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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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19.08.2020 4.758
 
Kapitel 23 – im Herzen gezeichnet


Seit Stunden versuchte Kelly sich mit mäßigem Erfolg von der quälenden Stille im Wohnzimmer abzulenken. Erst hatte er Gewichte gestemmt, dann die Küche aufgeräumt und sogar eine Ladung Wäsche in die Maschine befördert. Matt saß noch immer auf dem Sofa, während der gesamten Zeit war er nicht einmal aufgestanden. Er saß einfach schweigend da, starrte die gegenüberliegende Wand an und antwortete spärlich auf Fragen. Das seine Konzentration dem besucht seiner Ex-Freundin galt wusste Kelly und auch das der Feuerwehrmann sich krampfhaft das Hirn über seinen nächsten Schritt zermarterte, doch verstehen konnte das der Rüstgruppenführer nicht.
Für ihn stand außer Frage, dass die Polizei über ihre jüngsten Erkenntnisse informiert werden musste. Gabby hatte eine Straftat begangen, eine Straftat die Matts Leben einschneidend veränderte. Sie war für die Körperliche Gewalt, welche ihm zuteil geworden war, verantwortlich, sie war für den Schmerz in seinem Herzen verantwortlich und sie hatte zu verantworten, dass er all die Qualen, ob nun körperlich oder Seelisch, in den vergangenen Wochen durchstehen musste.
Wieso überlegte Matt was er tun sollte, wieso haderte er mit sich, wieso hatte er nicht längst Atwater angerufen und ihm alles berichtet?

Vor zwei Stunden hatte Kelly das Thema vorsichtig angesprochen, er kannte seinen Freund und wusste, wieviel Zeit Matt für solche Dinge benötigte, das er alles erst gründlich durchdenken wollte, das er Schlussfolgerungen zog und mögliche Szenarien im Kopf durchspielte und gern würde Kelly ihm diese Zeit geben, doch die Ungeduld nagte wie ein klaffendes Monster an ihm.
Nachdem er versuchte seinen Freund auf dessen weiteres Vorgehen anzusprechen, hatte Matt ihm einen Blick zugeworfen, der Kelly umgehend verstummen ließ.
Nein, er konnte es absolut nicht nachvollziehen! Natürlich verstand er den Feuerwehrmann, es war seine Entscheidung, es war seine Ehe und es war seine Frau, doch sollte Kelly nicht wenigstens ein kleines Mitspracherecht bekommen? Er war von den Schmerzen nicht persönlich betroffen, doch irgendwie hatte das ganze doch auch auf sein Leben Auswirkungen gehabt. Wäre es dann nicht logisch, dass sie gemeinsam nach einer Lösung suchten?

„Matt, hör mal…“, setzte Kelly zu einem weiteren Versuch an, als ihm keine weiteren Ablenkungen einfiel und wieder sah der Drehleiterführer ihn mit einem Blick an, der den Feuerwehrmann kurzzeitig verstummen ließ. Diesmal wollte er sich jedoch nicht so einfach abschütteln lassen, „lass uns darüber reden. Ich weiß doch was gerade in deinem Kopf los ist und ein Gespräch würde dir sicher helfen eine Entscheidung zu treffen.“
Seufzend schloss Matt die Augen, „ich habe mich bereits entschieden, um ehrlich zu sein denke ich die ganze Zeit darüber nach, wie ich ~dir~ meine Entscheidung verständlich machen kann.“
Überrascht nahm Kelly neben seinem Freund platz und legte ihm eine Hand auf die Schulter, zog sie jedoch nach wenigen Sekunden zurück. Er hatte versprochen auf Abstand zu gehen, Matt die Zeit zu geben, die dieser brauchte um sich seiner Gefühle klar zu werden und auch wenn eine so einfach Berührung unschuldig und nichtssagend war, hatte Kelly das Gefühl, Matt damit unnötig zu bedrängen, „du hast dich entschieden?“
„Ja und ich weiß, dass du meine Entscheidung nicht verstehen wirst. Ich verstehe sie ja selbst nicht, doch es geht nicht, ich kann nicht anderes“, versuchte Matt zu erklären und Kelly hielt geschockt inne. Die Worte des Captains konnten nur eins bedeuten, Matt hatte sich entschieden nicht gegen Gabby vorzugehen, jedenfalls nicht auf Gesetzeswegen. Er würde der Polizei nicht von den neuen Erkenntnissen erzählen.

„Bitte sag mir, dass das nicht dein Ernst ist. Du darfst sie damit nicht davonkommen lassen. Matt ich bitte dich, das ist lächerlich!“, herrschte Kelly ihn an und verstummte, als er den gequälten Ausdruck in den Augen seines Freundes sah, „ich weiß Kelly, doch sie ist meine Frau, baldige Ex-Frau, trotzdem kann ich ihr nicht das Leben ruinieren. Sie würde in den Knast gehen, kannst du dir Gabby hinter Gittern vorstellen?“
Allein die Vorstellung ließ Kelly schmunzeln, „naja sie würde den Laden vermutlich schnell unter Kontrolle bringen und den Ton angeben. Aber Matt, du kannst nicht ernsthaft in Betracht ziehen nichts zu tun“, schnell griff er nach den Händen des Feuerwehrmanns, welcher daraufhin erschrocken zusammenzuckte, „sie es dir an Matt, dafür ist sie verantwortlich und wenn du jetzt anfängst Entschuldigungen für ihr Verhalten zu suchen, dann muss ich dir gehörig den Kopf waschen.“
„Das weiß ich doch und ich will auch keine Entschuldigungen für ihr Verhalten finden, trotzdem kann ich ihr das nicht antun. Auch wenn ihr Plan grausam war und ich noch immer nicht glauben kann, dass sie zu so etwas im Stande ist, wollte sie nicht, dass das hier passiert. Sie wollte mich nicht körperlich verletzen, das glaube ich ihr“, versuchte Matt seine Entscheidung zu rechtfertigen, doch so einfach würde Kelly es ihm diesmal nicht machen.
Der Rüstgruppenführer spürte wie eine Zornwelle in ihm aufstieg, „verflucht Matt, sie muss die Konsequenzen für ihr Handeln tragen, du darfst ihr das nicht durchgehen lassen.“
„Was würde das ändern Kelly? Würde es meine Hände heilen? Würde es mir den Schmerz nehmen? Nein, es würde sich dadurch rein gar nichts ändern. Ich werde ihr klar machen, dass ich ihr Verhalten nicht akzeptieren kann. Ich werde ihr klar machen, dass ich sie nie wieder sehen will und das wir uns umgehend scheiden lassen und ich werde ihr klar machen, das sie aus meinem Leben verschwinden soll, tut sie es nicht, werde ich zur Polizei gehen. Das wird ihr die Augen öffnen, da bin ich mir sicher“, Matt klang so verzweifelt, dass es Kelly beinah leidtat, ihn in die Enge zu drängen.

„Matt komm schon“, versuchte er noch einmal dagegen zu halten, auch wenn der Feuerwehrmann längst begriffen hatte, dass Matt eine Entscheidung traf, welche er nicht bereit war zu revidieren, „habe ich kein Mitspracherecht?“
Seufzend sah Matt ihn an, in seinen Augen lag ein bitterer Ausdruck, gepaart mit schmerz und Trauer, „es tut mir leid, ich weiß, dass das alles auch auf dich Auswirkungen hat, doch ich kenne auch deine Ansicht. Ich kann nicht zulassen, dass dieser Fehler ihr Leben ruiniert. Sie wird die Konsequenzen tragen, doch nicht in der Form, wie du sie verlangst. Sie wird die Trennung akzeptieren müssen, sie wird die Wache wechseln müssen, meinetwegen kann sie auch gern in einen anderen Stadtteil ziehen, doch mehr kann und will ich ihr nicht zumuten.“
Jetzt war es an Kelly zu seufzend, geschlagen ließ er sich zurückfallen und starrte an die Decke, „hat dir schon mal jemand gesagt, dass du viel zu gutmütig bist. Ich bezweifle, dass das so leicht wird, wie du es dir vorstellst.“
Ein kleines Lächeln schlich sich auf Matts Lippen, „ich weiß das es nicht leicht werden wird, allein das Gespräch, welches wir führen müssen wird mir alles abverlangen, doch ich hoffe noch einmal auf deine Unterstützung. Das ist viel verlang und ich habe wirklich kein Recht dazu, doch du warst mir vorhin eine so große Hilfe. Ich wäre eingeknickt, ohne dich wäre es niemals zu diesem Geständnis gekommen und ich wäre dir unheimlich dankbar, wenn du auch bei diesem Gespräch an meiner Seite sein könntest.“
Es war wie Zucker für seine Seele, als würde sich ein öliger Film durch sein Blut ziehen und Kelly musste lächeln. Für einen Augenblick ließ er sich gehen, sah Matt tief in die Augen und wusste instinktiv, dass er ihm diesen Blick nicht zuwerfen sollte. Doch die Worte seines Freundes berührten sein Herz, er sagte ihm, er würde ihn brauchen, Matt wollte Kelly an seiner Seite und auch wenn der Captain es auf die Unterstützung schob, war Kelly sich sicher, dass Matt ihn auch wegen seiner Person bei sich haben wollte.
„Ist gut, ich werde dabei sein und mich zurückhalten. Doch wenn sie es übertreibt, dann werde ich sie rauswerfen, klar?!“, forderte Kelly und Matt nickte zustimmend, bevor er zu seinem Handy griff und umständlich mit dem Daumen nach Gabbys Nummer suchte.

Nach dem dritten Freizeichen nahm die Sanitäterin ab, „Matt, ich wusste das du zur Vernunft kommst. Lass uns noch mal über alles sprechen Liebling.“
„Nein Gabby“, preschte Matt ihr in hartem Ton dazwischen, „du hast recht, wir werden noch mal darüber sprechen, doch nicht so wie du hoffst. Es ist genug, du hast jedes Recht auf eine Stimme verloren. Ich sage jetzt wie es weiter geht, ich bestimme den künftigen verlauf unserer Geschichte und du wirst zuhören und meinem Willen folgen. Ich würde das nur ungern am Telefon mit dir besprechen, können wir uns treffen?“
Matt konnte das leise Zischen deutlich hören, das sie in unzufriedenem Klang von sich gab, „auch wenn du dich im Recht fühlst Matthew, gibt dir das nicht das Recht, in diesem Ton mit mir zu sprechen. Ich bin deine Ehefrau und fordere einen gewissen Respekt!“ Wütend starrte Matt auf das kleine Mobilfunkgerät, „du hast jedes Recht auf Respekt verloren, als du jemanden engagiert hast um mich zu kidnappen, als du beschlossen hast mich auf übelste und hinterhältigste Weise manipulieren zu wollen. Wie gesagt, ich möchte das nicht am Telefon klären, können wir uns treffen?“
„Nein Matthew, wir treffen uns nicht, solange du dich von diesem Mistkerl bequatschen lässt“, bestimmte Gabby hartnäckig und Matt platzte allmählich der Kragen. Kelly besah sich die Szene schweigend, es war selten das sein Freund so aus der Haut fuhr und er würde einen Teufel tun, ihn aufzuhalten.
Wütend schnaubte Matt, „Gabby verdammt! Also gut, dann eben so: ich werde nicht zur Polizei gehen. Rede mit Antonio und sag ihm das ich alles weiß, erzähl ihm selbst von deiner Schandtat und sag ihm auch, dass er das ganze irgendwie regeln soll. Ich werde mein Wort halten und schweigen, wenn du bereit bist meine Bedingungen zu erfüllen!“, noch einmal holte er tief Luft, doch bevor Gabby dazwischen sprechen konnte, fuhr Matt fort, „du wirst dich von mir fernhalten, du wirst die Wache wechseln und du wirst aus meinem Leben verschwinden. Du wirst die Scheidungspapiere unterschreiben und zwar ohne Drama, wir werden nach unserer Scheidung komplett getrennte Wege gehen. Ab diesem Augenblick sind wir beide Fremde, hast du das verstanden Gabriela?!“

Mit hochachtungsvollem Blick sah Kelly seinen Freund an, der atemlos keuchte und sich verhalten auf die Lippe biss. Matt schien sein eigenes Verhalten fremdartig zu sein und Kelly konnte es sich nicht erklären, doch in diesem Moment fühlte er sich mehr als je zuvor von seinem Freund angezogen. Matt war unglaublich sexy wenn er aus der Haut fuhr, wenn er auf seine Meinung beharrte und auf den Tisch schlug.
„Matt das kann nicht dein Ernst sein“, flüsterte eine leise Stimme durch den Hörer, doch Matt war noch immer explosionsartig geladen und bellte erbost zurück, „doch das ist mein Ernst Gabby, das ist mein voller Ernst und du solltest dankbar sein. Es könnte auch anderes laufen, ich könnte auch zur Polizei gehen und ihnen alles erzählen. Wäre dir das lieber?“
Mit hochgezogenen Augenbraun besah Kelly seinen Freund und legte ihm eine Hand auf die Schulter, was Matt irritiert aufsehen ließ. Zwar war es erfrischend den Drehleiterführer so kontrolllos zu sehen, doch Kelly kannte seinen Kollegen. Matt sprach im Rausch und würde seine Worte im Nachhinein bereuen. Außerdem hatte der Captain ihn gebeten an seiner Seite zu sein, um ihm Halt zu geben und genau das würde Kelly tun. Er würde in Matts Interesse handeln.
Dankbar nahm Matt einen tiefen Atemzug und nickte ihm zu, „es ist mein Ernst Gabby, das sind deine Optionen. Entweder du gehst auf meine Forderungen ein, akzeptierst sie und setzt allem um, oder ich gehe zur Polizei und du kannst selbst versuchen deinen Hals zu retten.“
„Wie stellst du dir das vor? Wie soll ich Antonio…“, setzte die Sanitäterin an, doch Matt hielt dagegen, „das ist mir ehrlich gesagt egal. Du hast dich in diese Lage gebracht, hol dich selbst wieder raus. Weiter komme ich dir nicht entgegen. Rede mit Antonio, ich bin mir sicher, dass er dir helfen kann. Ich werde mein Wort halten und schweigen, sollte Atwater oder einer der anderen mich noch einmal zu dem Fall befragen, doch nur, wenn auch du dich an die Vereinbarung hältst!“
Auch ohne sie zu sehen, wusste Kelly das Gabby schäumte, das sie auf- und ablief, mit den Armen fuchtelte und Matt gerade die schlimmsten Flüche an den Hals wünschte.
„Das wirst du bereuen Matthew Casey!“, schrie sie erbost ins Telefon, bevor sie das Gespräch beendete und es still im Raum wurde.

Ausdruckslos sah Matt auf sein Handy, bevor er den Blick hob und Kelly anblickte, „das glaub ich nicht. Sie hat mir gerade nicht ernsthaft gedroht. Wieso nimmt sie meine Lösung nicht an, es ist das vernünftigste. Ich erwarte ja gar keine Dankbarkeit, doch wenigstens ein kleines bisschen Verständnis!“
Noch immer war Matt die Wut deutlich anzuhören, auch die Spannung im Raum war zum greifen und Kelly seufzte schwer, „du kennst sie. Lass Gabby darüber nachdenken und sich erst einmal beruhigen. Du hast in deinem und ihrem Interesse gehandelt und auch wenn ich erst der Meinung war, es sei eine idiotische Idee, hast du recht. Ihr habt viel miteinander durchgemacht, sie gehört nicht ins Gefängnis.“
Wieso er selbst plötzlich auf dieser alles-wird-gut-Welle schwamm wusste Kelly nicht, doch es war wie ein innerer Zwang gegensätzlich zu Matt zu reagieren. Sein Freund war so aufgewühlt, dass es Kelly schwer fiel ihn nicht einfach in den Arm zu nehmen und an sich zu drücken.
„Aaarg“, fluchte Matt und erhob sich plötzlich, „das ist doch echt… unglaublich!“, woraufhin der Rüstgruppenführer erneut grinsen musste, „jetzt beruhig dich doch.“
Es ging nicht anderes, der hohe Blutdruck tat Matt bestimmt nicht gut. Auch wenn er versprochen hatte seinem Freund nicht zu nahe zu kommen, musste er ihn irgendwie runterbringen, weshalb Kelly die Arme um ihn schloss, ihn dich an sich zog und entspannt auf seinem Rücken auf und ab strich.

Es war das erste Mal, seit ihrem Streit, dass er Matt so nahe war und es fühlte sich fantastisch an. Der Körpergeruch seines Freundes bohrte sich in Kellys Geruchnerven, er benebelte seine Sinne und ließ ihn ein taubes Klopfen hinter seinen Schläfen spüren.
Nur einen kurzen Moment wollte er es genießen, nur so lang, bis sein Freund sich abreagiert hatte. Es war nicht uneigennützig, doch er verfolgte keinen romantischen Hintergedanken, er wollte Matt zu nicht drängen oder überreden.
Als der Captain sich jedoch plötzlich ein Stück von ihm löste, Kelly in die Augen sah, sich zu ihm beugte und seine Lippen mit denen des Rüstgruppenführers verband, rutschte diesem das Herz für einen Moment bis tief in die Hose.
Dieser Aktion war so überraschend, so unvorhersehbar, dass Kelly nicht darauf regieren konnte. Erst als Matt seine Arme um das Genick des Lieutenants schlang, sich dicht an ihn drückten, ihre Lippen fester aufeinanderpresste und mit der Zunge hartnäckig um Einlass bettelte, erlange Kelly die Kontrolle über seinen Körper und auch sein Handeln zurück.
Auch wenn es ihm schwerfiel, schob er Matt ein stück von sich und sah ihm fest in die Augen, „was wird denn das?“
„Was denn? Du willst es doch, ich weiß es. Komm schon Kelly, lass mich das für dich tun“, entgegnete ihm der Feuerwehrmann atemlos und verschlug Kelly damit die Sprache.

Matt hatte ihm bei seiner Entschuldigung entgegengebracht, dass er ihm nicht das Gefühl vermitteln wollte zweite Wahl zu sein und zum ersten Mal, fühlte der Rüstgruppenführer sich genau so.
Es gab nur einen Grund wieso Matt ihn küsste, er wollte sich abreagieren, er wolle runterkommen und das mit einem Mittel, welches Kelly nicht nachvollziehen konnte. Der Feuerwehrmann hatte seinen Freund nie für egoistisch gehalten, doch diese Aktion war so eigennützig, dass er entsetzt einen Schritt zurück ging. Immerhin wusste Matt von Kellys Gefühle, er wusste das der Rüstgruppenführer in seinen Kollegen verliebt war und diesen Umstand versuchte er sich gerade für seine eigenen Zwecke zu Nutze zu machen.
Ungläubig schüttelte Kelly den Kopf, „nein Matt, du willst das nicht für mich tun und selbst wenn es so wäre, dann sind es die falschen Gründe!“ jetzt spürte auch Kelly Zorn, jetzt kochte auch in ihm die Wut, doch sie galt nicht Gabby, sondern Matt.
Er sah das harte Schlucken seines Freundes, wie die Unsicherheit in dessen Augen zunahm und als ein Anflug von schlechtem Gewissen sich über sein Gemüt schieben wollte, schob Kelly es beherzt beiseite, „ich bin doch nicht dein Spielball, du kannst mich nicht zum abreagieren benutzen. Matt verflucht komm endlich zu dir!“

Einen kurzen Moment herrschte absolute Stille zwischen ihnen. Matts Blick wechselte von verständnislos und wütend zu verletzte und entschuldigend, „nein bitte, so meinte ich das nicht. Kelly ich wollte nicht… ich wusste nicht was… bitte… es tut mir leid.“ Die plötzliche Verzweiflung in den Augen des Captains half Kelly sich selbst etwas zu beruhigen und seufzend ließ er sich zurück aufs Sofa fallen, „was sollte das Matt?!“
„Ich wollte nur… ich dachte… verflucht ich bin ein solcher Idiot. Ich war so wütend und plötzlich ist mir bewusst geworden, wie egoistisch ich bin. Du hast mir deine Gefühle gestanden, warst offen und ehrlich zu mir und ich hatte nichts Besseres zutun als dich in meinen Ehestreit hinein zu ziehen, wieder angerannt zu kommen und mich hinter dir zu verkriechen. Ich wollte dich nicht ausnutzen oder zum runterkommen missbrauchen. Das ist falsch rübergekommen. Verflucht, ich versteh mich selbst nicht. Plötzlich war da dieser Drang in mir, dieses Gefühl es dir irgendwie zurück zu geben. Gerade noch habe ich über Gabby und ihr selbstsüchtiges Verhalten nachgedacht und plötzlich bin ich mir selbst egoistisch vorgekommen.“
Zweifelnd sah Kelly seinen Freund an, „du hast das ernst gemeint? Dieses ~lass mich das für dich tun~? Es war nicht nur einfach im Affekt dahingesagt?“
Nickend setzte Matt sich neben ihn und seufzte, „ich kann dir wirklich nicht erklären, woher das plötzlich kam, ich habe nicht mal darüber nachgedacht, doch plötzlich war es einfach da. Es tut mir ehrlich leid Kelly, ich bin ein solcher Idiot!“

Die Wut in dem Körper des Lieutenants war ebenso schnell verraucht, wie sie gekommen war. Matt sprach zwar in Rätseln, doch was er sagte ergab Sinn, jedenfalls, wenn man den Feuerwehrmann besser kannte. Matt hasste es, jemandem etwas schuldig zu sein, er fühlte sich unzulänglich, hilflos und war Kelly für seine Hilfe mehr als dankbar. Er hatte nicht vor dessen Schwäche auszunutzen, er wollte ihn auf eine absurde Art viel eher belohnen. Doch das war nicht richtig, nicht in seinem momentanen Zustand.
„Du bist kein Idiot Matt und du brauchst mir auch nichts zurück zu geben. Wie oft muss ich dir noch sagen, dass ich das alles nicht tue, um dich zu beeindrucken, oder dich von meinen Gefühlen zu überzeugen. Ich tue das, weil du mein Freund bist und man Freunden in schweren Zeiten hilft, auch ohne Gegenleistung. Ich will nicht das du mich aus solchen Gründen küsst, oder sogar etwas anderes bereit bist zu tun. Ich will das du mich küsst, weil du mich küssen willst, weil du Gefühle für mich entwickelt hast“, versuchte Kelly zu erklären. Plötzlich fühlte er sich unglaublich müde. Dieses Gespräch hatte er schon so oft vor dem Spiegel geführt und in seiner Vorstellung hatte Matt jedes Mal negativ reagiert. Er wollte ihn zu nichts drängen, doch wie sollte er es ihm sonst begreiflich machen?

„Nach Gabbys Besuch musste ich nicht nur über meine Entscheidung nachdenken, sondern auch über das zwischen uns. Ich musst über dich nachdenken“, gab Matt plötzlich zu, woraufhin ihn Kelly überrascht ansah, „über mich?“.
Der Feuerwehrmann nickte, „ja, über alles was du in den vergangenen Wochen für mich getan hast, auch darüber wie nah wie uns gekommen sind. Ich weiß, du sagst immer wieder das ich dir nichts schulde und das ich nichts wiedergutmachen muss und dieses Gefühl habe ich auch nicht, ehrlich. Ich kann es dir nicht erklären, es ist seltsam und ich verstehe beim besten Willen nicht was da in mir vorgeht.
Du bist so… anders… als früher. Nicht schlechter, bitte fass das nicht negativ auf, doch früher warst du sehr Ich-bezogen. Zwar würde ich dich niemals als einen schlechten Freund bezeichnen, doch dein Verhalten war zum Großteil auf deinen eigenen Vorteil ausgelegt und das hat mich auch nie gestört. Du bist eben Kelly Severide.
Doch diese Seite, welche du mir in den letzten Wochen gezeigt hast, diese Hingabe mit der du mich unterstützt hast… Ich habe mich immer gefragt, wie eine Frau mit dieser Ich-bezogenen Art klarkommt, wenn sie mit dir in einer Beziehung ist und endlich weiß ich es. Du bist nicht so, wenn du liebst, du bist warmherzig, mitfühlend, zärtlich und beschützend. Du bist quasi der perfekte Freund und das alles zu verarbeiten ist mir schwergefallen. Ich weiß, dass das seltsam ist, doch in der Zeit, in der ich bei dir war, musste ich mir oft vorstellen wie es an deiner Seite wäre, wie es sein würde in dieser Rolle zu sein. Von dir beschützt und so liebevoll behandelt zu werden. Es hat mir gefallen, ehrlich gesagt hat es mich nicht einmal gestört, mich selbst in einer so femininen Rolle zu sehen. Ich hatte nicht das Gefühl dabei an Männlichkeit einzubüßen und das konnte ich nicht verstehen. Doch der Gedanke von dir gepackt und ins Schlafzimmer getragen zu werden, war so unglaublich erregend, dass er beinah schon ausreichte, um etwas in mir auszulösen…“, stockend brach Matt ab und Kelly konnte dabei zu sehen, wie der dunkle Schimmer auf seinen Wangen an Farbe gewann.

Ganz offensichtlich hatte Matt nicht vorgehabt, das Gespräch in diese Richtung laufen zu lassen, doch er war mit seinem Monolog noch nicht am Ende, „erst war es nur der Gedanke, welcher mich erregt hat, doch mit der Zeit kamen immer mehr dazu. Dann auch noch dieser bestimmte Wunsch den du mir erfüllt hat… In der Beziehung mit Gabby wäre das unmöglich gewesen und auch wenn es mich Unmengen an Überwindung gekostet hatte dich darum zu bitten, hast du mich nicht seltsam angesehen. Du hattest kein Urteil in den Augen, nicht mal Ekel. Ich hatte dich nie mit einem anderen Mann gesehen, nicht mal geahnt, dass du eine Beziehung mit einem Mann in Erwägung ziehen könntest und wenn ich ehrlich bin, habe ich über dieses Mann zu Frau und Frau zu Mann Thema kaum nachgedacht. Da warst einfach nur du, Kelly, der Typ, der mir diese seltsamen Gedanken bescherte. Ich habe versucht mich dagegen zu wehren und gleichzeitig habe ich sie genossen. Das ist total widersprüchlich, ich weiß, doch so war es.
Als wir dann auseinander gingen, als ich zu Gabby zurück ging, musste ich ständig an dich denken, an deine Beichte, an das was du mir gesagt hast und habe versucht mir einzureden, dass ich es einfach falsch verstanden hatte. Jedoch hat allein der Gedanke, es falsch verstanden zu haben, wehgetan.
Dann kam ich zurück, hab rücksichtslos deine Gefühle ignoriert und dich erneut um Hilfe gebeten und als du mir diese dann, ohne mit der Wimper zu zucken, geschenkt hast, hat mich das erneut verwirrt.
Kelly du hast immer nur zurückgesteckt, hast mich, trotz deiner Gefühle wieder aufgenommen und sogar versprochen sie kleinzuhalten, unserer Freundschaft zu Willen. Du warst immer für mich da, egal wie sehr du selbst darunter gelitten hast und ich Egoist habe blind die Augen davor verschlossen.
Keine Ahnung wann mir das alles klar geworden ist, doch als ich vorhin so dasaß und nachgedacht hab, ist mir das alles in den Sinn gekommen. Ich musste es dir einfach sagen, ich will das du weißt, das ich all diese Dinge registriert habe und ich will das du weißt, was in mir vorgegangen ist, als wir uns so nah waren.“

Atemlos sah Matt ihn an, doch Kelly wusste nicht was er sagen sollte. Die Worte seines Freundes kamen so überraschen, dass er nicht darauf vorberietet war, sie hauten ihn regelrecht um, „Matt ich… ich wollte nicht das…“
„Nein, das weiß ich, ich habe dir das auch nicht gesagt, um dein Gewissen in Gang zu setzen. Ich weiß das es dich bereits seit Wochen quält. Ich habe dir das gesagt, weil ich dich um Zeit gebeten habe und will, das du siehst, das ich diese Zeit nicht verschwende.
Du erregst mich Kelly, wenn du mich berührst, dann spüre ich den Wunsch, dir nahe sein zu wollen. Ich will das du mich anfasst, dass du mich streichelst, dass du mich auf die selbe Weise berührst, wie du es in den vergangenen Wochen getan hast. Da ist etwas, doch ich kann es nicht benenne. Es ist nichts rein Sexuelles, auch wenn ich mich äußerst wohl fühle, wenn wir diese Dinge tun.
Ich empfinde etwas für dich, der Wunsch dir nah zu sein, kann nicht rein Hormongesteuert sein, da bin ich mir sicher. Doch ich weiß nicht was ich empfinde. Ich weiß nicht ob ich dabei bin mich in dich zu verlieben. Ich wünschte, ich könnte dir endlich eine Antwort geben, ich könnte mich endlich entscheiden, doch diese ganze Situation mit Gabby hat mir gezeigt, wie wichtig es ist sich über seine Emotionen genau klar zu sein. Ich will dich nicht mit einer Voreiligen Entscheidung verletzen, verstehst du?“
Lächelnd legte Kelly Matt eine Hand aufs Knie, „natürlich versteh ich das, Matt ich habe versprochen dir alle Zeit zu geben die du brauchst. Werde dir in Ruhe über deine Gefühle klar, geh in dich und hör auf dein Herz. Ich habe es dir schon mal gesagt und ich wiederhole mich gern, egal wie du dich entscheidest, du wirst mich nie verlieren. Wir bleiben Freunde, auch wenn aus uns beiden niemals ein Paar wird.“ Das seine eigenen Worte den Rüstgruppenführer überraschten war nicht zu übersehen, was auch Matt ein Lachen abrang.

Seufzend richtete Kelly sich auf, „wenn ich dir bei deiner Entscheidung irgendwie behilflich sein kann, dann lass es mich wissen. Wenn du größeren Abstand zwischen und willst, wenn ich dir zu nahekomme oder dich verunsichere… Wir können… keine Ahnung, ich kann das Essen vorbereiten und mehr Zeit draußen verbringen?“
Sofort schüttelte Matt den Kopf, „nein, du verstehst mich falsch, ich will keinen größeren Abstand zwischen uns. Das was ich dir das gerade alles erzählt habe, die Tatsache, dass ich diese andere Seite an dir kennen gelernt habe… Es war wie ein völlig anderer Kelly, ein Typ, mit dem ich mir eine Beziehung vorstellen kann. Doch mein Kopf ist noch nicht überzeugt. Wie dem auch sei, ich will auf keinen Fall eine größere Distanz zwischen uns!“
Mit hochgezogenen Augenbraun sah er ihn an, „es war als würde ein ~neuer Kelly~ vor dir stehen? War dir mein Verhalten wirklich so fremd, dass du mich nicht wiedererkannt hast?“
Nickend versuchte Matt den schatten auf seinen Wangen zu verbergen, „ja, dieser Typ war anders, ein richtiger Beziehungsmensch, ein Mann zu dem ich mich hingezogen fühlte. Er warst du und gleichzeitig nicht, klingt total dämlich, ich weiß.“
„Nein, nein“, wehrte der Rüstgruppenführer ab, „damit kann ich arbeiten. Was wenn du diesen Typen besser kennen lernen würdest, den Kerl, mit dem du dir eine Beziehung vorstellen könntest, der Typ, der etwas in dir weckt, bei dem es sich um Gefühle handeln könnte?“

Unsicherheit lag auf Matts Zügen, „worauf willst du hinaus?“ und Kelly konnte sich das Grinsen nicht verkneifen, „lass uns Urlaub machen Matt. Lass uns irgendwo hinfahren, vielleicht ans Meer und ich stelle dir diesen Typen vor. Verbring außerhalb deiner gewohnten Umgebung etwas Zeit mit ihm, lern ihn kennen und dann entscheide was du willst. Ich hab versprochen dir alle Zeit zu geben die du brauchst, doch ich bin gern bereit ein bisschen nachzuhelfen.“
„Urlaub?“, fragte Matt ungläubig und starrte Kelly mit großen Augen an. Wieder konnte dieser nur nicken, „ja, ich habe Unmengen an Überstunden angesammelt und auch noch Resturlaub. Lass uns für drei oder vier Wochen wegfahren, nur du und ich. Wir lernen uns kennen und denken beide darüber nach, ob das zwischen uns wirklich etwas werden könnte. Ich bin mir sicher, den Beziehungs-Casey auch noch nicht richtig zu kennen.“ Dabei musste Kelly grinsen und in seinen Augen lag eine solche Euphorie, dass er Matt damit regelrecht ansteckte, „klingt eigentlich nach einer guten Idee, doch willst du deine Überstunden und deinen Urlaub wirklich für das hier verschwenden?“, dabei hob Matt seine bandagierten Hände und wirkte wehmütig.
„Ja das will ich Matt, es wird nicht anderes wie jetzt auch. Ich helfe dir bei allem wobei du Hilfe benötigst und die Meeresluft könnte deiner Heilung vielleicht sogar guttun. Was meinst du?“, die Idee war nicht geplant, es war ein spontaner Einfall, doch Kelly spürte bei dem Gedanken an Matt und ihn am Strand, relaxend und entspannt, nichts als reine Vorfreude.
Nachdenklich musterte Matt ihn und für einen kurzen Augenblick sank Kellys Hoffnung, doch als sich ein Lächeln auf die Lippen des Captains legte, er nickte und ihm ein, „also gut, fahren wir in Urlaub!“, entgegenbrachte, schlag Kelly die Arme um seine Schulter und ließ seiner Freude freien Lauf.
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