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No more bets - Zwischen den Zeilen 3

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
16.03.2020
11.06.2021
68
154.529
20
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11.06.2021 3.339
 
Sarah

Als wir das Auto endlich im Parkhaus abgestellt hatten, war mein Heißhunger so groß, dass wir uns zu aller erst ein kleines Restaurant suchen mussten, um etwas zu essen.
Ich bestellte mir ein großes Schnitzel mit Kartoffeln und Gemüse und Samu nahm eine Currywurst.
„Das ist aber hier immer noch nicht die beste Currywurst in Berlin“, gab ich zu bedenken.
„Wo gibt es die best?“
„Unter den Linden in einem kleinen Imbiss ganz in der Nähe von Madame Tussauds“, erklärte ich, „Jedenfalls war es die Beste, als ich noch ein Kind war. Mein Vater ist oft am Wochenende mit Phillip und mir dort gewesen. Vielleicht existiert der Laden aber auch schon gar nicht mehr.“
Etwas wehmütig zuckte ich mit den Schultern.
„Wir müssen gehen dort irgendwann und schauen“, meinte Samu sofort überzeugt, „Ich will probieren.“
Sein Lächeln ließ mich erstarren und ich nickte ihm verliebt zu, während ich mich schon wieder fast in seinen Augen verlor. Je länger wir wieder zusammen waren, desto weniger konnte ich verstehen, was da vor ein paar Monaten bloß zwischen uns passiert war. Nie wieder wollte ich diesen Mann verlieren und ich würde nie wieder davonlaufen, dessen war ich mir vollkommen sicher.
Das Essen kam und ich stürzte mich sofort drauf.
„Hungry, he?“, fragte Samu und sah mir schmunzelnd zu, bevor er selbst zu essen anfing.
„Ja“, gestand ich ertappt, mit vollem Mund und grinste unschuldig, „ist ja aber auch kein Wunder, wenn gleich zwei Männer an meinen Kräften zehren.“
Samus öffnete empört den Mund, legte seine Gabel auf den Tellerrand, schlug sich selbst mit der flachen Hand auf die Brust.
„Ich habe nichts gemacht“, protestierte er und fing dann verwegen an zu grinsen.
„Nee is klar“, gab ich mit vollem Mund zurück.
„Erzählst du mir von dein family?“, lenkte Samu geschickt vom Thema ab, „Are they okay?“
„Ja“, nickte ich und trank einen Schluck von meinem Wasser, dass ich mir zum Essen bestellt hatte, „es geht ihnen allen gut.“
„I’d really love to see them, especially Phillip and his family.“
“Ich kann sie ja anrufen und fragen, ob sie morgen ganz spontan Zeit haben. Dann sehen wir sie noch, bevor du wieder wegmusst.“
„That’d be great. Ich will sagen ‘hi’ to my little friend Marie.”
“Oh, da muss ich dir etwas sagen, fürchte ich“, verzog ich untröstlich das Gesicht.
„What? Was ist passiert?“
„Du musst jetzt sehr stark sein, Schatz“, ich schluckte und schaute Samu mitleidig an, „Marie hat jetzt einen Freund.“
„WHAT?“, Samu war schockiert, „Das ist nicht wahr? Is it?“
Er legte sich eine Hand aufs Herz und setzte einen verletzten Blick auf.
„I’m dying. She’s breaking my heart. Who is he?”
Schmunzelnd wischte ich mir mit meiner Serviette den Mund ab und erzählte Samu von Maries gleichaltrigem Kindergartenfreund, den sie seit ein paar Wochen hatte.
„Sie waren jetzt schon ein paar Mal zum Spielen verabredet und Christina hat mir bei unserem letzten Treffen erzählt, dass es das letzte Mal zum Abschied sogar einen Kuss gab“, griente ich.
Samu kniff seine Lippen zusammen und schüttelte geknickt den Kopf.
„Sei nicht traurig“, lächelte ich ihn an, „Ich glaube, dich mag sie trotzdem noch.“
„Denkst du?“
„Ja, immerhin hat sie nach dir gefragt, als wir vor zwei Wochen alle bei meinen Eltern waren.“
Langsam fing Samu wieder an zu lächeln.
„What did she say?“
„Sie wollte wissen, wo du bist und wann sie mal wieder mit dir malen kann.“
Samu griente zufrieden und wir aßen weiter.
„Übrigens, habe ich dir das Beste noch gar nicht erzählt“, nahm ich nach einer Weile das Gespräch wieder auf, „Ich habe mich mit meiner Mutter ausgesprochen. Wir haben uns versöhnt.“
„NO?! Really? You’re kidding me?”
“Nein, ehrlich, als wir neulich alle bei ihnen zum Brunchen waren und ich glaube, das habe ich dem Baby zu verdanken.“
„Wieso dem Baby?“
„Ich weiß auch nicht“, während ich erzählte, schob ich mir immer wieder eine Gabel voll Essen in den Mund, „Aber ich glaube, als sie gehört hat, dass ich schwanger bin, hat das irgendetwas mit ihr gemacht.“
Samu verzog erstaunt das Gesicht. Er hatte meine Mutter ja noch in ihrer alten Version kennengelernt und da war es sicher schwierig, sich eine liebevolle Elisabeth Brenner, auch nur ansatzweise, vorzustellen. Ich erzählte ihm von dem Gespräch, dass ich mit meiner Mutter geführt hatte und von ihrer doch auch recht traurigen und traumatischen Geschichte.
„Das ist so awful“, reagierte er aufrichtig bestürzt, „Und das war die Grund, warum sie hat gehasst all musicians?“
„Es scheint so“, zuckte ich mit den Schultern.
„Tut sie immer noch?“
„Du meinst, speziell dich?“
Samu nickte.
Lächelnd legte ich mein Besteck zur Seite und fasste über den Tisch nach seiner Hand.
„Ich denke nicht und ich glaube auch nicht, dass sie wirklich DICH jemals richtig gehasst hat.“
Samu zog ungläubig eine Augenbraue hoch.
„Ja, es stimmt“, rollte ich mit den Augen, „Sie war schrecklich zu dir…zu uns beiden. Aber sie hat sich wirklich geändert. Und auch wenn unsere Geschichte wohl der Grund dafür war, dass das alles wieder in ihr hochgekommen ist, weiß sie ganz genau, dass du nicht so bist, wie dieser Paolo. Und sie wollte auch, dass ich dich unbedingt anrufe, damit wir uns endlich aussprechen können.
„Really?“
„Ja“, nickte ich lächelnd, „Und sie freut sich glaub ich sehr auf ihr nächstes Enkelkind. Und mein Vater auch.“
Samu griente kurz und wurde dann nachdenklich.
„Sie wissen alle schon von dem Baby?“
Ich nickte.
„Es tut mir so leid, Samu. Ich weiß, du hättest der Erste sein müssen, der es erfährt.“
„Es ist okay“, Samu schloss kurz seine Augen und schüttelte den Kopf. Dann lehnte er sich nach vorne und streckte nun seine Hand nach meiner aus.
Ich reichte sie ihm und versuchte zu lächeln, während er sanft mit seinem Daumen über meinen Handrücken strich.
„Ich kann immer noch erzählen my family“, Samus Augen strahlten, während er das sagte.
„Ich würde gerne das Gesicht deiner Mutter sehen, wenn du es ihr sagst.“
„Me too“, lachte er.
„Hey“, hatte ich eine Idee, „wir könnten heute Abend mit ihr skypen, wenn du magst, dann sagen wir es ihr zusammen.“
„Das ist ein great idea.“
Mit Sicherheit hätte Samu seiner Mutter lieber persönlich gesagt, dass er sie nun endlich auch zur Großmutter machen würde und ich hätte es ihm von Herzen gegönnt. Doch zwei Tage später fand bereits die erste Show der Band in Deutschland statt und es wäre einfach zu stressig gewesen für einen Tag noch mal nach Hause zu fliegen. Über Skype konnten wir sie zumindest sehen und wir konnten es ihr gemeinsam sagen.
Nachdem ich mein Schnitzel verputzt hatte und Samu seine Currywurst, von der er nicht glauben konnte, dass dies immer noch nicht die beste in ganz Berlin gewesen sein sollte, da sie ihm so gut geschmeckt hatte, bezahlten wir und machten uns endlich auf zu unserem Stadtbummel…

„So, was willst du kaufen?“, fragte Samu, nachdem wir schon eine ganze Weile Hand in Hand an unzähligen Geschäften vorbeiflaniert waren.
„Ich weiß nicht“, erklärte ich, „Eigentlich habe ich kein besonderes Ziel. Mal schauen, was kommt.“
Plötzlich blieb Samu abrupt an einem der Schaufenster stehen und verkündete: „Hier ich will rein. I need new pants.“
„Oh okay!“, lachend ließ ich mich von ihm in den Laden ziehen und wir schauten uns um.
Samu steuerte sofort die Ecke mit den Jeanshosen an und ich stöberte durch die Damenabteilung, die sich etwas weiter hinten im Laden befand. Während ich an einem Ständer mit Blusen hängenblieb und mich fragte, ob und wann ich wohl wieder in diese Dinger reinpassen würde, hielt ich immer wieder Blickkontakt mit Samu. Irgendwann hielt er ein paar Hosen in die Luft, zeigte in Richtung der Umkleidekabinen und gab mir zu verstehen, dass er dort hingehen und was anprobieren wollte. Lächelnd nickte ich ihm zu und schaute mich weiter um. Nach einer Weile frustrierte mich das Ganze allerdings, da mir die Sachen, die dort hingen alle eh nicht passten. Im Moment fühlte ich mich sowieso in meinen Spaghettiträger Kleidern am wohlsten. Aus dem Grund hatte ich nach der Dusche mein Freizeitkleid einfach gegen ein etwas eleganteres dunkelgrünes Trägerkleid mit weißen Tupfen eingetauscht. Obwohl mir die Umstandsklamotten, die ich mir gekauft hatte, wirklich gut gefielen, waren bei diesen Temperaturen diese Kleider einfach am bequemsten.
Neugierig, ob Samu bereits fündig geworden war, steuerte ich die Umkleidekabinen an und machte mich auf die Suche nach ihm.
Suchend schlich ich durch den langen Gang mit insgesamt zehn sich gegenüberliegenden Kabinen, jeweils fünf auf einer Seite. Alle hatten diese Schwingtüren aus Holz, so dass man nicht auf Anhieb erkennen konnte, wo jemand drin war und wo nicht. Die Türen reichten nicht ganz bis auf den Boden und ich scannte bei jeder Kabine den Zwischenraum zwischen Tür und Fußboden ab, um herauszufinden, in welcher Samu sich befand. Als ich schließlich ein paar rote Chucks entdeckte, von denen einer auf der Seite lag, wusste ich, dass ich richtig war.
„Samu?“, fragte ich vorsichtshalber mit gesenkter Stimme nach.
Er öffnete die Schwingtür einen Spalt in meine Richtung und grinste mich an.
„Come in!“
„Hast du was gefunden?“, fragte ich, während ich zu ihm in die geräumige Kabine schlüpfte.
Er hatte sich gerade eine der ausgesuchten Jeans über den Po gezogen und war dabei, sie zuzuknöpfen.
„Was denkst du?“, fragte er und betrachtete sich selbst von allen Seiten im Spiegel.
„Sieht gut aus“, griente ich, „macht n schönen Hintern.“
Samu zog eine Augenbraue hoch und drehte sich so, dass er seinen Po im Spiegel sehen konnte.
„Findest du, ich brauche erst eine Jeans, um zu haben eine schöne Hintern? Ich habe auch ohne Hose!“
„Naja, eigentlich hast du ja gar keinen Hintern“, meinte ich leicht neidisch.
Samu verzog augenrollend das Gesicht, packte meine Handgelenke, zog mich an sich und platzierte meine Hände auf seinen Pobacken.
„Ich habe! Feel it!“
Grinsend blickte ich zu ihm auf und vergrub meine Finger knetend in seinem Po.
„Stimmt. Fühlt sich gut an, besonders in dieser Hose“, bestätigte ich und er senkte lächelnd für einen zarten Kuss seinen Kopf. Seine Hände hielten dabei sanft mein Gesicht und ich seufzte leise an seinen Mund.
„Ich finde die Hose gut“, trat ich schließlich wieder einen Schritt zurück und betrachtete ihn, „Ich mag das Blau und diesen Used-Look.“
„Dann ich nehme sie“, bestimmte Samu und zog sich wieder um.
„Und was ist mit denen?“, ich nahm die anderen beiden, die er sich zur Anprobe mitgenommen hatte, von der Ablage und hielt sie ihm fragend entgegen.
„Ich nehme noch diese“, tippte er auf die dunkelgraue Jeans, ebenfalls im Used-Look, „die andere nicht. Die sitzt scheiße.“
„Okay“, lachte ich und wir verließen, als Samu seine eigene Hose und seine Schuhe wieder angezogen hatte, die Umkleide.
„Hast du auch etwas gefunden?“, fragte Samu, während wir den Gang hinuntergingen und legte seinen Arm um meine Schulter.
Schmollend schob ich meine Unterlippe nach vorne und schüttelte traurig den Kopf.
„Hier gibt es nichts für oversized people“, erklärte ich und hängte im Vorbeigehen die Hose, die Samu nicht haben wollte, über den Ständer für nichtgewünschte Waren.
Samu lachte kurz auf, warf sich lässig die beiden Hosen, die er kaufen wollte, über seine rechte Schulter und küsste meine Schläfe.
„Es gibt sicher etwas, du musst nur schauen right.“
„Habe ich. Alle Hosen und Blusen oder Shirts sind mir zu eng“, das letzte Wort sang ich fast schon und deutete mit den Zeigefingern beider Hände auf meinen Bauch.“
„What about socks?“, gab Samu schlagfertig zurück und versuchte krampfhaft sein Lachen zu unterdrücken.
„Haha, sehr witzig. Du bist so doof, echt!“, böse schielte ich ihn an, bevor ich mir schließlich mein Lachen auch nicht verkneifen konnte und ihn zur Strafe in die Seite pikste.
„Blödmann!“, lachte ich, während Samu kurz zurückzuckte, mich schließlich lachend packte und mich kitzelnd in den Hals biss.
„Blödmann, he?“, raunte er dabei dunkel an mein Ohr.
„Hör auf!“, quiekte ich lachend und schaute mich erschrocken um, ob auch niemand unser kindisches Getue mitbekam.
Anderseits war es mir auch vollkommen egal, ob uns jemand dabei sah, wie wir einander neckten. Wir waren eben wie frisch verliebt und ich hätte es am liebsten in die ganze Welt hinausgeschrien, wie glücklich ich war, dass ich Samu endlich wiederhatte.
Er hatte immer noch seine Arme von hinten um mich geschlungen, während wir gemeinsam lachend wieder zurück in den Verkaufsraum stolperten.  Unser verliebtes Herumalbern fand allerdings ein abruptes Ende, als uns plötzlich Erik gegenüberstand. Unser Lachen verstummte und ein mehr als unangenehmes Schweigen machte sich breit.

„Erik! Hi!“, durchbrach ich schließlich stotternd die peinliche Stille.
„Paska!“, flüsterte Samu an meine Haare.
„Sarah“, antwortete Erik, nicht weniger überrascht und verunsichert.
Sein Blick wanderte rüber zu Samu, den er anscheinend nur aus lauter Höflichkeit ebenfalls mit Namen begrüßte.
„Samu!?“, nickte er ihm zu.
Samu allerdings brachte es nur über sich, Eriks Gruß mit einem kurzen Brummen zu erwidern.
Vermutlich kam dieses Aufeinandertreffen für uns alle mehr als unerwartet und dass Samu das gerade so gar nicht gebrauchen konnte, war für mich nur allzu verständlich.
Ich hörte ihn hinter mir genervt schnaufen, also drückte ich unbemerkt seine Hand hinter meinem Rücken ganz fest und versuchte ihn so zu signalisieren, dass er ruhig bleiben sollte.
„Was machst du hier?“, versuchte ich irgendwie die Situation aufzulockern und zog Eriks Blick mit meiner Frage wieder auf mich.
„Shoppen?!“, erklärte er und grinste verhalten. Jetzt erst bemerkte ich die Klamotten in seiner Hand.
Klar, was sonst.
Gott ist das peinlich, dachte ich.
„Ich gehe bezahlen“, meinte Samu genervt und drückte mir demonstrativ einen Kuss an die Schläfe. Ohne Erik noch weitere Beachtung zu schenken, löste er sich von mir und spazierte, die beiden Hosen immer noch über seiner rechten Schulter, in Richtung Kasse.
Ich wusste nicht, ob er sich damit nur selbst schützen wollte, um Erik nicht doch noch aus Eifersucht eine zu verpassen, oder ob er uns einfach nur die Gelegenheit geben wollte, kurz ein paar Worte miteinander zu wechseln. In jeden Fall war ich überwältigt und beeindruckt von der Größe, die er damit bewies und schaute ihm lächelnd hinterher.
„Ihr habt euch also wieder versöhnt?“, hörte ich Eriks fragende Stimme und schaute ihn wieder an.
„Ja“, brachte ich räuspernd hervor, „wir haben uns ausgesprochen.“
Ich machte ein kleine Pause und ergänzte dann: „Er hat sich für sein Verhalten entschuldigt. Es tut ihm alles sehr leid.“
Erik nickte nur und sah mich skeptisch an.
„Na, dann hoffe ich mal für ihn, dass es nicht nur leere Worte waren.“
Sofort schüttelte ich vehement den Kopf.
„Er hat mir endlich alles erklärt und ich verstehe ihn jetzt“, erklärte ich, „Er macht eine Therapie, weißt du. Die scheint ihm wirklich zu helfen, es geht ihm schon viel besser.“
Sicher hatte ich es nicht nötig oder war es Erik schuldig, zu rechtfertigen, warum Samu und ich uns wieder versöhnt hatten und warum ich nach wie vor mit ihm zusammen sein wollte. Das war ganz allein meine Sache. Dennoch hielt ich es für angebracht, es Erik zumindest zu erklären. Ich wollte es einfach.
„Na dann ist ja alles gut“, der leichte sarkastische Unterton in Eriks Stimme war nicht zu überhören und ich sah, dass er schluckte.
„Es tut mir alles so leid“, war alles, was ich darauf antworten konnte.
„Muss es nicht“, kam es postwendend von ihm zurück, „Mir jedenfalls tut gar nichts leid.“
Er sah mir direkt in die Augen und ich wusste beim besten Willen nicht mehr, was ich dazu noch sagen sollte. Sicher spielte er damit auf unsere gemeinsame Nacht an. Ich konnte nach wie vor nicht leugnen, dass ich den Sex mit ihm, in dem Augenblick genossen hatte, dennoch war mir mehr als bewusst, dass es hätte gar nicht erst passieren dürfen. Es war einfach falsch.
„Erik bitte!“, flehte ich und er schloss kurz seine Augen.
Er durfte es uns und vor allem sich selbst nicht noch schwerer machen. Nach allem, was vorgefallen war, wünschte ich mir doch immer noch, dass wir irgendwie Freunde bleiben konnten. Auch wenn ich ihn nicht liebte, war er mir doch unheimlich wichtig.
„Ich will doch nur, dass du glücklich bist“, sagte er schließlich mit ruhiger sanfter Stimme und rang sich mühevoll zu einem kleinen Lächeln durch.
„Ich bin glücklich!“, versicherte ich ebenfalls lächelnd, „Ich liebe Samu und ich weiß, er liebt mich. Wir sind endlich wieder zusammen und er freut sich wahnsinnig über das Baby.“
Erik starrte mich an. Ich konnte sehen, dass meine Worte ihn verletzten und das wiederum brach mir das Herz. Das hatte ich nie gewollt. Aber was sollte ich denn tun? Es war, wie es war. Mein Herz gehörte Samu und Erik musste das irgendwie verstehen. Auch wenn es mir für ihn unendlich leidtat.
„Bitte entschuldige, das ist vermutlich das letzte, was du hören willst“, ich machte einen kleinen Schritt auf ihn zu und legte ihm behutsam meine Hand auf den linken Unterarm, „Ich möchte auch, dass du glücklich bist und ich hoffe, dass wir irgendwann wieder einfach nur Freunde sein können.“
Schließlich löste Erik sich aus seiner Starre und dann hatte er es plötzlich ziemlich eilig.
„Alles gut“, meinte er und zwang sich abermals dazu, mich anzulächeln, „Sicher bleiben wir Freunde. Du ich muss dann auch los. Mach’s gut.“
Er strich mir kurz über meinen linken Oberarm, ließ mich dann einigermaßen verdutzt stehen, und eilte zu den Umkleiden. Er war kaum verschwunden, als ich plötzlich Samu hinter mir hörte: „Er ist weg?“
Ich fuhr herum, fand mich meinem großen gutaussehenden Finnen gegenüber und blinzelte ihn etwas durcheinander an.
„Ja“, nickte ich und kniff meine Lippen zusammen, bevor ich nachdenklich meinen Blick wieder senkte.
War Erik jetzt so schnell verschwunden, weil er Samu zurückkommen sah?
Schmerzlich wurde mir bewusst, dass wir drei wohl niemals ein unbeschwertes freundschaftliches Verhältnis zueinander haben würden. Samu, der schon immer eifersüchtig auf Erik war, von dem Moment an, als er ihn zum ersten Mal gesehen hatte; Erik, der wohl schon immer irgendwie verliebt in mich war und ich dazwischen, die die es immer allen recht machen wollte. Aber das konnte ich nicht. Diesmal nicht.
Ich hätte Erik gerne weiterhin als Freund gehabt, aber wenn das für alle zu schmerzlich war, musste ich zugunsten meiner Liebe zu Samu eben darauf verzichten.
„Everything okay?“, ganz vorsichtig und sanft legte Samu seine Hand an meine Wange, während er sich ein Stück runter beugte, um meinen Blick einzufangen.
Ich nahm seine Hand, presste sie noch ein wenig fester an meine Haut und atmete mit geschlossenen Augen kurz ein und wieder aus, bevor ich sagte: „Ich hoffe es.“
Dann schaute ich ihn an und fing an zu lächeln, als sein liebevoller Blick mich mit Wärme durchflutete.
„You still like him, hm? He means something to you?”
Ich schluckte und schließlich nickte ich etwas zögerlich.
„Aber nur als Freund“, versicherte ich, „Mehr nicht.“
Samu zog mich zu sich, küsste meine Stirn, bevor er mich fest in seine Arme schloss.
„That is okay for me”, hauchte er leise, während ich meinen Kopf an seine Brust presste.
Seufzend schlang ich meine Arme um ihn herum, schloss meine Augen und war ihm zum zweiten Mal an diesem Tag unendlich dankbar für sein Verständnis…
Während ich schon wieder dabei war, mich in dieser Situation zu verlieren und stundenlang in dieser Position hätte verharren können, fing Samu schließlich an, langsam über meinen Rücken zu streichen und fragte irgendwann sanft: „Sollen wir gehen, Honey?“
Benebelt von der Wärme seines Körpers und seinem Geruch, der mir zusätzlich immer wieder aufs Neue den Verstand raubte, öffnete ich langsam und nur sehr widerwillig meine Augen. Ich löste meinen Kopf von seinem Brustkorb, legte ihn weit in den Nacken und schaute verliebt zu ihm auf.
„Ja!“, säuselte ich und grinste.
Ebenfalls grinsend biss Samu sich auf die Unterlippe und im nächsten Augenblick schlossen sich meine Augen auch schon wieder, während er langsam seinen Kopf senkte und hauchzart seine Lippen auf meine drückte.
Erst als ich Samus Hand an meiner Wange spürte und er vorsichtig unsere Verbindung aufhob, öffnete ich meine Augen wieder.
„Komm“, lächelte er lieb, „Now we buy something fur die Baby.“
Freudig nickend stimmte ich ihm zu und wir verließen Hand in Hand das Geschäft.
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