Innocence [Arbeitstitel]

GeschichteDrama, Fantasy / P16 Slash
Bloom Flora Griffin Griselda Icy Valtor
21.03.2020
04.07.2020
12
53.224
5
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Dieses Kapitel
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21.03.2020 4.238
 
Hellu. :3
Ich bin aus den dunklen Tiefen der Vergessenheit auferstanden und kann endlich wieder mit einer Story dienen. :D Ich arbeite seit Monaten an diesem Ding und ich bin mehr als froh, dass ich es endlich hochladen kann. Bis jetzt sind auch noch einige Kapitel vorgeschrieben, was erst einmal bedeutet, dass ich jede Woche updaten kann. ^-^
Aber without further ado, lasst es uns beginnen! :D


~*~


» but if you close your eyes,
does it almost feel like nothing changed at all? «



Sie rannte um ihr Leben, obwohl der Rauch, der ihr entgegenkam, sie beinahe erstickte. Doch sie wusste, dass sie weitermusste. Bis sie endlich für einen Moment in Ruhe stehenbleiben und sie in Sicherheit bringen konnte. Aber es schien nahezu unmöglich – sie wurde verfolgt, verfolgt von diesen drei, geisterhaften Hexen, die ihr den Tod brachten, wenn sie nun stehenblieb. Genauso wie ihr. Sie hörte hämisches Gelächter hinter sich und musste sich konzentrieren, nicht so in sich zusammenzuzucken, sodass sie stehenblieb und sie sie einholen konnten. Ihr war es immer noch ein Wunder, wie um alles in der Welt es soweit hatte kommen können; dass sie nun hier waren, in einem Krieg, der aussichtslos schien. Sie war vielleicht nicht draußen, sie konnte vielleicht nicht sehen, was ihre Eltern gerade taten, doch ihr war bewusst, dass es nicht gut für sie aussah. Für den Planeten, für ihre Familie, für die ganze Dimension. Deswegen war es auch so wichtig, dass sie sie wegbrachte. Sie bieg ab.
„Prinzessin, geht weiter. Wir versuchen, sie für Euch aufzuhalten.“, sagte ein Wache, der nun vor ihr im Flur stand. Wie gerne sie ihm gesagt hätte, dass sie bezweifelte, dass sie das schaffen würden. Doch sie musste sich ihren Atem und ihre Energie für das Rennen und den Zauber sparen, sonst war alles sinnlos. Sie hörte einen Schrei, der ihr wohl für immer ins Gedächtnis gebrannt war. Es klang ekelhaft, schrill, markerschütternd. Sie wagte es nicht, sich umzudrehen und nachzusehen, was geschehen war. Sie rannte weiter.
Tatsächlich, trotz aller Erwartungen, hielten die Wachen, die sie gesehen hatte, die Hexen ein wenig auf. Zwar hörte sie es nach wenigen Sekunden klirren und scheppern, was wohl von den Rüstungen kam, die sie trugen, doch es verschaffte ihr einen Vorsprung. Sie schluckte ein wenig, als sie daran dachte, dass diese Leute gerade für sie gestorben waren. Ihr Vater hatte ihr gesagt, dass das ihre Pflicht war und dass sie das mussten, wenn es schwierig wurde, so wie im Moment, doch sie hatte es all die Jahre abgetan und nicht daran gedacht. Nun war sie sich dessen wieder bewusst geworden.
Sie dachte gerade, sie würde ihren Vorsprung den Hexen gegenüber weiter ausbauen, in dem sie in einen Gang ging, der sich an einer Kreuzung der Wege eröffnete, doch im selben Augenblick passierte genau das, wovor sie solche Angst gehabt hatte. Sie fing an, zu schreien. Das Kind in ihren Armen war aufgewacht, aufgrund des Lärmes und der schlechten Luft, schrie es. Sie presste die Augen zusammen und fluchte leise vor sich hin, auch wenn sie wusste, dass ihre Mutter sie dafür normalerweise zurechtweisen würde – normalerweise. Im Moment war nichts normal.
„Du kannst nicht ewig wegrennen, Kind. Und du kannst sie nicht ewig von uns fernhalten.“, schnarrte eine der Hexen und es fühlte sich an, als würde sie es direkt in ihr Ohr flüstern. Sie rannte nur noch schneller, bis ihre Beine sie kaum noch tragen konnten. In der nächsten Ecke hielt sie inne – sie konnte nicht mehr und war außer Atem. Die Namenskette ihrer kleinen Schwester schimmerte leicht durch ihre Geburtsdecke im Licht der untergehenden Sonne. Wäre es nicht eine solch aussichtslose Situation und wären sie alle nicht so verzweifelt, wäre es einer der schönsten Sonnenuntergänge, den sie je gesehen hatte. Sie hörte, wie die Hexen immer näherkam und erschuf mit einer Hand ein golden glühendes Portal. Sie wusste, wohin sie sie schickte. Dort würde sie für eine Zeit sicher sein.
„Wage es nicht! Eine weitere Bewegung und ihr beide seid tot!“
Sie fuhr herum und starrte in die furchteinflößenden Fratzen der Hexen. Alle drei von ihnen schienen wütend, wenn das nicht sogar noch eine Untertreibung war. Doch das hielt sie nicht davon ab, ihre kleine Schwester durch das Portal zu schicken. Sie konnte nur noch hoffen, dass die Hexen ihr Portal nicht zerstörten, bevor ihre Schwester sicher war. Das Portal schloss sich und sie drehte sich zu ihnen, ihre Gesichter hatten, trotz der Tatsache, dass sie schon alle tot waren, einen leicht roten Schimmer vor Zorn.
„Fataler Fehler, Fee.“
„Sie wird ihren Weg in diese Dimension zurückfinden und dann geht sie unter, so wie du.“
„Das wirst du bereuen, Daphne.“
Sie schrie, als ein schwarzer Zauber auf sie zukam.


*


Der Regen prasselte lautstark gegen ihr Fenster, während die Laternen auf der Straße anfingen zu leuchten, obwohl es gerade einmal früher Nachmittag war. Bloom warf das nächste Blatt mit einer angefangenen Zeichnung hinter sich auf den Boden, seufzte frustriert und schmiss ihren Bleistift mit solch einer Wucht auf den Tisch, dass man meinen könnte, das Brechen der inneren Mine hören zu können. Seit Tagen bekam sie nichts Ordentliches hin – sie wollte doch nur eine Zeichnung fertigstellen, mit der sie auch zufrieden war, nach mehr fragte sie gar nicht. Aber aus irgendeinem Grund lief alles in ihrem Leben momentan so. Nicht, dass sie eine Ahnung hätte, woher das kam, aber es lief alles schief. Die Ferien waren fast vorbei und dann müsste sie für ein letztes halbes Jahr in die Schule gehen – nur um immer noch keinen blassen Schimmer davon zu haben, was sie überhaupt mit ihrem Leben anstellen wollte. Sie würde wohl eine Weile erstmal bei ihrer Mutter im Laden arbeiten, das hatte sie schon gemacht, seitdem sie laufen und denken konnte und ihre Mutter freute sich sowieso jedes Mal, ein wenig Hilfe zu bekommen.
Mit einem Blick aus dem Fenster, auf dessen anderer Seite es abgesehen vom schwachen Licht der Laternen düster war, als wäre die Dämmerung gerade vorbei, stand Bloom auf und setzte sich unelegant auf ihr Bett. Ihr war unendlich langweilig. Sie könnte Roxy oder Andy oder irgendjemand Anderes ihrer Freunde anrufen, doch das würde ihr auch nicht helfen. Vielleicht für eine Stunde, höchstens zwei, aber danach wäre ihr genauso langweilig wie jetzt auch. Ihr Blick glitt durch den gesamten Raum – über ihren unordentlichen Schreibtisch, über die dutzenden, vollgekritzelten Blätter, die auf dem Boden lagen, über ihren Schrank, die Kommode, das Bücherregal. Bei letzterem stoppte Blooms Blick. Als würde sie gesteuert werden, stand sie auf, fuhr mit ihren Fingern vorsichtig über die einzelnen, teils leicht eingestaubten Buchrücken, bis sie eines rauszog. Noch bevor sie sich weiter auf den dunkelblauen Einband konzentrieren konnte, sah sie, wie ein kleiner, cremefarbener Umschlag aus dem Buch rutschte. Bloom zog irritiert die Augenbrauen zusammen, legte das Buch auf der Kommode ab, um dann den Umschlag vom Boden aufzuheben.
An den Ecken des Papiers waren goldene Verzierungen zu erkennen, als wäre es ein unheimlich wichtiges Dokument von vor mehreren Jahrhunderten. Immer noch verwirrt setzte sich Bloom wieder auf ihr Bett, drehte den Umschlag noch ein paar Mal in ihrer Hand, bevor sie beschloss, ihn zu öffnen. Sofort fielen ein zusammengefaltetes Papier und eine kleine Kette aus dem Umschlag. Sie nahm zuerst die Kette in ihre Hand – sie war golden und trug einen schimmernden Rubin mit sich. Was zum Teufel war das?
Sie legte die Kette zur Seite, widmete sich stattdessen dem Papier zu und faltete es vorsichtig auseinander. Auf einer Seite war nichts als ein leicht bläuliches Wappen zu sehen – ein Drache, der sich um etwas windete, was aussah, wie eine Nymphe. Jedenfalls war es das, wenn Bloom den ganzen Mythologiebüchern Glauben schenkte, die sie in ihrem Leben schon gelesen hatte. Sie hatte noch nie so etwas gesehen, es sah aus, als würde es einer Organisation gehören, aber wenn das der Fall war, woher sollten sie sie kennen, wieso sollten sie ihr einen Brief geben und warum zur Hölle wäre dieser in einem ihrer Bücher versteckt gewesen?
Bloom stich sich ihre roten Haare aus dem Gesicht, während sie das Papier umdrehte und die ordentliche und wunderschöne Handschrift begutachtete. Was passierte hier eigentlich? Dann begann sie, zu lesen.

Bloom,
ich hoffe sehr, dass du es schaffst, dies zu lesen, denn wenn nicht, ist etwas gewaltig schiefgelaufen. Bitte nimm dir Zeit, um das zu lesen und überlege weise, was du danach tun wirst. Ich habe nicht genügend Zeit, alles zu erklären, aber du wirst alle Antworten hoffentlich finden.
Wenn du dies liest, ist die richtige Zeit für dich gekommen und ich hoffe inständig, dass es noch nicht zu spät ist für das Universum. Wenn alles gutgelaufen ist, lebst du seit ungefähr achtzehn Jahren auf der Erde und führst ein gutes Leben. Vielleicht weißt du, dass deine Eltern, falls es welche gibt, nur deine Adoptiveltern sind.


Das wusste sie, ja. Vanessa und Mike hatten es ihr vor ungefähr zwei Jahren erklärt. Dass sie keine Ahnung hatten, wie sie an den Unfallsort gekommen war, an dem Mike ein Feuer gelöscht hatte. Dass sie davon ausgingen, dass ihre leiblichen Eltern sie dort einfach abgelegt hatten – nicht in dem Glauben, dass es dort noch am selben Tag einen Brandunfall geben würde. Soviel wusste sie und sie kam auch wunderbar damit klar – Mike und Vanessa waren für sie ihre Eltern, und das würde auch immer so bleiben. Trotzdem irritierten Bloom diese Zeilen. Gewaltig schiefgelaufen. Nicht genügend Zeit, alles zu erklären. Antworten finden. Noch nicht zu spät für das Universum. Wer hatte das geschrieben? Und wieso war er oder sie so kryptisch mit diesen Informationen? Und was zur Hölle meinte er oder sie überhaupt?

Du wurdest nicht auf der Erde geboren. Du wurdest, vor etwa achtzehn Jahren, auf einem Planeten namens Domino geboren. Domino liegt in der Magischen Dimension, von der du in deinem Leben noch nie etwas gehört haben solltest. Deine Eltern waren der König und die Königin Dominos, deine Schwester, Daphne, war Kronprinzessin und hat dich durch ein Portal, nur wenige Tage nach deiner Geburt, auf die Erde, in Sicherheit gebracht. Domino wurde angegriffen, von dunklen und bösen Mächten heimgesucht. Es herrschte Krieg. Um dich zu beschützen, wurdest du weggebracht. Wenn du diesen Brief liest, dann hat Domino diesen Krieg verloren – dann sind deine Eltern, sowie ihre Verbündeten, bereits verstorben. Wäre es nicht so, würdest du diesen Brief nie bekommen.
Wenn du dies liest, befindet sich Domino – und womöglich auch der Rest der Magischen Dimension – in Besitz der drei Urahninnen der Hexen und ihren Sohn, Valtor. Auch wenn die Hexen bereits verstorben sind, haben sie dennoch eine enorme Macht über Valtor und die gesamte Situation im Universum. Du fragst dich nun, warum du diesen Brief dann bekommst – mal abgesehen davon, dass du die eigentliche Prinzessin Dominos bist. Es ist einfach. Valtor besitzt die Kraft der Drachenflamme, die mächtigste Magie in der gesamten Dimension. Genauso wie jemand aus der königlichen Familie Dominos – du. Du besitzt ebenso wie er die Kraft der Drachenflamme, auch wenn du es nie mitbekommen hast. Das ist eine unglaubliche Macht, die in dir schlummert. Und damit bist du die Einzige, die Valtor besiegen kann. Die Einzige, die dieser Schreckensherrschaft ein Ende setzen kann – falls es noch möglich ist, dem ein Ende zu setzen.
Durch das Tragen dieser Kette kannst du dich in die Magische Dimension teleportieren. Du kommst in einem Wald an, von dem du das Schloss Alfea sehen kannst. Es ist eine Schule für Feen. Bitte, begib dich dort hin, zeige diesen Brief der Schulleiterin, Griselda, sie wird wissen, wer du bist. Mit ihrer Hilfe kannst du es schaffen, Valtor zu besiegen.
Lege diese Kette bitte nicht ab, wenn du in der Magischen Dimension bist – Valtor wird wissen, dass du noch am Leben bist und er wird es merken, wenn sich die Drachenflamme ihn nähert. Durch die Kette wird der Teil der Drachenflamme unterdrückt, den er spüren kann. Für den Rest der Dimension wird es so aussehen, als würdest du normale Feuermagie praktizieren können. Und das darf sich nicht ändern.

Dies mag viel für dich auf einmal sein, und es wird dir vorkommen, als würde jemand einen Scherz mit dir machen, doch es ist die Wahrheit und du musst diesen Worten glauben und vertrauen. In der Magischen Dimension gibt es nicht nur gute Menschen, doch ich bin einer dieser. Denke darüber nach, aber bitte lass dir nicht allzu viel Zeit zum Entscheiden – das Schicksal des gesamten Universums wird durch deine Entscheidung beeinflusst und ich weiß, dass du nicht möchtest, dass es sich alles zum Schlechten wendet.
Ich habe nicht mehr Zeit, mehr zu sagen und jedes weitere Wort setzt dich in mehr Gefahr, als du glauben magst.

In Liebe,
Marion.


Bloom wusste nicht, ob sie weinen, lachen, oder ohnmächtig werden sollte. Was zum Teufel... Noch nie in ihrem Leben war sie so sprachlos gewesen, wie in diesem Augenblick. Sie hatte viel zu viele Fragen, sie wollte mehr wissen, sie wollte wissen, wieso ausgerechnet sie die wichtigste Person war. Das wollte sie nie in ihrem Leben sein – und jetzt hing angeblich das ganze Universum von ihr ab? Abgesehen davon, dass sie noch nie davon gehört hat, dass noch eine komplett andere Welt existieren sollte, in der es noch Könige gab, in der Magie das Normalste überhaupt war. Sie hatte ja nicht mal eine Ahnung, was sie überhaupt denken sollte. Entweder war diese Person, die das geschrieben hatte, auf einem ziemlich bescheuerten Trip gewesen, oder es stimmt doch.
Das Buch, aus dem der Brief gefallen war, war eines ihrer Lieblingsbücher – sie hatte es in den letzten Jahren unglaublich oft in der Hand gehabt, kannte jede Seite in- und auswendig, aber ein Brief aus diesem Buch ist ihr noch nie entgegengefallen. Wie kam er also dorthin?
Tief ausatmend ließ Bloom sich nach hinten auf ihr Kissen fallen, mit dem Brief in einer Hand. Sie las ihn ein zweites Mal. Dann noch einmal. Und nochmal. Selbst nach dem fünften Mal war sie nicht weiter als vorher.
Sie war angeblich eine der mächtigsten Menschen überhaupt, sie war angeblich eine Fee, eine Prinzessin, deren Planet dem Untergang geweiht war, weil drei Hexen und ein Zauberer einen Krieg gewonnen hatten? War es das? Das konnte sich keiner ausdenken, der nicht der beste Fantasy-Autor der Neuzeit war. Außerdem… Drachenflamme. Sie drehte das Papier wieder um, schaute sich das Wappen nochmals genau an. In dem Brief war geschrieben, dass jemand aus der königlichen Familie Dominos die Drachenflamme besaß und auf dem Wappen war immer noch dieser Drache abgebildet. Wenn sie das richtig erkannte, spie dieser sogar etwas Feuer. Und die Nymphe in der Mitte? Gab es dann auch Nymphen, wenn schon Feen, Hexen und Zauberer existieren? Möglich war es.
Langsam verzogen sich die Zweifel an der Wahrheit dieser Worte, doch ein wenig Unglaube blieb.
Ein Klopfen an der Tür riss Bloom aus ihren Gedanken.
„Schatz, Essen ist fertig. Kommst du runter?“, fragte Vanessa und Bloom schaute verwirrt auf die Uhr. Es war spätestens vier gewesen, als sie das Zeichnen aufgegeben hatte – jetzt war es kurz nach sechs. Konnte das sein?
„Ja, ich komme gleich.“, rief sie zurück, stopfte den Brief und die Kette in die Seitentasche ihrer Jogginghose, schloss die Tür auf und stürmte die Treppe hinunter, bis sie in der Küche ankam.
Mike saß schon am Tisch, während Bloom sich gerade setzte. Der Geruch des Essens ihrer Mutter stieg ihr sofort in die Nase und sie fragte sich doch erneut, ob das nicht alles nur eine dumme Erfindung von irgendjemanden war, was sie gerade in diesem Brief gelesen hatte. Aber nein. Sie wollte ihre Eltern fragen, was sie von diesem Brief hielten und dann würde sie entscheiden, was sie als nächstes tun würde.
Denn wenn es stimmen würde, was dort stand, dann wäre wirklich die ganze Welt in Gefahr und sie hätte die Macht, das zu verhindern. Abgesehen davon, dass es Bloom nicht wirklich gefiel – hatte sie überhaupt eine Wahl? Sie konnte doch nicht einfach so alles in die falschen Hände fallen lassen. Mehr, als es angeblich so schon war. Es klang immer noch seltsam, beinahe bizarr, so zu denken, doch… rein theoretisch musste sie alles daraufsetzen, es zu tun. Wenn das ein Scherz war, dann war es ein sehr ausgeklügelter Scherz.
„Dich bedrückt irgendetwas, Bloom.“
Erschrocken sah sie von ihrem, mittlerweile zermatschten Essen auf und sah in Vanessas besorgtes Gesicht. Auch Mike schien es nun aufzufallen, denn er hob eine Augenbraue an, während er erneut Essen auf seine Gabel stach. Bloom legte ihr Besteck hin und zog nach einem Moment des Zögerns den Brief und die Kette aus ihrer Hosentasche und legte diese auf die Mitte des Tisches.
„Das ist aus einen meiner Bücher gefallen.“, murmelte sie, als Vanessa zwar den Brief in die Hände genommen hatte, allerdings sie noch irritiert ansah. Bloom ließ sie einen Moment lang den Brief lesen und beobachtete, wie ungläubig ihr Gesichtsausdruck mit jeder weiteren Sekunde wurde. Als sie fertig war, griff Mike sofort nach dem Zettel und fing auch an, zu lesen, während Vanessa sich in einer Art Schockstarre befand. Sie konnte es wohl auch so wenig glauben, wie sie selbst.
„Was ist das denn für ein Mist“, zischte Mike leise und schmiss den Zettel wieder auf den Tisch, „das glaubst du doch wohl nicht wirklich, Bloom. Das macht überhaupt keinen Sinn, wieso sollte es sowas geben?!“
„Mike, beruhige dich.“, sagte Vanessa und wandte sich dann Bloom wieder zu, „Wie genau hast du den Brief denn gefunden?“
„Ich weiß es nicht, ich hab einfach ein Buch aus dem Regal gezogen und auf einmal ist das in einem Umschlag rausgefallen. Ich hab das noch nie vorher irgendwo gesehen.“, erklärte sie, „Ich hab keine Ahnung, was das zu bedeuten hat. Ich meine, ich dachte immer, ich wäre irgendwo hier geboren und ihr habt mich dann in diesem brennenden Gebäude gefunden und alles wäre normal mit mir. Aber… laut diesem Brief ist nichts normal. Ich bin anscheinend eine Prinzessin, die Magie besitzt und auf die die ganze Welt angewiesen ist, dass sie überlebt. Das kann sich doch kein Mensch ausgedacht haben und wenn doch, dann muss das einfach nur ein ziemlich schlechter Scherz sein.“ Die Worte flossen nur so aus ihrem Mund, während Vanessa ihr beruhigend über die Hand strich. Für einen Moment herrschte eine unheimliche Stille. Bloom atmete einmal tief durch, um nicht in Tränen auszubrechen, weil sie so überfordert und verwirrt mit der Situation war. Wieso sollte sie das glauben, was in diesem Brief stand? Aber dann wiederum… wieso sollte sie es nicht glauben? Allein die Tatsache, dass dieser Brief einfach so in ihrem Zimmer, in ihrem Buch aufgetaucht war, sprach doch dafür. Und dieses Wappen auf der Rückseite mit dem Drachen, der Feuer speit. Wer würde auf solche Details achten, wenn er nur einen Scherz machen wollte? Und wer außer ihren Eltern und ihr wusste überhaupt, dass sie adoptiert war? Niemand.
„Jetzt wo du es sagst…“, fing Mike an, diesmal ruhiger als vorher, „als ich dich damals aus dem brennenden Haus gerettet habe, da hast du nicht wie jedes normale Kind durchgängig geschrien… du warst ruhig. Und dir hat es auch aus irgendeinem Grund nichts ausgemacht, dass du in einem brennenden Haus lagst. Du hattest keine Verbrennungen, dir ging es gut, du hattest nicht mal eine Rauchvergiftung. Als hätte dich irgendwas beschützt, obwohl du stundenlang an diesem Platz lagst.“, fuhr er fort und Bloom zog ihre Augenbrauen zusammen. Vor Feuer beschützt? Keine einzige Verletzung? Das war kein Zufall mehr, es gab keine andere Möglichkeit.
„Es muss die Wahrheit sein.“, murmelte sie ungläubig, seufzte und zog den Brief zu sich, las ihn sich nochmals durch.

