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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
13
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23.03.2020 3.934
 
Kapitel 2 – Von Zweifeln beherrscht


Unruhig wandte Casey den Kopf umher, sein Hals brannte und Übelkeit hing ihm im Magen. Er hatte Durst und wollte etwas sagen, doch der Druck in seinem Hals war zu groß, außerdem konnte er die Lider nicht öffnen. Es roch nach Desinfektionsmittel und die Bettwäsche, in welche er eingewickelt war, juckte unangenehm.
Er befand sich nicht zuhause, die Matratze war hart und unbequem, außerdem besaß er eine flauschige Daunendecke, welche ihm in den vergangenen Wochen ein beliebter Zufluchtsort gewesen war.
„Doktor, er kommt zu sich. Sollen wir die Beatmung entfernen?“, hörte er eine hohe Frauenstimme. Sie klang jung, kam ihm sogar bekannt vor.
„Ja, aber seien sie vorsichtig“, diesmal klang die Stimme älter, männlicher und in ihr schwang deutlich mehr Erfahrung, „Matt, hören Sie mich? Wir werden jetzt den Schlauch aus Ihrem Hals entfernen, das wird etwas brennen. Bitte versuchen Sie still zu halten!“
Als der Arzt ihn direkt angesprochen hatte, zeichnete sich ein deutliches Bild der Person hinter seinen geschlossenen Lidern ab, Will Halstead.
Das bedeutete er war im Chicago Med, aber wieso? Tat ihm etwas weh? Wurde er bei einem Einsatz verletzte?

Angestrengt versuchte Matt sich zu konzentrieren, weder seine Arme noch Beine schmerzten, auch sein Magen tat nicht weh. Doch wenn er ehrlich war, dann spürte er überhaupt nichts. Seine Gliedmaßen waren taub und ein panikartiges Gefühl breitete sich in dem Feuerwehrmann aus.
Er war nicht bei einem Einsatz gewesen, er war auf dem Weg zur Arbeit, als ihm jemand auf den Hinterkopf geschlagen hatte. Das nächste, an was er sich erinnerte war ein großer Saal, eine Art Lagerfläche. Der Boden war aus alten Holzdielen und auch die Balken, welche die Meterhohe Decke stützen wirkten wenig vertrauenerweckend.
Er hatte Blut geschmecht, sein Kopf tat schrecklich weh und seine Augen flimmerten, als ihm drei Gestallten entgegentraten.
Gerade als Matt tiefer in seiner Erinnerung kramen wollte, spürte er ein hartes Ziehen in der Kehle.
Der Drang zu Husten wurde immer größer, als ihm der Schlauch, welcher bis dato seine Atmung kontrolliert hatte, aus dem Rachen gezogen wurde. Länger konnte er nicht still halten, immer höher schob sich das Plastik in seinem Hals und keuchend rang Matt nach Luft, als dieser endlich seine Mundhöhle verlies.
„Hören Sie mich, Matt? Können Sie mit mir sprechen?“, drang Dr. Halsteads Stimme erneut an sein Ohr und Matt versuchte zu antworten, doch bis auf ein ersticktes Keuchen und einen weiteren Hustanfall kroch ihm kein Wort über die Lippen.
„Keine Sorge, das ist ganz normal. Versuchen Sie sich zu beruhigen und lassen Ihrem Rachen einen Moment Zeit, sich an die Umstellung zu gewöhnen“, erklärte der Arzt und Matt konnte sein mitleidiges Gesicht deutlich vor seinen geschlossenen Lidern sehen.

