Der Tod kommt selten allein

GeschichteThriller, Angst / P16 Slash
Dr. Alana Bloom Dr. Hannibal Lecter Garrett Jakob Hobbs Jack Crawford OC (Own Character) Will Graham
18.03.2020
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„Sie haben Besuch, Mister Lecter.“  

Es dauert bis er die Tür hinter sich schließt und die neue Information aufgenommen hat. Besuch? Wie ungewöhnlich oder ist es noch einmal die Polizei? Das wäre nun wirklich sehr lästig. Ein leichtes Lächeln huscht über seine Lippen und er nickt seiner Sekretärin dankend zu. Die schicken Lederschuhe geben klackende Geräusche von sich als er durch den kleinen Raum schreitet. Seine Wunden schmerzen noch immer und das Gehen ist eine echte Herausforderung mit der er nicht gerechnet hat. Langsam begibt er sich zu seinem Arbeitszimmer und ist immer noch etwas verwundert, da für heute niemand angekündigt war. Als er die Tür öffnet schlägt ihm ein sehr vertrauter Geruch entgegen. Ein Gemisch aus süßem Blut, Farbe und teuren Kräutern die man für edle Gerichte nutzt. Sofort schließt er die Tür hinter sich ab und macht einen großen Bogen um die Sitzgelegenheiten in der Mitte des Raumes, stellt seine Tasche auf seinem Schreibtisch ab und bleibt geduldig, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen, hinter dem Tisch stehen. Er nutzt ihn wie eine Art Schutz und Verteidigung gegenüber den Gästen, die ihn mit ihren Blicken verspeisen wollen. „Das ist nun wirklich eine Überraschung. Eine recht schöne muss ich zugeben.“ Seine Stimme ist kühl, aber auch leicht erfreut. Auch bei ihnen gibt er sich keine Blöße. Er hat sie dazu erzogen jede Blöße zu nutzen und sie würden auch bei ihm keinen Halt machen.

Die beiden Gäste haben es sich auf gegenüberstehenden Möbeln bequem gemacht. Der junge Mann hat die Beine übereinander geschlagen, den Kopf auf der Faust abgestützt und in der anderen hält er ein Glas teuren Whiskey. Hannibals Whiskey. Die schöne, junge Frau mit den sehr ähnlichen Gesichtszügen hat die angewinkelten Beine auf dem Sofa abgelegt und lächelt den Psychiater freudig an. In den Augen der beiden leuchtet die pure Mordlust auf, sie sind kalt und unberechenbar. Die silbernen Ringe an der rechten Hand des jungen Mannes wirken wie eine glänzende Einladung zum Todschlagen und der Kugelschreiber mit dem die Frau spielt wirkt wie eine tödliche Klinge. Sie beobachten ihr Gegenüber wie ein neues Opfer. Was wollen sie nur? Sie lauern wie Tiere auf den falschen Schritt von Herrn Lecter.

Hannibal dreht den Kopf bis es ordentlich knackt und geht einige Schritte um seinen massiven, eleganten Holztisch herum und gibt so seine Deckung völlig auf. Er seufzt nur erleichtert, bevor er mit Sprechen beginnt:“Ich dachte schon es wäre jemand, wie die Polizei, doch es sind nur meine geliebten Kinder. Hallo, Venus.  Vitus. Wie schön euch beide gesund zu sehen.“  Seine Anspannung weicht und auch seine Stimme wird etwas lockerer. Die Schultern werden schlaffer und dennoch macht er keine Anstalten sich zu setzen und ihnen näher zu kommen, da er eine gewisse Vorsicht besitzt und auch seinem eigenen Blut misstraut, wie es scheint. "Was verschafft mir die Ehre, dass ihr extra anreist und euch ohne Erlaubnis in mein Territorium wagt?"

Venus steht geschmeidig wie eine Schlange auf und tänzelt auf ihn zu, um ihn in ihre schmalen Arme zu schließen und seinen angenehmen Duft einzuatmen:“Wir haben gehört was passiert ist. Jemand hat dich verletzt! Man hat uns gebeten auf dich Acht zu geben, bis es dir besser geht.“ Hannibal streicht über ihren Rücken und spürt den zarten Spitzenstoff ihres schwarzen Kleides unter den Fingerspitzen. Erst jetzt realisiert er wie erwachsen sie ist, dass ist nun nicht mehr seine kleine Prinzessin. Sie ist das perfekte Ebenbild ihrer Mutter geworden, bemerkt er nur und ist verwirrt davon. „Ihr müsst euch keine Sorgen machen. Mir geht es recht gut und das war nur ein dummer Fehler.“  Meint er ruhig und löst sich langsam von ihr, doch sein Sohn wirft einen anderen Gedanken kühl in das Gespräch ein: „Das dir so etwas passiert. Du wirst wohl sentimental, alter Mann. Wir müssen einiges in die Wege-“, „Sprich nicht so! hast du den Respekt vor mir verloren?“ Hannibal erhebt die Stimme etwas und macht einen Schritt auf ihn zu. Vitus zuckt nicht zusammen oder zurück, doch der leicht erschrockene Ausdruck in seinen Augen und der viel zu feste Griff um das schöne Glas verraten seinem Vater alles was er wissen will. Die Drohung ist angekommen. Dann streicht er seiner Tochter einige Strähnen aus dem Gesicht: „Ihr werdet nicht eher gehen oder?“ Sie kichert: „Wir haben dich vermisst und außerdem wurde es wieder Zeit für den Austausch einiger Neuigkeiten. Wie läuft das Spiel? Das Geschäft?“

Durch ihre große, dunkelgrüne Brille blicken ihn graue Augen neugierig an. Seinem Mädchen konnte er noch nie etwas abschlagen, während er mit seinem Sohn zu oft aneinander gerät, da die beiden sich charakterlich zu sehr ähneln. Kleine, silberne Kreolen mit eingravierten Rosen blitzen im Licht das durch die Fenster kommt auf. „Du trägst die Ohrringe deiner Mutter.“ Bemerkt er lächelnd und folgt ihr zurück zum Sofa, wo die beiden sich niederlassen und er seinem Sohn einen nachdenklichen Blick zu wirft: „Was beschäftigt dich mein Sohn?“ Der Angesprochene leert sein Glas in einem Zug und beugt sich dann nach vorn, während seine grauen Augen den dunklen Teppich unter seinen teuren Armani Schuhen betrachten:"Ich mache mir Sorgen! Vater, du beginnst du schludern und das irritiert mich. Mir passieren ähnliche Fehler...", "Fehler nennst du das also?  Du tötest jedes mal aufs Neue eine deiner kleinen Liebschaften, weil du deinen Zorn nicht im Griff hast. Das sie dich noch nicht gefasst haben verwundert mich wirklich." Und schon stieren sich beide auf eine sehr unterschwellig böse Art an, die man kaum übersehen kann. Venus seufzt nur angestrengt und unterbindet das ganze so gut sie kann:"Jetzt hört auf! Kaum sehen wir uns wieder bricht die Hölle aus. Wir sollten alle gemeinsam etwas Essen oder nicht? So wie früher?" ein düsteres Lächeln huscht über ihre Lippen und ihr Bruder erwidert dieses mit einer gewissen Freude in den Augen. Hannibal mustert die beiden und nickt langsam:"Da ihr wahrscheinlich die nächste Zeit bei mir wohnen werdet kann ich meine neuen Rezepte gleich ausprobieren. Müsst ihr nicht arbeiten?"

Venus lehnt sich langsam zurück in die weiche Lehne des Sofas und spielt mit ihrem Haar:"Die Arbeit ist soweit geregelt, da musst du dir keine Gedanken machen. Wir haben alles ein wenig verlegt. Ach, Vater... wer ist eigentlich dieser Will Graham? Wir würden gerne verstehen was für eine Faszination du an ihm hegst, außerdem darf ich als nächstes mit ihm spielen und würde gerne wissen was ich darf und was nicht!"