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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
13
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03.04.2020 4.142
 
Kapitel 4 – von Verunsicherung geplagt


Noch immer hielt Matt seine Augen geschlossen, die Gedanken in seinem Kopf rasten und angestrengt versuchte er sie zu sortieren und dabei selbst zur Ruhe zu kommen.
Was war gerade geschehen, Kelly hatte ihm seine Hilfe quasi aufgezwungen, doch Matt spürte keinen Ärger, sondern Dankbarkeit. Er hatte sich selbst kaum noch riechen können und das warme Wasser auf seiner Haut tat gut, doch hatte sein bester Freund ihn gerade tatsächlich zum Höhepunkt gebracht. Hatte er wirklich zugelassen, das Kelly ihm auf diese Weise geholfen hatte?
Wie unbehaglich Matt sich fühlte war nicht in Worte zu fassen, er hörte das leise Atmen seines Kollegen, spürte, jetzt wo seine Erektion abschwoll, das Kelly erneut nach dem Lappen griff und seinen Oberschenkel entlang fuhr. Er hätte beharrlicher versuchen müssen ihn zu stoppen, ihn aufzuhalten, doch wenn Matt ehrlich war, tat ihm Kelly Behandlung gut. Wenn er es wirklich gewollt hätte, dann wäre es auch nicht dazu gekommen. Doch der Moment, als die Fremde Hand seinen Penis umschloss, um ihm Erleichterung zu verschaffen, hatte sich unbeschreiblich gut angefühlt.
Natürlich war es ihm peinlich, dass sein Körper auf die ungewohnten Berührungen umgehend reagiert hatte, dass er sie nicht länger genießen konnte, wie lang hatte er durchgehalten? Neunzig Sekunden? Vielleicht 2 Minuten?

Worüber machte er sich hier Gedanken? Sollte ihm der Fakt, dass sein bester Freund ihm gerade in der Badewanne Befriedigung verschaffte hatte ihn nicht mehr irritierten, als die Tatsache, wie lange er gebraucht hatte um zum Abschluss zu kommen?
Wieso sagte Kelly nichts, wieso sprach er die Situation nicht an, machte einen seiner fehlplatzierten Witze oder gab einen dummen Spruch von sich? Auch wenn Matt sich dadurch gedemütigt fühlen würde, alles wäre ihm lieber, als dieses beklemmende Schweigen.
Er schaffte es nicht einmal die Augen zu öffnen, um seinen Kollegen anzuschauen. Sein Kumpel, der tat als sei nichts geschehen, der jetzt mit dem Schwamm über seine Fußsohlen strich und die Zwischenräume seiner Zähen reinigte.
Warum hatte Kelly das getan, wieso war er so weit gegangen? Hatte Matt falsche Signale ausgesendet? Doch wie hätte er die Reaktion seines Körpers steuern sollen? Eine Reaktion, welche aus viel zu langem körperlichem Entzug resultierte.

„Kelly?“, seine Stimme war kaum ein flüstern und da der Angesprochene nicht regierte, bezweifelte Matt, dass er laut genug gesprochen hatte. Doch es gelang ihm nicht seine Stimme zu heben, was sollte er überhaupt sagen? Sollte er sich bedanken? Sollte er Kelly anblaffen und ihm vorwerfen, ihn überrumpelt zu haben?
Aber wenn es dem Lieutenant genau so unangenehm war, wie ihm selbst, würde Kelly sich dann nicht anders verhalten? Würde er dann nicht aufstehen und gehen?
Stattdessen setzte er seine Arbeit fort, tat als sei nichts gewesen, als hätte sich Matt ihm nicht gerade völlig entblößt.

