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Versprochen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Captain Jack Sparrow Lord Cutler Beckett OC (Own Character)
19.03.2020
25.07.2020
6
42.416
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Dieses Kapitel
1 Review
 
02.04.2020 8.661
 
Huhu: Wenn es jemanden interessiert, welche Musik mich beim Schreiben inspiriert hat und welche ich immer und immer wieder bei diesem Kapitel gehört habe, dann klick da (https://www.youtube.com/watch?v=qgIYv8fG7Qk&t=1416s) mal drauf und lass es beim Lesen nebenbei laufen. :)


I see trouble on the way

I see bad times today

Don't go around tonight, well, it's bound to take your life


♒︎♒︎♒︎

Zuerst waren es die Adligen, die sich gegenseitig erschüttert an die Arme fassten, mit ihren eigenen brutalen Todesszenarien vor Augen.
Kaum war das Wort ‚‚Pirat" gefallen und die Fenster um sie herum hatten ein zweites Mal vibriert, japsten viele von ihnen entsetzt nach Luft, während die Frauen ihre Röcke rafften und die Männer die Oberkörper sacken ließen.
Vergessen war die elegante Haltung, als sogar Männer die Frauen zur Seite schubsten. Vergessen wurde das Benehmen und der Anstand, als der Tod gefürchtet wurde.

Bevor überhaupt irgendein Soldat reagieren und verhindern konnte, dass Massenpanik ausbrach, trat der Adel sich schon gegenseitig auf die Füße und jeder war darauf bedacht, als erster diesen Saal zu verlassen, der plötzlich wirkte, wie ein Silbertablett.
Hektisch stolperten alle von ihnen in dieselbe Richtung, pöbelten sich gegenseitig an oder rammten ihre Ellbogen in die Rippen anderer, um, durch die sonst so breite Tür des Saals hinauszustürmen, welche für so viele Menschen gleichzeitig dann doch einfach viel zu schmal war.
Fast zeitgleich waren es die Navy Soldaten die ihre Körper anspannten und sich in Bewegung setzten, gerade als sich bereits die ersten Adligen stöhnend aus dem Saal quetschten. In Grüppchen schossen sie zum Ausgang, Hände an ihren Waffen, versuchten sich irgendwie durch die panischen Gäste zu drängen.
Einige Soldaten versuchten die Gäste zu beruhigen, andere donnerten Befehle, während sie sich durch die Menge kämpften.

Es war jetzt wichtig schnell zu handeln.
Sie brauchten nicht erst auf ein Kommando vom Gouverneur oder dem Commodore warten. Jeder von ihnen hatte eine genaue Unterweisung bekommen, was in einem Ernstfall getan werden musste.
Bloß war seit Jahren kein Ernstfall mehr eingetreten.
Seitdem die East India Traiding Company Port Royal eingenommen hatte, hatte es keine Bedrohung mehr innerhalb der Mauern gegeben.
Solange schon lebten sie in Frieden und seit jener grausamen Nacht so sicher, dass die, teilweise beschwipsten Soldaten, überfordert schienen.

Der Gouverneur hatte erschrocken nach Luft geschnappt, als eine weitere Erschütterung den Boden unter ihren Füßen beben ließ. Es klingelte in seinen Ohren, wie die Gläser um ihn herum, so laut und erinnerten ihn schmerzhaft an die Klinge, die einst das Herz seiner geliebten Frau durchstach.
Ihm dämmerte es, dass er irgendwie reagieren, irgendetwas sagen musste, doch ein dicker Klos steckte in seinem Hals, als er zu sprechen versuchte.
Er beobachtete wie sich seine Gäste in Scharren durch den Ausgang zu quetschen versuchten, um ihr Leben bangten und hörte ebenso die lauten Befehle seiner Soldaten um ihn herum und doch stand der Gouverneur einfach nur so da und schien zu schrumpfen.
Er fühlte sich zurück, in diese Hilflosigkeit, als die Piraten damals über sein Land hergefallen waren und er sich feige vor ihnen versteckt hatte, nichts ahnend das sich sein Leben fortan ändern würde.
Diese Hilflosigkeit von damals, als er im Bunker auf seine Frau und Kind gewartet hatte und die kleine aufflammende Hoffnung, immer dann, wenn die Tür geöffnet wurde und immer danach ihr Schwinden, diese Enttäuschung, als sie es abermals nicht waren.
Diese Desorientierung, als er von seinen Männern kopflos von dem Wachturm gezerrt wurde, ohne überhaupt zu wissen, warum und wer genau ihn dazu zwang und versuchte, die Mauern nieder zureißen.
Diese Schuldgefühle, dass er in jener Nacht nicht bei seiner Frau gewesen war und später auch diese Ironie, dass die erste Nacht voneinander getrennt, gleichzeitig auch ihre Letzte war.- für immer.

Hinter den Schläfen von Weatherby pochte es, so stark, dass es ihn kurz gefährlich wanken ließ. Er fasste sich gegen die Stirn und schloss für einen Wimpernschlag die Augen, da sich alles um ihn herum plötzlich so wild drehte und undeutlich wurde, sodass er bangte gleich nach hinten umzufallen.
Schemenhaft erkannte er seine Tochter, wie diese zu ihm rüber eilte, seinen Arm umschloss und ihn voller Sorge stützte.
Ein nie endender Albtraum, dachte Weahterby, während ihm ganz flaumig im Magen wurde.

Fiona sah die Bleiche in dem Gesicht ihres Vaters aufsteigen und ihre erste Intuition war es, beruhigend über seinen Arm hinweg zu streicheln, obgleich ihre eigene Hand zu zittern begann.
Sie griff nach ihrem Vater, wie nach einem Rettungsring; denn als sie als Letzte von allen erkannte, wie sich ihre Gäste rücksichtslos versuchten allesamt selbst zu retten und jeder sich selbst der Nächste war, stockte ihr der Atem.
Sie, die Tochter von Weatherby Swann, wusste nicht angemessen zu reagieren.
Während sie ihren Vater stützte, fühlte sie sich für einen kleinen Moment wieder wie eine Dreijährige, die nicht wusste, was um sie herum geschah und vor allem warum das alles überhaupt geschah... Stattdessen war dort ihr ach so starker Vater, der in solchen Situationen doch eigentlich einen kühlen Kopf bewahrte und ihre Hand hielt... Ihr Fels in der Brandung.
Nur nicht an diesem Abend...

Während Weathrby gegen die Ohnmacht ankämpfte, ergriff Beckett sofort die Initiative und schien als Einziger im Saal ruhig, nahezu gefasst. Er befehligte sofort eine handvoll seiner Soldaten, die ihm runter in den Hafen folgen sollten, um den Angreifern Einhalt zu gebieten.
Noch bevor verkündigt worden war, nein, schon bevor zum zweiten Mal die Fenster vibriert hatten, keimte in dem Commodore eine Vorahnung. Er stand wie unter Strom, als die Massenpanik um ihn herum ausbrach und selbst der Gouverneur den Boden unter seinen Füßen zu verlieren schien, wie er mit einem schiefen Blick erkannte.
Seine Augen funkelten, als er sich von seiner Angebeteten genau in dem Moment abwendete, als das Unheil verkündigende Wort ‚‚Pirat" durch den Raum donnerte.
Er gab James Norrington sofort einen klaren Befehl, welcher besagte, dass dieser sich mit Miss Swann und dem Gouverneur in seinem Büro, dass im Herzen des Schlosses lag, verbarrikadieren sollte, unverzüglich. Daraufhin wollte er mit einer Hand an seiner Pistole, die in ihrem Holster prahlte und welches er auch nur äußerst selten bis niemals niederlegte, losstürmen; doch jemand griff plötzlich nach seiner Schulter und hielt ihn somit an Ort und Stelle.
Fast schon missbilligend betrachtete Beckett die Hand, die ihn da so frech festhielt und dann den Gouverneur, der tatsächlich verkündigte, er würde mit ihm kommen und kämpfen. Beckett wehrte den aufkeimenden Reflex ab, die Hand von Weatherby angewidert abzuschütteln und suchte stattdessen den Blick von Mercer, der offensichtlich genauso fassungslos war, wie er selbst.

Weahterby entgingen die Zweifel, die untereinander ausgetauscht wurden und widmete sich stattdessen mit einem raschen Blick an seine sorgende Tochter, um ihr zu versichern, dass er nun wieder auf eigenen Beinen stehen konnte und die Gefahr vorüber sei, vom Schwindel übermannt zu werden. Er löste sich von dem Griff Fionas, schenkte ihr nur ein warmes aufmunterndes Lächeln, was jedoch augenblicklich erlosch, als er sich dem Commodore zuwendete.
Entschlossenheit erkannte jeder dort in dem Gesicht des Gouverneurs, als er sich Becketts Verteidigung anschließen und anders als wie erwartet, ins Gefecht stürzen wollte.

‚‚Gouverneur, Sir, bei allem Respekt..." Bevor der Commodore versuchen konnte dieses Handeln zu unterbinden und sich dabei womöglich weit im Ton vergriff, da es für ihn fast schon lächerlich schien, unterbrach ihn der Gouverneur mit einem solch scharfen Unterton, wie man es schon lange nicht mehr von ihm gewohnt war, ‚‚Das war keine Bitte!"
‚‚Vater!" Fiona konnte nicht glauben, dass er sie verlassen wollte.
Wie ein kleines Kind griff sie nach seinem Arm und bat ihn, nicht zu gehen.
Er streichelte daraufhin bloß eilig über ihren Handrücken, mit dem Versprechen, dass sie sich wiedersehen würden. Es würde alles gut werden. Er würde es dieses Mal nicht zulassen, dass die Piraten Port Royal verwüsten würden.
Dieses Mal wolle er sich nicht verstecken.

William hängte sich ruckartig in Becketts Hacken, als sich dieser mit seinen Soldaten und Weahterby auf den Weg machte und seinen Unterkiefer dabei anspannte, so als versuche er Worte davon abzuhalten, über die Lippen zu purzeln. Diese Reaktion blieb William zwar nicht unbemerkt, dennoch verschwendete er keinen weiteren Gedanken daran, denn sein tief sitzendes Verlangen nach Vergeltung, übernahm augenblicklich die Kontrolle über sein Denken... Genau wie es irgendwo in Weatherby loderte, glaubte er zu wissen.
Er wollte die Piraten aufhalten. Er würde sich nicht verstecken. Nun war er alt genug und er hatte geübt. Jeden Tag. Drei Stunden lang. Er würde nicht zulassen, dass sich die Geschichte wiederholen würde.
Angetrieben von einer plötzlichen Wut, drehte sich William nicht mehr nach Fiona um, sondern stürmte voller Adrenalin einfach fort und während er schnellen Schrittes den Saal durchquerte, band er sein langes Haar zu einem Zopf zusammen.

Fiona hingegen konnte kaum klar denken.
Sie sah ungläubig ihrem Vater hinterher. Dann William. Selbst Beckett, wessen Umhang wild flatterte, so schnell wie er lief, fast rannte.
James Norrington packte die verdatterte Frau am Ellbogen und forderte, sie solle nun mit ihm kommen, er würde sie fort und in Sicherheit bringen; wie ihm befohlen.
Nur ganz schwer konnte sich Fiona in Bewegung setzen, schaute lieber William und ihrem Vater hinterher und sandte Gebete gen Himmel, dass sie sich alle wiedersehen würden.
Sie verlor jeglichen Anhaltspunkt, als sich die panischen Gäste in ihr Blickfeld drängten und das Letzte, was sie sah, war William, wie sich dieser mit seinen Ellbogen voran durch die Masse kämpfte.

Mehrmals stolperte Fiona über ihre eigenen Füße, raffte noch nicht einmal ihre Röcke, weil sie einfach nicht daran dachte.
James zerrte regelrecht an der Frau, die wie benommen wirkte, einfach quer durch den Saal, in die entgegengesetzte Richtung.
Am Fuß der Treppe, die sie noch am selben Abend so galant hinab stolziert und es das Einzige gewesen war, was den Menschen dort den Atem geraubt hatte, versuchte sich Fiona krampfhaft daran zu erinnern, ob dies auch wirklich geschehen oder ob es bloß eine Spinnerei in ihrem Kopf gewesen war.
Der Boden unter ihren Füßen bebte weiter und ihre Knie zitterten, würden gleich versagen, denn etwas drückte sie auf ihre Schultern nach unten.
Nein. Mit einem Mal kam ihr alles so surreal vor, so unwirklich.
Eben noch wurde gelacht und ihre Schönheit bewundert und jetzt sollten alle um ihr Leben rennen?

Als James sie dann die ersten Treppenstufen hinter sich empor zog, hing Fiona kopflos dicht in seinen Hacken und seine Finger waren das Einzige, was sie noch spürte, selbst wenn sein Griff viel zu fest war.
Sie stolperte gerade abermals über eine Stufe hinweg, da fasste Fiona endlich ihren ersten klaren Gedanken und blieb plötzlich so abrupt stehen, dass James einige Stufen zurück zu ihr gestolpert kam und fast zu fallen schien. Verwirrt starrte James in das Gesicht der jungen Frau, die nur völlig perplex mit dem Kopf schüttelte. Ihre Ohrringe funkelten in alle Himmelsrichtungen, als sie zurücktaumelte und den Namen von ihrem Zimmermädchen stammelte und das immer wieder.
‚‚Eva! Sie muss irgendwo da unten sein! Eva!"
James warf einen flüchtigen Blick durch den Saal, der völlig überrannt schien. Eine Formation die ihn an eine Traube erinnerte, hatte sich am anderen Ende des Saals gebildet. Links und rechts an der Wand flitzten Soldaten lang und das Personal was eigentlich für die Häppchen und Getränke zuständig gewesen war, so auch Eva, wurde verschluckt von den Gästen und womöglich zwischen Kleidung beinahe erstickt.
In dieser Hektik konnte er weiß Gott kein bekanntes Gesicht erkennen und er wusste, dafür blieb ihm auch gar keine Zeit.
Er sah Fiona ganz gequält an, während er gedanklich mit sich rang, wie er nun am besten zu handeln hatte.
Ganz im Sinne von Beckett dem Commodore oder doch eher Fiona, der Gouverneurstochter, welcher er doch sowieso schon so schwer einen Wunsch abschlagen konnte und die dort stand und so hilflos wirkte; genau wie damals...

Der Gedanke das da unten irgendwo ihre Freundin umherirrte und womöglich nicht wusste wohin, tunkte Fionas Gesicht in eine ungesunde Bleiche. Ihre rosigen Wangen verschwanden und ihre Lippen wurden ganz schmal.
Sie hielt ihre Augen fest auf James gerichtet und es mochte ein nahezu bittender Ausdruck in ihnen schimmern, der den Offizier dazu verleitete, resigniert Fionas Hand los zu lassen. In der Hoffnung diese Entscheidung nicht zu bereuen, entschied er sich seufzend dazu, nach dem Zimmermädchen zu suchen. Um Fionas Willen.
‚‚Ich werde nach Eurer Freundin suchen, Fiona," Mit einem Versprechen, welches Fiona dankbar die Hand des Offiziers drücken ließ, stieg er die Stufen wieder hinab, ‚‚In der Zwischenzeit verbarrikadieren Sie sich in Commodore Becketts Büro und halten sich versteckt, bis wir nachkommen!"
Sie sprach dem mutigen Offizier ihren Dank aus, hauchte ihm dann einen eiligen Kuss auf die Wange und stürmte letztlich an ihm vorbei, weiter die Treppen hinauf. James sah der Gouverneurstochter nur ganz kurz sehnsüchtig hinterher, denn er durfte keine Zeit mehr verlieren.
Er stürmte zurück in den Saal, um wie versprochen nach Eva zu suchen.

Völlig außer Atem knallte Fiona die Tür hinter sich zu und drehte dann den Schlüssel nach rechts.
Sie verbarrikadierte sich; wie befohlen.
Mit dem Rücken lehnte sie sich gegen die Tür und nur für einen ganz kleinen Augenblick schloss sie die Augen. Erlaubte sich, inne zuhalten. Versuchte, ihre Gedanken wieder zu sortieren und ihren Herzschlag gegebenenfalls zu beruhigen, wenigstens so, dass sie sich nicht übergeben musste.
Das Korsett saß so eng, ließ sie nur ganz schwer und bedingt Luft holen, dass sie wie ein Fisch an Land japste.
Während sie versuchte durch ihre Nase ein und den Mund wieder auszuatmen, wurde es um sie herum mit einem Mal ganz still.
Eben noch waren dort die verzweifelten Befehle der Soldaten und die entsetzten und protestierenden Schreie der Gäste, hingen ihr dicht in den Hacken, als sie Stufe für Stufe empor hechtete und vor ihnen zu flüchten versuchte und nun war dort nichts mehr.
Bloß eine Stille die sie zu erdrücken drohte.
Kaum hatte sie die Tür hinter sich zu geknallt, sperrte sie alles andere aus.

Jetzt war da nur noch sie. Eine Frau die nicht wusste, wie ihr oder was um sie herum eigentlich geschah... Und es auch gar nicht wissen wollte.
Sie lehnte nur dort an der Tür, achtete auf ihren eigenen Herzschlag, der sich nicht zwingen ließ, sich zu beruhigen und stattdessen immer holpriger wurde, kaum realisierte sie die Kälte um sie herum und die Dunkelheit. Vor allem diese Dunkelheit.
Sie lauschte.
Die Stille war unangenehm.
Auch der Gedanke war unangenehm, dass dies das Büro von Commodore Beckett war.
Sie war erst einmal hier gewesen und vorzugsweise dann, als er nicht hinter seinem Schreibtisch prangte und irgendwelche Siegel mit Wachs auf Pergament setzte.
Es lastet schwer auf ihrem Herzen, dass dieses Büro ihrem zukünftigen Gemahl gehören sollte und sie konnte nicht unterscheiden, welcher Gedanke es genau war, der ihre Knie zum Schlottern brachte... Der Gedanke, dass Beckett vor Hof und Adel um ihre Hand angehalten hatte und es noch nicht einmal zur Debatte stand, stand es nie, diesen je zu verneinen oder die herab segelnden Kanonengeschosse, die das Land in Schutt und Asche zu legen drohten?
Von wo ging die meiste Bedrohung aus?

Nur schemenhaft konnte sie Mobiliar erahnen, durch das Licht des Mondes, welches durch die Fenster fiel, als sie die Augen wieder öffnete und wild blinzelte, um sich an diese plötzliche Finsternis zu gewöhnen.
Sie mochte keine Dunkelheit, doch viel weniger mochte sie Beckett, dachte sie, völlig eingeschüchtert. Eingeschüchtert wegen der Dunkelheit oder wegen des Commodores? Sie wusste es nicht.
Der Commodore der in diesem Moment ihr geliebtes Land verteidigte und ebenfalls ihren verehrten Vater schützte, der sich bloß die Ohren zuhalten würde, fassungslos, würde es Fiona je schaffen ihre zweifelnden Gedanken über die Lippen zu bringen. Fassungslos darüber, wie Fiona über den Commodore dachte, der sein Leben, für das Ihre opfern würde, immer wieder, wie er immer zu sagen pflegte... Also schüttelte sie alle Gedanken an Beckett ab und stellte sich ihrer anderen Angst: der Dunkelheit.

Desorientiert stolperte sie einige Schritte vorwärts und versuchte nebenbei schemenhaft ihre Umgebung zu erkundigen, vielleicht sogar auch zu kontrollieren. Sie erkannte Umrisse eines Schreibtisches, an dem sie sich Schritt für Schritt entlang tastete. Einen großen Kerzenständer schmiss sie mit ihrer Hand um. Es schepperte kurz.
Ihre Röcke blieben an einer Garderobe hängen und auch mit ihrem Schuh stieß sie gegen ein Tischbein, vielleicht war es auch der Fuß eines Sessels, presste sogleich die Lippen aufeinander, um einen Fluch zurückzuhalten, als ihr Zeh wild zu pochen begann.
Ihre Augen wanderten durch das dunkle Zimmer, welches gewiss nicht hätte schwärzer und kälter sein können. Bloß der Mond warf auf der anderen Seite etwas Licht durch den Balkon, dessen Türen sperr weit offen standen und der Grund dafür waren, warum sich Gänsehaut über Fionas Arme zog.
Das Licht war jedoch so schwach, dass es noch nicht einmal die Hälfte des Zimmers erhellte.
Trotzdem ließen sich weiße Gardinen erkennen, die von dem nächtlichen Wind hin und her geschaukelt wurden und dort in der Finsternis nahezu zu leuchten schienen, kaum hatten sich die Augen an diese erdrückende Dunkelheit gewöhnt.
Ihre Hände begannen etwas zu schwitzen, als sie sich daran zurückerinnern versuchte, wann sie das letzte Mal in einem solch dunklen Zimmer gefangen gewesen war.
Sie hatte Dunkelheit doch stets gemieden.
Wie gern würde sie nun eine Kerze anzünden.

Während sich Fiona immer weiter voran tastete, ihren einzigen Anhaltspunkt dabei nicht aus den Augen ließ, versuchte sie die aufkommenden, gruseligen Gedanken zu verscheuchen, was sich alles in den Ecken jenen dunklen Zimmers verstecken halten konnte.
Ungeheuer der Nacht, die nur auf sie gewartet hatten und so schrecklich waren, wie die in ihren so zahlreichen Albträumen.
Ihr Unterkiefer schob sich vor, als ein Kälteschauer durch Fionas Nacken fegte. Automatisch begann sie sich selbst zu beruhigen, indem sie sich ins Gewissen redete.

Die Bedrohung war dort draußen und nicht hier drinnen. Die Bedrohung war dort draußen und nicht hier drinnen!

Es lauerte nichts in den Ecken und es würde auch niemand ihren Knöchel packen, ebenso wenig lechzte ein Ungeheuer nach ihrem Blut...
Der klägliche Versuch die tobenden Gedanken zu beruhigen, funktionierte nicht, denn diese schrecklichen schrecklichen Bilder in ihrem Kopf, waren so klar und deutlich, dass sich ihr ganzer Körper verkrampfte. Sie drückte ihre Lippen aufeinander, bis alles Blut in ihnen verloren ging und ihre Augen waren so starr auf die wehenden Gardinen gerichtet, dass sie sich einbildete, dahinter würde ein Mann stehen und auf sie warten.
Fast schon dankbar war sie, als sie endlich eine Gardine zu fassen bekam, sich an dieser entlang angelte und gleich darauf die Türen schloss.
Sie presste die Stirn gegen das kalte Glas, als sie mit einem erleichterten Seufzen den Schlüssel umdrehte und ein vertrautes Klicken vernahm.
Nur um sicher zu gehen, dachte sie sich, als sie die Balkontüren fest verriegelte.

Becketts Balkon war genau an der Stirnseite des Schlosses, lugte somit genau in die Richtung des Dorfes. An hellen Tagen konnte er das ganze Dorf problemlos überblicken und die Mäste einiger größeren Schiffe, die weiter weg im Hafen zu Anker lagen, selbst aus dieser weiten Entfernung noch erkennen... In der Nacht jedoch, mochte sie noch so sternenklar sein, verschaffte es nur einen Blick über die Hauptstraße und den ersten Teil des Dorfes, in welche sie mündete.
Jeder der dort unten auf der Hauptstraße lief, konnte einen kleinen Blick in Becketts Büro erhaschen. Es lud beinahe zu sich ein...
In dieser Nacht jedoch, luden die geöffneten Türen nur das Böse ein, würden die Türen weiter so offen stehen, so fürchtete es Fiona.

Ihre Hände stemmten sich gegen die Türen, aus Misstrauen, dass sie ohne ihre Hilfe wieder aufspringen würden. Für einen Wimpernschlag blieb sie weiter am Glas gelehnt und versuchte abermals die flache Atmung zu kontrollieren, vielleicht aber auch nur die Dunkelheit in ihrem Nacken zu verdrängen.
Sie stemmte sich gegen die Türen, presste ihre Nasenspitze gegen das Glas, ließ es beschlagen, als plötzlich etwas in ihrem Augenwinkel flackerte.
Sie hob den Kopf und starrte einmal quer über den Balkon hinweg, über dessen Brüstung, folgte dem Flackern.
‚‚Nein!" sprang ihr von den Lippen, als sie die Augen weitete und nach Luft schnappte.

Was die Frau gesehen hatte, war das drohende Unheil, welches über Port Royal einbrach. Nicht nur, dass in der Ferne das Dorf in hohen Flammen stand und Rauchschwaben sich zu den Sternen erstreckten, nein, mitten auf der Hauptstraße waren es eine handvoll Piraten, mit hell erleuchteten Fackeln, die sich ihren Weg zum Schloss durchschlugen.
Mit weit aufgerissenen Augen sah sie Piraten die rücksichtslos Menschen niederstachen, die sich doch nur versuchten zu retten.
Genau die Menschen, die vorhin aus dem Saal geströmt und um ihr Leben gerannt waren, lagen nun teilweise auf dem Sandweg dort unten verteilt. Einige taten ihre letzten Atemzüge, andere waren bereits regungslos.

Entsetzt schlug sich Fiona die Hand vor den Mund, aus Schreck, sie könnte jeden Moment ganz laut schreien. Sie stolperte immer weiter zurück, weit genug, damit sie nicht mehr diese düsteren Piraten im Licht der Fackeln erkennen konnte. Diese Piraten die sich direkt unter ihren Füßen tummelten.
Piraten, aus ihren Albträumen.
Hitze stieg hinter ihre Wangen und ihr Körper begann zu glühen, als sie die Toten unter ihren Füßen realisierte. Die Toten, die noch vor wenigen Stunden gelacht, getanzt und getrunken hatten...

Ein dumpfes Geräusch, so als würde Metall gegen Stein schlagen, brachte Fiona von dem Kurs ihrer Gedanken ab. Fast schon verwirrt, sie konnte dieses Geräusch einfach nicht zuordnen, starrte sie durch die dunklen Gläser, fokussierte den Balkon.
Als sie das Geräusch ein weiteres Mal hörte, riss sie die Augen auf.
Irgendwer, oder irgendetwas, versuchte den Balkon zu erklimmen.
Nein.
Fiona schüttelte ungläubig den Kopf.
Sie war doch viel zu weit oben. Das war nicht möglich.
Nein!
Auf einmal war da ein schwarzer Haken, der über die Mauer geschleudert wurde, dumpf über den Boden schlitterte und sich kurz darauf mit seinen langen Fangzähnen an der Brüstung verkeilte. Unten griff ein Pirat nach dem Seil, das hinter dem Haken hing, um sich gleich darauf an diesem empor zu robben.
Prompt folgte ein zweiter Haken, dann ein dritter...
Fassungslos stolperte Fiona zurück zur Tür, blieb mit ihren Röcken an einer Lampe hängen, sodass es durch das ganze Zimmer laut polterte.
Erst als sie mit ihrem Rücken gegen die Zimmertür stieß, erkannte sie im Mondschein plötzlich zwei Hände, die nach der Brüstung griffen und danach Arme, die einen gewaltigen Oberkörper stemmten.
Krampfhaft versuchte sie das Zittern der Hände und Beine zu unterdrücken, während sich draußen der Pirat, den man nun deutlich im Mondschein erkennen konnte, eilig aufrichtete und seinen Komplizen eine Hand reichte.
Kaum hatte auch schon ein zweiter Pirat den Balkon erklommen, widmete sich einer von ihnen den Türen. Aggressiv wurde an ihnen gerüttelt und gegen die Scheiben gehauen, bis deutlich wurde, dass diese fest verschlossen waren und auch ein Hämmern und Klopfen sie nicht öffnen würden.
Mit der unangenehmen Vorahnung das die Glastüren, mittlerweile drei, wütende Piraten nicht allzu lang aufhalten würden, drehte sich Fiona zurück zur Tür, entriegelte diese mit zittrigen Fingern und flüchtete so schnell sie konnte aus dem gruseligen Zimmer, zurück auf den hell erleuchteten Flur.
Ihre Augen kniffen sich reflexartig zusammen, da das grelle Licht ihr regelrecht in den Augen brannte. Hastig tastete sie nach dem Schlüssel, der noch auf der Innenseite der Tür steckte, zog diesen dann ab und ließ die Tür mit einem lauten Knall zurück in die Angeln krachen. Genau in dem Moment, als sie es von drinnen laut klirren hörte, als würde Glas zerbrechen, drehte sich unmittelbar der Schlüssel nach links. Als sich das Schloss im Türrahmen verankerte und abermals ein vertrautes Klicken zu hören war, stieß Fiona ein erleichtertes Seufzen aus.
Hinter der Tür trampelten schwere Stiefel quer durchs Zimmer und Fiona wich erschrocken zurück, als wütend gegen die Tür gedonnert und mehrere Male aggressiv an der Türklinke gerüttelt wurde.

Entsetzt stürmte Fiona den Flur entlang, zurück zur Treppe. Sah nicht zurück.
Etwa auf der Hälfte kam ihr James mit Eva an der Hand entgegen, die sich von dem Offizier einfach kopflos hatte mitschleifen lassen, völlig überfordert.
Fiona stürmte so entschlossen die Stufen hinab, dass sie James unsanft an der Schulter anrempelte, sodass sich dieser zu ihr umdrehte und besorgt nach ihrer Hand griff. Mit aufgerissenen Augen zog sie die Beiden einfach weiter, die Treppe wieder runter, schaffte nur ein paar Mal krächzend ‚‚Piraten! Büro!" zu rufen. James ließ augenblicklich die Hände beider Frauen los und trieb sie mit lauten Befehlen dazu an, voranzustürmen, als dieser verstand was dort oben in den letzten Minuten wohl passiert sein musste.
Wie auf Kommando hörte er wie hinter ihm eine Tür aufgestemmt wurde.

Der Saal hatte zwei Ausgänge. Der Erste war bereits fest verriegelt worden, mit der Hoffnung, die Piraten die dort draußen die Hauptstraße belagerten, lange genug aufhalten zu können, damit sich die restlichen Verbliebenen noch versuchen konnten zu retten.
Der zweite Ausgang führte in den Schlossgarten, der mit hohen Hecken und Mauern umrundet war und es somit seine Zeit dauerte, auch diesen zu stürmen.
Alle drei wussten, dass ihnen nur noch der Schlossgarten zur Flucht blieb.
Mit jeweils einer Hand im Kreuz einer der beiden Frauen, drängte James sie raus in den Garten; doch nicht ohne noch einmal hinter sich zu blicken.

Wie der Wind stürmten die beiden Frauen voran.
Sie preschten über Rasen, vorbei an königlichen Marmorstatuen, die mit ihren Fackeln in den eingemeißelten Händen den Weg hell erleuchteten. Ihre Schatten zeichneten sich an der Schlosswand und tanzten in den verschiedensten Größen.
Fiona hatte ihre schweren Röcke aufgerafft und ihre Finger in ihnen verankert, um schneller rennen zu können. Trotz des schweren Stoffes, der laut raschelte und sich so anfühlte als scheuerten ihre Knie über Stein, schaffte sie es, doch die Hand des Offiziers drückte sie immer wieder weiter voran, wenn sie an Tempo verlor oder nach Atem rang. Sie war sehr langsam, doch viel schneller konnte sie nicht rennen. Nicht mit diesem Gewand.
Eva keuchte laut, weil die kalte Luft sich um ihren Hals legte, wie ein enges Gummi und James hörte nicht auf, sich immer wieder nach hinten umzudrehen, weil die Stimmen im Schloss immer lauter wurden und es bloß noch eine Frage der Zeit war, bis auch der Garten überrannt wurde.
Während sie durch den riesigen Garten flüchteten, fühlte sich Fiona wie ein Reh auf einer Lichtung voller Jäger.

Sie peilten ein kleines altes Eisentor an, was zwischen zwei riesigen Hecken beinahe versteckt lag und der einzige Weg war, der ihnen noch blieb. Ihre einzige Chance.
Es quietschte laut, als Fiona es nach innen hinweg aufdrückte und sie biss sich reflexartig auf die Unterlippe, aus Schrecken, sie nun damit verraten zu haben.
Nun war es Kies unter ihren Füßen, der sie kurz zum Schlittern brachte. Sie taten eine scharfe Linkskurve und mussten fortan hintereinander flüchten, da sich der Kiesweg verengte.
James bildete das Schlusslicht und zog, mit der tragenden Hoffnung die Piraten im Notfall wenigstens etwas damit abbremsen zu können, das Tor wieder zu; was es bloß noch einmal laut quietschen ließ. Es wippte sogar etwas in seinen Angeln hin und her, was die Flüchtenden verhöhnte und wie geahnt: Verriet.

Der Weg war zwar nicht mehr beleuchtet, doch der Gouverneurstochter so vertraut, dass es sie nicht störte, nahezu blind zu rennen. Sie musste nur aufpassen, dass sie nicht über ihre Röcke stolperte oder ins Straucheln kam, da ihre Absätze auf dem Kies keinen Halt fanden. Der Boden schien sich zu bewegen oder zu verschieben, der Kies einfach zu rutschig.
Links und rechts zeichneten sich schwarze Umrisse, die über ihre Köpfe ragten. Die Hecken die den Garten umrundeten und im Sommer in den verrücktesten Formen erblühten, wirkten nun wie Gespenster der Nacht, die nach ihren Köpfen griffen.
Noch nie im Leben war Fiona so schnell gerannt. Noch nie im Leben hatte sie sich so gehetzt gefühlt.
Sie hörte ihre flache Atmung und die Steine unter ihren Füßen, die so laut unter ihren Schuhen knirschten, dass sie Stoßgebete gen Himmel sandte.
Sie waren so laut, man würde sie entdecken.


Laut keuchend und sich an den Händen haltend stolperten die beiden Frauen der Scheune entgegen.
Beide Scheunentore, vorne und hinten, waren weit geöffnet, das Öl brannte in den schwarzen Eisenlaternen, die entlang der Holzdielen aufgehängt worden waren und die gepflasterte Stallgasse in einen schwachen Kerzenschein hüllten.
Ein weißes Pferd stand am Eingang, gesattelt und gezäunt, mit losen Zügeln und gespitzten Ohren. Die Nüstern blähten sich auf, witternd, als Fiona und Eva Hand in Hand dem Kerzenschein entgegen gerannt kamen.

Genau als Fionas Augen den Stall in der Ferne hatten leuchten sehen, schnitt sich die aufgebrachte Stimme von James Norrington durch die Nacht. Vorher waren sie so bemüht darum gewesen, keinen Laut von sich zu geben, der sie verraten könnte, sodass Fiona stark taumelte und den Halt zu verlieren drohte, als sie dann plötzlich doch die aufgebrachte Stimme des Offiziers vernahm.
‚‚Laufen Sie weiter! Drehen Sie sich bloß nicht um!"
James Norrington sah noch das helle Gewand Fionas durch die Nacht schimmern, als er plötzlich abrupt stehen blieb und mit festem Griff das Heft seines Degens umschloss. Rasant machte er auf seinen Hacken kehrt, sodass einige Kieselsteine nach links und rechts purzelten.
Er starrte in diese Finsternis, versuchte irgendetwas zu erkennen, als er entschlossen und mit einem warnenden Zischen den Degen aus der Scheide zog. Seine andere Hand zückte die Pistole, die ihm am Hosenbund steckte und in dieser Schwärze nicht helfen würde, erst in der aller letzten Sekunde.
Er hörte schwere Stiefel die über Kies schlurften, immer näher kamen und die Absätze der Frauen, die sich hingegen immer weiter von ihm entfernten. Sein Herz wurde etwas leichter, bei dem Gedanken den Frauen einen Vorsprung verschaffen zu können und doch verkrampfte sich auch zeitgleich sein Magen, wegen dem, was ihn gleich erwartete oder auch wegen dem, von dem er nicht wusste, was zu erwarten war.
Seine geschärften Sinne und die vielen Jahre auf See, hatten ihn auch diese Nacht nicht im Stich gelassen, denn auch wenn er sich auf die Frauen vor sich konzentriert hatte, so war ihm doch nicht das Quietschen des kleinen Eisentoren entgangen, was wieder geöffnet worden war und nur eins bedeuten konnte.
Sein Glück, dass der Weg so schmal war, denn keiner würde an ihm vorbeikommen, solange er noch aufrecht stehen konnte. Er müsste erst niedergestochen werden, um an die Frauen herankommen zu können...


Hektisch griff Fiona nach den Zügeln, die dort so locker um den Hals des Hengstes baumelten.
Ein Navy Soldat, der gerade von einer Patrouille inner Landes zurückgekehrt sein musste, hatte sein Ross wohl kopflos zurückgelassen, nachdem die erste Kanone das Land getroffen hatte.
Fiona glaubte ihre Gebete seien erhört worden, denn warum sonst, sollte bei all dem Krach der Hengst an Ort und Stelle verweilen? Es war ein Geschenk der Götter.

Erschrocken riss der Hengst den Kopf in die Höhe und musterte mit großen Augen die Frauen, prustete aus den Nüstern, während Fiona mit eiskalten Fingern den Gurt nach zurrte.
‚‚Du musst in die Hügel hinauf reiten, hörst du?! Dort oben wirst du Schutz finden, zwischen dem Gefälle und den Klippen. Dort werden sie nicht suchen."
Eva, die am ganzen Körper zitterte, blinzelte bloß einige Male überfordert, verstand zuerst nicht, was Fiona genau damit meinte...
Sie solle in die Gefälle reiten? Sie?

Erst als Fiona vom Gurt abließ und Eva gleich darauf unsanft am Oberarm packte und zum Sattel zerrte, riss Eva die Augen auf, voller Entsetzen.
‚‚Sie sind die Gouverneurstochter, Miss Swann! Hinter Ihnen sind die Piraten her, nicht hinter mir!"
‚‚Eva!" Etwas feuchtes glitzerte dort in Fionas Augenwinkeln, ‚‚Das war ein Befehl!" Und einer ihrer ersten dazu.
Ohne ein weiteres Widerwort griff Eva nach dem Mähnenkamm, steckte ihren linken Fuß in den Steigbügel und zog sich dann, mit den aller letzten Kräften die sie noch bündeln konnte, irgendwie in den Sattel. Sie drohte wieder runterzurutschen, vor Schwäche und weil der Hengst einfach nicht still stehen wollte, weswegen Fiona mit ihrer freien Hand Eva stützte und sie zurück in den Sattel hievte.
Hastig nahm das Zimmermädchen dann die Zügel auf, rutschte auch in den anderen Steigbügel und hoffte inständig, dass sie sich überhaupt in diesem Sattel halten können würde.
Reiten war nämlich nur dem Adel gestattet und keinem Zimmermädchen, wie sie es war. Zugesehen hatte sie Fiona, unzählige Male, immer wenn sie über den Platz zu schweben schien, doch nie hatte sie selbst im Sattel gesessen und es sich auch niemals gewünscht.
Natürlich hatte es die Gouverneurstochter immer mal wieder zutage gebracht, wie gerne sie mit ihr zusammen durch die Landschaft reiten wollen würde, doch an dieser Stelle hatte Eva dann immer nur gelacht, denn sie trug eine unberechtigte Furcht und oder Respekt, dort in ihrer Brust und weigerte sich stets aufzusteigen.

Wie ein Mehlsack sackte ihr Oberkörper zusammen, als sie von dort oben nieder auf ihre Freundin blickte, die sie gezwungen wurde, zurückzulassen.
Zitternd hielt sie sich am Riemen des Sattels fest und suchte nach den richtigen Worten, die sie aber nicht fand.
‚‚Ich werde versuchen nachzukommen." Fiona konnte ihrem Blick nicht standhalten, sondern neigte ihr Gesicht zu Boden, tätschelte noch einmal den Hals des Hengstes.
‚‚Fiona..."
Erst als sich die beiden Frauen zu verabschieden schienen, vergaß das Zimmermädchen die Förmlichkeiten.
‚‚Schaue nicht zurück, egal was auch passiert und drehe ja nicht um." Mit bebender Stimme führte Fiona den Hengst in einem kleinen Kreis, denn dieser tänzelte aufgebracht nach links und rechts, trat beinahe auf die langen Röcke. Er wollte einfach weg von dort.
Während sie zwei kleine Kreise zog, wippte der Hengst plötzlich so stark mit dem Kopf, dass Fiona gezwungen war, die Zügel loszulassen.
‚‚Reite so weit, bis du nicht mehr kannst," Fügte sie voller Hektik hinzu, da Eva die Zügel zwar so kurz hielt, wie es ihre zitternden Hände eben zu ließen, doch trotzdem kontrollierte sie den Hengst noch nicht einmal annähernd und es war bloß nur noch eine Frage der Zeit, bis sich dieser losreißen würde, ‚‚Halte dich bis zum Sonnenaufgang versteckt und warte nicht auf mich!"
Bevor Eva noch wusste was sie sagen konnte, gab Fiona dem Hengst einen kräftigen Klapps auf den Schenkel, sodass dieser zustimmenden wieherte und zum anderen Ende der Scheune trabte.
Die Hufen hallten so laut durch den Gang, sodass Fiona die letzten Worte ihrer Freundin sowieso nicht hätte verstehen können, selbst wenn jene passende Worte gefunden hätte. Stattdessen hielt sich Eva einfach weiterhin am Riemen fest, stemmte sich in die Steigbügel und blinzelte die Tränen fort.
Als die Hufen sandigen Boden fassten, fiel der Hengst in einen schnellen Galopp und trug Eva raus in die Dunkelheit, irgendwo weit weit weg in die naheliegenden Hügel.

Blitzschnell schnappte sich Fiona ein herumliegendes Zaumzeug und hing es sich über die Schulter. Es klimperte laut, als eine Box geöffnet wurde, in der ein Friese nervös durchs Stroh trampelte und immer wieder erregt schnaubte.
Sie hatte richtig gehandelt. Eva würde entkommen und Schutz finden.
Sie würde nachkommen.

Die anderen Pferde in den Boxen waren unruhig, trampelten aufgeregt durchs Stroh oder traten mit ihren Hufen gegen das Holz ihrer Boxen, einige wippten mit den Köpfen und wieder andere stiegen.
In der Ferne donnerten noch immer Kanonen über das Land und verbreiteten bis oben zur Stallung, der höchste Punkt in Port Royals, Angst und Schrecken.
Der beißende Geruch von Feuer züngelte durch die Pferdeboxen, verkündigte den immer näherkommenden Tod, sodass selbst ihre Stute, die sonst eine so besonnene Seele war, die Ohren anlegte, als Fiona mit ihren Röcken durchs Stroh gestolpert kam und ihre Hände vor sich hielt, zur Beruhigung.
Leise versuchte sie auf ihre Stute einzureden, erkannte die aufgerissenen Augen, als sie über die Nüstern von Harmonie strich, doch die Stute war so verschreckt, dass sie Fiona gar nicht wiederzuerkennen schien.
Sie tänzelte erregt mit ihren Hinterbeinen, während Fiona mit einer Hand ihren langen Kopf festzuhalten versuchte, um mit der anderen das Mundstück zwischen ihre Zähne zu schieben.
‚‚Bitte, Harmonie," Flüsterte Fiona angespannt, ‚‚Sei mein braves Mädchen..."
Es dauerte eine kleine Ewigkeit und kostete ihre letzten noch übrig gebliebenen Nerven, wie sie dort stand und immer wieder auf ihre Stute einredete, bis endlich das Eisen zwischen ihre Zähne rutschte, die restliche Trense über die Ohren gezogen und auch der Schopf aus den Riemen gefummelt wurde.
Für den Sattel hatte sie keine Zeit mehr.
Sie würde ohne reiten.

Entschlossen führte sie die Schwarze raus in die Stallgasse. Kaum hallten ihre Hufe wieder, riss die Stute ängstlich den Kopf in die Höhe, taumelte mehrere Schritte zurück und stieß mit ihrem Hintern sogar gegen das Holz einer Box; bereit zur Flucht.
Sie zerrte am Zügel, indem sie den Kopf in den Nacken warf und Fiona strauchelte sofort, stolperte in ihre Richtung. Sie ließ die Zügel jedoch nicht los, gewann ihr Gleichgewicht zurück und drehte dann auch die Schwarze einige Male im Kreis, während sie ihren Hals tätschelte und ihr abermals beruhigend zuflüsterte.
Sie wusste nicht wie viel Zeit ihr noch blieb. Wie lang konnte James die Piraten noch aufhalten?
Sie musste so schnell wie möglich aufsteigen und fort.

Nervös schaute sie sich um und versuchte einen Hocker oder etwas dergleichen zu finden, um sich über den Rücken der Stute zu schwingen, um Schutz in den Hügeln finden zu können, denn dort wäre sie in Sicherheit. Dort würden die Piraten nicht suchen.
Piraten wurden von Siedlungen, Häusern und Häfen angelockt, wie die Motten von dem Licht. Doch in den Hügeln war nichts als Wald, Felder und Klippen, unter denen sich die See staute.

Harmonie wieherte aufgebracht, teilte ihrer Reiterin drängend mit, dass sie weg von hier wollte, sofort. Ungeduldig blähte sie ihre Nüstern, als wittere sie irgendetwas, was der Stute offensichtlich nicht behagte, denn sie schaufelte mit ihrem rechten Vorderbein durch die Luft und kratzte mit ihrer Hufe ungeduldig über den Boden.
weg, weg, weg!

‚‚Wen haben wir denn da?!"
Fiona zuckte erschrocken zusammen.
Mit klopfendem Herzen schnellte ihr Kopf in die Richtung aus der die Stimme gekommen war und sah zum Eingang, zwischen dessen Balken plötzlich ein Mann stand, mit zerklüfteter Kleidung und einem Schwert in der Hand.
Zwischen ihnen lagen bestimmt zwanzig Meter und doch erkannte Fiona die Spitze des Schwerts, wie sie bedeckt war mit Blut. Täuschte sie sich nicht, tropfte es sogar zu Boden.
Der Mann leckte sich über die Lippe, als er die Gouvernerstochter gierig musterte, die sich nur reflexartig und voller Furcht versuchte hinter ihrem Pferd zu verstecken, kräftig am Zügel zerrte, sodass die Schwarze zwischen ihnen zum Stehen kam.
Er grinste bloß breit in sich hinein, als er den Schrecken im Gesicht der Frau erkannte und wie die gleich darauf die Arme um den Hals ihres Pferdes schlang und sich tatsächlich noch zu retten versuchte.
Ein jämmerliches Schauspiel bot sich ihm.

Verzweifelt und voller Adrenalin versuchte sie aus dem Stand heraus ihre Beine über den Rücken von Harmonie zu schwingen. Mit ihrer rechten Wade klammerte sie sich am Widerrist fest, während ihre Arme sich am Mähnenkamm der Stute hochzuziehen versuchten. Ihr linkes Bein drückte sich gegen den Bauch, sodass Harmonie die Ohren anlegte und in einen flotten Trab fiel; das andere Ende der Scheune ansteuerte.
Sie spürte ganz deutlich Fiona an ihrer linken Flanke hängen und wie diese sich hoch auf ihren Rücken zu kämpfen versuchte, nicht loslassen wollte und ihren holprigen Herzschlag, der Harmonie in Aufruhr brachte, Gefahr Gefahr, und wild mit dem Schweif um sich schlagen ließ, fast so, als wolle sie diese unbekannte Gestalt am anderen Ende des Stalls verscheuchen.
Ihre Beine wollten gerade in einen flüchtenden Galopp wechseln, als sie plötzlich mit einem kräftigen Ruck stehenblieb und sich erschrocken auf die Hinterhufen stellte, sich aufbäumte.
Fiona verlor sofort den Halt und fiel zu Boden, als sich Harmonie ruckartig auftürmte und wild mit ihren Vorderbeinen schlug, so als müsse sie sich schützen oder so als versuche sie sich zu verteidigen.

Auch auf dieser Seite der Scheune stand plötzlich ein Mann.
Er kam wie aus dem Nichts und hatte sich mit winkenden Armen unerwartet vor die Stute geschmissen und das Tier damit so verängstigt, dass es sich zu schützen versuchte.
Ächzend schlug Fiona sich ihr Kinn am Stein auf, hielt sich mit einer Hand die Wunde, aus der stark Blut floss.
Der Fall war nicht tief, doch sie war ungünstig gelandet. Mit ihrem Kinn voran, sodass sie kurz bunte Punkte sah, als sie blinzelte.
Stöhnend setzte sie sich auf, immer noch mit einer Hand an ihrem Kinn, während das Blut tröpfelte und in das Weiß und Hellblau ihrer Röcke sickerte.
Sie wusste nicht, ob es nur des heftigen Aufpralls wegen war oder ob dort wirklich ein kahlköpfiger Mann stand, kugelrund und ebenfalls in verschmutzter und zerrissener Klamotte, so hässlich wie aus einer Gruselgeschichte.
Er bäumte sich auf, versperrte somit den Fluchtweg und in seiner Hand blitzte eine Pistole, dessen Lauf direkt zwischen Fionas Augen zeigte.
Piraten.

Die vielen Röcke raschelten, als Fiona ruckartig über den Boden kroch, kaum besann sie sich wieder. Schutzsuchend und schnell wie der Blitz robbte sie rücklings in eine offene Box, versteckte sich hinter dem Holz, wohl wissend, dass es längst zu spät für sie war. Sie zuckte erschrocken zusammen, vergrub gleich darauf ihr Gesicht in ihren Handinnenflächen, als ein Schuss sich löste und gleich darauf die Hufen ihrer Stute durch die Gasse hallten, weil diese flüchtete.

Die Piraten lachten gemeinsam, als der Dicke wild mit der Pistole umher wedelte und dem Pferd, was bereits in der Dunkelheit verschwand, eine Warnung hinterher grölte. ‚‚Ja, lauf du nur! Du dummes Vieh!"
Ragetti durchquerte die Scheune und kam Pintel entgegen, deutete dann auf die offene Stallbox, in welche sich die Dame mit den vielen Röcken in letzter Not geflüchtet hatte. Geschickt, denn die Kugel wäre direkt zwischen ihren Augen eingeschlagen.

Ganz stolz zeigte er in die Richtung, grinste breit, solange, bis Pintel ihm den Griff seiner Pistole gegen die Schläfe donnerte.
Er hatte sie doch selbst gesehen und brauchte keinen Wegweiser. Idiot.
Schmollend rieb sich Ragetti in kreisenden Bewegungen über die Schläfe, während Pintel ganz langsam auf die Box zuschlich, etwas amüsiert darüber, dass sie weiter Katz und Maus spielten. Doch leider wusste die Katze bereits, wo sich die Maus verkrümelte.
‚‚Wir wissen, dass Ihr hier seid, Püppchen!"
Pintel konzentrierte sich auf das Stroh vor seinen Füßen und legte sein rechtes Ohr an das Holz, um zu lauschen.
Nichts rührte sich. Er hörte noch nicht einmal ein Wimmern.
‚‚Kommt raus und wir versprechen Euch, dass wir Euch auch nichts tun!"

Mit einem verwirrten ‚‚Hä?" stolperte Ragetti hinter Pintel her, der sich nur mit dem Zeigefinger auf den Lippen zu ihm umdrehte und gleichzeitig die Augen verdrehte.
Idiot.
Ragetti verstand endlich und kicherte dann fröhlich in sich hinein, sodass es Fiona nicht unbemerkt blieb.

Sie wusste, dass die Piraten sie belogen. Sie würden ihr sehr wohl etwas antun.
Ihr wurde ganz flau im Magen, als sie das Gesicht hob und ihre zitternden, blutverschmierten Hände hinab ins Stroh sinken ließ. Stoßgebete sandte sie gen Himmel, dass irgendetwas sie retten vermochte, genauso, wie das Pferd geschickt wurde, um eine von ihnen zu retten.
Sie dachte an ihre geliebte Mutter, die einst von Piraten so grausam ermordet wurde und sich nun womöglich im Grab umdrehen vermochte, weil das gleiche Schicksal ihrer Tochter ereilte und dann dachte sie auch daran, dass selbst ihr nicht von den Göttern geholfen worden war.
Gab es denn dort oben überhaupt einen Gott, wenn Menschen so grausam ermordet werden konnten oder lag das Schicksal dann in den eigenen Händen? Musste man wirklich um das Leben kämpfen?

Sie schrie, als etwas ihren Oberarm packte und schrie gleich noch ein weiteres Mal, viel greller, weil Ragetti durch das Stroh gestolpert kam und sich grinsend vor ihr aufbäumte, mit einer so verzerrten und hässlichen Grimasse, dass Fiona die Augen zusammenkniff.
Pintel zerrte derweil so kräftig an ihrem Oberarm, dass er ihr diesen gebrochen hätte, wäre sie einfach weiter dort unten sitzen geblieben. Sie kippte zur Seite weg und robbte auf Knien aus der Box, zurück in die Stallgasse, wirkte plötzlich so jämmerlich, wie sie direkt vor den Füßen eines Piraten kauerte. Der Dicke kniete sich mit zu ihr hinab und ergötzte sich an der Schwäche der Frau.

Er ließ ab vom Oberarm und griff stattdessen unsanft unter ihre Kehle, störte sich nicht an ihrem Blut, was dort auf seinen Handrücken tropfte. Würde kaum auffallen neben dem anderen Blut dort auf seiner Haut.
Er hörte sie wimmern, als sie mit aufgerissenen Augen in sein Gesicht starrte und nach Luft japste, doch er glotzte ihr nur ungehalten in den Busen, gaffte, was sie nur noch lauter wimmern ließ.
Ragetti stieg hinter die Frau, griff nach ihrem Zopf und zerrte so brutal daran, dass sie ihren Kopf in den Nacken warf. Kurz musterte er ihr Gesicht, vor allem die Augen die sie schon wieder zusammenkniff und dann ihr Kinn, dass noch immer blutete und wie sich das Blut bis zu ihren Lippen verschmiert hatte.
Zum Schluss lugte auch er in ihren Busen.

Erwartungsvoll, als könne er sich diese Frage nicht selbst beantworten, beugte er sich über ihre rechte Schulter hinweg und kam mit dem Gesicht ganz nahe an Pintel heran, der noch immer seinen Blick nicht von dem üppig Busen lösen wollte und sich bereits gedanklich über diese Frau hermachte, die sich unter ihm im Stroh wandte und wehrte.

‚‚Was machen wir nun mit ihr?"
Pintel, der bei dem beißenden Gestank von Ragettis Atem sofort alle Lust an der Frau verlor, setze sich ein dreckiges Grinsen auf, während er den Lauf der Pistole an die Schläfe der Frau hielt.
Pintel kicherte abermals fröhlich in sich hinein und erwartete den Schuss, runzelte gleich darauf die Stirn, als dieser wider Erwartung nicht kam.
Als läge Pintel unter einem plötzlichen Zauber, einem Bann, sank er die Pistole wieder gen Boden und starrte auf seine Hand, die etwas so wertvolles bedeckte, wie er es zwar aus aller Munde gehört, doch selbst nie etwas Derartiges mit seinen eigenen Augen gesehen hatte. Egal wie viele Städte sie schon geplündert hatten oder Schiffe versenkt.
Während Pintel den Kopf schräg legte und sich eine Sehnsucht in seinem Gesicht ausbreitete, ließ Ragetti hastig von der Frau ab, um rüber zu hechten und sich neben seinem Komplizen niederzulassen.
Er wollte selbst sehen, was dort so wild funkelte.

Die Wurstfinger von Pintel rieben die großen, runden Perlen zwischen den Fingerkuppen, die so atemberaubend glänzten und im Licht des Kerzenscheines reflektierten, dass er seinen eigenen Augen nicht länger traute. Sie schimmerten, mussten eine Fälschung sein, bloß ein Imitat.
Seine Finger versuchten diese hübschen Dinger zu zerdrücken, doch waren sie nicht wie geglaubt hohl von innen, sondern so fest wie ein richtiger Stein, aber auch so glatt wie Glas, doch weit wertvoller als Gold...
Nachdenklich runzelte Pintel die Stirn.
‚‚Sieh' mal!" Ragetti spielte nun an dem Ohrläppchen der Frau herum, wo er die Ohrringe entdeckte und es ebenfalls wild funkelte und zu klimpern begann, als Ragettis Finger durch die Steinchen streichelten, immer wieder und das so zaghaft, als würden diese zerbrechen bei zu viel Druck oder zu Staub zerfallen.
Das Grinsen der Beiden erstarb, stattdessen wirkte Pintel eher verblüfft, grübelnd und selbst in Ragettis Kopf schien es zu rumoren.
‚‚Sag mir deinen Namen, Püppchen..." Noch immer streichelte Pintel über die Perlen hinweg, hielt auch seine Augen weiter an ihnen fest. Mochte es das schwache Licht sein, doch Fiona glaubte zu sehen, dass sich seine Pupillen weiteten und dunkler wurden.
So selten und wertvoll... So wertvoll.

Fiona biss sich auf die Zunge und starrte abgewechselt in die Gesichter der Piraten. Sie spürte Finger an ihrem Hals und an ihren Ohrläppchen, die glühten und ganz schwitzig waren.
‚‚Sie sind die Gouverneurstochter, Miss Swann! Hinter Ihnen sind die Piraten her, nicht hinter mir!"
Plötzlich erinnerte sich Fiona an die Worte ihres Zimmermädchens, ihrer Freundin und erst dann begriff sie.
Sie sagte kein Wort.
Verärgert rümpfte Pintel die Nase, knurrte sie regelrecht an, während er weiter die Perlen streichelte.
,‚Sag mir deinen Namen, Püppchen!"
‚‚Fiona..." Die eingeschüchterte Frau quiekte kurz, als Pintel dieses Mal die Pistole so unsanft gegen ihre Schläfe presste, dass es schon weh tat und einen fiesen Abdruck auf ihrer Haut hinterlassen würde.
‚‚Fiona, wer?!"
Das Holzauge in Ragettis Augenhöhle drehte sich knirschend nach links und rechts, während er dümmlich gackerte und die Ohrringe abermals zum Klimpern brachte. ‚‚Völlig egal," Säuselte er begeistert, ‚‚Wir haben einen Schatz gefunden, der zwei Beine hat!"
‚‚Ragetti," Abermals verdrehte Pintel die Augen, sah zumal schräg zum Holzauge rüber, ‚‚Das Püppchen hier bringt uns dahin, wo es noch mehr davon gibt!"
Fionas Unterkiefer verspannte sich, als Pintel mit der Hand wieder ihre Kehle packte und mit dem Lauf der Pistole über ihre Wange strich.

‚‚Fiona... Swann..." Flüsterte sie dann, während sie jeden Augenblick mit einer Kugel rechnete, die ihren Kopf zerspringen lassen würde. ‚‚Swann... Swann..." Nachdenklich wiederholte Pintel diesen Namen den er irgendwo schon einmal gehört hatte, kam jedoch nicht drauf. Ragetti hingegen jauchzte laut und klatschte aufgeregt in die Hände.
‚‚Die weißen Perücken! Oben im Schloss! Die Rockträger!"
Pintel verstand sofort.
‚‚Ahhh," Grinste er, ‚‚Du bist also eine Prinzessin."
‚‚Die Tochter des Gouverneurs." Verbesserte Fiona ihn kleinlaut, piepste es regelrecht.
‚‚So, so," Prompt stieß Pintel Ragetti mit dem Ellbogen in die Seite, ‚‚Das Püppchen des Gouverneurs!"
Ragettis Lachen klang wie eine Krähe, als er endlich von den Ohrläppchen abließ und stattdessen seine beiden Hände auf Pintels Oberarm verankerte.
‚‚Sag ich ja! Ein Schatz auf zwei Beinen, ja,ja!"
Die Hand um Fionas Kehle löste sich und erneut schnappte sie nach Luft. Sie hustete, während sie beobachtete wie die beiden Piraten untereinander einen vielsagenden Blick austauschten.
Fiona schauderte, als beide dann plötzlich gleichzeitig in ihre Richtung zwinkerten.

Ihre Beine waren wie gelähmt, als Pintel sie an den Armen auf ihre Füße zog, wie eine Marionette und dabei knurrte ‚‚Ohne Theater zu machen wirst du uns folgen!"
Überfordert schüttelte Fiona ihren Zopf, während sie die plumpe Nase in dem Gesicht des Piraten musterte und den kläglichen Rest seines verklebten Haars, dass ihm an beiden Seite runter hing.
Es wirkte auf Fiona ganz so, als habe man es einfach vergessen.
‚‚Wo bringt ihr mich hin?!" Sie klang beinahe gebieterisch, wie eine scharfe Zunge, denn sie vergaß mit einem Mal die Situation und die Gefahr. Sie hatte eben noch mit dem Tod gerechnet und nun wollten sie sie mitnehmen.

Ragetti klemmte sich als Antwort unter ihren freien Arm, als wolle er sie geleiten, doch sie versuchte ihn bloß abzuschütteln, so dumm wie sie war. Er wirkte beleidigt, als er die Unterlippe vorschob und seinen Komplizen musterte.
Pintel haderte nicht lange und schlug der Frau mitten ins Gesicht. Seine Faust donnerte gegen ihr linkes Auge und sie fiel erneut an jenem Abend zu Boden.
Dieses Mal blieb sie liegen.

Der Schlag war so kräftig gewesen, dass es Fiona von den Füßen riss. Sie spürte nur noch einen stechenden Schmerz, irgendwo in ihrem Gesicht, danach kalten Boden.
Sie nuschelte benommen, irgendein unverständliches Wirrwarr, als Pintel sich achselzuckend nach ihr bückte.
‚‚Ich hatte gesagt, mach kein Theater."
Sie spürte wie sie zwei Hände packten, vom Boden hievten und dann über eine Schulter warfen, wie einen Mehlsack. Sie hörte auch noch Ragettis Gemaule, während sich hinter ihren Augenlidern bereits die verrücktesten Formen zeichneten, in den verschiedensten Farben und Größen, bis ihr Körper ganz schlaff wurde...
‚‚Hättest es auch angenehmer haben können..."

♒︎♒︎♒︎

Guten Abend!,

Glaubst du mir, dass ich die letzte Woche jeden Tag an diesem Kapitel geschrieben habe? Einmal habe ich sogar aufgegeben und war eingeschnappt... *lach*
Ach herrje... Ich konnte mich einfach nicht in dieses Kapitel hineinversetzen... Ich hoffe trotzdem, dass du Spaß dran hattest.
Vielleicht kennst du das ja, wenn einfach nichts gescheites aus dir raus kommen will.^^
Trotzdem habe ich es schreiben müssen, damit es weiter geht. So langsam näheren wir uns auch den Teil der Spaß macht!^^
Es ist 21:56 und ich mir fällt ein richtiger Stein vom Herzen. Hochgeladen, endlich, Puh.

Das nächste Kapitel folgt in den nächsten Tagen... Ich bin gespannt was du davon halten wirst... Oder ob du schon eine Idee hast, was passieren könnte...

Bis denne, popenne!
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