, schrie er.

Elyan gluckste nur. „Seid Ihr tatsächlich immer noch überrascht, Majestät?“, fragte er, woraufhin Merlin mit einem empörten „Hey!“ reagierte, sehr zur Belustigung des Ritters.

„Nein, ich schätze nichts sollte mich mehr überraschen“, meinte Arthur mit einem langen Ausatmen und einem Kopfschütteln.

„Ich hab’s zwar schon gesagt, aber: Hey!“ Merlin rollte über das Gekicher seiner Freunde nur mit den Augen und fuhr fort: „Kurz gesagt: der Kobold hat einiges an Chaos angerichtet, indem er unter anderem Gaius besessen hat, Uther eine Glatze–“ Um den Tisch herum erscholl Gelächter. „– und Arthur Eselsohren verpasst hat und ihn dazu brachte, wie ein Esel zu schreien.“ Bei diesen Worten verstanden die Ritter, weshalb Arthur so verlegen reagiert hatte, als Merlin dieses Ereignis angesprochen hatte. Auch jetzt färbten sich seine Wagen ein weiteres Mal rot, selbst als Merlin seinen König angrinste.

„Oh, ich vergaß zu erwähnen, dass, als er Gaius besessen hat, der Kobold herausfand, dass ich Magie habe und es Uther erzählte, was dazu führte, dass ich eingesperrt wurde und mir die Todesstrafe verhängt wurde … mal wieder.“ Merlin zuckte mit den Achseln.

Gwaine warf seine Hände in die Luft. „Wie schaffst du es nur immer, in solche Situationen zu geraten, mein Freund?“, fragte er ungläubig.

Merlin zuckte nur ein weiteres Mal mit den Achseln. „Wenn du es noch nicht bemerkt hast, ich habe nicht unbedingt das beste Glück.“ Die anderen nickten zustimmend. Sie konnten kaum glauben, dass Merlin innerhalb von nur so kurzer Zeit so viel widerfahren war.

„Wie üblich entkam ich und es gelang Gwen und mir, den Kobold wiedereinzufangen, Gaius zu retten und meinen guten Namen wiederherzustellen. Bloß ein weiterer Tag in Camelot.“ Merlin lächelte.

„Wisst Ihr, Majestät …“ Merlin wandte sich zu Arthur. „Obwohl Ihr mich so oft beschuldigt habt, meine Zeit in der Taverne zu vergeuden, wart doch Ihr derjenige, der die Schuld daran trug, dass der Streit in der Taverne ausgebrochen ist, in der wir Gwaine trafen.“ Merlin grinste. Leon, Elyan und Percival beugten sich neugierig vorwärts und auch auf ihren Gesichtern begann sich ein Grinsen auszubreiten.

„Hey! Ich hab‘ das gemacht, um den Dorfbewohnern zu helfen!“, verteidigte sich Arthur, während Gwaine nur lachte.

„Ja, und Ihr wärt windelweich geprügelt worden, wenn ich Euch nicht zu Hilfe geeilt wäre“, brüstete sich Gwaine und streckte seine Brust raus. Arthur rollte nur mit den Augen und murmelte, dass er sehr wohl gewonnen hätte.

„Ja, nun, als wir Gwaine trafen, rettete er sowohl mein als auch Arthurs Leben.“ Merlin warf dem König einen pointierten Blick zu. „Aber er wurde derweil verletzt. Gwaine kam mit uns nach Camelot, um wieder gesund zu werden. Und es war ein Glück, dass er das tat, denn zwei der Schläger, mit denen wir diesen Kampf in der Taverne hatten, hatten sich als Ritter verkleidet, um an einem Turnier teilzunehmen und Arthur umbringen zu können.“

„Als ob sie mich hätten besiegen können.“ Arthur grinste stolz.

„Natürlich, Eure Majestät“, antwortete Merlin und versuchte, das Lachen zurückzuhalten. „Nun, Gwaine war natürlich der Unruhestifter, den wir alle kennen und tolerieren gelernt haben, und wurde beschuldigt, dass er einen dieser verkleideten Ritter hatten umbringen wollen. So wurde er aus Camelot verbannt.“

„Auch wenn wir alle wussten, dass mich das nicht davon abhalten würde, zur Rettung zu eilen! Ich kehrte selbst verkleidet zurück, trat dem Turnier bei und rettete Arthur indem ich die beiden Schlägertypen tötete“, fuhr Gwaine stolz fort.

„Ja, Gwaine war der wahre Held dieser Geschichte“, bestätigte Merlin. „Es ist eine Schande, dass Uther sich dennoch weigerte, die Verbannung aufzuheben.“ Bei diesen Worten nickten die restlichen Männer zustimmend und runzelten die Stirn. Wenn man Uther als etwas beschreiben konnte, dann als vernunftlos und dickköpfig.“

„Aber du wusstest, dass ich zurückkehren würde. So etwas kann mich nicht lange forthalten.“ Gwaine lächelte, woraufhin die anderen zurücklächelten und sie sich alle an eine andere Nacht zurückerinnerten, in der sie zum ersten Mal um diesen Tisch gesessen und Brüder geworden waren.

Merlin erinnerte sich daran, was als nächstes in all diesen Jahren geschehen war und schreckte zusammen, als er sich an all seine misslungenen Versuche erinnerte, Morgana aufzuhalten, ohne sich als Zauberer zu enttarnen. „Ein paar Wochen nach unserer Begegnung mit Gwaine wurden Arthur und ich im Wald von Banditen überfallen“, fuhr Merlin mit einem Seufzen fort. Die Ritter fragten sich, was diesen Überfall so wichtig gemacht hatte, dass Merlin ihn nun erwähnte. „Um zu entkommen mussten wir durch das Tal der Gefallenen Könige reisen, doch Arthur wurde mit einem vergifteten Pfeil in den Rücken geschossen.“

Arthur zog eine Grimasse, als er sich an die Schmerzen und seine wunderhafte Heilung erinnerte. Nun, wo er darüber nachdachte, war es recht offensichtlich, dass er Merlin auch dafür zu danken hatte.

„Ich gab mein Bestes, die Wunde mit Magie zu heilen, doch nichts schien zu funktionieren“, fuhr Merlin fort.

Oh. Nun, so viel zu dieser Theorie.

„Ich hatte beinahe alle Hoffnung aufgegeben, als ein älterer Mann auf mich zukam, Arthur mithilfe von Magie heilte und mich dann zur Kristallhöhle brachte, dem Ursprungsort aller Magie.“ Merlins Worten folgten starre Blicke und offene Münder.

„Nun, das hat sich schnell gewendet“, kommentierte Gwaine durch die geschockte Stille.

„Ernsthaft, Merlin. Da bin ich mal nur ein paar Stunden lang bewusstlos und schon passiert sowas. Wie schaffst du das nur immer?“, fragte Arthur ungläubig. Obwohl er bereits den letzten Tag und ein paar Stunden dieses Tages über gehört hatte, was für eine Rolle Merlin in all den Ereignissen der letzten Jahre gespielt hatte, fiel es ihm immer noch schwer, all die Jahre der Freundschaft mit einem schusseligen, loyalen Idioten mit dem mächtigen Zauberer und Drachenmeister, der neben ihm saß, übereinzubringen. Aus Merlins Sicht gesehen musste Arthur der schusselige Idiot gewesen sein, der immer zwei Schritte hinterher war, verglichen mit dem, was Merlin bereits herausgefunden hatte. Doch es würde anders werden, sobald sie wieder zurück in Camelot waren. Arthur weigerte sich, noch länger der schusselige Idiot zu sein. Fortan würde es keine Geheimnisse mehr zwischen ihnen geben.

Merlin seufzte bei Arthurs Frage. „Ich habe mich das schon seit Jahren gefragt, Hoheit“, beklagte er sich und blickte dabei in die Höhe, sehr zur Belustigung der Ritter.

„Die Kristallhöhle erlaubt jenen mit mächtiger Magie Blicke in die Zukunft zu werfen und der alte Mann drängte mich dazu, es zu tun. Dort sah ich Morgana, wie sie auf Camelots Thron saß und zur Königin gekrönt wurde –“ Alle zogen eine Grimasse, sie konnten sich nur zu gut noch an diesen Tag erinnern. „– sowie eine Reihe von Ereignissen, die in der Art, wie ich sie zu sehen bekam, aussahen, als würde Morgana Uther mit einem Dolch ins Herz stechen“, fuhr Merlin mit einem tiefen Seufzen fort. Nie wieder wollte er etwas über die Zukunft erfahren, das bereitete weitaus mehr Probleme, als es wert war.

„Wie sich herausstellte, war der alte Man ein mächtiger Seher unter den einstigen Königen und war vor fast 300 Jahren verstorben. Ich vermute, dass ich ihn nur im Tal sehen konnte, weil ich die Macht über Leben und Tod habe.“ Merlin wartete auf die erschrockenen Gesichter, die jedes Mal wiederkamen, wann immer Merlin sie daran erinnerte, wie mächtig er tatsächlich war. Dieses Mal jedoch trat der überraschte Blick nur für ein paar Sekunden auf die Gesichter Arthurs und der Ritter, bevor sie sich wieder fassten und Merlin als Zeichen fortzufahren zunickten. Sie gaben ihr Bestes, dies als ihre neue Normalität zu akzeptieren, Merlin zuliebe. Dieser konnte das Lächeln nicht zurückhalten, das sich nun auf seinem Gesicht ausbreitete. Vielleicht würden sie wirklich das Vertrauen zurückgewinnen können, dass sie vor der großen Enthüllung in ihn gehabt hatten. Vielleicht konnte er wirklich all das haben.

„Kurz nachdem ich zurückkam erwachte Arthur und wir kehrten nach Camelot zurück. Ich war bereit zu verhindern, was ich im Kristall gesehen hatte. Leider bewahrheiteten sich die Ereignisse, von denen ich gesehen hatte, dass sie eintreten würden, bevor Morgana Uther erdolchen würde. Und es schien, als gäbe es nichts, was ich dagegen tun könnte.“ Merlin biss sich besorgt auf die Lippe, bevor er fortfuhr. „In dieser Nacht, nach Morganas Geburtstagsfeier, beobachtete ich ihre Türe und sah, wie sie sich hinausschlich. In dem Glauben, dass sie Uther töten würde, so wie ich es gesehen hatte, ließ ich eine Türe direkt vor ihr zufallen, was dazu führte, dass eine Fackel nieder- und sie die Stufen hinabfiel. Sie brach sich den Schädel und Gaius konnte nichts tun, um sie zu retten. Es tut mir so, so sehr leid, dass ich Euch so viel Schmerzen zugefügt habe, Arthur. Dass ich Gwen so viele Schmerzen zugefügt habe. Ich wollte nicht, dass Morgana sich verletzte.“ Merlin blickte Arthur reumütig an. Er hatte niemals diese dunklen Tage herbeiführen wollen. Arthur sah erschrocken drein. Er hatte immer geglaubt, dass es sich um einen Unfall gehandelt hatte. Er wusste nicht, was er nun empfinden sollte. Damals hatte Morgana ihm die Welt bedeutet. Sie war seine Familie gewesen, auch wenn er damals noch nicht gewusst hatte, wie wahr das tatsächlich war. Doch nun war Morgana seine größte Feindin. Wie sich die Zeiten nur geändert hatten …

„Schon in Ordnung, Merlin“, sprach Arthur leise. „Es ist ja nicht so, als hättest du zu mir kommen können, um mir zu sagen, dass Morgana plante meinen Vater umzubringen.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich hätte dir niemals geglaubt. Und du hast dein Bestes getan.“ Arthur legte Merlin eine Hand auf die Schulter, woraufhin der jüngere Mann schwach lächelte. Sie beide hatten so viele Sachen, für die sie sich entschuldigen mussten. Würden sie jemals aufhören können, sich gegenseitig beieinander zu entschuldigen?

Merlin räusperte sich und fuhr fort: „Uther besuchte Morgana, während diese scheinbar bewusstlos war und drängte Gaius dazu, alles zu tun, selbst Magie, um sie zu heilen. Er verriet Gaius, dass Morgana seine Tochter war und ich glaube, dass Morgana ihn gehört haben muss und so die Wahrheit über ihre Herkunft erfuhr. Das war wahrscheinlich der Moment, in dem sie einen konkreten Plan fasste, den Thron zu übernehmen, in dem Glauben, dass er rechtmäßig der ihre sei, da sie Pendragonblut in ihren Adern hat.“

Arthur schloss die Augen. Es schien als wäre ihr Pech endlos. Natürlich würde Morgana genau im richtigen Moment wieder wach werden, um das wohl am besten behütete Geheimnis Camelots zu erfahren. Um die Wahrheit zu erfahren, die sie nur noch mehr in den Wahnsinn treiben würde. Nun, vielleicht gab es doch ein noch besser behütetes Geheimnis, dachte Arthur und blickte zu Merlin.

„Ich konnte nicht dabei zusehen, wie alle noch weiter litten, also rief ich Kilgharrah und befahl ihm, mir zu helfen sie zu heilen, gegen seinen Willen“, erzählte Merlin etwas beschämt. Er hatte es nie genossen, den Drachen etwas gegen seinen Willen machen zu lassen, aber damals war es ihm notwendig erschienen.

Gwaine schüttelte nur den Kopf bei der Erinnerung daran, dass Merlin einen Drachen dazu zwingen konnte, seinem Willen zu folgen. So ein kleiner Mann besaß so viel Macht über eine solch riesige Kreatur. Es war wahrhaft erstaunlich.

„Morgana wurde also wieder gesund, doch mit ihrem neugewonnenen Wissen über ihre Abstammung ging sie in Uthers Gemächer, um ihn zu töten, genau wie ich es in der Höhle vorhergesehen hatte. Ich kam rechtzeitig an, um ein Fenster dazu zu bringen, sich zu öffnen und Morgana von den Füßen zu reißen, wodurch Uther aufschreckte. Was ich im Kristall gesehen hatte, war Uther, der durch das laute Krachen aufschreckte, nicht weil Morgana ihm einen Dolch ins Herzen rammte, wie ich angenommen hatte. Indem ich die Zukunft gesehen habe, habe ich sie nur herbeigeführt. Niemals wieder will ich etwas über die Zukunft wissen“, endete Merlin und in seinen Augen befand sich eine Weisheit, die nur durch große Fehler gewonnen werden konnte.

Die anderen dachten über seine Worte nach und fragten sich, was wohl geschehen wäre, wenn Merlin nicht in die Zukunft geblickt hätte, oder warum der tote Zauberer unbedingt gewollt hatte, dass er die Zukunft erfuhr.

„Mein nächstes … Abenteuer, schätze ich, könnte man sagen …“ Merlin lächelte seinen Freunden schief zu. „… war als Arthur beinahe eine Fee geheiratet hätte“, endete Merlin mit einem Grinsen.

Die Augenbrauen der Ritter hoben sich beinahe in ihre Haare, während Arthur Merlin mit offenem Mund anstarrte und vergeblich versuchte, verständliche Worte zu formen.

„Entschuldigung?“, brachte der König schließlich hervor und dachte zurück an seine misslungene Hochzeit mit Prinzessin Elena.

Merlin gluckste, als er erklärte: „Während Prinzessin Elena in Camelot war, fand ich heraus, dass sie ein Kuckuckskind war. Sie wurde als Baby verzaubert, so dass eine Fee in ihr heranwuchs, die meiste Zeit über schlafend. Deshalb war sie so … tollpatschig, um es freundlich auszudrücken.“

Nun starrten auch alle Ritter Merlin mit offenem Mund an. Sein ganzes Leben lang eine Kreatur in sich leben zu haben, ohne es zu wissen, erschien ihnen wie eine entsetzliche Vergewaltigung.

„Technisch gesehen werden Feen Sidhe genannt und Elfen dienen ihnen. Prinzessin Elenas Dienerin, Grunhilda, war eine Elfe, die plante, dass Elena Arthur heiraten sollte, um eine Sidhe auf dem Thron Camelots zu sehen“, erklärte Merlin.

Arthur rieb sich die Schläfen, als wolle er Kopfschmerzen zurückdrängen. Wie oft war Camelot nur in Gefahr gewesen, ohne dass er es überhaupt bemerkt hatte? Der König wusste es nicht.

„Gaius und ich fanden ihre wahren Identitäten heraus und er braute einen Trank, um die Fee aus Elena zu vertreiben. Dann zerstörten wir beide und der Anmut und die Eleganz, die Elena von Anfang an hätte haben sollen, kehrten zu ihr zurück.“ Merlin lächelte. Das war eine Geschichte, die tatsächlich ein glückliches Ende hatte und rein gar nichts mit Morgana zu tun hatte. „Und ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, da Gwen nun Königin von Camelot ist, dass Arthur die Hochzeit dann doch nicht hatte.“ Elyan lächelte bei diesen Worten. Seine Schwester war endlich so glücklich, wie sie es sich schon immer verdient hatte.

„Die Atempause, die wir von Morganas Angriffen bekommen hatten, dauerte aber leider nicht sehr lange. Innerhalb ein paar Wochen entführte Morgause Gwen und Elyan –“ Merlin nickte zum anwesenden Ritter, dessen Lippen sich bei der Erinnerung zu einer schmalen Linie zusammenkniffen. „– und stellte Gwen das Ultimatum, Arthur zu Cenred in die Burg von Fyrien zu locken, ansonsten würde Elyan sterben.“ Die anderen Ritter tauschten finstere Blicke. Gwen war eine gute und gerechte Königin und ihre Freundin. Sie würden sicherstellen, dass sie niemals wieder bedroht wurde.

„Sie war so entsetzt und verängstigt“, fuhr Merlin leise fort, „aber glücklicherweise konnte ich Gwen überzeugen, es Arthur zu erzählen und gemeinsam ritten wir so schnell wie möglich los, um Elyan zu retten, wobei Morgana darauf bestand mitzukommen“, erzählte der Zauberer mit einem düsteren Blick.

„Wir wurden gefangen genommen, wahrscheinlich wegen Morgana, und eingesperrt, aber es gelang uns relativ schnell zu fliehen. Leider ging Arthur Morgana retten, der es höchstwahrscheinlich absolut gut ging und die nur ihre bösartigen Pläne mit Morgause und Cenred besprach.“ Merlin rollte die Augen über Arthurs Handlungen, welcher dem jüngeren Mann einen bösen Blick zuwarf. Wie hätte er denn wissen sollen, dass Morgana böse war?

„Natürlich folgte ich dem Trottel –“ Ein weiterer böser Blick von Arthur „– und ließ eine Feuerwand explodieren, die Morgause auf Arthur zukommen ließ, was dazu führte, dass Stücke des Schlosses über Cenred und Morgause einbrachen und sie beide k.o. schlug. Wir entkamen, wobei Arthur Morgana mit sich trug. Natürlich wollte diese ihre Schwester nicht einfach so zurücklassen, aber sie hatte ja eine Rolle zu spielen“, endete Merlin, noch immer finster dreinblickend. Morgana hatte so lange die Menschen angelogen, die sie als Familie gesehen hatten.

„Bald darauf musste Arthur sich als guter zukünftiger König beweisen und eine Aufgabe erfüllen“, fuhr Merlin fort. „Für diejenigen, die es nicht wissen, seine Aufgabe war es, alleine ins Land des Fischerkönigs zu reisen und den Dreizack desselben mitzubringen. Morgana hatte ihm jedoch einen Armreif gegeben, als Glücksbringer.“ Der Sarkasmus in Merlins Stimme war beinahe greifbar. „In Wahrheit aber war ein Auge des Phönix in diesen Armreif eingearbeitet. Dieses kann die Lebenskraft eines jeden stehlen, der es berührt, und kann einen sogar töten, wenn man zu lange in Kontakt damit ist“, meinte Merlin. Percival griff sich seufzend an die Stirn. Diese geheimen Kämpfe, die Merlin über die Jahre mit Morgana geführt hatte, schienen niemals aufzuhören. Es war ein Wunder, dass er es so lange geschafft hatte, sein Geheimnis zu bewahren und Arthur zu beschützen.

„Das ist also, weshalb ich im Sumpf ohnmächtig geworden bin!“, rief Arthur zornig. Die anderen konnten seinen Zorn eher weniger nachvollziehen, denn sie brachen in lautes Gelächter aus bei der Vorstellung, dass ihr König matschbeschmiert in einem Sumpf lag und schlief.

Noch immer glucksend fuhr Merlin fort. „Ein weiteres Mal folgte ich natürlich Arthur.“

Natürlich, dachte Leon. Es war ihm mittlerweile sehr klar geworden, dass trotz der Enthüllung von Merlins Magie sich an seiner starken Loyalität und Freundschaft zu Arthur nichts verändert hatte.

„Und unterwegs habe ich mir einen Freund zu Hilfe geholt.“ Merlin lächelte Gwaine zu, der zurückgrinste und nickte. „Wir kamen ans Schloss des Fischerkönigs und fanden Arthur bewusstlos vor – wegen des Armreifs – und von Wyvern bedroht. Zu unserem Glück sind Wyvern mit Drachen verwandt, sowas wie Cousins, und als Drachenmeister gelang es mir, auch sie zu befehlen.“ Gwaine sah kleinlaut drein bei der Erinnerung, wie er gegen die Wyvern hatte kämpfen müssen. „Ich nahm Arthur den Armreif ab und er wachte auf, wütend, dass wir ihm gefolgt waren, um sein Leben zu retten.“ Merlin warf dem König aus den Augenwinkeln einen Blick zu und betonte besonders die letzten Worte.

Arthur seufzte. „Nun, jetzt, wo ich die Wahrheit weiß, bin ich selbstverständlich dankbar, dass ihr mir gefolgt seid“, meinte Arthur und schnaubte.

„Selbstverständlich“, wiederholte Merlin sarkastisch.

„Das ist wahre Dankbarkeit, was?“ Gwaine stieß Leon mit dem Ellbogen in die Seite, der über das Geplänkel der Freunde nur grinsen konnte und selbst scherzhaft über Arthur den Kopf schüttelte.

„Wir fanden den Thronsaal des Fischerkönigs, doch nachdem ich eingetreten war schloss sich die Türe hinter mir und schloss damit Gwaine und Arthur aus“, fuhr Merlin mit der Geschichte fort. „Der Fischerkönig befand sich im Saal.“ Arthurs und Gwaines Augen weiteten sich. Sie hatten nicht gewusst, was sich während dieser Zeit auf Merlins Seite der Türe abgespielt hatte. „Er meinte, dass Albions Zeit der Not sich nähere und er reichte mir eine Phiole mit Wasser vom See von Avalon und meinte, es sei für die dunklen Tage, die folgen würden. Der See von Avalon ist derselbe, in den ich Freya damals gehen habe lassen“, erklärte Merlin leise und traurig. „Als Gegenleistung verlangte der Fischerkönig von mir, dass ich ihm ein Ende seiner Qualen und der Jahrhunderte, die er alleine verbringen musste, bereitete. Ich gab ihm den Armreif mit dem Auge des Phönix und er starb sobald er ihn an seinen Arm hängte“, endete Merlin nüchtern. „Arthur und Gwaine konnten den Raum wieder betreten, wir fanden den Dreizack und Arthur kehrte siegreich nach Camelot zurück.“

Sehr zur Überraschung der anderen meinte Merlin dann: „Eine gute Sache ist aus dem ganzen Ärgernis hervorgekommen.“ Er erklärte: „Während wir fort waren, hat Gwen Morgana dabei beobachtet, wie sie mit Morgause sprach und Magie einsetzte. Gaius und ich hatten also eine neue Verbündete gewonnen, die über Morgana Bescheid wusste.“ Arthur saß vollkommen verblüfft auf seinem Stuhl. Sogar Gwen hatte es schon so früh mitbekommen!

Als Merlin seinen Gesichtsausdruck bemerkte, fügte er noch hinzu: „Seid bitte nicht wütend auf sie. Damals war Morgana Euch so nahe, dass ich zweifle, dass Ihr selbst Gwen geglaubt hättet, wenn sie es euch berichtet hätte.“

Arthur seufzte nur und meinte leise: „Du hast wahrscheinlich recht, Merlin.“ Er hatte Morgana damals wirklich über alles geliebt.

„Das nächste Mal, dass ich Euren traurigen Hintern retten musste –“, begann Merlin, wieder etwas fröhlicher.

„Hey!“, rief der König empört aus.

„– war, als Gaius ehemalig Verlobte nach Camelot kam, unter der Kontrolle eines Mantikors, der unbedingt Uther umbringen wollte“, fuhr Merlin grinsend fort und tat, als hätte Arthur ihn nicht unterbrochen.

Gaius hatte eine Verlobte?“, fragte Leon mit weiten Augen. Es gelang ihm nicht, sich den alten Hofarzt in einer romantischen Beziehung vorzustellen.

„Ja, er war auch einmal jung, oder zumindest hat er einen Gefallen daran gefunden, mich immer wieder daran zu erinnern“, meinte Merlin mit einem zärtlichen Lächeln. „Der Name seiner Verlobten war Alice.“

„Sie kam, um bei uns zu leben, nachdem sie Gaius wiedergetroffen hatte. Doch in einer Nacht beobachtete ich sie, wie sie mit einem Mantikor darüber sprach, Uther zu vergiften. Mantikore sind boshafte Kreaturen, sie ziehen ihre Kraft aus dem Bösen der Welt der Toten hinter dem Schleier, aber wenn sie sich zu lange in unserer Welt befinden, sterben sie“, informierte Merlin die anderen .Es war aufregend, derjenige zu sein, der die Antworten besaß. Der Experte, der Lehrer zu sein. Im Gegensatz zu den ‚Unterrichtsstunden‘ im Schwertkampf, die Merlin von Arthur erhalten hatte.

„Sie vergiftete eines Tages Uthers Trank und die einzige Möglichkeit, ihn zu retten, war es, den Mantikor zu töten. Unglücklicherweise habe ich Arthur erzählt, dass es Alice gewesen war, die Uther vergiftet hatte. Zu der Zeit hatte ich noch nicht gewusst, dass sie vom Mantikor kontrolliert wurde und sich selbst nicht davon hatte abhalten können. Gaius und ich, wir besiegten den Mantikor, doch als Uther wieder gesund war, wurde Alice zu Tode verurteilt, trotz unserer Erklärung, dass sie unter der Kontrolle einer bösartigen Kreatur gestanden hatte.“

Percival senkte den Blick. So viele waren unter Uther ungerechtfertigterweise hingerichtet worden. Er war stolz darauf, dass er unter einem König dienen durfte, der nicht sofort handelte, sondern sich die Situation erst genauer ansah und dann sicherstellte, Entscheidungen zu treffen, die gerecht waren.

„Zum Glück fällt der Apfel nie weit vom Stamm“, meinte Merlin und ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. „Gaius befreite in dieser Nacht Alice aus der Zelle und sie verließ ohne weitere Probleme das Königreich. Sie ist sicher“, endete Merlin.

Arthur lachte laut auf. „Ich hätte nie gedacht, dass Gaius der Typ Mensch ist, der Leute aus den Zellen befreit“, meinte er kopfschüttelnd und seine Schultern bebten vor Erheiterung. „Andererseits, ich hätte auch nie gedacht, dass du der Typ Mensch bist, der Leute aus den Zellen befreit.“ Arthur warf Merlin einen pointierten Blick zu und der Zauberer grinste dümmlich und rieb sich den Nacken.

„Ja, nun, wir stecken alle voller Überraschungen, nicht?“, entgegnete Merlin mit einem frechen Grinsen und blickte zu den nickenden Rittern. Schließlich hatten sie alle am Vortag ihre Geheimnisse enthüllt.

„Während all das geschah, wurde Morgana langsam ungeduldig“, fuhr Merlin fort. „Wir sind schon fast an der Stelle in der Geschichte, in der Morgana ihr wahres Gesicht zeigt und versucht, die Herrschaft in Camelot zu übernehmen.“

Gwaine atmete erleichtert auf. Auch wenn der Ritter wusste, dass alles gutgegangen war, glaubte er nicht, dass er die Geschichte noch viel länger würde aushalten können, wenn Arthur und Uther fortfuhren, Morgana für die Unschuld in Person zu halten.

Merlins Blick verdunkelte sich, als er über die Vergangenheit nachdachte. „Ihr nächster Angriff auf Euch, Arthur, kam in der Form eines Angriffes auf Gwen.“ Nun machten auch alle anderen ein finsteres Gesicht, allen voran Arthur und Elyan. „Als Ihr und Gwen auf eurem Picknick im Wald wart, hat sie Uther, so glaube ich, absichtlich dorthin geführt, so dass er euch dabei erwischte und euch für eure verbotene Liebe bestrafte.“

Arthur erinnerte sich noch gut an diese Tage. An die Tage, in denen er nur Panik und Zorn verspürt hatte. Nie wieder wollte er so sehr um das Leben der Liebe seines Lebens fürchten müssen.

„Als Uther Gwen aus dem Königreich verbannte, schien Morgana jedoch nicht zu denken, dass dem genug der Sache war.“ Merlin sah zornig drein. „Sie versteckte ein Beutelchen unter Arturs Bett und überzeugte Uther, dass Gwen Arthur verzaubert hätte, sich in sie zu verlieben. Je mehr Arthur das verneinte und protestierte, desto überzeugter wurde Uther davon, dass Morgana die Wahrheit sagte.“ Merlin schüttelte den Kopf. Uther war wirklich kurzsichtig gewesen.

„Gwen wurde dann zu einem Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt“, fuhr Merlin leise fort und Percival und Gwaine, die damals noch nicht in Camelot gewesen waren, schnappten entsetzt nach Luft. Der Gedanke, dass ihre loyale Freundin und Königin verbrennen hätte sollen, war so entsetzlich. „Ich wusste, dass der einzige Weg, um Gwen zu retten und ihr zu erlauben, ihr normales Leben weiterzuführen, es war, jemand anderem die Schuld zuzuschieben … also erfand ich einen Zauberer“, meinte Merlin, sehr zur Verwirrung der Ritter.

Arthur hingegen hatte die Augen weit aufgerissen und der Mund war ihm vor Schreck aufgeklappt. „Nein, das kann nicht sein.“ Das Unglauben in der Stimme des Königs ließ Merlin grinsen. „Ich wusste, dass der Zauberer mir bekannt vorkam! Du? Du warst Dragoon der Große?!“

„Schuldig“, meinte Merlin lachend. Arthur stotterte, nicht wissend, was er sagen sollte, bei all den Beleidigungen, die Dragoon ihm an den Kopf geworfen hatte. Damals hatte Arthur angenommen, dass es einfach nur die blödsinnigen Worte eines zwielichtigen alten Mannes gewesen waren, doch nun ergaben die Beleidigungen natürlich um einiges mehr Sinn.

