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No more bets - Zwischen den Zeilen 3

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
16.03.2020
05.12.2021
72
166.100
23
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Dieses Kapitel
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16.03.2020 2.999
 
Hallo Ihr Lieben. Da bin ich mal wieder. Ich hoffe, es geht Euch allen, den Umständen entsprechend gut.
Ich hatte zwar gesagt, ich will den dritten und letzten Teil meiner Geschichte erst komplett fertig schreiben, aber ich werde nun doch schon anfangen die ersten fertigen Kapitel zu posten.
Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!
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Sarah

Seit geschlagenen fünfzehn Minuten fuhren wir nun schon in Emmas kleinem Ford Fiesta den Ku’damm rauf und runter, auf der Suche nach einem Parkplatz. Gut, dass sie mich so früh von zu Hause abgeholt hatte und wir jetzt noch massig Zeit hatten.
Zu Hause
Natürlich war Berlin und damit meine Wohnung hier, auch immer noch mein zu Hause. Es war schön, nach 4 Monaten mal wieder in meiner Wohnung zu sein. Alles war tipptopp in Schuss. Mein Bruder und mein Vater kümmerten sich wirklich fabelhaft darum.
Ein wenig verträumt war ich sofort, als ich ankam, durch alle Räume flaniert und stellte zufrieden fest, dass alles noch so war, wie ich es verlassen hatte.
Leider mussten beide, sowohl Phillip, als auch mein Vater arbeiten, sodass wir uns nicht sehen konnten; was mich ziemlich traurig machte, da ich sie beide vermisst hatte.
Umso schöner war die Freude, als Emma und ich uns endlich wieder in den Armen liegen konnten. Sie jeden Tag zu sehen und auch mit ihr zusammen zu arbeiten, vermisste ich doch extrem.
„Da!“, schrie Emma plötzlich auf, „Da fährt einer weg. Haut alle ab, das ist mein Parkplatz.“
Sie legte fast eine Vollbremsung hin, setzte den Blinker und wartete ungeduldig darauf, dass der Mercedesfahrer endlich seinen Wagen aus der Lücke hievte.
„Na los, Mann. Hopp!“, feuerte sie ihn an und nachdem er endlich weg war, manövrierte sie ihr Fahrzeug gekonnt vorwärts in die Parklücke. Dass sie dabei mit dem rechten Vorderrad über den Bordstein hüpfte, störte Emma nicht die Bohne…
„Verdammt noch mal, ist das kalt“, fluchte sie, als wir schließlich aus dem Auto ausstiegen und blies sich aufwärmend in ihre Hände, bevor sie sie anschließend auch noch aneinander rieb. Sie öffnete die hintere Tür des Wagens und holte ihre Fototasche heraus.
„Tja, Januar eben“, lachte ich, hing mir meine Tasche über die Schulter und wartete darauf, dass Emma zu mir auf den Bürgersteig gelaufen kam.
„Der Januar ist doch aber schon durch. Ich meine morgen ist der 1. Februar, kann es da nicht mal etwas milder werden?“
„Es ist eben immer noch Winter“, erklärte ich, „In Helsinki ist sogar noch um einiges kälter als hier.“
Emma verdrehte stöhnend die Augen, zog ihre dunkelrote Strickmütze über ihre goldenen Locken und schob ihre Hände in die Ärmel ihres schwarzen Baumwollmantels.
„Boah, wie kannst du nur da leben? Ich dachte immer, du hasst die Kälte?!“
„Das tue ich auch“, ich schloss den obersten Knopf meines grauen Mantels und zog meinen Wickelschal ein Stück nach oben, über meine Ohren, „aber man kann sich durchaus mit so einigen Dingen arrangieren, wenn man muss.“
Ich zwinkerte ihr zu, stieß mit meiner Schulter an ihre und wir lachten beide los.  Dann schlang Emma ihre Arme um mich und drückte mich.
„Jedenfalls kann ich mich nicht damit arrangieren, dass du jetzt so weit weg lebst und ich bin echt froh, dass du mal wieder hier bist. Weihnachten ist einfach schon viel zu lange her.“
„Na so lange war das jetzt auch nicht“, ich erwiderte ihre Umarmung und küsste ihre Wange, „Aber du hast mir auch ganz schrecklich gefehlt. Ich bin richtig froh, dass Charlotte niemanden sonst für dieses Interview gefunden hat.“
„Ich wünschte, das würde noch viel öfter vorkommen“, meckerte Emma, während wir langsam in Richtung Hotel gingen.
„Das wird es bestimmt“, schmunzelte ich und blieb stehen, als wir das Hotel erreicht hatten.
„Warum ist das Interview eigentlich wieder ausgerechnet hier?“, fragte ich und deutete auf das Schild mit der Aufschrift ‘Hotel Ahrensfeld‘.
„Weiß ich doch nicht, wahrscheinlich, weil es das beste in der Stadt ist und die Promis nun mal gerne hier wohnen“, Emma zuckte unbeeindruckt mit den Schultern, „Hast du ein Problem damit?“
„Eigentlich nicht“, erwiderte ich und marschierte mit meiner besten Freundin im Schlepptau, schnellen Schrittes auf den Eingang zu. Wir wollten beide einfach nur noch der eisigen Kälte Berlins entfliehen; die an diesem Tag, durchaus mit der Kälte in Helsinki mithalte konnte.
In der Lobby blieb ich allerdings abrupt stehen und schaute mich um. Erik war nirgends zu sehen und ich spürte, wie ich erleichtert ausatmete. Ich konnte nicht mal sagen, warum es mich so nervös machte, wieder in seinem Hotel zu sein. Wir hatten uns seit diesem schrecklichen Abend bei meinen Eltern weder gesehen, noch telefoniert. Eigentlich war ja zwischen uns auch alles klar. Erik war mir nicht böse, dass ich seine Gefühle nicht erwiderte und ich war ihm unendlich dankbar, dass er an dem Abend auf der Party für mich da war. Dennoch war es ein komisches Gefühl zu wissen, ich könnte ihm hier jeden Augenblick begegnen.
„Wir haben immer noch zwanzig Minuten Zeit, bis zu unserem Termin“, holte Emma mich wieder in die Realität zurück, „Komm wir setzen uns hier hin und du erzählst mir was dir denn der Finne nun eigentlich zu Weihnachten geschenkt hat?“
Sie zog mich hinter sich her und wir pflanzten uns gackernd, wie zwei Teenager, auf eines der weißen Ledersofas in der Lobby.
„Das weißt du doch, du Huhn. Du warst ja schließlich seine Komplizin“, antwortete ich lachend und buffte sie abermals an.
Emma grinste schelmisch und machte ein überaus zufriedenes Gesicht.
„Ja, bei der Überraschung mit der Party, aber ich dachte, er hätte dir vielleicht noch etwas anderes geschenkt, später, als ihr allein ward“, diesmal buffte sie mich an und griente wieder, „Immerhin ward ihr ja plötzlich verschwunden.“
Emma wippte neckend mit den Augenbrauen und ich konnte mal wieder nur die Augen rollen und mit dem Kopf schütteln.
„Jetzt erzähl doch mal“, wurde Emma ungeduldig, „hattet ihr Sex vor dem Kamin? Oder in der Sauna?“
Und schon war ich wieder diejenige, die rot anlief. Nicht unbedingt, weil sie mit ihren Vermutungen hätte recht haben können, sondern, weil uns gegenüber ein älterer Mann mit einer Zeitung vor dem Gesicht saß, der diese entrüstet zur Seite schob, als er Emmas laute Fragen hörte und uns empört anstarrte.
„Emma!“, zischte ich ihr zu, machte ein schnalzendes Geräusch mit der Zunge und schaute sie mit weit aufgerissenen Augen an.
„Was denn?“, Emma warf dem Mann einen scharfen Blick zu, der sich daraufhin wieder hinter seiner Zeitung versteckte, „man belauscht ja auch nicht anderer Leute Gespräche!“
Dann wandte sie sich wieder mir zu und senkte ein wenig ihre Stimme: „Und? Wo jetzt überall? Bärenfell? Kamin? Sauna?“
„Hörst du jetzt mal auf damit?“, verlangte ich und schaute sie böse an.
„Verzeihung“, grinste sie, „Ich bin ganz brav. Erzähl, ich höre zu.“
„Ich werde dir ganz sicher nicht erzählen, was du hören willst“, erwiderte ich bestimmt, schlug ein Bein über das andere und schnappte mir eine Zeitschrift von einem der kleinen Tische, die zwischen den Sofas standen, „Und außerdem, ist die Sauna im Keller und wir waren nicht im Keller.“
Ich bemerkte im Augenwinkel, dass Emma sich nervös auf die Lippen biss und nach einer Weile platzte sie flüsternd heraus: „Hattet ihr nun Weihnachtssex oder nicht?“
Ohne eine Miene zu verziehen blätterte ich in der Zeitung herum, konnte mir aber nur schwer ein Grinsen verkneifen.
