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Bücher der Verdammnis

GeschichteMystery, Freundschaft / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character)
18.03.2020
18.03.2020
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Inzwischen waren sie am Inselkrug angekommen, wo Södersen, der Wirt, gerade einen der Außentische abwischte. "Moin Herr Archangelos, Moin Dr. Rayne!" rief er "Kommen Sie rein, dann lass ich Lene einen schönen Pharisäer machen!" "Ich glaube, ich könnte einen vertragen..." murmelte Michael. Der Höllenfürst grinste. "Dann sollten wir Södersens Einladung annehmen." antwortete er und die beiden betraten den Inselkrug. Fünf Minuten später hatten sie einen Pharisäer vor sich. Der Erzengel war ungewöhnlich schweigsam und trank seinen Pharisäer recht schnell. Mit einem Nicken zum Wirt orderte der Höllenfürst einen zweiten. Michael schien es nicht einmal zu bemerken, dass es schon der zweite war. Sein ältester Bruder grinste und gab Södersen ein Zeichen und orderte zwei Kurze.
"Weißt du... an sich habe ich Maria ja nur... kennen gelernt weil... wegen dieser Geschichte mit den Silberlingen die man dir geklaut hatte... Das vergesse ich dir nie... Lucifer." murmelte der Erzengel. Dieser grinste griff nach dem Kurzen und hob ihn hoch. "Na dann auf Euch. Morgen wird es ernst. Oder hast du kalte Füße bekommen?" fügte er hinzu, als Michael ihn nur anstarrte. Er griff nach seinem Schnaps, prostete es an das Glas seines Bruders und trank. Der Höllenfürst grinste, als Michael etwas keuchte und rasch einen Schluck Pharisäer trank. "Nein, eigentlich nicht. Ich liebe Maria und möchte nichts mehr als sie zu heiraten, aber ... ich bin schon aufgeregt, muss ich zugeben." Jetzt lächelte sein höllischer Bruder. "Das ist ganz normal. War ich auch zugegeben ... ich tat es eigentlich nur für Selvi. Mir graut auch vor morgen, vor dieser Kirche in Stuttgart, in der ihr euch trauen lasst. Aber na ja, ich werde es qualvoll und tapfer überstehen wie immer. Nächsten Samstag muss ich den ganzen Vormittag in den Vatikaninschen Museen aushalten, das wird dann noch qualvoller werden, als diese eine Stunde morgen. Aber ich habe das Gefühl dich beschäftigt noch etwas. Ich werde nicht deine Gedanken lesen." Michael seufzte. "Es ist nur, das geht jetzt alles so schnell ... ich meine, ich werde jetzt auch bald schon Vater und bin eigentlich noch gar nicht darauf vorbereitet. Wie lange dauert es nochmal bei uns Seraphim?" fragte er und trank einen weiteren Schluck. "Sechs bis sieben Monate in etwa. Wie Vater lustig ist." antwortete er und bestellte per Blickkontakt zwei neue Schnäpse. "Du wirst das Vatersein lieben, da bin ich mir sicher."
Michael lächelte. Sein zweiter Pharisäer war fast leer. "Bringen Sie mir noch einen, extra stark bitte!" sagte Lucifer freundlich und hielt ihm sein leeres Glas hin, als der Wirt die Kurzen brachte. Södersen nickte. "Was denkst du jetzt? Denn jetzt siehst du so nachdenklich aus. "Mir fällt grad ein, dass die Taufe von Allegra jetzt auch mal fällig wäre. Selvi möchte sie gerne im Markusdom taufen lassen. Morgen deine Hochzeit, nächsten Samstag Vatikan und dann das noch. Da muss ich jetzt auch langsam mal Nägel mit Köpfen machen. Habe es nur immer geschoben und mir noch nicht mal Gedanken, wegen der Paten gemacht. Na wie auch immer. Jetzt geht es erst mal um dich und Maria." Sie tranken den zweiten Schnaps. Irgendwann stellte Södersen einfach die Flasche auf den Tisch und wechselte sie von Zeit zu Zeit aus. "Maria will weiterhin Teufel heißen... sie meint, höchstens Teufel Archangelos aber nicht nur Archangelos..." meinte Michael. Der Höllenfürst grinste. "Finde ich toll. Du könntest sie ja überraschen und klar sagen: Wenn du Teufel-Archangelos heißt, dann nehme ich das "Teufel" auch dazu und heiße Archangelos-Teufel. Überleg dir einfach mal was für ein phantastisches Paradox ist! Du als Erzengel - gut, du hast deinen Titel als Nachname gewählt - in Griechisch zwar, aber Archangelos heißt ja nun mal Erzengel, heißt Teufel." Michael sah ihn mit einer Mischung aus Entsetzen und Belustigung an. "Also ich kann dir nur sagen: Hätte Kat Teufel mit Nachnamen geheißen, Sandy hätte glaube ich sofort sein Dale-Ponte ad acta gelegt und keine Sekunde gezögert. Aber das musst du entscheiden. Und ich finde gut, dass Maria zu ihrem Familiennamen steht. Selvi heißt ja auch noch Bragi-Rayne."
Mit einem Wink orderte der Höllenfürst eine weitere Flasche Schnaps, die der Wirt mit einem Grinsen vor ihm abstellte. Michael stand auf und ging wortlos zu einem der Fenster und sah hinaus. Der Wirt trat zu Lucifer und meinte leise: "Na, da hat die Maria aber noch was zu tun, damit ihr Erzengel nicht mehr rumläuft als hätte er ‘nen Stock im Hintern!" Der Höllenfürst grinste. "Ja... zweifellos... aber die ist zäh und schafft das. Immerhin ist sie nicht allein - da sind Ilse, meine Familie, Kat und Sam und Samyaza und Frederica demnächst auch - und Frederica war mal Nonne in Chile... also daher sehe ich dem recht gelassen entgegen..." Der Wirt schmunzelte. "Was machen wir jetzt? Füllen wir ihn ab?" Die beiden Männer grinsten einander fies zu, tauschten ein HighFive und als Michael an den Tisch zurückkehrte war das Schnapsglas für ihn etwas größer, was ihm jedoch nicht aufzufallen schien.
"Wieso hast du dich eigentlich gleich so gut mit Maria verstanden?" fragte Michael seinen höllischen Bruder - die Zunge schon etwas schwerer. "Hm... sie hatte nie wirklich Angst vor mir... vielleicht nicht einmal großen Respekt. Und Carsten Molching wusste schon wen er uns als Geistliche für die Botschaft schickt - und er hat wirklich gut gewählt. Nicht umsonst versteht er sich ausgezeichnet mit Consuela... Ich fürchte fast, dass ich Consuela an ihn verliere." Er grinste. Schon leicht angeschäkert grinste Michael zurück. "Oder er wechselt zur Botschaft - oder Consuela wechselt rein persönlich nach Stuttgart aber beruflich - was durch Portale ja möglich wäre - bliebe sie in der Botschaft. Ändern täte sich dann ja nichts." Der Höllenfürst schmunzelte und schenkte ihm nach. Es dauerte eine Weile und noch zwei weitere Flaschen Schnaps, bis Michael soweit genug hatte, dass er bedenklich schwankte.
Der Höllenfürst bezahlte die Rechnung und brachte seinen Bruder selbst sichtlich betrunken zu sich nach Hause. Ilse die in der Küche stand und das Mittagessen zubereitete und einen Kuchen im Backofen hatte, hörte die beiden Männer schon im Flur. „Lucian! Wie kannst du den armen Kerl so abfüllen, wo er doch morgen heiratet.“ ermahnte seine Mutti ihn. „Er hat freiwillig getrunken und jetzt bring ich ihn zu dir, um ihn wieder munter zu machen. Mach ihm einen Kaffee und gib ihm einen von deinen eingelegten Heringen, den mag er ja.“ lachte ihr Sohn. „Findest du das witzig? Ich nicht.“ murmelte Ilse, als sie Lucifer half seinen Bruder auf das Sofa zu verfrachten. Der Höllenfürst setzte sich neben ihn, dass er nicht gleich in die Kissen sackte und einschlief. Ilse kam kurz darauf mit zwei starken Kaffee und einem Glas Heringe zurück. „Du könntest aber auch einen Hering vertragen.“ sagte die alte Dame frech. „Never! Ich habe das widerliche Ding einmal runtergewürgt um mir vor Michael keine Blöße zu geben. Danach war mir den ganzen Tag schlecht und das letzte Mal hatte ich mich ja sogar übergeben, nur weil du ihn mir aus Spaß vorgesetzt hast.“ Ilse sah ihn fast etwas böse an. "Da bist du lieber betrunken und hast heute Nacht Kopfschmerzen? Du bist unmöglich Lucian!“ Er grinste und konzentrierte sich, was ihn in seinem momentanen Zustand einiges an Kraft kostete um seine Selbstheilungskräfte bei Michael einzusetzen, damit er etwas schneller wieder nüchtern wurde. „Meine Sache. Wichtig ist, dass Michael nachher wieder einigermaßen nüchtern ist und es ihm morgen wieder gut geht. Notfalls lasse ich morgen nochmal meine Kräfte auf ihn wirken, wenn er noch nicht fit ist.“ antwortete er mit einem Lächeln, als er zu Michael sah, der etwas neben sich wirkend den Hering aß. „Und wer kümmert sich morgen um dich? Du bist auch betrunken und du wirst morgen in der Kirche auch leiden, wie du sagtest.“
Jetzt lächelte er sie an. „Niemand schätze ich, da muss ich durch. Genauso wie bei der Taufe im Markusdom, wo es jedoch noch schlimmer sein wird, ebenso wie im Vatikan, wenn ich nächsten Samstag mit meinen Studenten die Exkursion in die vatikanischen Museen mache.“
Ilse blickte etwas mitleidig auf ihren Sohn. Sie mochte es gar nicht, wenn er leiden musste, weder bei den stressbedingten Magenschmerzen, den Kopfschmerzen, die er ohnehin fast ständig hatte und schon gar nicht, wenn er sich in den Kathedralen, die ihm viel zu wider sind oder im Vatikan aufhalten musste.
Als Michael den Hering gegessen hatte und seinen Kaffee ausgetrunken hatte und sich auf das Sofa legte und sofort einschlief, deckte Ilse ihn fürsorglich zu. Am Nachmittag kamen Maria und Rodrigo zum Kaffee. Lucifer quälten mittlerweile die ersten Anzeichen eines Katers. Mit einem Seufzen griff Ilse zum Telefon und rief bei Sandalephon und Kat und auch bei Maria an. Kat könnte ihrem Onkel helfen, schließlich war sie ein Engel der Heilung und auch Sandalephon verstand etwas von Medizin... und Pharmazie. Und Maria musste ja wissen, wo ihr Verlobter abgeblieben war.
Zehn Minuten später stand eine sichtlich wütende Maria vor dem Höllenfürsten. "Was fällt dir ein? Du weißt genau, dass Michael nix verträgt und außerdem heiraten wir morgen? Soll er mit einem Riesenkater und bar jeder Sinne heiraten? Du bist sowas von unverantwortlich, Lucifer? Wo habt ihr euch denn besoffen? In einem deiner Domizile?" Der Höllenfürst seufzte. "Im Inselkrug... Ich hab deinen Mann mit Södersen gemeinsam abgefüllt..." Die Pastorin schnappte nach Luft. "Den werde ich morgen kielholen auf der Feier!" Ilse legte ihr eine Hand auf den Arm. "Er hat schon seine Heilkräfte bei deinem Michael eingesetzt - obwohl er sie auch selbst brauchen könnte, Mädchen! Und Michael schläft seinen Rausch aus - er hat drei Heringe gegessen, du weißt doch, er mag meine Rollmöpse gern, im Gegensatz zu Lucian und ich hab ihn warm zugedeckt. Lass ihn ausruhen und morgen ist er wieder fit. Setz du dich erstmal hin, ich habe Butterkuchen gebacken und dann trinken wir erstmal Kaffee! Kat und Sam kommen nachher auch noch und gucken sich die beiden Saufköppe nochmal an." "Müsst ihr denn immer so rumkeifen? Wir haben etwas getrunken. Na und! Ich habe Michael nicht gezwungen. Und er war mal locker. Und außerdem habe ich meine Selbstheilungskräfte bei ihm eingesetzt, er hat diesen widerlichen Hering gegessen und Kaffee getrunken. Noch ein oder zwei davon und ein wenig eigene Selbstheilung und er ist ganz der Alte. Schade, dass ihr immer nur das Negative darin seht, denn ich hatte den Eindruck dass Michael mal richtig Spaß hatte etwas so menschliches zu machen, wie mit seinem Bruder einen Trinken gehen. Eigentlich sollte ich mich gleich noch weiter betrinken um  ... den Gedanken loszuwerden immer alles falsch zu machen. Bringt aber eh nichts, wenn man danach immer wieder und wieder Vorhaltungen bekommt. Und ich trinke trotzdem, wenn mir danach ist!" antwortete Lucian sichtlich genervt und auch etwas traurig, das konnten die Frauen aus seinem Tonfall raushören.
Die Kinder setzten sich auch brav mit an den Tisch. "Wo ist denn Onkel Rodrigo mit Rüdiger und den andern beiden?" fragte Luca Maria. "Du, die sind bei Sam und Kat - Maurice hat gekocht und wohl auch was mit Konditormeister Hövede zu besprechen gehabt - ich glaube er sagte wegen der Torte von Samyaza und Frederica... und die beiden wollten noch Cremes und so probieren..." Der Junge nickte und erkundigte sich bei seinem Vater: "Darf ich mit Onkel Rodrigo ausreiten? Gegen Abend? Rüdiger kann auch reiten und kommt auch mit." Der Höllenfürst rieb sich die Schläfen. "Ja, Rodrigo ist auf einer Hazienda aufgewachsen, der kann reiten - und Rüdiger soweit ich weiß auch. Also sehe ich kein Problem dabei!" "Kann ich nachher bei Tante Freya vorbeigucken? Vielleicht darf Fenja ja auch..." "Moment mal, junger Mann! Du kannst gern Fenja besuchen, aber sie wird nicht mit ausreiten! Dazu ist sie noch viel zu klein! Und außerdem möchte Henrik das Fohlen von Stella Mattina und Djöfullin für seine Tochter haben!" unterbrach der Höllenfürst seinen Sohn. "Aber da kann sie ja noch nicht bald mit mir ausreiten..." maulte der. "Luca! Fenja ist menschlich, rein menschlich. Gut, ich habe schon ein wenig... mit Magie dafür gesorgt, dass sie weiter ist, aber so schnell wie ihr entwickelt sie sich nicht. Und so viel wie bei Christina und Lucas oder auch Deren oder Christian greifen wir nicht ein!"
In diesem Moment griffen Christian und Sophia nach dem gleichen Stück Butterkuchen. "Das ist meins, du Blödmann!" meinte Sophia patzig. Ihr Cousin grinste. Er und Aine waren bei den Raynes, weil ihr Vater in der Botschaft war und Calliope sich in Italien um die Geschäfte kümmern musste, bevor sie im nächsten Semester wieder ihr Medizinstudium - diesmal in Rom - wieder aufnehmen konnte. "Sophia-Aurora Rayne! Das ist aber nicht nett, dass du Christian so beschimpfst!" tadelte Christathea, die auch am Tisch saß, das kleine Mädchen. "Ach, lass nur, Yaya, Sophia ist immer ein kleiner Drachen - aber sie mag mich." antwortete Christian statt ihrer. Selvaggia grinste nur.
