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Stand By (Me)

von Miss-i
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Alice Williams AX400 Kara Hank Anderson PL600 Simon RK200 Markus RK800-51-59 Connor
21.03.2020
26.12.2020
20
61.146
1
Alle Kapitel
47 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
21.03.2020 1.821
 
Moin moin und willkommen bei meiner neuen Story^^

Bevor wir loslegen hoffe ich natürlich, dass ihr alle gesund und munter bleibt, immer schön die Hände wascht, keine sinnlosen Hamsterkäufe durchführt, was nur zu mehr Panik führt, und euren Humor nicht verloren habt :) (Ohne Humor würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden...)
Ich habe übrigens erfahren, dass mein normaler Lebensstil bei anderen Leuten "Quarantäne" oder "Ausgangseinschränkung" heißt. Wieder was gelernt :D

ABER genug von diesem Ding, dass die Welt in Atem hält, auf zu schöneren Erzählungen. Beziehungsweise zu mir, wie ich meine Lieblingscharaktere durch emotionale Desaster jage. Yey^^
Ich hoffe natürlich, dass euch das erste Kapitel gefällt und ihr mich auch auf dem Rest der Reise begleitet^^ Ein großes Dankeschön geht an Tatjana, die sich durch meinen ersten Entwurf gekämpft und das Kapitel mit ihren Ratschlägen unfassbar viel besser gemacht hat^^ Danke!

By the way, zu jedem Kapitel gibt es ein bisschen passenden Songtext (Ja, ich habe für die Story eine Playlist gemacht, die sich ständig ändert...). Auf diese Weise kann ich euch mit meinem Musikgeschmack nerven und wer Lust hat, kann beim Lesen eine Kleinigkeit hören :)
Updates gibt es immer am Samstag!

So, Schluss mit dem Geseier, los geht's^^
Lg,
- Missi
______


1 | Nacht der Seele.


I was choking in the crowd
Building my rain up in the cloud
Falling like ashes to the ground
Hoping my feelings, they would drown
- Believer (Imagine Dragons)



10. November 2038, 19:49:03 | Verlassene Kirche, Detroit

Markus


Markus kam schnellen Schrittes durch das, was von den Türen der alten Kirche übrig geblieben war. Die Androiden von Jericho hatten sich hier versteckt und North hatte die Stellung gehalten, während er Carl einen Besuch abgestattet hatte. Als er bemerkt hatte, wie hoch sein Stresslevel nach dem Angriff auf die Jericho gewesen war, wusste er, dass er seinen Leuten so keine Hilfe sein konnte und die Situation vielleicht sogar noch hätte verschlimmern können.

Er hatte Abstand und einen Rat gebraucht und ihn in irgendeiner Form auch erhalten. Trotzdem war Markus noch nicht ganz sicher, was er genau tun sollte. Er sah Josh am Rande des Raumes in der Nähe eines Computers stehen und ging auf ihn zu, um mit ihm zu sprechen.
Markus setzte sich auf einen Klapphocker neben Josh und beide schwiegen eine Weile.
„Ohne dich wäre ich jetzt tot“, Josh erhob zögerlich die Stimme, „Dank dir sehe ich uns vielleicht eines Tages in Freiheit. Wir waren uns nicht immer einig, aber ich weiß, wir kämpfen für die gleiche Sache. Was immer du tust, ich folge dir, Markus.“

Joshs Unterstützung fühlte sich gut und richtig an. Vor allem, da sie den gleichen friedlichen Gedanken teilten. Ein Zusammenleben mit den Menschen konnte nur über den Dialog und nicht durch rohe Gewalt ermöglicht werden. Josh mochte zwar gegen einige Aktionen gewesen sein, zum Beispiel die Befreiung ihrer Leute aus den CyberLife-Geschäften oder den Raub im Warenlager an den Docks. Aber er wusste, dass es nötig gewesen war, um an diesen Punkt zu gelangen. Und wirklich jemanden verletzt oder etwas irreparabel beschädigt hatten sie dabei ja nicht.

Markus sah Josh an und nickte ihm mit einem leichten Lächeln zu. Dann sah er North in der Mitte des Raumes sitzen.
Er setzte sich zu ihr auf die Kirchenbank. Sie sah ihn erwartungsvoll an.
„Sie sagen, sie wollen kein Risiko mit den Abweichlern eingehen, also treiben sie unsere Leute zusammen und bringen sie in Lager… zur Zerstörung. In ein paar Stunden werden nur noch wir übrig sein.“

North schwieg. Markus hatte ein schlechtes Gefühl. North schwieg nie.
„Wie viele haben den Angriff überlebt?“, fuhr er fort. Sie sah sich in der Kirche um.
„Ein paar Hundert? Vielleicht mehr, wenn man die mitzählt, die sich versteckt halten“, sie sah ihn endlich richtig an, „Ohne deine Bombe wären wir jetzt alle tot.“
„Wie ist dein Systemstatus?“, Markus könnte sich dafür Ohrfeigen, dass North einen Schuss abbekommen hatte. Wäre er schneller gewesen, hätte er das verhindern können.

„Bin okay“, sie wich seinem Blick wieder aus und er fragte sich, wann sie persönlichen oder besorgten Fragen nicht mehr ausweichen würde. Es konnte doch nicht immer nur um den Kampf gehen. „Sie hat keine Biokomponenten getroffen… Du hättest meinetwegen sterben können, Markus. Du musst zuerst an unsere Leute denken. Nichts Anderes zählt.“
Markus sah sie von der Seite an. Gehörte sie denn etwa nicht dazu? Doch bevor er etwas sagen konnte, fuhr sie fort.

„In ein paar Stunden ist alles vorbei. Wir haben die Welt verändert oder die Welt hat uns zerstört… Du musst dich entscheiden, Markus. Aber was immer du wählst, wir folgen dir. Ich liebe dich, Markus.“ Sie griff nach seiner Hand und er konnte sehen, wie ihrer beider Haut verschwand. Blaues Licht erschien zwischen weißen Händen. Sie sahen sich an. Markus versuchte, die Liebe durch die Verbindung zu spüren, die sie ihm gerade verbal offenbart hatte. Sie war da, allerdings wirkte sie so winzig und schwach, dass er fürchtete, sie könnte mit einem zarten Windstoß davon fliegen. Doch er verstand es, es gab momentan wirklich Wichtigeres als das, was auch immer er und North miteinander aufzubauen versuchten.

Er ließ sie los und stand auf. Ihre Worte hatten ihm Kraft gegeben, ihr Glaube an ihn, ihm zu folgen, egal welchen Ansatz er wählte, obwohl ihre persönliche Präferenz eindeutig war. Es war etwas gewesen, das Simon wahrscheinlich auch sagen würde.
Markus scannte die Kirche nach seinem Freund ab und runzelte die Stirn. Er drehte sich um und scannte erneut. Nichts. Kein Simon. Er zog die Augenbrauen zusammen und wandte sich wieder an North.

„Wo ist Simon?“, seine Stimme klang panischer, als er sich eigentlich fühlte. Simon liebte Ruhe und brauchte dann und wann ein wenig Zeit alleine, es würde ihn also nicht wundern, wenn der harmoniebedürftige Android irgendwo vor der Kirche saß und nachdachte. Andererseits… wenn nun etwas passiert war? Er konnte Simon nicht noch einmal verlieren.
North zuckte die Schultern.
„Ich habe ihn nicht gesehen, seit er vorgeschlagen hat, mich sterben zu lassen“, North klang wütend. Markus seufzte innerlich auf.

„Kannst du es ihm wirklich verübeln? Du wolltest ihn auf dem Stratford Tower erschießen.“
North verschränkte die Arme und sah demonstrativ weg. Markus versuchte, Simon in der Kirche zu kontaktieren. Es war keine mögliche Verbindung auffindbar. Er sah zu Josh.
Hast du Simon gesehen?

Nicht seit der Flucht.“ Josh sah Markus an und runzelte besorgt die Stirn. „Glaubst du, er könnte…?
Ich weiß es nicht.
Markus sah sich erneut um. Auch von einem gewissen anderen Abweichler fehlte jede Spur, also wandte er sich erneut an Josh.

Und Connor? Wo ist er?
Dieser Typ mit der Mütze, den wir bei North getroffen haben?
Ja.
Ich weiß nicht… ich glaube nicht, dass er mit uns gesprungen ist.

Markus fluchte leise. Hatte er sich in Connor geirrt? Vielleicht hatte der Android ihm seine Abweichung nur vorgespielt und das alles war eine Falle gewesen, um sie besser infiltrieren zu können? Was, wenn Simon nun in seiner Gewalt war?
Andererseits hatte er die Erkenntnis und die Verwirrung in Connors Augen eindeutig gesehen. Das war doch echt gewesen, da war er sich fast sicher. Wäre Connor eine Maschine geblieben, dann wäre Markus selbst jetzt wahrscheinlich schon längst tot. Das hätte alles anders laufen sollen… Er musste Connor jetzt trotzdem vertrauen und auf das Beste hoffen. Alles andere würde ihrem weiteren Vorgehen im Wege stehen.

Er ging weiter durch die Kirche und sah einige andere Abweichler, von denen er wusste, dass sie mit Connor in Kontakt gekommen waren. Sie hatten erzählt, dass sie ihm entkommen waren, doch nachdem er Connor in Aktion gesehen hatte, wurde Markus klar, dass der RK800 sie hatte gehen lassen. Er hätte sie alle locker schnappen können, doch er hatte sich aus irgendwelchen Gründen dagegen entschieden. Markus ging zu den Tracis aus dem Eden Club.

„Echo, Ripple, habt ihr vielleicht Connor gesehen?“, sie sahen ihn verwirrt an, also fügte er hinzu, „Den Abweichler-Jäger.“
„Nein“, Echo, die Blauhaarige, hatte geantwortet, doch auch Ripple schüttelte erschrocken den Kopf, „Sucht er nach uns?“
„Nein. Er ist jetzt einer von uns. Aber es scheint ihn keiner seit der Explosion gesehen zu haben.“
Beide zuckten die Schultern und Markus ging weiter. Jemand musste doch etwas über Simon oder Connor wissen!

„Rupert!“, Markus lief zu einem Androiden, der etwas abseits am Boden hockte und sich mit einer Taube anfreundete, „Hast du Connor gesehen?“
Anders als die Tracis konnte Rupert den Namen direkt einordnen.
„Nein. Gehört er zu uns?“

„Ja.“ Rupert lächelte. Es sah bizarr aus. Bei seiner Flucht von der Jericho war er beinahe festgenommen worden und hatte durch einen Schuss seine Nase verloren. Noch immer klaffte die Wunde dunkelblau mitten in seinem Gesicht, doch er hatte Hoffnung, dass man das nach der Revolution wieder beheben könnte.

„Dachte ich mir doch, dass er keine Maschine ist, wie CyberLife es wollte. Er hat mich laufen lassen, um seinem menschlichen Freund zu helfen. Ich hoffe, dass er überlebt.“
Markus nickte dankend. „Das hoffe ich auch. Sag mir Bescheid, solltest du etwas sehen oder hören.“
Markus machte sich gerade auf den Weg, um zu seinem Volk zu sprechen, als Josh ihn über ihr Netzwerk wieder ansprach.

Ich konnte kurz mit Simon reden.
Markus erstarrte und wartete auf das, was Josh als nächstes sagen würde. Wirklich darauf vorbereitet war er jedoch nicht, auch wenn er es schon geahnt hatte.
Er wurde gefangen genommen und ist in einem Laster mit anderen Androiden. Mehr konnte er mir nicht sagen, die Verbindung ist dann abgebrochen. Ich vermute, dass man ihn in eines der Recyclinglager bringt. Markus, wenn das stimmt, dann müssen wir jetzt handeln, wenn wir ihm helfen wollen!

Markus wurde schlecht und er schloss kurz die Augen. Er sah blaue Augen, die ihn zusichernd ansahen und ein ebenso unterstützendes Lächeln. Er spürte eine Umarmung und große Erleichterung, dass sie alle wieder vereint waren. Als Markus die Augen öffnete, wusste er, was er tun musste. Simon würde es so wollen. Er ging dorthin, wo einst ein Altar gestanden hatte, und erhob die Stimme.

„Die Menschen haben beschlossen, uns zu vernichten. Unsere Leute sind in Lagern gefangen und werden zerstört. Wir müssen eine Wahl treffen, und diese Wahl entscheidet dann über die Zukunft unseres Volkes“, er machte eine Pause, seine Entscheidung würde nicht allen gefallen, erst recht nicht North,

„Ich weiß… Ich weiß, ihr seid wütend. Und ich weiß, ihr wollt zurückschlagen. Aber ich versichere euch, Gewalt ist nicht die Antwort. Wir werden ihnen sagen – friedlich –, dass wir Gerechtigkeit wollen“, er sah von weitem Joshs zustimmendes Nicken und Norths genervt geschlossene Augen, „Wenn noch Menschlichkeit in ihnen ist, hören sie zu. Und wenn nicht, werden andere nachkommen und weiterkämpfen. Seid ihr bereit, mir zu folgen?“

Zustimmende Schreie und Jubel kamen von weiter hinten aus der Kirche, dann stimmten andere mit ein, jubelten, riefen seinen Namen und kamen dichter nach vorne an ihn heran.
Das Einzige, woran Markus während all dessen denken konnte, waren blaue Augen und die Hoffnung, nicht zu spät zu kommen.
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