Resistance Rising

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
OC (Own Character) Poe Dameron Rey
18.03.2020
27.05.2020
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Schwierigkeiten - mal wieder


Der unmarkierte X-Wing verließ den Hyperraum und vor Poes Augen kam ein riesiger Wüstenplanet in Sicht. Wie General Organa ihm aufgetragen hatte, waren die aktiven und passiven Scanner des Jägers ausgeschaltet, ebenso wie die Schilde. Anders als bei Sineadh wussten sie, dass in diesem Sektor einige Schiffe der Ersten Ordnung unterwegs waren, auch wenn es eher unwahrscheinlich war, dass sie Leute auf dem Planeten hatten.
     Jakku war nicht nur eine Sandkugel, sondern auch ein einziger, gewaltiger Schrottplatz. Während des Flugs hatte BB-8 ihn mit allerlei Informationen über das Ziel ihrer Reise versorgt, aber Poe hatte auch so schon gewusst, dass die letzte große Schlacht, die das Imperium schließlich zu Fall gebracht hatte, hier stattgefunden hatte. Dort unten mussten zahllose Wracks zu finden sein, Kreuzer wie kleinere Jäger, Schiffe des Imperiums und von Kämpfern der Rebellen gleichermaßen.
     Hinter ihm piepte BB-8 eine Frage.
     „Nein, es bleibt dabei, keine Scanner“, verneinte er und ließ den Blick durch das All schweifen. „Ich seh nichts, was nach Erster Ordnung aussieht. Du?“ Als BB-8 sich dieser Beobachtung anschloss, nickte Poe. „Scheint nicht so, als hätten sie hier viele Besucher. Sorgen wir dafür, dass es dabei bleibt.“
     Er überprüfte nochmals die Koordinaten des Dorfs, dann setzte er mit wenigen Handgriffen an den Systemen Kurs auf die Seite von Jakku, auf der im Augenblick Nacht herrschte. Wenn die Komplikationen auf Sineadh zu etwas gut gewesen waren, dann um ihn daran zu erinnern, dass die Erste Ordnung ihre Klauen schon viel tiefer in die Galaxis gegraben hatte, als sie mit Sicherheit sagen konnten.
     „Wir gehen rein, erledigen den Job und verschwinden wieder“, murmelte er leise. „Schnell und unbemerkt.“
     Wenig später trat der X-Wing in die Atmosphäre ein und Poe musste sich konzentrieren, nachdem er die Energie und Lichter auf einem Minimum laufen ließ. Aber er hatte schon mit deutlich schwereren Bedingungen gearbeitet und die Wetterverhältnisse waren klar und ruhig. Vor dem Cockpit zerstreute sich die Wolkendecke und gab den Blick frei auf eine dunkle Wüste, über der ein blasser, halbvoller Mond schien. Irgendwo weit unter ihm konnte er verschwommene Lichter erkennen, die den Standort des Dorfs markierten.
     Das Dorf selbst wirkte auf den ersten Blick ziemlich primitiv und schien lediglich aus einer Ansammlung einfacher, rundlicher Hütten zu bestehen, die nach und nach um einen großen Vaporator gebaut worden waren. Worum auch immer es beim Glauben der Kirche der Macht exakt ging, von moderner Technik schien man dabei nicht viel zu halten.
     Poe landete den X-Wing ein wenig außerhalb der Dorfgrenze hinter einigen Sanddünen. Er nahm den Helm ab und öffnete das Cockpit. Der seit Stunden erste Atemzug in nicht aufbereiteter Luft war erfrischend und gleichzeitig unangenehm kühl. Wie bei so vielen Wüstenplaneten herrschten auch hier bei Nacht kalte Temperaturen und er zog seine Lederjacke etwas enger um den Oberkörper, nachdem er den X-Wing verlassen und sich kurz gestreckt hatte.
     Er sah zu dem Dorf, bei dem er den Schein mehrerer kleiner Feuer ausmachen konnte, als ihm ein Gedanke kam und er sich zu seinem Astromech umdrehte. „BB-8, mir wäre es lieber, wenn du hier bleibst und die Umgebung im Auge behältst. Ich lasse mein Komlink aktiv, damit du mich finden kannst, wenn du etwas Ungewöhnliches entdeckst.“
     Nachdem BB-8 seine Zustimmung verlauten hatte lassen, machte sich Poe auf den Weg. Tuanul war still, fast schon unheimlich still, und das obwohl trotz der späten Stunde noch einige Dorfbewohner wach und bei der Arbeit waren. Allein oder in kleinen Gruppen saßen sie an Tischen und putzten oder reparierten Geräte oder kochten etwas über einem kleinen Feuer. Es wurde wenig gesprochen, und wenn, dann nur in gedämpftem Tonfall. Poe fühlte Blick auf sich ruhen, als er vorbeiging, aber anders als in Zaniah schien sich niemand länger als ein paar Momente für ihn zu interessieren.
     Damit das auch so blieb, verwarf Poe den Gedanken, jemanden nach Tekkas Aufenthaltsort zu fragen. Wie er auf Sineadh feststellen hatte müssen, gab es selbst in abgelegenen Gegenden Sympathisanten der Ersten Ordnung, und Jakku war nochmal eine ganz andere Ecke. Wer hier lebte und überlebte, war aus einem anderem Material als Farmer und Viehhalter.
     Eine Weile wanderte er stumm zwischen den Hütten hindurch, warf Blicke durch Fenster und musterte jede humanoide und nicht humanoide Kreatur, der er begegnete. Er fand Lor San Tekka nicht, aber das war auch gar nicht nötig, denn Lor San Tekka fand ihn.
     Poe zuckte zusammen, als er unerwartet eine warme Hand auf seiner Schulter verspürte und wirbelte herum, um in das gealterte Gesicht des Mannes zu blicken, den er suchte. Er trug dieselbe vielschichtige, dunkle Kleidung wie die meisten Dorfbewohner und hatte kurze, weiße Haare, einen Bart und müde blaue Augen, die im flackernden Licht eines nahen Feuers schimmerten.
     Er schenkte ihm den Anflug eines winzigen Lächelns und bedeutete Poe dann mit einer stummen Kopfbewegung, ihm in eine der Hütten zu folgen.
     Als er den Vorhang beiseite schob und nach Tekka eintrat, fand Poe sich in einem einzigen Wohnraum wieder. Es gab eine größere Feuerstelle, mehrere nicht zusammenpassende Sitzgelegenheiten, einen kleinen Tisch und ein Feldbett, das mit Fellen bequemer und wärmer gemacht worden war. Es gab einige ältere Geräte, vom rauen Klima gezeichnet, aber scheinbar immer noch funktionsfähig und von der Decke hingen getrocknete Essensvorräte herab.
     Tekka nahm Platz und Poe verstand das als Aufforderung, sich ihm gegenüber zu setzen. Der ältere Man betrachtete ihn ein paar Momente schweigend. „Ich hatte mich schon gefragt, wie lange es wohl dauern würde, bis mich jemand hier aufstöbert. Und wer wohl schneller ist.“ Er fragte nicht, wer Poe war oder weshalb er gekommen war. Letzteres lag auf der Hand und ansonsten zählte nur, dass er vom Widerstand geschickt worden war.
     „Euer Freund auf Sineadh, Laylo Surah hat mir eine Nachricht mitgegeben“, sagte Poe, als er sich an den Mann erinnerte, zu dem Adhara ihn gebracht hatte. „Er würde gerne ein Lebenszeichen hören.“
     Tekka nahm es mit einem Nicken zur Kenntnis. „Sie sind weit gekommen, um mich zu finden. Solche Ausdauer muss belohnt werden.“ Er stand auf und ging zu einem der Geräte, die an der Wand standen, um etwas zu holen. Als er zurückkam und sich wieder setzte, zeigte er Poe einen kleinen Lederbeutel. Dann legte er ihn in seine Handfläche und schloss die Finger darum. „Fortan können die Dinge ins Lot gebracht werden. Ich bin zu weit gereist und habe zu viel gesehen. In der Galaxis herrscht überall Verzweiflung. Ohne die Jedi kann es kein Gleichgewicht der Macht geben.“
     „Euretwegen haben wir nun eine Chance“, erwiderte Poe und betrachtete den kleinen Lederbeutel. Es war seltsam, nach den ganzen Abenteuern, nach den ganzen Gefahren nun endlich am Ziel zu sein. Für diese Karte, die er nun in den Händen hielt, hatte er sein Leben und das seiner Staffel riskiert. Diese Karte konnte dem Widerstand zu einem dringend benötigten, machtvollen Verbündeten verhelfen. Er verspürte Erleichterung, neue Zuversicht und, ja, auch Triumph. Er hatte es wirklich geschafft. „Der General sucht schon ewig danach.“
     „Oh, der General?“, wiederholte Tekka und schmunzelte. „Für mich ist sie immer noch eine Hoheit.“
     Poe erwiderte das Lächeln und dachte an Leia. „Ja, das ist sie wirklich.“
     In diesem Moment rollte BB-8 mit einem leisen Scheppern durch den Vorhang und begann bereits aufgeregt zu zwitschern, noch bevor er Poe gänzlich erreicht hatte. Allein die Dringlichkeit des keinen Droiden alarmierte ihn bereits, aber der Inhalt von BB-8s Worten brachte Poe augenblicklich auf die Beine.