„Jedenfalls“, unterbrach Merlin vergnügt Arthurs Gedankengang, „nutzte ich einen Alterungstrank, ließ mich dabei schnappen, wie ich ein weiteres Beutelchen unter Arthurs Bett versteckte und bekannte mich dazu, sowohl Arthur als auch Gwen verzaubert zu haben, um Schande über Camelot zu bringen“, meinte Merlin, den letzten Teil mit so starkem Sarkasmus, dass nur noch Uther ihm das abgenommen hätte. „Uther ließ Gwen frei und ich sollte ihren Platz auf dem Scheiterhaufen einnehmen. Unglücklicherweise war der Alterungstrank so stark, dass ich ihn nicht einfach rückgängig machen konnte.“ Merlins Gesicht lief peinlich berührt rot an. „Glücklicherweise machte Gaius mir bereits einen Trank, der die Alterung rückgängig machen würde. Unglücklicherweise konnte er es mir nicht geben, bevor ich nicht schon zum Scheiterhaufen geführt wurde. In der Menge gelang es uns dann schließlich. Ich ließ den Scheiterhaufen explodieren, nahm den Trank von Gaius und machte, dass ich fortkam. Ein weiteres Mal unglücklicherweise, verfolgte Arthur mich und als ich mich zurück in mein Alter verwandelt hatte, glaubte er, dass ich zu betrunken gewesen war, um Dragoon aufzuhalten.“ Merlin rollte die Augen über den König, der seinen Diener nur angrinste. „Und so musste ich ganz alleine die Ställe ausmisten … mal wieder.“ Die Ritter lachten alle gutmütig über das Pech, das den Zauberer zu verfolgen schien.

„Ich schätze das Letzte, was geschah bevor Morgana Camelot angriff, von dem ihr nichts wisst, war als ein Zauberer sich Camelots Kampfturnier anschloss.“ Merlin lächelte in der Hoffnung, dass der Tag, an dem er Gilli wiedersehen konnte, nah war. Arthur runzelte die Stirn, er konnte sich an keine seltsamen Ereignisse während dieser Zeit erinnern.

„Sein Name war Gilli und er nutzte einen Ring als Hilfe zur besseren Kontrolle seiner magischen Kräfte, um das Turnier zu gewinnen“, sagte Merlin sehr zum Verdruss von Arthur und den Rittern. Auch wenn es wahr war, dass das Turnier keine Regeln hatte, so glaubten sie als Ritter doch an einen gewissen Ehrenkodex. Und mit Magie zu schummeln war definitiv ehrlos. Als er ihre Reaktion bemerkte, beeilte Merlin sich, den jungen Zauberer zu verteidigen. „Er war keine schlechte Person. Er hatte es nur satt, sein ganzes Leben lang ignoriert und unterschätzt zu werden“, meinte Merlin leise und dachte daran, wie das auch ihm sein ganzes Leben lang widerfahren war. Auch die anderen verstanden, dass Merlin hier nicht nur von Gilli sprach. Er sprach auch über seine eigenen Erfahrungen. Und auch vielen von ihnen war es bekannt, wie es sich anfühlte, für seine eigenen Fähigkeiten nicht anerkannt zu werden, nur weil man nicht als Adeliger geboren wurde oder etwas in der Art. „Er wollte es nur auf die falsche Art und Weise beheben“, fügte Merlin hinzu.

„Ich habe ihn mehrmals davor gewarnt, seine Magie nicht zu nutzen, aus Angst davor, dass Uther es bemerken und ihn hinrichten lassen würde. Ich ging sogar soweit, ihm in meine eigene Magie einzuweihen und erklärte ihm, dass ich wusste, wie es sich anfühlte, alleine zu sein. Doch er weigerte sich, auf mich zuhören und wollte sich an Uther rächen für die Verbrechen, die er denjenigen mit Magie angetan hat.“

Die Männer blickten Merlin traurig an. Sie hatten sein Kommentar, dass er sich auch alleine fühlte, nicht überhört. Sie konnten sich gar nicht vorstellen, wie es sein musste, so einen großen Teil von sich selbst voreinander, vor den Menschen verstecken zu müssen, die sie als Brüder sahen.

„Du bist nicht mehr allein, Merlin“, meinte Arthur leise und legte eine Hand auf die Schulter des Zauberers. Die Ritter nickten alle zustimmend. Und sollte Merlin daraufhin etwas öfters geblinzelt haben, um die Tränen aus seinen Augen fernzuhalten, dann erwähnte das niemand.

„Danke“, erwiderte er. „Ihr wisst gar nicht, wie viel das für mich bedeutet.“ Merlin wandte den Blick ab und fuhr sich mit dem Handrücken schnell über die Augen.

Die Ritter lächelten zärtlich, als sie die Interaktion der beiden beobachteten, die mit der Zeit untrennbar geworden waren. Percival grinste sogar noch breiter als die anderen, dankbar, dass die Kälte, die sich am vorherigen Tag in die Freundschaft zwischen dem Zauberer und dem König geschlichen hatte, mit jedem weiteren Geheimnis, das enthüllt wurde, schnell wieder verdrängt zu werden schien, und nicht umgekehrt. Nach Merlin natürlich, wusste Percival am besten von den anwesenden Personen, dass Magie nicht böse war und es erfreute ihn ungemein zu sehen, dass die anderen Merlin nicht wie einen vollkommen Fremden behandelten, nachdem er sich als Zauberer geoutet hatte.

Merlin räusperte sich, bevor er fortfuhr. „Ich konnte nicht zulassen, dass Uther durch Gillis Hand in der letzten Runde des Wettkampfes starb, für sie beide konnte ich das nicht zulassen. Gilli ist kein Mörder. Also konterte ich seine Magie mit meiner und Uther gewann mit Leichtigkeit. Nach einer weiteren Auseinandersetzung entschuldigte Gilli sich für seine Taten und verstand endlich, dass Magie nicht für Sachen wie Rache oder Ruhm eingesetzt werden sollte. Dann versprachen wir uns, dass wir uns eines Tages wiedersehen würden, als Freunde“, endete Merlin mit einem Lächeln. Er spezifizierte nicht, dass Gilli zurückkehren würde, wenn die Todesstrafe auf Zauberer aufgehoben war. Er wollte Arthur nicht bedrängen oder ihn gar denken lassen, dass das der einzige Grund war, aus dem Merlin so lange an seiner Seite geblieben war.

„Und so sind wir nun zu dem Teil in der Geschichte gekommen, in dem Morgana endlich ihr wahres Gesicht und ihren Hass auf Uther und Arthur zeigte. Gerade rechtzeitig noch dazu, denn ich weiß nicht, wie lange ich es noch geschafft hätte, sie aufzuhalten, als der einzige, der gegen sie vorging, und meine Magie geheim zu halten. Wirklich, ein nichtsnutziger Haufen, ihr alle“, nörgelte Merlin, woraufhin die Ritter grinsten und Arthur entnervt mit den Augen rollte.

„Morganas Angriff begann, als Leon nach Camelot zurückkehrte, nachdem er von den Druiden gerettet wurde, da sie ihn aus dem Kelch des Lebens trinken ließen. Wie wir alle wissen, kann dieser Kelch eine schreckliche Waffe in den Händen des Feindes sein.“ Die anderen nickten alle zustimmend. Gequälte Ausdrücke traten auf ihre Gesichter, als sie an all die unschuldigen Leben dachten, die an die unsterblichen Soldaten verlorengegangen waren. „Also brachen Arthur und ich in Cenreds Land auf, um ihn zu holen. Morgana hörte von unserem Plan und trug Morgause und Cenred auf, sich selbst den Kelch zu besorgen. Zu unserem Pech wurden wir unterwegs von einem Sklavenhändler aufgegriffen. Dieser wollte, dass ich bis auf den Tod gegen seinen Champion kämpfte, aber Arthur bat sich an meiner statt an. Wie sich herausstellte, war dieser Champion niemand anderer als Gwaine.“ Merlin grinste. Percival, Leon und Elyan lachten laut auf. Bei all den Möglichkeiten, die es gab, natürlich war es Gwaine gewesen.

„Und ich habe auch diesen Kampf gewonnen!“, rief Gwaine mit einem dreisten Grinsen in Richtung König.

„Das ist nicht wahr, es war ein vorgetäuschter Kampf!“, erwiderte Arthur und goss mit dem Kommentar nur Benzin in die Flammen von Gwaines Schadenfreude.

„Vielleicht war der Kampf nur vorgetäuscht. Das ändert aber nichts daran, dass ich –“

Eigentlich habe ich den Kampf gewonnen!“, unterbrach Merlin den Streit, was dazu führte, dass Arthurs Augenbrauen bis irgendwo unter seine Haare wanderten. „Ich habe das Netz an der Decke angezündet, woraufhin eine Panik ausbrach, die es uns erlaubte, mit unseren Leben davonzukommen“, brüstete sich Merlin.

Arthur und Gwaine waren einen Moment lang still, bevor sie jeweils grummelten: „Nun, hast wohl recht“ und „Okay, ich beuge mich diesem Argument“.

Lächelnd fuhr Merlin fort. „Von da an fanden wir die Höhle der Druiden und sie gaben Arthur den Kelch, während sie mir telepathisch mitteilten, dass er nun in meiner Verantwortung war. Natürlich wurde uns bei der ersten Gelegenheit, die sich bot, der Kelch gestohlen. Cenreds Männer hatten uns einen Hinterhalt gestellt“, meinte Merlin schnaubend.

„Warte, warte einen Moment“, unterbrach Leon, gerade als Merlin mit seiner Geschichte fortfahren wollte. „Du kannst mit Leuten in deinem Kopf reden?“, fragte er ungläubig.

Merlin öffnete seinen Mund, um zu antworten, hielt dann jedoch verdutzt inne. „Also, ich glaube, das habe ich noch nie ausprobiert. Die Druiden sprechen oft telepathisch mit mir, wenn ich ihnen begegne, wenn gerade auch andere Leute anwesend sind. Aber ich habe noch nie versucht, auf diese Art zu antworten. Ich sollte mir das einmal anschauen“, meinte Merlin nachdenklich. Aufregung hatte sich in seine Stimme geschlichen und seine Liebe zur Magie war eindeutig zu erkennen. Leon beobachtete den Zauberer nur ungläubig. Es schien als gäbe es keine Grenzen für das, was der junge Mann tun konnte.

„Doch wie ich bereits sagte, Cenreds Leute konnten uns den Kelch abnehmen und Arthurs Bein wurde dabei verletzt und entzündete sich, weswegen wir Halt für die Nacht machen mussten. Als wir wieder zurück in Camelot waren, hatte Morgause bereits ihre Armee der Unsterblichen kreiert und marschierte mit dieser vor die Tore. Wir hatten Camelot schutzlos zurückgelassen“, fuhr Merlin mit einem bitteren Ton in der Stimme fort. „Wir gingen zu Gwens Haus in der unteren Stadt und fanden dort Elyan vor. Wir vier setzten unseren Weg ins Schloss fort und trafen unterwegs auf immer mehr Tote, die auf den Straßen lagen. Sobald wir im Schloss waren, fanden wir Gaius und Arthur bat Gwaine und Elyan, ihn in den Wald in Sicherheit zu bringen.“ Merlin nickte den beiden Rittern dankbar zu, dafür dass sie sich um seine Vaterfigur gekümmert hatten. „Währenddessen machten Arthur und ich uns auf den Weg zum Balkon über dem Thronsaal, wo wir Uther vorfanden, auf den Knien und umstellt von unsterblichen Soldaten überall im Raum. Morgana enthüllte, dass sie wusste, dass sie seine Tochter war und wurde zu Morgana Pendragon, Königin von Camelot gekrönt“, spukte Merlin die Worte in der Stille des Raumes aus. Die Ritter und Arthur hörten mit ernsten Gesichtsausdrücken zu und gedachten all der unschuldigen Leben, die während Morganas Terrorherrschaft verlorengegangen waren. „Glücklicherweise konnten wir entkommen und versteckten uns in einer Höhle, in der ich unabsichtlich die Phiole mit dem Wasser aus dem See von Avalon zerbrach, die der Fischerkönig mir gegeben hatte. In dem Wasser sah ich Freyas Gesicht.“ Merlin lächelte zärtlich. „Sie sagte mir, dass ein Schwert, das in dem Atem eines Drachen geschmiedet wurde, unsterbliche Soldaten umbringen konnte und dass ich zum See kommen solle, um Excalibur zurückzuholen. Also schlich ich mich fort, rief Kilgharrah und brachte ihn dazu, mich zum See zu fliegen, wo ich das Schwert zurückerlangte.“ Gwaine sah besonders neidisch drein, dass Merlin ein weiteres Mal auf einem Drachen geflogen war. „Ihr wisst alle, was als nächstes geschehen ist. Gwen und Leon kommen an, wir werden von den unsterblichen Soldaten angegriffen, Percival und Lancelot retten uns.“ Arthurs Blick verdunkelte sich, als Lancelots Name fiel und die Ritter verspannten sich, wissend, dass Lancelot ein sehr gefährliches Thema für den König war.

„Nein, hört auf damit“, verlangte Merlin. „Was Ihr über Lancelot zu wissen glaubt ist nicht wahr. Er hat Euch niemals verraten.“

„Aber er hat versucht, Gwen zu verführen, obwohl er ganz genau von unserer Beziehung wusste!“, platzte es aus Arthur hervor.

„Nein, das hat er nicht! Er hat sich für uns alle aufgeopfert! Als er scheinbar von den Toten zurückkehrte, war das in Wahrheit eine Machenschaft von Morgana, er konnte sich selbst nicht kontrollieren“, widersprach Merlin.

„Was?“, fragte Arthur tonlos, verblüfft und aufgebracht zugleich. Die Ritter waren allesamt erbost und angewidert. Morgana hatte Lancelots letzte Ruhe gestört und seinen Namen für ihre eigenen Zwecke beschmutzt.

„Ich werde es genauer erklären, wenn wir mit unserer Geschichte dort angelangt sind. Für jetzt braucht ihr nur zu wissen, dass Lancelot ein ehrenvoller, vornehmer Mensch ist und ein wahrer Held Camelots.“ Die anderen nickten traurig dazu und erlaubten Merlin, mit seiner Geschichte fortzufahren. „Also, Lancelot und Percival retteten uns und wir machten uns auf den Weg zu diesem Schloss, um zum allerersten Mal an diesem Tisch zu sitzen.“ Die Freunde lächelten einander an. Auch sie konnten sich noch gut an diese schicksalhafte Nacht erinnern. „Wir alle gelobten, Arthur dabei zu helfen Camelot zu befreien und Percival, Gwaine, Elyan und Lancelot wurden zu Rittern geschlagen.“ Die drei Ritter lächelten sogar noch breiter als zuvor. „Für unseren Plan, was das Zurückerobern von Camelot betraf … Lancelot und ich hatten niemals geplant, die Alarmglocken zu entfernen“, meinte Merlin etwas kleinlaut. „Wir versuchten an den Kelch des Lebens zu gelangen, denn wenn das Blut aus dem Kelch geleert wird, verschwinden alle Unsterblichen. Wir kämpften uns den Weg zum Thronsaal mithilfe von Excalibur frei, das jeden unsterblichen Soldaten sofort besiegte, den es berührte.“ Unbewusst legte Arthur stolz seine Hand auf den Griff seines Schwertes. „Doch Morgause wartete dort bereits auf uns. Wir hatten sie nicht gesehen, als wir eintraten, und sie wollte uns gerade angreifen. Doch wie sich herausstellte, hatte Gaius sich ebenfalls nach Camelot geschlichen und griff Morgause mit seiner eigenen Magie an.“

Rund um den Tisch klappten die Münder auf.

„W-was?“, stotterte Leon. „Ich wusste, dass Gaius einst einmal Magie verwendet hat, aber ich wusste nicht, dass er mächtig genug ist, um Morgause anzugreifen.“ Die anderen schienen dasselbe zu denken, von ihren geweiteten Augen her zu schließen. Elyan, Percival und Gwaine hatten nicht einmal gewusst, dass Gaius Magie besaß!

„Ja, nun, ich denke Gaius steckt voller Überraschungen“, meinte Merlin. „Ich glaube, er hat damals sogar sich selbst überrascht, doch das ist oft der Fall, wenn man etwas macht, um die Menschen zu beschützen, die einem wichtig sind.“

Das konnten die Ritter verstehen. Der Rausch der Schlacht, das Verteidigen der unschuldigen Bürger, die sie zu schützen geschworen hatten, trieb sie zu Höchstleistungen, die sie niemals für möglich gehalten hätten.

„Ich warf den Kelch mithilfe von Excalibur um und die Armee aus Unsterblichen wurde vernichtet. Morgana lief in den Raum und fand Morgause bewusstlos vor. In ihrem Kummer ließ sie die Decke des Raumes einfallen Wir hatten Glück, heil zu entkommen und hofften, dass sowohl Morgana als auch Morgause es nicht geschafft hatten, doch wie uns allen nur zu gut bewusst ist, war das nicht der Fall“, endete Merlin und die Ritter nickten mit ernsten Gesichtern. Nein, sie waren damals definitiv nicht gestorben, Morgana hatte danach noch sehr viel Leid über Camelot und die Einwohner gebracht.

„Das scheint ein guter Moment zu sein, um eine Pause für ein spätes Mittagessen einzulegen, oder was meint ihr?“, fragte Merlin die anderen. „Ich für meinen Teil bin am Verhungern.“ Gerade in diesem Moment ließ Gwaines Magen ein lautes Knurren hören und die Freunde lachten. „Scheint, als wäre ich nicht der einzige“, meinte Merlin lächelnd.

Die Freunde erhoben sich vom Tisch und streckten sich erst einmal, nachdem sie so lange stillgesessen hatten. Mit einem kurzen Glühen seiner Augen ließ Merlin das Feuer unter dem übriggebliebenen Eintopf vom Morgen wieder entflammen. Als Reaktion darauf kam nur ein kurzer Moment der Überraschung, ein wenig nach-Luft-Geschnappe und dann ein Glucksen über die eigene Reaktion. Ja, die Einstellungen hatten sich tatsächlich geändert.
Review schreiben