Deine Eltern waren der König und die Königin Dominos, deine Schwester, Daphne, war Kronprinzessin und hat dich durch ein Portal, nur wenige Tage nach deiner Geburt, auf die Erde, in Sicherheit gebracht.
Um dich zu beschützen, wurdest du weggebracht.
Du besitzt ebenso wie er die Kraft der Drachenflamme, auch wenn du es nie mitbekommen hast. Das ist eine unglaubliche Macht, die in dir schlummert.


„Bloom, das ist wirklich viel, falls es wirklich stimmt. Es… das klingt gefährlich. Aber wenn das wirklich stimmt, dann musst du es wohl in dir haben, das zu schaffen. Und wenn du wirklich daran glaubst, dann… dann lassen wir es dich machen.“, sagte Vanessa, stellte sich hinter sie und strich ihr liebevoll über die Schultern. Bloom schluckte. Sie wusste ja selbst nicht einmal, ob sie es so haben wollte. Sie sprang alle paar Minuten von „mach es nicht“ auf „du musst es machen, sonst geht die ganze Welt wegen dir unter“. Sie nahm die Kette in ihre Hand und schaute sich den Rubin genauer an. Sie mochte zwar nicht viel Ahnung von Schmuck haben, aber das dieses Stück königlicher Herkunft war, konnte sogar sie erkennen. In dem Rubin schien eine Art Drache eingearbeitet zu sein und am Anhänger sah sie eine Gravur, ein M.
„Ich glaube, du solltest eine Nacht darüber schlafen.“, riet Mike und Bloom nickte, nahm den Brief vom Tisch und ging ohne ein weiteres Wort wieder zurück in ihr Zimmer.

Eine ganze Weile lang betrachtete sie den Rubin, den Drachen, der in dem Stein war. Sie hatte sich immer noch nicht richtig entschieden. Wenn nichts passieren würde, wenn sie es ausprobierte, dann wäre das so, aber dann hätte sie sich einen halben Tag für nichts so verrückt gemacht. Bloom schaute die Kette noch einmal kurz an. Sie setzte sich auf, legte die Kette um ihren Hals und verschloss sie auf ihrem Nacken. Es dauerte gerade mal einen kurzen Augenblick, bis sich etwas vor ihrem inneren Auge abspielte, was sie definitiv noch nie gesehen hatte.
Ein Mann, dunkelbraune Haare, ein Schwert in seiner Hand, ran vor ihr, neben ihr eine Frau mit fast weißen Haaren in einem Dutt – in ihrer Hand glühte ein goldenes Licht. Auf ihrer anderen Seite war ein anderer Mann zu sehen, der einen langen, weißen Bart trug und kaum Haare auf dem Kopf besaß. Auch er trug ein Schwert. Bloom hörte Geräusche, die sich wie Schüsse anhörten – Fußschritte vor, neben und hinter sich. Vor ihr, noch vor dem dunkelhaarigen Mann, befand sich eine Staubwolke. Sie roch Rauch und Feuer.
„Er ist dort!“, rief eine Frauenstimme hinter ihr, doch Bloom sah nicht, von wem die Stimme kam. Doch die Wolke löste sich auf einmal auf, dann flogen goldene, violette und schwarze Lichter durch die Gegend. Das war Magie.
An der Stelle, an der vorher die Wolke gewesen war, stand nun ein Mann. Er hatte ungewöhnlich lange, weizenblonde Haare, trug einen dunklen, langen Mantel und hielt eine leuchtende Kugel in einer seiner Hände, während er grinste.
„Gib auf, Valtor, sie ist in Sicherheit. Und sie wird wiederkommen, um dich zu besiegen.“, schrie der Mann vor Bloom und ihr wurde in diesem Moment so einiges bewusst. Der Mann, der sie immer noch alle angrinste, war Valtor. Der Zauberer, der die Magische Dimension immer noch bedrohen sollte. Und sie selbst sah aus der Sicht der Person, die den Brief geschrieben hatte. Marion. Und sie sprachen über sie.
„Wir werden sehen, wie weit sie kommt. Denkst du wirklich, sie ist in der Lage, mich in Jahren aufhalten zu können?“, harkte Valtor nach und für Bloom sah es so aus, als würde er für einen endlos langen Moment nur sie anschauen. Seine Augen waren stahlblau und sprühten eine enorme Kälte aus.
Im selben Moment sah Bloom wieder ihr Zimmer vor ihren Augen. Sie atmete durch, während sie einzelne Tränen auf ihrer Wange spürte. Es war wahr.
Es war wahr – sie musste es tun. Sie musste in die Magische Dimension reisen und das Universum retten. Sie musste diesen Mann aufhalten, der anscheinend Schuld an dem Tod ihrer Eltern hatte. Sie musste es tun.
Bloom stand auf, kramte einige Sachen aus ihrem Kleiderschrank, warf diese in einen Koffer, setzte sich auf diesen, damit sie ihn schließen konnte. Anscheinend hatte sie damit einen solchen Lärm gemacht, dass ihre Mutter nur kurze Zeit später die Tür öffnete.
„Ist alles gut bei dir? Oh.“
Bloom sah sie an, stand dann auf und umarmte Vanessa.
„Ich muss das tun.“, murmelte sie.
„Ich weiß.“, Vanessa seufzte tief. „Aber pass auf dich auf, bitte. Wenn dir auch nur irgendwas dort passiert, dann…. Dort gibt es mit Sicherheit eine Menge gefährlicher Dinge.“
„Ich ruf euch an, wenn ich angekommen bin. Und ich verspreche euch, ich komm euch irgendwann besuchen. Und wenn das alles vorbei ist, komm ich wieder.“, sagte Bloom, auch wenn sie nicht wusste, ob sie es wirklich so einfach versprechen konnte. Die Leute, die sie gerade in dieser Erinnerung gesehen hatte, hatten alle so mächtig gewirkt. Damit konnte sie nicht mitwirken und trotzdem hatte er alle von ihnen getötet. Sie versuchte, nicht erneut zu weinen, bei diesen Gedanken, sondern umarmte stattdessen Mike, der sich dazugesellt hatte.
„Pass auf dich auf, Bloom.“, sagte er.
„Mach ich. Versprochen.“, wiederholte sie, lächelte die Beiden an. Sie nahm ihren Koffer und stellte sich in die Mitte des Raumes.
„Wir haben dich lieb.“
„Ich euch auch.“, war das Letzte, was sie sagte, bevor sie das seltsamste Gefühl spürte, das sie je gespürt hatte. Es war, als würde ihr ganzer Körper weggerissen werden, als würde sie gegen irgendetwas gezogen und konnte nichts dagegen tun. Nur Sekunden später atmete sie frische Waldluft ein. Die Sonne schien hell und in der Ferne konnte sie zwei rosafarbene Türme sehen. Das war also Alfea. Das war die Magische Dimension.
Bloom hatte ein mulmiges Gefühl im Magen, als sie ihren Koffer in die Hand nahm, und den Weg vor sich in Richtung des Schlosses lief. Sie hatte beim besten Willen keine Ahnung, was ab nun an passieren würde.

~*~
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