     „Wir kriegen Gesellschaft“, teilte er Tekka mit und eilte dann aus der Hütte, wobei er einen Fluch unterdrückte. Er hatte alles getan, um Aufmerksamkeit zu vermeiden und trotzdem war es der Ersten Ordnung gelungen, ihn hier aufzustöbern.
     Nach einigen Schritten blieb er stehen und hob das Elektrofernglas, das er bei sich trug, vor die Augen. In der Ferne konnte er deutlich erkennen, was BB-8 ihm schon mitgeteilt hatte. Vier AALs, doppelt so viele wie in Zaniah und diesmal war er allein und hatte keine Zeit, sich irgendetwas zu überlegen.
     „Ihr müsst euch verstecken“, sagte er zu Tekka, ohne sich umzudrehen.
     „Sie müssen verschwinden“, gab der zurück. „Los!“, fügte er in noch dringlicherem Tonfall hinzu, als Poe sich umdrehte.
     Poe biss die Zähne zusammen und zögerte, dann fasste er einen Entschluss und nickte BB-8 zu, bevor er losrannte. Es gefiel ihm nicht, Tekka und das Dorf sich selbst zu überlassen, aber wie er bereits festgestellt hatte, waren seine Möglichkeiten diesmal deutlich begrenzter und seine wichtigste Aufgabe war es, die Karte von hier fort zu bringen. Wenn die Erste Ordnung ihn nun in die Hände bekam, wäre alle Hoffnung, Leias Hoffnung, auf Luke Skywalkers Unterstützung verloren.
     Hinter sich hörte er aufgeregte Rufe und das entfernte Geräusch von Blastergewehren, die geladen wurden. Nun war es mit der Stille in Tuanul vorbei, aber es beruhigte Poe zumindest ein wenig, dass die Leute hier imstande schienen, sich zur Wehr zu setzen. Die AALs landeten in einiger Entfernung mit hell erleuchteten Scheinwerfern und die ersten Schüsse und Kampfgeräusche ertönten, als die Rampen herunterlassen wurden.
     Poe beschleunigte seine Schritte und zwang sich, keinen Blick über die Schulter zu werfen. „Beeilung, BB-8, schneller!“
     Er erreichte den weiß-blauen X-Wing und kletterte ohne zu zögern die Leiter zum Cockpit hinauf, fischte den Helm aus dem Sitz und fuhr die Schiffssysteme aus dem Ruhemodus hoch, während er ihn aufsetzte und das Cockpit schließen ließ. BB-8 wurde auf seinen Platz hochgezogen und informierte Poe mit dringlich klingenden Lauten, dass er bereit zum Abheben war.
     Keine Sekunde später wurde Poe in seinem Sitz nach vorne geworden und er spürte, dass der X-Wing getroffen worden war, bevor er den Knall hörte. Die Luft wurde ihm aus den Lungen gedrückt und einen Augenblick lang konnte er nicht atmen, dann gingen die Warnsignale der Jägers los und die Anzeige vor ihm blinkte rot. Weitere Treffer folgten und Poe drückte bereits die ersten Knöpfe, bevor seine Gedanken zu der neuen Situation aufgeholt hatten.
     Ein Blick über seine Schulter aus dem Cockpit zeigte ihm die Übeltäter. Einige der aus den AALs stürmenden Sturmtruppen hatten den X-Wing entdeckt und kamen nun in seine Richtung. BB-8 gab ihm dieselbe Auskunft.
     „Ich sehe sie“, gab Poe zurück und aktivierte das Geschütz an der Unterseite seines Schiffs. Mit ein paar Handgriffen war es ausgerichtet und er betätigte den Auslöser ohne einen weiteren Moment zu verschwenden. Ein Schuss, ein Treffer, zwei Eimerköpfe weniger.
     Er riss sich den Helm vom Kopf und öffnete das Cockpit wieder, während er nach dem Blastergewehr griff, das er vorsichtshalber mitgenommen hatte. Da die Leiter bereits eingezogen worden war, musste er zu Boden springen und sobald er festen Grund unter den Füßen hatte duckte er sich unter dem Bauch des Jägers durch und eilte zu dessen Heck. Ein Blick auf die getroffenen und brennenden Antriebe genügte, um zu wissen, dass das Schiff in nächster Zeit keinen Abflug machen würde.
     Poe wirbelte herum und sah nun doch zum Dorf. Obwohl sich die Bewohner zur Wehr setzten, waren die Sturmtruppen der Ersten Ordnung in der Überzahl. Sie machten bereits die ersten Gefangenen, regungslose Körper säumten den Weg zwischen den Transportern und den ersten Hütten. Flammenwerfer kamen zum Einsatz und zwischen einigen brennenden Hütten und Zelten sah er verzweifelte Figuren panisch davonrennen.
     Von dort konnte er keine Hilfe erwarten. Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare, während er fieberhaft nachdachte. Im Augenblick konnte er nicht sehen, wie er es mit BB-8 und der Karte lebend von hier fortschaffen sollte. Ich vielleicht nicht, aber BB-8 schon, schoss es ihm durch den Kopf und abrupt wandte er sich seinem Droiden zu und ging in die Knie.
     „Neuer Plan, Kumpel“, teilte er BB-8 mit und zog den Lederbeutel heraus, den Tekka ihm gegeben hatte. Sein Inhalt war eine alte Datenspeichereinheit, in der die sich die wichtigste Karte der Galaxis befand. „Nimm das, es ist sicherer bei dir als bei mir.“
     Gehorsam öffnete BB-8 eine Klappe in einem kugelrunden Körper und nahm den kleinen Gegenstand bei sich auf.
     „Gut, und jetzt verschwinde von hier, so weit weg wie es nur geht“, trug Poe ihm auf. Er schickte seinen treuen Freund nicht gerne weg, aber es war die einzige Möglichkeit, die ihm noch blieb. „Hast du verstanden?“ BB-8 piepte seinen Protest, er wollte Poe nicht allein in der Gefahr zurücklassen. „Ich komm dich holen. Es wird alles gut!“, versprach er und legte alle Überzeugung in seine Worte, die er aufbringen konnte. Er war Poe Dameron, er war noch aus jeder Schwierigkeit herausgekommen.
     Ein weiterer Strich für deine Liste, Jess, dachte er, während er sich von seinem Droiden abwandte und zurück zum Dorf lief. Er fand eine Sanddüne, hinter der er in Deckung gehen konnte und atmete eine paar Augenblicke lang durch, dann ging er in Angriffsstellung und begann zu feuern.
     Während er das tat, versuchte er die Anzahl der Angreifer abzuschätzen, die er sehen konnte. Es waren sicher mehr als fünfzig Sturmtruppen, und das waren nur die, die sich im Augenblick noch auf beiden Beinen bewegten. Tuanuls Bewohner waren klar in der Unterzahl, aber trotzdem hatten sie es geschafft, die Einheiten der Ersten Ordnung ein wenig zu dezimieren.
     Er fasste einen weiteren Sturmtruppler ins Visier, als er über sich das Geräusch eines näher kommenden Schiffs hörte. Mit gerunzelter Stirn sah er auf und seine Miene verdüsterte sich, als sich eine dunkle Vorahnung bestätigte. Es war ein Shuttle der Upsilon-Klasse, ein Kampfschiff der Ersten Ordnung, das in der Regel nur Leute in den höheren Rängen zur Verfügung stand. Wer auch immer sich auf diese Sandkugel herunter bequemte, es war jemand Wichtiges. Und leider hatte er auch schon eine Vermutung, wer das war.
     Während das Shuttle landete, trieben die Sturmtruppen die überlebenden Dorfbewohner zusammen. Jetzt wehrte sich niemand mehr von ihnen, alle Schützen waren entweder tot oder ihrer Waffen beraubt worden. Poe presste die Lippen zusammen und wagte sich ganz langsam vorwärts, um das Geschehen besser beobachten zu können. Wenn er nun schoss, könnte er vielleicht einen oder zwei Sturmtruppler ausschalten, aber damit hätte er sich verraten und es bestand immer das Risiko, dass sie die Dorfbewohner als Schutzschilde missbrauchten.
     Er schaute zu, wie sie die Leute um den Vaporator versammelten und sich die Sturmtruppen dann mit erhobenen Gewehren im Kreis um sie aufstellten. Zwei weitere Eimerköpfe hatten Lor San Tekka ausfindig gemacht und flankierten ihn, während sie ihn vorwärtszerrten. Aus dem Shuttle stieg währenddessen eine hochgewachsene Gestalt aus, die in schwarze Kleidung und einen Umhang mit Kapuze gehüllt war, begleitet von weiteren Sturmtruppen.
     Heute war wieder einmal einer dieser Tage, von denen man vom Regen in die Traufe kam, dachte Poe grimmig, als Kylo Ren mit der Haltung eines Generals, der eine Schlacht gewonnen hatte, auf Tekka zuging. Die Maske, die das Gesicht von Snokes Schüler verbarg, schimmerte im Licht der Feuer.
     Die beiden wechselten einige Worte, die Poe auf die Entfernung nicht verstehen konnte, daher war er mehr als nur überrascht, als Ren plötzlich mit einer flüssigen Bewegung etwas von seinem Gürtel löste, eine gleißende rote Lichtschwertklinge aktivierte und Tekka mit einem einzigen Schlag niederstreckte.
     Der Schock hielt nur für den Bruchteil einer Sekunde an, dann sprang Poe aus seiner Deckung, legte das Gewehr an und gab einen Schuss ab. Es war ihm egal, dass er seine Lage damit um ein Vielfaches verschlimmerte und jede Chance auf Entkommen verwarf. Er würde keine Gelegenheit verstreichen lassen, dieses Monster anzugreifen.
     Aber kaum, dass Poe abgedrückt hatte, wirbelte Ren herum und streckte eine Hand aus. Der blaue Plasmastrahl verharrte regungslos und in die Länge gezogen in der Luft und Poe stellte mit Entsetzen fest, dass er sich nicht mehr bewegen konnte. Sein gesamter Körper war mitten in der Bewegung eingefroren und egal wie sehr er es auch versuchte, seine Muskeln wollten ihm nicht mehr gehorchen.
     Zwei Sturmtruppler eilten auf ihn zu und obwohl er nicht mal einen Finger rühren konnte, spürte er den kräftigen Schlag in den Magen, mit dem sie ihn begrüßten, ganz deutlich. Ein Schmerzenslaut entfuhr ihm, als der Bann gebrochen war, dann riss er sich zusammen und verweigerte weitere Anerkennung von Schmerz, als ihn die Sturmtruppen mit eisernen Griffen vorwärts zwangen, wie schon zuvor Lor San Tekka. Als sie den noch immer zischenden Plasmastrahl passierten, musste Poe den Kopf drehen, um einen ausreichenden Blick darauf werfen zu können. Er hing mitten in der Luft, scheinbar genauso in der Bewegung erstarrt wie Poe. Noch nie zuvor hatte er auch nur davon gehört, dass das möglich war.
     Die beiden Sturmtruppler brachten ihn zu Kylo Ren und zwangen ihn dort in die Knie. Er wusste, dass diese… Person eine der gefährlichsten war, die man in der gesamten Galaxis finden konnte. Trotzdem verspürte er kaum Angst um sein Leben, sondern in erster Linie Wut und Hass. Mit störrischer Miene sah er zu dem Mann mit der Maske auf, bis dieser in die Knie ging und ihm ins Gesicht blickte.
     Die schwarz-silberne Maske war noch nichtssagender als die Helme der Sturmtruppen und soweit es Poe bekannt war, hatte bislang niemand das Gesicht dahinter gesehen und überlebt. Aber er wusste auch so, dass Ren ihn musterte, und er starrte genauso zurück. Ein paar Momente vergingen in Stille, dann wurde es ihm zu dumm. „Wer sagt zuerst was? Willst du anfangen, soll ich anfangen?“
     „Der alte Mann hat sie dir gegeben“, erwiderte Ren, die Stimme verzerrt durch den Filter der Maske.
     Poe war sofort klar, wovon er sprach. Aber er wollte verdammt sein, wenn er zuließ, dass Ren die Karte zu Skywalker in die Hände bekam, also versuchte er Zeit zu schinden. „Du bist sehr schwer zu verstehen, weil du diesen…. Apparat trägst.“ Den letzten Teil brachte er nur schwer hervor, weil ihn die beiden Eimerköpfe hinter ihm auf Rens Befehl wieder auf die Beine zerrten und durchsuchten. Sie waren dabei alles andere als sanft und Poe biss abermals die Zähne zusammen.
     „Negativ“, lautete schließlich das Ergebnis.
     „Bringt ihn an Bord“, verlangte Ren.
     Augenblicklich verspürte Poe einen kräftigen Stoß zwischen den Schultern, während er gleichzeitig von einem anderen Sturmtruppler vorwärtsgezerrt wurde. Sie passierten einen weiteren, dessen verspiegelte Rüstung Poe nur deswegen als solche wahrnahm, weil er in ihr den Feuerschein sehen konnte. Nur wenige Schritte weiter hörte er eine weibliche Stimme durch den Helm sagen: „Sir, die Dorfbewohner?“
     „Tötet sie alle“, lautete Rens Antwort.
     Poe wandte sich um, als Blaster aktiviert wurden und entsetzte Schreie von den Dorfbewohnern zu hören waren. Die beiden Soldaten zogen ihn unnachgiebig vorwärts, obwohl er sich gegen ihre Griffe zu wehren begann. „Nein! Sie sind unschuldig!“, entfuhr es ihm, aber er wusste, dass es keinen Zweck hatte.
     Diese Tatsache war der Ersten Ordnung kein Hindernis, das hatte er einen von ihnen selbst sagen hören. Nur eine handvoll Tage zuvor in einem weiteren Dorf, das zu Teilen in Flammen stand. Adhara kam ihm in den Sinn, ihr Zorn und ihr Entsetzen über das, was man ihren Leuten angetan hatte. Sie hatte den Sturmtruppen-Captain ins Feuer gestoßen und er wünschte sich so sehr, dass er jetzt genau dasselbe mit Kylo Ren tun könnte.
     Der Flug im AAL dauerte nicht besonders lang und war nicht sehr angenehm, aber Poe wusste, dass ihm unter Garantie noch schlimmere Dinge bevorstanden, als mit zwanzig Eimerköpfen in einem beengten Truppenbereich eingesperrt zu sein. Sie hatten ihm Fesseln angelegt und einer war besonders übereifrig und klammerte die gesamte Zeit über seine Hand in Poes linke Schulter. Als ob er in dieser Situation noch irgendetwas anstellen könnte…
     Schließlich landete der Transporter und die Rampe wurde herunterlassen. Man zerrte ihn vorwärts und er setzte schon an, sich gegen den unnötig festen Griff zu wehren, als er realisierte, wo er sich befand. Ein Fluch sammelte sich auf seiner Zunge, aber er schaffte es nicht über seine Lippen.
     Er stand mitten in einem gewaltigen Hangar eines Sternzerstörers. Etwas anderes konnte dieser Ort mit den hohen Decken, die genug Raum für Flugverkehr boten, nicht sein. Und wo auch immer er hinsah, alles war voller Sturmtruppen in unterschiedlichen Rüstungen. Gewöhnliche Soldaten, Offiziere, Piloten, Flammentruppen, Spezialeinheiten, in kleineren Grüppchen oder in Formation auf Patrouille. Mechaniker und Techniker in grauen Overalls bewegten sich zwischen den Soldaten, ebenso einige Droiden oder rangniedrigere Offiziere auf dem Weg zu ihren Kontrollposten. Außer den Transportern, die von Jakku zurückgekehrt waren, entdeckte er auch Rens Shuttle, eine Vielzahl von TIE-Fightern und weiteren kleineren Kampfschiffen.
     Er befand sich mitten in einem einzigen großen Nest von Sturmtruppen und wenn er überhaupt auch nur einen Funken Hoffnung auf Flucht gehabt hatte, seit er in Kylo Rens Maske geblickt hatte, dann erlosch er in diese Moment.
     Poe leistete keinen Widerstand, als zwei Sturmtruppler ihn aus dem Hangar brachten, aber er stellte fest, dass er trotz allem die Abbiegungen der gleichförmigen Gänge zählte, obwohl er nicht glaubte, dass er je in die Lage kommen würde, den Weg zurück finden zu müssen. Sein rationales Denken war sich sicher, dass er sich diesmal in Schwierigkeiten gebracht hatte, aus denen er nicht wieder herauskommen würde, und er musste zugeben, dass es wirklich nicht gut aussah. Aber aufgeben kam schlichtweg nicht infrage, also merkte er sich den Weg trotzdem für den Fall der Fälle, so unwahrscheinlich das auch sein mochte.
     Schließlich endete die Tour durch den Sternzerstörer in einer geräumigen Zelle. Sie war leer, abgesehen von einer schrägen Liege in ihrer Mitte, auf der man Poe auch ohne viel Zeit zu verschwenden festmachte. Anschließend ging einer der beiden Sturmtruppler, während der andere an einer Wand stehen blieb, das Blastergewehr bereit, und wie eine Statue stur geradeaus starrte.
     Poe lehnte sich zurück, sodass die Fesseln etwas weniger unangenehm wurden und schloss die Augen. Er wusste, dass eine sehr spezielle Befragung auf ihn zukam und bis es soweit war, wollte er die Zeit nutzen, um sich darauf vorzubereiten und seine Kräfte zu sammeln.
     Schon als er noch ein Kind gewesen war, hatte er Geschichten über den Galaktischen Bürgerkrieg gehört. Nicht zwangsläufig von seinen Eltern, denn seine Mutter hatte nie viele Worte über ihre Zeit bei der Rebellion verloren und Poes Vater erzählte lieber von Kameraden oder Anführern, deren Heldentaten er erlebt hatte. Aber jeder wusste einfach Bescheid über Luke Skywalker, Leia Organa und Han Solo, die in der Millennium Falcon gemeinsam mit dem Wookiee Chewbacca den Kern der Rebellion gebildet hatten.
     Und so wusste er auch, dass Leia selbst von Darth Vader auf dem ersten Todesstern gefangen gehalten worden war – und von diesem gefoltert wurde. Aber sie hatte den Standort des Rebellenstützpunkts nicht verraten. Erst gestern noch hatte Poe mit genau dieser Frau gesprochen und er würde sie nicht enttäuschen, indem er schwach wurde und sich brechen ließ.
     Nach einer Weile öffnete sich die Tür und zwei weitere Sturmtruppler kamen herein. Ihre Rüstungen hatten eine Farbe, die irgendwo zwischen Grau und Schwarz lag und sie nickten dem Wachposten stumm zu. Einer von ihnen ging zur Wand zu Poes linken und gab dort etwas in ein Bedienfeld ein, worauf eine Vorrichtung in der Wand nach unten fuhr und den Blick freigab auf einen erleuchteten Hohlraum, in dem Poe alle möglichen Folterwerkzeuge erkennen konnte.
     Bewusst drehte der den Kopf wieder geradeaus und richtete den Blick zur Decke. Besser er sah nicht, was auf ihn zukam, dann konnte es ihm nicht schon vorher Sorgen bereiten.
     Kein Wort, sagte er sich stumm. Kein Wort werdet ihr von mir hören.
     Tatsächlich beantwortete er keine einzige Frage, die sie ihm stellten, auch wenn er nicht behaupten konnte, dass es ihm gelang, die ganze Zeit über stumm zu bleiben. Aber als ihm das Blut das Gesicht hinunterlief und sie ihre Arbeit an ihm schließlich einstellten, konnte er das unangenehme Gefühl nicht abschütteln, dass sie es nicht richtig versucht hatten. Zumindest hatten sie die wirklich großen Geschütze, mit denen er gerechnet hatte, nicht aufgefahren und so erleichternd das auch war, es beunruhigte Poe gleichzeitig. Es schien fast, als hätten sie nur Anstalten gemacht, ihn weichzuklopfen, während ihm die tatsächliche Befragung erst noch bevorstand.
     Erschöpfung übermannte ihn und trotz der düsteren Gedanken und der unbequemen Lage, in der er sich befand, fiel er in einen leichten, unruhigen Schlaf. Als er einige Zeit später wieder zu sich kam, spürte er sofort, dass er beobachtet wurde. Es gab wenige Arten von Blicken, die man so deutlich wahrnahm, dass man sie beinahe physisch spüren konnte, und er wusste, dass es auf diesem Sternzerstörer nur eine Person gab, die sich trotz Helm auf diese Weise bemerkbar machen konnte.
     Langsam öffnete er den Augen und drehte den Kopf ein wenig, sodass er die in Schwarz gekleidete Gestalt am Eingang der Zelle sehen konnte. Abgesehen von ihm war sonst niemand hier und Poe war allein mit Kylo Ren. Nicht mal sein Wachposten, der während der ‚Befragung‘ weiterhin nur vor sich hingestarrt hatte, war noch da.
     Das war kein gutes Zeichen und Poe fragte sich, ob ihn nun die nächste Feuerprobe erwartete. Nein, dessen war er sich sicher. Er atmete tief durch und richtete sich dann schwerfällig auf, soweit es ihm möglich war. Er schmeckte Blut auf seinen Lippen und an seiner linken Schläfe pochte schmerzhaft eine frische Wunde. Seine Finger fühlten sich ein wenig taub an.
     „Ich hatte keine Ahnung, dass wir den besten Piloten des Widerstands an Bord haben“, sagte Ren schließlich. „Bequem?“
     „Eher weniger“, gab Poe knapp zurück. Die Sturmtruppen waren das eine, Ren das endere. Er würde ihm genauso wenig auf die Fragen antworten, aber um Widerworte oder Spott war Poe noch nie verlegen gewesen, wenn er jemanden verabscheute.
     Ren kam mit langsamen, selbstsicheren Schritten näher. „Niemand hat es geschafft, dir zu entlocken, was du mit dieser Karte gemacht hast...“
     „War vielleicht die falsche Technik.“
     Die Maske musterte ihn und Poe sah genauso ausdruckslos zurück.
     Dann hob Ren die rechte Hand, wie in Tuanul, und streckte sie nach seinem Kopf aus. Den Bruchteil einer Sekunde lang passierte nichts, dann verspürte Poe plötzlich einen Zug hinter seiner Stirn. Mit einem Mal war da etwas, und es zog ihn unaufhaltsam Rens Hand entgegen, während sich gleichzeitig etwas in seine Gedanken bohrte. Er spürte es wie einen Fremdkörper, eine andere Präsenz... Rens Präsenz. Es war kalt und scharf und massiv und es war schmerzhafter als alles, was Poe in seinem ganzen Leben verspürt hatte. Ein gequältes Stöhnen entfuhr ihm und einen Augenblick lang kniff er die Augen zusammen in dem erfolglosen Versuch, Ren zurückzudrängen.
     Als seine Stirn beinahe dessen Handschuh berührte, wurde er plötzlich von einer unsichtbaren Kraft zurückgeworfen und alle Luft wurde ihm aus den Lungen gepresst, als er schwungvoll auf die Liege krachte. Sein Kopf flog ebenfalls nach hinten und wurde dort festgehalten, erneut ohne dass Ren ihn tatsächlich berührte.
     Er fühlte ganz deutlich, wie sich dieses Monster wie mit stählernen Händen durch seine Gedanken und Erinnerungen grub und Poe wusste, dass Ren genau sehen konnte, was er selbst vor seinem Inneren Augen sah. Die Ranch seiner Eltern, eine Gruppe lachender Flottenkadetten, einen schwarzen X-Wing mit orangen Markierungen, Adhara vor ihrem brennenden Haus, BB-8…
     Nein!, schoss es ihm durch den Kopf. Er musste Widerstand leisten und sich wehren, er musste Ren irgendwie aus seinem Kopf…
     „Wo ist sie?“, fragte Ren.
     „Der Widerstand...“, brachte Poe zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor „wird sich nicht von dir einschüchtern lassen.“
     Wieder erfasste ihn diese Kraft und wieder zog sie ihn vorwärts, heftiger, schneller, harscher diesmal. „Wo ist sie?“, wiederholte Ren, eindringlicher und ungeduldiger.
     Der Schmerz explodierte hinter Poes Schläfen und er schrie, während alles in ihm zusammenbrach und er Ren nichts mehr entgegenzusetzen hatte.
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