Er wollte die Augen öffnen, wollte seine Vermutung bestätigen, doch es ging nicht und auf Grund der Lähmung in seinen Gliedmaßen konnte er auch seine Hände nicht heben.
„Was… Dok… ich…“, versuchte Matt würgend von sich zu geben und mit der Rückkehr seiner Stimme, drangen weitere Bilder in seom Bewusstsein.
Die Gestallten hatten auf ihn eingetreten, sie schlugen ihn, einer hatte ihn angespuckt und wieder Tritte. Sie schrien etwas, beschimpften ihm, machten ihm Vorhaltungen, doch Matt konnte sich nicht an ihre Worte erinnern, nur daran, dass er entsetzliche Schmerzen verspürt hatte. Wo war dieser Schmerz jetzt, wieso tat ihm nichts weh?
Er war im Med, hatten sie ihm ein Schmerzmittel verabreicht, vielleicht sogar ein Beruhigungsmittel? Wie hätten sie ihn sonst intubieren können? Oder war er womöglich sogar gelähmt? Hatten diese Kerle ihn das Rückgrat gebrochen?
Er hatte nicht viel medizinische Erfahrung, zwar nahm er regelmäßig an entsprechenden Kursen teil, doch sein Fachwissen bezog sich auf die Bekämpfung von Feuer und die Rettung von Menschen. Wenn seine Erinnerung ihn nicht trügt, dann würde das Sedativum jedoch bald an Wirkung verlieren und sollte es sich nicht um eine Lähmung handeln, dann würde er, sobald das geschah…
Weiter konnte Matt dem Gedanken nicht folgen, plötzlich zog sich sein Magen krampfhaft zusammen. Seine Knochen schmerzen, als würden sie brechen und sein Blut fühlte sich wie flüssige Lava an. Er spürte die Prellungen an seinem Rücken, die Schürfwunden an seinen Knien, die Tritte und Schläge in Gesicht und Magen und dann überwältigte ihn ein Gefühl, das jeden bisherigen Schmerz in den Schatten stellte.
Seine Hände fühlten sich an, als würden sein offenes Fleisch in flüssigem Essig liegen, als hätte sie jemand mit Stahlwolle bearbeitet und schüttete ihm nun Zitronensaft über die malträtierte Haut.
Mit zusammengebissenen Zähnen versuchte Matt den Schmerz zu verdrängen, doch er war übermächtig. Der Feuerwehrmann konnte sich an keine Situation erinnern, in der er so etwas schon einmal durchlebt hatte, dabei hatte er bereits Bekanntschaft mit diversen spitzen Klingen und sogar einer Kugel gemacht. Ein Gebäude war neben ihm explodiert und unzählige Erdbeben hatten ihn auf harten Stein schlagen lassen. Alles nicht zu vergleichen mit dem Schmerz, welcher gerade seinen Körper durchflutete.

„Verflucht das… ahhhh!“, schrie Matt auf, woraufhin erneut Wills Stimme den Raum füllte, „2 Einheiten Hydromorphon, sofort!“
Es dauerte einen Augenblick, der Schmerz verschwand nicht komplett, doch plötzlich war er ertragbarer. Matt konnte hören wie das Piepen des Monitors neben seinem Bett langsamer wurde und er spürte wie sich neben dem Schmerz eine innere Ruhe in ihm ausbreitete.
Er wusste das es lediglich die Medikamente waren, welche ihm vermutlich in die Infusion gegeben wurden und normalerweise würde er darauf verzichten, doch dieses alles betäubende Gefühl war nicht auszuhalten. Es hatte sich angefühlt, als würde es ihn von innen zerreißen, als würde es ihn in Stücke reißen, ihn verbrennen und erfrieren zu gleichen Zeit.  
„Geht’s einigermaßen?“, erschlagen nickte Matt und hustete noch einmal, bevor er erneut versuchte den Arm zu heben und diesmal sogar mehrere Zentimeter schaffte. Doch je weiter er hochkam, desto heftiger wurde der Druck in seinen Handgelenken, weshalb er den Versuch einstellte und sich ein harter Kloß in seinem Hals bildete.
Er konnte seine Finger nicht spüren, das Gefühl in Armen und Beinen war zurückgekehrt, doch seine Hände waren nach wie vor taub.
„Was ist passiert?“, seine eigene Stimme hörte sich ungewohnt rau an, als Wills seufzen an sein Ohr drang, „Sie haben schwere Verbrennungen an beiden Händen, außerdem diverse Abschürfungen und Prellungen. Das sieht mir ganz nach Schlägen und Tritten aus. Wissen Sie, wie es dazu kam?“
Langsam schüttelte Matt den Kopf, grobe Umrisse der letzten Stunden hatte er zwar in Gedanken, doch sein Gehirn schaffte es nicht, diese Informationen sinnvoll zu verarbeiten, was eventuell auch an dem Betäubungsmittel in seinem Infusionsbeutel zusammenhängen könnte.
„Machen Sie sich keine Gedanken, das ist normal. Wir mussten die Platzwunde an Ihrem Kopf mit ein paar Stichen nähen, vermutlich haben Sie eine Gehirnerschütterung“, versuchte die Stimme des rothaarigen Arztes ihn zu beruhigen, doch Matt dachte gar nicht daran es ruhe zu lassen, „meine Augen?“
„Auch hier sind wir guter Dinge, Matt. Sie haben Einblutungen, vermutlich von Faustschlägen, in beiden Augenhöhlen, außerdem ist das Blut Ihrer Platzwunde in Ihr Sichtfeld geraten. Wir haben Ihre Augen gespült, was schon eine deutliche Verbesserung erbracht hat. Wir werden diesen Vorgang noch einmal wiederholen müssen, doch ich denke, dass wir Ihnen Ihre Sehkraft vollständig zurückbringen können. Bis dahin müssen Sie sich jedoch schonen, deshalb auch der Verband“, fuhr Will mit seiner Erklärung fort und legte Matt eine Hand auf die Schulter, was diesen zusammenzucken ließ.

„Ihre Freunde sind im Wartebereich, ich würde Sie ungern alle auf einmal zu Ihnen lassen, doch eins oder zwei werden gehen. Möchten Sie jemand bestimmten sehen? beziehungsweise hören?“, Matt war klar das Will versuchte die Stimmung zu lockern, doch ihm war nicht nach Lachen zumute.
Angestrengt versuchte er sich zu konzentrieren, die Fremden hatten auf ihn eingetreten, ihn geschlagen und dann…
Sie hatten ihm Ketten um die Handgelenke gelegt, Matt erinnerte sich nur schwach daran, die Tritte waren heftig gewesen, hatte er das Bewusstsein verloren?
Er wurde irgendwo angebunden, seine Hände wurden um einen kalten Gegenstand gelegt, Metall?
Dann war es ruhig geworden, er wusste nicht wie lange er dort auf dem Boden gelegen hatte, doch irgendwann war ihm Rauch in die Nase gestiegen. Ein Gefühl von Panik hatte sich in ihm ausgebreitet, das kalte Metall unter seinen Händen wurde wärmer, doch er konnte sie nicht bewegen, er konnte sich nicht befreien.
Er hatte daran gezogen, hatte gespürt wie sich die Ketten in das Fleisch um seine Handgelenke bohrten, er erinnerte sich an den reisenden Schmerz und dann wurde alles schwarz.
Kelly war irgendwann da gewesen, er konnte ihn nicht sehen, doch er hörte die Stimme seines Freundes, nahm seinen Geruch war und irgendwann spürte er auch seine Hände.

„Matt? Haben Sie verstanden was ich gerade gesagt habe?“, richtete Dr. Halstead sich erneut an ihn und Matt nickte apathisch. Natürlich waren all seine Freunde und Kollegen da. Sie waren eine Familie, sie kümmerten sich umeinander, standen für einander ein und sicher war die Sorge um ihn in jedem einzelnem präsent.
„Kelly“, murmelte Matt abwesend, woraufhin Will seine Schulter sanft drückte um ihm zu signalisieren, dass er ihn verstanden hatte, „noch jemanden, oder soll ich nur Lieutenant Severide hereinschicken?“
„Chief Boden“, seine Stimme war noch immer undeutlich, doch Will hatte ihn beim ersten Mal verstanden, also sicher auch jetzt. Einen Moment herrschte Stille im Raum, „Severide und der Chief? Sonst niemand?“ Der Arzt klang überrascht, als hätte er mit einem anderen Namen gerechnet und Matt wusste genau, auf was er hinauswollte.
Wahrscheinlich hatte er angenommen, Matt würde nach Gabby verlangen, was vermutlich eine normale Reaktion gewesen wäre, doch für Matt lag die Situation etwas anderes.
Sie hatten sich gestritten, am Vorabend hatten sie sich übel in den Haaren gelegen und Matt kannte seine Liebste. Erneute Vorhaltungen würde er gerade nicht verkraften und auch wenn er ihr keine unnötigen Sorgen bereiten wollte, spürte er gerade nicht das Verlangen, ihre Gesellschaft zu genießen.
„Gut, wie Sie möchten, dann nur Severide und Chief Boden“, versicherte ihm Will und nahm seine Hand von Matts Schulter.

Es dauerte einen Augenblick und Matt war sich sicher, dass ihm seine Entscheidung Diskussionen bescheren würde, doch er war noch immer sauer. Sie hatte ihm vorgeworfen, er sei froh, dass Lui ihnen genommen wurde. Dass er den Jungen nie hatte haben wollen und Gabby diese Liebe nicht gegönnt hatte. Wie sie diesmal auf das leidige Thema gekommen waren wusste Matt nicht mehr. In den letzten Monaten war der kleine Junge ihr einziges Gesprächsthema gewesen und beinah jede Unterhaltung hatte im Streit geendet.
Natürlich hatte er den Kleinen gern gehabt, natürlich hatte er sich mit dem Gedanken an eine Familie beschäftigt und sogar Gefühle wie Hoffnung und Glück zugelassen, doch als Luis Vater ihn abgeholte, da war auch für ihn eine Welt zusammen gebrochen. Er hatte sich selbst bereits in der Vaterrolle gesehen und wurde genau so schmerzhaft wie Gabby aus dieser Illusion gerissen, doch sie war der Meinung das er kein Recht hatte zu trauern, dass ihm diese Gefühle nicht zustanden, weil er Lui nicht auf die selbe Weise geliebt hatte, wie sie es tat.
Gestern Abend war die Situation dann eskaliert, Gabby war mit dem irrwitzigen Vorschlag gekommen, es erneut mit einem Baby zu versuchen. Sie wollte schwanger werden und was Matt darüber dachte, war ihr vollkommen egal. Sie war der festen Überzeugen, das es ihr Körper sei und es damit auch ihre alleinige Entscheidung war, sich diesem Risiko auszusetzen, obwohl die Ärztin ihnen ihre klaren Bedenken entgegengebracht hatte.
Es war immer sein Wunsch gewesen Vater zu sein, doch nicht wenn der Preis dafür das Leben seiner Frau war. Gabby zeigte kein Verständnis für seine Reaktion, sie wollte ein Baby, am liebsten sofort und Matt hatte versehentlich den Gedanken ausgesprochen, dass er vermutete, sie wolle Lui damit ersetzen.
Daraufhin hatte sie ihm angebrüllt, ihm Ungeheuerlichkeiten an den Kopf geworfen, ihm sogar eine Ohrfeige verpasst, das alles hatte er stillschweigend ertragen, doch als sie meinte, dass er vermutlich gar nicht potent genug war um ein Kind zu zeugen, konnte er nicht mehr an sich halten.
Sie hatten sich angebrüllt, bis Gabby irgendwann wutentbrannt die Wohnung verließ.

„Matt?“, erschrocken fuhr der Feuerwehrmann zusammen, wie sehr er seinen Gedanken nachgehangen hatte fiel ihm erst auf, das sich eine große Hand auf seine Schulter legte.
Seine Sehkraft funktionierte nicht, weshalb sich seine restlichen Sinne umso mehr ins Zeug legten und er problemlos den Geruch von Aftershave, Schweiß und Kiefern in sich aufnahm. Selbst wenn er die Stimme nicht sofort erkannt hätte, wusste er, dass sich Kelly Severide gerade an sein Bett gestellt hatte.
„Wie geht’s dir?“, erklang dessen Stimme erneut und Matt registrierte, wie sich eine Plötzliche Ruhe in ihm ausbreitete. Diese Wirkung hatte Kelly nicht zum ersten Mal auf ihn, vielleicht hatte er sich deshalb für einen Besuch von dem Lieutenant entschieden.
„War schon mal besser. Tut mir leid, wenn ich euch Sorgen bereitete habe“, nuschelte Matt unverständlich und wunderte sich selbst über den Klang seiner Stimme. Sein Gehirn schien normal zu funktionieren, wieso dann nicht auch seine Stimme.
„Klingt als hätten sie dir ziemlich guten Stoff gegeben. Dr. Halstead hat uns bereits über deinen Zustand aufgeklärt. Können wir irgendwas für dich tun?“, Matt hörte Kellys grinsen in der Stimme, als auch die tiefen Klänge seines Chiefs sich meldete, „Sie haben uns wirklich Sorgen bereitete und ich kann Ihnen gar nicht sagen wie froh ich bin, das Sie noch leben.“
Die Sorge in der Stimme des erfahrenen Feuerwehrmannes war nicht zu überhören und für einen Moment spürte Matt den Anflug eines schlechten Gewissen, „tut mir leid, Chief“, versuchte er sich erneut zu rechtfertigen, als er auch schon das verständnisvolle Brummen hörte, „Ihnen muss nichts leidtun. Haben Sie die Kerle erkannt, die Ihnen das angetan haben?“
Langsam schüttelte Matt den Kopf, als er plötzlich einen Gegenstand an seinen Lippen spürte. Einen Moment hielt er inne, bis er begriff, dass ihm gerade ein Strohhalm an den Mund gelegt wurde. Wieder kroch der Duft von Kiefern ihm in die Nase, bevor er gierig an dem Halm saugte und das Gefühl des kühlen Wassers, wie es seine Kehle hinunterlief, genoss, „nein, ich weiß nur das es drei gewesen waren. Bisher kann ich mich aber weder an ihre Gesichter, noch an etwas anderes erinnern. Dr. Halstead meinte das wäre normal, vermutlich wegen der Gehirnerschütterung.“

„Keine Sorge Casey, wir kriegen die Typen. Die werden sich wünschen sich nie mit Ihnen angelegt zu haben!“, augenblicklich zuckte Matt zusammen. Er hatte sowohl Kellys, als auch Wallace Anwesenheit war genommen und nicht bemerkt, dass sich noch eine weitere Person zu ihnen gesellt hatte.
Es war Sergenat Voight Stimme und sie klang nicht besonders fröhlich, „ich bitte Sie jedoch uns zu informieren, sobald Ihnen noch etwas zu dem Tathergang einfällt.“
Benommen brachte Matt ein Nicken hervor, dann fiel die Tür erneut ins Schloss.
„Ist er weg?“, flüsterte Matt leise, bevor er ein kurzes Lachen Seitens Kelly war nahm, „ja ist er.“ Das Matt und der Sergeant sich nicht besonders nahe standen war kein Geheimnis. Trotzdem wusste Matt, das sein Fall bei dem erfahrenen Polizisten in guten Händen war.

„Wie sauer ist sie?“, irritiert über seine eigene Frage biss sich Matt auf die Unterlippe, er hatte gerade gar nicht an Gabby gedacht, doch scheinbar war sein Unterbewusstsein mehr in Sorge, als sein Verstand.
„Das willst du nicht wissen“, grinste Kelly. Er wusste auch ohne Worte, wen Matt meinte, „sie ist ausgeflippt! Gibt es einen Grund, wieso du sie nicht sehen willst?“
Bevor Matt auf die Frage eingehen konnte, meldete Boden sich erneut zu Wort, „ich werde mal das Team informieren. Ich bin froh das es Ihnen soweit gut geht Casey!“
Das Wallace Boden keinen Wert darauf legte, in irgendwelche Beziehungsdramen gezogen zu werden war kein Geheimnis, weshalb seine Reaktion auch keine Verwunderung bei den Führungskräften auslöste.
„Wir hatten gestern Abend Streit, es sind ein paar ziemlich unschöne Dinge gesagt worden und ich kann mir jetzt einfach keine erneuten Anfeindungen anhören“, versuchte Matt knapp zu erklären, woraufhin Kelly seufzte, „sie war echt besorgt, naja jetzt ist sie wohl mehr sauer als besorgt, aber ich denke es wird nicht besser, wenn du sie unnötig warten lässt.“
Erschöpft schüttelte Matt den Kopf, „ich dachte, ich lass sie sich erst mal beruhigen?“
„Das ist natürlich auch eine Möglichkeit“, lachte Kelly und strich Matt sanft über die Schulter, „kann ich irgendwas für dich tun?“
Dieser nickte seufzend, „du kannst Halstead davon überzeugen mich hier so schnell wie möglich raus zu lassen. Ich hasse Krankenhäuser!“
Ein erneutes Seufzen erreichte sein Ohr und noch immer strichen die Fingerspitzen seines Kollegen über Matts Schulter, „ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist. Deine Hände sind… das ist echt übel Matt, du wirst Hilfe brauchen.“
Durch die Schmerzmittel hatte er die Verletzung für einen Moment verdrängt, doch die Erinnerung an den Schmerz, welche ihn vor wenigen Minuten noch Sternchen hatte sehen lassen kehrte mit Kellys Worten umgehend zurück. Er hatte sich die Hände verbrannt, übel verbrannt. Zwar hatte er noch immer kein Gefühl in ihnen, doch Matt hatte genügend Brandopfer in die Notaufnahme gebracht, um auch ohne sein Sehvermögen zu wissen, das vermutlich dicke weiße Verbände um seine Finger und die Handballen gewickelt waren und er wusste auch, wie langwierig Brandverletzungen sein konnte.

Allein bei dem Gedanken daran lief es ihm kalt den Rücken hinunter, „ich bin verheiratet Kelly, meine liebende Ehefrau wird mir natürlich all die Hilfe entgegenbringen, welche ich benötige!“
Zwar schwang eine gehörige Portion Sarkasmus in seinen Worten, doch trotzdem hoffte Matt das sie der Wahrheit entsprachen. Er war nicht so blauäugig zu glauben, er würde damit allein zurechtkommen. Ohne Hilfe würde er hierbleiben müssen und sie war doch wirklich seine Frau und trotz ihrer ständigen Streitereien empfanden sie Liebe füreinander.
„Na dann empfehle ich dir, dich schnell gut mit ihr zu stellen!“, grinste der Feuerwehrmann und zog seine Hand von Matts Schulter, was diesem ein kurzes Verlustgefühl bescherte.
Seufzend nickte Matt, woraufhin er Kellys sich entfernende Schritte wahrnahm und dass dieser den Raum verließ.

Diesmal dauerte es bedeuteten länger, doch erneut öffnete sich die Tür und nur wenige Augenblicke später spürte er, wie sich kleine Hände auf seine Brust legten, bevor er Gabbys Geruch wahrnahm und ihre Lippen auf seinen spürte.
Unglücklicherweise hatte sie sich mit den Händen auf einer der unzähligen Blessuren auf seinem Körper abgestützt, was ihn scharf die Luft einziehen lies.
Sofort beschlich ihn der Gedanke, Gabby könnte diese Reaktion falsch deuten, war es normal sich in der eigenen Ehe so unsicher zu bewegen?
„Jag mir gefälligst nie wieder so einen Schrecken ein!“, ihre Stimme klang besorgt und liebevoll, was den Feuerwehrmann erleichtert aufatmen lies, „ich hab mir Sorgen um dich gemacht und du hast nichts Besseres zu tun, erst nach Severide und Boden zu fragen?!“ jetzt klang ihre Stimme schon weniger Sorgenvoll, viel mehr anklagend.
„Tut mir leid, ich musste es dem Chief erklären, ich bin nicht zum Dienst erschienen“, log Matt geübt. Viel zu oft hatte er sich aus Angst bezüglich ihrer Reaktion schon verstellt, „und ich erinnerte mich, dass es Kelly war der mich da rausgeholt hat. Ich musste einfach sicher gehen, dass es ihm gut geht und er nichts abbekommen hat!“
„Du Idiot, ich bin deine Frau, ich hätte dir auch sagen können, dass es ihm gut geht und niemals würde Boden dir einen Vorwurf machen“, fuhr sie ihn an, bevor sie ihm einen Klapps auf die Brust gab und damit erneut die Stelle traf, an welcher sich ein dunkler Bluterguss über seine Haut zog.
Für einen Moment hatte Matt sogar das Gefühl, sie tat ers mit Absicht, welchen er jedoch schnell verwarf. Natürlich tat sie das nicht mit Absicht, das war absurd. Gabby machte sich Sorgen um ihn, sie hatte Angst um ihn und dies war nun mal ihre Art diese Gefühle auszudrücken.

„Halstead meinte, du würdest schon bald wieder auf die Beine kommen. Deine Augen haben nicht so viel abbekommen, wie es auf den ersten Blick schien und die blauen Flecken und Abschürfungen sind nur oberflächlich“, erklärte Gabby nach einem Moment des Schweigens hoffnungsvoll.
„Ja, das hoffe ich auch. Ich will so schnell wie möglich hier raus, du weißt ja wie sehr ich Krankenhäuser hasse!“, das war ein guter Anfang, sie unterhielten sich ruhig und stritten nicht. Ausnahmsweise ging es nicht um Kinder oder Schwangerschaften und für einen Moment spürte er sogar den Anflug von kleinen Schmetterlingen in seinem Magen, auch wenn er wusste, dass diese in seiner momentanen Lage dort nichts zu suchen hatten.
„Das wird schon Matt, da bin ich mir sicher. Du wirst wohl einige Wochen zuhause verbringen“, dabei tippte sie auf seinen Arm und er spürte, dass dies genau der richtige Moment für sein Anliegen war.
„Da hast du recht“, setzte Matt vorsichtig an, „aber du weißt ja selbst, wie heimtückisch Brandverletzungen sind. Die Heilung wird sich über Wochen, vielleicht sogar Monate hinziehen. Gabby ich will nicht so lange im Krankenhaus bleiben, aber alleine werde ich das nicht schaffen. Du wirst mich doch unterstützen, oder?“
Er konnte es selbst nicht leiden, so unsicher zu klingen, doch noch mehr hasste er es, wenn er angeschwiegen wurde.
Gabby hatte nun seit bereits 30 Sekunden keinen Ton gesagt, wollte sie ihm etwas nicht helfen? Wollte sie ihn nicht unterstützen? Sie war seine Frau, sie würde doch für ihn da sein.
Nach seiner Kopfverletzung hatte sie sich fürsorglich und liebevoll um ihn gekümmert, nach der Schießerei dasselbe, hatte sie jetzt genug davon?
Matt spürte wie sein Magen sich krampfhaft zusammenzog, viel länger würde er diese Spannung nicht aushalten. Wenn sie ihm nicht helfen wollte, dann sollte sie es gefälligst sagen, doch einfach stumm dazusitzen und ihn anzuschweigen war brutal. Schließlich konnte er nicht einmal ihre Reaktion sehen, was den Hass auf den Verband um seine Augen noch größer werden ließ.

„Was soll denn diese alberne Frage Matt? Natürlich werde ich dir helfen. Ich werde mich so gut um dich kümmern, das du glauben wirst, eine persönliche Krankenschwester zu haben“, die Anspannung fiel von seiner Brust wie ein Sack Zement und er holte erst einmal tief Luft. Wieso hatte er sich überhaupt Sorgen gemacht, machten diese Schmerzmittel ihn dermaßen Banane, das er sich so einen Schwachsinn einredete?
Erneut durchfuhr ein Schock seinen Körper, was ihn krampfhaft zusammenschrecken ließ, als sich eine Hand zwischen seine Beine legte. Er spürte wie die dünnen Finger über seinen Oberschenkel streiften, wie die Fingerspitzen zu seiner Mitte wanderten und sich auf sie legten und er spürte wie diese kraulend die Konturen seines Glieds auf der dünnen Bettdecke entlang glitten.
Er kannte die Hand seiner Frau, außerdem waren sie allein im Raum, doch das war weder der Ort noch der Zeitpunkt für Berührungen dieser Art.
Unerwartet legten sich weiche Lippen auf seine, umfassten seine Unterlippe, knabberten daran und leckten über seinen aufgeplatzten Mundwinkel, nicht wissend, dass diese Aktion sich wie ein erneuter Schlag anfühlte.
„Gabby was…“, versuchte Matt den Enthusiasmus seiner Frau zu bremsen. Er war gern mit ihr intim, auch wenn es mittlerweile Monate her gewesen sein musste, dass sie sich auf diese Weiße berührt hatten, doch in seiner Momentanen Lage war an Spaß dieser Art nicht zu denken.

Noch einmal hauchte sie ihm einen sanften Kuss auf die Lippen, „schon in Ordnung Matt, in den nächsten Wochen haben wir dafür noch mehr als genug Zeit. Du weißt gar nicht wie froh ich war, als Dr. Halstead mir versicherte, dass dein kleiner Freund nichts abbekommen habe.“
Währen seine Augen nicht verbunden, könnte sie den ungläubigen Ausdruck daian deutlich erkennen. Davon abgesehen, dass er es hasste, wenn sie zu seinem Penis ~dein kleiner Freund~ sagte, konnte sie doch nicht ernsthaft in seinem Zustand und dieser Situation an Sex denken!
„Du wirst sehen, jetzt wo wir so viel Zeit haben, werde ich in null Komma nichts Schwanger sein“, er konnte ihr Lächeln spüren, den spitzen Ausdruck in ihrer Stimme erkennen und doch konnte er die Worte nicht glauben.
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