„Oooohhh, ich wusste es“, triumphierte Emma.
Dieses Weib machte mich wahnsinnig. Aber sie war die liebste und beste Freundin, die ich auf der Welt hatte und ich liebte sie. Sie durfte einfach so sein und mich all diese Dinge fragen. Ich wusste, dass sie es immer nur gut mit mir meinte und wollte, dass ich glücklich war. Genau, wie ich mir das selbe für sie wünschte.
„Wie lange seid ihr eigentlich noch im Mökki geblieben, nachdem Sven und ich ja dann am nächsten Tag schon wieder wegmussten“, fragte sie nachdem sie sich wieder eingekriegt hatte.
„Toni und Jim sind noch 2 Tage geblieben, die Jungs sind wie ihr am nächsten Tag zurückgefahren und Samus Familie war noch bis zum zweiten Weihnachtstag da. Samu und ich, wir sind erst Neujahr wieder nach Hause gefahren“, grinsend klappte ich die Zeitschrift zu und warf sie lässig auf den Tisch zurück.
„Wir hatten wirklich noch eine sehr romantische Zeit im Mökki, falls es das ist, was du wirklich wissen willst?!“, lächelnd schaute ich Emma an.
Sie nickte zufrieden und sagte: „Dann habe ich jetzt nur noch eine Frage.“
Ich wusste sofort worauf sie hinauswollte und sagte deshalb postwendend: „Nein, bin ich nicht.“
„Schade“, schmollte sie, „ich dachte, Samus Kampfschwimmer wären aktiver?!“
Ertappt biss ich mir auf die Unterlippe und wich Emmas Blick aus.
„Du nimmst also immer noch die Pille?“, wusste sie sofort Bescheid und seufzte.
Ich nickte stumm und sah sie unsicher an.
„Hast du immer noch Angst?“
„Ach ich weiß auch nicht, Emma“, ich drehte mich in ihre Richtung und sie legte ihre Hand auf meine, „Eigentlich dachte ich an Weihnachten, ich wäre soweit. Es war so schön dort im Mökki. Nur wir zwei. Wir waren uns so nah und so vertraut. Ich dachte wirklich, ich könnte mir vorstellen, dass wir ein Baby bekommen. Aber dann, nach Neujahr holte uns der Alltag wieder so schnell ein. Ich fing wieder an zu arbeiten und Samu hat plötzlich auch wieder so viele Termine. Jedenfalls ist er dauernd unterwegs. Das neue Jahr ist schon wieder einen Monat alt und wir hatten bisher kaum einen Abend für uns alleine. Es ist nicht ständig, aber manchmal ist er bis spät in die Nacht weg und wenn er dann nach Hause kommt, ist er total fertig und fällt tot müde ins Bett. Manchmal hat er dann auch richtig schlechte Laune.“
„Das ist ja komisch“, wunderte sich Emma, „wollte er nicht kürzertreten und nach der Tour weniger arbeiten?“
„Das dachte ich auch“, seufzend zuckte ich mit den Schultern, „Aber irgendwie scheint Mikko pausenlos mit neuen Sachen anzukommen und alles so kurzfristig und spontan. Ein paar Mal hat Samu nachmittags um fünf angerufen und mir gesagt, dass er noch einen Termin hat und es spät werden kann.“
Emma runzelte die Stirn und machte ein nachdenkliches Gesicht.
„Vielleicht passt es einfach doch nicht, mit einem Kind bei uns“, ich zuckte ratlos mit den Schultern.
„Das glaube ich nicht“, gab Emma trocken zurück und ich starrte sie an, „Vielleicht versucht er sich auch einfach nur abzulenken, damit er nicht ständig darauf lauert, dass du ihm endlich sagst, dass du schwanger bist.“
„Meinst du?“, nun war ich diejenige, die ihre Stirn in Falten legte.
„Ich könnte mir gut vorstellen, wenn er erst mal weiß, dass er Vater wird, dann weicht er dir nicht mehr von der Seite“, Emma fing an zu grienen, „dann wirst du dir noch wünschen, dass er mal wieder arbeiten geht.“
Typisch, Emma und ihre Logik.
„Mag sein“, schmunzelte ich.
„Also, wenn du meine Meinung hören willst, dann solltest du endlich aufhören, so viel zu grübeln, diese doofe Pille absetzen und es einfach passieren lassen.“
Klatsch!
Wie ein eiskalter nasser Waschlappen klatschten mir Emmas Worte ins Gesicht. Und sie hatte natürlich vollkommen recht. Ich durfte jetzt nicht wieder alles zerdenken und kaputtreden. Wir waren glücklich und es lief gut zwischen uns. Und auch wenn Samu momentan wieder ziemlich oft weg war, so war das sicher nur eine Phase und würde nicht ständig so sein.
„Vielleicht hast du recht“, zuckte ich gequält lächelnd mit den Schultern, „und ich sollte das einfach alles auf mich zukommen lassen.“
„Braves Mädchen!“, grinste Emma.
„Es gibt übrigens auch noch positive Neuigkeiten zu berichten“, ich wollte endlich mal von mir ablenken und mir fiel ein, dass ich Emma die freudige Nachricht ja noch gar nicht erzählt hatte.
„Was denn?“, Emma rutschte neugierig auf ihrem Hintern hin und her.
„Osmo ist seit letzter Woche Papa.“
„Nein?!“
Ich nickte und sagte: „Doch. Susanna und die kleine Lilja sind sogar schon zu Hause. Am Freitag findet eine Willkommensparty für die Kleine statt.“
„Lilja!“, wiederholte Emma nachdenklich, „Klingt hübsch.“
„Ich glaube Osmos Lieblingstante hieß so“, erklärte ich und kramte aus meiner Tasche eine kleine Papiertüte hervor.
„Ich war heute Morgen noch schnell ein Geschenk besorgen. Guck mal, ob ihnen der gefällt?“
Emma steckte ihre Nase in die Tüte und holte mit beiden Händen den cremefarbenen Nicky Strampler hervor, den ich für Lilja gekauft hatte.
„Gott, ist der süß!“, quiekte Emma los, „Und erst die Giraffe da vorne drauf.“
Sie stopfte den Strampler zurück in die Tüte und buffte mich an.
„Du, ich will demnächst auch sowas für dich kaufen können, ist das klar?!“
Schmunzelnd verstaute ich die Tüte wieder in meiner Tasche und sagte nichts weiter dazu. Stattdessen warf ich einen flüchtigen Blick auf die Uhr meines Handys und erschrak: „Oh Mist, wir müssen los!“
„Ach Herrje!“
Schnell sprangen wir auf und machten uns auf den Weg zum Fahrstuhl, wo uns dann doch – wie sollte es auch anders sein – Erik in die Arme lief.
„Sarah?“, rief er überrascht aus.
„Heeeyy!“, erwiderte ich abgehetzt und fand mich im nächsten Moment auch schon in Eriks Umarmung wieder.
„Ich wusste gar nicht, dass du wieder in Berlin bist“, Erik löste seine Arme und musterte mich von oben bis unten, bevor er auch Emma begrüßte.
Im ersten Moment war ich verwundert darüber, dass er überhaupt wusste, dass ich weg war. Doch dann erinnerte ich mich daran, dass Emma mir kurz nach meiner Ankunft in Helsinki geschrieben hatte, dass sie Erik getroffen hatte. Sicher hatte sie ihm von meinem Umzug erzählt.
„Ja nur heute“, erklärte ich ihm, „Wir haben ein Interview mit…“
„Liam Neeson?!“, beendete Erik den Satz.
Natürlich wusste er genau, wer so alles an berühmten Persönlichkeiten in seinem Hotel wohnte.
„Stimmt“, lachte ich.
Erik lächelte und wies auf den großen Mann, im schwarzen Maßanzug, der mit ihm zusammen aus dem Fahrstuhl gekommen war.
„Die Damen, darf ich vorstellen? Marcel Lindemann, Programmchef bei Pro Sieben.“
„Wow, ein Fernsehmensch!“, warf Emma ein und reichte Marcel Lindemann sofort die Hand, „Ich bin Emma, Emma Heinrichs.“
„Die Fotografin?!“, lächelte dieser erst Erik und dann wieder Emma an und erwiderte ihren Händedruck, „Freut mich sehr, Frau Heinrichs.“
„Marcel, das ist Sarah Brenner“, stellte Erik nun mich dem - schätzungsweise Anfang fünfzigjährigen - dunkelhaarigen Mann vor.
„Oh Frau Brenner, das freut mich aber sehr, dass wir uns mal kennenlernen. Dann brauche ich sie ja gar nicht mehr anzurufen.“
Verwundert starrte ich den Mann nur an, während dieser nicht aufhören wollte, meine Hand zu schütteln.  
„Ich würde mich gerne mal mit ihnen unterhalten, wenn sie das irgendwie einrichten könnten.“
„Wie bitte? …mit mir?“, stammelte ich überaus perplex und schaute verwirrt zu Erik hinüber.
„Marcel und ich haben vor ein paar Wochen schon mal zusammengesessen“, erklärte Erik schmunzelnd, „Und er hat mir von einem neuen Fernsehprojekt erzählt.“
„Aha!“, ich nickte und tat so, als wenn jetzt alles klar wäre. Aber ich verstand natürlich kein Wort.  
„Wir planen eine neue Show für das Vorabendprogramm am Wochenende. Und ich fragte Erik, ob er nicht jemanden kennt, der gute Skripts schreiben kann und Promi-Erfahrung hat.“
Ich warf Erik einen entgeisterten Blick zu und er griente mich nur unschuldig an.
„Ich verstehe nicht“, mein Blick wanderte wieder zu Marcel Lindemann.
„Nun, Erik meinte, sie wären eine hervorragende Redakteurin und hätten sehr viel Erfahrung im Umgang mit Prominenten.“
„Ja, als Journalistin für die Zeitung, nicht fürs Fernsehen.“
„Dennoch“, ließ der Mann nicht locker, „würde ich mich gerne mal mit ihnen unterhalten und ihnen ein Angebot machen.“
„Ein Angebot?!“, schaltete Emma sich ein, „Wie cool.“
„Also ich wüsste nicht, was das bringen soll“, ich schüttelte den Kopf, „ich bin Zeitungsredakteurin und keine Fernsehredakteurin. Ich habe gar keine Ahnung vom Fernsehen.“
„Das sollte alles kein Problem sein“, wollte der Lindemann einfach keine Ruhe geben, „Sie können schreiben und sie wissen, wie man Leute interviewt. Das reicht.“
Machte der Witze? Was genau wollte der eigentlich von mir? War das etwa gerade ein Angebot, beim Fernsehen zu arbeiten?
„Haben sie vielleicht später heute noch Zeit für ein Gespräch, Frau Brenner?“
„Nun, also ich…wir…“, ich zog Emma an mich und machte ein paar Schritte in Richtung Fahrstuhl, der sich gerade geöffnet hatte, „wir haben gleich einen Termin.“
„Wissen sie was“, Marcel Lindemann fasste in die Innentasche seines Jacketts, zog eine kleine weiße Karte hervor und reichte sie mir, „Rufen sie mich einfach an, wenn es ihr Terminplan erlaubt, dann lade ich sie zu einem persönlichen Gespräch nach Köln ein. Aber warten sie nicht zu lange. Auf bald!“
Er reichte mir und Emma die Hand und ließ uns dann völlig verdutzt stehen. Erik winkte uns zu, verabschiedete sich auch und dann standen wir auch schon im Fahrstuhl.
„Was war denn das gerade?“, fragte Emma und schielte auf die Visitenkarte in meiner Hand.
„Ich habe nicht die geringste Ahnung“, antwortete ich, lachte ungläubig und starrte ebenfalls auf die Karte.
„Ich glaube, der will dir einen Job anbieten. Beim Fernsehen“, Emma griente und ich zog nur verwirrt die Augenbrauen hoch, „Irgendwie ist das ja cool. Wirst du ihn anrufen?“
„Nee?!“, war ich mir völlig sicher, „Was soll ich denn beim Fernsehen?“
„Karriere machen?!“
„Also du bist lustig. Eben sagst du noch, ich soll mit Samu endlich ein Baby machen und jetzt bist du der Meinung, ich sollte einen neuen Job annehmen und Karriere machen?“
Emma verzog den Mund, biss sich auf die Lippen und atmete laut brummend aus.
„Ja, also…vielleicht…eventuell ginge ja beides? Irgendwie?“
„Also ich glaube nicht. Das kommt für mich sowieso nicht in Frage. Fernsehen…“, ich schüttelte den Kopf und warf die Karte achtlos in meine Tasche.
Ich empfand diese ganze Aktion mit diesem Typen sowieso als äußerst merkwürdig. Ich hatte nicht die Absicht, einen neuen Job anzunehmen und ich konnte mir einfach nicht vorstellen, beim Fernsehen zu arbeiten.
Oder doch?
Jedenfalls hatte ich noch nie darüber nachgedacht.
Fernsehen!
Natürlich war das für viele Journalisten ein Traum. Aber ich war eigentlich immer ganz zufrieden in meinem Job. Auch wenn ich mich natürlich immer für neue Bereiche interessierte. Dennoch passte das jetzt gerade so gar nicht in meine Zukunftspläne mit Samu und darum wollte ich diese Begegnung eigentlich so schnell wie möglich wieder vergessen.
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