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Down the rabbit hole

KurzgeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Irene Adler Joan Watson Marcus Bell Sherlock Holmes
18.03.2020
10.08.2020
6
6.090
 
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18.03.2020 1.102
 
1. Mit Haien tauchen


Zufrieden hielt Captain Gregson ihnen die Tür zum Flur auf. Umfassender hätte das Geständnis das sie gerade durch die Scheibe beobachten konnten nicht sein können und damit war wieder ein Mörder von der Straße. “Joan, hast du einen Moment?” hielt Marcus sie zurück, als er aus dem Verhörraum kam. “Natürlich” erklärte sie, während Sherlock und der Captain weiter zur Kaffeeküche gingen. Er behielt sie vorsichtig im Blick und deutete ihr wiederum an ihm zu folgen. Hier ging es garantiert nicht um irgendwas privates, das hier war beruflich. Marcus war zwar vorsichtig was das besprechen seines Privatlebens und besonders seines Dating Lebens vor Sherlock anging, ein Rat gefolgt von einer Anekdote aus Sherlocks Leben reichte ihm vermutlich für sein ganzes, aber das hier war zu übertrieben dafür.

Er zog ihr einen zweiten Stuhl an seinen Schreibtisch und sie ließ sich in das Polster sinken.  “Du weißt vermutlich, dass viele Ämter und Organisationen noch immer daran arbeiten alte Papierarchive zu digitalisieren” Sie sah ihn bedeutend an, er wusste doch besser als die meisten hier, wie oft Sherlock uns sie sich durch unendliche Kisten und Berge an Akten wühlten um einen kleinen Schritt im Fall vorwärts zu machen. “Wie auch immer. Auf jeden Fall kommen dann manchmal nachträgliche Infos bei uns an, besonders bei publiken Fällen oder solchen die Leuten im Kopf geblieben sind und heute Morgen hab ich das von einem Sachbearbeiter bekommen, der gerade verschiedene geschlossene Adoptionsagenturen der Achtziger und Neunziger durchgeht.” Er öffnete den Anhang einer relativ banalen Mail und während ihr Blick über die Buchstaben glitt wurde sie blass.

“Eine Schwester? Wie kann das sein?” “Es kommt noch dicker. Ich hab den Namen der Adoptivfamilie gesucht und jetzt sieht dir das an” er wechselte zu einem Internetbrowser und ein zehn Jahre alten Artikel über eine junge Cellistin erschien und in einem weiteren Fenster ein Artikel der letzten Woche. Ungläubig sah sie weiter auf den Bildschirm. “Hier in New York?” hakte sie nach. Vielleicht träumte sie das ja nur oder verstand es komplett falsch, aber die Dokumente... “Ich wollte es auch erst nicht glauben” machte der Detective diese Hoffnung jedoch zunichte “Nach all der Zeit, die Sherlock gesucht hat fällt mir sowas doch nicht einfach in die Hände, aber -” er deutete auf den Bildschirm. “Er darf das auf keinen Fall erfahren!” stellte sie eindringlich fest und schloss entschlossen die Dokumente und Fenster. “Wenn sie wirklich damals zur Adoption freigegeben wurde und von dieser Familie adoptiert, weiß sie vermutlich gar nichts. Kein Grund sie aufzusuchen oder ähnliches.” betonte sie, während sie ihren Rock glättete und versuchte völlig normal zu erscheinen

“Bist du nicht neugierig? Wer weiß, wie sie ist? Ist es eine Sache der Erziehung?” “Marcus!” “Wir könnten einfach abends zusammen zu einer Vorstellung und ihr nachher ein Kompliment machen und das wars” “In keinem Universum können wir beide zusammen abends ins Orchester ohne das Sherlock Kilometer gegen den Wind riecht, das etwas nicht stimmt!” “Wir müssen ihm ja nicht sagen was wir machen. Ich hab dich eingeladen, ob wir Essen gehen oder mit Haien tauchen kann ihm doch egal sein.” “Wenn es nicht die Erziehung ist und sie vielleicht doch mehr weiß, als es auf den ersten Blick erscheint ist es vermutlich näher am mit Haien tauchen, als uns das lieb ist” gab sie zu bedenken, aber Marcus schien sein Plan ziemlich gut zu gefallen.

“Watson, warum genau gehen Sie heute abend nochmal mit Marcus aus?” fragte Sherlock kritisch, mit verschränkten Armen vier Tage später an den Türrahmen der Küche gelehnt und beobachte sie dabei wie sie sich mit Schal und Handschuhe gegen die Kälte draußen wappnete. “Es ist ein Dankeschön, dass ich ihm mit seinen Weihnachtsgeschenken geholfen habe, obwohl ich seiner Meinung nach mit dem letzten Fall und meinen eigenenen Vorbereitungen genug zu tun hatte.” “Sie einen weiteren Abend von eben jenen Sachen abzuhalten, erscheint wie keine logische Schlussfolgerung” “Der Fall ist abgeschlossen, ich habe alle Geschenke bereits besorgt, es ist also nicht so als wenn wir uns vor Arbeit drücken. Es ist einfach eine nette Geste” warum musste er auch so misstrauisch sein? “Er ist da” erklärte sie unnötigerweise, als sie das Auto hörte. “Haben Sie einen schönen Abend, lassen Sie das Haus stehen und versuch Sie nichts zu tun von dem wir eine weitere Lärm Beschwerde der Nachbarn bekommen.” Sie klang wie eine Mutter, vielleicht war es gut, dass sie mal wieder raus kam.

“Und was meinst du, wie wird sie sein?” fragte Marcus kurze zeit später während sie die Plätze in der Menge einnahmen. “Wenn man von den Fotos die man im Internet finden kann ausgeht, sieht sie ihr nicht all zu ähnlich. Das Haar ist ein paar Nuancen dunkler, Nase und Kinn nicht so spitz, das Gesicht insgesamt eher runder, aber sie haben die gleichen Augen und Mundpartien.” “Mal sehen, ob ihre Augen auch Mörder schreien” “Du weißt, dass sie das nie getan haben, dass hätte alles einfacher gemacht.” “Charakter?” “Wir können nur hoffen”

“Wenn sie in fünf Minuten nicht raus kommt fahren wir oder du erklärst dem Captain am  Montag warum ich mit einer Grippe aufgrund von Unterkühlung krank im Bett liege.” stellte Watson klar, während sie nach der zugegebenermaßen unglaublichen Show vor dem Hintereingang warteten “Sie kommt bestimmt sofort” beschwichtigte Marcus. Er war wirklich wahnsinnig neugierig auf diese Frau. Dann ging die schwere Metalltür des Hintereingang der Philharmonie erneut auf und dieses Mal war sie es wirklich, die durch die Tür trat. Sie erwartete offensichtlich niemanden, schien die beiden nicht mal wirklich wahrzunehmen, bis Marcus einen Schritt auf sie zu machte. Da zuckte sie plötzlich überrascht zu sammen und wäre fast auf dem feuchten Beton ausgerutscht, hätte Marcus nicht schnell reagiert und ihren Arm festgehalten.

“Entschuldigen Sie, wir wollten Sie nicht erschrecken” versuchte dieser dann das ganze schnell wieder gerade zu biegen. “Wir haben die Serie von Artikeln über Musiker des Orchesters in der Zeitung gelesen und wollten Ihnen nur sagen, dass der Auftritt noch viel besser war, als das was uns da versprochen wurde.” “Oh” ihr schien das Ganze mehr als unangenehm zu sein “Vielen Dank. Ich hoffe, Sie haben dann noch einen schönen Abend” und damit verschwand sie schnellen Schrittes, nicht ohne über ihre Schulter noch zu kontrollieren, ob sie ihr folgten. “Kam das nur mir so vor, oder war das komisch?” fragte Marcus perplex nach. “Drei Möglichkeiten: Sie ist wahnsinnig schüchtern, das würde erklären warum jemand mit dem Talent in einem Orchester spielt und nicht alleine Karriere macht, Option zwei sie hat wahnsinnige Angst vor Fremden, stellt sich die Frage warum oder aber sie weiß wer wir sind und damit auch, wer sie ist.”
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