Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Versprochen

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
Captain Jack Sparrow Lord Cutler Beckett OC (Own Character)
19.03.2020
25.07.2020
6
42.416
5
Alle Kapitel
9 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
19.03.2020 5.838
 
[Music: Tessa ~ Steve Jablonsky]

Prolog

cruel and cold like winds on the sea, will you ever return to me?


Das sich unten verkündigende Unheil wirkte surreal, ganz unschuldig und kaum bedrohlich, wie die Absätze der Pumps über den Asphalt schlurften. Eine Frau, ganz in weiß, mit langer Schleppe und einem Blumenstrauß in den Händen.
Die Bürger Port Royals sogen Luft ein, bedachten die stolzierende junge Frau mit feuchten Augen. Die Frauen unter ihnen fassten sich ans Herz oder drückten ihre Kinder an die Brust, träumten heimlich davon, sie zu sein.
Die Männer verbeugten sich oder standen ganz stramm und schmiegten die Dame an.

Es war die Tochter des Gouverneurs, die in diesem Moment in einem perlweißen Kleid über den Hof schwebte und begleitet wurde, von ihrem Herrn Vater, dem Gouverneur, der sie fest im Arm hielt.

Eilends hob sie  ihre Füße, wackelte mit den Zehnen ein wenig, um sie zu spüren.  
Sie stolperte schon die ganze Zeit. War einfach zu nervös.
Ihr Gesicht blieb verborgen, versteckt unter einem Schleier, welcher vorne über das Gesicht der Frau fiel und hinten so lang war, dass die Frau befürchtete, das Gewicht würde sie nach hinten ziehen.
Sie hatte doch sowieso schon das Gefühl, als käme sie keinen Schritt voran.

Es war ein Anblick, den die Bürger Port Royals niemals mehr vergessen würden.
Eine junge Frau, so schön wie eh und je, in einem perlweißen Brautkleid, eingehüllt von Tüll und Stickereien, welche in den Strahlen der Sonne anfingen wie wild zu glitzern und zu funkeln.
So etwas Schönes, wertvolles, hatten die Bürger schon lange nicht mehr gesehen und für einen ganz kleinen Moment, vergaßen sie all das Unheil auf dieser immer düster werdenden Welt und tauchten ein, in das vermeidliche Glück der Braut.

Der Gouverneur stolzierte mit aufrechter Brust und einem breiten Grinsen auf den Lippen neben seiner Tochter her, hielt ihr den Arm, ließ keine Sekunde von ihr ab.
Einige Male schenkte er seinen Bürgern ein dankbares Nicken, widmete sich dann jedoch wieder ganz seiner Tochter, die am ganzen Leib zitterte.
Mehrmals schielte er nach links, begutachtete sein einziges Kind, auf das er niemals stolzer hätte sein können, wie in diesem Moment.

Fiona so hieß sie.

Fiona war froh darüber, dass ihr Gesicht noch verborgen lag, denn so, gehörte ihr wenigstens noch dieser eine Moment. Sie hatte noch etwas Zeit, um ihre Gedanken zu ordnen und ihre Gefühle zu kontrollieren. Sie hatte Zeit, ihre Lippen beben und ihre Augen feucht werden zu lassen und Zeit, um sich fort zu wünschen.

Kaum war der Schleier über ihren Kopf geworfen worden, hatte sie ihr Gesicht zu Boden geneigt. Kurz sackten ihre Schultern ab, ihre Unterlippe begann verräterisch zu beben und ihre aufkommenden Tränen musste sie mit einer solchen Willenskraft bekämpfen, von der sie niemals geglaubt hatte, sie würde in ihr leben.

Stur wie sie war, zählte sie nun Pflasterstein für Pflasterstein. Stein für Stein, Ritze für Ritze, um ihr eigenes Gehirn auszutricksen und zu vermeiden, über ihr kommendes Leid nachzudenken.
Vor allem aber, über das, was geschehen war.

An die letzten paar Stunden konnte sie sich aus diesem Grund kaum noch erinnern, denn seit sie heute Morgen, ohne überhaupt ein Auge zugemacht zu haben, aus ihrem Bett gestiegen war, hatte sie sich dazu gezwungen, sich abzulenken. Ob sie nun gedanklich bis Einhundert zählte und das immer und immer wieder oder ob sie die Steine unter ihren Füßen zählte, während sie zum Altar schritt, ganz egal; hauptsache war, sie dachte nicht nach.

Sie erinnerte sich an das Gefühl, als mehrere Soldaten in ihr Zimmer eingedrungen waren, ohne Vorankündigung oder einem höflichen Bitten um Einlass.
Still hatte sie auf ihrem Bett gesessen; einfach nur so da gesessen. Ihre Hände waren in ihren Schoß gebettet und ihr Gesicht starrte die Zimmerwand an, als hinge dort ein schönes Gemälde.
Seit Stunden hatte sie schon dort gesessen und versucht, nicht über vergangenes oder das was nun folgen würde, nachzudenken. Sie hatte einfach gewartet.
Gewartet auf das Unvermeidbare.