„So, ich denke das sollte reichen. Willst du noch einen Moment liegen bleiben, oder soll ich dir raushelfen?“, die Stimme des Feuerwehrmannes klang freundlich, sie klang beiläufig, oder hörte er eine Spur Belustigung in ihr?
Noch immer schaffte es Matt nicht den jungen Mann anzusehen, stattdessen nickte er stumm, was Kelly ein leises Lachen entlockte.
„Was jetzt? Liegen bleiben, oder raus helfen?“, wiederholte der Lieutenant und auch ohne ihn zu sehen, wusste Matt das er sich gerade auf den Badewannenrand gesetzt hatte um ihn anzustarren.
Waren seine Wangen noch immer gerötet? Seine Ohren fühlten sich heiß an, vermutlich glühte sein gesamter Kopf.
„Liegen bleiben“, flüsterte Matt leise und auch wenn er bezweifelte, dass seine Stimme mittlerweile besser verständlich war, schien Kelly ihn gehört zu haben.
Der Rüstgruppenleiter erhob sich wortlos und endlich öffnete Matt einen Spalt breit die Augen. Er konnte gerade noch Kellys Rücken sehen, als dieser das Badezimmer verließ um Matt mit seinen Gedanken allein zu lassen.
Kelly wollte also tatsächlich tun, als wäre nichts gewesen, als wäre DAS gerade nicht passiert? Vielleicht sollte er es ihm gleichtun, nicht nur ihrer Freundschaft zuliebe, sondern auch ihres Verhältnisses zueinander.
Zwar würde Matt gerne wissen, wieso Kelly so weit gegangen war, doch die Scharm bezüglich des Geschehenden zwang ihn zum Schweigen.
Doch er war ein Mann, welcher Dinge ungern unausgesprochen im Raum hängen ließ, schließlich hatte er in den vergangenen Jahren oft die Erfahrung machen müssen, dass ein Solches verhalten sich rächte, wenn auch nicht sofort.

Seufzend schloss Matt die Augen, wenn es doch nur Gabby gewesen wäre, wenn er sich ihr doch nur nähern könnte, ohne das Gefühl zu haben, sie würde einen Hintergedanken hegen. Er war an der Situation selbst schuld, wenn er sie aufgehalten hätte, oder sich zusammen gerissen hätte, dann wäre sie nicht gegangen. Er hatte sie angeschrien, auch wenn ihre Beleidigung ihn hart getroffen hatte, hätte er nicht gleich überregieren müssen. Wieso konnte die junge Frau nicht verstehen, dass er sich zwar ein Kind wünschte, doch nicht bereit war diesen Preis zu zahlen?
Einerseits spürte er das Verlangen sich bei ihr zu entschuldigen, doch auf der anderen Seite sträubte sich alles in ihm gegen dieses Vorhaben. Es würde seine momentane Lage zwar deutlich einfacher machen, doch sein Nachgeben würde auch Konsequenzen mit sich ziehen. Wie oft war er in den vergangenen Jahren zurückgewichen? Hatte sich für Streitigkeiten entschuldigt, nur um Frieden zwischen sie zu bringen, obwohl er davon überzeugt war, im Recht zu sein?
Natürlich wäre es ihm lieber, seine Frau würde sich seiner Annehmen, doch würde er jetzt einlenken, ihr ihren Willen geben, was für eine Zukunft hätten sie dann?
Vielleicht war Kelly doch keine schlechte alternative, vielleicht würde seine Frau dadurch begreifen, dass sie ihn nicht wie eine Puppe steuern konnte und wieso beschäftigte ihn nicht der Gedanke, seine Frau gerade indirekt betrogen zu haben? Wo war sein schlechtes Gewissen?
Galt dieser Ausrutscher überhaupt als Betrug?

