Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Versprochen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Captain Jack Sparrow Lord Cutler Beckett OC (Own Character)
19.03.2020
25.07.2020
6
42.416
5
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.03.2020 10.684
 
[Für das Feeling: https://www.youtube.com/watch?v=Y4KX-owEk98&t=3119s]

(Kleine Warnung von mir vorweg: Ich bin ein riesen Fan von langen Kapiteln, weswegen du es dir ruhig gemütlich machen kannst... Es wird ein gutes Stück zu lesen geben... *lach* Ach und außerdem: Mein ,,Fluch der Karibik - Universum" ist etwas anders, als wie in den Filmen..., so, jetzt viel Spaß beim Lesen! *Mikro fällt*)

♒︎♒︎♒︎


Don't you dare look out your window, darling, everything's on fire, the war outside our door keeps raging on


‚‚Miss Swann," Lächelnd machte Eva einen Knicks vor der Gouverneurstochter, ‚‚Bitte denken Sie heute an Ihren Schönheitsschlaf. Sie brauchen Ruhe."
‚‚Eva!", Miss Swann lachte auf, konnte es sich jedoch nicht verkneifen, tadelnd mit den Zeigefinger zu wedeln, ,,So oft habe ich dir schon gesagt, dass wir Freundinnen sind." Lächelnd schüttelte Fiona den Kopf, nahm dann einen großen Schluck ihres Saftes und bedachte ihr Zimmermädchen, was sie schon lange nicht mehr als ein solches ansah, mit einem warnenden Blick.
,,Verzeihung, Miss...- Fiona..." Überfordert schlug Eva ihre Hände über den Mund zusammen.
Es fühlte sich für sie noch immer falsch an, nach all den Jahren des Dienstes, die Förmlichkeiten außer Acht zu lassen.
,,Miss Fiona..." Amüsiert äffte die Gouverneurstochter ihre Freundin nach, grunzte sogar auf, als sie sah, wie überfordert Eva doch gleich schien. Sie stellte ihren Saft beiseite, erhob sich aus dem Sessel und nahm ihre Freundin dann ohne ein weiteres Wort in den Arm.
Sanft streichelten sich die beiden Frauen über die Rücken.

Fiona hatte neben ihren täglichen Pflichten nicht sehr viel Zeit für Freundschaften. Es war schwierig in ihrer Position überhaupt welche zu schließen. Sie wurde immer als die Tochter von Weatherby Swann gesehen, welcher wiederum sich so sehr um seine Tochter sorgte, dass er diese kaum aus den Augen ließ.
Die Tochter des Gouverneurs, die so viele Aufgaben und Pflichten hatte... Manchmal sehnte sie sich einfach nur danach, ihre Füße in die See zu tauchen und ein paar Sonnenstrahlen zu genießen. Am liebsten mit einer Seele, die ihre Gedanken verstehen konnte. Mit einer Seele die sich auch mal traute, sie ins Wasser zu schubsen, ohne danach Sorge zu haben, in Handschellen gelegt zu werden.
So war es doch umso schöner, dass Fiona sich so gut mit ihrem Zimmermädchen verstand. So viele Jahre schon und so oft hatten sie zusammen gelacht. Umso schwerer schien es jedoch, jene davon zu überzeugen, sie endlich dementsprechend zu behandeln. Sie mochte den Umgang nicht, den sie noch pflegte, obwohl es offensichtlich der Richtige für eine Gouverneursstochter war; doch Fiona fühlte sich dann manchmal mehr wie eine Aufgabe, als wie eine Freundin.

‚‚Also," Fiona löste sich von Eva und hielt sich sanft an ihren Schultern fest, ,,Ich möchte hinaus gehen, an die frische Luft. Begleitest du mich?" ,,Liebend gern," Setzte Eva euphorisch an, musste jedoch gleich darauf die Freude der beiden Frauen wieder stark dämpfen, als sie sich an ihre Aufgaben erinnerte, die noch alle vor ihr lagen und vor allem heute kein Ende nehmen würden, ,,Leider habe ich noch sehr viel Arbeit vor mir... Der Ball heute Abend...-" Seufzend unterbrach Fiona sie. ,,Ich weiß, ich weiß..."

Bevor Eva noch predigen konnte, dass Fiona lieber ein Bad nehmen und sich danach wieder ins Bett legen sollte, raffte sie auch schon ihren Rock, drehte sich um und rannte laut lachend aus dem Zimmer.
‚‚Fiona!" Eva hechtete ihr nur wenige Schritte hinterher, da sie ganz genau wusste, dass es nicht möglich war Fiona von ihrem Tun abzubringen und sie nicht weiterbrachte, würde sie die lachende Frau versuchen zu verfolgen. Also rief sie ihre einzige Bitte, auf die Zeit Acht zu geben und früh genug zurück ins Schloss zu kehren, hastig durch die Tür, in der Hoffnung, Gehör bei der Frau zu finden.
Fiona ließ bloß ein schallendes Gelächter durch das Schloss hallen, dass so ansteckend wirkte, dass selbst ihr stehengelassenes Zimmermädchen schmunzelnd den Kopf schütteln musste.

Stufe für Stufe sprang Fiona hinab, erreichte nach wenigen Sekunden die riesige Empfangshalle, in der zwei Soldaten in ihrer rot weißen Uniform stramm da standen und die Eingangstür bewachten. Neugierig hoben die Soldaten ihre Köpfe, sahen gleich darauf die Tochter des Gouverneurs und wie diese mit einem glockenartigen, erfreuten Gelächter die letzten zwei Stufen übersprang und direkt auf sie zugestürmt kam. Erschrocken hechteten beide dann zur Tür, um diese für die Gouverneurstochter zu öffnen; so wie es ihre Aufgabe war.
Kaum stemmten die Männer die Tür auf, schlüpfte Fiona auch schon an ihnen vorbei und warf bloß einen fröhlichen Dank über ihre Schulter.
Kopfschüttelnd, einer von ihnen musste ihretwegen sehr wohl Schmunzeln, sahen sie Fiona nach, die hinweg über den Kies rannte, unter dem Torbogen hindurchschlüpfte und dann irgendwo zwischen Garten und Straße verschwand.

Es war ein wunderschöner Tag.
Der Frühling hatte begonnen. Der Himmel war strahlend blau und nirgendwo war auch nur eine einzige Wolke zu sehen.
Die aller ersten warmen Sonnenstrahlen jenen Jahres hüllten Port Royal an diesem Morgen in einen Glanz, wie es das Land schon lange nicht mehr erlebt hatte.
Über all zwitscherten die Vögel, sangen ihre fröhlichen Lieder füreinander und ließen die junge Frau, die auf der sandigen Hauptstraße entlang spazierte, zufrieden die Luft genießen.
Möwen kreisten über ihrem Kopf, gaben Laute von sich und womöglich starrten sie auch zu ihr hinab, inspizierten sie. Schwalben, die nach Geäst für ihre Nester suchten, hüpften hier und da auf den Ästen der Bäume, die langsam anfingen zu blühen, herum oder rasten im Sturzflug durch die Luft.
Der Winter in den vergangenen Monaten war so eisig und kalt gewesen, wie noch niemals zuvor. Ersehnt wurde der warme Frühling; vom ganzen Land. Von Tier und Mensch.

Am Rand der Straße sah Fiona die ersten bunten Knospen, die bald sprießen und das Land in etwas mehr Magie tauchen würden. Im Sommer pflückte sie aus dem Schlossgarten immer die schönsten Blumen, verband diese zu einem prächtigen Strauß und dekorierte dann Zimmer für Zimmer. Sie galten beinahe schon als Tradition, die allerlei bunten Sträuße, die in den Zimmern des Schlosses von ihr verteilt wurden. Jedes Jahr.
Sie lächelte bei dem Gedanken, dass das Land langsam wieder auftaute.

Die Straße, die sie meistens nur mit einer Kutsche befuhr, da der Weg bis zum Schloss dann doch ziemlich lang war, hatte sie in kürzester Zeit überwunden. Ihre Sinne waren so geschärft gewesen, dass sie gar nicht weiter auf ihre Füße geachtet hatte und somit nicht bemerkte, wie diese immer mal wieder ihr Tempo wechselten. Mal hielt sie einen strammen Gang, mal fiel sie in ein leichtes Joggen, mal blieb sie sogar kurz stehen, um den Moment auf sich wirken zu lassen.
Sie ließ sich von ihrer sonnigen Umgebung einfach kopflos mitreißen.
Mitten auf der Straße war sie gelaufen, bis irgendwann der Sand unter ihren Füßen durch Pflasterstein ersetzt wurde, der das Dorf bettete.

Sie durchlief einen Torbogen, durch den selbst die größte Kutsche hindurch passte und der aus Metall gegossen worden war.
Die Hauptstraße und der erste Teil des Dorfes wurden eingezäunt, entweder von hüfthohen Steinmauern oder von Holzzäunen, hinter denen sich endlose Wiesen erstreckten und bald Rinder und Pferde grasen lassen würden.
Sie lief mit Schwung, euphorisch was der erste warme Frühlingstag wohl alles mit sich bringen würde und entdeckte auch schon die ersten Schwalben wieder, die dicht unter den Dächern der Bürger durch die Rinnen krochen und mit ihrem Fund ihre Nester anfingen zu bauen.
Als sie die ersten Häuser des Dorfes passierte, blieb sie kurz stehen, sog Luft in ihre Lungen und ließ schließlich ihren Rock wieder zu Boden fallen.
Sie war angekommen.

Noch hingen Bretter vor den Fenstern der meisten Häuser, um sich vor der nächtlichen Kälte zu schützen, aber bald wäre es selbst nachts so warm, dass überall die Fenster offen stünden und niemand mehr frieren würde. Einige Türen wurden geöffnet, um die frische Luft hineinzubitten. Neugierige Köpfe lugten dann aus den Rahmen hinaus, als die Dame mit ihren hohen Absätzen und aufgeplusterten Rock durch die Straßen spazierte. Ihre Schuhe klangen lange nach, vor allem in den engen Seitenstraßen, in denen sie eintauchte, sodass sogar einige Männer aus ihren Häusern gestolpert kamen, um die Dame herzlichst und natürlich mit einer Verbeugung, zu begrüßen. Sie sah auch einige Frauen, die begannen, draußen ihre Kissen und Betten auszuklopfen und Kinder, die endlich keine dicken Mäntel mehr tragen brauchten und sich gemeinsam darüber freuten, indem sie sich gegenseitig um die Hausecken scheuchten.

Der liebliche Duft von frisch gebackenem Brot stieg ihr in die Nase und auch der Duft von Räucherfisch, der sie augenblicklich daran erinnerte, bei ihrer Heimkehr zu Frühstücken.
Zeit hatte sie nämlich nur für ein Glas Saft gehabt, den Eva ihr ans Bett gebracht hatte. Kaum wurden die Vorhänge nämlich bei Seite gezogen und der Balkon geöffnet, das Zimmer durchflutet von der morgendlichen Meeresbrise, war die Frau auch schon japsend aufgesprungen.
Die Sonnenstrahlen die ins Zimmer fielen, lösten in der Frau sofort eine Heiterkeit aus, die sie ganz hibbelig werden ließ, denn sie liebte die Sonne.
Eilig hatte sie nach ihrem Rock gegriffen und war kurz davor gewesen, ganz ungemacht aus dem Zimmer fortzustürmen, dass Eva beinahe über ihre eigenen Füße gefallen wäre; vor lauter Schreck.

Sie tätschelte einigen Hunden den Kopf, kraulte die Bäuche zweier Katzen, die sich schnurrend um ihre Beine schlängelten, wich sogar dem einen oder anderen Huhn aus, dass durch die Straßen flitzte und ließ dann die Fassaden jener Häuser hinter sich, in denen Frau und Mann hausten, die sich etwas mehr Wohlstand leisten konnten.
Sie bog um eine Hausecke und gelangte in eine enge Seitenstraße, wo sich bereits eine handvoll fleißiger Männer tummelten und ihrer Arbeit nach kamen.

Scheunen standen offen, aus denen es qualmte, weil dort der Schmied die Hufeisen im Feuer formte. In einigen Scheunen wurde mit einem Hammer auf Metall geschlagen, Messer geschärft oder über den Boden gefegt. Mehrere Männer schnitzten Kopf an Kopf Angeln, unterhielten sich dabei über die letzten Tage und kauten auf irgendetwas herum.
Sie befand sich nun im unteren Bereich der Stadt, in welchen Gassen Handwerker und Händler den unterschiedlichsten Gewerben nachkamen und Bürger von ärmlicheren Verhältnissen, ihre Betten hatten.
Hier gab es Schmiede, Schneider, Waffenmeister, Bäcker, Köche, Tischler und natürlich die Fischer.

Sie lächelte beim Vorbeigehen den Männern zu, die mit großen Augen ihre Hämmer, Taschenmesser oder Zangen zu Boden sinken ließen und mit teilweise glühenden Wangen, die schönste Frau des Landes grüßten. Einige standen sogar ihretwegen auf, verbeugten sich und wünschten der Dame einen wundervollen Tag.
Sie kamen erst wieder ihrer Arbeit nach, als Fiona hinter der nächsten Ecke verschwand.

Sie empfand Mitleid für die Bürger, die teilweise in zügigen Scheunen nächtigen mussten, aber auch eine Dankbarkeit, dass sie trotz dessen zuverlässig das Land versorgten. Das täglich auf ihre Arbeit Verlass war. Sei es nun himmlisches Gebäck oder geschwungene Degen für die Soldaten.
Am liebsten wollte sie jeden Tag, jeden Einzelnen von ihnen, ihren ganz persönlichen Dank aussprechen.
Als Kind hatte sie es als ungerecht empfunden, dort oben in einem Schloss zu leben, während unten im Dorf Kinder in mehrere Jacken gewickelt werden mussten, damit sie im Winter nicht erfroren.
Sie hatte nur schwer begriffen, wie sich die Menschheit unterteilte und weinte ganz oft deswegen.

Sie hatte ein großes Herz, was für jeden Bürger der Stadt Port Royals schlug und sie tat alles, was in ihrer Macht stand, um diese Menschen zu unterstützen. Immer.
Sie kaufte von ihrem eigenen Geld viel Brot vom Bäcker, samt Kleingebäck und Torten, um diese Köstlichkeiten regelmäßig an die Menschen zu verteilen, die es sich in ihren Lebzeiten niemals leisten können würden. Sie unterrichtete Kinder, mit Wissen, von dem sie glaubte, es würde ihnen irgendwann einmal im Leben weiterhelfen.
Den Mädchen unter ihnen brachte sie die schönsten Zöpfe zu flechten bei und da es sie immer so erfreut quieken ließ, den ein oder anderen Tanzschritt.
Sie beauftragte die Waffenschmiede zur Herstellung ihrer aller besten Degen, damit sie mehr an ihnen verdienten, als wenn sie nur kleinere Taschenmesser herstellen würden. Sie setzte sich dafür ein, dass die Handelsgüter, die zwischen den Ländern transportiert wurden, gerecht untereinander aufgeteilt wurden und fast täglich, redete sie den Bürgern immer wieder gut zu, segnete sie, um ihnen seelischen Beistand zu leisten.
Vor ihnen lagen nun endlich lange, sonnige Monate, die viele Menschen aufatmen ließen. War der Winter erst einmal überstanden, blühte die Stadt auf.
Alles schien dann so einfach.

Still lag die See vor ihren Füßen, als sie auf einem der Stege zum Stehen kam.
Sie hatte den Hafen erreicht.
Der Hafen lag in einer Bucht, die Schutz versprach.
Er bat für Schiffe mit größerem Tiefgang keine Möglichkeit direkt am Kai anzulegen, weswegen bestimmt ein Dutzend der königlichen Schiffe, mehrere hundert Meter entfernt, Anker geworfen hatten. Sie lagen alle innerhalb der Bucht, so symmetrisch, dass es beinahe so wirkte, als gäbe es genaue Richtlinien.
Es führten genau fünf Stege auf das Wasser.
Ein ganz besonderer Kai, der ganz links lag, war für kleinere Briggs der Royal Navy reserviert; welcher dementsprechend auch fast rund um die Uhr bewacht wurde. An den zivilen Kais lagen mehrere kleine Schiffe und haufenweise Fischerboote.

Zu dieser Tageszeit war es noch ganz ruhig auf den Stegen.
Die Schiffe in der Ferne lagen nahezu unberührt da. Sie schienen sich nicht zu bewegen. Auch die kleinen Boote an den Anlegedocks bewegten sich nicht.
Fiona beobachtete das Wasser in der Bucht, wie es die Stege umkreiste und einfach ganz seicht da lag. Die Bucht war windgeschützt, weswegen es nicht selten war, dass sich hier drinnen die See kaum rührte.
Die kühle Meeresbrise streichelte durch ihr Gesicht und hier unten am Hafen bemerkte sie dann doch die Kälte der vergangenen Nacht, die nun unter ihren Rock zu kriechen versuchte. Sie fand es jedoch noch erträglich, ohne eine Jacke und entschloss sich dann dazu, die Stege weiter hinabzusteigen, bis zu einem kleinen Strand.
Dort angekommen ließ sie sich auf einem großen Stein nieder. Sie seufzte zufrieden, während sie einfach nur so da saß, in die Ferne zu den Schiffen starrte und die unterschiedlichen Segel musterte. Die See wirkte so sanft und klar, dass sie beinahe zu sich einlud, in ihr einzutauchen.
Ihre Hände betteten sich in ihren Rock, als sie ihren Gedanken nach hing.

Sie liebte dieses Land. Diese Stadt. Nie hatte sie etwas hinter den Mauern Port Royals gesehen und sie hatte es sich auch noch nie gewünscht. Ihre Welt spielte nicht auf der See, auch nicht auf fremden Inseln oder in fremden Städten. Nein. Ihr Leben spielte sich oben im Schloss ab. Hier unten im Dorf. Manchmal auch hier im Hafen.
Jedes Mal, wenn sie ein Kind sah, erinnerte sie sich an ihre Aufgabe, an ihre Pflichten und daran, wie sehr ihr dieses Land doch am Herzen lag.
Ihr Vater war hier aufgewachsen. Kennen und Lieben hatte er ihre Mutter gelernt, die zu jener Zeit ins Land eingereist war, um Kinder zu unterrichten.

Ihre Mutter, erinnerte Fiona sich sehr wehmütig zurück, hatte immer ihre Hand gehalten, egal wohin sie gegangen waren. Sie griff immer nach der Hand ihrer Tochter, führte sie, gab ihr somit Halt und das liebende Gefühl, niemals alleine zu sein.
Sie war so klein gewesen. So klein und gleichzeitig auch schon so groß, dass sie sich noch ganz genau an das Gesicht ihrer geliebten Mutter erinnern konnte.
Sie hatte grüne, stechende Augen gehabt, von denen ihr Vater immerzu geschwärmt hatte und es noch bis zum heutigen Tag an weiter tat; denn erben sollte sie ihre Tochter. Ihr Erbe sollte die Leuchtkraft ihrer Augen sein.

Sie hatte immer sehr streng geschaut, doch wenn sie gelächelt hatte, geriet ihr Gegenüber  ganz oft ins Straucheln.
Fiona hingegen hatte sehr weiche Gesichtszüge und es fiel ihr unangenehm schwer, eine strenge Facette zu wahren. So oft hatte sie schon vor dem Spiegel gestanden und geübt. Geübt, streng hinabzublicken.
Heute gelang es ihr schon besser und besser, doch sie lächelte einfach noch zu oft, um Ehrfurcht zu verbreiten.
Viel mehr war es ihr ansteckendes Lächeln, dass die Bürger um die Wette strahlen ließ und an schlechteren Tagen etwas Hoffnung schenkte und an kalten Tagen, Wärme.

Sie konnte sich an ihr blondes Haar erinnern und daran wie sie es immer hochgesteckt getragen hatte.
Ihr Gesicht hatte sie gerne zum Vorschein gebracht.
‚‚Verstecke dich niemals hinter deinem Haar.", hatte sie immer getadelt, während wertvolle Spangen ihre Strähnen verankerten.
Sie strahlte stets eine Souveränität und Eleganz aus, dass Bürger um Bürger ehrfürchtig vor ihr niederknieten. Sie war nicht die Königin, gewiss nicht, sondern nur die Frau eines, vom König ernannten, Gouverneurs und dennoch hatte sie Macht genug, um über dieses Land, Port Royal, zu entscheiden und ihrem Mann treu bei Seite zu stehen; komme was wollte.
Sie hatte durch ihr Auftreten und durch ihre vollkommene Liebe zu diesem Land, Herz für Herz gewonnen; mit dem dazugehörigen Respekt.
Ihr Vater erzählte gerne Geschichten über ihre Mutter und wie schwach er sich immer neben ihr gefühlt hatte.
,,Wenn sie einen Raum betrat," hatte er ihr einst ganz stolz erzählt, ,,Nahm sie ihn ganz für sich ein."

Leise seufzend löste Fiona ihre Blicke von den Schiffen und starrte nun zum Eingang der Bucht, die so breit war, dass bestimmt fünf Schiffe gleichzeitig durch sie hindurch hätten segeln können. Gänsehaut schlich ihr über die Arme, als sie an einem Felsbogen die drei ausgewaschenen Piratenskelette erkannte, die schon seit Jahren dort vorne baumelten und als eine deutliche Warnung all denjenigen gelten sollten, die als Freibeuter bekannt waren.
‚‚Piraten, seid gewarnt."

Fiona überkam ein kurzes Frösteln, während sie sich an den Tag zurückerinnerte, als einer der berüchtigsten Piraten seiner Zeit, den Tod durch den Strang gefunden hatte.
Calico Jack Rackhalm.
Wärmend rieb sich Fiona ihre Arme. Sie gruselte sich vor seiner bloßstellenden Grabstätte; hatte sie schon als kleines Mädchen.
Der Gedanke, dass seine Seele stets durch die Mauern des Schlosses geisterte und niemals seinen Frieden finden würde, hatte sie damals lange Zeit nicht schlafen lassen.
Kerze für Kerze war abgebrannt.
Das Kinderzimmer blieb fast jede Nacht erleuchtet.

Fiona erblickte das Licht, zu einer Zeit, in der sich ein Krieg anbahnte.
Alles begann mit einer ihrer Flotten, die Handelsgüter zwischen den Ländern transportieren und eines Tages Opfer eines Raubzuges werden sollten. Tagelang wurden die Schiffe der britischen Kolonie vermisst. Allesamt waren sie ausgeraubt, die Männer ermordet und die Schiffe anschließend versenkt worden.
Damals bahnte sich ein Krieg an, zwischen dem Königreich und den besagten Freibeutern, die unter keiner offiziellen Flagge segelten und aus aller Munde ‚‚Piraten" geschimpft wurden.

Piraten.

Nervös erhob sich Fiona, löste ihren Blick von den traurigen Skeletten und begann gedankenversunken ihren kleinen Strand auf und ab zu spazieren.
Ihr Vater belächelte sie immer dann, wenn sie verkündigte, sie würde hinab zu ihrem Strand gehen.
Ihr ,,Strand" war eine einfache, breite Sandbank, mit Palmen, auf welcher sogar vereinzelte Fischerboote strandeten und dennoch der Einzige, den sie jemals gesehen hatte und sehr wahrscheinlich auch jemals sehen würde.
Sie genoss das Knirschen unter ihren Absätzen und wie ihre hohen Schuhe vom Sand verschluckt zu werden schienen. Ihre Arme verschränkten sich hinter ihrem Rücken und es sollte aufbauend auf sie wirken, als sie ihr Gesicht in die warme Sonne hielt, dennoch ihren fürchterlichen Gedanken nicht entkam.

Damals wusste keiner, wie groß die Bedrohung wirklich war, die von den Piraten ausging. Doch als Schiff für Schiff geentert und ausgeraubt wurde und Port Royal irgendwann in einen Notstand geriet, da kaum noch Handelsgüter sie erreichten, schickte der König so viele seiner Soldaten der East India Traiding Company ins Land, wie es die Kapazitäten zuließen.
Mit unter den Soldaten kämpfte damals der Vater von Cutler Beckett, Jonathan Beckett, welcher sich zu jener Zeit einen hohen Rang und ein noch viel höheres Ansehen erarbeitete.

Bevor die Piraten aus dem Nichts auftauchten und das Land bedrohten, um dessen Reichtum und Güter, gab es zuvor nur den Gouverneur und ein Dutzend königlicher Schiffe, die friedlich über die See dahin segelten. Es herrschte kein Krieg, sondern nur der Auftrag, die Länder zu beliefern.
Kaum wurde jedoch auch das Letzte seiner Schiffe versenkt, brachen die Soldaten ins Land.
Sie besetzten alle möglichen Posten, erbauten Wachtürme und bildeten eine unüberwindbare, rot weise Mauer, die als Zeichen eines bevorstehenden Krieges gedeutet wurde.
Jonathan Beckett kämpfte mit an der vordersten Front und hatte kein Erbarmen, mit diesen Piraten. Schiff für Schiff wurde versengt, kamen sie dem Land zu nahe und der Gouverneur war, vor allem diesem einen Soldaten, zu einem solchen Dank verpflichtet, dass er ihn nur kurze Zeit später zum obersten Commodore ernannte. Er vertraute seinen Entscheidungen und behandelte ihn beinahe wie einen alten Freund.

Jonathan hatte einen Sohn. Cutler, so hieß er.
Er kam ins Land, als sich die Lage zu beruhigen schien und lernte von seinem Vater, den Umgang mit den Degen, doch vor allem die Piraten zu verachten und zu töten. Er lehrte ihm all das Wissen, was er benötigte, um aller Leben vor so fürchterlichen Gestalten verteidigen zu können.

In dieser schweren Zeit hatte sich Fionas Mutter um ihr Volk gekümmert. Angst suchte die Menschen heim, Hunger und Durst. Sie kümmerte sich um die Leute, beruhigte und segnete sie. Ihre Tochter hatte sie zu dieser Zeit, händchenhaltend, mit ins Dorf genommen. Jeden Tag.
Mit ihren zarten drei Jahren hatte sie entweder auf dem Schoß ihrer Mutter gesessen und ihr dabei zugesehen, wie sie den Frauen und Männern im Dorf beruhigend zuredete oder sie hatte sich hinter ihrem Rock versteckt, einen Zipfel gehalten, weil es sie damals verunsicherte, weshalb so viele Menschen von ihrer Mutter in den Arm genommen werden mussten... Oder so viele Menschen getröstet werden mussten.
‚‚Irgendwann wird das auch deine Aufgabe sein, Fiona."

Eines Nachts, es war eine sehr kalte und schwarze Nacht, kam ihre Mutter in das Zimmer gestürmt, rollte ihre Tochter in einen Haufen Decken und stürmte mit ihr auf dem Arm, aus dem Schloss.
Fiona konnte sich nur noch an den holprigen Herzschlag erinnern, da sie vor lauter Angst das Gesicht in die Brust ihrer Mutter gedrückt hielt, die um ihr beider Leben rannte.

Fiona, so klein wie sie einst gewesen war, hatte keine Ahnung, was in diesem Moment geschah, wie ernst die Situation war und wieso ihre Mutter eine solche Angst heimsuchte. Sie begann aus lauter Furcht zu weinen, woraufhin ihre Mutter kurz verharrte, ihrem Kind besorgt den Hinterkopf streichelte und versuchte, es mit flüsternden, gut zuredenden Worten zu beruhigen. ‚‚Mein Schatz," Hatte sie mit bebender Stimme geflüstert, ‚‚Mein lieber Schatz... Es wird alles gut. Psscht... Pscht..."
Verzweifelt hatte sich die Mutter in der Dunkelheit umgesehen. Viel Zeit hatte sie nicht mehr, dass dämmerte ihr. Ihr Kind hatte Angst und sie wusste, es würde nicht aufhören zu weinen, weswegen sie verzweifelt versuchte nachzudenken.

Plötzliche Kampfschreie der Soldaten, die versuchten eisern ihre Position im Schloss zu verteidigen, ließen die Mutter vor lauter Schreck zusammenzucken. Sie begann zu rennen, schlüpfte durch stachlige Rosenbüsche, während sie den Kopf von Fiona mit Decken und mit den Armen ihren restlichen Körper zu schützen versuchte.
Sie rannte die endlos scheinende Hauptstraße entlang, hinab bis ins Dorf, dass in Flammen stand.
Sie musste es nur zu der Hauptanlage schaffen. Zum Hafen. Dort lag ein Bunker, wusste sie.

Also stürmte sie die Straße entlang, in einer solchen Todesangst, voller Adrenalin, durch die ungewisse Dunkelheit.
Im Dorf angekommen zwang sie sich, nicht zu Boden zu schauen und dem Tod, der sich dort zu ihren Füßen ausbreitete, keine Beachtung zu schenken. Hier und da stolperte sie über irgendetwas, oder irgendwen, kam ins Straucheln, aber fing sich gleich wieder, hielt stets den Rest ihre Fassung und stürmte einfach weiter, fortan durch die Seitengassen. Es qualmte fürchterlich und die ganze Zeit hatte sie Angst, nicht schnell genug zu sein, irgendetwas würde in ihren Hacken hängen oder sie an der nächsten Ecke abfangen.

In der Ferne sah sie dann die Stege, die teilweise in Flammen standen und eine handvoll Soldaten, die gegen grässliche Ungeheuer kämpften.
Sie versuchte reflexartig den Kopf ihrer Tochter noch weiter zu bedecken, damit dieses fürchterliche Unheil nicht ihre Tochter prägen würde, drehte sich dann um und steckte sogleich ihre aller letzten Kräfte in ihre bebenden Beine, um den lodernden Hafen hinter sich zu lassen; weg von den Stegen und geradewegs in Richtung Bunker.
Im Hintergrund, irgendwo eine Straße weiter, schrie eine Frau qualvoll um ihr Leben, wurde gleich darauf von einem schaurigen Gelächter übertönt, der in Mark und Bein kroch und herzlichst amüsiert klang.

Gerade als sie die Gasse hinter sich ließ und bereits den dünnen Sandweg im Schein der Flammen erkannte, der sie paar Meter weiter sicher in einen unterirdischen Bunker führen sollte, zog ihr etwas den Boden unter den Füßen weg.
Ächzend fiel sie auf die Knie, verlor dabei ihre Tochter, die wenige Meter weiter aufgekommen war und nun vor lauter Schreck, oder auch Schmerzen, bitterlich anfing zu weinen.
Panisch drückte sich die Mutter wieder auf, griff nach ihrer Tochter, doch erreichte sie nicht.
Sie spürte einen brennenden Schmerz in ihrer rechten Wade, der ihr Bein betäubte, doch die Sorge um ihre Tochter trieb sie weiter voran.

Durch den Dreck robbte sie, es fehlten nur noch wenige Zentimeter, als etwas ihr Bein zu packen bekam und sie gleich darauf mit einem solchen Schwung von ihrer Tochter zerrte, dass sie hysterisch schrie.
Verzweifelt hatte sie damals versucht, um sich zu treten, sich irgendwie aus dem brutalen Griff zu wenden.
Panisch hatte sie sich zu ihrem Verfolger umgedreht, woraufhin sie abermals vor lauter Angst schrie, da dieses vernarbte Gesicht im Schein des Feuers, wie das Gesicht des Teufels schimmerte.
‚‚Na, na!", Hatte der Teufel sie damals ausgelacht, ‚‚Wo bleibt die Gastfreundschaft?"

Verzweifelt hatte die Frau versucht sein Holzbein zu treffen, um den Teufel womöglich ins Wanken zu bringen, doch dieser verzweifelte Versuch ließ besagten nur höhnisch, ja, beinahe schon mitleidig auflachen. Mit seinem ganzen Gewicht stellte er sich plötzlich auf den Knöchel der Frau, der unter dem Gewicht des Mannes laut knackte. Schmerzerfüllt schrie sie auf, hoffte, dass jemand sie hören würde. Sie retten würde. Ihre Tochter retten würde.

Die Schreie ihrer Mutter ließen das Kind instinktiv krächzen und weinen.
Nun wurde auch der Teufel auf das Bündel Decken aufmerksam, sah mehrmals zwischen den Beiden hin und her, bis er eins und eins zusammen zählen konnte. Nochmals lachte er düster auf, zog dann so euphorisch sein Schwert aus dessen Scheide, dass es laut zischte. Die Frau glaubte zu sehen, wie das vernarbte Gesicht gierig grinste.
‚‚Nein!", Flehend begann die Mutter zu stammeln, versuchte sogleich irgendwie nach hinten zu robben, stammelte dabei immer wieder ein flehendes ‚‚Nein! Bitte!".
Brutal stieß er das Schwert in den Brustkorb der Frau, noch bevor diese weiter um Erbarmen flehen konnte.

Kaum rammte sich das Schwert durch ihren Brustkorb, durchstach ihr Herz, drehte sich ihr Kopf mit aller letzter Kraft in die Richtung ihrer Tochter, die noch immer dort im Dreck lag und weinte.
Tränen liefen ihr über das bleiche Gesicht, kaum hörte ihr Herz auf zu schlagen. Ein letztes schmerzerfülltes Stöhnen hauchte ihr über die Lippen, in dem Moment, als plötzlich Jonathan Beckett aus der Dunkelheit auftauchte, mit erhobenem Degen und einem wütendem Kampfschrei; tapfer versuchte ihre Tochter zu verteidigen.
Das Letzte, was sie sah, war ein Soldat der ihre Tochter barg und mit ihr auf dem Arm hinab in den Bunker flüchtete.

Sie hatte ihre Mutter durch die Hand eines Piraten verloren.
Durch die Hand des Teufels selbst.

Zitternd holte Fiona Luft. Sie erinnerte sich nicht gerne zurück, an jene Nacht.
Immer dann, schien sie ihre Mutter noch einmal zu verlieren.

Trauernd neigte sie das Gesicht zu Boden, sank dann in sich zusammen, hinab in die Hocke. Schwitzend fuhr sie sich durchs Haar und versuchte ihre Gedanken wieder zu ordnen und ebenfalls ihre Tränen zurückzuhalten.
Eine unfassbare Furcht schnürte ihr immer dann die Kehle zu, kaum dachte sie zu lange über die Welt dort draußen nach. Zahllose Nächte hatte sie in ihrem Bett gelegen, sich geweigert ihre Augen zu schließen. Schloss sie die Augen, bedrohten grässliche Gestalten ihre Mutter oder brannten ihr Heim nieder. Sie litt unter starken Albträumen, die als kleines Mädchen große Auswirkungen auf ihr Weiterleben nahmen.
Sie fürchtete sich vor der Nacht.
Und sie fürchtete sich vor Piraten.

Nach dem Mord an ihrer Mutter wurde Port Royal niemals mehr so, wie es einst gewesen war.
Die Stadt wurde nur ganz langsam wieder aufgebaut, die Population erholte sich irgendwann, doch niemand würde diese Nacht jemals mehr vergessen.
Die Nacht, in der die Piraten den Krieg erklärten.
Diese Nacht nahm nicht nur ihre verehrte Mutter, sondern entfachte eine lebenslange Fehde, zwischen dem Königreich und den Piraten.

Ihr Vater litt bis zum heutigen Tag an einem gebrochenem Herzen. Es verging damals kein Abend, an dem Fiona ihren Vater nicht bitterlich hatte weinen hören.
Er war ein gebrochener Mann, in einem riesigen Schloss, in dem er sich viel zu oft allein gelassen fühlte.
Durch die fürchterlichen Albträume hatte Fiona oft mitten in der Nacht angefangen zu schreien, riss sämtliches Personal regelmäßig aus deren Schlaf und brachte ihren Vater jedes Mal erneut dazu, panisch in ihr Zimmer gestürmt zu kommen, dabei in größter Sorge um seine Tochter.
Irgendwann hatte er Fiona dann bei sich im Bett schlafen lassen – jahrelang.
So hatte er sich weniger allein gefühlt und sie endlich wieder etwas mehr Schlaf gefunden.

Später erzählte ihr Vater Geschichten über jene Nacht, als er der Meinung war, seine Tochter wäre nun alt genug, um besser zu verstehen.
Er legte ihr ans Herz, dass der Mord ihrer Mutter eine sadistische Tat gewesen sei, die nur der Teufel höchstpersönlich hinter sich hatte bringen können.
Die Gestalten, die damals über das Land herfielen, seien Piraten gewesen.
Piraten, die durch den Reichtum der Stadt angelockt worden waren.
Piraten, ohne Seele. Ausgeburten der Hölle. Piraten, die nur töteten und niemals begnadigten.
Ihr Vater hatte jedes Mal, wenn er über diese Piraten gesprochen hatte, die Hände seiner Tochter genommen und ihr durchdringend in die Augen geschaut.
‚‚Hüte dich vor ihnen, Fiona. Hüte dich vor den Piraten."

Was in den nächsten Jahren nach dem Anschlag geschah, lehrte die Frau, dass nicht nur sie Angst vor den Piraten hatte.
Die Grenzen des Landes wurden von dutzenden Soldaten kontrolliert. Jeden Abend und jeden Morgen wechselte die Schicht. Die Wachtürme blieben zu keinem Zeitpunkt mehr unbewacht, mehrere Schiffe patrouillierten die See und jedes Schiff was sich in einem bestimmten Radius bewegte und unbekannt war, wurde gekapert, die Besatzung inspiziert und fast immer gefangen genommen. Der Gouverneur gab frei, jeden Piraten zu erhängen, würde er sich zu nahe an das Land heranwagen. Jeden Piraten hängen, der eine Bedrohung für sie darstellte.
Also jeder Einzelne unter ihnen.
Kaum einer fühlte sich in Port Royals noch sicher.

Jonathan Beckett starb tapfer im Kampf, eines Tages, als abermals ein Schiff voller Piraten in den königlichen Wässern kreiste.
Zu dieser Zeit hatte die Piraterie noch die Oberhand. Viele Piraten verirrten sich im Königreich, viele waren kaum beeindruckt und einfach zu besessen von den Reichtümern, die sie glaubten in Port Royal stehlen zu können. Viele sahen es als Herausforderung oder als ein leichtes Spiel.
Jonathan Becketts Tod wurde gerächt, durch den Strick von Jack Rackham. Er war es, der den Commodore ermordete, einer der größten Piraten seiner Zeit und dessen Tod durch den Strang, flog selbst in die hintersten Ecken der besagten Piratenstadt Tortugas.
Sein Tod sollte die erste richtige Warnung an die Piraten sein und als Skelett sollte er fortan am Eingang des Hafens baumeln, um immer wieder daran zu erinnern.

Als Jonathan Beckett starb, wurde ihm zu Ehren eine Feier gehalten. Sein Sohn Cutler Beckett, im Alter von 14 Jahren, nahm stolz seinen Platz in der Navy ein. Er fuhr als halbes Kind zur See und kam irgendwann als junger Mann wieder.
Er kämpfte gegen die Piraten und stieg irgendwann im Laufe seiner Jahre durch seinen Mut und sein Ansehen, genau wie sein Vater zum Commodore auf.
Zu dieser Zeit war er erst 20 Jahre, als er den Offiziersdienstgrad angesteckt bekam. Sein Rang lag irgendwo zwischen Captain und Admiral. Genau genommen hatte er Befehlsbefugnisse, nicht mehr nur über ein einziges Schiff, sondern gleich eine aus mehreren Schiffen bestehende Geschwader. Er war wohl der Jüngste Commodore seiner, vielleicht auch aller, Zeiten.

Irgendwann hatte es die Navy nach all den Jahren der Verteidigung geschafft, sich einen Namen zu machen.
Pirat für Pirat wurde gehängt, immer mehr, da die Navy stetig an Zuwachs gewann und die Schiffe die Beckett befehligte, kein Erbarmen walten ließen. Port Royal hatte deutlich aufgerüstet, sodass jedes zweite Schiff, das über die See segelte unter königlicher Flagge stand.
Commodore Beckett kämpfte wie einst sein Vater vorne an der Front. Er segelte durch die verstecktesten Ecken des Landes und war immer auf der Suche nach Piraten.
Sein einziger Wunsch, sein einziger Sinn, der ihn im Leben antrieb, war die Auslöschung der Piraten. Hass kontrollierte diesen Mann, schon als Kind und der Rang als Commodore sollte nur der Anfang von etwas ganz, ganz großem sein.

Die East India Traiding Company war nicht mehr länger nur für den Transport von Gütern zuständig, sondern auch dafür berüchtigt, Piraten zu hängen.

‚‚Miss Swann?"
Erschrocken richtete sich die Frau aus ihrer jämmerlichen, zusammengekauerten Position auf und drehte sich mit großen Augen in die Richtung, aus der die besorgte Stimme gekommen war.
William Turner, der Schmied, stand auf dem nur wenige Meter entfernten Steg. Er hatte den Kopf schief gelegt und bedachte die Gouverneurstochter mit Fürsorge.
Die Farbe ihres Rocks, Marinenblau, hatte er schon von der Brücke aus, die Hafen und Dorf zusammenführte, entdeckt. Kurz hatte er sie beobachtet, um herauszufinden, ob sie die doch so seltene, morgendliche Ruhe genoss oder ob sie sich nach Gesellschaft sehnte. Kaum war sie jedoch hinab auf ihre Füße gesunken und sich beinahe verzweifelt durchs Haar gefahren, hatte er automatisch nach ihr gerufen. Jetzt, wo sie sich ihm zuwandte, erkannte er eine ungesunde Bleiche in ihrem Gesicht.
‚‚William," Lächelte sie bloß schmal, ‚‚Schön dich zu sehen."

Musternd besah sie sich den Schmied, der dort auf dem Steg stand und von dem sie ganz genau wusste, dass dieser sich um sie sorgte.
Sein braunes Haar hatte er zu einem Zopf gebunden. Er trug eine braune Jacke, über einem weißen, verschmutzten Hemd mit Kragen, welchen er bis oben zugeknöpft hatte. Sein Gesicht glänzte, durch den Schweiß. Er war wohl schon seit den frühen Morgenstunden am Schmieden gewesen, wie immer, und war nun runter an den Hafen gekommen, um sich durchlüften zu lassen.

Eine Vertrautheit bestand zwischen den Beiden, die Miss Swann jedes Mal bestätigte, indem sie ihn Duzte. Er konnte sich noch nicht einmal daran erinnern, ob sie ihn überhaupt jemals förmlich angesprochen hatte. So wie es auch ihr Zimmermädchen noch immer zu tun pflegte, war es auch an William, stets die Förmlichkeiten zu gebrauchen.
,,Die Freude ist ganz meinerseits, Miss Swann."
,,William," Tadelte sie auch dieses Mal, ‚‚Wir kennen uns doch schon eine halbe Ewigkeit. Es wird Zeit das du mich bei meinem Namen nennst."
‚‚Genau genommen tue ich die ganze Zeit nichts anderes, Miss Swann." William schmunzelte.
Kopfschüttelnd kam Fiona auf den Schmied zu, nahm dann dankbar dessen Hand entgegen, die als Hilfe galt, um galant dem Steg empor zu steigen.
‚‚Geht es... dir denn gut, Fiona?" William sah sich der jungen Gouverneurstochter nun gegenüber und konnte beinahe haargenau erkennen, wie die Bleiche nur sehr langsam aus ihrem Gesicht schlich. Er war viel mehr an ihre rosigen Wangen gewöhnt.
Sie schielte an ihm vorbei, suchte wohl irgendeinen Anhaltspunkt, bevor sie ihre Schultern straffte.
‚‚Natürlich."
Ihre Augen sprangen zwischen Williams Nasenrücken und ihrem gefundenen Anhaltspunkt hin und her. Neugierig folgte William ihrem Blick und als er in der Ferne die klapprigen Skelette ausmachte, nickte dieser nur wissend. Ohne die Frau weiter emotional zu bedrängen, wechselte er holprig das Thema.
‚‚Also," Er blickte zurück in ihr Gesicht, ‚‚Im Dorf gibt es schon sehr viel Aufruhe, wegen dem bevorstehendem Ball..."
‚‚Möchtest du kommen?"
Dankbar um den Themenwechsel strahlte sie in das Gesicht Williams.

William war kurz bevor der Krieg ausbrach, nach Port Royals gekommen. Auserlesen wurde er irgendwo mitten auf der See. Zwischen Schiffstrümmern, die zurückblickend, wohl die erste Warnung der Piraten darstellen sollten.
Ein erstes Zeichen ihrer Existenz.
Ein alter Schmied hatte sich damals seiner angenommen, als er ratlos nach Port Royal gebracht wurde. Er zog ihn auf, schickte ihn jedoch nie zur Schule, sondern ließ ihn für sich Arbeiten. Er lehrte ihm das Schmieden, hauptsächlich von Waffen.
William wurde einer der besten Waffenschmiede in ganz Port Royals.

Fiona war dem verwirrten Jungen damals nur durch Zufall über den Weg gelaufen, als sie mit einem Straßenhund gespielt hatte. Ihre Mutter befand sich zu diesem Zeitpunkt in der Bäckerei nebenan. Sie entdeckte William, als sie den Stock warf und nur beinahe Williams Stirn verfehlte.
Der Junge, der sich hinter einer Hausecke versteckt gehalten und das Mädchen heimlich beobachtet hatte, hob den Stock wortlos auf und schmiss ihn einfach zurück. Noch bevor der Hund reagieren konnte, war es wieder an Fiona, den Stock zu werfen. Es entstand ein lustiges Spiel, indem es darum ging, den Hund, der sich laut kläffend über diese Unterhaltung freute, nicht das Stöckchen fangen zu lassen.
Als Fionas Mutter aus der Bäckerei trat, hatte sie kurz innegehalten, um in Ruhe zu beobachten und zu genießen. Sie sah die zwei Kinder, wie sie lachend einen Stock hin und her warfen, bereits ins Schwitzen gerieten und einen kleinen weißen Hund, wie er schwanzwedelnd versuchte, dass Stöckchen zu fassen.
Es zauberte ihr sofort ein Lächeln auf die Lippen, als sie ihre Tochter so vergnügt sah.
‚‚Mutter!" Lachend war Fiona auf ihre Mutter zugestürmt gekommen und hatte ganz aufgeregt an ihrem Rock gezupft, während sie auf den fremden Jungen zeigte. Dieser kratzte sich bloß ganz verunsichert am Hinterkopf und hob dann die Hand zu einem zaghaften Gruß.
‚‚Ich habe einen Freund gefunden! Ich habe einen Freund gefunden!" Immer und immer wieder sprang ihre Tochter jubelnd im Kreis und freute sich. Lächelnd ging ihre Mutter dann auf ihren neuen Freund zu, kniete sich hinab zu Boden, woraufhin sich Fiona grinsend an ihre Seite kuschelte.
‚‚Wie heißt du, mein Junge?" Sie klang ganz lieb und zutraulich, als sie den winkenden Jungen musterte, der wie ein scheues Reh auf sie wirkte.
‚‚William," Stammelte dieser ganz brüchig, ‚‚William Turner."
‚‚Also, William Turner," Der Junge fühlte sich in ihrer Gesellschaft augenblicklich sehr wohl. Er hatte sie sofort entdeckt, als sie aus der Bäckerei gekommen war. Ihr Lächeln was sie den Kindern widmete, war ganz sanft und beruhigte den Herzschlag von William, der bereits ganz nervös anfing zu schwitzen. ‚‚Wo ist deine Familie?"
‚‚Mr. Brown, der Schmied."
Das Herz der Frau setzte für einen kleinen Moment aus. Dieser verunsicherte Junge, dessen Haar immer wieder in seine Augen fiel und der sich immer wieder unter diesem zu verstecken versuchte, war der Junge, den Jonathan vor wenigen Tagen aus dem Meer gefischt hatte. Ein Schiffbrüchiger.
Ihr Herz schlug schneller, bei dem Gedanken, dass das Kind keine Familie mehr besaß.
‚‚Was würdest du davon halten, William Turner, wenn du mit uns zusammen ins Schloss kommen würdest?"

William hatte als kleiner Junge viel Zeit im Schloss und mit Fiona verbracht. Auch Fionas Mutter hatte einen Narren an dem zukünftigen Schmied. Sie sorgte sich stets um ihn und gab ihm immer viel Brot, Früchte und Eier mit, die er Mr. Brown überreichen sollte, damit sie auch ja genug zu Essen besäßen. Das Schicksal jenen Jungens beschäftigte die Frau so sehr, dass sie sogar einmal mit dem Gedanken spielte, ihn offiziell in ihre Familie aufzunehmen. Durch die strengen Richtlinien, was das Blut des Adels anging, wurde der eingereichte Antrag jedoch, zu großem Bedauern aller, vom König verworfen.
Der Gouverneur war zu dieser Zeit sehr viel auf Reisen, weswegen die besondere Verbindung nur zwischen den Dreien bestand.

Nach dem Tod ihrer Mutter sahen sich die beiden Kinder immer seltener. Ihr besorgter Vater hatte kein Vertrauen mehr in die Welt, blieb für lange Zeit nur noch in seinem Schloss, ging zu dieser Zeit nicht mal mehr auf Reisen und ließ auch seine Tochter nur noch ganz selten hinunter ins Dorf.
So selten, dass die Freundschaft zwischen den Beiden zerbrach.
Der Tod von Fionas Mutter hatte auch den jungen William mitgenommen. Die beiden ratlosen Kinder fühlten sich alleine gelassen und das Beste wäre gewesen, sie hätten damals die trostlose Zeit miteinander verbracht, doch die Zeit nach dem Anschlag, zeichnete nur viel zu lange, eiskalte Tage, in denen jeder Überlebende die Schotten schloss. Für eine ganze Weile zogen sich die Bürger zurück in ihre Häuser; hatten fürchterliche Angst diese überhaupt jemals wieder zu verlassen.

Irgendwann wurde William groß genug, um die ersten eigenen Taschenmesser zu schnitzen, sodass er kaum noch Gedanken an seine alte Freundin verschwendete. Begegneten die Beiden sich jedoch auf der Straße, erinnerten sich beide zurück an die Spiele, die sie geliebt hatten zu erfinden und an die vielen Hunde, deren Bäuche sie gestreichelt hatten.
Sie erinnerten sich, wie sie Brot untereinander teilten und wie sie lachend durch den Schlossgarten getobt waren.

Begegneten sie sich, flammte eine alte Freundschaft zwischen ihnen auf, nach der sich beide Seelen insgeheim sehnten.

‚‚Du möchtest, dass ich zum königlichen Ball erscheine?" Etwas überfordert wirkte William, als er versuchte, dass breite Grinsen Fionas richtig zu deuten.
Ihr gefiel der Gedanke, dass sie einen alten Freund dort treffen könnte, der nicht so förmlich mit ihr umspringen würde. Jemanden, mit dem sie sogar lachen können würde.
‚‚Ich würde mich freuen.", beteuerte sie.
William setzte sich ein schmales Lächeln auf die Lippen. ‚‚Und ich werde mich bemühen."
Fast schon dankbar schaute Fiona dem Schmied ins Gesicht, setzte zumal an, so etwas in der Art zu sagen wie ‚‚Es wäre schon eine Ewigkeit her, dass sie sich oben im Schloss getroffen hätten", als William plötzlich mit dem Finger zum Hafeneingang zeigte.
‚‚Siehe dort!"
Erwartungsvoll folgte Fiona dem Zeigefinger Williams, der auf ein Segelschiff deutete, welches gerade dabei war durch die Bucht zu gleiten. Aus der Ferne erkannte Fiona wie bestimmt hundert Mann über das Deck huschten, weitere fünfzig jeweils eines der drei Segel einholten und irgendwann den Anker warfen.
,,Endeavour", das prachtvollste Schiff in ganz Port Royal, wenn nicht sogar im ganzen Land, wurde besegelt vom Commodore Cutler Beckett, der die letzten Monate in internationalen Gewässern unterwegs und somit eine ganze Zeit nicht im Lande gewesen war.
Die Endeavour war ein Linienschiff des ersten Ranges und ihr Vater hatte erzählt, dass der König die Soldaten der East India Traiding Company damals mit genau jenem Schiff nach Port Royal hatte segeln lassen, welcher Captain einst Jonathan Beckett gewesen sei.
Es brauchte nämlich circa 800 Mann, um so ein riesiges Schiff besegeln zu können.

Fiona staunte, als sie das Schiff aus der Ferne musterte.
Das Holz schimmerte grün und gelb und sie konnte sogar die Kanonenluken erkennen, aus denen um die hundert Kugeln gleichzeitig donnern konnten. Auf beiden Seiten.
Auf dem Deck herrschte solch ein Trubel, dass sie die Befehle die über das Deck gepustet wurden, beinahe klar und deutlich dort drüben an Land verstehen konnte. Sie sah wie nun auch das zweite Segel und anschließend das Dritte eingeholt und die Beiboote zu Wasser gelassen wurden, um die Besatzung an Land zu bringen.

‚‚Commodore Beckett scheint wieder im Lande zu sein."
Fiona schielte zu William, bei dem sie nicht sicher war, ob in seiner Stimme nicht doch ein Hauch von Missgunst schwenkte.
‚‚In der Tat."
Sie riss ihre Blicke von dem gewaltigen Schiff los, was nun einen riesigen Abschnitt der Bucht in Anspruch nahm und entdeckte die ersten Bürger, die aufgeregt über die Brücke geeilt kamen.
Die Ruhe an den Stegen war augenblicklich vorbei.
Hauptsächlich Männer waren es, die sich dort auf den Stegen verteilten und beim Anlegen der Beiboote fleißig zur Hand gehen wollten. Selbst einige Frauen konnte sie erkennen, die sich wiederum nur beeindruckt ans Herz fassten oder sich entzückt Luft zu wedelten.
Commodore Beckett genoss nur das höchste Ansehen in Port Royals. Die Frauen verehrten ihn.

‚‚Also," Fiona widmete sich wieder ganz William, dem ebenfalls der ganze Trubel an den Stegen nicht entgangen war, ‚‚Ich verlass' mich auf dein Wort. Wir werden uns heute Abend sehen."
‚‚Und auf die früheren Tage das Glas erheben?" Er hatte sich wieder ein Grinsen aufgesetzt und begleitete die Gouverneurstochter wenige Schritte, die sich ganz eindeutig wieder auf den Weg machen wollte, um zurück ins Schloss zu gelangen, womöglich noch bevor die rot-weiße Welle die Straßen flutete.
Er vermutete, dass die Ankunft des Commodores sie dazu ermutigte. Insgeheim wusste er nämlich, dass sie es liebte durch das Dorf zu spazieren und viele Stunden dort verbrachte, als sich die Zeiten für die Stadt erst einmal besserten. Er selbst hatte sie schon oft schon zufällig dabei beobachten können, wie sie Katzen und Hunde fütterte, dass ein oder andere Kind im Arm wog oder einfach nur die Stege entlang schlenderte und ihr Gesicht dabei genüsslich in die Sonne hielt.
‚‚Ja wohl. Auf die früheren Tage." Ein letztes Mal lächelte die Frau dem Schmied entgegen, bevor sie auf den Absätzen kehrt machte und sich vorsichtig über die Brücke und durch die anstürmenden Bürger schlängelte.

♒︎♒︎♒︎

Ein einfacher, junger Mann, dem sonst Staub im Gesicht und Öl auf der Hose schmierte, trug nun ein glattes, weißes Hemd, ohne jede Flecken. Es war in die schwarze Hose gesteckt worden, die sein Meister ihm geliehen hatte, mit den Worten ‚‚Mach' ja einen guten Eindruck, Bursch!"
Seine Ärmel waren hochgekrempelt und sein Kragen etwas aufgeknöpft. Sein Haar, was er sich sonst immer zu einem Zopf gebunden hatte, da es ansonsten nur bei seiner Arbeit störte, trug er ausnahmsweise mal offen. Er versuchte gelassen zu wirken, ertappte sich einige Male jedoch selbst dabei, wie er versuchte beim Trinken den kleinen Finger zu heben.
Zwischen all dem Adel fühlte er sich einfach fehl am Platz.
Er nippte in langen Abständen an dem langen Glas, dessen goldschimmernde Flüssigkeit viel zu schnell zu Kopf stieg.

Er war gerade dabei den Inhalt in kreisenden Bewegungen durch das Glas schwappen zu lassen, als ein beeindruckendes Raunen durch den ganzen Saal strömte.
Neugierig hob er den Kopf und entdeckte den Gouverneur am Fuße der Treppe, die am anderen Ende des Saals eine Etage höher führte. Er blickte empor, zu seiner wunderschönen Tochter, die in diesem Moment in einem blau-weißen Kleid die Stufen hinab stieg und den Saal für mehrere Sekunden innehalten ließ.
Das Erste was William und womöglich auch den meisten anderen Männern, sowie auch Frauen, im Saal auffiel, war ihre hochgebundene und enggeschnürte Taille. Durch ein Korsett, welches unter ihrem Mieder saß, wurde ihre Brust platt geschnürt und warf somit ein tiefes Dekolleté. Um ihren Hals funkelte eine einfache Perlenkette, von unfassbaren Wert.
Ihre Schultern lagen frei, doch ihre Arme steckten in einem samtigen weißen Stoff, der an ihren Ellbogen begann und gleichzeitig schützend ihre Finger einhüllte. Der weiße Stoff war mit Spitzen verziert, genau wie der Oberste ihrer Röcke. Sie trug mehrere Unterröcke übereinander, deren Farbe mehrere Male zwischen hellblau und weiß wechselten und die in lockeren Falten zu ihren Füßen hinab fielen. Außerdem trug sie ein Hüftpolster, dass die Frau noch schmaler und größer wirken ließ.
Ihr braunes Haar war hinten hochgesteckt und vorne hingen auf beiden Seiten mehrere lange Strähnchen runter, um unter anderem ihre stechenden Augen und glitzernden Ohrringe, die an beiden Seiten fadenartig herunterbaumelten und bei jeder Bewegung wild funkelten, in Szene zu setzen.

Galant vollführte sie einen Knicks, raffte dabei ihren Rock und schloss lächelnd die Augen. Gleich darauf schlüpfte sie in den angewinkelten Arm ihres Vaters, um über das Parkett geleitet zu werden.
Es dauerte nicht lange, bis Fiona auf ihren Ehrengast aufmerksam wurde.
Mit einem kurzen Wort an ihren Vater, löste sie sich und stolzierte, ein breites Lächeln auf den Lippen, einmal quer durch den Saal, um den Schmied in Empfang zu nehmen. Dieser schwenkte nur weiter unsicher sein Glas und genoss die wenigen Luftzüge der hereinbrechenden Nacht, die sich durch das offene Fenster in den Saal stahlen, zu welchem er sich zurückgezogen hatte. Er sah die Frau nicht kommen, hörte nur ihre Absätze, die ihn im richtigen Moment aufblicken ließen. Sie kam zum Stehen und begrüßte ihn mit einem heiterem ‚‚Du hast dein Wort gehalten."
‚‚Ich versuche immer mein Wort zu halten." Er begrüßte die Dame mit einer flüchtigen Verbeugung. Er wusste, dass sie ihn anhalten würde dies nicht zu tun, doch er wusste es besser, dass es sich in der Öffentlichkeit nun mal so gehörte.
Fiona schnappte sich ein Glas dieser prickeligen Brause, dass gerade auf einem Tablett durch die Gäste balanciert wurde und hob es William entgegen. Mit einem ‚‚Auf die früheren Tage" stießen die Beiden dann miteinander an und nahmen jeder einen kräftigen Schluck.
Fiona musste lachen, als William das Gesicht verzog. An den Geschmack musste er sich wohl erst noch gewöhnen.
‚‚Mein Meister trinkt nur alten Rum." Erklärte er sich, zugleich sollte es wohl auch als eine Entschuldigung dafür dienen, das Glas womöglich nicht auszutrinken.
‚‚Rum habe ich in der Tat noch niemals probiert. Ich denke, ich würde genauso reagieren."

Fiona und William standen lange dort am Fenster, nippten an ihren Gläsern und teilten Erinnerungen, über vergangene Zeiten. Sie lachten gemeinsam; teilweise sich sogar gegenseitig aus.
Irgendwann erinnerte sich Fiona zurück, wie William damals rücklings aus einer Kutsche geplumpst war; direkt in einen Haufen Pferdeäpfel. Beide mussten aufpassen ihre Gläser nicht zu verschütten, so herzlich lachten sie darüber.
William verlor augenblicklich das Gefühl des Fremdseins, als er in Fionas grüne Augen blickte und in ihnen, nur das kleine Mädchen sah, was ihm damals die Hand gereicht hatte, als er ganz dringend eine gebraucht hatte.
Er sah nicht diese wunderschöne, heranreifende junge Frau, die von allen Seiten mit großen Augen gemustert wurde, sondern seine Kindheitsfreundin, die mit ihm zusammen durch den Garten tollte und über ihre eigenen Füße stolperte. Er war sich sicher, dass er niemals etwas anderes in ihr sehen würde, als seine erste und einzige Freundin und dafür wäre er wohl für immer dankbar.

Fiona ging es genauso.
Das Lachen mit William fiel ihr so leicht und klang so unbeschwert, dass sie für einen Wimpernschlag zu vergessen schien, dass es auch eine Zeit, ohne William gegeben hatte. Sie ließ die aufkommende Trauer gar nicht erst zu, was sie William schuldete, der schon ganz nasse Augen bekam und trotzdem sich immer und immer wieder an etwas zurückerinnerte, was die Beiden damals zusammen erlebt hatten. Sie legte den Kopf schief und kam nicht drum herum, ihn reflexartig auf die Schulter zu hauen, weil er sich ganz frech über sie lustig machte.

‚‚Ich wäre entzückt, wenn ich mit Ihnen lachen könnte."
Das Lachen der beiden Freunde verstummte, als sich der erste Offizier James Norrington dazu gesellte und zum Prost sein Glas erhob. ‚‚Mr. Turner," Er nickte dem Schmied höflich zu, wandte sich danach mit einer ausholenden Verbeugung, die darauf bedacht war sein Glas nicht zu verschütten, an Fiona. ‚‚Miss Swann."
‚‚Guten Abend." Fiona vollführte einen raschen Knicks und gab sich dann allerlei Mühe, um den ersten Offizier in ihre vergangene Unterhaltung mit einzubeziehen.

James Norrington war wohl einer der treusten Männer, die der Gouverneur jemals an seiner Seite haben würde.
Er war schon vor Anbeginn der Kriegszeiten in Port Royal stationiert gewesen. Früher war er ein Soldat für die Royal Navy gewesen. Heute war er der erste Offizier der East India Traiding Company.
Er segelte mit auf der Endeavour und war ebenfalls, wie Beckett, Monate lang auf See unterwegs.
Die Beziehung zwischen der Gouverneurstochter und dem Offizier war nicht leicht zu beschreiben und noch viel schwerer zu verstehen.

Dadurch, dass James Norrington bereits ihr ganzes Leben irgendwie an ihrer Seite gewesen war, von klein auf, empfand sie ein wohliges Gefühl, eine Art Vertrautheit, immer dann, wenn er in ihrer Nähe war.
Nach dem Tod ihrer Mutter war er der Einzige, dem Gouverneur Swann noch vertraute. Es lag wohl daran, dass er nahezu der Einzige war, der noch von seinen Männern übrig geblieben war.
James half der jungen Fiona aus ihrer Trauer heraus, indem er ihr Gesellschaft leistete, als sie ganz dringend welche gebraucht hatte.
Er war da. Tag und Nacht.

Irgendwann als die East India Traiding Company das Land besetzte, ging auch er verloren.
Er segelte fortan für den neuen Commodore, der keine Zeit für James ließ, sich weiterhin um die Gouverneurstochter zu kümmern. Er sah sie fort an nur noch ganz selten. Viel zu selten.
Trotzdem war ihm in den vielen Jahren nicht entgangen, wie Fiona zur Frau heranwuchs.
Er entwickelte ein ehrliches Interesse, irgendwann um die Hand der Frau anzuhalten, die er doch auf einer merkwürdigen Art und Weise so auswendig kannte und doch wusste er: Er war chancenlos, durch seinen Rang.
Er wusste, dass nicht ihm die Hand Fionas gehören würde, sondern für jemand anderes bestimmt sei, weshalb er sein Interesse nie kund gab. Er behielt es für sich.
Fiona verstand nicht, warum sie immer nervös wurde, wenn sie James über den Weg lief. Sie hatte keine Gefühle für ihn, gewiss nicht. Er ließ sie nur irgendwie... Etwas anderes fühlen.

‚‚Das Letzte was ich wollte war Eure Unterhaltung zu unterbrechen," James wandte sich damit mehr zum Schmied, als zu Fiona, ‚‚Ich gehe davon aus, es gibt viel zu erzählen, wenn man sich lange Zeit nicht gesehen hat." Beim letzten Satz funkelte er in Fionas Richtung.
‚‚Gewiss." William pflichtete dem Offizier nur flüchtig bei, verkündigte dann, dass er sich noch ein weiteres Glas der Brause genehmigen würde, nur um dem Offizier eine Chance zu geben, in Ruhe das Wort Fionas zu suchen. Er schenkte noch ein Lächeln, bevor er sich dann von den Beiden entfernte, die ganz offensichtlich etwas zu besprechen hatten. Wusste aber, ein weiteres Glas würde er sich auf keinen Fall holen.

‚‚Es überrascht mich selbst, wie lange Sie dieses Mal auf See unterwegs waren." Fiona leerte ihr Glas und musterte den Offizier, der in seiner eleganten Uniform groß und stark wirkte.
‚,Ich habe irgendwann aufgehört die Wochen zu zählen." Geschickt stellte dieser sein Glas auf einem naheliegenden Tisch ab und hielt gleich darauf der schönsten Dame im Saal den Arm hin. ‚‚Würden Sie mir die Ehre erweisen und mir einen Tanz gewähren?"
Auch Fiona stellte ihr Glas ab, ergriff dann den Arm von Norrington und ließ sich wortlos in die Mitte des Saals führen.
Im Hintergrund zupfte eine Frau die Harfe und begleitete zwei Geigenspieler.

‚‚Verzeihen Sie mir bitte meine Aufdringlichkeit," Entschuldigte sich Norrington bei der Frau, während er seine rechte Hand zwischen ihre Schulterblätter legte, so sanft, dass Fiona sie kaum spürte, ‚‚Jedoch hörte ich, dass der Commodore bereits ein Auge auf Sie geworfen hat."
Seine linke Hand umschloss ihre Rechte und diente als Führung. Natürlich hätte er seine Hand auch um ihre Hüfte legen können, doch es gehörte sich nicht und das wusste er. Auch, wenn er dazu versucht war.
‚‚Sie haben immerhin ein Recht auf einen Tanz." Fiona sah zu ihm auf, in seine blauen Augen, die immer an die See dort draußen erinnerten.
Langsam bewegten sich die Beiden zum Klang der Musik, redeten so leise miteinander, dass keiner um sie herum auch nur eines ihrer Worte verstehen konnte, selbst, wenn er es versuche.
‚‚Sie waren immer ein treuer Freund." Fiona ließ absichtlich aus, für wen genau James immer ein treuer Freund gewesen war. Er reagierte bloß mit einem schiefen Grinsen auf den Versuch, seine Neugierde zu wecken. ‚‚Weatherby lag mir schon immer sehr am Herzen."
Kichernd drehte sich Fiona um ihre eigene Achse. Er hatte gut pariert.
‚‚Aus welchem Grund wollten Sie wirklich mit mir tanzen, James Norrington?" Das Fiona dem Offizier so eindringlich in die Augen starrte, brachte ihn bloß noch einmal dazu, die Frau wirbeln zu lassen. Er könnte sie die ganze weitere Nacht durch den Saal wirbeln lassen und sich dennoch niemals an ihrer Silhouette satt sehen.
‚‚Ich hatte einfach gehofft, ein letztes Mal das Wort mit Euch suchen zu können, bevor der Commodore mir diese Möglichkeit für immer verwehren wird." James sah der Dame fest in die Augen und versuchte ihre Reaktion richtig zu deuten. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen, was auf Fiona jedoch eher niedergeschlagen, als zufrieden wirkte. Sie wusste, dass es eine heimliche Anspielung darauf war, dass der Commodore sie begehrte. Vor einigen Jahren hatte er verkündigt, er würde irgendwann um ihre Hand anhalten und jetzt, wo sie in einem heiratsfähigen Alter war, schien es nur noch eine Frage der Zeit.

‚‚Nun ja," Fiona übernahm nun die Führung, indem sie die Richtung wechselte, ‚‚Solange wir miteinander tanzen, gehört Ihnen ganz allein das Wort." James passte sich ihren Bewegungen an, flüsterte zumal ein leises ‚‚Dann soll dieser Tanz doch bitte niemals enden." von den Lippen.
Die Röte die hinter Fionas Wangen schoss, blieb dem ersten Offizier nicht unbemerkt. Er schmunzelte in sich hinein und ließ Fiona abermals wirbeln.
Für einen kleinen Augenblick sagte keiner der Beiden mehr etwas.

Die Gouverneurstochter kam nicht drum herum sich zu fragen, was wohl wäre, wenn James der Commodore wäre und nicht Beckett. Sie fragte sich unweigerlich, ob ihr der Gedanke der Heirat dann immer noch so schwer im Magen wiegen würde und sie immer noch das Bedürfnis hätte, es so lange wie möglich hinaus zu zögern oder könnte sie sich sogar mit dem Gedanken anfreunden und sich womöglich freuen, einen Mann an ihrer Seite zu wissen?
Sie hatte stets viel von James Norrington gehalten. Er war ein stattlicher Mann, der ganz eindeutig Interesse an ihr hegte. Sie sah es in seinen Augen.
Sie wusste jedoch auch, dass er es niemals zugeben würde. James war ein Mann, der wusste, wann er verloren hatte. Zum Kämpfen hatte er leider nie die Möglichkeit bekommen. Er würde sich hüten, um die Hand von Fiona anzuhalten, da es nur Aufsehen erregen würde und die Klingen mit Beckett zu kreuzen, weigerte er sich. Beckett hatte schon jetzt zu viel Macht. Außerdem verband James eine alte Freundschaft mit Weatherby, die er nicht aufgeben wollte.

Da die Beiden ihren ganz eigenen Gedanken nachhingen, bemerkten sie erst viel zu spät, wie der Commodore durch den Saal stolzierte und mit erhobenem Kinn geradewegs auf sie zugesteuert kam. Erst als James durch Zufall in seinem Augenwinkel erkannte, dass er bereits auf dem Weg war, hielt er in seiner Bewegung inne.
Ein letztes Mal sah er in die Augen jener wunderschönen Frau und hauchte dann einen Kuss auf ihren Handrücken.
Zu gern wollte er etwas sagen. Er wollte ihr offenbaren, was er jetzt in diesem Moment fühlte, doch entschied sich dagegen. Er nahm nur die Flüchtigkeit jenen Moments war und die Tatsache, dass er niemals mehr tun könnte, als ihren Handrücken zu küssen.

Als Beckett neben den Beiden zum Stehen kam und beinahe schon aufdringlich um die Aufmerksamkeit Fionas bat, trat James sofort mehrere Schritte zurück, um so einen Abstand zur Frau zu wahren, welchen er eigentlich gar nicht wollte und ihm mehr als nur schwer fiel.

‚‚Miss Swann," Beckett klang ganz entzückt, als er sich rasch vor der Gouverneurstochter verbeugte, ‚‚Zu gern würde ich Sie nun um den nächsten Tanz bitten, doch fürchte ich, dass das, was ich Ihnen so dringlich zu sagen habe, nicht mehr länger warten kann... Also bitte ich nun um Ihr Gehör..." Als Unterstreichung seiner Dringlichkeit ließ er zwei Gläser klirren, die er mehrmals aneinander stieß. Augenblicklich wurde es ganz still im Saal, nur noch die Geigenspieler waren zu hören. Die Gäste versammelten sich um die Gouverneurstochter, in welcher bereits eine bitterliche Vorahnung keimte.
Als Beckett zu Sprechen anfing, entdeckte Fiona ihren geliebten Vater, der gegenüber von ihr zwischen den Gästen stand, sich zuvor wohl mit William unterhalten haben musste, da dieser sich direkt neben ihm befand.
Mit stolzer Brust grinste er zu seiner Tochter rüber, denn auch er ahnte, was gleich folgen würde.
William an seiner Seite wirkte eher teilnahmslos, so als wisse er nicht, was Beckett so dringend auf der Zunge brannte.

‚‚Ich weiß, wir alle haben uns hier versammelt, um unsere Wiederkehr zu feiern... Meine Gefühle die schwer auf meiner Brust wiegen, kann ich jedoch nicht mehr länger verdrängen..." Beckett stellte die Gläser beiseite und widmete seine Aufmerksamkeit nun gänzlich der Frau, die ihn bloß mit großen Augen ansah und insgeheim auf ein Erdbeben hoffte.
‚‚Miss Swann... Ihre Hand ist es, die ich begehre. Die ich schon damals begehrte. Schon, seit ich Sie das aller erste Mal sah."
Im Hintergrund japsten einige Frauen sehnsüchtig auf, fächelten sich Luft zu und wünschten sich spätestens jetzt, in der Haut der Gouverneurstochter zu stecken. Fiona hingegen, versuchte ihren Puls zu beruhigen und ihre Fassung zu wahren. Sie ordnete ihre Gedanken und kontrollierte ihren Körper, damit dieser auch ja an Ort und Stelle verharrte und nicht aus dem Raum stürmte, um einen Köpper in die See zu machen.

Insgeheim hatte sie doch gewusst, dass dieser Moment kommen würde.
Es gab in den letzten Monaten nichts anderes, was sie mehr erwartete, als den Heiratsantrag von Beckett.
Oft genug hatte ihr Vater das Wort mit ihr gesucht. Ihr ans Herz gelegt, würde dieser Moment kommen, indem Beckett ihr seine Gefühle offenbarte, sollte sie doch bitte das Richtige tun. Er hatte ihr oft genug vor Augen geführt, wie wichtig die Heirat mit einem stattlichem Mann war, der noch dazu, ein solches Ansehen genoss.
Als Tochter des Gouverneurs musste sie die richtige Entscheidung, auch für ihr Volk, treffen. Irgendwann würde Weatherby nicht mehr sein und dann war es an ihrem Ehemann, dass Volk zu leiten. Sie allein konnte es nicht.
Durch die ehemalige Freundschaft zu Jonathan Beckett und durch seinen treuen Dienst und waghalsigen Mut, war Weatherby davon überzeugt, die richtige Entscheidung zu treffen, wähle seine Tochter Beckett.
Er glaubte an Cutler Beckett.
Er glaubte fest daran, dass er seine Tochter glücklich machen und das Land gut beschützen würde.

Fiona schwindelte es. Das tat es immer, wenn sie über Beckett nachdachte.
Sie beobachtete ihn, wie er bereits hinab auf seine Knie sank, kurz davor, um ihre Hand anzuhalten, als plötzlich der ganze Saal vibrierte.
Erschrocken hielt Beckett in seiner Bewegung inne. Fiona suchte sofort den Blick mit ihrem Vater, der seinen Körper anspannte und zu lauschen schien.
Blitzartig wurden die Türen des Saals aufgerissen und zwei Soldaten kamen hineingestürzt. Sie zeigten zu den Fenstern, die abermals vibrierten und verkündigten dann das Unheil, dass sich in diesem Moment unten im Hafen abspielte. Sie waren völlig außer Atem und ihre Stimmen zitterten, als sie verkündigten, dass Piraten den Hafen bombardieren würden...

♒︎♒︎♒︎

Schlusswort:

UFF! Das war vielleicht eine schwere Geburt!In den letzten zwei Tagen saß ich so lange vor meinem Laptop und tippte, tippte, löschte, tippte und tippte... (09:00 Uhr morgens bis 20:00 Uhr abends)Nie war es gut genug (aber das bin ich ja schon von mir gewohnt). Ich wollte viel lieber eine Szene mit Jack schreiben, weiß aber, dass es nur länger hinausgezögert werden würde, bis DU dann diese Szene auch mal lesen kannst..., also biss ich mir in den Hintern. Eine Einleitung gehört einfach dazu. *Augen Roll*

Ich versuche dich, als meinen Leser, in die Welt mitzunehmen, was bedeutet, dass ich mir große Mühe gebe, damit du die Welt um Fiona und auch Fiona selbst erst einmal in Ruhe kennen lernen und vielleicht sogar, hier und da aus ihren Augen sehen kannst.
Es fiel mir besonders schwer die Charaktere vorzustellen und gleichzeitig ihre Vergangenheit zueinander zu erklären und dann auch noch die Geschichte von Port Royals!! (Die total von den Filmen abweicht, nebenbei gesagt^^)
In den nächsten Kapiteln geht es dann richtig los. Versprochen!

Schon zu Anfang wies ich darauf hin, dass meine ,,Fluch der Karibik - Welt" etwas anders ist... Wie ihr vielleicht schon bemerkt habt.
Beckett ist Commodore, kein Lord. (... Wartet ab)
& unser Norrington ,,bloß" ein erster Offizier, der dazu auch noch unter Becketts Hand segelt... Ohje...
Außerdem ist die Hintergrundgeschichte, wieso weshalb warum es zwischen den Piraten und der Royal Navy so scheppert, von mir so wild zusammen gesponnen worden, dass ich echt aufpassen musste, mich nicht zu verzetteln... Man, habe ich recherchiert... Aber weißt du was? Ich bin schon irgendwie Stolz. Und ich hoffe du bist es auch. Oder hattest zu mindestens Vergnügen beim Lesen!

Also,

Bis zum nächsten Kapitel! :-)
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast