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No more bets - Zwischen den Zeilen 3

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18
16.03.2020
27.01.2021
53
120.825
16
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Dieses Kapitel
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13.01.2021 3.102
 
Sarah

„Möchtest du noch ein Dessert?“, fragte Erik und beugte sich lächelnd über den Tisch.
„Nein Danke!“, erwiderte ich kopfschüttelnd und hielt mir den Bauch, „Ich habe jetzt schon zu viel gegessen. Ich glaube, entweder ich, oder meine Hose platzen gleich.“
„Oh okay“, Erik hob abwehrend seine Hände und lehnte sich wieder an, „Also das will ich beides auf keinen Fall riskieren.“
„Siehst du?!“, lächelte ich und leerte mein Weinglas.
Eriks verschmitztes Grinsen und die Art, wie er mich ansah, ließen mich innerlich beben und ich musste mir eingestehen, dass ich mich auf eine gewisse Art zu ihm hingezogen fühlte. Es machte einfach wahnsinnigen Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Er brachte mich zum Lachen und er benahm sich wie ein wahrer Gentleman. Zu jedem Date – und es gab viele in der letzten Zeit - holte er mich ab und brachte mich hinterher immer wieder nach Hause. Jedes Mal begleitete er mich bis zur Tür und stieg nach einem flüchtigen Gute Nacht Kuss wieder brav in sein Auto und fuhr nach Hause.
Manchmal war ich sogar kurz davor ihn zu bitten noch mit raufzukommen, doch aus irgendeinem Grund brachte ich die Worte einfach nicht über meine Lippen.
An diesem Abend drehte Erik den Spieß um und überrumpelte mich seinerseits mit diese Frage.
Wir hatten sein Restaurant bereits verlassen und waren eigentlich auf dem Weg zu den Fahrstühlen, um in die Tiefgarage zu fahren. Vor der geschlossenen Fahrstuhltür fragte er plötzlich gerade heraus: „Kommst du noch mit rauf?“
Provokant lächelnd ließ er seine Finger über den beiden Knöpfen kreisen und wartete auf meine Antwort.
Schmunzelnd legte ich meinen Kopf schief und sagte etwas zögerlich: „Ich weiß nicht.“
„Komm schon!“, meinte er grinsend, „Ich möchte dir etwas zeigen.“
„Was denn, etwa deine Briefmarkensammlung?“
Lachend betätigte er einfach den Knopf für „rauf“ und antwortete: „So was Ähnliches.“
Skeptisch funkelte ich ihn an und ließ mich schließlich zu einem Lachen hinreißen.
„Na schön“, meinte ich schließlich, als der Fahrstuhl kam und Erik mir mit einer Handbewegung deutete, dass er mir den Vortritt ließ.
Oben angekommen, musste ich zugeben, dass der Anblick des Penthouses mich überwältigte. Eriks Wohnung war sehr geschmackvoll eingerichtet, modern und dennoch gemütlich. Alles war offen und erinnerte beinahe an ein altes Fabrikgebäude. Am meisten jedoch beeindruckte mich die riesige Fensterfront und der damit verbundene atemberaubende Ausblick auf die Stadt. Die Sonne war bereits vor Stunden untergegangen und die ganze Stadt erstrahlte in einem Lichtermeer.
Staunend trat ich an die bodentiefen Fenster heran und ließ den Moment auf mich wirken.
„Das ist ja der Wahnsinn“, fand ich schließlich doch meine Sprache wieder, „Man kann ja fast alles sehen, von hier oben.“
„Siehst du, was dir in der ganzen Zeit entgangen ist“, lachte Erik und kam zu mir.
„War es das, was du mir zeigen wolltest?“
„Auch“, griente er, „Komm setz dich.“
Er nahm meine Hand und führte mich zu einer gigantisch großen schwarzen Ledercouch, die sich in der Mitte des Raumes befand.
„Möchtest du etwas trinken?“, fragte er, während ich mich auf dem weichen Leder niederließ.
„Gern“, lächelte ich und streifte mir meine Schuhe ab. Dann lehnte ich mich an und zog meine Füße nach oben auf die Sitzfläche.
Kurz darauf kam Erik mit einer Flasche Champagner, zwei Gläsern und einem Buch unterm Arm zurück.
„Was ist das?“, wollte ich wissen und griente, „Das ist jetzt aber nicht wirklich deine Briefmarkensammlung, oder?“
„Nein“, lachte er und reichte mir das Buch, das sich bei genauerer Betrachtung, als Fotoalbum entpuppte.
„Meine Mutter hat das neulich beim Aufräumen gefunden und es mir gegeben.“
„Nein, oh mein Gott“, lachte ich und hielt mir die Augen zu, als ich die erste Seite aufschlug, „Das sind ja wir als Kinder.“
Erik nickte und lachte, während er unsere Gläser mit Champagner füllte.
Amüsiert und zugleich etwas peinlich berührt blätterte ich durch das Album. Es zeigte unzählige Fotos von uns und unseren Eltern. Unsere Familien waren, als wir noch Kinder waren, anscheinend öfter zusammen, als ich es in Erinnerung hatte. Erik reichte mir ein Glas, was ich beiläufig entgegennahm, da ich mich kaum von den Bildern lösen konnte. Ich hatte mich inzwischen in den Schneidersitz gesetzt und das Album lag in meinem Schoß.
„Ach schau hier“, ich tippte mit dem Finger auf eins der Fotos, „Unsere Übernachtungsparty. Das hatte ich völlig vergessen. Wie alt waren wir da? 10?“
„Ich war 12“, beantwortete Erik lächelnd meine Frage, „Es war der Sommer, bevor ich aufs Internat ging.“
„Ah!“
„Ich weiß das noch ziemlich genau“, meinte Erik, nachdem er von seinem Champagner getrunken hatte, „Es war total heiß in diesem Sommer und wir durften bei deinen Eltern im Garten schlafen.“
„Wie wir drei da sitzen. Wie die Orgelpfeifen“, lachte ich.
Das Foto zeigte Phillip, Erik und mich, wie wir in unseren Schlafsäcken saßen.
Gemeinsam blätterten wir uns durch das Album voller Kindheitserinnerungen und lachten und tranken Champagner.
„Ich kann nicht fassen, dass deine Mutter diese ganzen Fotos hat“, schüttelte ich immer wieder den Kopf.
„Frag doch mal deine Mutter“, meinte Erik, „bestimmt hat sie auch so ein Album.“
„Mit Sicherheit“, stimmte ich ihm lachend zu, leerte mein Glas und stellte es ab. Dann klappte ich das Fotoalbum zu und legte es ebenfalls auf den Tisch.
„Danke, das war viel besser, als eine Briefmarkensammlung“, stellte ich lachend fest.
„Ich wusste doch, dass dir das gefallen würde“, lächelte Erik zufrieden und nahm die Flasche, um mir zum wiederholten Male nachzuschenken.
„Ich nicht mehr“, versuchte ich ihn aufzuhalten und machte eine ablehnende Handbewegung.
Doch Erik war schneller und teilte den Rest, der noch in der Flasche war, bereits auf beide Gläser auf.
„Ist eh nur noch ein kleiner Schluck“, meinte er grinsend und reichte mir mein Glas.
Ich lächelte kopfschüttelnd und nahm es ihm ab.
„Also gut, aber du bist schuld, wenn ich einen Schwips kriege“, erklärte ich und leerte den kleinen Schluck in einem Zug.
„Wahrscheinlich habe ich den schon“, ergänzte ich, während ich das Glas dann erneut auf den Tisch zurückstellte.
„Du bist wunderschön, wenn du einen Schwips hast“, meinte Erik, als ich mich wieder zurücklehnte.
Überrascht starrte ich ihn an und im nächsten Augenblick legte er seine Hand an meine Wange und küsste mich.
Für einen kurzen Moment riss ich meine Augen weit auf und stemmte meine Hände gegen seine Arme. Doch Erik ließ sich davon nicht abschrecken. Mit beiden Händen hielt er sanft mein Gesicht und presste seine Lippen auf meine, sodass ich meinen eh nicht allzu großen Widerstand aufgab und mich auf den Kuss einließ. Mein Herz klopfte bis zum Hals und obwohl es durchaus sehr schön war, ihn zu küssen, beendete ich ziemlich aufgewühlt den Kuss schließlich doch wieder und wandte mich ab.
„Ich weiß nicht, ob das so eine gute Idee ist“, zweifelte ich und wagte nicht, ihn anzuschauen.
Was tust du denn?, hörte ich eine innere Stimmen, es war doch schön, ihn zu küssen, oder?
Oh ja, das war es. Zu schön.
Es machte mir Angst. War ich wirklich bereit dafür? War es richtig?
Schließlich sah ich ihn doch wieder an und suchte in seinen smaragdgrünen Augen nach einer Antwort, auf all meine Fragen.
Sanft und voller Wärme schauten sie mich an und sein Mund fing an zu lächeln, während seine Hand sich erneut an meine Wange legte.
Er schluckte und erwiderte: „Ich weiß auch nicht, ob das eine gute Idee ist. Aber ich will im Augenblick auch nicht darüber nachdenken.“
Mein Puls raste und diesmal schloss ich meine Augen sofort, als seine Lippen sich erneut auf meine legten und er mich ein weiteres Mal zärtlich und gefühlvoll küsste. All meinen Zweifeln zum Trotz, ließ ich es zu, dass wir uns leidenschaftlich küssten und als Erik den Kuss irgendwann beendete, aufstand und meine Hand nahm, ließ ich mich von ihm ohne jegliche Gegenwehr in sein Schlafzimmer führen.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, lag ich nackt eingehüllt in seidenweichen Laken und musste für einen Moment überlegen, wo ich eigentlich war.
Ich schreckte hoch und fuhr herum.
Oh mein Gott, dachte ich, als ich Erik, ebenfalls nackt, neben mir liegen und schlafen sah.  
Wie konnte das nur passieren?
Lag es am Alkohol?
Oh nein, mein Fräulein, sagte meine innere Stimme, das hast du ganz alleine hinbekommen und es hat dir gefallen. Wag es ja nicht, das jetzt abzustreiten.
Nein, ich konnte nicht abstreiten, dass es schön war mit Erik zu schlafen…dennoch fühlte ich mich irgendwie komisch. In dem Moment, als wir miteinander schliefen hatte ich es wirklich gewollt, aber jetzt fühlte es sich plötzlich nicht mehr richtig an.
Mein Blick fiel auf den Radiowecker auf Eriks Nachtschrank und ich bekam erneut einen Schreck.
Scheiße, dachte ich, halb neun schon. Ich komm zu spät zur Arbeit.
Aus Angst vor einer peinlichen Unterhaltung oder gar einer Wiederholung dessen, was in der Nacht in diesem Bett geschehen war, beschloss ich mich einfach raus zu schleichen.
Leise stieg ich aus dem Bett und suchte vom Fußboden meine Klamotten zusammen.
Da es in Eriks Wohnung so gut wie keine Türen gab, schlich ich so leise ich konnte in den Wohnbereich und zog mich an.
Per Knopfdruck rief ich den Fahrstuhl zum Penthouse und fuhr runter in die Lobby, wo ich mir ein Taxi rief und direkt zur Redaktion fuhr.

Samu

Ein paar Tage später, war ich gerade dabei, in meinem Schrank in der Agentur etwas zu suchen, als Mikko plötzlich ziemlich energisch unsere Bürotür schloss und auf mich zu kam.  Er stütze einen Arm an meinen Schrank, stellte ein Bein über das andere und starrte mich argwöhnisch an.
„Was ist?“, fragte ich grinsend, während ich an den offenen Schrank gelehnt einen Ordner durchblätterte.
„Seit wann vögelst du Nadja schon?“, haute er schließlich raus.
„Was?“, fragte ich so cool wie möglich zurück, „Wie kommst du denn auf so ’n Scheiß?“
Zwar ging ich nicht mehr Spielen, aber mein Pokerface hatte ich noch allemal drauf, dachte ich zumindest.
„Verarsch mich nicht“, fauchte Mikko, stellte sich wieder aufrecht hin und zeigte mit dem Finger auf mich, „Ich gucke mir das jetzt schon ‘ne ganze Weile an und auffälliger geht’s ja nun wirklich nicht.“
„Keine Ahnung, was du meinst“, versuchte ich es weiter zu leugnen, stellte den Ordner zurück und steckte meinen Kopf wieder in den Schrank.
„Wie ihr so tut, als wolltet ihr euch mit Macht aus dem Weg gehen. Keine Chance mein Lieber. Das zieht vielleicht bei den anderen hier, aber nicht bei mir.“
Okay, wahrscheinlich war abstreiten zwecklos, gerade bei Mikko.
„Ja, Mann und wenn schon“, guckte ich ihn nun doch wieder an und er riss seine Augen weit auf, „Wir haben ein paar Mal…Ist keine große Sache.“
Mikko stieß Luft aus und runzelte die Stirn.
„Keine große Sache“, wiederholte er, „Na, wenn du meinst.“
„Ja meine ich“, langsam fing er an, mich zu nerven.
Es war ja wohl meine Sache, was ich tat. Nachdem ich inzwischen vergessen hatte, wonach ich eigentlich gesucht hatte, knallte ich die Schranktüren zu und setzte mich wieder an meinen Schreibtisch.
„Ich will dir ja überhaupt nicht vorschreiben, was du zu tun hast“, kam Mikko mir nach.
„Ach, das ist ja sehr nett!“
Er setzte sich mir gegenüber auf einen der Besucherstühle und lehnte sich über den Tisch.
„Ich kann auch verstehen, wenn du mit Sarah abgeschlossen hast und das alles hinter dir lassen willst…“
„Lass Sarah da raus“, würgte ich ihn ab, „Das hat nichts mit ihr zu tun.“
„Ja, schon gut“, hob er abwehrend seine Hände, „Aber…“
„Aber?“
„Nadja?“, Mikko zog ein extrem ungläubiges Gesicht.
„Was ist denn dein Problem mit Nadja, he?“
„Nun also zunächst mal arbeitet sie für uns“, Mikko machte mit seinen Fingern eine aufzählende Geste.
„Weiß ich und weiter?“
„Samu, das Mädel ist halb so alt wie du. Mensch, die könnte deine Tochter sein.“
„Boa, komm mir jetzt bloß nicht mit einer deiner Moralpredigten, ja! Sie ist erwachsen“, verteidigte ich mich, „und durchaus in der Lage ihren eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich habe sie ja schließlich zu nichts gezwungen.“
„So habe ich das ja auch gar nicht gemeint.“
„Nee, wie denn dann?“
„Ach, ich dachte eben nur, falls es Gerede gibt.“
„Was denn für’n Gerede?“, wurde ich laut, „Mir doch egal, was hier geredet wird, oder was, wo, an welchen Stellen durchsickert.“
Mit meinen Fingern malte ich imaginäre Anführungsstriche in die Luft.
„Ich hab es so satt, immer darauf achten zu müssen, was ich tue, damit das auch ja keine schlechte Publicity zur Folge hat. Leckt mich doch alle!“
Wütend sprang ich auf, schnappte mir Schlüssel und Handy und stürmte aus dem Büro.
„Samu, jetzt warte doch“, hörte ich Mikko noch rufen, „Lass uns doch in Ruhe reden.“
Mir stand nicht der Sinn nach Reden. Ich wollte einfach nur weg hier. Also verließ ich die Agentur und rannte hinaus auf die Straße. Draußen lief ich ein paar Mal auf dem Fußweg hin und her und atmete mehrere Male tief ein und aus. Bis ich schließlich zu meinem Wagen ging.
„Samu?“, hörte ich plötzlich Nadjas Stimme hinter mir und drehte mich um. Mit ihrer Tasche über der Schulter und ihrer Jacke überm Arm, kam sie auf ihren hohen Schuhen auf mich zugelaufen.
„Was ist denn los?“, fragte sie, als sie mich erreicht hatte und legte sanft ihre Hand an meine Wange. Mit der anderen strich sie über meinen Arm.
„Ach Mikko“, ich machte eine Kopfbewegung in Richtung Agentur, „Er geht mir auf den Sack. Immer soll ich funktionieren und mich korrekt verhalten.“
„Lass dich doch von ihm nicht ärgern!“
Zärtlich streichelte Nadja über meinen Nacken und lächelte mich lieb an, was mich dazu veranlasste, sie ebenfalls anzulächeln und meine Arme um sie zu legen. Nadjas Anwesenheit fühlte sich toll an. Sie stellte keine nervigen Fragen. Sie war einfach da, ohne etwas von mir zu verlangen. Ich hatte keine Ahnung, was das mit ihr war und ich wusste auch nicht, wohin es führen würde. Eigentlich wusste ich nicht mal, ob ich überhaupt wollte, dass es irgendwo hinführte. Alles was ich wusste, war, dass ich mich gut fühlte, wenn sie in meiner Nähe war und dass ich an diesem Gefühl festhalten wollte, so lange es eben dauerte.
„Kann ich irgendetwas für dich tun?“, fragte sie nach einer Weile.
Grinsend schielte ich auf sie hinunter und sagte: „Du könntest mich ein bisschen ablenken von dem ganzen Scheiß hier.“
Sie machte kurz ein nachdenkliches Gesicht und meinte schließlich: „Meine Tante ist das ganze Wochenende bei einer Freundin in Turku. Ich habe die Wohnung für mich alleine.“
Grinsend biss sie sich auf die Unterlippe und ergänzte: „Der Kühlschrank ist voll und ausreichend Wein und Bier sind auch da.“
„Was für verlockende Aussichten. Komm!“, dachte ich nicht groß nach, nahm ihre Hand und lief mit ihr zu meinem Auto…
Eine ganze Weile waren Nadja und ich nun schon so etwas Ähnliches wie zusammen. Ich wusste nicht, wie man es sonst nennen sollte. Wir trafen uns und wir hatten Sex. Keine Ahnung, ob man es als Beziehung bezeichnen konnte, aber ich fand es gut so, wie es war. Dachte ich zumindest. Doch irgendwann fühlte ich mich jedes Mal schlecht, nachdem ich Sex mit Nadja hatte und ich hatte das Gefühl, dass das alles nicht richtig war. Der Sex befriedigte mich zwar körperlich, aber es war nicht die Befriedigung, nach der ich mich sehnte. Irgendetwas fehlte mir und ich wusste nicht was. Als ich eines Nachts mal wieder bei ihr übernachtete, hatte ich einen sehr unruhigen Schlaf. Immer wieder wachte ich auf und wenn ich doch mal schlief, dann träumte ich von Sarah. Von einer Zeit, als wir glücklich waren, bevor ich alles kaputt gemacht hatte.
Anscheinend hatte ich ganz und gar nicht mit ihr abgeschlossen und je mehr ich träumte und je länger ich mich daraufhin wach hin und her wälzte, desto mehr kam mir der Gedanke, dass ich mit Nadja nur eine Ablenkung von etwas gesucht hatte, was ich sowieso niemals hinter mir lassen könnte.
Schließlich gab ich es auf, noch mal in den Schlaf zu finden und beschloss mich davonzuschleichen. Ich musste einfach da raus und versuchen mir über einiges klar zu werden. Nadja bekam nicht mit, dass ich aufstand, mich anzog und ihre Wohnung verließ.
Von dort, wo sie wohnte, war es nicht weit bis ins Zentrum und ich lief einfach ziellos durch die Innenstadt. Es war Ende Juni und selbst für Helsinki relativ mild. Glücklicherweise war um 3 Uhr morgens nicht allzu viel los. Gedankenverloren lief ich an den beleuchteten Schaufenstern vorbei und dachte darüber nach, was ich wirklich für meine Zukunft wollte.
Irgendwann kam ich an einem Plattenladen vorbei, der die ganze Nacht einen Fernseher im Schaufenster laufen hatte, auf dem ein Musikkanal mit Videos lief. Der Ton wurde über einen Lautsprecher nach draußen geschaltet und ich blieb einen Moment stehen und lauschte der Musik. Ed Sheerans ‘Happier‘ war gerade zu Ende und das Musikvideo von James Arthurs ‘Empty Space‘ fing an. Es traf mich wie ein Blitzschlag und ich wäre fast auf dem Gehweg vor diesem Schaufenster zusammengebrochen. Der Text dieses Songs spiegelte alles wieder, was ich dem Moment empfand. Was ich eigentlich schon die ganze Zeit empfand.
„I don’t see you
You’re not in every window I look through.”

“I don’t miss you
You’re not in every single thing I do
I don’t think we’re meant to be
And you are not the missing piece”

“I don’t regret the day I left
I don’t believe that I was blessed.”

“I’m alone in my head
Looking for love in a stranger’s bed
But I don’t think I’ll find it
‘Cause only you could fill this empty space.

“I’ve been drinking
I’ve been doing thing I shouldn’t do
Overthinking
I don’t know who I am without you
I’m a liar and a cheat
I let my ego swallow me
And that’s why I might never see you again…”
Der Text traf mich mitten ins Herz und am Ende des Songs saß ich heulend auf dem Bürgersteig und lehnte an der Wand des Plattenladens.
„Wie konnte ich dich nur jemals gehen lassen“, schluchzte ich hemmungslos in meine Hände, „Du fehlst mir so.“
So fest hatte ich mir vorgenommen, von nun an alles richtig zu machen und war schon wieder dabei, genau das Gegenteil zu tun.
Nadja hatte mir nichts getan. Im Gegenteil, sie war für mich da, als ich jemanden brauchte, aber sie war eben nicht die Frau, die ich liebte. Das würde sie niemals sein.
Ich musste das mit uns beenden und zwar so schnell wie möglich und dafür kämpfen, was ich wirklich wollte.
Nachdem ich mich einigermaßen gefangen hatte, rappelte ich mich vom Boden auf und ging zu Fuß zu mir nach Hause.
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