ANGST

von Graceland
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alby Minho Newt Sonya Teresa Agnes Thomas
17.03.2020
26.03.2020
5
6789
 
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Hallo ihr Lieben,

hier ein weiteres Kapitel für euch. Ich weiß, im Moment wird alles erst noch ein bisschen aufgebaut (ich brauche da immer eine Weile für).

Ich finde es sehr schade, dass es nach dem ersten Kapitel keine Reviews mehr gab. Kann ich das so verstehen, dass euch die Geschichte gefällt, ihr aber nicht immer dasselbe schreiben wollt? Oder stört euch irgendetwas? Ist es euch zu langweilig? Dauert es euch zu lange?

Wenn ihr Kritik habt, schreibt mir gerne.

Liebe Grüße
Grace

*

4. Fragen über Fragen
„Wo ist Newt?“
Thomas folgte dem Nicken Minhos in Richtung der Tribüne mit den Augen und sah den blonden Jungen oben auf einer der Bänke sitzen. Dessen Blick war stur auf den Platz gerichtet, völlig in seinen eigenen Gedanken verloren. Das sah man sogar von hier.
„Was macht er da oben?“
„Wonach sieht es denn aus?“, stellte der Asiate die Gegenfrage, während sie locker nebeneinander joggten.
Thomas wandte den Blick ab und konzentrierte sich wieder auf die Bahn vor ihm, damit er nicht stolperte und sich der Länge nach hinlegte. Solche Blöße wollte er sich nicht direkt am ersten Tag geben. Am besten natürlich niemals.
Er war nie schlecht in Sport gewesen, deswegen hatte er keine Probleme damit, mit dem gut trainierten Schwarzhaarigen mitzuhalten, obwohl er den Sommer über das Training hatte schleifen lassen.
„Er war also ne Weile weg?“, fragte er weiter, da er vorher nicht die Zeit dazu gehabt hatte.
Newt interessierte ihn. Die Durchsage heute Vormittag, bei der alle sofort die Köpfe zusammengesteckt und geflüstert hatten. Das seltsame Verhalten von Minho auf dem Hof. Er wollte wissen, was dahinter steckte. Dann würde es ihm vielleicht leichter fallen, sich in die Gruppe zu integrieren. Denn es war eindeutig leichter sich an seinen Mitbewohner zu hängen, anstatt sich im Unterricht Freunde zu suchen. Und Minho und seine Freunde wirkten sehr sympathisch auf ihn. Doch sie schienen alle schon sehr viel länger befreundet zu sein und Thomas fühlte sich seltsam, als würde er in diese Gruppe einbrechen. Wenn er ein paar mehr Infos hatte, wäre es bestimmt einfacher – auch wenn das nicht der einzige Grund war. Denn meist siegte einfach die Neugierde über seine Vernunft. Die Vernunft war eigentlich nur da, um Argumente für seine Fragen zu finden.
„Er hat das letzte halbe Jahr gefehlt.“
„Und wieso?“
„Hör auf zu reden und lauf“, antwortete Minho genervt und beschleunigte seine Schritte.
Auch als er noch ein zweites Mal das Tempo anzog, konnte Thomas mithalten. Aber das war eine gute Methode, um ihn zum Schweigen zu bringen. Er brauchte die Luft. Und ihm wurde dadurch deutlich klar, dass dieses Thema nicht das beliebteste war.
Vermutlich sollte er Newt selbst fragen, anstatt Minho über seinen besten Freund zu verhören. Jeder sollte seine Geschichte selbst erzählen dürfen oder hatte das Recht, es zu verweigern. Vielleicht antwortete Minho ihm deswegen nicht. Vielleicht auch, weil mehr dahinter steckte. Thomas konnte es nicht erklären, er hatte da so ein Gefühl.
„Du bist schnell“, merkte der Asiate an, als sie bei den anderen aus ihrer Gruppe angekommen waren, die schon vor zwei Runden aufgegeben hatten.
Der Brünette zuckte die Achseln und begann sich zu dehnen. Was sollte er sagen? Er machte gern Sport. Er mochte das Gefühl der Kraftlosigkeit nach einem anstrengenden Training. Er war auch gern an der frischen Luft unterwegs. So konnte er am besten nachdenken.
„Ich hab den Pokal in der Eingangshalle gesehen.“
„Wenn du so einen haben willst, musst du dich etwas mehr anstrengen.“
Thomas Blick glitt erneut zu dem Jungen auf der Tribüne, der jetzt aufstand und die Treppe hinunter ging. Zuerst glaubte er, Newt würde sich zu seinen Freunden gesellen, dann verschwand er jedoch ohne ein Wort des Abschieds.
„Newt war der beste Läufer, den wir hatten.“ Minho war seinem Blick gefolgt.
„Und jetzt nicht mehr?“, fragte Thomas nach.
„Nein.“ Diesmal war es Minho, der die Achseln zuckte. Er sah zu der Stelle, wo sein bester Freund verschwunden war. Als müsse er überlegen, was er erzählen durfte und was nicht.
Vielleicht hatte Newt hier einen Ruf, den er nicht verlieren wollte. An einer Schule konnte alles Mögliche passieren. Thomas hatte schon viel gesehen.  
„Aber wieso?“, hinterfragte er, bevor er sich selbst hätte bremsen können.
„Er ist es halt nicht mehr“, antwortete Minho – erneut genervt – und seufzte, „du stellst zu viele Fragen, Frischling.“
 
Das Wasser prasselte angenehm kühl auf ihn hinab. Sein Magen protestierte bereits – viele der anderen Jungs waren schon in den Speisesaal verschwunden. Er jedoch ließ sich noch etwas Zeit, genoss die Nässe, die Ruhe und hing seinen Gedanken nach. Den ersten Tag hatte er bis jetzt sehr gut hinter sich gebracht. Im Unterricht hatte er zum Glück feststellen dürfen, dass der Lehrplan keine extremen Unterschiede zu seiner letzten Schule hatte, obwohl der große Teich dazwischen lag. Jedenfalls hatte er das Gefühl gehabt, gut mithalten zu können. Mal sehen, wie das in den folgenden Wochen werden würde, wenn die Lehrer nach der Sommerpause wieder strenger wurden.
Alby hatte ihm erzählt, dass die erste Woche noch zur (Wieder-)Eingewöhnung nach den Ferien war. Die Unterrichtszeiten waren an den ersten Tagen gekürzt, keine Hausaufgaben, keine schwierigen Rätsel, um die Schüler nicht sofort wieder zu demotivieren. Eine gute Taktik, wie Thomas eingestehen musste.
„Thomas, wie lang willst du noch da stehen?“, rief Minho, der sich bereits angezogen hatte und seit guten fünf Minuten in der Umkleide wartete. „Gibt es keine Duschen in Amerika?“
Er hätte auch in die Sammelduschen auf seinem Flur gehen können, doch hatte er nicht verschwitzt durch das halbe Schulgebäude gehen wollen. Die Duschen in der Sporthalle waren nicht groß und das Wasser war nicht wirklich warm, aber es reichte.
„Geh schon vor. Ich find euch dann schon“, rief er, ohne den Blick von den Wandfließen vor sich zu lösen.
Seine Sicht war verschwommen, weil ihm das Wasser immer wieder in die Augen floss, aber an der Inneneinrichtung hielt er sich sowieso nicht auf.
„Wie du meinst.“
Damit war sein neuer Kumpel auch schon verschwunden und Thomas war allein. Nach einigen weiteren Minuten stellte er das Wasser ab, ließ sich sehr viel Zeit beim Abtrocknen und Anziehen und ging, die Tasche über die linke Schulter gehängt, nach draußen.
Ein Mädchen mit langen, dunkelbraunen Locken, die noch etwas feucht waren und ihr weißes T-Shirt an den Schultern durchnässten, kam aus der gegenüberliegenden Mädchenumkleide. Hätte er nicht schnell einen Schritt zurück gemacht, wären sie zusammengestoßen.
Das Mädchen nuschelte eine Entschuldigung, sah ihn nur kurz an und blickte bereits wieder in die Richtung, in die sie gleich entschwinden würde.
„War meine Schuld“, er lächelte höflich und trat einen Schritt vor, um ihr die Tür aufzuhalten.
Jetzt trafen sich doch ihre Blicke und ein dankbares, hübsches Lächeln legte sich auf ihre Lippen. Ihre blauen Augen musterten ihn neugierig.
„Du bist der Neue.“
„Thomas“, stellte der Brünette sich vor und reichte ihr die Hand.
„Teresa.“
Da sie beide in dieselbe Richtung wollten, liefen sie nebeneinander her, zuerst schweigend, bis Teresa das Wort ergriff. „Wo kommst du her?“
Thomas zuckte die Achseln. Normalerweise hatten Menschen eine einfache Antwort darauf. Bei ihm war die Sache etwas komplizierter. Er könnte jetzt sagen, wo er geboren war, was nur leider nicht damit gleichzusetzen war, wo er zuhause gewesen war. Sein Zuhause war schon lange nicht mehr abhängig vom Ort, sondern mehr von den Leuten, die ihn umgaben.
„Ich bin oft umgezogen“, erklärte er sich unter dem fragenden Blick seiner neuen Bekanntschaft, „vor dem hier hab ich in New Jersey gewohnt.“
„Wie kommt man von dort nach Whittingham?“
„Meine Eltern reisen viel und da dachten sie, ein Internat wäre für mich vermutlich besser, als dauernd allein zuhause zu sitzen. Jedoch wollte meine Mutter mich in ihrer Nähe haben. Sie arbeitet seit neustem in London und die Schule hier hat mir am besten gefallen.“
„Da können wir uns ja geehrt fühlen“, Teresa lachte, als könnte sie kaum glauben, dass er sich für ein solch kleines Städtchen entschieden hatte, anstatt auf eine gute Schule in London zu gehen.
Seine Mutter hatte es auch nicht verstehen können. Thomas selbst wusste nicht, wieso er ausgerechnet dieses Internat gewählt hatte. Vielleicht, weil die kleine Stadt, von der er nie vorher gehört hatte, an der Küste lag. Vielleicht, weil er etwas Abstand hatte haben wollen. Was brachte ein Internat, wenn seine Mutter direkt nebenan war? Sie hatten sich gemeinsam dafür entschieden, dann war die Entfernung – solang sie noch im Maß war – auch egal. Alleine in Amerika zu bleiben war keine Option gewesen.
Thomas zuckte die Achseln und betrachtete das Schulgebäude, das sie jetzt durch den Eingang zum Speisesaal betraten.
Es dauerte nicht lange und der Brünette hatte seine neuen Freunde ausgemacht. Das war nicht schwer gewesen: Sie saßen am selben Tisch wie heute Morgen, als gäbe es hier eine strenge Sitzordnung.
„Wir sehen uns bestimmt noch, Neuer“, verabschiedete sich Teresa und ging zu ihren Freundinnen, während er den Tisch mit den bekannten Gesichtern ansteuerte, deren Augenpaare alle auf ihn gerichtet waren.  
„Was gibt’s denn zu sehen?“, fragte er und setzte sich.
Sein Blick glitt kurz zu der langen Schlange an der Essensausgabe. Obwohl er schon später gekommen war, warteten immer noch sehr viele Schüler auf ihr Essen. Zwar hatte er riesigen Hunger – kein Wunder nach dem anstrengenden Training –, aber er war nicht besonders erpicht darauf, sich in die Schlange einzureihen. Wenn er noch etwas wartete, war es sicher nicht mehr so voll.
„Nur unsern Frischling, der sich schon an seinem ersten Tag an die beliebten Mädchen ranmacht“, Alby grinste ihn über sein Glas an.
War das Stolz in seinen Augen? Thomas lachte und verdrehte die Augen. Er hatte sich nur nett unterhalten. Er hatte Teresa schlecht ignorieren können, er war nicht unhöflich. Und sie war neben ihrer natürlichen Schönheit auch sehr sympathisch.
Wie automatisch blickte Thomas über die Schulter zu der Mädchengruppe. Es schien, als würden ihre Freundinnen Teresa ebenfalls ausfragen. Nur dass sie ihre Fragen tatsächlich aussprachen, anstatt nur abwartend zu starren, wie es die Jungs um ihn herum taten.
Der Brünette jedoch grinste nur. Es war ein harmloses Gespräch gewesen, aber da seine Freunde das nicht wussten, konnte er sie ruhig noch etwas ärgern.
„Also?“, fragte schließlich Minho, als er nach einer Weile immer noch so tat, als würde er die Blicke nicht sehen.
Ganz offensichtlich unterschied ein britisches Internat in dieser Hinsicht einer amerikanischen High School. Hier gingen offenbar nicht alle abwechselnd miteinander aus. Es schien sogar, als wären die Jungs durch eine magische Barriere von den Mädchen am anderen Tisch getrennt. So benahmen sie sich jedenfalls.
Thomas grinste. „Also ich geh mir jetzt was zu Essen holen.“
Review schreiben