„Wird das Wasser nicht langsam kalt?“, zwang ihn Kellys Stimme von seinen Gedanken abzulassen. Irritiert öffnete Matt die Augen und endlich schaffte er es Severide anzusehen. Noch immer war ihm die Situation unangenehm, doch die Tatsache, dass Kelly sich völlig normal benahm, half auch ihm die Kontrolle zu behalten.
Ohne eine Antwort abzuwarten griff der Lieutenant ihm plötzlich unter die Arme und zwang Matts Körper in die Höhe, welcher die unfreiwillige Berührung mit einem lauten „hey“ kommentierte.
Grinsend sah Kelly ihn an, „deine Haut ist schon runzelig!“ Wie lange hatte er in der beruhigenden Wärme gelegen?
Als Kelly ihm ein großes Handtuch um die Schultern warf und begann seinen Körper trocken zu reiben, fuhr Matt erschrocken zusammen. Augenblicklich hatte er die Bilder seines Ausfalles vor wenigen Minuten wieder vor Augen und versuchte unbeholfen einen Schritt zurück zu weichen.
„Wir ziehen dir jetzt etwas Frisches an und fahren dann in meine Wohnung. Ich habe dir schon ein paar Klamotten zusammengepackt, brauchst du außer frischer Wäsche, Zahnbürste und Ladegerät fürs Handy sonst noch etwas?“, ignorierte Kelly seine Reaktion? Er musste sein Zurückweichen gespürt haben, das sich seine Muskeln unter den fremden Berührungen anspannten und Matt die Luft angehalten hatte.
Was hatte der Lieutenant gerade gesagt? Er hatte ihm Klamotten und das nötigste zusammengepackt? Sie würden in seine Wohnung fahren?

„Was zum…“, entfuhr es Matt und eher er die Frage laut aussprechen konnte, richtete Kelly sich auf. Er hatte ihm gerade Socken übergestreift und ihm in frische Shorts und eine Jogginghose geholfen, „Glaubst du ich lasse dich in diesem Dreck dahinvegetieren? Du kommst mit zu mir, da kann ich dich wenigstens anständig versorgen!“
Matt wollte wiedersprechen, doch Kelly fuhr ihm erneut über den Mund, „keine Widerrede! Solange du mir kein schlagendes Argument liefern kannst dich hier zu lassen, diskutier ich darüber nicht mit dir!“
Die Stimme des Feuerwehrmannes klang bestimmend und belustigt zugleich und Matt fühlte sich wie im falschen Film. Doch auch wenn er es nicht zugeben wollte, alleine kam er nicht zurecht. Die letzten Tage hatten ihm sehr anschaulich verdeutlicht, dass er seine Heilung, ohne fremde Hilfe, nur unnötig in die Länge zog.
„Und was, wenn sie zurückkommt und ich nicht hier bin?“, wann hatte er diesen Gedanken gesponnen?
Überrascht sah Kelly ihn an, als er nach dem mitgebrachten T-Shirt griff und es Matt über den Kopf zog, „na dann macht sie sich hoffentlich ordentlich Sorgen! Seit Tagen frage ich wie es dir geht und wie ihr zurechtkommt und jedes Mal ist sie mir ausgewichen. Hätte sie früher den Mund aufgemacht, wäre es bestimmt nicht so weit gekommen!“
Meinte Kelly seinen Zustand, oder das was gerade in der Wanne passiert war? Der Lieutenant machte nicht den Eindruck überhaupt darüber nach zu denken und wieso klang seine Stimme plötzlich so aggressiv?
„Wahrscheinlich hat sie nur meine Privatsphäre respektieren wollte“, versuchte Matt eine Entschuldigung für Gabbys Verhalten zu finden, allerdings wusste er nicht, ob er damit Severide antworten wollte, oder sich selbst eine Erklärung zusammenspann.
„Verarschst du mich? Sie ist sauer auf dich und versucht dich zu bestrafen, das weißt du. Hör auf sie in Schutz nehmen, dafür gibt es keine Entschuldigung!“, herrschte Kelly ihn an. In seinem Unterbewusstsein hatte sich dieser Gedanke auch schon angesiedelt, doch er wollte es nicht glauben. Auch wenn ihre Ehe nicht ideal lief, auch wenn sie oft stritten und sie scheinbar kaum noch Gemeinsamkeiten hatte, so liebten sie sich doch, oder?
„Oder kann es sein, dass Gabbys eventuelle Rückkehr gar nicht der Grund ist, wieso du hierbleiben möchtest, oder besser gesagt, wieso du nicht mit mir willst?“, seit wann war Kelly Gedankenleser? Zwar beschäftigte ihn das Verhalten seiner Ehefrau tatsächlich, doch Severide hatte Recht, dies war nicht der wahre Grund für sein Zögern.
Er würde sein Handy mitnehmen, wenn Gabby sich Sorgen um ihn machte, könnte sie ihn jederzeit anrufen, doch das hatte sie auch in den vergangenen Tagen nicht getan. Die Hoffnung, sie würde zurückkommen und er müsste sich der unangenehmen Situation mit Kelly nicht stellen, war Wunschdenken!

Seufzend streckte Matt die Arme aus, als der Feuerwehrmann ihm umständlich in die Ärmel seines Pullovers half.
Er musste es ansprechen, Kelly würde nicht aufgeben, er würde ihn auch gegen seinen Willen aus der Wohnung schleifen, wäre es nicht klüger vorher etwas gegen das beklemmende Gefühl zu unternehmen?
„Wieso hast du DAS getan?“, überrascht über seine plötzliche Entschlussfreudigkeit hob Matt den Blick und fing damit Kellys ein, „was meinst du?“
Peinlich berührt biss Matt sich auf die Lippe und schnaufte hörbar, „in der Wanne, wieso hast mich… mir… mein…“, stotterte er verhalten und kämpfte mit sich, dem Blickkontakt standzuhalten.
Er sah wie sich die Mundwinkel des Lieutenant nach oben schoben, „weil du es gebraucht hast.“
Das war seine Antwort? Seine Erklärung?
Mit offenem Mund starrte Matt ihn an, doch bevor er seiner Entrüstung Ausdruck verleihen konnte, lenkte Kelly ein, „es war nicht geplant, sollte ich zu weit gegangen sein, tut es mir leid, aber fühlst du dich jetzt nicht besser?“
Es stimmte, er fühlte sich tatsächlich besser, doch war das alles was Kelly dazu zu sagen hatte?
„Aber es… das… Kelly ich… verdammt“, stotterte Matt, er hatte den Stein ins Rollen gebracht ohne darüber nachzudenken, wie er dieses Gespräch führen sollte. Zwar wollte er etwas gegen das Unbehagen in seinem Inneren unternehmen, doch sein Plan war, wie er gerade feststellen musste, nicht ausgereift.

Seufzend packte Kelly ihn an den Schultern und zog Matt in die Höhe, „komm schon Matt, du bist mein Freund und ich habe dir geholfen. Da ist doch nichts dabei! Ich kann genau sehen, wie hinter dieser hohen Stirn dein Gehirn raucht“, dabei tippte er Matt zwischen die Augen und sein grinsen wurde breiter, „deiner Reaktion zu folge, ist deine letzte… Erleichterung… schon eine Weile her“, der Rüstgruppenleiter schnappte nach seinem Handgelenkt und hielt Matt den bandagierten Klumpen vor die Nase, „fühlst du dich nicht besser?“
Verhalten wandte Matt den Blick ab, Kelly hatte recht. Sein letzter Orgasmus war schon einige Tage her und er war nicht besonders befriedigend gewesen. Die Verbände an seinen Händen schränkten ihn auch hier erheblich ein, weshalb sich sein Unterbewusstsein lediglich nachts, in Träumen, auslebte.
„Jetzt hör auf es tot zu kauen, versuch es einfach als gutgemeinte Hilfe zu betrachten. Ich hab weder Hintergedanken, noch werde ich irgendjemandem davon erzählen. Matt, du kannst mir vertrauen!“, schlagartig wurde es Matt klar. Diesen Satz hatte er hören müssen, diese drei winzigen, unscheinbaren Worte.
Deshalb hatte er sich das Gehirn zermartert, deshalb ließ der Gedanke ihm keine Ruhe, deshalb beschäftigte ihn diese Aktion so sehr.
Er hatte Angst, nicht nur vor Kellys Reaktion, oder das sein Handeln ihre Freundschaft gefährden könnte, sondern auch, dass der Rüstgruppenführer es irgendjemandem erzählen würde.
Seine hilflose Lage setzte ihm mehr als genug zu, er fühlte sich minderwertig, nutzlos, vielleicht sogar wertlos. Sollte die Tatsache, dass er sich von einem anderen Mann in der Badewanne hatte befriedigen lassen rauskommen, würde er sich zusätzlich gedemütigt fühlen. Er würde sämtlichen Respekt verlieren und seine Freunde und Kollegen würden voller Niedertracht auf ihn hinabsehen, von dem was Gabby von ihm halten würde abgesehen.
„Niemandem?“, flüsterte Matt mit belegter Stimme, woraufhin Kelly ihm zunickte, „niemandem!“
Er wusste das der Lieutenant zu seinem Wort stand und konnte sich an keine Situation erinnern, in der er etwas, wenn es auch im Streit gesagt wurde, aufgegriffen hatte, um es gegen ihn zu verwenden.

Niedergeschlagen nickte Matt schließlich, Kelly hatte recht, er brauchte ihn!
Anstandslos ließ er sich in die Turnschuhe helfen und zum Mustang des Feuerwehrmannes begleiten.
Während dieser den Wagen steuerte sah Matt schweigend auf seine Verbände, auch wenn sie es geklärt hatten, auch wenn Kelly ihm geraten hatte nicht länger als nötig darauf herum zu kauen, beschäftigte ihn der Vorfall.
Kelly hatte ihm zugesichert es für sich zu behalten und ihn vor der Demütigung durch seine Kollegen bewahren, doch wie dachte der Rüstgruppenführer über ihn?
Angestrengt versuchte Matt sich die Szene erneut in Gedanken zu rufen, es war tatsächlich nur ein kurzer Moment gewesen. Schon als der Schwamm über seine Brustwarze gefahren war, hatte er die Erregung wahrgenommen und diese hatte sich so rasant gesteigert, dass er das Pochen seines Glieds schon bemerkte, noch bevor Kelly mit dem Schwamm in die Nähe seines Intimbereichs gekommen war.
„Kelly hör mal, normalerweise bin ich nicht so leicht… also für gewöhnlich halte ich länger… als was ich sagen will…“, versuchte Matt einen Ansatz zu finden und sah seinen Kollegen im Augenwinkel grinsen, „keine Sorge Casey, ich interpretiere da nichts rein. Ich an deiner Stelle hätte vermutlich nicht mal halb so lange durchgehalten, wenn mein letzter Orgasmus so lange her gewesen wäre.“
Überrascht sah Matt ihn an, zwar hatte Kelly recht, es war tatsächlich schon ein paar Tage her gewesen, doch das hatte er seinem Freund nicht erzählt.
Auch ohne die Frage, welche Matt in den Augen brannte, gehört zu haben, fuhr Kelly fort, „du willst das Thema vertiefen? Also gut, du bist ja quasi Handlungsunfähig“, dabei deutete er auf die Verbände, „und Gabby ist vor einer Woche ausgezogen. Außerdem hast du erzählt, dass du sie schon seit längerem abblitzen lässt, zählt man also eins und eins zusammen…“, sein Grinsen wurde breiter und Matt seufzte.
„Matt hör mal, egal was in den nächsten Tagen passiert, es wird zwischen unserer Freundschaft nichts ändern. Das hier ist eine Ausnahmesituation, also scheu dich nicht, mich um irgendetwas zu bitten, weil es dir unangenehm ist“, Matt sah den angestrengten Blick des Rüstgruppenleiters und musste lächeln. Kelly war nie ein Mann großer Worte gewesen, sicher fiel es ihm nicht leicht, so etwas emotionales von sich zu geben.
„Danke Kelly“, gern wäre Matt auf Kellys Angebot näher eingegangen, hätte es tiefer beleuchtet und Kelly weitere Fragen entgegengebracht, entschied sich aber dafür, es eventuell zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal aufzugreifen.

Unsicher sah sich Matt in der Wohnung seines Kollegen um, nachdem Kelly die Tür aufgeschlossen und ihn hineinbegleitet hatte.
Er war nicht zum ersten Mal in dessen Wohnung, doch sein heutiger Besuch fühlte sich fremd an. Unentschlossen drehte er sich in verschiedene Richtungen, bevor ihm Kelly eine Hand in den Rücken legte und ihn sanft zum Sofa schob.
„Hast du Hunger? Ich kann uns eine Pizza bestellen?“, fragte der Lieutenant beiläufig und schaltete den Fernseher ein.
„Nein! Bitte keine Pizza! Die kommt mir schon zu den Ohren raus“, erklärte Matt mit flehendem Blick, woraufhin Kelly grinsen musste, „und nach was beliebt es dem Herrn dann?“
„Haha, sehr witzig. Am besten was, dass man ~damit~ essen kann“, dabei hob er beide Hände und seufzte theatralisch, als er den gereizten Ton in seiner Stimme hörte, „sorry.“
Kelly winkte lachend ab, „Hot Dogs und Pommes? Dafür brauchst du kein Besteck und die Verbände schützen wir mit Gefrierbeuteln.“
Auf die Idee war Matt noch nicht gekommen, er hatte sich bisher umständlich Handtücher um die Mullbinden geschlungen, erreichte damit jedoch lediglich, dass er die Tücher mit samt dem Verband beschmierte.

Zufrieden nickte Kelly und griff nach seinem Handy. Nachdem er die Bestellung aufgegeben hatte, ließ er sich neben Matt auf das Sofa fallen, „in einer Stunde kann ich es abholen. Soll ich uns auf dem Rückweg was zu trinken besorgen?“
Verwirrt sah Matt seinen Kumpel an, „Alkohol?“
Kelly lachte auf, „ja Matt, Alkohol. Ich frage dich sicher nicht ob ich dir eine Limo mitbringen soll.“
„Naja, Bier klingt gut, denke ich“, antwortete ihm der Captain unsicher, nicht verstehen, worauf Kelly hinauswollte. Dieser verdrehte die Augen und klopfte Matt auf die Schulter, „ich dachte da eher an etwas stärkeres.“
„Willst du dich volllaufen lassen?“, die Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Noch immer begriff Matt nicht, worauf Kelly abzielte, auch wenn er eine blasse Ahnung hatte.
„Wieso nicht? Wir kippen ein paar Kurze und schauen und trashigen Mist in der Glotze an. Keine Sorge, wenn du kotzen musst, halt ich dir die Haare!“, lachte der Feuerwehrmann und Matt sah ihn warnend an, „sehr witzig. Versuchst du mich damit von diesem ganzen Mist abzulenken?“
„Funktioniert es?“, fragte dieser scheinheilig, als Matt ihn durchschaut hatte, woraufhin der Captain lachend den Kopf schüttelte.
Es funktionierte tatsächlich. In den vergangenen Tagen hatte sich Matt wie in einem schwarzen Loch gefühlt. Seine Lebensfreude war kaum noch präsent und Ablenkung durch Medien oder Bücher funktionierte längst nicht mehr.
Es tat gut einfach zu Lachen, sich in den Moment zu legen und wenigstens für einen Augenblick die Gedanken an seine Hilfsbedürftigkeit beiseite zu schieben.
Was sprach gegen einen Abend mit zu viel Alkohol und einem guten Freund?
Hier lief er wenigstens nicht Gefahr, im Suff etwas Unüberlegtes zu tun, wie sich angetrunken auf eine fremde Frau einzulassen.
Sie würden trinken, irgendeinen Mist im Fernsehen schauen und sich einfach gehen lassen. Vielleicht würde es ihm sogar gelingen Kellys Zunge etwas zu lockern, schließlich vermutete Matt schon eine Weile, das der Lieutenant ihm etwas verheimlichte und dabei tippte er zielsicher auf eine neue Flamme. Er könnte Kelly Details entlocken um ihn am nächsten Morgen, zwischen Kopfschmerztabletten und Kaffee, damit aufziehen.

Von seinem Plan begeistert nickte Matt schließlich, „ja wieso nicht. Das klingt eigentlich lustig.“ Entspannt lehnte der Captain sich zurück, mit dem Lieutenant nach Hause zu gehen war die richtige Entscheidung, dessen wurde er sich mit jeder verstrichenen Minute sicherer. Kelly würde ihm nicht nur bei der Versorgung der Wunden helfen und die Schwierigkeiten im Alltag zu bewältigen, er würde ihm auch ein Stück Normalität geben. Er würde ihn aufbauen und ihn daran erinnern, dass es sich hier lediglich um eine Phase handelte, eine Phase die er überstehen würde und auf die er in einigen Jahren mit Stolz zurückblicken konnte, durchgehalten zu hatte.
Nur beiläufig bemerkte er Kellys starren im Augenwinkel und für einen Moment fühlte es sich so an, als würde der Rüstgruppenleiter ihn aufs genaueste mustern. Als würde er jeden Zentimeter seines Körpers in Augenschein nehmen und dabei sanft Lächeln.
Nein!
Das war Unsinn, wieso sollte Kelly so etwas tun. Sicher bildete er es sich nur ein, wahrscheinlich hing Kelly seinen Gedanken nach und dass er ihn dabei so starr fixierte war lediglich Zufall.
Angestrengt versuchte Matt sich die Worte erneut einzureden, als er für einen Moment den Blick wandte und Kelly ansah. Der Lieutenant wirkte tatsächlich abwesend, zwar bewegten sich seine Pupillen, fuhren über Matts Brust, seine Arme hinab, zu seiner Mitte und auch seine Beine entlang, wobei sich seine Mundwinkel in die Höhe schoben, doch er schien nicht bei sich zu sein. Sein Blick wirkte verträumt, so als würde er angestrengt über etwas nachdenken, oder eine Erinnerung hinterherjagen.
In Matts Magen breitet sich ein Gefühl von Unsicherheit aus, es gab keinen Grund dafür, doch trotzdem legte sich etwas auf sein Gemüht, dass ihm ~Vorsicht~ zubrüllte.

Irritiert schüttelte der Captain den Kopf und erhob sich. Mit der plötzlichen Bewegung schien er auch Kelly aus seinen Tagträumen gerissen zu haben, dieser sah ihn verwundert an und stand ebenfalls auf, „alles in Ordnung?“
Schnell schenkte ihm Matt ein nicken, „wo soll ich eigentlich schlafen?“
Er hatte erwartet, dass Kelly aufs Gästezimmer deutet, eigentlich war die Frage auch gar nicht ernst gemeint, schließlich hatte Matt schon die ein oder andere Nacht, nach einer spritzigen Tour durch die Bars von Chicago, dort verbracht. Eigentlich fragte er lediglich aus Höflichkeit, schließlich war er Gast, auch wenn Kelly ihm schon nach wenigen Minuten das Gefühl gegeben hatte, sich wie zuhause fühlen zu können.
Matt hatte sich bereits in Bewegung gesetzt und das Gästezimmer neben der Haustür angesteuert, als sich Kellys Hand um sein Handgelenk schlang und ihn damit in der Bewegung stoppte.
Fragend sah er den Lieutenant an, welcher plötzlich einen nervösen Eindruck machte.

Kurz räusperte sich Kelly und schüttelte den Kopf, „ich denke, es wäre besser, wenn du bei mir schläfst?“, dabei deutete er auf sein Schlafzimmer und wüsste Matt es nicht besser, würde er glauben, einen leichten Schatten auf Kellys Nase zu erkennen.
„Bei dir? In deinem Bett? Wieso?“, platzte es ungehalten aus ihm heraus, woraufhin Kelly sein Handgelenk losließ und sich durch das kurze Haar fuhr, „naja, wenn nachts irgendetwas ist, du Hilfe brauchst oder so. Wäre doch quatsch, wenn du erst durch die halbe Wohnung stolpern musst. Wenn du bei mir schläfst, kannst du mich einfach wecken.“
Irritiert starrte Matt ihn an, „und was sollte nachts passieren? Wobei sollte ich nachts Hilfe brauchen?“
„Keine Ahnung, Matt. Wenn du Durst bekommst, die Wunden weh tun, oder eben irgendetwas anderes“, zuckte Kelly mit den Schultern und Matt entging nicht, dass er zunehmend aufgebrachter wirkte.
„Das ist nett Kelly, aber das Gästezimmer ist wirklich vollkommen ausreichend. Trotzdem Danke für das Angebot“, versuchte Matt seinen Freund zu Vernunft zu bringen. Er dankte Kelly zwar für seine Hilfe, doch das ging dann doch etwas zu weit. In den vergangenen Nächten war er auch allein zurechtgekommen, wieso sollte es jetzt anders sein? Weil er nicht in seiner eigenen Wohnung war? Er kannte sich hier aus, fand auch im Dunkeln das Badezimmer und sollte tatsächlich etwas sein, könnte er Kelly tatsächlich einfach wecken.
Dieser Umstand, so nett er auch gemeint war, war zu viel und allein der Gedanke, dass der Lieutenant seinetwegen noch mehr auf sich nahm, beziehungsweise noch weitere Einschnitte in seinem normalen Alltag in Kauf nahm, ließ das beklemmende Gefühl in seinen Magen zurück kehren. Auf keinen Fall wollte er Kelly das Gefühl geben ihn auszunutzen. Nicht nach allem was der Feuerwehrmann bereit war, für ihn zu tun.

„Na wie du meinst, ich geh das Essen abholen“, schnaufte Kelly plötzlich, schnappte sich seine Jacke und die Autoschlüssel und ließ die Haustür geräuschvoll hinter sich ins Schloss fallen.
Irritiert sah Matt ihm nach, hatte er ihn verärgert? Hatte er etwas Falsches gesagt? Plötzlich wirkte Kelly gereizt, vielleicht sogar beleidigt. Wollte der Lieutenant etwa, dass er bei ihm schlief?
Das war Quatsch, das und auch Kellys angebliche Verhaltensänderung bildete er sich nur ein. Er würde es sich jetzt auf dem Sofa bequem machen, vielleicht sogar ein paar Minuten schlafen und die Vorfreude auf den bevorstehenden Abend genießen.

Fest entschlossen legte sich Matt auf das bequeme Leder und schloss die Augen. In den vergangenen Tagen hatte er tatsächlich wenig Schlaf bekommen, der Streit mit Gabby und seine momentane Lage beschäftigten ihn so sehr, dass seine Gedanken ihm die Erholung raubten. Doch Kelly war bereit ihm einen Teil dieser Gedanken abzunehmen, ihm zu helfen und für ihn da zu sein.
Kelly war tatsächlich ein guter Freund und Matt wusste wie froh er sein konnte, ihn zu haben.
Kaum spürte Matt wie seine Schultern schwerer wurden und sein Bewusstsein sich immer tiefer fallen ließ, glitten die Erinnerungen an das Erlebnis in der Badewanne vor sein Inneres Auge. Die Erregung, welche die fremde Hand in ihm ausgelöst hatte, der Geruch von Aftershave und Kiefer, welcher ihm in die Nase gestiegen war. Für einen winzigen Moment hatte er Gabbys Gesicht vor Augen gehabt, ihre kleine zarte Hand auf sich gespürt, doch je stärker die Erregung wurde, je tiefer ihm der bekannte Duft in die Nase gekrochen war, desto undeutlicher wurde das Bild seiner Frau, bis es sich irgendwann komplett verblasste.
Erst jetzt erinnerte Matt sich an das Gesicht, welches er im Augenblick des Höhepunktes vor sich sah, die kurzen Haare, das kindlich, freche Lachen, die dunklen Augen und die markanten Gesichtszüge.
Erschrocken riss Matt die Augen auf und keuchte Atemlos, als das Bild vor seinen Augen sich mit dem berauschenden Gefühl, welches er in diesem Moment gespürt hatte, verband.
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