Sie wurde durch das halbe Schloss geleitet, bis ein Empfangskomitee in einem prunkvollen Ankleidezimmer die Gouverneurstochter ihrer angenommen hatte.
Erst dann ließen die Soldaten von ihr ab. Wenige verharrten sogar und verlangten, an Ort und Stelle zu bleiben. Die Frau ja weiter zu bewachen.
Ihre liebste Freundin Eva, zugleich auch Zimmermädchen, war unter den Frauen, die sie herrichten sollten und verscheuchte Letzt endlich auch den Hartnäckigsten unter ihnen, mittels einer zornigen Stimme und einem Türknallen, wie es sich normalerweise nicht gehörte
Gleich darauf hatte sie die Tür verschlossen.
Eva hatte bloß fassungslos geschnaubt und gesagt, die Braut müsse sich so kurz vor der Hochzeit ausruhen.

Sie erinnerte sich an das bemitleidende Streicheln über ihre Schulter und auch noch an das Frisieren und das Gefühl, von Evas Fingern, wie diese durch ihr Haar glitten.
Sie erinnerte sich daran, wie sie ihre ausdruckslosen Augen im Spiegel fand und wie sie sie anstarrten; vollkommen leer. Ausdruckslos musterte sie ihr Gesicht, das so müde und kalt wirkte, dass Eva sie mehrmals versuchte in eine Unterhaltung einzubinden, es jedoch aufgab und ihr aufmunternd über den Rücken streichelte.

Ihr braunes, langes Haar wurde gekämmt und dann geflochten, zu allen Seiten, sodass sie irgendwann eine geflochtene Krone auf dem Kopf trug, nur vereinzelte Strähnen rahmten ihr Gesicht ein.
Irgendwann stellte sich Eva vor die Braut und begann sie zu schminken. Vorsichtig tupfte sie mit einem Pinsel durch das Gesicht ihrer Freundin, hielt auf einmal jedoch abrupt inne, kaum wollte sie ihre Augenringe überdecken.
Fiona wusste sofort, warum ihre Freundin zögerte und suchte sofort den Blickkontakt. Als sich ihre Blicke trafen, seufzte Eva nur traurig und Fiona schüttelte kaum merklich, aber so das ihre Freundin es richtig deuten konnte, mit dem Kopf.
Keiner der Beiden sagte auch nur noch ein einziges Wort.

Dann vermischte sich alles um sie herum. Ganz vage konnte sie sich noch daran erinnern, wie es war, in ihr Hochzeitskleid gesteckt zu werden. Es schnürte ihr die Luft ab. Ihre Brust wurde platt gedrückt und ihre Taille hichgebunden. Die schwere Halskette die ihr in ihr Dekolleté fiel, fühlte sich an wie eine Eisenkette. Wie ein Halsband.


Schon wieder schlürften ihre Pumps über das Gestein.
Schnell richtete sie ihre Aufmerksamkeit zurück auf ihren Gang, verzog dabei die Lippen.
Sie strauchelte und spannte ihren Arm an, hielt sich an ihrem Vater fest, um nicht doch noch zu fallen.
Ihrem Vater blieb dies nicht unbemerkt. Er schielte zu seiner Tochter rüber, bedachte sie mit einem besorgten Blick, schenkte ihr gleichzeitig ein aufmunterndes Lächeln, selbst wenn sie es nicht sah.
Beruhigend streichelte er mit seiner Hand über ihren Arm, richtete seinen Blick wieder zurück nach vorne und hauchte ein „Ich halte dich. Immer." von den Lippen.

Seine Tochter schnappte leise nach Luft und spürte die ausgehende Wärme seiner Finger, die sanft über ihre Haut streichelten, welche ganz kalt sein musste.
Sie straffte die Schultern und ermahnte sich, wenigstens die letzten paar Schritte mit Würde zu gehen und ihren geliebten Vater nicht zu enttäuschen.

Der Gang zum Altar kam Fiona jedoch unglaublich lang vor.
Solang, dass sie Schwierigkeiten bekam, ihre Gefühle länger zu zügeln und noch mehr Schwierigkeiten, unter all den bürgerlichen Augen, eine stolze Haltung zu bewahren. Immer stärker verspannte sich ihr Körper. Ihr Korsett saß so eng und schnürte ihren Oberkörper so fest, dass sie glaubte, dass Gefühl in ihren Beinen zu verlieren. Jeder Atemzug fiel ihr schwerer und schwerer. Sie krallte sich regelrecht in den Arm ihres Vaters hinein.

„Meine geliebte Tochter...," Als der Gouverneur plötzlich stehen blieb und zu Reden anfing, wollte Fiona fast schon einen Schritt mehr machen, weil sie so konzentriert darauf gewesen war, Fuß vor Fuß zu setzen, dass sie gar nicht bemerkt hatte, dass die Hälfte des Weges jetzt hinter ihnen lag.
„Die letzten Schritte musst du ohne mich wagen, mein Kind. Als Zeichen deiner Unabhängigkeit und Stärke." Sanft strich ihr Vater ein letztes Mal über ihre Finger und verdeutlichte, dass sie ihren Griff nun lockern müsste.
Nur sehr langsam hob sie ihr Gesicht, ließ dann, schweren Herzens, ihren geliebten Vater aus ihrem angewinkelten Arm gleiten.
„Vater," Ihre Stimme klang ängstlich und ganz trocken, „Ich fürchte mich."
Sie flüsterte die Worte so bedacht, dass keiner außer ihr Vater sie hören konnte. Zu gefährlich war es, dass man sie hörte.
Die Bürger sollten stets weiter glauben, dass diese Hochzeit aus Liebe geschah.