Sie waren fast fertig als Sandalephon und Kat kamen. Sofort holte Ilse zwei weitere Gedecke, zumal die beiden noch Kuchen mitgebracht hatten. "So, Ilse, nun erzähl mal, was los ist." sagte Kats Ehemann. Statt ihrer antwortete Maria entrüstet: "Lucifer meinte Michael mit Södersen abfüllen zu müssen und jetzt liegt mein Verlobter betrunken seinen Rausch ausschlafend im Wohnzimmer und schnarcht leise vor sich hin!" Lucifer seufzte genervt und rieb sich abermals die Schläfen. Sandalephon musste sein Grinsen verstecken. "Ach Maria, wir haben schon verdammt gute Selbstheilungskräfte und wenn ihr hier heimisch werden wollt, dann muss dein Zukünftiger auch mal etwas lockerer werden. Und falls er morgen nicht fit ist, dann kann ich immer noch helfen. Ich glaube, ich sollte mich erstmal um Lucifer kümmern." Ilse tätschelte Maria die Hand. "Dein Michael hat meine guten Rollmöpse gegessen. Der wird morgen wie aus dem Ei gepuhlt aussehen!" versicherte sie ihr. "Ach ja, stimmt ja... unser Mike mag die ja... ausgezeichnet Ilse! Wenn er wieder aufwacht stell ihm ruhig noch zwei, drei hin und eine Tasse Brühe dazu, dann ist alles okay."
Er griff in seine Hosentasche und warf dem Höllenfürsten eine Packung zu. "Neu entwickelt - extra gegen höllischen Kater..." erklärte er grinsend. "Ha ha ha... wie lustig." murmelte der Höllenfürst. Selvaggia seufzte. "Danke, Sandalephon! Ich habe es langsam aufgegeben was zu sagen, wenn er meint sich besaufen zu müssen." Der Erzseraph beider Seiten grinste: "Alles für meinen zweiten Chef, liebe Selvi."
"Onkel Sam, kannst du eigentlich reiten?" erkundigte Luciano sich. "Ja, natürlich. Ich bin ja fast so mächtig wie euer Vater, aber ich bin nicht so wirklich ein Fan von Reiten. Aber ich glaube, Michael reitet gern. Macht sich bei ihm auch viel besser beim Drachen bekämpfen." antwortete sein Patenonkel grinsend. "Und du, Tante Maria?" fragte der Kleine weiter. "Ich bin als Kind geritten - aber seit ich dann in Tübingen Theologie studiert und danach in Stuttgart Pastorin war... da hat es sich nicht so angeboten mit einem Pferd..." "Oh, aber du könntest doch hier auch ein Pferd haben!" rief Luciano begeistert. "Alles zu seiner Zeit, lass mich erstmal heiraten. Vielleicht sagt Michael morgen noch "Nein!" - und dann?"
Sandalephon sah sie überrascht an. "Michael? Nein sagen? Maria, Schätzchen, der ist bis über beide Ohren in dich verliebt und ganz ehrlich: Wenn er überhaupt in Erwägung ziehen würde einen Rückzieher zu machen, dann hätte er sich dir nicht im biblischen Sinne genähert und du wärst noch die "Jungfrau Maria" - und da ich weiß, dass dem nicht so ist..." Er grinste als Maria ihm einen Tritt unter dem Tisch verpasste.
„Willst du auch ausreiten, Großer, dann lassen wir nachher Luca mit Rodrigo ausreiten und ich reite mit dir aus und wer sonst von euch noch mitmöchte.“ „Aber du bist … du hast starke Kopfschmerzen und …“ Sein Vater grinste. „Extra entworfen für einen starken Kater und ich habe meine Selbstheilungskräfte.“ „Die hast du schon bei Michael eingesetzt hat Oma Ilse gesagt.“ Er lächelte. „Das habe ich gern getan. Michael wird es wieder gut gehen, wenn er aufwacht. Ich habe genug Kräfte auf ihn wirken lassen, damit er nicht mehr betrunken ist und habe dafür gesorgt, dass er keinen Kater hat.“ Maria sah ihn fragend an. „Und frische Luft tut deinem Vater ohne Zweifel gut, Luciano. Also reitet ruhig mit ihm aus.“ sagte Sandalephon. "Oh ja, prima!" "Kann ich auch mitkommen?" fragte Linnéa. "Natürlich!" antwortete ihr Vater. "Christian, wenn du willst, dann nehmen wir Jasper auch mit." fügte er an seinen ältesten Neffen gerichtet hinzu. Michael betrat gutgelaunt das Esszimmer. "Hallo zusammen!" sagte er gab Maria einen zärtlichen Kuss und setzte sich neben sie. "Ilse hast du mir auch einen Kaffee? Und dir Lucifer, danke fürs Reden. Jetzt weiß ich endlich, dass du mir nicht mehr böse bist und  ... du bist echt ein netter Kerl. Maria, Schatz, sei nicht böse auf ihn, ich wollte es selbst und ich hoffe du verzeihst Lucifer, denn du magst ihn ja selbst viel zu gerne und er hat dafür gesorgt, dass ich keinen Kater habe, was er bei sich selbst nicht gemacht hat." sagte er und schenkte seinem Bruder ein freundliches Lächeln. Da er gemerkt hatte, dass man Lucifer auch durchaus vertrauen konnte, da dieser ihn über Gedanken wissen ließ, dass er Maria und keinem anderen nichts von seinen Bedenken ein guter Vater zu sein erzählen würde und jederzeit zu ihm kommen könne.
"Wann wollt ihr jetzt eigentlich Allegra taufen lassen?" erkundigte sich Maria. "Jedenfalls nicht nächsten Samstag, da bin ich mit meinen Studenten im Vatikan." antwortete Lucifer. "Also wir wollen Elisabeth am Sonntag hier in der katholischen Kirche von Pfarrer Böttcher taufen lassen - und wir haben Mario eingeladen, weil Linnéa gebettelt hat... und an sich... also irgendwie... und Linnéa ist doch schon im Markusdom getauft worden - wie wäre es, wenn Rodrigo und Mario Allegra gleich mittaufen?" fragte Kat an Selvaggia gewandt. "Und dann gibt es ein nettes Taufcafé bei Södersen im Inselkrug oder wir feiern am Strand. Platz genug ist da ja." Bittend sah der Höllenfürst seine Frau an. "Na ja... an sich... also das ist eine nette Idee... ja... also... Lucifer, fragst du bei seiner Heiligkeit und bei Mario an - und bei Hochwürden Böttcher - ob sie unsere Allegra auch am Sonntag taufen?" Überrascht sah er sie an. "Ja, natürlich, wenn dir das recht ist, ich finde das eine wunderbare Idee. Immerhin sind Allegra und Elisabeth ja nicht weit auseinander und Mario, Rodrigo und Pfarrer Böttcher werden sicher nichts dagegen haben, ganz im Gegenteil... und ich könnte Rodrigo fragen ob er Allegras Patenonkel wird..." "Oder du könntest Rüdiger fragen, Onkel Rodrigos Leibwächter. Der ist auch nett." schlug Luca vor. "Na, über die Paten müssen wir dann nochmal reden. Ich denke Frederica hätte ich gern als Patentante und Rachel." sagte Selvaggia. "Prima Idee, Liebling - und ich möchte unsere Maria und Henrik Rass. Ich glaube, wir sollten hier auch auf die Insel Kontakte besser knüpfen und wer wäre geeigneter als Lucas späterer Schwiegervater?"
"Oder Luigi? Onkel Rodrigos neuen Sekretär. Der ist auch nett." schlug Luciano vor." "Nun ja... das wäre eine Verbindung zur Kirche - und mit Mario und Rodrigo haben wir da schon genug... also..." "Och Papa! Aber wenn wir in Rom sind kann ich dann mit Allegra Onkel Rodrigo und Luigi besuchen und in Venedig können wir Onkel Mario besuchen." "Ähm... seit wann nennst du Rodrigo denn Onkel?" erkundigte der Höllenfürst sich bei seinem Ältesten. "Seit wir in den Museen mit ihm waren, Papa. Da hat er - als ich das Zweite Mal "eure Heiligkeit" gesagt habe, gemeint: "ich bin für Luca Onkel Rodrigo, also bin ich das für dich und deine Schwestern auch!" und zufällig war Onkel Mario dabei und der hat sich angeschlossen - und gemeint, er wäre ja zwar nur Linnéas Patenonkel, aber für uns anderen Kinder hoffentlich nicht Eminenz, sondern wenigstens der Nennonkel und wir wären ihm immer willkommen."
Der Höllenfürst fuhr sich durch die Haare. "Ach komm, Großer, das ist nicht viel anders als bei mir. Ich bin Lucianos und Linnéas Patenonkel aber - abgesehen davon, dass wir ja Brüder sind - nennen deine Kinder mich alle Onkel, selbst Samantha sagt Onkel zu mir - und ihr Onkel bin ich nun wirklich nicht - zumindest nicht vom ersten Wort Vaters an, und auch nicht ihr Pate. Aber Samantha ist halt Jans Freundin und ich mag sie und würde sie jederzeit als meine Nichte sehen. Und Rodrigo mag dich und Selvaggia und er mag eure Kinder. Ich würde das als Kompliment sehen - auch von Mario. Der kommt übrigens heute Abend, weil Maria und Michael ihn zur Taufe eingeladen haben und übernachtet die nächste Woche bei uns - macht also noch etwas Urlaub auf Norderney." "Oh, Onkel Mario kommt?" freute Linnéa sich. "Ja, und er hat schon gefragt, ob ihr auch alle da seid."
Als das geklärt war zauberte der Höllenfürst sich ein Glas Wasser her und nahm eine von Sandalephons Tabletten. "Behalte sie für den nächsten Rausch." sagte der Erzengel beider Seiten, als Lucifer ihm die Tabletten zurückgeben wollte. Dieser nickte ihm freundlich zu und wandte sich an Christian. "Ruf Jasper an und frag ihn ob er auch mit ausreiten will." Dann ging er gemeinsam mit den Kindern zum Stall und dort trafen sie auf Rodrigo, für den schon ein Pferd zum Reiten ausgeliehen worden war, für die Zeit, die der Geistliche auf der Insel verbringen würde. Als sie soweit mit satteln fertig waren kam Jasper im Dauerlauf an. "Moin, ich bin gleich soweit!" rief der Junge fröhlich und sattelte schnell sein Pferd. "Na das ging ja fix. Ich hoffe du hast nicht geschludert." sagte Christians Onkel. "Prüf es nach." Lucifer ritt neben ihn und überprüfte es. "Sehr gut, ich will nur sicher gehen, denn erstens möchte ich nicht, dass dir was passiert und den Ärger deiner Eltern möchte ich mir auch nicht einhandeln." Lucifer freute sich, dass der Neffe des Tierarztes sich wieder gut mit Christian verstand, da dieser sehr traurig gewesen war als sie sich kurzfristig voneinander entfernt hatten. Und er fühlte sich für Christian nach wie vor noch wie ein Ersatzvater, wenn Astaroth wie im Moment nicht hier war, denn das war er ja eineinhalb Jahre lang gewesen, als Christian bei ihm gewohnt hatte.
Am nächsten Morgen ging alles etwas eilig vonstatten. Michael blieb fast die Luft weg, als Maria in einem wunderschönen Brautkleid von ihrem Vater zum Altar geführt wurde. Er sah zu Lucifer, der nur grinste. "Sie hat es mit Mutter und Asta, der Sekretärin von Botschafter St. Cyr gekauft." flüsterte Johannes Teufel, der Bruder von Maria, seinem zukünftigen Schwager zu. "Na, Astaroth weiß was gut aussieht, das weißt du doch, Kleiner - als Astarte allemal!" raunte der Höllenfürst. Marias Bruder sah ihn verärgert an. "Was soll der Mist? Asta ist eine sehr nette Frau! Wundert mich, dass sie nicht da ist." "Doch - sie... oder besser er... ist schon da - halt nur als Astaroth, gemeinsam mit Calliope Castaldi. Neben Katherine und Sandalephon - ähm... Sam Dale-Ponte Mc Neal..." Johannes Teufel blinzelte... "Du nimmst mich gerade auf den Arm, oder?" fragte er seinen zukünftigen Schwager. Der lächelte nur und fragte: "Was glaubst du, bin ich, Johannes?" "Ein... Architekt mit Doktortitel als  Bauingenieur und... ähm... na ja... du bist Grieche - also vermute ich mal, dass du nicht als einfacher Soldat aus der Armee raus bist." "Ich bin Bauingenieur, ja, ich bin Architekt, richtig, Statiker, auch richtig, aber ich bin der Erzengel und General der Himmlischen Heerscharen, Schwager. Und dem da..." er zeigte auf Lucifer, "habe ich vor Urzeiten gezeigt, wo Vater das Tor in den Himmlischen Gefilden gelassen hat." Johannes Teufel prustete leise. "Hör auf, Mike, echt, sonst fange ich hier noch an laut zu lachen und dann dreht Maria mir den Hals um!" "Dem ist nicht zu helfen..." flüsterte der Höllenfürst dem Bräutigam zu, just in dem Moment als Marias Vater ihre Hand in Michaels legte.
Dann begann der Orgelspieler mit dem ersten Lied. Anschließend folgte die Begrüßung durch den Pfarrer und den Popen. Eine Lesung von Psalm 127 eröffnete die Rituale. Luciano kam nach vorne. "Lieber Großvater, schenke Onkel Michael und Tante Maria viele Cousinen und Cousins für mich und meine Geschwister und bitte hilf Onkel Michael ein wenig lockerer zu werden. Danke, dass du ihm Tante Maria geschickt hast, damit er das schafft." sagte der Kleine und grinste seinen Paten an. Der stöhnte leise. "Ich frage mich, ob ich dir dafür die Ohren langziehen darf oder Hinnerk Bente!" flüsterte er seiner Braut zu. Die grinste. Kat trat nach vorn. "Vater, ich bitte dich um Stärke für Maria, damit sie mit Humor nimmt, was sie nicht ändern kann und um Stärke für Michael, meinen Patenonkel, damit er sich auf Norderney und Rhodos, aber auch hier bei den Teufels in Stuttgart einfügen kann. "Sie zwinkerte den beiden Brautleuten zu und ging mit Luciano zu den Plätzen zurück. Der Pope intonierte ein Segensgebet und darauf folgte eine kurze humorige Predigt des Landesbischofs. Danach kamen die Trauungsriten; der Pope begann mit der Krönung, wo beiden Kronen verbunden mit einem Band aufgesetzt wurden, Bischof Molching fragte die beiden noch bekrönten Brautleute: "Willst du, Maria Teufel den hier anwesenden Erzengel Michael, auf Erden Michael Archangelos zu deinem rechtmäßig angetrauten Ehemann nehmen, so spreche: ja, mit Gottes Hilfe!" "Ja, mit Gottes Hilfe." "Willst du, Michael, Himmlischer Erzengel und General der himmlischen Heerscharen, auf der Erde Michael Archangelos, die hier anwesende Maria Teufel zu deiner angetrauten Ehefrau nehmen?" fragte der Pope lächelnd neben dem Bischof stehend. "Ja, ich will, mit Vaters Hilfe. Er hat mir diese wundervolle Frau anvertraut und ich will sie in meinem Herzen tragen und an meiner Seite wissen bis ans Ende aller Tage!" antwortete Michael fest.
Der Pope legte ihre Hände ineinander und band eine Schärpe drumherum, während der Papst und Mario - beide in einfacher Priesterkleidung - zur Kanzel gingen. Nebeneinander standen die beiden katholischen Geistlichen darauf und der Papst begann mit der Lesung von Epheser 5,20–33 und Mario fuhr mit Johannes 2,1–11 fort. Danach trugen Astaroth und Calliope, aber auch Kerubiel und Thalia und auch Linnéa eine Fürbitte vor und Bischof Molching sprach ein Gebet. Der Pope reichte Michael und Maria einen Kelch aus dem sie tranken und dann umschritten sie den Altar Hand in Hand, nach einem Lied, dem Vaterunser und dem Glaubensbekenntnis - worauf der Pope gemeinsam mit dem Bischof den Schlusssegen sprach, war der Traugottesdienst zu Ende - nur Carsten Molching konnte es nicht lassen, dass er Michael zuflüsterte: "Nun küss sie endlich!" Was der sich nicht zweimal sagen ließ und die Anwesenden wurden Zeuge wie die Frischvermählten einander einen langen zärtlichen Kuss gaben.
Johannes Teufel sah seinen Schwager mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Entsetzen an. "Du bist wirklich... ähm...?" fragte er. Michael grinste, ließ drei Flügelpaare auf seinem Rücken erscheinen und legte sie um Maria um sie erneut zu küssen. "Ich habe mich übrigens für Archangelos Teufel als Nachnamen entschieden, mein Teufelchen..." flüsterte er Maria zu, die ihm lachend um den Hals fiel.
Bevor die Hochzeitsgesellschaft wusste wie ihr geschah, fanden sich alle im Inselkrug wieder. Die Norderneyer, die mit in der Kirche gewesen waren nahmen das recht gelassen hin, doch Marias Familie war ein wenig benommen von dem raschen Wechsel. "Sag mal, Teufelchen, wussten deine Eltern nicht, wen du heiratest? Deinen Bruder hat es ja eben aus den Socken gehauen..." meinte der Höllenfürst. "Ach Lucifer! Bitte! Natürlich habe ich es den beiden gesagt - und er hat ihnen auch seine Flügel gezeigt zum Beweis, aber Johannes, na ja... da hat er sich geweigert, was ich auch okay fand. Und übrigens danke, dass du ihn überredet hast, auch... na ja... zum "Archangelos-Teufel" als Nachnamen..." "Ach, schon gut, ich hätte es echt schade gefunden, wenn das "Teufel" einfach so verschwunden wäre - passt so gut zu dir." Sie lachte.
"Alle mal herhören bitte: Die Norderneyer, die an Frederica Casadas und Samyazas Hochzeit in der katholischen Inselkirche gleich teilnehmen können schon mal losgehen. Alle Gäste von Maria und mir, die hier mit Norderney an sich nicht so viel zu tun haben, bleiben am besten hier, das dauert eine Stunde, dann feiern wir mit Frederica und Samyaza gemeinsam!" rief Michael mit seiner befehlsgewohnten Stimme und sofort kehrte Ruhe ein, die Gäste die nur zu ihrer Hochzeit gekommen waren sahen einander erstaunt an. Johannes Teufel räusperte sich: "Wir... also mal ehrlich, Schwager: Wenn jemand aus deiner Familie hier im Anschluss heiratet - also an sich gehören wir doch auch zur Familie - zumindest wir Teufels... und hier rumhocken ist doch öde, zumal ich vermute, dass so ziemlich alle Insulaner zum Traugottesdienst wollen. Also denke ich, wir sollten alle mitgehen, wenn es dem Brautpaar recht ist."
Michael sah zum Höllenfürsten und meinte in Gedanken zu ihm: "Fragst du bitte bei deinem Höllenverwalter?" Der nickte und kurz darauf erklärte er laut: "Samyaza und Frederica freuen sich, Herr Teufel, also - auf in die Kirche, Alle!" Die Hochzeitsgesellschaft setzte sich in Bewegung und kurz darauf waren alle in der Kirche, in die man noch zusätzliche Bänke und Stühle gestellt hatte um ausreichend Platz zu schaffen.
Der Höllenfürst musste grinsen, als sie die katholische Kirche auf Norderney betraten und seine Frau sich nicht mit dem Weihwasser am Eingang bekreuzigte, sondern einfach nur daran vorbeilief. Sie setzten sich auf Ihre Plätze. Samyaza stand vorne am Altar, als seine Braut von einer Nonne aus ihrem früheren Orden, der Congregación de las Hermanas de la Providencia en Chile, die zugleich auch ihre Freundin und Trauzeugin war zu Samyaza geführt wurde. Der Höllenfürst seufzte, als die Mutter Oberin an ihm vorbeilief. Mit dem katholischen konnte er sich ja einigermaßen arrangieren, auch wenn er sich in manchen Kathedralen, Kirchen oder dem Vatikan sehr unwohlfühlte, aber Nonnen mochte er nicht wirklich. Frederika war da eine Ausnahme, da sie ja nun keine Nonne mehr war. Pfarrer Böttcher begrüßt das Brautpaar und die Gemeinde, die meisten kannte er ja persönlich auch die meisten Engel, die mittlerweile auf der Insel ein Haus hatten unter anderem auch den Lucifer, den Fürst der Hölle, den er aber mittlerweile sehr schätze und sogar auch, wie fast jeder auf der Insel der ihn kannte recht gern mochte, da er ihn als sehr freundlichen und sympathischen Mann kennengelernt hatte.
Er begann mit seiner Predigt, es folgten verschiedene Lieder und Gebete, so wie Fürbitten. Lucifer bekam von dem Gerede des Pfarrers wie er sich ausdrücken würde, so gut wie nichts mit, da er mit seinen Gedanken nur bei dem Buch war, das noch fehlte. Auch, dass er das eine Buch von Rodrigo nicht in seinem Besitz hatte beschäftigte ihn etwas, auch wenn er es sicher verwahrt hatte. Er bemerkte einmal, wie seine Frau sich hinkniete. Er war heilfroh, dass die akzeptierte, dass er dies nicht machen wollte. Erst als der Pfarrer die Trauzeugen nach vorne bat war er mit seinen Gedanken wieder bei der Hochzeit. Er erhob sich und stellte sich neben Samyaza. Dieser lächelte seinem Chef und Freund glücklich zu.  
Pfarrer Böttcher vollzog die Trauung, als er dann mit dem Weihrauchgefäß zu wedeln begann seufzte der Bräutigam innerlich leise auf. Er mochte den Geruch nicht wirklich und er fühlte sich etwas unbehaglich. Er sah zu seinem Chef, von dem er wusste, dass dieser Weihrauch für ihn richtig übel war. Er legte seinen Arm um ihn, um ihn zu stützen als dieser leise aufkeuchte und vor Übelkeit und Schwindel fast das Gleichgewicht verlor.
In Gedanken vernahm Samyaza ein „Danke.“ seines Freundes. „Gerne. So schlimm? Ich mag den Geruch ja auch nicht, aber dir scheint richtig schlecht zu sein?“ antwortete er mental, so dass nur Lucifer es hören konnte. Dieser nickte leicht.
Pfarrer Böttcher der sah wie blass der Höllenfürst war und auch merkte, dass der gutaussehende Mann mit starker Übelkeit zu kämpfen hatte, beendete sein Ritual schnell und entließ die Trauzeugen wieder auf ihre Plätze. Selvaggia griff nach der Hand ihres Mannes. „Noch ein Lied, das Vaterunser und der Segen. Dann hast du es geschafft.“ flüsterte sie, da sie wusste, dass ihm von dem Weihrauch schlecht wurde und sie bemerkte, dass er gegen den Würgereiz ankämpfte..
Nach der Trauung war er froh, dass er wieder an der frischen Luft war. Gemeinsam lief die Hochzeitsgesellschaft wieder in den Inselkrug um dort zu feiern. Lucifer ließ vom Wirt erst mal einen extra starken Pharisäer geben. Glücklicherweise ging es ihm nach Genuss selbigen wesentlich besser. Pfarrer Böttcher trat zu ihm. "Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Dr. Rayne?" Der Höllenfürst lächelte - er mochte den Pfarrer, der locker war und gut auf die Insel passte - und aus dem neu zuständigen Bistum Hamburg kam - irgendwie. Zumal der sich auch mit Astaroth inzwischen gut verstand und mit Maria, seiner Schwägerin. "Ja, jetzt wieder. Das war eine zu große Weihrauchdröhnung für mich." "Oh, das wusste ich nicht, dann werde ich bei den nächsten Gelegenheiten wesentlich sparsamer damit sein. Machen wir eigentlich wieder was zu Halloween auf der Insel?" erkundigte sich der Pfarrer. "Da wenden Sie sich besser an Dr. Dale-Ponte McNeal. Der wollte das etwas größer aufziehen - und ich könnte mir vorstellen, dass er sich da mit Astaroth zusammentut." lautete die Antwort. "Prima, werde ich machen." meinte der Pfarrer und ging dann zu seinem Platz am Esstisch. Etwas erstaunt sah der Höllenfürst, dass sicher 20 Nonnen auf der Feier waren.
Södersen, der Wirt trat kopfschüttelnd zu ihm. "Mannometer, war das ein Gewusel in der Küche, aber die Pinguine aus Chile wollten unbedingt beim Hochzeitsessen für Samyaza und seine Frederica mithelfen. Gibt auch eine interessante Mischung: Schwäbisch-Griechisch und Südamerikanisch-Norddeutsch." Überrascht sah der Höllenfürst den Wirt an. "Das hört sich spannend an. Und ist Hövede wieder was Witziges für die Hochzeitstorten eingefallen?" Das Grinsen des Wirts wurde breiter. "Und ob, ich habe vor Lachen fast am Boden gelegen. Ich glaube, die von ihrem Bruder Michael und ihrer Schwägerin, der Maria, wird Ihnen gefallen, Dr. Rayne." "Dann bin ich mal gespannt."
Er saß neben Maria. "Ich wollte dir Mutter Maria Caritas - die Obernonne von Fredis Orden ersparen. Du musst wohl eh noch ein Tänzchen mit ihr machen." flüsterte sie ihm zu, als die Bedienung den ersten Gang - chilenisches Pebre, eine Art Salat mit Paprika, Peperoni und Tomaten mit Knoblauch, in kleinen Schüsseln brachte. Ein wenig entsetzt zählte der Höllenfürst um die 15 Bestecke. Kaum hatte er den Salat gegessen, kamen die Mezedes: Dolmades, gefüllte Weinblätter, Gavros - kleine frittierte Sardellen, die er mit einem Lächeln unauffällig zu seiner Frau schob, aber auch Brot mit Tzaziki und Schafskäsecreme, gefolgt von Räucherlachs auf heißen krossen Kartoffelpuffern, gefolgt von Empanadas aus Südamerika und eine griechische Hackbällchensuppe namens Jourvalakia - das las Lucifer in der Speisekarte, die vor jedem stand. Schwäbischer Zwiebelrostbraten mit Trollingersauce und Spätzle mit Gemüse kamen als erstes Hauptgericht. Der Höllenfürst war überrascht, wie lecker es war. "Mamas Familienrezept. Dankenswerterweise hat Maurice mitgekocht, lecker oder?" flüsterte Maria ihm zu. "Ja, Kompliment an deine Mutter, hätte sie das Rezept für Selvi und Ilse?" "Rede mit ihr. Ich denke, sie rückt es raus." antwortete sie gerade als das Rotbarschfilet mit Bratkartoffeln mit Käse und durchwachsenem Speck gratiniert - gereicht wurde. Vorsichtig probierte der Höllenfürst und befand es für relativ lecker. Fisch war nun einmal nicht seine Lieblingsmahlzeit. Den Rest reichte er allerdings an Selvaggia weiter, die Fisch liebte. Dem Fisch - typisch Norderney - folgte Milchlammkeule mit Knoblauch - ein Rezept von Chrisathea, wie Michael gestand, dazu gab es Krithaki, die griechischen reisförmigen Nudeln und etwas mediterranes Gemüse. Lucifer aß etwas von dem Lamm, ließ jedoch noch etwas auf dem Teller und aß die Beilagen des Ganges, da er Lamm nicht so unbedingt mochte.
Und nun ließ die Küche sich auch etwas Zeit. Der Höllenfürst sah, dass die Nonnen in die Küche huschten. Also würde es jetzt wieder etwas aus Chile geben. Und richtig: Arrollado huaso - Schweine-Roulade ländlicher Art stand auf der Karte.
"Soll eine echte Spezialität zur Schlachtzeit sein. Mutter Maria Caritas hat mir davon vorgeschwärmt und meinte, sie würden es extra für Fredi kochen." flüsterte Maria, die seinen Blick bemerkt hatte. "Und die Krebspastete ist auch so eine Delikatesse aus der Region wo Fredi herkommt." Der Blick des Höllenfürsten fiel auf den Gang unter der Roulade: Pastel de jaiba - richtig, da stand Krebspastete drunter. Torta Tres Leches - Drei Milch Torte - läutete die Desserts ein, gefolgt von griechischer Gallatopita und Bougatsa, schwäbischem Ofenschlupfer und Blaubeeren auf Vanilleeis. "Meine Güte, da habt ihr aber auffahren lassen, was?" fragte der Höllenfürst entsetzt. Maria lachte. "Sei froh, Michael hat für Rollmops als Vorspeise plädiert. Aber ich glaube, Mokka, Pharisäer und Grog zu Gebäck wird dir als Absacker zusagen... es gibt auch noch Mezedes dazu und Empanadas sind auch noch da - und Käseplatten."
"Wir sollten erstmal eine Runde tanzen!" rief Samyaza und führte die Mutter Oberin zu ihm. "Chef... ähm... also normalerweise tanzen - wenn nicht gleichen Geschlechts - die Trauzeugen miteinander. Würdest du bitte... also sie war ja Fredis..." Der Höllenfürst seufzte leise, verbeugte sich jedoch charmant vor der Oberin und bat höflich um den Tanz. Er führte die Nonne nach vorne, wo sie erst zusahen, wie Samyaza  und Frederica ihren Hochzeitstanz tanzten. Er schloss kurz die Augen und atmete einmal tief durch, griff nach der Hand der Oberin und führte sie auf die Tanzfläche, wo er gekonnt die Führung übernahm. Er lächelte charmant, auch wenn er sich im Moment nicht unbedingt wohl in seiner Haut fühlte. "Oh, jetzt müssen Sie mit mir alter Nonne tanzen. Sie tanzen aber gut, ich hätte nicht gedacht, dass der Fürst der Finsternis so ein guter Tänzer ist." sagte die Oberin lächelnd. "Ich kann eigentlich fast alles, wenn man es genau nimmt, Danke übrigens für das Herrichten des Gartens, als Sie und ihre Nonnen in einem meiner Häuser untergebracht waren. Der ist wirklich sehr schön geworden." antwortete er wirklich sehr höflich, mit einem kleinen Lächeln. "Das haben wir gerne gemacht, irgendwie mussten wir uns ja revanchieren ." Diesmal sagte er nichts und lächelte nur. Er wusste ehrlich gesagt nicht, was er mit der Nonne anfangen soll. "Wenn Sie etwas brauchen, finanzielle Unterstützung oder Renovierungsarbeiten am Kloster, dann wenden Sie sich bitte an Frederica. Ich bin gerne bereit zu helfen." sagte er der Nonne noch als er sie an den Tisch begleitete. "Vielen Dank. Ich werde vielleicht darauf zurückkommen - wobei... es gäbe ein Projekt für Kinder, das auch Frederica sehr am Herzen lag." antwortete die Oberin. "Ich werde mich mit ihr darum kümmern, oder Samyaza wird das für mich machen." antwortete er mit leichtem Lächeln.
Maria klopfte mit ihrem Löffel an ihr Glas, während Michael sich erhob. "Wo wir gerade dabei sind. Unser Hochzeitstanz steht auch noch an. Und danach die Trauzeugen. Lucifer, du kannst gleich wieder mit auf die Tanzfläche kommen und deine Frau mitnehmen. Da wir zwei männliche Trauzeugen haben ersparen wir ihnen das Tanzen miteinander." sagte er und führte seine Braut zur Tanzfläche. Nachdem Michael und Maria ihren Hochzeittanz aufgeführt hatten traten die Trauzeugen mit ihren Frauen auf die Tanzfläche. Der Höllenfürst zog seine Frau nach ein paar Sekunden dicht an sich und gab ihr einen kurzen, aber sehr leidenschaftlichen Kuss. "Lucifer, das gehört nicht hier hin. Auch wenn ich es toll fand." Er lächelte liebevoll. "Ich genieße, den Tanz, der wesentlich angenehmer ist als der zuvor, obwohl die alte Dame echt nett war, aber sie ist eben eine Nonne." Selvaggia grinste.
Es folgte noch ein kleines Spiel, dann nahmen alle wieder Platz und ließen sich die letzten Gänge des Hochzeitsmahls schmecken, bevor man zum geselligeren Teil der Feier überging - mit weiteren Tänzen, Lucifer ließ es sich nicht nehmen mit beiden Bräuten zu tanzen, natürlich auch mit Selvaggia, Ilse und Kat, aber auch Rachel, die mit ihrem Mann und den drei Kindern anwesend war. Bei der Damenwahl musste er lächeln, als seine Nichten auf ihn zuliefen, aber Samantha, die mit Metatron und Cassandra gekommen war - ihn als Erste erreichte. "Ich will mit dir tanzen, Onkel Lucifer!" rief das kleine dunkelhäutige Mädchen. "Sehr gern, Samantha - Amélie." antwortete er und tat ihr den Gefallen.
Die Zeit verging recht schnell und schon bald wurde das - ebenfalls wieder aus Spezialitäten aus vier Ländern und Regionen bestehende - Buffet zum Abend aufgefahren. Unter Applaus brachte der Konditor die beiden Hochzeitstorten herein. Samyazas und Fredericas war gekrönt von einem lustigen Pärchen - eine Braut in weißer Nonnentracht - allerdings etwas bräutlicher - zog an einem der Hörner einen in einen Frack gekleideten Teufel hinter sich her, der einen Bierkrug und eine Bratenkeule in der Hand hatte. Samyaza und Frederica lachten laut auf. "Da hast du aber einen Fehler gemacht, Asmus!" rief der Bräutigam. "Ich musste mein Frettchen beknien, dass sie "Ja" gesagt hat und ich hätte sie auf Händen zum Altar getragen!" Was allgemeines Gelächter auslöste. "Und das sagst du mir jetzt, Samy?" fragte der Konditor und holte die Torte für Maria und Michael rein. Der Höllenfürst lachte laut auf: Michael, als Engel - als General in eher griechischer Rüstung, nicht in römischer - hielt vor sich - wie einen Schild - eine Ikone um einer blonden Braut, die ganz offensichtlich einen Pastorentalar hinter sich herzog, Paroli bieten zu können, denn Sie schlug mit einem schlichten Kreuz auf ihn ein. Michael fand das offensichtlich nicht so lustig wie seine Frau, doch der Höllenfürst zwinkerte der Braut zu. "Ich hatte mich informiert über diesen orthodoxen Kram... und wusste, dass das Mädel das hasst..." flüsterte der Konditor dem Höllenfürsten zu. "Sehr gut getroffen, Herr Hövede. Ihre Torten sind immer sehr gut." Dankend nickte der Konditormeister. Nach dem späten Kaffee und Kuchen folgten weitere Spiele für beide Brautpaare sowie weitere Tanzrunden, Wo Lucifer auch Cassandra sowie Chrisathea zum Tanz aufforderte.
Nach der Feier, auf der es ziemlich spät geworden war begaben sich alle in ihre Betten, da morgen ja wieder eine Feier anstand. In der katholischen Kirche war es am Sonntagmorgen ungewöhnlich voll - und auch der evangelische Gottesdienst fiel aus, da der Pastor zur Taufe geladen war. Es hatten sich wenige Touristen in die Kirche verirrt.
Vorn standen Pfarrer Böttcher, Pastor Bente und der Papst. Die normale Messe lief an und dann bat der Papst Lucifer und Selvaggia mit Allegra nach vorn. Mit einem Lächeln legte die Mutter die Kleine in die Arme von Pfarrer Böttcher, der sie überrascht ansah. "Lucian und ich hätten Sie gern als Paten, Hochwürden. Sie haben sich hier so gut eingelebt, dass wir das so honorieren wollen." flüsterte sie. "Ich taufe dich auf den Namen Allegra-Michelle-Frederica-Junia-Maria." intonierte der Papst. Selvaggia lächelte. "Junia - netter Name... gefällt mir." flüsterte sie dem Pfarrer zu, der errötet war und ein "Danke... ich... weiß gar nicht was ich sagen soll..." flüsterte er und sah sich etwas befangen um und schaute zu Maria, Frederica, Samyaza und Michael. Samyaza und Frederica waren beide Paten, hatten aber nur Fredericas Namen ausgesucht.
Pfarrer Böttcher hatte sich noch nicht richtig gefangen, daher bat der Papst Derek und Rachel mit Deren nach vorn. Der Sohn der beiden wurde auf "Deren-Lucifer-Merinus-Nicholas" getauft. Nick grinste in seiner Rolle als Pate. Die Gemeinde war bei "Lucifer" zusammengezuckt, doch der Papst lächelte und erklärte wieso der Name an sich eine gute Wahl war indem er von dem edlen Geistlichen erzählte, der diesen Namen in grauer Vorzeit getragen hatte. "Und schließlich und endlich ist das der Name des Mannes, der höchstwahrscheinlich der Lieblingspate des Jungen sein wird und dieser Name wurde diesem vom Höchsten verliehen." "Ich hätte dich auch gern als Paten gehabt, Sandalephon." flüsterte Derek seinem Schwiegersohn zu. "Das weiß ich zu schätzen, aber ganz ehrlich, Paps, ich bin lieber "Sam" für meinen Schwager als "Onkel Sam" - das klingt für mich komisch. Du weißt aber, dass ich immer für meinen Schwager da bin." Derek klopfte ihm freundlich auf die Schulter.
Jetzt war Elisabeth dran. Julien trat schüchtern vor. Er war schließlich auch einer der zukünftigen Paten. "Ich taufe dich auf den Namen: Elisabeth Lucia Arielle Merlina Leontine Mariola." Pfarrer Böttcher hatte sich inzwischen gefangen und war in der Lage die Taufe zu vollziehen und Mario, der Erzbischof und Kardinal von Venedig hielt das kleine Mädchen über das Taufbecken. Linnéa strahlte. "Mit Onkel Mario haben Lisa und ich dann den gleichen Patenonkel." sagte sie. "Und sie wird ihn genauso gern mögen wie ich." Sandalephon lachte leise, hob seine Patentochter auf den Arm und flüsterte: "Aber ihr Lieblingsonkel wird bestimmt dein Papa - oder dein Onkel Metatron... wobei auch dein Onkel Astaroth ein guter Kandidat ist." Linnéa grinste. "Die haben gegen Papa keine Chance!" stellte sie klar und sah zu ihrem Vater, der ihr Grinsen erwiderte.
Nach dem Gottesdienst war die Feier wieder im Inselkrug. Der Inselkonditor hatte es sich nicht nehmen lassen den Kuchen zu spendieren und für jedes Kind eine zweistöckige Tauftorte auf den Tisch zu bringen. Die für Deren war eine Schokoladentorte mit Karamellfüllung, Allegra bekam eine fluffige Zitronensahnetorte und Elisabeth eine rosarote Himbeer-Sahnetorte. Auf allen drei Torten waren Babyfiguren und Dinge die auf zwei, drei ihrer Namen hinwiesen. Allegras Torte zierte so ein Miniaturlippizaner und auch eine Marienfigur, Derens ein kleiner Teufel und eine Nikolausfigur, Elisabeths eine Burg (was auf ihre Geschichte in Schottland hinwies), die kleine Meerjungfrau Arielle und ein kleiner Löwe.
Die wenigen Touristen, die in die Feier gerieten, wurden herzlich zum Mitfeiern eingeladen - sehr zu deren Verwunderung, fühlten sich aber sichtlich wohl und willkommen. "Und du willst wirklich Ende des Monats nach Hause, Yaya?" fragte Thalia ihre Großmutter. "Na sicher. Dein Chef hat mein Haus renovieren lassen und Michael hat mir zwei neue Ikonen geschenkt: eine von sich und eine von Thekla von Ikonium, die eine Schülerin des Apostels Paulus gewesen sein soll. Und Lucifer hat für ein Portal gesorgt mit dem ihr mich und ich euch jederzeit besuchen kommen könnt. Und ihr Mädchen braucht eure Freiheit und nicht, dass ich immer um euch rumglucke. Calliope muss sich mit Astaroth einigen, denn den liebt sie und er sie, das sieht man, und auch Ainé und Christian mögen deine Schwester sehr gern. Und du wirst mit Kerubiel glücklich werden, Thalia. Das hat dein... zukünftiger Schwiegervater dir doch schon gesagt." Die junge Frau errötete. "Ja... ich bin ihm ja begegnet... und er war... gütig und ich habe mich... aufgehoben gefühlt. Obwohl mich das alles schon eingeschüchtert hat."
In diesem Moment hüpfte Linnéa mit zwei Tellern mit je einem Stück von den drei Torten auf sie zu. "Die sind total lecker, die Kuchen, Yaya, Thalia, die müsst ihr unbedingt probieren. Und Yaya, darf ich dich besuchen? Papa meinte du willst zurück nach Hause." Chrisathea nahm den Teller entgegen und zog das kleine Mädchen an sich. "Na, wie ich schon Thalia gesagt habe: Es wird langsam Zeit. Ich war ja lange hier bei euch und du bist mir jederzeit willkommen, Linnéa." Astaroth setzte sich mit Calliope neben seine "Schwiegeroma in Spe" und auch Kerubiel trat zu ihnen. "Ikonen? Hm... was meinst du Astaroth - wir könnten unserer "Schwieger-Yaya" ja auch je eine von uns anfertigen lassen." meinte er grinsend. Der Seraph beider Seiten lachte. "Dann aber nur mit uns gemeinsam - oder eine von "Kerubiel, dem Fürsten der Cherouveim und der Heiligen Thalia von Norderney und Astaroth und der Heiligen Calliope von... hm... Mailand?" Chrisathea lachte. "Das würde ich euch beiden Schlingeln zutrauen! Aber bevor ihr mir da Ikonen schenkt, lasst lieber schöne Portraits machen - Fotos reichen mir da schon. Ihr seid für mich alle Familie geworden, auch Lucifer und Selvaggia, Ilse, Katherine, Sandalephon, die Kinder, selbst dieser freche Samyaza mit seiner Frederica und Michael und Maria. Ich bin so glücklich, dass ihr alle mich in eurer Familie aufgenommen habt." sagte sie gerührt und umarmte Astaroth, während sie Kerubiels Hand tätschelte. "Du bist für mich meine Yaya, Chrisathea." sagte Kerubiel liebevoll und küsste ihr galant die Hand.
Am Nachmittag war die Feier beendet. Wieder zu Hause bat Lucifer, Ilse um einen Pharisäer und zog sich dann ins Wohnzimmer zurück, wo er sich in seinen Lieblingssessel vor dem Kamin setzte und nachdenklich in die Flammen starrte, während er seinen Pharisäer trank. Zwischendrin warf er einen Blick auf Allegra, die friedlich in ihrem einem Laufstall ähnlichen Bettchen schlief. Selvaggia spiele mit den Kindern am Strand. Ilse betrat den Raum und setzte sich. "Was beschäftigt dich denn so mein Junge? Ich habe das schon das ganze Wochenende gemerkt, dass du mit deinen Gedanken ganz wo anders bis." Er nickte. "Mir fehlt noch immer ein Buch." antwortete er knapp.
"Was weißt du denn darüber?" "Nun, nur dass es Richtung Byzanz - also heute Istanbul ging. "Hm... dann könnte es im gesamten Byzantinischen Reich gelandet sein - oder eventuell in der orthodoxen Welt... Ich würde vielleicht in Griechenland anfangen - oder in der Türkei..." meinte Ilse. "Und wenn du da nicht auf Spuren stößt... das Buch hat doch sicher eine gewisse "Bosheit" genährt, oder? Also mir würden da auf Anhieb in Russland einige einfallen: Rasputin, oder der Mann von Katharina der Großen ist doch irgendwann irre geworden... und dann die Marxisten: Lenin, Stalin... einer brutaler als der andere." Verblüfft sah der Höllenfürst sie an. "Danke, Mutti, darauf wäre ich gar nicht so gekommen... Du bist die schlauste alte Dame die ich kenne." sagte er und küsste sie auf die faltige Wange. "Ich werde Tarot wohl nochmal um Hilfe bitten müssen, und Sandy und Astaroth... vielleicht auch Kat... - die drei Erzseraphim beider Seiten." er lächelte und schien zum ersten mal seit längerer Zeit entspannen zu können.
Nach dem Abendessen rief er die vier in sein Arbeitszimmer. Kat hatte Elisabeth auf dem Arm, die auch sofort zu ihrem Patenonkel wollte. Mit einem Lächeln nahm der Höllenfürst sie auf den Arm. "Na, Lucia, Kleines, hast du deine Taufe gut überstanden?" fragte er und kitzelte sie, worauf sie leise kicherte. Dann erklärte er, wozu er Tarot benötigte. "Und, meist du, das Buch könnte in Moskau oder St. Petersburg sein?" fragte er. Der Zeitengel nickte. "Früher vielleicht St. Petersburg, aber... vermutlich hat einer der Bolschewiki erkannt oder gespürt, dass es ein mächtiges Buch ist und es mitgenommen - wodurch es bestimmt nach Moskau kam... Die Idee von deiner Mutter ist gar nicht so abwegig. Ich werde mich umsehen und schauen was ich fühle."
"Beeil dich bitte! Ich will dieses Buch so schnell wie möglich haben!" sagte der höllische Botschafter strenger als er es eigentlich vor hatte. Tarot nickte und verschwand. Kat bemerkte sofort, dass ihr Lieblingsonkel sehr angespannt und unruhig war. "Wollt ihr auf einen Drink mit ins Wohnzimmer kommen, während wir auf Tarot warten?" fragte er freundlich. Alle bestätigten mit einem Nicken und folgten dem Hausherrn in das Wohnzimmer, wo Ilse von ihrem Strickzeug aufsah und die Gäste erfreut begrüßte. "Wollt ihr etwas Trinken?" "Ich trinke einen Whiskey." antwortete ihr Sohn und schüttete sein Glas ganz voll. "Sandy, auch ein Glas Whiskey?" Dieser nickte. "Ja, aber bitte normal voll. Danke." "Ich hätte gerne einen leckeren Früchtetee." antwortete Kat, während Lucifer seinem Bruder das Glas mit dem Schluck Whiskey reichte. Sie setzten sich auf die gemütliche Sitzecke und tranken beide einen Schluck. Kat legte Lisa in den Laufstall, der für die Babys der Familie da stand und wandte sich an ihren Onkel. "Zieh bitte dein Oberteil aus, Onkel Lucifer und mach es dir auf dem Sofa bequem, Ich massiere dich ein wenig. Du bist nämlich bestimmt schon wieder total verspannt." Der Höllenfürst gehorchte und stöhnte hin und wieder vor Schmerz auf. Sandalephon trat neben seine Frau. "Darf ich mal kurz Lucia?" Nach ein paar Minuten überließ er die Massage wieder seiner Frau. "Du bist so verspannt Lucifer, dass es mit einer Massage zwischendurch nicht getan ist. Ich verordne dir jetzt regelmäßige Massagen von Lucia. Sie macht das sehr gut - zwischendrin werde ich mal eine Behandlung übernehmen um zu sehen in wie weit sich deine Verspannungen verbessert haben." Lucifer seufzte, sagte aber nichts dazu.
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