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Bücher der Verdammnis

GeschichteMystery, Freundschaft / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne OC (Own Character)
18.03.2020
18.03.2020
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18.03.2020 3.357
 
"Wie ich mich auf meine Arbeit im Museum freue, jetzt wo alles wieder normal ist." sagte Selvaggia am Morgen nachdem der Fall gelöst wurde. "Wie recht du hast. Ich stelle gerade fest, dass auf meinem Laptop auch alles wieder normal ist und ich freue mich auch wieder etwas halbwegs normales zu unterrichten." antwortete ihr Mann und trank einen Schluck von seinem Kaffee. Er fuhr seinen Laptop wieder herunter und rieb sich die Schläfen. Er griff in die Tasche von seinem schwarzen Sakko, das er über einem ebenfalls schwarzen Hemd, an dem die obersten zwei Knöpfe geöffnet waren, trug und zog die Schachtel mit den Schmerztabletten heraus. Selvaggia seufzte leise, als sie es sah. "Ich muss los. Bringst du die Kinder in die Kita, Schatz?" Er nickte.
Der Höllenfürst betrat den Vorlesungsraum nachdem er seine Kinder in die Kita gebracht hatte, in dem schon ein paar seiner Studenten anwesend waren unter ihnen auch Sebastiano Delano.  Er trat an seinen Pult, zog seinen Laptop aus der Tasche und stellte ihn auf das Pult. "Schön Sie mal so pünktlich zu sehen Signore Delano." sagte er mit einem Zwinkern zu seinem Studenten. Dieser lächelte. "Na dank ihnen ist mir das jetzt auch möglich, da ich nicht mehr am Wochenemde und bis spät in die Nacht arbeiten muss." Der angehende Professor erwiderte das Lächeln freundlich. "Ich habe übrigens von Euangelion, meinem Sekretär, durchweg Positives von Seiten der Mieter meiner Häuser zu hören bekommen. Die sind alle hochzufrieden mit Ihnen!" sagte er und widmete sich dann wieder seinem Laptop, wo er seine Power Point Präsentation für den heutigen Unterricht suchte. Gerade als er fertig war betraten die letzten Studenten den Saal. Er begann die Anwesenheitsliste durchzugehen. „Wann werden Sie denn jetzt Professor, Dr. Rayne?“ wollte eine seiner Studentinnen wissen. Er lächelte freundlich. "Ich weiß nicht. Ich habe keine Ahnung wie so etwas abläuft, ich habe ohnehin das Gefühl, dass bei mir Ausnahmen gemacht wurden. Wir werden sehen. Ändern wird sich durch meine Ernennung zum Professor ja nicht wirklich etwas denke ich. Aber jetzt zu unserem heutigen Thema.“ Die Studenten genossen die Vorlesung heute sehr, da sie merkten, dass ihr Dozent heute wieder voll bei der Sache war und richtig locker und gut unterrichtete.
Als er nach Hause kam stand Ilse wie gewohnt in der Küche und bereitete das Abendessen vor. „Bist du wieder in deinem Arbeitszimmer?“ fragte sie und reichte ihm seine Pharisäer-Spezialmischung . Er nahm die Tasse und nickte. Ilse seufzte. „Du arbeitest zu viel mein Junge.“ Er lächelte die alte Dame liebevoll an. "Mach dir nicht immer so viele Sorgen, Mutti.“ antwortete er und küsste sie zärtlich auf die Wange.
„Ach Junge, das sagst du so. Ich sehe nur, dass du von der Universität kommst, wo du jetzt vier Tage die Woche unterrichtest und dich dann in dein Arbeitszimmer verziehst oder manchmal auch in Paris arbeitest oder du unterrichtest Katherine in Magie. Ist ihr Unterricht eigentlich auch mal beendet? Und ich sehe, dass du gerade wieder vermehrt Kopfschmerzen hast und dein Magen ist auch nie ganz in Ordnung, auch wenn du es gut aushalten kannst. Mütter oder jemand wie ich, die sich wie deine Mutter fühlt merkt sowas. Und auch Selvaggia bekommt es mit.“ Er seufzte fast etwas genervt. „Ach Mutti, … ich habe mehrere Berufe, wenn du es so willst. Ich bin der Fürst der Hölle, der höllische Botschafter – was ich auch immer bleiben werde, da ich nicht so einfach wie meine himmlischen Brüder zu ersetzen bin. Dann bin ich Industriemagnat, besitze relativ viele Immobilien unter anderem auch Fabriken und Firmen – ich habe in sehr vielen Geschäften meine Finger drin und ich unterrichte an der Universität, da gibt es einfach immer etwas zu tun und was Käthchen angeht … nein sie lernt nie aus. Ich habe ein enormes Wissen in allen Bereichen, Geschichte habe ich mir zum Schwerpunkt gemacht, weil ich sie hautnah erlebt habe und ich mich dafür interessiere, vor allem auch die nicht christliche, aber das ist ein anderes Thema. In Magie beherrsche ich wie du ja schon weißt die weiße und schwarze Magie gleichermaßen und ich eigne mir immer wieder etwas Neues an, also lernt Kat nie aus und ich habe ihr noch nicht mal ein Viertel von meinem Wissen beigebracht und alles wird sie nie lernen. Und wenn du mal ehrlich bist, verbringe ich am Wochenende viel Zeit mit meinen Kindern, Nichten und Neffen und Selvi kommt eigentlich auch nicht wirklich zu kurz.“
Ilse grinste und sah ihm nach, wie er die Küche verließ und in sein Arbeitszimmer ging.
Zum Kaffee war Selvaggia auch wieder da. Sie hatte bereits die Kinder aus der Kita geholt, weil sie montags keinen Unterricht an der Hochschule hatte. Er strich seiner Frau liebevoll über den Kopf und die Schultern und stellte sich an das Geländer der Strandterrasse um eine zu Rauchen. Als er sich anschließend neben seine Frau setzte schob sie ihm einen Artikel hin, in dem Tipps standen, wie man Kopfschmerzen auch ohne Tabletten behandeln konnte, da ihr wie auch Ilse nicht entgangen war, dass er diese in letzter Zeit wieder vermehrt nahm.
„Mami!“ rief die kleine Sophia, die mit ihren Geschwistern am Strand spielte. Selvaggia stand auf und lief an den Strand zu ihrer Tochter. Währenddessen las ihr Mann den Artikel und verdrehte genervt die Augen. In Gedanken rief er Sandalephon. Dieser erschien sofort. „Hallo Lucifer, was gibt es denn?“ fragte er und setzte sich neben seinen höllischen Bruder. Dieser schob ihm den Artikel hin. „Das hat Selvi mir grad vorgelegt.“ sagte er, während Sandalephon nun den Artikel las. Er seufzte. „Deine Frau scheint immer noch nicht wirklich verstanden zu haben, dass diese Kopfschmerzen, die wir Seraphim haben schlimmer sind als gewöhnliche Kopfschmerzen, die die Menschen haben und außerdem andere Gründe haben. Wir sind halt nicht für das ständige Leben auf der Erde  bestimmt. Es wirken ja noch nicht mal die stärksten Medikamente der Menschen dagegen , wie soll dann dieses Kräuterzeug helfen? Wobei ich es mir fast wünschen würde, denn bei Lucia beginnen die Kopfschmerzen langsam.“ murmelte der Erzengel beider Seiten. Lucifer blickte seinen Bruder  bei seiner letzten Aussage traurig an. Es tat ihm etwas weh, zu wissen, dass seine älteste Patentochter diese Schmerzen in Zukunft auch ertragen müsse. „Mach das mal bitte Selvi klar! Deshalb habe ich dich gerufen, dass du ihr das erklärst und ihr klar machst, dass nichts anderes als die von dir entwickelten Tabletten hilft.“ bat ihn der gefallene Engel während er sich die Schläfen rieb. „Werde ich machen. Wieviel Tabletten hast du noch?“ „Fünf sind noch in der Packung.“ Sandalephon zog eine Schachtel hervor und legte sie vor den Höllenfürsten auf den Tisch.
„Damit du nicht wieder bitten musst, oder leiden weil du nichts sagst.“ In diesem Moment kam Selvaggia zurück an den Tisch. Sie seufzte. „Sandalephon, ich habe Lucifer diesen Artikel gegeben, dass er es vielleicht mal ohne diese starken Schmerztabletten versucht.“ „Ach Selvaggia! Hast du noch immer nicht mitbekommen, dass noch nicht mal herkömmliche Tabletten wirken? Wie sollen da so pflanzliche Mittel wirken? Mag sein dieses Zeug ist ganz hilfreich, bei den Menschen, aber sicher nicht bei uns Seraphim und wahrscheinlich nicht mal mehr bei dir, denn du bist ja kein richtiger Mensch mehr. Ich habe diese Tabletten eigens für uns entwickelt, da auch ich, ebenso wie Michael und Metatron unter diesen extremen Kopfschmerzen leiden. Das liegt daran, dass wir Seraphim eigentlich nicht dazu geschaffen sind unser Leben auf der Erde zu verbringen. Wenn wir zu lange hier sind ohne mal eine Weile im Himmel beziehungsweise in Lucifer`s Fall in der Hölle verbringen, dann bekommen wir höllische Kopfschmerzen und glaub mir, die sind nicht mit herkömmlichen Medikamenten zu behandeln.“ erklärte er seiner Schwägerin.
Diese sah nachdenklich aus. „Aber Lucifer hat doch schon damals viel Zeit auf der Erde verbracht, als wir uns kennenlernten.“ überlegte sie. „ Ja, auch damals hatte ich teilweise extrem heftige Kopfschmerzen, wenn ich zu lange auf der Erde war. Unter anderem auch wenn ich mit dir zusammen war und wenn du mal versuchst dich zu erinnern, dann müsste dir wieder einfallen, dass du es damals sogar bemerkt hast, als ich dich in schwarzer Magie unterrichtete. Du hast mich mehrmals gefragt, ob du mir mit einem Kräutertee helfen könntest." antwortete ihr Mann. Sie nickte, wirkte aber etwas enttäuscht.
Die Kinder kamen angerannt. „Wo ist Thalia?“ fragte Linnea. „Thalia hat heute frei.“ Antwortete ihr Vater. „Warum?“ wollte das dunkelhaarige Mädchen mit den blauen Augen wissen. „Weil ich ihr freigegeben habe, als sie mich gestern Abend darum gebeten hat.“ „Das ist unfair!“ schmollte die Kleine. „Ist es nicht, Schätzchen. Jedem steht mal ein Tag Urlaub zu und wenn dein Vater ihr frei gibt, dann ist das so.“ sagte Selvaggia zu ihrer Tochter. Linnea lief beleidigt zum Strand. „Sie kann doch nicht erwarten, dass Thalia immer nur für sie da ist.“ Der Höllenfürst seufzte. Er zog eine Zigarette aus der Tasche, zündete diese an und erhob sich. „Ich muss noch arbeiten. Euangelion hat mir den Bericht des letzten Falles auf den Tisch gelegt. Ich bin dann nachher wieder da und helfe dir dabei die Kinder ins Bett zu bringen.“ sagte er, zog an seiner Zigarette und verschwand.
„Hast du nicht auch den Eindruck, dass Lucifer irgendetwas beschäftigt?“ fragte Selvaggia ihre Schwiegermutter. Diese seufzte. „Ist das nicht immer so? Ich wünschte auch er würde mehr lachen und wäre fröhlicher. Wo er doch alles hat, was er braucht zum Glücklichsein.“ Selvaggia biss sich auf die Unterlippe. „Weißt du was ich glaube?“ Ilse schüttelte den Kopf. „Lucifer ist immer noch verletzt, weil ich … ich ihm früher so misstraut habe. Ich habe ihm ja auch gemeine Dinge an den Kopf geworfen und ich habe einfach das Gefühl, dass er mir immer noch böse ist, auch wenn er es nicht sagt.“ Die schöne Hexe wischte sich eine Träne aus den Augen.
„Er ist nicht böse Selvi. Vielleicht ist er noch tief in seinem inneren verletzt. Ich habe manchmal das Gefühl, dass er sich vor uns – auch vor mir zurückzieht. Er zweifelt oft an uns, weil wir alle schon Dinge vor ihm verheimlicht haben. Wir, seine Brüder, selbst Kat hatte schon Geheimnisse vor ihm. Ich glaube er denkt, dass wir ihm nicht wirklich vertrauen. Dazu kommt, dass er von Haus aus schon weniger lacht und er arbeitet zu viel.“ Selvaggia nickte nachdenklich. „An sich schon, aber er ist der höllische Botschafter, wo er auch nicht ersetzbar ist. Seine Arbeit an der Universität … jetzt wo Elisa nur noch am Dienstag und Mittwoch an seinen Vorlesungen teilnimmt hat er mehr Arbeit mit den Vorbereitungen für die Kurse und du weißt ja selbst, dass er nicht bittet, selbst Elisa nicht. Er sitzt in letzter Zeit jede Nacht in seinem Arbeitszimmer und bereitet seine Vorlesungen vor. Von seinen anderen Geschäften in der Hölle und die er als Industriemagnat führt habe ich keine Ahnung.“
Ilse lächelte. „Weiß Lucian denn, dass du so viel Verständnis für ihn hast, was seine viele Arbeit angeht?“ fragte sie ihre Schwiegertochter. „Ich glaube nicht.“ „Ich habe eine Idee. Am Wochenende ist auf Norderney Hafenfest. Mit Ständen, Karussell für die Kinder und auch mit Auftritten von Shantychören. Wir gehen alle zusammen hin, du die Kinder Lucian mit Oma. Ich denke das wird den Kindern gefallen und Lucian kommt auch mal wieder privat unter Leute.“ schlug Ilse vor. „Das klingt super, das machen wir.“
Beim Abendessen ließen es sich vor allem die Kinder schmecken, denn es gab Spaghetti Bolognese. „Nein!“ schrie Linnea ihre Mutter eine Stunde später an, als diese sagte es ginge jetzt zum Zähneputzen und dann ins Bett. Selvaggia sah ihre Tochter überrascht an. „Na das werden wir noch sehen.“ antwortete sie noch ruhig. „Ab ins Bett! Ohne Gutenachtgeschichte und ohne alles!“ schrie Selvaggia, als Linnea beim Zähneputzen brüllte und ihrer Mutter die Zahnbürste aus der Hand schlug. Das Mädchen rannte schreiend in ihr Zimmer. „Was ist denn hier los?“ fragte ihr Vater sichtlich genervt, von dem Geschrei, als er die Treppe hochkam. Im Bad nutzten derzeit die anderen drei Kinder die Gelegenheit. Sophia klatschte die Zahnpasta an den Spiegel, und Luca putzte mit seiner Zahnbürste das Waschbecken. „Linnea spinnt total. Und …“ weiter kam sie nicht, da sie ihren Mann schimpfen hörte. „Was soll das Theater? Weiter putzen und zwar sofort!“ wetterte ihr Vater. „Und jetzt ab ins Bett. Du nicht Sophia.“ Er griff einen Waschlappen und reichte ihn seiner Tochter. „Saubermachen! Und keine Magie!“ Er schloss die Augen und rieb sich die schmerzenden Schläfen, weil der Lärm den seine Kinder in ihren Zimmern veranstalteten seine Kopfschmerzen im Moment noch verstärkte. Dann hörte er seine Frau wieder schreien. „Ruhe dahinten!“ brüllte der Höllenfürst. Er hatte das Gefühl sein Kopf platzt gleich. „So und jetzt ab ins Bett, Fräulein.“ befahl er dem kleinen Mädchen mit den rotbraunen Haaren. Sophia rannte in ihr Bett und weinte. Die anderen Kinder hüpften schreiend auf ihren Betten herum. „Hinlegen sofort! Sonst gibt es ein gewaltiges Donnerwetter! Und das wollt ihr nicht erleben.“ schimpfte er seine Kinder.
„Und die Gutenachtgeschichte von mir, so wie ein Lied von eurem Vater fällt heute aus.“ sagte Selvaggia. „Nein Mami, bitte, wir sind wieder lieb.“ jammerte Linnea. „Nichts da! Heute gibt es gar nichts mehr. Für Kinder, die so garstig sind und sich so aufführen, haben wir keine Lust eine Geschichte vorzulesen oder zu singen. Und jetzt ist Ruhe, sonst lernt ihr mich kennen.“ drohte ihr Vater. „Nur gut, dass Allegra nicht wieder aufgewacht ist.“ stellte Selvaggia fest. Gemeinsam liefen sie die Treppe hinunter. Selvaggia griff nach der Hand ihres Mannes.
„Setzt du dich noch zu uns? Wir wollten noch den Wein probieren, den Ilse heute gekauft hat.“ Er nickte und griff im Vorbeigehen nach seiner Laptoptasche, die am Treppenabsatz stand. „Was war denn mit den Kindern heute los?“ fragte Ilse. „Keine Ahnung. Die spinnen heute total.“ antwortete Selvaggia knapp. Lucifer setzte sich in seinen Sessel legte sich seinen Laptop auf den Schoß und schaltete ihn an. Während er wartete griff er nach den Schmerztabletten und schluckte eine mit einem großen Schluck Wein herunter, womit er sich einen verärgerten Blick von Ilse einhandelte.
„Kannst du nicht mal am Abend die Arbeit sein lassen, in Ruhe den Wein genießen und einfach mal entspannen?“ sagte die ältere Dame. „Nein, kann ich nicht! Ich muss noch meine Vorlesung für den nächsten Tag vorbereiten, ich habe die letzten beiden Wochen gar nichts getan und warum regst dich eigentlich immer so auf, wenn ich was arbeite.“ antwortete er giftig und sichtlich gereizt. Er griff sich an die Schläfen und massierte diese. „Weil ich einfach finde, dass du zu viel arbeitest.“ Er seufzte genervt. „Mutti das Thema hatten wir heute Mittag und ich werde mein Verhalten diesbezüglich nicht ändern, Punkt.“ sagte er und widmete seine Aufmerksamkeit seinem Laptop. Ilse griff nach ihrem Glas, trank einen Schluck und dachte nach. Sie wollte ihren Sohn um jeden Preis mal wieder lachen sehen. Sie wünschte sich sogar ihn mal richtig herzhaft lachen zu sehen, weil er Spaß hatte. So viel sie wusste hatte das bisher nur Maria einmal geschafft.
Am nächsten Morgen saßen die vier Kinder still am Tisch. Sie merkten, dass ihre Eltern immer noch böse mit ihnen waren. „Mama, Papa, es tut mir leid, wie ich mich gestern aufgeführt habe.“ sagte Luciano plötzlich. Sein Vater sah von seiner Kaffeetasse auf und lächelte seinen ältesten Sohn an. „Das ist sehr lieb von dir, Luciano.“ Die anderen Kinder sagten nichts. „So nun ab mit euch in den Kindergarten!“ sagte der Höllenfürst und erhob sich. Die Kinder folgten ihrem Vater in den Kindergarten im Boulevard Haussmann. Anschließend zauberte er sich in seinen Vorlesungssaal an der Universität in Rom. Er legte sein Buch das Elisa Anfang des Jahres für alle gemacht hatte auf das Pult öffnete seinen Laptop und trank den Pharisäer to go, den Ilse ihm eingepackt hatte, während er den Ordner mit den Bildern öffnete, die er gestern Abend noch zusammengestellt hatte, um seine heutige Vorlesung etwas anschaulich zu gestalten. Zuerst ging er wie gewohnt die Anwesenheitsliste durch, nickte Elisa zu, die mit Euangelion in der ersten Reihe saß, und begann dann mit seiner Vorlesung. Während er redete kramte er neben zu seine Tabletten aus seinem Jackett und nahm eine, die er mit einem Schluck Pharisäer herunterschluckte. Die Studenten genossen seine heutige Vorlesung, die ihm hin und wieder einen Lacher einbrachte, da er manche Details ein wenig ins Lächerliche zog, um seinen Studenten die Wahrheit näher zu bringen. Denn dies war ihm sehr wichtig auch wenn er mal locker oder etwas unkonventioneller unterrichtete als seine menschlichen Kollegen, er blieb stets bei der Wahrheit. Und seinen Studenten und selbst dem Kollegium die sich schon mal eine Vorlesung von ihm angehört hatten schien sein Unterricht zu gefallen. Heute bedankten sich seine Studenten am Ende der Vorlesung mit einem Applaus. Er deutete grinsend eine Geste des Dankes an. Dann verschwand er.
Wie immer holte er sich erst mal einen weiteren Pharisäer bei Ilse ab. Er begrüßte diese mit einem liebevollen Kuss auf die Wange und nahm die Tasse entgegen, als sein Mobiltelefon klingelte. Verwundert blickte er auf das Display, welches eine Nummer aus Frankreich anzeigte. „Lucian Rayne.“ meldete er sich. „Okay, ich komme sofort und sehe mir das selbst an.“ Hörte Ilse ihn sagen. „Wo musst denn schon wieder hin?“ fragte sie. „Was soll denn das „schon wieder“ jetzt? Was hast du denn die letzte Zeit, für ein Problem? Ich muss nach Paris. In der Bibliothek des Boulevard Haussmann ist wohl ein mysteriöses Buch aufgetaucht. Bis dann.“ sagte er etwas ärgerlich und war verschwunden.
Frederic Lambert, der diensthabende Bibliothekar begrüßte ihn. „Bonjour, Monsieur Rayne. Gut, dass sie gleich gekommen sind. Bitte folgen Sie mir. Bei dem Buch handelt es sich um ein Exemplar, das Ihnen durchaus bekannt sein dürfte und ich dachte sie sollten darüber Bescheid wissen.“ Monsieur Lambert bemerkte wie der Fürst der Hölle erblasste. In den beeindruckenden eisblauen Augen des gutaussehenden Mannes spiegelte sich blankes Entsetzen wieder. Er trat näher und griff nach dem Buch, auf dessen schwarzem Ledereinband sich das satanische Pentagramm in goldenen Strichen hervorhob. „Das kann doch nicht sein! Das ist unmöglich.“ murmelte er und ging taumelnd zu einem Tisch in dem Leseraum und setzte sich, da ihm für einen Moment schwarz vor Augen wurde. Er begann in dem Buch zu blättern. „Das ist nicht meine Fassung, das ist eine Fälschung …“ abermals erstarrte der Blick des gefallenen Engels. „Geht es Ihnen nicht gut? Soll ich Ihnen ein Glas Wasser bringen, Monsieur Rayne?“ fragte der Bibliothekar zuvorkommend. „Ja bitte.“ „Bitteschön.“ sagte Monsieur Lambert, als er zurückkam und dem höllischen Botschafter das Glas Wasser auf den Tisch stellte. „Danke.“ sagte dieser und nahm einen Schluck. „Das ist doch ein satanisches Buch oder?“ fragte der Bibliothekar. Der Fürst der Finsternis nickte. „Dann war es ja richtig, dass ich Sie angerufen habe, denn wir wissen ja alle wer Sie sind und ich dachte das Buch ist bei Ihnen sicherer als in der Welt da draußen.“ „Mit Sicherheit. Gibt es nur das eine Buch?“ wollte der Höllenfürst wissen. „Ja hier in dieser Bibliothek zumindest.“ Lucifer nickte ihm freundlich zu. „Danke, dass Sie mich sofort informiert haben. Ich werde das Buch mitnehmen. Ich muss es mir auf jeden Fall genauer anschauen.“  „Auf Wiedersehen Dr. Rayne.“
Er tauchte im Boulevard Haussmann im Vorzimmer auf. „Euangelion, ich will nicht gestört werden!“ sagte er und verschwand in seinem Arbeitszimmer. Er öffnete seinen verschlossenen Schrank und holte sein Buch heraus. Er zauberte sich eine Flasche Whiskey herbei, den er pur aus der Flasche trank und zündete sich eine Zigarette an. Er verglich die beiden Bücher miteinander und stellte fest, dass manche Seiten den Vermerk LV hatten und manche MF. Er verglich die Seiten mit seinen und stellte fest, dass die Seiten auf denen LV stand vollkommen identisch waren mit denen in seinem Buch. In der Seite mit MF fand er leichte Abwandlungen in der Zeichnung. „Dann steht LV für Lucifer. Wer zum Geier ist dann MF?“ murmelte er vor sich hin. Er trank einen weiteren Schluck und zündete sich noch eine Zigarette an. Er begann das Buch aus der Bibliothek des Boulevard Haussmann gründlich zu durchsuchen, ob sich irgendwo ein Hinweis darauf fand, wer MF ist. Er fand nur einen Hinweis auf der Rückseite – 1556 Venedig.
 
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