Der Gouverneur drehte sich schräg zu ihr und brachte sie dazu das gleiche zu tun. Zwar konnte er ihr Gesicht unter dem Schleier nur erahnen und doch schaffte er es, ihr direkt in die Augen zu schauen.
Seine grauen Augen, die so abgestimmt auf seine weiße Perücke schienen, packten Fiona für einen Wimpernschlag in Watte.
„Mein liebes Kind," Begann er dann zu flüstern, „,Erinnere dich immer daran, wer du bist."

Wie auf Kommando straffte Fiona die Schultern und hob ihr Kinn. Sie spürte wie ihr Vater einen Kuss auf ihren Handrücken hauchte, nur um ihre Hand gleich darauf loszulassen.
Sie kämpfte mit dem Drang, seine Hand zu packen, denn sie wollte sich weiterhin an ihm festhalten.
Ohne dich falle ich, befürchtete sie, sagte jedoch kein Wort mehr.
Dann verschwand ihr Vater aus ihrem Blickfeld.
Sie sah ihm nicht nach, denn sie wusste, dass sie den Rest alleine schaffen musste.
Sie wusste, dass er auf sie zählte.
Die Zeit war nun gekommen.

Sie schnappte nach Luft.
Überall lagen Rosenblätter, weiße, auf dem Boden wild verteilt. Sie entdeckte einen Pfarrer, ihren Bräutigam und eine handvoll Soldaten, in einem Halbkreis formatiert; sofort da, falls sie gebraucht würden.
Dort vorne stand ihr Zukünftiger, in seiner weinroten Uniform, mit seinen ganzen Abzeichen die so verräterisch in der Sonne funkelten.
Er lehnte sich auf sein linkes Bein und wurde eingehüllt von seinem schwarzen Umhang, der so geglättet und sauber schien, dass er gar nicht echt wirkte.
Sie spürte seinen Blick auf ihr ruhen. Schon die ganze Zeit über.
Jeder ihrer Bewegungen lag unter Strom.
Panisch neigte sie ihr Gesicht wieder zu Boden und begann, die Rosenblüten zu zählen. Ihre Beine begannen zu zittern und ihre Hände zu schwitzen.
Ihr Brautstrauß, der fest umklammert in ihrer linken lag, wurde mit einem Mal ganz schwer.

Ihr Bräutigam stand mit aufgeplusterter Brust dort vorne, neben dem Pfarrer und hielt seine Blicke so fest auf der Frau, dass sie kurze Zeit vergaß, weiterzugehen, gar zu atmen.
Für die Bürger Port Royals schien dies wie eine kleine Ewigkeit, doch für Fiona war es noch nicht lange genug.
Sie spürte wie jede Faser ihres Körpers sich weigerte, auch nur einen einzigen Schritt weiterzugehen. Ihr Herz klopfte so schnell und holprig, dass ihre Stirn bereits Schweißperlen warf.

Sie kriegte keine Luft. Sie kriegte keine Luft!

Panisch schaute sie wieder nach oben. Irgendwo bei 93 hatte sie aufgehört, die Rosenblüten zu zählen.
Jetzt bemerkte sie nur noch, wie sich die Soldaten ringsherum ihres Bräutigams strafften. Breitbeinig und voller Anspannung, fast schon sprungbereit, kreisten sie den Platz ein.
Ihr Vater stand ganz vorne, neben den Adligen und bedacht seine Tochter mit einem bittenden, sorgenvollen Blick, denn auch ihm entging diese Anspannung rundherum nicht.

Ihre Panik wurde stärker und stärker, als sie ihren zukünftigen Gatten fokussierte. Seiner so sicher, hatte er bis eben noch gewirkt. Jetzt jedoch war es auch an ihm, angespannt seine Schultern hochzuziehen, sich nicht mehr länger auf sein eines Bein zu lehnen, sondern eine breitbeinige Stellung einzunehmen und sich somit versuchte, groß zu machen. Er schluckte trocken, hob sogleich sein Kinn und zählte gedanklich bis 20.

Automatisch setzte Fiona wieder Fuß vor Fuß und sie glaubte genau in diesem Moment erleichterte Seufzer von einigen Bürgern wahrzunehmen, wenn nicht sogar vereinzelte Soldaten, die abrupt in ihrem losstürmen inne hielten.
So war es richtig. Schritt für Schritt.
Ein Zurück gab es nicht mehr.
So war die Bestimmung.
So war ihre Aufgabe.

So war der Pakt geschlossen worden.

Umso mehr Schritte sie tat, egal wie sehr ihr Körper auch bebte, umso öfter redete sie sich selbst ins Gewissen.
Dabei hielt sie ihren Blick fest auf ihren Zukünftigen gerichtet, denn dieses Gesicht würde ihre Zukunft sein. Sie durfte sich nicht mehr dagegen wehren.

Irgendwann waren es nur noch ein paar Stufen, die sie voneinander trennten.
Für einen Wimpernschlag verharrte Fiona. Sie atmete ein letztes Mal tief durch, ermahnte sich um die drei Mal und stieg dann die wenigen Treppen empor.

Ihr Herz blieb stehen, kaum blickte sie in das Antlitz ihres Gegenübers.
Umrahmt von seiner weißen Perücke, die sich hinten zu einem stummeligen, kleinen Pferdeschwanz sammelte, schien sein Gesicht noch kälter, selbst als er seine Lippen zu einem erfreuten Lächeln verzog.
Die Seiten seiner Perücke waren aufgerollt und seinen schwarzen Dreispitz trug er ebenfalls. Seine Lippen waren dünn und das Lächeln, dass er sich aufgesetzt hatte, unangenehm. Sein Kinn reckte in die Höhe und trotz seiner geringen Größe, wirkte er plötzlich so groß.
So mächtig.

Sie befanden sich auf dem höchsten Punkt in ganz Port Royals. Die Kirche war so hoch oben erbaut worden, dass von ihrem Platz aus, nahezu das ganze Land erblickt werden konnte.
Dort wo sie jedoch standen, befand sich wenige Meter neben ihr, eine steile Klippe und darüber hinaus, die weite, weite See.
Sofort überkam sie Wehmut.
Niemals wieder würde sie die wilde See erleben.
Niemals wieder, würde sie auch je mit Piraten in Kontakt kommen.
Niemals wieder würde sie mit einem ganz besonderen Piraten in Kontakt kommen.

Übelkeit breitete sich in ihrer Magengrube aus, kaum hatte sie ihre Gedanken nicht mehr länger unter Kontrolle.
Der Gedanke an ihn trieb der Frau augenblicklich Tränen in die Augen. Sie versuchte sich zu beruhigen und durch ihre Nase ein und ihren Mund wieder auszuatmen. Doch kaum ließ sie einen Gedanken gleiten, entwischte ihr auch schon ein nächster.
Sie sah ihn vor ihrem inneren Auge, als sie heimlich zum Horizont blickte.
Captain Jack Sparrow

Als Cutler Beckett die Hände von Fiona umschloss, zuckte diese merklich zusammen. Nass geschwitzt waren sie, bemerkte Beckett, als er nach ihren Fingern griff, während der Pfarrer anfing die Ehe zu vollziehen.
Er konnte es kaum erwarten, ihren Schleier zu lüften und die Lippen Fionas zu küssen.
Sie würde heute endlich seine Frau werden. So lange hatte er schon auf diesen einen Moment gewartet.
Das die Frau zu ihrem Glück gezwungen werden musste, war sehr bedauerlich in seinen Augen und doch begehrte er die Tochter des Gouverneurs so sehr, viel zu lange schon, dass das triumphierend Gefühl in seiner Brust, die Moral besiegte.

Die Finger von Beckett waren kalt und doch samtweich. Er hielt ihre Hände mit einem bestimmten Griff fest umschlossen, war jedoch stets darauf bedacht, seiner Braut nicht weh zutun.
Angestrengt versuchte Fiona, Beckett nicht auf die Füße zu brechen, als sie die Kälte seiner Finger spürte und hörte, wie der Pfarrer anfing, zu sprechen.

Ihr Herz war außer Kontrolle. Es begann zu rasen und zu stolpern, gleich aus ihrem Brustkorb zu springen, hinab in die See zu tauchen, auf der ihr Blick noch immer weilte. Sie weigerte sich beinahe, ihrem Gatten ins Gesicht zu blicken.
Ein Kampf entfachte in ihrem Inneren.
Sie wollte nicht hinsehen und doch musste sie. Sie wollte wegrennen und musste dennoch stehenbleiben.

Nur verschwommen nahm sie die Rede des Pfarrer wahr.

Ihr Atem ging nun flacher und viel schneller. Ihre Füße wollten fort rennen, weg von hier und zurück in seine Arme.

Das alles hier war falsch.
Sie wollte Cutler Beckett nicht heiraten. Wollte sie nie.
Versprochen wurde sie ihm, ja, schon als Kind hielt er Reden für sie und beteuerte, dass er sie irgendwann einmal heiraten wollen würde. Später hatte er um ihre Hand angehalten und damals, ja damals, hatte sie ihn noch hinhalten können, weil sie beide noch nicht alt genug gewesen waren.
Gut, denn sie hatte ihn nie gemocht.
Doch als sie beide älter wurden, hatte er erneut um ihre Hand angehalten.
Sie fand keine Gründe mehr, ihn nicht zu heiraten... Außer: Das sie ihn nicht liebte.
Doch das allein genügte nicht.

Sie war zwar eine Frau mit eigenem Willen, die entscheiden durfte, was sie aß und welche Blumen sie pflückte, dennoch so machtlos, an der Seite ihres Vaters, der immerhin wusste, was am Besten für sie war.
Eine Frau in ihrem Alter und in ihrer Position, musste immer das tun was am besten war. Nicht das, was am besten für sie war.
Das tun, was von ihr verlangt wurde. Immer.
Vor allem als zukünftige Stimme ihres Landes.

Sie liebte ihren Vater. Sie täte alles für ihn, also versprach sie ihm damals, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. Sie wusste, dass sie gar keine andere Wahl hatte. Aber es war schön einige Jahre mit dem Gefühl zu leben, sie hätte eine.

Die Heirat mit Cutler Beckett versprach nur die besten Partien und ein sorgloses Leben. Beckett würde irgendwann zum Lord aufsteigen und den Platz ihres Vaters einnehmen. Der Gouverneur wusste, dass irgendwann die Zeit käme und sah in dieser Heirat, die Zukunft seiner Tochter, seines zukünftigen Blutes und die Zukunft seines Volkes.

Zu jener Zeit, bevor die Piraten in das Land einbrachen, schien das Schicksal der Frau so klar und unzweifelhaft, dass sie selbst irgendwann daran glaubte, vielleicht eines Tages mit Beckett glücklich werden zu können.

Cutler Beckett hatte sie schon immer begehrt und würde es auch immer. Letztlich konnte sie nur mit diesem Wissen, das Leben von Jack retten.
Nur so, konnte sie dem Piraten seine Freiheit erkaufen.
Nur so konnte sie dafür Sorgen, dass Beckett, als er die Macht dazu hatte, Jack nicht töten würde.
Sie berief sich auf seinen Heiratsantrag.
Aus Liebe hatte sie den Antrag angenommen... Jedoch für den falschen Mann.

Sie hatte ihm versprochen, sie wäre ganz seins, wenn sie Jack und dessen Crew am Leben lassen würde.
Sie stand heute nicht für ihren Vater hier und auch nicht für ihr Volk. Sondern für Jack. Für den Mann, den sie liebte...

„Jack," Streng wollte sie damals klingeln, schaffte es jedoch nur, unsicher zu säuseln, „Das darf nicht sein."
Damals hatte sie ihr Gesicht der See zugewandt und ihre Hände hielten sich an der Reling fest.
Die Black Pearl hatte Wind in den Segeln und sie schmeckte das Salz auf ihren Lippen.
„Schätzchen, du bist nicht mehr in deinem Schloss. Du kannst jetzt machen was du willst."
So viel Zeit war bereits verstrichen. So viel, dass sie kaum noch daran glaubte, dass ihr Vater noch nach ihr suchen würde. Sie wusste ja noch nicht einmal mehr, ob sie überhaupt gefunden werden wollte.

Monate waren ins Land gezogen. Monate, in denen sie dem Tod ins Gesicht geblickt hatte. Monate, in dene sie Hunger und Durst gelitten hatte. Monate, in denen sie fürchterliche Angst gehabt hatte. Monate, in denen sie vergaß, woher sie eigentlich kam.
Monate, in denen sie einen Piraten womöglich lieben gelernt hatte.
Nun stand sie dort, krallte ihre Fingernägel in das schwarze Holz der Pearl, hielt sich daran fest; vielleicht auch nur davon ab etwas Dummes zu tun.

„Das ist nicht verhandelbar."
Sie wollte selbstsicher klingen. So selbstsicher, wie sie einst mal gewesen war.
Die Tochter des Gouverneurs.
Doch das war schon lange vorbei.
Alle Selbstsicherheit hatte sie verloren.
Sie war so verunsichert, vertraute ihren eigenen Worten kaum noch, dass sie sich fremd in ihrem eigenen Körper fühlte.

Rum, Leder und der Geruch von nasser Kleidung stieg ihr plötzlich in die Nase.
Sie hörte Stiefel, die über das Deck schlichen.
„Ahhhh...," Amüsiert strich Jack der Frau, die augenblicklich unter seinen Fingern zusammen zuckte, über die Schulter. ,,Da ist sie ja wieder. Das Gouverneurstöchterchen." Jack nahm das lange Haar und legte es der Frau behutsam über ihre linke Schulter.
Sein Finger zog nun einige Kreise entlang ihres Rückens, immer und immer wieder, ganz zärtlich, als würde sie sonst unter seiner Berührung zu Staub zerfallen.

Kurz fokussierte er seine Ring übersehte Hand, bevor er das Profil von Fiona studierte. Er malte Kreise für Kreise zwischen ihren Schulterblättern und erwischte sie, wie sich ihre Augen schlossen und ja, auch ein Schmunzeln war dort zu sehen.

Er bedachte dies mit einem sanften Lächeln, zog gleich darauf seine Stirn kraus, bei dem Gedanken, wie ihr Innerstes wohl aussehen vermochte.
Sie versuchte stets ihre Mauern hochzuhalten, tagtäglich, und ihre Facette aufrecht. Nur in ganz wenigen Momenten bröckelte ihre Fassade; so wie jetzt.
Jack fragte sich unweigerlich, wie erschöpft sie wohl insgeheim sein musste. Der ständige Kampf zwischen gut und böse...
Ganz klar konnte er nun doch erkennen, wie die Frau in Wahrheit fühlte. Er erkannte doch eindeutig, wie sie seine Berührungen genoss. Wie sie sich kurz fallen ließ.

Jack legte seinen Kopf schief und ging noch einen Schritt mehr auf die Frau, die ihm seit Monaten im Kopf herumspukte, zu und löste nun auch die letzten paar Zentimeter zwischen ihnen auf.
Seine Hand strich hinab zu ihrer Taille und umschloss dort sanft ihre Hüfte. Er stand nun so dicht hinter ihr, dass ihr sein Atem im Nacken kitzelte. Er stütze sich mit seiner freien Hand ebenfalls an der Reling ab, aber so, dass sich ihre Finger nur ganz leicht berührten.

Die Frau hielt noch immer ihre Augen geschlossen. So fürchtete sie, würde sie diese wieder öffnen, wäre der Moment vorüber. Also vergaß sie für diesen einen, winzigen Moment all das, woran sie so verzweifelt versuchte, festzuhalten und gab sich kurz, nur ganz kurz, dem Augenblick hin.

Jack stand so dicht hinter ihr, dass Fiona seine Brust an ihrem Rücken und seinen Schritt an ihrem Po spürte.
Immer wieder strich er mit seinen Lippen über ihren nackten Hals und sie mochte das Gefühl, was sich dort in ihrer Brust ausbreitete, also legte sie ihren Kopf schief und gab sich den Lippen des Piraten hin, der so sanft ihren Hals liebkoste, dass sie das Gefühl für Raum und Zeit für einen kurzen Moment vergaß.

Jack genoss jeden Kuss, die Wärme ihrer Haut und den Gedanken, dass dies der erste Moment nach vielen, vielen Monaten war, wo er der Frau so nahe kam, wie noch niemals zuvor; doch hatte er sich schon lange danach gesehnt.
Er strich mit seinen Lippen genüsslich ihren Hals auf und ab, ließ seine Zunge kleine Kreise zeichnen und inhalierte ihren lieblichen Duft. Er spürte wie erregt er war und presste sich vorsichtig noch weiter an sie. Er wollte sie nicht bedrängen und schon gar nicht, verlieren, aber er wollte und brauchte noch viel mehr Nähe.
Seine Lippen küssten weiter ihre Haut, seine Zunge zog weiter ihre Kreise und sein Atem ging mittlerweile viel schwerer.

Fionas Herz raste, stolperte und ließ die Frau nach Atem ringen; doch ihre Augen blieben stets geschlossen.
Jack knabberte an ihrem Ohrläppchen und als sie sein Becken spürte, welches sich ganz sanft gegen ihren Po presste, entglitt ihr ein leises Stöhnen.
Sie spürte wie erregt er war, ganz deutlich spürte sie das in seinem Schritt.
Ihr Herz pochte so laut und ungehalten, dass es in ihren Ohren zu rauschen begann.
Sie gab sich kopflos diesen einem Moment hin, nach all den Monaten und verlor jegliche Zurückhaltung, Scham, selbst Furcht und drückte ihren Po so fordernd gegen sein Becken, ließ einige Male sogar ihre Hüfte dabei kreisen, dass sie Jack ein tiefes Stöhnen entlockte.

Überrascht hauchte Jack ihr ins Ohr und musste gleichzeitig breit schmunzeln, bei dieser Reaktion.
Er wusste jedoch auch, dass dieser Moment nicht ewig währen würde und das die junge Frau womöglich in den nächsten Sekunden wieder zur Vernunft kommen könnte, also packte er ihre Hüfte nun mit viel mehr Druck und stemmte sein Becken so stark gegen ihren runden Po, kam ihrer Forderung seufzend nach, dass sie von ihm kräftig gegen die Reling gepresst wurde.
Er ließ sofort von ihrem Ohrläppchen ab, küsste begieriger ihren Hals und war mittlerweile so erregt, dass sein ganzes Blut in seinem Kopf verloren ging.

Diese Frau machte ihn verrückt. Die letzten Monate mit ihr zusammen waren so oft eine Qual für ihn gewesen. So oft hatte er seine Blicke nicht mehr von ihr lösen können. So oft hatte sie ihn zur Weißglut getrieben.
Diese Frau, so eine sanfte Natur und so unbeholfen auf der wilden See, so schutzlos, hatte gerade ihm den Kopf verdreht.
Ihm.
Dem größten Piraten aller Zeiten.
Er wusste nicht wie sie es geschafft hatte, dass er länger als drei Tage Interesse an ihr besaß. Er wusste auch nicht, was genau sie mit ihm machte.
Er wusste nur, dass er sie jetzt in diesem Moment wollte.
In diesem Moment verlor er seinen Kopf, mit ihm jeden klaren Gedanken und spürte einen Hunger, den er in diesem Ausmaß noch niemals zuvor verspürt hatte.
Er sehnte sich danach, diese Frau in Ekstase bringen zu dürfen und küsste ihren Hals nun mit solch einer Leidenschaft, dass er ihr immer wieder ein leises Stöhnen entlockte.

Das Stöhnen, was von Fionas Lippen sprang, war Musik in Jacks Ohren. Es erregte ihn bloß umso mehr.
Seine eine Hand grub sich immer weiter in ihre Hüfte und die andere griff nach den Fingern der Frau, die sich in das Holz der Reling krallten.
Er dominierte sie.
Presste sich auf sie.

Keuchend stand sie zwischen seinem Schritt und der Reling, bedeckt von Jacks schwerem Körper.
Er verlor die Kontrolle.

Plötzlich drehte sich der Kopf von Fiona in seine Richtung, stammelte irgendetwas was Jack nicht verstand, doch trotzdem dazu brachte, leise seufzend von ihrem Hals abzulassen und über seine Lippe zu lecken.
Er war hungrig.

Fiona schnappte nach Luft und spürte, wie sich Jacks Griff um ihre Hüfte etwas lockerte, doch nur um gleich darauf mit einem geschickten Handschlag herumgewirbelt zu werden.
Nun sah sich Fiona Jack gegenüber.
Jack wusste, würde er nun länger warten, würden sich ihre Gedanken wieder ordnen können und sie würde an die Vernunft in ihr appellieren, also setzte er sich sein ehrlichstes Lächeln auf, nahm ihr Gesicht in beide Hände und küsste sie. Sanft, doch auch auffordernd.

Fiona war noch ganz benebelt, als Jack ihr seine Lippen aufdrückte. Sie konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, also schloss sie wieder die Augen und ließ sich ganz auf diesen Kuss ein. Sie erwiderte ihn mit solch einer Leidenschaft, dass sie spürte, wie sich Jacks ganzer Körper verspannte.

Jack drückte sie wieder zurück gegen die Reling, so weit, bis es nicht mehr ging und mit dem unteren Rücken dagegen stieß. Kein Zentimeter fand mehr zwischen den beiden Platz; sie schienen miteinander zu verschmelzen.

Seine Lippen schmeckten so gut, dass Fiona nicht genug von ihnen bekommen konnte. Sie schmeckten nach Rum, nach Salz und vor allem nach Jack.
Ihre Hände schlüpften unter seinen Mantel und wanderten seinen Rücken entlang. Sie spürte das weiße Leinenhemd unter ihren Fingern und die Hitze, die sich dort drunter sammelte.

Seine Hände ließen von ihrem Gesicht ab, wanderten runter zu ihrer Hüfte und legten sich um sie. Er tat einen Ruck und presste seinen Schritt so fordernd an ihren, dass er nicht anders konnte, als gegen ihre Lippen zu stöhnen.
Sanft hob er die Frau hoch und setze sie nieder auf die Reling. Er hatte zwar kein Blut mehr im Kopf und doch würde er die Frau niemals aus den Augen lassen.
Er hielt sie fest in seinem Griff.
Niemals würde er sie fallen lassen.

Fiona bemerkte nur am Rande, wie sie wohl auf der Reling saß, immerhin war sie völlig benebelt und total neben der Spur.
Jack erwartete ein Aufmüpfen, ein Protest, doch stattdessen spreizte sie ihre Beine und schlang sie um die Hüfte von Jack.
Jack grinste in den Kuss hinein und hielt ihren Po, während Fiona sich mit ihren Beinen immer enger um seinen Körper schmiegte und den Piraten verschlingen wollte.

Jack ließ kurz von der Frau ab, um nach Atem zu ringen.
Diese Position, wie sie breitbeinig auf der Reling vor ihm saß und ihn in ihren Schritt drückte, machte ihn so scharf, dass er mit flachen Atem gegen ihre Lippen hechelte. Auch der Gedanke, dass sie eindeutig seinen Penis spüren musste und ihn dennoch weiter machen ließ, erregte den Piraten.
Kaum hatte er genug Luft in seiner Lunge, legte er auch schon wieder seine Lippen auf Fionas und bat mit seiner Zunge, um Einlass.
Er versuchte sich gar nicht mehr länger zurückzuhalten. Er war zu erregt. Er wollte Fiona zu sehr, um noch länger vorsichtig zu sein.

Als Fiona stoßweise gegen seine Lippen stöhnte und sie dann einen Spalt weit öffnete, war es um Jack geschehen. Seine Brust hob und senkte sich in solch einem Tempo, dass er glaubte, gleich ohnmächtig zu werden. Er wollte der Frau alle Kleider vom Leib reißen und in sie eindringen. Er wollte ihr so nah wie nur irgendwie möglich sein. Er wollte sie fühlen.

Ihre Zungen spielten miteinander, mal kämpften und mal tanzten sie.
Fiona spürte, wie sich Jacks Wölbung im Schritt immer weiter vergrößerte und wie sie letzt endlich ganz eindeutig seinen Penis in ihrem Schritt spürte. Das erregte sie bloß umso mehr. Das aller erste Mal in ihren Lebzeiten, wurde Fiona zwischen ihren Beinen mit einem Mal ganz heiß und es kribbelte wie verrückt.

Zitternd spürte sie, wie ihre Hände von seinem Hemd abließen und zwischen Gürtel und Hosenbund herumspielten. Sie fummelte an seinem Hosenknopf herum, öffnete ihn, mit solch einer Lust, dass sie von Jack abließ, ihre Augen öffnete und ihren verführerischsten Blick aufsetzte.
Während sie ihren Kopf in den Nacken legte und ihre feuchten Lippen in der Sonne glitzern ließ, starrte sie Jack mit geweiteten Pupillen an.
Er seufzte bloß ganz gequält und biss sich angestrengt auf die Unterlippe, als er sah, wie verführerisch Fiona ihn anschmachtete, schielte dann runter und sah, wie ihre Finger seine Hose geöffnet hatten.
Er grinste.

Gierig leckte er sich über die Lippen, löste seine linke Hand von ihrem Po und während sie immer höher und höher wanderte, starrte der Pirat ihr in die Augen. So tief, dass er glaubte eine ganz eigene Welt in diesen zu entdecken... Während er geschickt die ersten vier Knöpfe ihrer braunen Bluse öffnete und ganz sanft über ihre Brust hinweg streichelte.

Stöhnend warf Fiona dann ihren Kopf in den Nacken, als seine Hand ihre Brust packte und anfing, kräftig durchzukneten. Sie bettelte beinahe um mehr.
Also  liebkosten seine Lippen ihren Hals, hinab zu ihren  Brüsten  Dort angekommen, drückte er sein Gesicht in ihr Dekolleté.

„Jack...," Zitternd packte sie Jacks Hosenbund, um sich an diesem festzuhalten. Sie war ein paar Zentimeter nach unten gerutscht, was ein Stück Haut frei warf. Bevor sie ihren letzten, klaren Gedanken noch laut aussprechen konnte, drückte Jack ihr auch schon wieder seine Lippen auf.


„So frage ich Cutler Beckett, werden Sie ihre Frau ehren und lieben, in guten wie in schlechten Zeiten, so antwortet nun mit, ja, ich will..."
Es war die Stimme des Pfarrers, der die Frau zurück in das Hier und Jetzt holte. Wie ein Schlag ins Gesicht. Einmal quer durch Raum und Zeit.
Als hätte sie einen dumpfen Schlag auf den Hinterkopf eingebüßt, geriet die junge Frau im weißen Kleid kurze Zeit ins Wanken.
Es schwindelte ihr, bei dem Gedanken an Jack. Die Hitze war ihr unter die Wangen geschossen und ihr unterer Bauch hatte wild zu kribbeln angefangen, kaum hatte sie sich an die letzte Begegnung mit Jack zurückerinnert und daran, was zwischen ihnen passiert war.

Erschrocken löste sie ihre Augen von der See und starrte nun in das Gesicht von Beckett, der sie beinahe furchteinflößend anschmiegte.
Fiona wusste, dass es gleich zu spät war. Gleich würde sie Becketts Frau werden.

Mit stolzer Brust bejahte Beckett die Frage des Pfarrers, was der Frau nun endgültig den Boden unter den Füßen wegriss.
Der Pfarrer drehte sich nach ihr um und versuchte durch den Schleier hindurch zu spähen, fragte nun auch sie, als Heiliger, ob sie diese gezwungene Ehe wirklich eingehen wollte.
„Nun frage ich Sie, Miss Fiona Acillia Swann.... Werden Sie ihren Ehegatten lieben und ehren, in guten wie in schlechten Zeiten? So antworten Sie nun mit, ja, ich will..."

Die Zeit stand still.
Beckett, der noch immer die Hände von Fiona hielt, bedachte seine Zukünftige mit einem warnenden Blick, als diese auf ihre Antwort warten ließ.
Der Gouverneur, irgendwo in der vordersten Reihe, hatte seine Hände gefaltet und predigte zu Gott, dass seine Tochter doch bitte, bitte die richtige Entscheidung treffen sollte.
Die Soldaten, ringsherum, hatten teilweise ihre Finger an ihre Schusswaffen gelegt und warteten auf das Kommando, welches womöglich ein Handzeichen Becketts oder das „Nein“ Fionas sein würde.

Würde sie nun verneinen, würde Jack sterben.
Irgendwo, in den Mauern Port Royals, hielt Beckett Jack und dessen Crew gefangen.
Als Druckmittel.
Er wusste, dass sie ihn nur heiraten würde, hätte er etwas gegen sie in der Hand. Er würde Jack erst frei lassen, wenn sie seine Frau werden würde.
Nur wenn sie ja sagen täte und die Vermählung offiziell gemacht werden würde, würde Jack dem Strick entkommen.
So lautete der Pakt.

Tagelang hatte Beckett ihn irgendwo im Verlies versteckt gehalten.
Fiona hatte unter Hausarrest gestanden.
Sie hatte noch nicht einmal die Chance bekommen, ihn ein letztes Mal zu sehen, gar sich zu verabschieden.

Beckett hatte ihr sein Wort gegeben.
Würde sie ihn heiraten, wäre Jack frei.
Ein letztes Mal schnappte die Braut nach Luft.
Mit dem Gedanken, dass sie zwar das Richtige für Jack täte, ihr eigenes Herz jedoch in tausend Stücke brach, brachte sie ein brüchiges ,,Ja, ich will." hervor.

„Hiermit erkläre ich Sie zu Mann und Frau. Sie dürfen die Braut nun küssen."

Selbstgefällig grinsend trat Beckett vor und lüftete den Schleier. Er blickte in ein paar grüner, nasser Augen, bedachte sie kurz mit einem zufriedenem Nicken und legte dann seine Hände um die Hüfte seiner Frau.
Gleich darauf beugte er sich nach vorne und belegte ihre Lippen.
Da er so lange auf diesen Moment gewartet hatte, küsste er sie fordernd und zog sie ganz nahe an sich heran, zog es fürchterlich in die Länge.
Um ihren Pakt nicht nichtig zu machen und sich ihm nicht zu widersetzen, erwiderte sie seinen Kuss, heuchelte eine Leidenschaft, wo sich ihr Magen umdrehte.

Um sie herum wurden die Kirchenglocken geläutet und die Bürger applaudierten, jubelten und freuten sich. Einige Männer warfen ihre Hüte und die Frauen wischten sich über die Augen.
Als er sich von ihr löste, belächelte er sie, strich ihr eine Strähne hinters Ohr und hauchte ihr dann einen feuchten Kuss auf die Wange.

Der Kuss von Beckett hatte die Frau gequält. Er küsste steif, seine Lippen waren dünn und kalt und alles in ihr verspannte sich, kaum berührten sie sich.
Als sie ihren Mann musterte, wie er sich seinen Bürgern zuwandte und einige sogar mit einem anerkennenden Nicken würdigte, straffte Fiona ihre Schultern.

Sie hatte Jack das Leben gerettet. Sie hatte sich an die Abmachung gehalten.
Er würde frei sein.

Allein dieser Gedanke genügte ihr, um den Arm von Beckett zu greifen und sich unter diesem einzuhaken.
Er sah sie nur an, zufrieden, nickte ihr dann zu und zusammen stiegen sie die Treppen hinab. Arm in Arm schritten sie durch ihr Volk, über den Kirchenplatz hinweg, der voller nicht hätte sein können.
Um ihre Bürger nicht zu enttäuschen, setzte sie sich ebenfalls ein Lächeln auf die Lippen und schaute so vielen wie möglich ins Gesicht. Lächelte breit und hoffte inständig,  es würde genügen.

In der Menge erkannte sie ihren geliebten Vater, der ihr anerkennend zu nickte...
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast