Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Bücher der Verdammnis

GeschichteMystery, Freundschaft / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character)
18.03.2020
18.03.2020
6
35.580
1
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
18.03.2020 7.770
 
Sein Mobiltelefon klingelte. Er warf einen Blick darauf und sah, dass es ein Anruf von Ilse war. Er ging ran. "Ja." "Hallo mein Junge, wie ich höre seid ihr wieder zurück. Und den Fall gelöst?" Lucifer seufzte. "Ach Mutti, ..." "Na dann macht eine Kaffeepause. Bring deine zwei Brüder mit und Sandalephon soll seine Frau und sein Töchterchen mitbringen. Bis gleich." sagte sie und hatte aufgelegt, bevor ihr Sohn protestieren konnte. "Habt ihr mitgehört?" fragte der höllische Botschafter. Die beiden Engel nickten.
Besorgt stellte Ilse fest, dass ihr Sohn immer noch sehr angespannt und nachdenklich wirkte, als sie ihm seinen Pharisäer servierte. Sie überlegte immer noch wie sie ihn etwas aufheitern konnte. Dieser wandte sich kurz an seine Frau. "Hexlein, hol doch bitte mal deinen Laptop, dann sehen wir kurz nach welches Problem du hast, bevor ich wieder beschäftigt bin." sagte er liebevoll. Selvaggia stand auf und holte ihn, da sie ihn ja schon am Montag wieder  benötigte.  "Er startet nur halb und dann fängt es wieder neu an." meinte Selvaggia. Der Höllenfürst nahm das Macbook seiner Frau zur Hand und sah sich den Vorgang einmal an. "Hm... da wurde ein Update unterbrochen, Schatz. Warte, wir starten einmal abgesichert, dann laden wir das nochmal neu, denn ins WLAN einloggen klappt dann und danach schauen wir ob es wieder klappt." Er tat was er beschrieben hatte und startete das Macbook neu - und schon funktionierte es wieder. Auf dem Bildschirm war ein Ordner namens "Bremen Uni". Bevor Selvaggia ihm danken konnte, hatte er den angeklickt und ein Word-Dokument geöffnet - in dem Glauben es wären Unterlagen für Führungen im Museum, doch er starrte auf ein italienisches Essay - zumindest auf das Deckblatt, dass die Studentin Selvaggia Bragi-Rayne, inklusive ordentlicher Matrikelnummer der Universität Bremen als Verfasserin auswies. "Schatz... kannst du mir das erklären?" fragte er verblüfft.
"Oh nein." flüsterte sie. "Ich wollte ... also im möchte auch mal etwas geschafft haben. Eine Aufgabe haben und mit einem Abschluss hätte ich mehr Möglichkeiten und ..." "Das ist mir klar!" unterbrach er seine Frau etwas schroff und sichtlich enttäuscht. Er traurig, dass seine Frau ihm so wenig Vertrauen entgegenbrachte. "Mich interessiert nur, warum du dein Studium vor mir verheimlicht hast." fügte er jetzt etwas traurig klingend hinzu, klappte den Laptop zu und stellte ihn vor seine Frau auf den Tisch. "Lucifer, bitte!" rief sie laut, als er sich erhob um das Esszimmer zu verlassen. "Was?" "Ich wollte es dir erst sagen, wenn ich sicher bin, dass ich es auch schaffe." Er nickte, sagte aber nichts darauf. Sein Magen begann sich wieder zu melden, da ihn diese Unterhaltung etwas stresste und er wegen der Sache mit den Büchern ohnehin schon ziemlich getresst war. Was Ilse nicht entging, weil sie ihm in diesem Moment gerade entgegen kam. Sie sah kurz zu Sandalephon, der es auch bemerkt hatte. Ilse streckte die Hand aus um ihn am rausgehen zu hindern. "Du gehst jetzt nicht wieder arbeiten! Ihr wart seit gestern unterwegs und dich plagt dein Magen. Und jetzt ziehen wir uns an und gehen alle zusammen auf das Hafenfest, wir können da dann auch zu Abend essen. Auch du mein Sohn und zieh deine schwarze Lederjacke an die im Flur hängt, am Hafen ist es windig."
"Das ist eine ganz nette Idee." meinte Selvaggia. "Die Kinder jubelten. "Juhuuuu, Papa geht auch mit! Papa geht auch mit!" sang Linnea, während sie in den Flur hüpfte, wo sich die Garderobe befand.
Der Höllenfürst zeigte keine Reaktion auf Ilses Ansprache. Er drückte sich nur mit den Fingerspitzen in den mäßig schmerzenden Magen. "Komm ja nicht auf dumme Gedanken! Die Schmerzen sind durchaus erträglich." hörte Sandalephon die Stimme seines älteren Bruders. "Nein. Wenn ich merke, dass die Schmerzen zu stark werden, zwinge ich dir die Tropfen auf, deren Wirkkraft ich verbessert habe. Im Extremfall gibt es wieder Spritzen!" war die Antwort.
Der Höllenfürst warf ihm einen bösen Blick zu. "Oder besser noch deinen Mantel, es ist kalt draußen. Auf geht`s Lucian, deine Kinder sind schon angezogen!" Der Höllenfürst seufzte und lief widerwillig in den Flur um seinen Mantel anzuziehen. Draußen zuckte er zusammen. "Mutti, das ist saukalt und ich wüsste nicht was es auf dem Hafenfest gibt, was die Kinder nicht auch in jedem Freizeitpark hätten!" murrte er. Ilse grinste. "Mien lütten Frostköttel... nu reiß dich mal tausammen und mok dien Lütten die Freude!" tadelte sie ihn liebevoll, hakte sich an seiner linken Seite ein, Selvi ging ihre Belustigung verbergend an der rechten und zog ihn mit sich in Richtung Hafen, von wo ihnen schon Musik entgegenscholl. Die kleine Allegra auf Thalias Arm klatschte begeistert in die Hände und rief fröhlich: "Babubi!" als Kerubiel an der Seite des Kindermädchens erschien. Der Cherub lachte und nahm sie seiner Freundin vom Arm. "Na, Allegra, scheint, wir zwei sollten auf dem Hafenfest mal eine kesse Sohle auf's Parkett legen, was?" neckte er die Jüngste seines ältesten Bruders. "Setz der Kleinen keine Flausen in den Kopf, Kerubiel!" knurrte der auch gleich. "Ach Lucian, Allegra liebt Musik und sie hat wirklich Rhythmusgefühl! Und sie liebt es im Fernsehen Ballett anzugucken!" meinte Thalia.
Der Höllenfürst warf ihr einen sphinxgleichen Blick zu, schwieg jedoch und legte um Selvaggia und Ilse einen Arm um sie näher an sich heranzuziehen. Seine Frau lachte. "Lucifer, was tust du?" Er grinste sie finster an: "Wenn ihr mich schon zwingt bei dieser Eiseskälte an den Hafen zu gehen, könnt ihr mich auch wärmen!" Ilse gab ihm einen liebevollen Knuff mit dem Ellbogen. "Lütte Frostbeule." sagte sie belustigt, ließ es jedoch zu.
Am Hafen angekommen wurden sie von den meisten Insulanern fröhlich begrüßt. Astaroth und Calliope waren mit Christian und Ainé ebenso auf dem Hafenfest wie auch Samyaza mit Frederica. "Ach, das wird noch nett - Shantychöre magst du und gleich singt hier der Norderneyer Shantychor, dann kommt der Kirchenchor mit zwei Seemannsliedern und dann ist da glaub ich noch der Büsumer." informierte Calliope den Höllenfürsten lächelnd. "Und vergiss nicht, morgen kommt Rodrigo - mit Rüdiger Lederle und irgendeinem anderen Leibwächter..." informierte Astaroth ihn. "Und du weißt, dass in drei Wochen Maria und Michael heiraten? In Stuttgart?" Samyaza küsste Frederica. "Und anschließend heiraten wir hier auf der Insel - der Papst traut uns und dann feiern die Maria, der Michael und wir zwei zusammen. Södersen ist schon feste am planen. Immerhin meint er, ich hätte den Inselkrug nach der Sturmflut, wo er im Krankenhaus war so gut geführt, dass er mich liebend gern als Kompagnon behalten hätte." sagte der Höllenverwalter. "Und den Sonntag drauf wird Elisabeth getauft. Aber auch hier auf Norderney!" rief Sandalephon und grinste als der Höllenfürst ihn entsetzt ansah. "So viel Kirchengedöhns auf einem Wochenende? Seid ihr jeck?!" fragte er. Frederica lachte. "Na komm, Samyaza und ich heiraten extra NICHT im Petersdom - obwohl Seine Heiligkeit uns das angeboten hat. Und die Stiftskirche Heilig Kreuz, die Bischofskirche in Stuttgart, wo Maria und Michael heiraten ist sehr schön. Die haben sogar Spuren aus der Romanik dort gefunden und du siehst Gotik, Spätgotik, Barock..." "Ja, aber es war eine Stiftskirche, Frederica! Und Romanik heißt, sie ist im 10. Jahrhundert gebaut worden - zumindest begonnen worden. Und das bedeutet, sie ist seit gut 1000 Jahren heiliger, Vater geweihter Boden und damit für mich potentiell sehr unangenehm!" "Aber etwa 700 Jahre jünger als der Petersdom - also wird es dir nicht ganz so an die Nieren gehen!" ließ Michael sich vernehmen, der mit Maria am Arm erschienen war.
Pfarrer Böttcher und Pastor Bente gingen eifrig miteinander diskutierend auf die Gruppe zu. "Ich habe heute das erste Aufgebot verkündigt!" rief der katholische Pfarrer fröhlich Samyaza und Frederica entgegen, während Pastor Bente grinsend an Maria gewandt meinte: "Und ich das Zweite - aber mit dem Hinweis, dass du nicht hier, sondern in Stuttgart heiratest. Und ich sollte dich warnen, Mädel: halb Norderney will dabei sein und soweit ich mitgekriegt habe, sind die schon mit einem gewissen Camael am organisieren... von wegen: Erst Stuttgart, dann hier die Hochzeit von Lucifers Höllenleiter und seiner Frederica und dann die Feier beim Södersen." "Oh, ich... wir wollten es gar nicht so groß..." murmelte Maria etwas betreten. Michael lächelte. "Ach, Kleines, sieh es als Zeichen, dass die Insulaner uns mögen. Du weißt doch, viele meiner, oder unserer griechischen Bekannten von Rhodos wollen auch kommen. Und bei der Gelegenheit..." er seufzte, "...werden sie dann auch erfahren, dass das "Archangelos" nicht so einfach dahingesagt ist..." Maria grinste. "Na, bei meinem "Teufel" wissen sie, was sie sich einbrocken."
Der Höllenfürst musste leise lachen. „Wir wollen da fahren, bitte bitte!“ riefen die Kinder und rannten auf ein Kinderfahrgeschäft zu. Während die Kinder fuhren stand Lucifer eine rauchend am Rand und lauschte dem Shantychor, der gerade einen Auftritt hatte. Selvaggia trat neben ihn. „Klingt wirklich sehr schön.“ sagte sie leise, während sie sich an ihren Mann schmiegte. „Ja.“ Sie drehte sich um stellte sich dicht vor ihn. „Bist du böse mit mir, weil ich dir verheimlicht habe, dass ich an der Universität in Bremen studiere?“ Er schüttelte den Kopf. „Nein böse bin ich nicht.“ "Aber?“ Er massierte sich den Magen, während er antwortete. „Eher enttäuscht. Es wurde schon so viel vor mir verheimlicht. Selbst meine Kinder hatten ihre Geheimnisse vor mir. Da macht man sich so seine Gedanken.“ antwortete er traurig. Sie rückte ganz dicht an ihn. „Ach Lucifer. Ich liebe dich sehr und  ich vertraue dir auch. Ich dachte das weißt du mittlerweile. Ich wollte einfach erst etwas sagen, wenn ich sicher bin, dass ich es auch schaffe. Es tut mir echt leid.“ entschuldigte sie sich bei ihrem Mann und küsste ihn leidenschaftlich in aller Öffentlichkeit, was ihn sehr überraschte, denn das hatte sie noch nie von sich aus getan, da derlei Zärtlichkeitsbekundungen in ihrer Zeit als unschicklich gegolten hatten. Er musste etwas lächeln. Selvaggia fühlte sich im 21. Jahrhundert offenbar langsam daheim. Er erwiderte den Kuss ebenso, wenn nicht noch leidenschaftlicher, denn er zog sie noch dichter an sich und fuhr beim Küssen mit der Hand den Rücken hinunter und ließ seine Hand auf ihrem Hintern ruhen. Selvaggia ließ es geschehen und küsste weiter. "Habt ihr immer noch Zweifel, dass eure Eltern sich lieben?" fragte Thalia die Kinder des Paares, da diese es mal angezweifelt hatten, weil sie so oft streiten.
Diese schüttelten mit dem Kopf. Die Engel, so wie Ilse und ein paar der Insulaner unter anderem ihre engsten Freunde die Familie Rass und der Wirt vom Inselkrug, grinsten. "So Schluss jetzt, hebt euch das für heute Nacht auf, die Kinder wollen Lose ziehen."
Die beiden ließen voneinander ab und liefen Hand in Hand mit den anderen zur Losbude. Die Kinder gewannen alle etwas. Anschließend wollten alle nochmal etwas fahren. Die Engel schossen alle an einem Schießstand, wo sie alle etwas Schönes für ihre Frauen gewannen. Lucifer bezahlte zweimal, um auch für Ilse etwas zu schießen. Der Höllenfürst seufzte, als seine Kinder unbedingt so ein im Kreis und hoch und runterfahrendes Fahrgeschäft fahren wollten, da jeweils nur ein Erwachsener mit zwei Kindern fahren konnte und Linnea und Luca unbedingt mit ihrem Vater fahren wollten, hatte er keine Wahl. Seinem Magen tat das nicht besonders gut und als Ilse und Michael dann zum Abendessen noch einen Matjessemmel aßen, selbst seine Kinder und die anderen genossen so merkwürdiges Fischzeug, fühlte er sich richtig elend. Als es leicht zu tröpfeln begann machten sie sich langsam auf den Heimweg. Sie hatten ja ein paar Stunden auf dem Fest verbracht.

Als die Kinder im Bett waren, machten es sich die Erwachsenen noch vor dem Kamin gemütlich. Ilse musste lachen, als sie ihren Sohn ansah, der etwas zitternd vor dem Kamin stand und wirkte, als würde er jeden Moment hineinspringen.
"Thalia, könntest du heute Abend bitte im Haus schlafen. Das Zimmer, das du bewohnt hast, bevor ich dir das Nebengebäude gab. Selvi und ich verbringen den Abend und die Nacht heute wo anders.“ sagte ihr Arbeitgeber am nächsten Morgen am Frühstückstisch. „Ja klar, das mach ich gerne! Genießt den Abend und … die Nacht.“ antwortete sie grinsend. Er lächelte die junge Frau dankbar an und widmete sich dann wieder seinem Kaffee. Seine Frau sah ihn etwas überrascht an. „Was hast du vor Lucifer?“ fragte sie neugierig. Er schenkte seiner Frau ein kleines, verschwörerisches Lächeln. „So neugierig? Warte es einfach ab. Ich muss los in die Uni. Bis später, Hexlein.“ sagte er, erhob sich und stellte seine Tasse in die Spüle. Anschließend verschwand er. In seinem Hörsaal legte er seine Sachen auf das Pult und bereitete seinen Laptop vor, da seine Hiwine jetzt nur noch dienstags und mittwochs da war musste er dies heute wieder mal selbst erledigen. Er war selbst etwas überrascht gewesen, wie hilfsbereit Elisa ihm gegenüber stets war.
Er hielt wie immer mal wieder eine sehr informative und lockere Unterrichtsstunde ab, wie sich einer seiner Studenten am Ende der Vorlesung ausdrückte. Er hatte sich doch etwas bemühen müssen, nicht ständig an diese Bücher zu denken.
Den Nachmittag verbrachte er in seinem Arbeitszimmer in Paris. Teils brütete er über den Büchern, teils bearbeitete er ein paar Unterlagen des Boulevards. Madame Brissac hatte einiges an Finanzkram vom Kindergarten hochbringen lassen, welches Euangelion seinem Chef auf den Schreibtisch gelegt hatte. Bevor er ging zauberte er den Whiskeygeschmack weg, da er nicht wollte, dass seine Frau diesen heute schmeckte.
Er tauchte in der Küche seines Hauses auf, wo Ilse gerade den Esstisch für das Abendessen deckte. Er trat neben sie und gab ihr einen liebevollen Kuss auf die Wange. „Mutti, du weißt, dass Selvi und ich heute nicht mitessen?“ fragte er. Die alte Dame nickte. „Hab ich mir gemerkt, mein Junge. Was hast du denn mit Selvi vor?“
Er lächelte. „Einfach nur einen gemütlichen Abend verbringen.“ flüsterte er ihr ins Ohr. Ilse lächelte nur, weil Selvaggia in diesem Moment die Küche betrat.  Der Höllenfürst griff nach der Hand seiner Frau und zog sie ganz dicht an sich. Er gab ihr einen leidenschaftlichen Kuss. „Bis morgen, Mutti.“ sagte er und umarmte sie, anschließend verschwand er mit seiner Frau. Mach die Augen zu.“ bat er sie. Selvaggia lächelte, als sie irische Musik hörte, denn sie hatte seit sie mit ihrem Mann in Lord of he Dance war Gefallen daran gefunden. „Jetzt öffne die Augen.“ Die schöne Hexe machte große Augen. „Lucifer, das ist … einfach traumhaft schön hier!“ rief sie begeistert. Sie sah sich um und fand sich in einem Haus, das sie noch nicht kannte.
Ihr Blick fiel auf das Meer. Sie war fasziniert, von dem Ausblick, den das einsam gelegene Haus am Rand einer Klippe ihr bot. „Oh Lucifer! Wo sind wir?“ „Du befindest dich in einem meiner Häuser in Irland.“ antwortete ihr Mann. Er zog sie an sich und tanzte mit ihr. Selvaggia fühlte sich wie im siebten Himmel, wie man so schön sagt. Sie strahlte ihren Mann wie einen verliebten Teenager an. Anschließend genossen sie ein Dinner für Zwei, das ihr Mann gezaubert hatte. Nach dem Essen machten sie einen Spaziergang am Rand der Klippen. Als sie wieder nach Hause kamen schnippte ihr Mann mit dem Finger und im Kamin loderte sofort ein Feuer auf. Die Musik, ging wieder an und ihr Mann forderte sie abermals zu einem Tanz auf. Diesmal begann jedoch sie dabei erst zärtlich, dann immer leidenschaftlicher zu küssen. Er glitt mit seinen Händen über ihren Rücken bis zum Hintern. Als sich seine Hände nach vorne bewegten, an der Hüfte nach oben glitten, wobei sie auch zärtlich über ihre Brüste strichen, begann er ihre Bluse zu öffnen. Selvaggia tat es ihm gleich und öffnete sein Hemd. Sie liebkosten ihre Oberkörper, während sie eng umschlungen weiter tanzten. Kurz darauf fanden sie sich am Boden auf einer weichen Decke vor dem Kamin wieder. Sie verbrachten dort seit langem mal wieder eine Liebesnacht.
Am nächsten Morgen tauchte das Paar Hand in Hand in der Küche auf Norderney auf. Die Familie saß bereits beim Frühstück. „Moin, ihr beiden, hattet ihr einen schönen Abend?“ fragte Ilse während sie Tee und Kaffee servierte. Ihr Sohn und seine Frau lächelten, was bei dem Höllenfürsten morgens selten geschah und nickten. „Danke Thalia, dass du dich gestern Abend um die Kinder gekümmert hast.“ sagte die Frau ihres Chefs. Diese lächelte. „Gerne, erstens ist es mein Job und zweitens liebe ich eure Kinder. Und danke, dass ich mich in eurer Familie so wohl fühlen darf und für das Gefühl dazuzugehören.“ Als Antwort bekam sie ein Lächeln von beiden.
Anschließend brachte sie die Kinder in die Kita und gingen zur Universität, Selvaggia als Studentin nach Bremen und ihr Mann als Dozent nach Rom.
Dort saß bereits Elisa im Hörsaal, als er diesen betrat. „Guten Morgen. Früh dran heute.“ sagte er zu seiner Hiwine. „Guten Morgen, Dr. Rayne. Ja, so kann ich Ihnen wenigsten gleich behilflich sein, jetzt wo ich doch nur noch zwei Tage bei Ihnen studiere. Wenn Sie sonst etwas brauchen, ich helfe gerne weiterhin.“ Er nickte. „Gefällt es Ihnen an der anderen Uni?“ fragte er die junge Frau während sie sich um seinen Laptop kümmerte. „Ja, die neuen Fächer machen echt Spaß - Informatik ist halt voll mein Ding... eher als Geschichte... wobei... ehrlich gesagt, Dr. Rayne... ich bedaure echt, dass sie kein Prof an der Sorbonne sind...und ich habe auch ein paar Freunde gefunden. Natürlich sind meine Dozenten und Professoren dort nicht so cool wie Sie aber sie sind sehr nett und die Vorlesungen sind sehr interessant. Er lächelte freundlich, dann grinste er etwas diabolisch. "Nun, zumindest nicht solange sie nicht anfangen Theologie zu studieren... der Dekan des Theologischen Instituts ist nämlich mein... brüderlicher Freund - offiziell für die "Normalsterblichen" mein amerikanischer Cousin - Prof. Dr. Dr. Derek Rayne." Elisa lachte. "Theologie? Col cazzo, Dr. Rayne!" rief sie.  Der Höllenfürst schmunzelte. "Nun, aber die sollen sehr unterhaltsam sein. Aber schön und gut, danke für deine Hilfe, Elisa." "Prego, Signore Rayne.".
Nach und nach betraten die anderen Studenten den Saal. "Buondi, bevor wir anfangen: übernächsten Samstag gehen wir - was mir Himmelsqualen... für Sie wäre wohl Höllenqualen besser verständlich - bereiten wird, aber für Sie werde ich das mal auf mich nehmen. Wir werden uns dann die verschiedenen Statuen von Göttern der Antike ansehen - inklusive der importierten, wie Mithras, Isis und Co, aber auch die Kaiserstatuen. Sie werden dann darauf achten, was Kaiser-/Kaiserinnen- und Königinnenbildnisse mit Götterbildnissen gemein haben. Die Aufsätze dazu werden Sie in ihre Bücher schreiben und dadurch werden sie in meinem Notizbuch erscheinen... Also ganz klar: Sie brauchen nicht schon jetzt anfangen, denn dann wird es verschwinden! Das ist eine Arbeit für NACH dem Besuch, ich will nichts abgeschriebenes aus irgendwelchen Reiseführern, Lexika und ähnlichem lesen, sondern Ihre eigenen Gedanken dazu!"
Damit begann er eine recht humorige Vorlesung in der es diesmal um die Kaiser ging, die sich selbst zu Göttern erhoben hatten und  es so arg trieben, dass es einem "Normalsterblichen" - selbst in heutiger Zeit - schon die Schamesröte ins Gesicht treiben konnte. Am Ende wirkten viele Studenten nachdenklich. "Waren die Kaiser wirklich so verdorben?" fragte eine Studentin, die an sich eher ruhig war. "Si, Signorina Parisi. Und falls Sie fragen woher ich das weiß - abgesehen davon, dass ich damals auf Erden wandelte, wenn ich wollte: Meine... Diener, die Dämonen - oder auch ich selbst - haben diese Menschen verführt zum Bösen... Nero war ein einziges Kunstwerk... von höllischer Seite betrachtet, wohlgemerkt." Fassungslos sah Elisa ihn an. "Sie haben... haben ihn echt Christen verbrennen lassen? Als lebende Fackeln?" fragte sie schaudernd. "Ja, aber erst unter Decius, von 249 bis 251, war reichsumfassend. "Wer die Götter Roms nicht verehrt und dem allmächtigen Kaiser das Opfer verweigert, ist des Religionsfrevels oder sacrilegium - und des Majestätsverbrechens - des "crimen laesae maiestatis" schuldig" - das war die Begründung. Nero... ts... was die Christen betrifft, da war er ein kleines Licht... er war völlig wahnsinnig, aber von höllischer Seite aus natürlich genial... Wobei ich Sie beruhigen kann, Elisa: Heute denke ich - versöhnt mit meinem Vater, verheiratet, gesegnet mit fünf Kindern und Freunden, drei Erzseraphim beider Seiten darunter... eine davon meine geliebte Patentochter - darüber anders. Ich würde einen Verrückten wie Nero heute so schnell wie möglich ausschalten lassen wenn es meine Familie tangieren würde. Wenn Sie wollen, Elisa, können wir gern mit meinem Sekretär und Derek darüber in Paris weiterdiskutieren - und mit Sandalephon und Michael, wenn Sie mögen." Sie nickte nachdenklich.
Er entließ die Studenten und wandte sich an seine Hiwine: "Und, Elisa? Soll ich dich mit nach Paris zu Euangelion nehmen oder willst du deine Mutter bei Sariel und Catherine besuchen?" Sie lächelte. "Mama ist heute mit Stella und den Bragis im Leolandia. Stella liebt doch diese russische Serie "Mascha und der Bär" und die haben da eine tolle Show. Und sie mag Tiere und es gibt wohl einiges wohin Dottore Bragi mit ihr fahren will - und natürlich auch Signora Bragi - und Stella will auch mit Mama Karussell fahren. Können Sie sich das vorstellen?" Sie lachte. Der Höllenfürst lächelte. "Ja, Stella ist ein kleiner Sonnenschein... Sie erinnert mich ein wenig an Elisabeth, die Tochter von Kat und Sandy... also soll ich dich mitnehmen?" Elisa nickte und schon erschienen sie im Vorzimmer der Botschafter in Paris. "Schau mal, wen ich dir hier mitbringe, Euangelion..." sagte er fröhlicher als ihm zumute war. Der Archai in seinem Vorzimmer errötete leicht und dankte ihm. "Ich glaube, Elisa ist fast am Verhungern." "Oh... natürlich... oh... ähm... Elisa, würdest du gern in die Mensa... also in die Kantine... ich meine...?" Elisa lachte. Sie gab Euangelion einen Kuss auf die Wange. "Ich könnte ein Pferd verschlingen, so großen Hunger habe ich." meinte sie und zog den Engel mit sich.
Seufzend ging der Höllenfürst in sein Arbeitszimmer und ging nochmals die Bücher durch, die er bisher hatte.
Die Spur nach Spanien war bisher das Greifbarste. Er rief nach Sandalephon und Tarot und machte sich mit ihnen auf nach Spanien zur Familie Alba. In der Bibliothek war es Nacht als sie nach dem Buch suchten. Plötzlich öffnete sich die Tür und der Herzog von Alba stand im Raum. Mit einem Zauber machte Sandalephon ihn stumm und starr bevor der Höllenfürst dieses tun konnte. Der bedankte sich telepathisch und wandte sich an den Herzog. "Du hast ein Buch aus Italien gekriegt, von Signore Farese! Wo ist es?" fragte er bedrohlich und ließ ihn genau sehen wer vor ihm stand. Der Herzog  wich zurück, bekreuzigte sich und murmelte ein Vaterunser. "Besser du beantwortest Fürst Lucifers Frage, Sterblicher!" knurrte Sandalephon bedrohlich. "Ich habe es meiner Tochter als Mitgift gegeben - für den Marqués de Astorga." flüsterte der Herzog und bekreuzigte sich erneut.
Der Höllenfürst grinste diabolisch. "Danke - geht doch - und noch etwas, Don Fernando: Machen Sie weiter wie bisher... wir sehen uns. Heißt es doch im "Vaterunser von Gent: "Teufel unser, der zu Brüssel du haust, verflucht sei dein Name, vor dem uns graust; von uns dein Reich sich wende zu lang ersehntem Ende; dein Wille mag nie erfüllet werden, wie nicht im Himmel, so nicht auf Erden. Du nimmst uns heute unser täglich’ Brot, Weiber und Kinder leiden viel Not; keinem erläßt Du seine Schuld, drum bewahr’ uns alle vor deiner Huld. Stets wirst du uns in Versuchung führen, so lang diese Lande dein Wüten spüren. Himmlischer Vater, der über uns thront, mach, daß dieser Teufel uns verschont, samt seinem falschen, blutigen Rat, der stets nur Böses im Sinne hat, und schick’ seine spanische Kriegermeute zurück in die Hölle, dem Satan zur Beute. Amen! (Wieland Eschenhagen, Gabriele Intemann: Chronik-Handbuch Personen der Weltgeschichte. 1995, S. 19) " Und Sie wissen genau, dass sich dieses auf Sie bezieht. Ich habe schon ein hübsches Plätzchen für Sie reserviert..." Er nickte Sandalephon und Tarot zu und verschwand.
Im Vorzimmer traf er auf Euangelion und Elisa, die eifrig diskutierten. "Nun ja, Nero war... so gesehen grausam, aber er war nicht so verrückt wie Caligula oder gar Commodus. Der hat..." Der höllische Sekretär unterbrach seine Erklärung beim Eintreten seines Chefs. "Was gibt es Neues?" fragte er. "Ich brauche deine Hilfe. Du müsstest für mich herausfinden wie die Kinder und Erben aus der Verbindung von Doña Beatrix Álvarez de Toledo mit Don Alvaro Pérez Osorio, Marqués de Astorga verheiratet worden sind und sämtliche Nachkommen - inklusive außerehelicher." "Ich mache mich sofort ans Werk." antwortete Euangelion pflichtbewusst. "Ich helfe dir." meinte Tarot und setzte sich sofort neben den Sekretär. Er sah kurz zu Elisa, dann zum Höllenfürsten und meinte: "Wir könnten mit Signora Tardi nach Erledigen dieser Buchangelegenheit ja mal mit in die Vergangenheit nehmen. Soweit ich weiß, Lucifer, hattest du einige Häuser in Rom auf dem Palatin und dem Esquilin unter anderem..." "Ja, und heutzutage habe ich in jedem Municipi etwas - meist Mietshäuser..." "Oh, wo wir gerade bei den Mietshäusern sind, Lucifer - einiges geht ja auch über meinen Schreibtisch und ähm... Signore Delano, dein Hausmeister für drei der Häuser - ist sehr beliebt. Ich habe etwa zwei Dutzend Dankesschreiben bekommen wo er für seine tüchtige, zupackende Art sehr gelobt wird und in denen die Leute dir danken, dass du ihn geschickt hast." "Leg sie mir mal auf den Schreibtisch. Vielleicht ist eine kleine Gehaltserhöhung fällig." meinte der Höllenfürst positiv überrascht. Das hätte er dem eher stillen, früher immer abgekämpft und müde in den Vorlesungen erscheinenden Studenten gar nicht zugetraut.
"Ich bin dann auf Norderney - Rodrigo kommt heute und zieht mit seinen zwei Leibwächtern für seinen Aufenthalt zu Maria und Michael ins Haus. Kat und Sandy sind denn doch zu oft auf der Insel und Michael wird zur Hochzeitsfeier da sein aber die beiden brechen dann gleich zu den Flitterwochen auf - gemeinsam mit Samyaza und Frederica." Euangelion lächelte, dann wurde er verlegen. "Ähm... Samyaza hat mich übrigens gebeten sein... sein ein Trauzeuge zu sein... Und da Vater mir eine "menschliche Identität" als "Eugene Lieu" verpasst hat... also ich... hoffe, dass dir das recht ist..." "Euangelion, du bist der einzige Vertreter der - wie Astaroth immer sagt - Flauscheflügel-Fraktion, dem ich mein Leben und das meiner Familie anvertrauen würde und du kennst mehr Höllengeheimnisse als irgendwer sonst von da oben - gut, von Sandy mal abgesehen..." Er grinste Kats Ehemann an, "Aber der zählt als Erzseraph beider Seiten nicht. Also wie könnte ich anders als mich für dich zu freuen und Samyaza für seine ausgezeichnete Wahl zu beglückwünschen?" Erleichtert atmete Euangelion aus. "Soll ich dich noch schnell nach Rom zurück bringen, Elisa?" fragte der Höllenfürst. Doch seine "Teilzeit-Hiwine" schüttelte den Kopf. "Ich muss morgen ja eh hier zur Uni, Dr. Rayne, und dann kann ich mein Zimmer hier in der Botschaft nutzen." Sie grinste als er überrascht eine Augenbraue hochzog. "Ähm... wir fanden das praktischer, Dr. Smith, der Leiter unserer Informatik und ich, wenn Elisa hier übernachten kann. Dr. Smith braucht sie ab und zu mal und ich..."
Euangelion räusperte sich verlegen. "Euangelion lernt gerade etwas menschlicher zu werden - ich schleife ihn ins Theater, in die Botanischen Gärten, ins Kino... halt sowas." Der Höllenfürst musste schmunzeln. "Ausgezeichnet, Elisa! Wenn du dafür Kleidung - zum Beispiel ein elegantes Kleid für einen Opernbesuch oder für den Karneval nächstes Jahr ein Kostüm - brauchst, geht das über die Spesenabrechnung!" Sie wollte protestieren, doch er unterbrach sie mit einer Handbewegung und wandte sich an Euangelion: "Sorg dafür, dass solche Ausgaben und auch die Eintrittsgelder entsprechend abgerechnet werden! Ihr arbeitet beide hart für mich und für die Botschaft, also werde ich das honorieren!" Damit verschwanden Sandalephon und er nach Norderney, während Elisa, Tarot und Euangelion sich an die Ahnenforschung machten.
Als der höllische Botschafter im Flur seines Hauses erschien, war der Papst mit samt seinen Begleitern schon da. Er saß bereits bei einer Tasse Tee mit Ilse und Selvaggia im Wohnzimmer. Er betrat den Raum und setzte ein charmantes Lächeln auf, auch wenn ihm nicht allzu zu fröhlich sein zumute war. Die beiden Männer begrüßten einander mit einem Handschlag und freundlichen Worten. Die Bodyguards des Papstes bedachte er mit einem höflichen Nicken, lediglich Rüdiger Lederle begrüßte er
persönlicher.
„Ilse und deine Frau waren so nett uns zu empfangen und zum Abendessen einzuladen.“ Der Höllenfürst lächelte. „Sehr schön. Ich bringe euch dann nach dem Essen zu Michael. Er und Maria werden bis zur Hochzeit hier sein, dann sind sie auf Hochzeitsreise.“ Rodrigo nickte, während er neben zu mit Luca spielte, der seine Autos ins Wohnzimmer geholt hatte. Ilse verließ den Raum und kam kurz darauf mit einer großen Tasse Pharisäer wieder, die sie ihrem Sohn reichte. Dieser trank sofort einen großen Schluck. Für die Kinder hatte Ilse ein Eis dabei. Der Höllenfürst zog sich mit Rodrigo auf die Strandterrasse zurück um eine zu rauchen. Sein Blick fiel auf die Begleiter, die in einiger Entfernung standen. „Stelle ich mir nervig vor, ständig irgendwelche Bodyguards um mich zu haben.“ sagte der Hausherr leise. Rodrigo zuckte mit den Schultern. „Gewohnheit. Ich kenne es nicht anders, noch weiß ja niemand, dass ich hier bin, aber spätestens nach der Hochzeit von Samyaza und Frederica, die ich vornehmen werde, weiß es die ganze Insel. Und ich glaube dein Bruder Sandalephon und seine Frau, wollen ihre kleine Tochter auch taufen lassen?“
Der Höllenfürst nickte. „Und eure Jüngste?“ Lucifer seufzte. „Selvi möchte sie gerne von Mario im Markusdom taufen lassen. Wann darüber sind wir uns noch nicht ganz einig, wenn es nach Selvi geht, lieber heut als morgen.“ antwortete er etwas gequält bei dem Gedanken so oft in die Kirche und diese erzkatholischen Kathedralen zu müssen. Die Hochzeit von Michael und Maria, die Taufe und dann hatte er ja auch noch seine Exkursion angesetzt. „Dann mach es doch so schnell wie möglich, dann hast du es hinter dir und hast wieder Ruhe bis Weihnachten.“ antwortete der Papst grinsend.
Sein höllischer Freund verzog genervt das Gesicht und zog an seiner Zigarette. „Was beschäftigt dich denn so, Lucifer?“ „Mein momentaner Fall es handelt sich um ziemlich gefährliche, satanische Bücher.“ antwortete er leise. „Oh, das klingt ja nicht so gut.“ Sie wurden von Ilse unterbrochen, die zum Essen rief. „Ich bin zwar evangelisch, aber Sie wollen ja sicher ein Tischgebet sprechen Herr Papst …“ „Das heißt eure Heiligkeit!“ sagte Selvaggia spitz. Ihr Mann seufzte. „Ach nein, ich denke hier sind keine Förmlichkeiten notwendig. Ich heiße Rodrigo für jeden von eurer außergewöhnlichen Familie.“ antwortete der Papst freundlich, sprach ein kurzes Tischgebet und dann langten alle zu.
„Das Essen schmeckt wirklich ausgezeichnet!“ lobte der Papst. „Ja, Oma Ilse kocht die besten Fischgerichte auf ganz Norderney.“ sagte Luca stolz. „Na das glaube ich gerne.“ antwortete sein Pate und strich dem Jungen liebevoll über den Kopf. Während alle einen Nachschlag nahmen, begnügte sich der Höllenfürst mit einer Portion. "Aber Maurice kocht auch lecker. Der bringt mir ab und zu sogar was bei." meinte Linnéa Zum Glück gab es heute zumindest gekochten Fisch, von dem konnte er eine Portion essen und er musste zugeben, dass er so wie Ilse ihn zubereitete besser schmeckte als wo anders. Aber Fisch würde nie sein Leibgericht werden.
„Kannst du nicht hier wohnen?“ fragte Luca, als sein Vater seine Kinder aufforderte sich zu verabschieden, weil er Ihn und seine Leibwächter zu Michael und Maria bringen wollte. „Dein Papa, hat doch mit euch schon das ganze Haus voll, dein Kindermädchen im Nebengebäude und deren Oma, die sich die meiste Zeit ja bei Ilse im Haus aufhält und wir sehen uns ja die Tage noch öfter. Ich komme euch auch besuchen, versprochen! Außerdem habe ich schon ein Pferd für Rüdiger Lederle und mich beim Reitstall gemietet, damit wir ausreiten können und auf der Hochzeit und der Taufe bin ich ja auch.“ Luca nickte. Er wusste, dass er es akzeptieren musste gemeinsam mit den vier Männern erschien der Höllenfürst nach kurzer mentaler Mitteilung an Michael im Wohnzimmer des Paares. Sie wurden von Michael und Maria freundlich begrüßt. Rodrigo musste lachen. „Was ist denn?“ fragte Maria. „Na ja, hätte mir jemand vor ein paar Jahren gesagt, dass ich mal mit dem Fürsten der Hölle befreundet sein würde, Pate von einem seiner Kinder bin und beim Erzengel Michael übernachte, den hätte ich für verrückt erklärt. Jetzt mussten alle lachen. Selbst dem Fürsten der Hölle huschte ein belustigtes Lächeln über das Gesicht. "Wann ist jetzt eure Hochzeit?" fragte der Papst an Maria und Michael gerichtet. "Diesen Samstag. Edesimotate Papadopoulos ist zu Besuch in Stuttgart und hat mit dem Landesbischof Carsten Molching alles besprochen. Die beiden verstehen einander recht gut und mein... zukünftiger Schwiegervater hat dafür gesorgt, dass die beiden jeweils die Muttersprache des anderen sprechen. Sie und ihre Leibwächter sind natürlich herzlich eingeladen, zumal Sie ja danach dann hier in der katholischen Kirche Frederica und Samyaza trauen werden, mit Pfarrer Böttcher und ich glaube, Kollege Bente will auch mitmischen."
Der Papst lachte. "Das hört sich gut an. Hinnerk Bente ist fast so unkonventionell wie Sie, Maria! Und ich habe gehört, der neue Pfarrer hat sich hier auch schon gut eingelebt." Maria grinste. "Ja, der Böttcher passt hierher. Letztes Jahr hat er ganz spontan Halloween mitgemacht - ja, gut, ist ja nun irgendwie heidnisch, aber er war einige Zeit in Amerika und passte wirklich nicht in eine konservative Hamburger Gemeinde und hier... tja... Hinnerk und er verstehen sich prächtig - und ich glaube, sogar Lucifer mag ihn." Der Höllenfürst schmunzelte. "Ja, spätestens seit dem letzten Fall wo wir dieses Nazigesocks auf der Insel hatten und er Simon Meier, diesem Wildschweinrottenführer, klipp und klar gesagt hat, dass er aus der katholischen Kirche eher einen Tempel für mich als eine Nationalsozialistische Weihestätte machen lassen würde." Der Papst lachte herzlich. "Dazu kann ich ihn nur beglückwünschen!"
Dann wurde er ernst. "Würdest du mir gestatten mit Luca auszureiten? In Begleitung von Rüdiger? Ich würde auf ihn gut aufpassen. Und noch etwas, Lucian: Ihr müsstet bald mal in Spanien vorbeischauen. Vergiss nicht: Ich habe Luca zu meinem Universalerben gemacht. Er wird die Familienhaziendas der Ruiz-Ortiz erben und auch den Titel... Die Leute wollen ihn langsam mal kennen lernen." Der Höllenfürst räusperte sich. "Und die Leute, wie du sagst ... wissen wer ich bin?" Der Papst grinste leicht: "Nun, sagen wir mal... ein Viertel? Vor allem in Spanien... In Südamerika... nun ja... Aber ich denke, du wirst das mit deinem Charme schon schaffen und Luca wird sie sowieso um den Finger wickeln - vor allem, wenn ihr seine Freundin Finya oder so ähnlich mitnehmt..." "Meine Freundin heißt Fenja - Fenja Rass, Onkel Rodrigo. Sie ist die Tochter von Onkel Hendrik und Tante Freya. Ihr Papa ist der Tierarzt hier auf der Insel und ihre Mama Innenarchitektin. Die hat das Haus von Kat und Onkel Sam eingerichtet und auch dieses hier für Onkel Michael und Tante Maria und ganz viel für Papa." sagte Luca energisch. Michael grinste. "Ich glaube, letztens hat sie sich gerade um ein Apartment von Sandalephon in Hongkong gekümmert... Samyaza meinte was von "das Apartment der gekochten Eier" - und irgendwann wollte er mir mal die Geschichte dazu erzählen..."
"Ich werde dann mal gehen. Ich wünsche euch noch einen schönen Abend. Wir sehen uns dann spätestens am Samstag." verabschiedete sich der der Fürst der Hölle.
Am Freitagvormittag kontaktierte Euangelion seinen höllischen Chef und bat ihn nach Paris zu kommen. In dessen Arbeitszimmer berichtete er, was er über den Verbleib des Buches herausgefunden hatte. „Elisa und ich sind bei unseren Nachforschungen auf den Namen Ortiz-Ruiz gestoßen. Wir …“ Er brach ab, als sein Chef, dem für einen Moment schwarz vor Augen wurde in seinen Chefsessel sank. „Dr. Rayne, ist alles in Ordnung?“ fragte Elisa sichtlich besorgt. „Ist alles in Ordnung, Lucifer? Du wirkst etwas erschrocken.“ stellte sein Sekretär ebenfalls besorgt fest.
Der Höllenfürst atmete einmal kurz durch. „Ja, ich … bin nur etwas überrascht … ich kenne diesen Namen und … bin nicht gerade begeistert. Danke für eure Hilfe. Lasst mich jetzt bitte allein.“ antwortete der höllische Botschafter und rieb sich die Schläfen.
Er informierte Michael mental darüber, dass er gleich vorbeikommen würde, um mit Rodrigo zu reden. Als er in Michaels Haus auftauchte wurde er von Maria und Michael freundlich begrüßt. „Hallo Lucifer. Du solltest uns mal mit deiner Familie besuchen, wenn wir von unserer Hochzeitsreise wieder da sind.“  Er nickte. Als der Papst die Treppe herunter kam griff der Höllenfürst wortlos nach dessen Arm und verschwand mit ihm, was die Leibwächter des Papstes ziemlich verärgerte.
Rodrigo sah sich um und stellte fest, dass er sich in einem ihm unbekannte Haus wiederfand. „Lucian, wo sind wir und was ist hier los?“ verlangte Rodrigo zu erfahren. „Du bist in einem meiner Häuser, aber das spielt keine Rolle. Ich habe dir doch von diesem Buch und den Fälschungen erzählt. Euangelion hat mir einen Namen genannt … in dessen Besitz sich eines der Bücher befindet. Ortiz-Ruiz.“ Lucifer hatte den Papst noch nie so überrascht und sprachlos gesehen, wie in diesem Moment. „Bitte was? Ich … davon weiß ich gar nichts. Wirklich Lucian … ich mag dich sehr, aber mit schwarzer Magie habe ich nichts am Hut. Ich wusste nichts davon!“ verteidigte er sich sofort. „Das glaube ich dir sogar. Aber ich muss das Buch finden. Wo könnte es sein?“ fragte er ruhig. Rodrigo fühlte sich etwas unwohl. Er hatte seinen höllischen Freund noch nie so emotionslos und kühl erlebt. Er seufzte. „Möglicherweise finden wir es auf einer der Haziendas der Familie - also so gesehen auf Lucas... Besitzungen, Spanien, Mexico oder Argentinien.“ antwortete Rodrigo.
„Na dann los!“ befahl der Höllenfürst griff nach dem Oberhaupt der katholischen Kirche und befand sich kurz darauf in der Bibliothek der Hazienda in Spanien.
Er begann sämtliche Bücher herauszuziehen und fuhr den Paten seines Sohnes etwas barsch an. „Willst du hier nur rumstehen oder hilfst du mir?“ Rodrigo lachte bitter. „Jetzt erlebe ich dich das erste mal so. Ich habe zwar schon von mehreren Seiten gehört, dass du sehr reizbar und aggressiv sein kannst, aber … hey! Geh nicht so grob mit den Büchern um!“ sagte er. „Deine Bücher werden nachher wieder ordentlich und unbeschadet im Schrank stehen und jetzt hilf mir gefälligst.“ „Man bist du gereizt und alles nur wegen eines Buches.“ murmelte er und half ihm bei der Suche. Wie versprochen zauberte der Höllenfürst nach erfolgloser Suche alle Bücher wieder unversehrt in die Bücherregale.
„Nichts! Also auf nach Mexico!“ befahl er. Kurzdarauf befanden sie sich in der Bibliothek des Hauses in Mexico. Nach einer Weile wurde der Höllenfürst fündig.
„Ich möchte das Buch behalten! Es wird im Vatikan sicher verwahrt.“ Der Fürst der Hölle starrte Rodrigo kühl an. „Nein!“  "Lucian! Glaubst du im Vatikan ist es nicht sicher?" "Es würde unter dir - in deiner Amtszeit, sicher sein, aber schon dein Nachfolger könnte das genaue Gegenteil von dir sein." "Diese Bibliothek wird einmal deinem jüngsten Sohn gehören. Und dieses Buch ist offensichtlich sehr alt. Willst du ihm etwas so offensichtlich Wertvolles nehmen?" Der Höllenfürst ballte die Faust. "Rodrigo! Diese Zeichnungen im Buch sind gefährlich!" "Dann nimm die Zeichnungen raus! Wer kann dann damit etwas anfangen? Ersetze sie durch, keine Ahnung... Heiligenbilder?" "Rodrigo! Dieses Buch beinhaltet satanische Zeichnungen und Texte. Es handelt sich zwar teilweise um Fälschungen, aber nur um kleine Abweichungen von meinem Orginal. Das Buch ist und bleibt gefährlich! Warum willst du dieses Exemplar behalten?" "Ich will es ja nur für Luca erhalten, Lucifer." "Dann kann ich es auch bei mir aufbewahren. Da hätte ich mehr Ruhe, als wenn es im Vatikan steht!" "Und mit ausgetauschten Bildern? Hier, versteckt in dieser Bibliothek, wo keiner weiß um was für ein Buch es sich handelt? fragte der Papst. "Hier? Nein! Hier ist keinerlei Sicherheit geboten und du lebst nicht hier. Das wäre ja noch schlimmer als im Vatikan. Was spricht dagegen es mir zu überlassen? Und ich gebe es Luca, wenn er bereit dazu ist."
"Dieses Buch, Lucifer, ist glaube ich über die Verbindung des Hauses Alba zu meiner Familie gekommen. Allein die Geschichte woher und unter welchen Umständen es hierher kam ist interessant. Von Europa, wenn ich das richtig verstanden habe nach Mexico... das ist eine halbe Weltreise. Vielleicht möchte einer deiner Studenten das ja mal erforschen - wie Bücher ihre Wege um die Welt machen... oder Luca interessiert sich mal dafür. Und ganz ehrlich: Wer oder was hindert dich, hier in diesem Anwesen einen sicheren - mit Zaubern gesicherten Safe anzulegen? Meine Erlaubnis hast du und ich denke - da Luca mein Erbe ist und somit auch er zustimmen oder ablehnen kann - wird auch nichts dagegen haben!" Der Fürst der Hölle  verdrehte genervt die Augen. "Könnte man drüber reden, aber nur mit der Bedingung, dass ich dieses Haus jederzeit betreten kann, wenn ich an dieses Buch möchte, beziehungsweise einfach sichergehen möchte, dass es noch hier ist." antwortete er sichtlich beherrscht. Der Papst grinste. "Von meiner Seite spricht nichts dagegen - und mit deinem Sohn musst du das selber ausmachen. Ich weiß nicht in wie weit die Tatsache, dass er mein Erbe ist, überhaupt noch ein Einverständnis von mir nötig macht." "Noch bist du der Besitzer dieser Haziendas und Luca ist wohl nicht in der Lage derartige Entscheidungen zu treffen, weder was ich darf noch was dieses Buch angeht! Und er braucht momentan auch nichts von dessen Existenz zu wissen. Das sage ich ihm, wenn ich es für richtig erachte." antwortete er energisch. "Wenn du meinst: Also gut, meine Erlaubnis hast du - richte irgendwo dein "Geheimversteck" ein und fertig. Und tausch die Bilder aus..." Der Papst schlug die letzte Zeichnung auf. "Hier, da reitet offensichtlich die Hure Babylon auf dem Dachen - da wäre doch ein Bild von deinem Bruder Michael als Drachentöter angebracht..." meinte er grinsend.
"Michael? Der flippt total aus. Noch dümmere Ideen hast du hoffentlich nicht. Und tu mir bitte den Gefallen und schweige vorerst darüber, dass dieses Buch hier existiert. Ich werde es hier jetzt sicher verschließen und ... es mir dann in Ruhe ansehen und gegebenenfalls bearbeiten, wenn ich es für nötig erachte!" Der Papst grinste. "Du musst es ihm ja nicht sagen, dass du diese... satanischen Zeichnungen durch Heiligenbildchen ersetzt." meinte er zwinkernd. Der Höllenfürst schüttelte den Kopf. "Wer hat dich eigentlich zum Papst gewählt? Das ganze Konklave muss zu viel Messwein gesoffen haben oder du hast irgendwas zum Kiffen ausgeteilt, ganz ehrlich, Rodrigo!" Während Rodrigo in der großzügigen Bibliothek des Hauses stöberte, errichtete der Höllenfürst in einem kleinen Eck des Arbeitszimmers einen versiegelten Schrank, der nur von ihm geöffnet werden konnte. Mit einer letzten Handbewegung setzte er eine Wand vor das Eck. So konnte niemand erkennen, dass sich dahinter etwas verbarg. Anschließend tauchte er mit Rodrigo wieder bei Michael und Maria auf Norderney auf, wo sie von den entrüsteten Bodygards des Papstes erwartet wurden. Lediglich Rüdiger Lederle grinste. "Ich hoffe, Sie hatten eine angenehme Reise, Eure Heiligkeit..." meinte er und zwinkerte dem Höllenfürsten zu. Der Papst zwinkerte zurück. "Ja, danke. Mit Lucifer zu reisen ist interessant... zweifellos."
In diesem Moment räusperte Michael sich hinter dem Höllenfürsten. "Lucifer, könnte ich kurz mit dir reden?" Er sah sich überrascht um. "Natürlich, was gibt es denn?" "Lass uns spazieren gehen - dauert auch nicht lange." murmelte Michael. Fragenden Blickes nickte der Höllenfürst und stand in seinem Lieblingsmantel und Schal da. "Dann mal los... du machst es ziemlich geheimnisvoll, was?"  Kurz darauf gingen sie den einen Wanderweg entlang. "Also... Maria und ich wir haben über die Trauzeugen geredet... und... hm... also da auch der Papst dabei sein wird - es wird ja sozusagen eine Trikonfessionelle Hochzeit, wenn ich Carsten Molching richtig verstanden habe und da du ja eher protestantisch eingestellt bist... also du weißt, die Maria mag dich und sie will dich als Trauzeugen - neben ihrem Bruder. Und ich habe Chrisathea und Sandalephon gefragt. Damit du das nur schon mal weißt..." Abrupt blieb der Höllenfürst stehen. "Okay - Maria hat so etwas mal erwähnt ... ich war mir bis eben nur nicht ganz so sicher. Hast du ein Problem damit? Denn das klingt für mich fast so." antwortete der Fürst der Hölle ruhig. Michael seufzte. "Ja und nein... ich meine, wir... haben unsere Differenzen. Immerhin habe ich damals gegen dich gekämpft und für Vater... nun ja... in die Hölle gestoßen... Und obwohl du eher protestantisch eingestellt bist du ja "der katholische" Trauzeuge. Du hast ja immerhin katholisch geheiratet und... hm... also eigentlich wollte Maria dich selber fragen, aber ich bin ihr jetzt einfach mal zuvor gekommen."
Diesmal seufzte Lucifer. "Was soll ich dazu sagen? Für Maria mache ich es gerne und ..." Er trat ein paar Zentimeter näher an Michael heran und sah ihm tief in die Augen. " ... ich habe kein Problem mit dir, weil du mich damals in die Hölle befördert hast." sagte er leise und lächelte. "Hat was ... in der Hölle bin ich der Chef, mein Reich, da redet mir selbst Vater nicht rein." fügte er grinsend hinzu.  Michael seufzte. "Du sagst das so leicht - aber ich habe halt ein schlechtes Gewissen - selbst nach all den Jahrtausenden!" "Vergiss es doch einfach, ich meine wie ich es sage und falls du hören willst, dass ich dir verzeihe. Das habe ich schon vor langer Zeit getan." Ungläubig sah der Erzengel den Höllenfürsten an. "Einfach so?" fragte er verblüfft. "Ja, stell dir vor einfach so. Michael, in der Hölle bin ich mein eigener Herr. Ich bin der mächtigstige Engel, beherrsche die schwarze und die weiße Magie gleich gut und ich hatte immer meinen freien Willen. Und ich habe endlich die Frau die ich seit Jahrhunderten liebe, fünf wundervolle Kinder, auch wenn es manchmal echt anstrengend ist. Was will ich mehr? Warum also sollte ich dir böse sein? Und jetzt vergiss es einfach!" antwortete sein höllischer Bruder, schloss kurz die Augen und atmete tief ein.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast