Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

You're my Star

GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
21.03.2020
05.12.2021
43
167.085
30
Alle Kapitel
169 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.11.2021 3.827
 
Kapitel 42 ~ ...mit Folgen

Ungläubig starrte ich ihn an.
Er sah mich mit einem lasziven Augenaufschlag an, während er langsam das Eis von seinem Daumen leckte.
Oh Gott! In meinem Kopf explodierten die Phantasien! Von sinnlich über sexy, bis hin zu ungezügelter Leidenschaft!
"Hör auf damit."
Mich verschähmt umsehend, schlug ich ihm leicht auf den Arm. Er gab seinem Daumen einen verdammten Blowjob! Wie könnte mich dieser Anblick kalt lassen?
"Wieso?"
Oh Gott! Er machte einfach weiter! Und tat dabei ganz unschuldig! Dabei zeigte mir das Glitzern in seinem Blick, dass er sich ganz genau bewusst darüber war, was er da mit mir machte.
"Weil du mich damit gerade echt scharf machst! Okay?!"
Es war raus! Mein Puls raste und das Kribbeln in meinem Körper wurde von Sekunde zu Sekunde intensiver.
"Dann...sollten wir wohl besser für Abkühlung sorgen..."
Ein leichtes Lächeln auf den Lippen, leckte er nun wieder an seinem Eis und eh ich realisierte  was er vor hatte, schmeckte ich die klebrige Süße schon an meinen Lippen: Er küsste mich! Und wie er mich küsste! Meine Beine waren plötzlich so wackelig, dass ich mich an ihm festhalten musste.
"Mmh, süß..."
Jaaaa.... Seine tiefe Stimme vibrierte in mir wieder und ließ meine Lippen kribbeln.
Was war nur los mit mir? Warum hatte er diese Wirkung auf mich? Und warum musste ich mir immer wieder dieselben Fragen stellen? Warum konnte ich mich nicht endlich entscheiden? Für Yoongi? Für Jungkook?
"Mmhh..."
Ich genoß es. Ich genoß den Kuss, das Gefühl seiner weichen, leicht klebrigen Lippen auf meinen. Ich genoß die Nähe und das Kribbeln, das Yoongis Berührungen bei mir auslösten.
Hatte Namjoon vielleicht doch recht? Entwickelte ich mich zu einem Player? Zu einem dieser Arschlöcher, die nur ihre eigenen Bedürfnisse im Blick hatten? Wie sonst ließ sich erklären, dass ich mich nicht entscheiden konnte? Yoongi oder Jungkook?
"Jimin? Bist du noch bei mir?"
Der Kuss stoppte und Yoongi sah mich fragend an.
"Du wirkst so abwesend. Alles okay bei dir?"
Verdammt! Musste er wirklich so besorgt um mich sein?
"Ja. Ja, alles okay. Es fällt mit zur Zeit nur so schwer, mich richtig zu entspannen. Bitte entschuldige. Ich bin da. Voll und ganz bei dir."
Ja, das war ich. Ich war hier, bei ihm. Ich wollte dieses Date. Auch wenn ich mir zu Beginn nicht sicher gewesen war. Ich wollte bei ihm sein. Ich fühlte mich bei und mit ihm wohl. Warum entschied ich mich dann nicht für ihn? Immerhin war er greifbarer als Jungkook, der ja selber nicht zu wissen schien, was er wirklich fühlte.
"Ich denke nicht, dass du wirklich hier bist. Ist wirklich alles okay? Du wirkst, als wärst du mit deinen Gedanken woanders."
Er trat zwei Schritte zurück und sah mich fragend an.
"Willst du bei mir sein? Wenn nicht, können wir auch..."
"Nein! Ich meine, ja. Ja, ich möchte bei dir sein. Entschuldige. Mir geht so viel im Kopf herum und ich weiß einfach nicht, wie ich dieses Chaos entwirren kann."
Yoongi? Jungkook?
Jungkook! Yoongi!
AAARGHHH!!! Es war zum verrückt werden!
"Willst du darüber reden? Über dein Chaos. Vielleicht kann ich dir ja helfen."
Er tat es schon wieder! Warum war er so nett zu mir, während ich mich gedanklich nur um mich selbst drehte? Warum sagte er mir immer wieder, dass er mich mochte, wenn ich mich nicht mal klar für ihn entscheiden konnte? War ich wirklich so ein Arschloch? Ein Egoist, der nur an sich selbst und sein Vergnügen dachte?
"Jimin?Bist du wirklich sicher, dass alles okay ist?"
Bitte! Bitte sei doch nicht so nett zu mir! Ich verdiene das nicht! Immerhin war ich vor wenigen Tagen mit seinem Cousin im Bett gelandet. Dass ich jetzt dennoch hier bei ihm war, zeigte doch deutlich, dass ich ein Arschloch war, oder nicht!?
"Ji...?"
"Ja. Ja, es ist alles okay. Was wollen wir jetzt machen?"
Feigling! Ich war so ein Feigling! Und ein Arsch oben drauf.
"Okay. Was hälst du davon, wenn wir uns etwas zu essen holen und uns ans Ufer setzen? Da ist es gemütlicher und ruhiger als hier, wo alle Naselang jemand vorbei kommen kann."
Er lächelte mich an und ich war ihm in diesem Moment unendlich dankbar, dass er nicht weiter bohrte. Mein schlechtes Gewissen nagte schon genug an mir. Ich musste ihm das mit Jungkook sagen, doch nicht jetzt. Nicht jetzt, wo es so gut zwischen uns lief. Ich wollte die Stimmung nicht ruinieren. Es reichte schon, dass er meine gedankliche Abwesenheit bemerkt hatte.  
"Wir können alles machen was du willst. Aber Jimin..."
Seine Stimme und sein Blick wurden ernst, als er mir nun leicht die Hand auf den Arm legte und mir dabei fest in die Augen sah.
"...bitte, bitte sprich mit mir, wenn dich etwas bedrückt. Ich habe es dir zwar schon gesagt, aber ich sage es gerne noch einmal: Ich mag dich sehr und ich bin gerne mit dir zusammen. Und es würde mich mehr als glücklich machen, wenn es dir auch so ginge. Ich weiß, dass das etwas ist, dass sich nicht erzwingen lässt und ich deine Gefühle für mich nicht beeinflussen kann, doch ich möchte dich nur um eins bitten: Bitte sei ehrlich zu mir. Wenn du mich nicht magst, wenn du nicht mit mir zusammen sein möchtest, dann sag es mir bitte. Ich möchte wirklich wissen, was du denkst und fühlst."
Shit! Er war so ehrlich zu mir. Und ich? Ich war gefangen in einem ewigen Gefühlsstrudel zwischen ihm und Jungkook. Ich fühlte mich bei und mit beiden wohl. Und ich wusste, dass ich es ihm sagen musste, dass ich ihm von Jungkook erzählen musste. Dass ich Jungkook von ihm erzählen musste. Ich musste zu beiden ehrlich sein. Doch vor allem musste ich endlich ehrlich zu mir selbst sein. Doch wie konnte ich das, wenn ich mir noch immer nicht sicher war, welche Wahrheit die richtige war: Meine Gefühle für Jungkook oder für Yoongi? Meine Gefühle waren doch für beide echt. Wie konnte ich mich da entscheiden? Ohne die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen?!
"Jimin?"
Ein leichter Druck an meinem Arm, ein flehender Ton in der Stimme, ein flackernder Blick.
"Bitte sag doch was."
Seine Stimme, sein Blick. Beides traf mich direkt ins Herz.
"Ich...ich..."
Plötzlich war die Stimmung gekippt, bedrückend, erdrückend. Voller Anspannung.
"Ich... Können wir bitte woanders reden? Nicht hier mitten auf dem Weg? Irgendwo... privater?"
Ich fühlte mich plötzlich komplett überfordert. Yoongis Offenheit hatte mir vor Augen geführt, dass nicht nur ich es war, der Klarheit wollte und brauchte. Ja, der die Wahrheit verdiente! Yoongi verdiente die Wahrheit!
"Natürlich. Wo möchtest du denn hin?"
Wohin ich wollte? Was wollte denn er?
"Entscheide du. Außer meiner Wohnung fällt mir kein ruhiger Ort ein. Zumindest keiner, bei dem nicht doch Jemand stören könnte. Was leider auch auf meine Wohnung und meinen Bruder zutrifft."
Ganz sicher tat es das. Namjoon brannte darauf Yoongi kennen zu lernen. Da würde er wohl kaum Ruhe geben, wenn er erfuhr, dass Yoongi bei uns zu Besuch war. Doch dieses wichtige Gespräch führen und gleichzeitig Namjoon von uns fern halten, das war nahezu unmöglich. Und ein zusätzlicher, vermeidbarer, Stressfaktor.
"Ich würde wirklich gerne mal sehen, wie du so wohnst. Doch wenn es dir wegen deinem Bruder lieber ist, dass wir woanders hingehen, dann können wir auch gerne zu mir gehen. Da sind wir ungestört. Also nur, wenn du das möchtest."
Der Gedanken daran, wieder alleine mit Yoongi in seiner Wohnung zu sein, ließ mein Herz vor Nervosität rasen. Bot ich ihm dadurch doch die Möglichkeit, sich mir nicht nur auf verbaler, sondern auch auf intimer Ebene zu nähern. So wie ich ihn mittlerweile kannte und einschätzte, war die Wahrscheinlichkeit groß, dass er auch genau das tun würde: Mir körperlich näher kommen. Obwohl ich bezweifelte, dass er daran noch Interesse haben würde, sobald ich ihm von Jungkook und mir erzählt hatte. Doch welche andere Option blieb mir übrig, wenn ich dieses heikle Thema nicht in der Öffentlichkeit besprechen wollte?!
"Okay."
Ich konnte nicht für immer ein Feigling bleiben!
"Okay, lass uns zu dir gehen."

*****

Nervös sah ich mich in Yoongis Wohnzimmer um. Neben der Sitzecke in der Mitte des Raums und dem Klavier, das die Ecke vor den hohen Industriefenstern dominierte, war es besonders die Kopfwand, die meine Aufmerksamkeit erregte: Auf mehrere Regale verteilt, erstreckte sich eine gigantische Musik- und Büchersammlung.
Langsam fuhr ich mit dem Finger an den Titeln entlang. Es war ein bunter Mix aus Sachbüchern und CDs unterschiedlichster Genre. Vereinzelt standen Sammlerfiguren oder kleinere Bilderrahmen auf den Brettern. Ein Bild zeigte Yoongi und Jungkook, wie er von Jungkook Huckepack getragen wurde. Beide lachten breit in die Kamera. Bei dem Anblick der Beiden schoss mir ein Gedanke durch den Kopf, der das nagende Gefühl in meinem Magen nur noch weiter anheizte: Sie sahen so glücklich aus. Man sah ihnen an, dass sie sich mochten und wie gut sie sich verstanden. Würde sich das ändern, wenn ich die Wahrheit sagte? Wenn ich Yoongi von Jungkook erzählte? Und irgendwann Jungkook auch von ihm?
"Scheiße..."
Fast tonlos entwich mir das Wort, als ich das Bild betrachtete. Ich wollte nicht Schuld daran sein, dass sich Yoongi und Jungkook nicht mehr verstanden! Auch wenn dieser Gedanke gerade völlig unbegründet war, so war es doch durchaus möglich. Oder beide wendeten sich von mir ab. Diese Möglichkeit bestand natürlich auch. Ganz nach dem Motto 'Bro before Lover'.
"Hast du etwas Interessantes entdeckt?"
Ich zuckte zusammen, als Yoongi plötzlich neben mir auftauchte und mir ein Glas entgegen hielt.
"Hier, deine Cola."
Er lächelte mich warm an und ließ sich dann mit einem leisen Seufzen auf das Sofa fallen.
"Ich habe ja echt nichts gegen sportliche Aktivitäten, aber meine Füsse haben für heute wirklich genug."
Lachend legte er die Beine auf einem Kissen hoch, lehnte sich zurück und sah mich mit leicht schräg gelegtem Kopf an.
"Weißt du, warum ich dich so sehr mag?"
Wie bitte? Vor Schreck ließ ich fast mein Glas fallen und beeilte mich, es sicher auf einem der Regalbretter abzustellen.
Wie konnte er aus heiterem Himmel so eine Frage stellen? Komplett ohne Kontext!
"Das ist auch ein Grund."
Er lachte und als ich mich zu ihm umdrehte, nickte er auf mein Glas.
"Weil...weil ich Cola trinke?"
War das sein ernst? Das war doch kein Grund, jemanden zu mögen!
"Nein..."
Er lachte erneut und richtete sich, die Beine fest auf den Boden gestellt, die Arme auf den Knien abgestützt, auf und sah mir mit festem Blick in die Augen.
"Ein Grund warum ich dich mag, ist deine Schüchternheit. Die Art, wie du reagierst, wenn du verlegen wirst. So, wie gerade eben."
Ich verstand nur Bahnhof.
"Ich bin nicht schüchtern. Oder verlegen. Ich..."
"Oh doch, das bist du. Komplimente oder auch einfach nur die Äußerung von Zuneigung, machen dich nervös und lassen dich rot werden. So wie gerade eben. Ich sagte dir, dass ich dich mag und dir fällt vor Schreck fast das Glas aus der Hand."
Er hatte es bemerkt? Shit!
"Doch das macht dich nochmal extra liebenswert. Denn..."
Er war aufgestanden und kam mit kleinen Schritten auf mich zu. Mein Herzschlag beschleunigte sich und ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihm abwenden. Verdammt!
"...das zeigt mir, dass ich dir auch nicht egal bin, dass meine Worte dich berühren..."
Ein Schauer lief mir über den Rücken, als er mir bei diesen Worten ganz sanft über den Arm strich.
"Denn die Alternative wäre, dass du unsicher und/oder unerfahren bist, doch, dass das nicht stimmt, wissen wir ja beide nur allzugut."
Der Schauer wandelte sich in ein Kribbeln, dass meinen ganzen Körper erfasste, als er mir nun beide Hände leicht auf die Arme legte und sanft über meine nackte Haut streichelte.
"Zumindest, was die Unerfahrenheit betrifft. Denn da wissen wir beide es ja besser..."
Er zwinkerte mir zu und ließ seine Hände weiter zu meiner Hüfte wandern.
"Was...hast du vor?"
Das Blut rauschte in meinen Ohren und der fester werdene Griff an meiner Hüfte, der sanfte Druck, mit dem er mich näher an sich zog, brachten meinen Körper an den Rand des mir nur allzu vertrauten Verlangens. Des Verlangens nach körperlicher Nähe. Des Verlangens nach Berührung, des Gefühls von warmer Haut auf warmer Haut. Des Verlangens nach ungezügelter Leidenschaft.
"Yoongi..."
Der leichte Druck seiner Hände, sein warmer Atem in meinem Gesicht, sein Duft, der mir leicht entgegen wehte. Und dann dieses zaghafte Lächeln! Dieses Glitzern in den Augen!
"Ich verführe dich. Denn..."
Seine Lippen schwebten über meinen, nur Millimeter davon entfernt, mich zu küssen.
"...in deiner Nähe kann ich kaum noch klar denken. Außer daran, wie es sich anfühlt dich zu berühren, dich zu riechen, dich zu schmecken und deinen Lustlauten zu lauschen."
Mmhh! Oh ja, er führte mich eindeutig in Versuchung! Und ich war versucht, ihm nachzugeben. Doch das war nicht das, weswegen ich hier her gekommen war! Ich war hier, weil ich endlich die Wahrheit sagen musste! Weil ich Klarheit brauchte! Doch hatte er mir die nicht gerade gegeben? Ging es ihm nicht nur um das eine? Um Sex?
"Du willst Sex."
Die offensichtliche Erkenntnis platzte aus mir heraus.
"Du etwa nicht?"
Ein Hauch von Verwirrung huschte über sein Gesicht, als er einen Schritt zurück trat und mich sichtlich irritiert ansah.
"Ich dachte, dass es das ist, was du wolltest."
Es ging ihm also wirklich nur um Sex!
"Ist Sex das Einzige, was du von mir willst?"
Warum fühlte ich mich plötzlich so...so...
"Was? Nein! Natürlich nicht. Ich will dich nicht nur für Sex. Jimin, ich... Ich mag dich und ich will mehr sein, als nur ein Gelegenheitsfick."
Mit einem mal stand er wieder direkt vor mir und sah mich mit festem Blick an.
"Ich will dich kennen lernen. Und damit meine ich nicht nur das, was alle von dir kennen, sondern auch, was tief hier und hier drin steckt."
Er tippte gegen meinen Kopf und meine Brust, genau an die Stelle, an der sich mein Herz befand.
"Jimin, wie oft muss ich dir noch sagen, dass es mir ernst mit dir ist? Das ich mehr für dich sein will, als der Typ, mit dem du hin und wieder mal Sex hast. Warum kannst du mir nicht glauben? Warum denkst du, dass es mir nur um das Eine geht?"
Ich sah ihm deutlich an, das er verärgert war, dass ihm meine Worte nicht gefielen.
"Jimin? Oder sollte die Frage eher lauten, was DU von mir willst?"
Oh ja, er war sauer! Und ich konnte ihn nur zu gut verstehen. Er hatte recht: Was hatte ich schon getan oder gesagt, dass ihn glauben ließ, er könnte mehr für mich sein? Nichts! Zumindest nichts, woran ich mich erinnern konnte.
Ich sag es ja: Ich war ein feiges Arschloch.
"Ach scheiße! Sieh mich nicht so an! Mit diesem, in Tränen schwimmenden Dackelblick! Scheiße!"
Er ließ sich zurück auf die Couch fallen und zog mit verschränkten Armen die Beine an den Körper, ehe er starr vor sich hin stirrte. Schmollte er etwa?
SCHEIẞE! SCHEIẞE! SCHEIẞE! Das war ganz bestimmt nicht das, was ich wollte!
"Yoon..."
"Jetzt setz dich hin und lass uns reden. Denn es ist ja mehr als offensichtlich, dass wir einiges zu klären haben."
Sein bestimmender Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er nicht locker lassen würde, bis die Karten offen auf dem Tisch lagen.
Okay. Das war genau das, was ich wollte. Offenheit. Klarheit. Wenn es doch nur so leicht wäre!
"Also? Fängst du an? Oder soll ich?"
Wir saßen uns schäg gegenüber, nur getrennt durch den niedrigen Couchtisch und Yoongis verschränkte Arme.
"Ich finde ja, du solltest anfangen. Denn eigentlich habe ich dir schon fast alles gesagt, was es zu diesem Zeitpunkt unserer Beziehung zu sagen gibt."
Okay. Der Moment war gekommen. Ich holte kurz tief Luft, schloss für einen Moment die Augen und versuchte meine Gedanken zu sortieren. Leichter gesagt, als getan.
Ich räusperte mich leicht, ehe ich stockend zu sprechen begann.
"Ich weiß nicht, was genau du hören möchtest. Ich... Du hast mich...in einem sehr verletzlichen Moment meines Lebens getroffen."
Ich zog die Beine in den Schneidersitz und knetete nervös meine Hände im Schoß. Ich wusste, dass dieses Gespräch nicht leicht werden würde.
"Ich war noch dabei, das schmerzhafte Ende einer Beziehung zu verarbeiten. Und dann... Dann kamst du und...und... Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, vielleicht lag es auch am Alkohol, aber... Du warst mein erster One-Night-Stand."
Ergab es überhaupt einen Sinn, was ich da von mir gab? Schwafelte ich nicht nur rum?
"Und dann war da BigHit. Und... Jungkook. Und...mein Ex. Alle zur selben Zeit. Und dann du. Du tauchtest einfach immer wieder auf. Und ich dachte, der One-Night-Stand wäre genau das: Nur eine Nacht."
Nur eine Nacht? Scheiße! Wenn es nur so gewesen wäre, würden wir jetzt nicht in diesem Chaos feststecken.
"Die Arbeit. Mein Ex. Das ganze Gefühlschaos. Und dann du! Diese Nummer mit Mina. Ich verstehe noch immer nicht so ganz, was das eigentlich sollte. Warum ihr mich alle so lange im Glauben gelassen habt, sie wäre echt?!"
Argh!
"Als ob es nicht schon genug wäre, dass meine Mutter mir immer wieder neue Freundinnen andrehen will. Da bin ich auf einer Party und die Frau, die mich da anmacht, lässt mich einfach nicht in Ruhe. Obwohl ich ihr mehr als deutlich signalisiert habe, dass ich nichts von ihr will. Und dann..."
Scheiße! Mir war nicht bewusst gewesen, dass mich dieses Thema noch immer ärgerte.
"...und dann wieder du. Und Jungkook. Ihr habt mich angelogen. Alle beide. Und trotzdem habe ich zugelassen, dass du mir auf dem Spielplatz so nah gekommen bist. Ich weiß nicht, wieso ich das zuließ. Ich war so sauer. Auf euch beide. Wegen dieser ganzen Mina-Nummer habe ich mir fast das Genick gebrochen! Und dennoch...fühle ich mich zu dir hingezogen."
Ja, das tat ich wirklich! Ich fühlte mich zu Yoongi hingezogen. Auch jetzt, wo er mich mit diesem festen und aufmerksamen Blick einfach nur stumm ansah, spürte ich diese Anziehung. Das war doch nicht normal! Wie konnte ich mich zu ihm hingezogen fühlen, wenn ich das gleiche auch für Jungkook empfand? Wie konnte das echt sein? Wie konnte ich sie beide mögen? Wieso konnte ich mich nicht entscheiden?
"Jimin?"
Fast sanft drang Yoongis Stimme durch meinen Gedankennebel und als ich meinen Blick hob, lächelte er mich zaghaft an.
"Die Nummer mit Mina tut mir wirklich leid. Mir war echt nicht bewusst, dass dich das so stark verärgert hat. Immerhin war es nur ein Spiel..."
"Ein Scheißspiel..."
Yoongi nickte zustimmend, ehe er ein kleines Stück näher zu mir rutschte und seine Hand auf meine legte.
"Ja, das war es. Ich, wir alle, hatten vergessen, dass du ja eigentlich neu in unserer Runde warst. Auch, wenn es sich für mich nicht so angefühlt hatte. Wir waren uns bis zu diesem Abend zwar nicht so oft begegenet, doch für mich warst du einfach ein Teil davon. Und ganz offensichtlich hatte ich dabei vergessen, dass du nichts von unseren Spielregeln wusstest."
Er drückte leicht meine Hand und sah mich dabei mit einem entschuldigenden Lächeln an.
"Und wenn ich ehrlich bin, hatte es mir schon ziemlich Spaß gemacht, dir so auf die Pelle zu rücken. Du warst so süß. Da konnte ich einfach nicht widerstehen. Bitte entschuldige."
Sein Lächeln war warm und sein Blick nicht mehr ganz so abweisend, wie zuvor.
"Du hast recht. Auch wenn es nicht wirklich ein Scheißspiel ist, so war die Aufgabe ziemlich doof. Ich weiß schon gar nicht mehr, wessen Idee es eigentlich gewesen war, dass die Verlierer danach einen Monat lang sich bei jedem Treffen als Frau ausgeben mussten. Ich glaube, es war sogar Kookies Idee."
Jungkook. Für einen kurzen Moment hatte ich ihn doch tatsächlich vergessen.
"Und wenn ich dich richtig verstanden habe, dann ist der Grund, wieso du dich mir gegenüber nicht wirklich öffnest der, dass du..dass du noch immer an deiner Exbeziehung zu knabbern hast? An...an... Hobi, oder? Ist er der Grund, wieso wir nicht mehr für einander sind? Liebst du ihn noch?"
WAS? NEIN! Wie kam er auf Hobi? Obwohl...? Hobi hatte nie einen Hehl daraus gemacht, dass er in Yoongi einen Konkurrenten sah. Yoongi müsste schon blind sein, um das nicht bemerkt zu haben.
"Nein. Nein, das mit Hobi ist vorbei. Es war eine schmerzhafte Trennung. Wie gesagt, du hast mich in einer verletzlichen Phase getroffen."
Mein Blick lag auf seiner Hand, auf seinem Daumen, der sacht über meinen Handrücken strich. Er war so sanft zu mir, so verständnisvoll. Und das, obwohl ich das Gefühl hatte, mich noch immer nicht richtig, so wie er gesagt hatte, geöffnet zu haben. Denn der wirklich wichtige Teil stand ja noch aus: Ich musste ihm von Jungkook erzählen.
"Da ging es dir wie mir: Bis ich dich traf, war ich innerlich vollkommen leer. Und Sex schien mir die einzige Möglichkeit, um diese Leere zu füllen. Doch du, du..."
Er schob seine Hand unter meine, verschränkte unsere Finger miteinander.
"...du hast mich gerettet. Du hast mich berührt. Mich wirklich berührt. Zuerst dachte ich, dass du bloß ein einfacher Fick gewesen wärst, doch als ich dich dann in der Uni traf... Und all die Male danach... Da wurde mir klar, dass du mehr für mich warst. Dass ich durch dich wieder fühlen konnte. Bis dahin war ich ein Stein. Ein Roboter. Kalt. Ich hatte nur funktioniert. Doch du hast mich geweckt und mir geholfen, wieder ich zu werden."
Was? Wovon sprach er auf einmal? Ich hatte ihn gerettet? Was war ihm passiert?
"Yoongi, ich..."
Ich verstummte, als er mir einen Zeigefinger auf die Lippen legte und leicht den Kopf schüttelte.
"Nein, was es auch ist, sag es mir ein anderes mal."
"Aber..."
Aber ich musste ihm von Jungkook erzählen!
"Schhh... Du bist hier bei mir. Das reicht mir für den Moment. Denn ich weiß, dass du mich magst, denn sonst wärst du nicht hier und wir würden uns nicht auf diese Weise unterhalten. Also bitte, können wir die schmerzlichen Details auf später verschieben? Denn eigentlich will ich dich schon seit Stunden einfach nur küssen."
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast