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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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09.08.2020 4.779
 
Kapitel 21 – durch Klärung beruhigt


Kaum war die Bitte an sein Ohr gedrungen, hatte Kelly auch schon das Handy in seine Hosentasche geschoben, den Schlüssel gegriffen und sprang ins Auto.
Überhitzt raste er in viel zu hohem Tempo durch die halbe Stadt. Ampeln, Blitzer, hupende Verkehrsteilnehmer, das alles interessierte ihn nicht.
Matt hatte darum gebeten abgeholt zu werden, er klang schrecklich, verzweifelt, aufgewühlt und Kelly brauchte nur den Bruchteil einer Sekunde, um der Bitte nachzukommen.
In den vergangenen zwei Wochen hatte er sich der dunklen Seite seiner Seele hingegeben, trank zu viel und hing seinen Depressionen nach.
Einige Abende versuchte er sich sogar mit wildfremden Frauen abzulenken, doch es ging nicht. Sobald er sich ihnen näherte, sobald er in Erwägung zog sie zu küssen, oder zu berühren, erschien Matts Lächeln vor seinem inneren Auge.
Es war zu verzweifeln, er konnte kaum Atmen, fühlte sich wie ein ertrinkender an Land und jeglicher Versuch diese lähmenden Emotionen loszuwerden scheiterte kläglich.
Der Feuerwehrmann hatte sich so weit wie möglich von Gabby ferngehalten, auch wenn beinah jeder Gedanke Matt und seinem Wohlergehen geschuldet war, sprach er sie nicht an.
Vermutlich hätte die Sanitäterin ihm sowieso nichts erzählt, die Blicke welche sie Kelly zuwarf genügten ihm. Sie waren schon oft verschiedener Meinungen gewesen, gerieten hin und wieder aneinander, doch so verachtend, mit so unglaublich viel Hass in den Augen, hatte ihn die junge Frau nie zuvor angesehen.

Ganz offensichtlich wollte Gabby nicht, dass er auch nur das kleinste bisschen über ihren Mann erfuhr. Sobald Kelly den Raum betrat hörte sie auf zu sprechen, wenn es sich jedoch nicht vermeiden ließ, sprach sie so leise, dass er unmöglich etwas verstehen konnte. Durch Cruz hatte der Rüstgruppenführer erfahren, dass sie auch den anderen untersagt hatte, ein Wort über Matt zu verlieren und auch wenn Kelly sich nicht erklären konnte mit welchen Mitteln sie seine Kollegen zum Schweigen gebracht hatte, erlag er nicht dem Drang ihr Verbot zu umgehen.
Bis vor ein paar Tagen hatte Kelly es sogar gut gefunden, so wenig wie möglich über Matt in Erfahrung zu bringen. Dieses ganze Durcheinander, der dichte Nebel in seinem Kopf, lichtete sich, je länger der Kontakt zwischen den beiden Feuerwehrmännern pausierte und auch wenn die Depressionen mit jeder Stunde schlimmer zu werden schienen, zwang er sich, sich nicht in das Leben seines Freundes einzumischen.
Matt hatte eine Entscheidung getroffen und diese musste Kelly akzeptieren, so schwer es ihm auch fiel.
Um so überraschte war der Lieutenant, als er den Namen seines besten Freundes auf dem Display lass.

Mit angehaltenem Atem hatte er die Strecke in nicht einmal der Hälfte der üblichen Zeit zurückgelegt und sprang mit gestrecktem Körper aus dem Wagen, ehe dieser vollständig zum Stehen gekommen war.
Matt saß auf einer Bank am Gehweg, er sah furchtbar aus, doch das erste was Kelly auffiel war, dass sein Kollege keine Schuhe trug.
„Matt“, flüsterte er atemlos und als der Captain den Kopf hob, sich ihre Blicke trafen und Kelly spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror, keuchte er erschrocken.
Matt trug nichts als eine Jogginghose und ein ausgeleiertes T-Shirt, seine Haare wirkten feucht, vielleicht aber auch fettig und seine letzte Rasur musste Tage her sein. Sofort erinnerte Kelly sich an den Anblick seines Freundes, als er ihn das erst mal in einem solch verwahrlosten Zustand begegnet war. Diesmal war es zwar nicht ganz so schlimm, doch Matt hatte eindeutig schon bessere Tage gesehen.

Ohne etwas zu sagen erhob sich der Feuerwehrmann mit den blonden Haaren, ging zu Kellys Auto und blieb vor der Beifahrertür stehen, bis dieser sie ihm öffnete und der Drehleiterführer kommentarlos einsteigen konnte.
Noch immer überrascht und auch erschrocken vom Anblick seines Kollegen brachte auch Kelly kein weiteres Wort heraus. Stumm setzte er sich zurück hinters Steuer, half Matt den Anschnallgurt zu schließen und startete den Wagen.
Einen kurzen Moment rang er mit sich, nicht doch etwas zum Zustand seines Freundes zu sagen, entschied sich dann aber dagegen und fuhr los.
Die Fahrt war beunruhigend schweigsam, zwischen ihnen hing eine unsichtbare Wand aus den verschiedensten Emotionen und als Kelly bewusst wurde, dass er überhaupt nicht wusste wie er Matt entgegentreten sollte, spürte der Rüstgruppenführer Übelkeit seine Speiseröhre hinaufkriechen.
In den vergangenen Tagen hatte er sich so sehr ein Lebenszeichen seines Freundes gewischt, dass er ganz vergessen hatte darüber nach zu denken, was er ihm, im Falle eines Gespräches sagen sollte.
Immerhin stand noch immer dieser ungeklärte Moment zwischen ihnen, dieser schreckliche Augenblick, in dem Kelly ihm seine Gefühle gestanden hatte.
Doch ganz offensichtlich war das gerade Matts kleinste Sorge, er Stand schließlich nicht aus Spaß barfuß und spärlich bekleidet auf der Straße und hatte seinen Freund mit verzweifelter Stimme gebeten ihn abzuholen und das, nachdem sie zwei volle Wochen keinen Kontakt hatten.

Geübt parkte Kelly den Wagen vor seiner Wohnung, lief in Windeseile um das Auto und öffnete Matt die Tür, welche sofort ausstieg und sich mit gesenktem Blick an ihm vorbeidrückte. Es war ihm unangenehm, diese ganze Situation war dem Drehleiterführer so unangenehm, dass er es nicht schaffte Kelly in die Augen zu sehne.
Erst als die beiden Feuerwehrmänner in der Wohnung ankamen, Kelly die Tür hinter sich schloss und seufzend den Schlüssel in die Schale daneben fallen ließ, drehte Matt sich wie von der Tarantel gestochen um und starrte ihm direkt in die Augen.
Noch bevor Kelly seiner Verwunderung über diese Aktion Ausdruck verleihen konnte, redete Matt auf ihn ein, „es tut mir leid, das alles tut mir unheimlich leid. Ich war ein solcher Idiot Kelly und ich weiß, dass ich weder deine Vergebung, noch deine Hilfe in Anspruch nehmen dürfte. Ich war ungerecht, gemein, unfair und ein riesiger Feigling. Wie ein Trottel habe ich blind weggesehen, habe nicht auf meinen Instinkt gehört und dir den Rücken zugekehrt. Du hattest nicht einmal die Gelegenheit etwas zu dieser ~Sache~ zu sagen, ich habe dir keine Chance zur Erklärung gelassen und das nur weil ich ein Feigling bin. Die Wahrheit aus deinem Mund zu hören hat mich starr vor Angst um unsere Freundschaft weglaufen lassen und ich kann nicht in Worte fassen, wie leid es mir tut.“ Matt überschlug sich beim Sprechen regelrecht, er holte zwischen den Wörtern nicht mal Luft, weshalb er kurz pausieren musste, keuchte und noch bevor er fortfahren konnte, hob Kelly beide Hände und lächelte, „hey, jetzt beruhig dich erst mal. Setzten wir uns und reden in Ruhe darüber.“ Wieso der Rüstgruppenführer das vorschlug wusste er nicht, was sollte er Matt entgegenbringen, wie sollte er ihm diese irrsinnigen Worte erklären?
Lügen? Nein! Kelly war sich mittlerweile einer Sache bewusst geworden, ein weiteres leugnen seiner Gefühle machte keinen Sinn. Er hatte sich in Matt verliebt und konnte nicht mehr so tun, als seien diese Gefühle nicht existent.

Kopfschüttelnd ruderte Matt mit den Armen und sofort fielen Kelly die dunklen Ränder an seinen Verbänden auf, doch bevor er seinem Zorn über die Sorglosigkeit der angeblich perfekten Sanitäterin nachkommen konnte, verfiel Matt erneut in einen Redefluss, „ich kann mich nicht beruhigen, ich habe dir Unrecht getan und war ein solches Scheusal. In den vergangenen zwei Wochen ist kaum ein Tag vergangenen, an dem ich nicht an dich denken musste, an dem ich dich nicht vermisst habe und an dem ich keine Angst hatte, das wir nie wieder Zigarre rauchend vor der Wache sitzen würden, um Männergespräche zu führen. Deine Freundschaft bedeutete mir unendlich viel und ich weiß wie das ganze gerade für dich aussehen muss, doch glaub mir bitte Kelly, du bist auf keinen Fall zweite Wahl, ich habe nur unheimlich lang gebraucht um zu erkennen, dass es nicht allein deine Aufgabe ist, für diese Freundschaft zu kämpfen.“
Mit offenem Mund starrte er Matt direkt in die Augen. Zweite Wahl? Keinen Gedanken hatte er bisher an diese Möglichkeit verschwenden und niemals hätte er seinem besten Freund so etwas unterstellt. Matt musste tatsächlich ein unheimlich schlechtes Gewissen haben, wenn er sich so einen Schwachsinn einredete.
Entschlossen packte er seinen Freund an den Schultern und schob ihn zum Sofa, wo er Matt platzierte und, nachdem er zwei kühle Bier aus dem Kühlschrank geangelt hatte, neben ihm platznahm.

„Darf ich jetzt auch mal etwas dazu sagen?“, er klang nicht wütend, viel eher belustigt und auch etwas irritiert. Matt sprach seltsam, diese Worte passten nicht zu ihm und es gefiel dem Rüstgruppenführer ganz und gar nicht, dass sein Freund diese erdrückenden Schuldgefühle in sich trug. Doch auch die Beharrlichkeit, ihre Freundschaft könnte verloren sein, verwirrte den Feuerwehrmann. Zwar war er selbst nicht sicher ob er, in Anbetracht seiner Gefühle, jemals wieder wie früher mit Matt umgehen könnte, doch auf keinen Fall würde er freiwillig ihre Freundschaft aufgeben.
Kelly erkannte deutlich, wie Matt mit angehaltenem Atem zu Schucken versuchte, bevor er nickte und sich seine Schultern versteiften.
Seufzend lächelte der Feuerwehrmann, „du hast vollkommen Recht, ich schulde dir eine Erklärung, vielleicht erwartest du sogar eine Entschuldigung“, kaum hatte Kelly die Worte ausgesprochen, schüttelte Matt bereits kräftig mit dem Kopf, doch jetzt war erst mal er dran, „ich würde dir gern sagen, dass ich nicht wusste was ich da von mir gab und in gewisser Weise stimmte das vielleicht sogar, doch in Wahrheit, kann ich es nicht zurück nehmen. Eigentlich will ich das auch gar nicht, denn es ist genau das, was ich empfinde. Ich weiß, dass das ein Schock für dich sein muss und erklären kann ich es nicht, doch es stimmt. Ich habe mich in dich verliebt, Matt.“
Die Worte waren raus und Kelly spürte, wie ihm ein Stein vom Herzen fiel. Die Last, welche seine Seele in den vergangenen Tagen regelrecht zermartert hatte rutschte ab, ließ ihn freier Atmen und sogar ein ehrliches, kleines Lächeln bildete sich auf seinen Lippen.

Endlich schwieg Matt und machte auch keine Anstalten, ihm erneut ins Wort zu fallen. Scheinbar hatte er mit dieser Offenheit, seitens des Rüstgruppenführers, nicht gerechnet, weshalb Kelly seufzend fortfuhr, „doch das ändert nichts an der Freundschaft die ich für dich empfinde und ich weiß auch, dass du meine Gefühle nicht teilst. Deine Freundschaft ist mir wichtig Matt, sie ist mir wichtiger als romantische Gefühle, Verliebtheit oder der Reiz, den du auf mich ausstrahlst. Ich will und kann dieser Freundschaft nicht verlieren und deshalb bitte ich dich, mich nicht aufzugeben. Ich verspreche dir mich zurück zu halten, die nötige Distanz zwischen und zu bringen und absolut nichts mehr zu versuchen. Glaub mir, ich würde eher freiwillig den Feuertod sterben, als dich in eine unangenehme Lage zu bringen.“
Das war es, jetzt war wirklich alles raus. Die Karten lagen offen auf dem Tisch und Kelly wartete gespannt auf die Reaktion seines besten Freundes.
Im Stillen rechnete der Lieutenant jedoch bereits mit dem schlimmsten und in Anbetracht der Tatsache das Matt ihm nicht länger in die Augen sehen konnte und schwieg, fühlte er sich in seiner Befürchtung erschreckend bestätigt.

„Es tut mir leid“, flüstert Matt plötzlich mit belegter Stimme, woraufhin Kelly ihn verwundert ansah, „dir tut es…“, doch der Rüstgruppenführer konnte den Satz nicht beenden, „ja, es tut mir leid Kelly. Ich mache es dir unnötig schwer, quäle dich und nehme keine Rücksicht. Eigentlich wusste ich es längst, auch wenn ich die ganze Zeit versucht habe mich selbst vom Gegenteil zu überzeugen, war da diese Ahnung. Trotzdem habe ich dich angerufen, trotzdem habe ich dem Wunsch nachgegeben, dir nah zu sein, nehme deine Hilfe schon wieder egoistisch in Anspruch und das tut mir leid.“
Es waren klare Worte, sie symbolisierten Kelly, was er bereits befürchtete und auch wenn er sich innerlich bereits versuchte hatte darauf einzustellen, taten sie unglaublich weh. Matt empfand nichts für ihn und das würde er auch nie. Doch wenn er schon auf die Liebe seines besten Freundes verzichten musste, dann wollte er wenigstens seine Freundschaft zu dem Drehleiterführer retten.

„Ist schon gut Matt, ich verstehe das und wie gesagt werde ich…“, doch wieder kam Kelly kaum zu Wort, denn erneut schüttelte Matt den Kopf und grätschte dazwischen, „ich kann und will nicht abstreiten, dass das was wir getan haben, die Art wie du mich berührt hast, eine Erregung in mir ausgelöst hat, die ich bisher nicht kannte und auch nicht verstehe. Ich weiß das ich nicht so empfinden sollte, schließlich bin ich ein verheirateter Mann, doch da ist etwas… etwas das ich versucht habe zu verdrängen und das jetzt, nachdem du mir gegenüber so ehrlich warst, immer realer wird.“
Jetzt war es Kelly, der seine Gewissen spürte und für einen Moment sogar bereute, Matt seine Liebe gestanden zu haben, doch dieser redete unbehelligt weiter und Kelly beschlich der Gedanken, das Matt so eisern an seinen Worten festhielt, weil er den Mut dazu kein weiteres Mal aufbringen würde, „du erregst mich, deine Berührungen erregen mich und wenn ich versuche mit meiner Frau intim zu werden, geht das nur, wenn ich dabei dein Gesicht vor Augen habe. Das ist nicht richtig, so sollte es nicht sein, doch ich bin nicht blöd und weiß, dass das etwas zu bedeuten hat. Momentan kann ich nicht sagen was es ist, ob ich dabei bin ebenfalls Gefühle für dich zu entwickeln, oder ich unterbewusst versuche meine Ehe zu sabotieren, weil ich endlich erkannt habe, dass es ein sinnloses Unterfangen ist, sie krampfhaft retten zu wollen.
Wie dem auch sei, ich kann es zum momentanen Zeitpunkt einfach nicht benennen und hoffe, dass du noch etwas mehr Geduld aufbringen kannst. Ich möchte diese neuartigen Gefühle und Gedanken verstehen, bevor ich mich für irgendetwas entscheide oder mich auf irgendetwas einlasse. Es ist eine lebensverändernde Entscheidung und darum bitte ich dich, mir noch etwas Zeit zu geben.“

Das dumpfe Gefühl in Kellys Magen breitete sich in seinem gesamten Körper aus, er konnte die Worte, welche Matt von sich gab, kaum glauben und biss angestrengt auf seine Unterlippe. Matt zog tatsächlich in Erwägung Gefühle für ihn entwickelt zu haben und auch wenn er zugab diese nicht einordnen zu können, nicht mal wusste ob es rein sexuelle, oder doch auf irgendeine Weise romantische sein könnten, breitete sich eine unbändige Freude in Kelly aus. Alles in ihm schrie zur Hoffnung, trieb ihn aus der Dunkelheit hinaus ins Licht und als ein watteartiger Schleier sich um sein Herz legte, nickte er entschlossen, „du bekommst alle Zeit der Welt Matt und ich kann mich nur wiederholen. Ich werde dich nicht bedrängen, halte Abstand und bringe dich nicht in eine unangenehme Lage. Egal wie du dich entscheidest, ich will und werde immer dein Freund sein!“
Über seine eigenen rührseligen Worte überrascht strich Kelly seinem Kollegen über die Schulter, bevor er ein Stück zurück rutschte und einen großen Schluck von seinem Bier nahm.
Auch Matt versuchte sich ein Lächeln auf die Lippen zu quälen, scheiterte jedoch kläglich, was Kelly mitleidig stimmte. Matt wünschte sich ihre Freundschaft, er wünschte sich Normalität und Zeit und genau das würde Kelly ihm bieten!

„Du hast gesagt, dass du erkannt hast, dass der Kampf um eure Ehe sinnlos ist. Wie hast du das gemeint, hat das etwas mit deinem Anruf und das du Barfuß auf der Straße standest zu tun?“, der Rüstgruppenführer gab sich alle Mühe, so normal wie möglich zu klingen. Ein Gespräch unter Männern, das war genau das, was Matt brauchen würde.
Vorsichtig nickte dieser, bevor er die Augen schloss und sich angespannt gegen die Sofalehne sinken ließ. Das der Captain längst bemerkt haben musste, was Kelly mit der lockeren Art zu sprechen beabsichtigte, war diesem klar und in Matts Zügen konnte er deutlich die daraus resultierende Dankbarkeit erkennen.
„Ich habe sie zusammen gesehen, Gabby und Halloweight. Sie leugnet es zwar, doch ich bin mir sicher, dass er sie geküsst hat. Scheinbar glaubt dieser Kerl mich in allen Lebensbereichen vertreten zu müssen. Heute Morgen hat er Gabby nach Hause gefahren und bevor sie ausstieg konnte ich deutlich erkennen, wie er sich zu ihr gebeugt hat, sie hat ihre Arme um seinen Nacken gelegt und… den eigentlichen Kuss konnte ich nicht sehen, aber ich bin mir absolut sicher. Natürlich habe ich sie direkt darauf angesprochen und erst war sie sauer, doch beinah im nächsten Augenblick total lieb und freundlich. Kein Schreien, kein Toben, gar nichts, stattdessen hat sie mir einen haarsträubenden Vorschlag unterbreitete.
Sie hat angeboten, auf ~andere Art~ schwanger zu werden und dann könnten wir einfach behaupten, es sei mein Baby. Gabby ist wirklich der Meinung das damit all unsere Probleme geklärt wären. Sie wäre Mutter, ich Vater und ganz nebenbei könnte sie ihrer Familie beweisen, dass ein Kind sehr wohl in der Lage ist, eine Ehe zu retten.
Das war der Moment indem ich es erkannt habe und in dem ich mich so richtig mies gefühlt habe“, seufzend hielt Matt inne und Kelly konnte die Feuchtigkeit in seinen Augen erkennen, schwieg jedoch gespannt, „du hast mir das ganze schon einmal erzählt und ich hatte nichts Besseres zu tun, als sie in Schutz zu nehmen und blind die Augen zu verschließen. Ich habe dich sogar angeschrien. Doch es ist wahr, es ist alles wahr, diese Ehe hat keine Basis mehr, sie lässt sich nicht retten!“
Matt klang so entschieden, dass Kelly nicht anderes konnte, als ihn hochachtungsvoll anzusehen.

„Du hast dich also entschieden, was Gabby und eure Zukunft angeht?“, seine Stimme klang mitleidiger als beabsichtigt, doch Matt schien das nicht zu bemerken. Seufzend nickte er, „ich denke schon, ich weiß einfach nicht, in wie fern das Ganze noch Sinn ergibt. Wir können doch kein Kind bekommen nur um unsere Ehe zu retten, wobei ich ja nicht mal weiß, wie es ohne Kind weiter gehen sollte.“
„Ich vermute, das Gabby nicht mit sich reden lässt was dieses Thema angeht, hat sie in den vergangenen Wochen denn immer noch so beharrlich versucht, dir näher zu kommen?“, er wählte seine Worte geschickt, denn auch wenn Kelly sich mühe gab, ein normales Männergespräch zu führen, brannte ihm die Neugier auf der Seele. Immerhin hatte Matt in seinem Redeschwall erwähnt, dass er sich Kellys Gesicht vorstellen musste, als er und Gabby intim wurde, was nur bedeuten konnte das sie intim gewesen waren.
Unsicher nickte der Drehleiterführer, „ja, zuerst konnte ich nicht, doch als ich sie zusammen gesehen habe, da war da dieses Gefühl. So etwas wie Eifersucht und die Stimme in meinem Kopf hat mir zugeschrien, wenn ich Gabby nicht an diesen Großkotz verlieren will, dann muss ich es durchziehen. Doch als es dann soweit war, empfand ich nichts, es hat sich nichts… aufgebaut, wenn du verstehst? Erst bei dem Gedanken an di…“, Matt beendete den Satz nicht, sondern starrte Kelly mit großen Augen an, als könnte er selbst nicht glaube wie Rücksichtslos seine Worte waren.
Lachend schüttelte der Angesprochene den Kopf, „versteh schon, das heißt, du hast mit ihr geschlafen und das nachdem du dachtest sie hätte den Captain geküsst? Und was meinst du mit ~dieses Gefühl~?“
„Ich kann es nicht recht beschreiben, es hat sich angefühlt wie Eifersucht. Als ich vor zwei Wochen auf die Wache kam und diese überstürzte Entscheidung getroffen hatte, wieder nach Hause zu gehen, war da auch dieses Gefühl. Gabby verstand sich hervorragend mit Halloweight und ich fühlte mich minderwertig, so als werte sich alles in mir gegen den Gedanken, ihm unterlegen zu sein. Ich bin mir nicht sicher ob es wirklich Eifersucht ist, vielleicht ist es auch der Drang, nicht gegen ihn zu verlieren. Aber ja, ich habe mit ihr geschlafen, wenn man das so nennen kann. Diesen irrwitzigen Vorschlag, welcher mir endgültig die Augen geöffnet hat, brachte sie mir erst danach entgegen.“

„Krass“, antwortete der Rüstgruppenführer trocken, denn auch wenn es ihm gelang sein Äußeres ruhig und ausgeglichen wirken zu lassen, tobte in seinem Inneren ein regelrechter Hurrikan. Jetzt war er es der Eifersucht empfand, Gabby hatte Matt tatsächlich verführt, andererseits hatte sein Freund zugegeben, wenn auch indirekt, nur mit dem Gedanken an seine Person mit ihr schlafen zu können.
„Vielleicht ist es wirklich keine Eifersucht, sondern einfach Siegeswillen. Immerhin sitzt er auf deiner Position und eventuell glaubt dein Unterbewusstsein, das er dort auch bleiben könnte. Doch sollte dem so sein, lass dir sagen Matt, Boden würde dich nie durch diesen Lackaffen ersetzen. Du bist Drehleiterführer, du gehörst zur Familie, du bist Teil der 51!“, der Lieutenant hatte nicht geglaubt das extra erwähnen zu müssen, doch scheinbar beschäftigte Matt seine berufliche Zukunft mehr als er zugab, auch wenn er es bisher mit keinem Wort erwähnt hatte.
Als er die Unsicherheit in Matts Augen sah, lächelte Kelly schließlich, „wir vermissen dich alle Matt und wollen das du so schnell wie möglich zurückkommst!“
„Danke“, lächelte dieser zurück und schloss kurz die Augen, „aber noch mal wegen der Eifersucht. Du glaubst also, dass es gar keine normale Eifersucht ist, jedenfalls im Bezug auf Gabby, sondern viel eher auf meine Position?“
„Ja, das könnte ich mir vorstellen, es passt einfach besser zusammen. Du kannst deiner Frau nicht nahe sein, jedenfalls nicht so wie es für ein Ehepaar üblich ist, du hast eine eindeutig angestaute Wut auf sie und gleichzeitig bist du eifersüchtig, wenn sie sich mit Halloweight unterhält? Vielleicht irre ich mich auch, keine Ahnung.“
Nachdenklich seufzte Matt und Kelly erkannte, wie angestrengt er nachzudenken versuchte.

Ergeben lächelte der Rüstgruppenführer, „hey, jetzt zermartern dir nicht das Hirn. Kommt Zeit kommt Rat. Es war ein langer und auch anstrengender Tag, du bist doch sicher müde?“
Eigentlich war es eine rhetorische Frage, erstens weil es mittlerweile recht spät geworden war und zweitens zeigten Matts winzige Augen deutlich, dass er tatsächlich sehr müde sein musste.
Angestrengt nickte der Feuerwehrmann, „ja, bin ich tatsächlich und mein Kopf droht zu explodieren. Vielleicht sollte ich mich wirklich etwas ausruhen. Danke Kelly, für wirklich alles. Ich weiß das ich es schon gesagt habe, aber ich muss es einfach noch mal deutlich machen. Ich weiß nicht was ich ohne dich tun würde und bin unheimlich froh einen Freund wie dich zu haben!“
Der Lieutenant hatte für einen Tag mehr als genug Rührseligkeiten von sich gegeben, auch wenn Matts Worte wie Zucker für seine Seele waren, konnte er nicht länger damit umgehen.
Freundlich lächelnd nickte er Matt zu, erhob sich und wirkte einen Augenblick unentschlossen. Kelly hatte versprochen sich von Matt fern zu halten, ihn nicht mehr in unangenehme Situationen zu bringen, was jedoch bedeutete, dass sie ihr übliches Verhalten ändern müssten.

Der Captain schien seine Gedanken zu lesen, peinlich berührt sah er zum Gästezimmer, „ich werde dort schlafen und sollte mich auch allein fertig machen können. Zwar wäre es vermutlich besser, wenn du dir noch mal meine Hände ansiehst, doch könnten wir das auf morgen verschieben? Ich bin wirklich fertig und spüre erst jetzt, wie sehr der Tag mich geschlaucht hat.“
Ein riesiger Stein fiel Kelly vom Herzen. Es war ihm unangenehm die Sache von sich aus anzusprechen und auch wenn er sich wünschte, Matt würde die Nacht in seinem Arm verbringen, war er vernünftig. Für sie beide war die räumliche Trennung besser und das Matt es ausgesprochen hatte, kam ihm mehr als gelegen, „ja natürlich, doch sollte irgendetwas sein, komm einfach in mein Zimmer oder rufe laut, klar?“
Dankbar nickte Matt ihm zu und verschwand ohne ein weiteres Wort zu sagen.  
Einen Moment sah Kelly ihm nach, bevor er sich seufzend aufs Sofa fallen ließ und die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Was ein verrückter Tag, niemals hätte er heute Morgen damit gerechnet, dass er noch am selben Abend Matt in seiner Wohnung willkommen heißen durfte. Es fühlte sich wie ein Sieg an, ein Sieg, für den er innerlich erbittert gekämpft hatte und Matts Worte machten ihm Hoffnung. Sie ließen etwas in Kelly erblühen, von dem er dachte, es befände sich nicht länger in ihm.

Seit Matt die Wohnung verlassen hatte, war Kelly sich selbst nicht mehr nützlich gewesen. Auch wenn er quasi Profi darin war und im Laufe seines Lebens gelernt hatte jeden Gedanken während einer Selbstbehandlung präzise zu steuern, konnte er sich dem berauschenden Kribbeln in den letzten beiden Wochen nicht hingeben. Doch jetzt war Matt wieder da, sein Lächeln, seine Körper, sein gesamtes Wesen. Er schlief, eigentlich war es ein günstiger Zeitpunkt, Kelly könnte sich heimlich still und leise dem Verlangen hingeben, er könnte sich all die Dinge, welche sie gemeinsam getan hatten, in Erinnerung rufen und davon zehren.
„Nein, reiß dich zusammen! Du hast es versprochen, gib ihm die Zeit die er braucht“, rief der Feuerwehrmann sich selbst in Erinnerung und schloss vernichtend die Augen. Würde er sich den Gedanken jetzt hingeben, würden Gefühle in ihm aufflammen und an Gewicht gewinnen, die er eventuell nicht kontrollieren konnte. Es musste nicht jetzt sein, nicht auf Teufel komm raus. Er würde merken, wenn die Zeit gekommen war, loslassen zu können. Wenigstens für den Moment musste Kelly sich beherrschen und Herr seiner Sinne bleiben, auch wenn alles in ihm nach Freiheit schrie. Etwas mehr Selbstkontrolle würde ihm sicher nicht schaden!

Das rüttelnde Scharben des vibrierenden Handys auf dem Wohnzimmertisch holte ihn in die Realität zurück und als Kelly es sich bereits ans Ohr halten wollte, erkannte er das es gar nicht sein eigenes war.
Matt hatte sein Telefon liegelassen, vermutlich absichtlich um nicht durch einen Anruf oder Gabbys unermüdliche Penetration aus dem Schlaf gerissen zu werden.
Einen Umstand den Kelly durchaus verstehen konnte, Matt hatte den Schlaf wirklich dringend nötig.
Nach einem Blick aufs Display warf er den Gedanken, den Anruf zu ignorieren, beiseite.
Kevin Atwater rief Matt sicher nicht an, um ihm eine gute Nacht zu wünschen und sofort war Kelly hellwach, aufmerksam und aufnahmebereit.
Schließlich gab es seit dem missglückten Entführungsversuch keine Fortschritte bei den Ermittlungen und dieser Anruf war mehr als überfällig. Auch wenn es Kelly nicht zustand, hatte er in den vergangenen zwei Wochen öfter als nötig im Polizeirevier gestanden und war den Polizisten auf die Nerven gegangen, wieso diese den Fall nicht endlich abschließen konnte und ob es neue Hinweise, Spuren, oder Verdächtige gab. Das Phantombild hatte rein gar nichts gebracht, ihre Aussagen nach dem zweiten Entführungsversuch hatten rein gar nichts gebracht und langsam bezweifelte der Rüstgruppenführer, dass die Polizisten wirklich all ihr Können in die Aufklärung des Falles investierten.

„Severide“, meldete sich Kelly mit tiefer Stimme und konnte die Verwirrung des Polizisten spüren, auch ohne ihn zu sehen, weshalb der Feuerwehrmann schnell hinterher schob, „Casey schläft bereits. Was kann ich für dich tun Atwater?“
Noch immer klang dieser nicht sicher, doch als er sich verhalten räusperte platzte Kelly der Kragen, „jetzt spuck es schon aus, oder glaubst du mich geht das ganze nichts an? Immerhin war ich dabei als sie ihn entführen wollte, also wie ist der Stand der Ermittlungen?“
Woher die plötzliche Wut kam wusste Kelly nicht, vermutlich lag es jedoch daran, dass er sich während des Gespräches mit Matt vorbildlich gelassen verhalten hatte, auch wenn sein Inneres wie ein Vulkan brodelte. Vielleicht war es jedoch auch all die aufgestaute Wut der vergangenen zwei Wochen, welche sich, ungerechterweise, ausgerechnet an dem freundlichen, immer lachenden Polizisten entlud.
„Jaja, beruhig dich Severide. Wir müssen mit Casey sprechen um uns einen Verdacht zu bestätigen, es geht um einen Namen, mehr darf ich dir nicht sagen. Kannst du ihm ausrichten, dass er mich morgen zurückrufen soll?“, trotz der harschen Art, in der Kelly den Officer angegangen war, klang dieser freundlich. Kevin war ein guter Polizist und hatte eine solche Behandlung nicht verdient, weshalb Kelly entschuldigend seufzte, „klar, richte ich ihm aus. Willst du mir den Namen nicht schon mal sagen, dann kann ich ihn direkt fragen und wenn er darüber nachgedacht hat, ruft er dich zurück?“
„Nein Mann, das geht leider nicht. Voight macht mich fertig, wenn ich entgegen seiner Vorgaben handle. Doch sobald Matt ihn uns bestätigt hat, erfährst du ihn. Versprochen! Ich weiß ja das dieser ganze Mist auch auf dich und dein Leben Auswirkungen hat. Eventuell bräuchten wir dich sowieso bald für eine Gegenüberstellung, das ist aber noch nicht sicher“, erklärte Kevin und Kelly hielt verdutzt inne. Für einen Moment glaubte er sogar, der Officer wüsste etwas von ihnen, doch das war unmöglich.
Kevin sprach von einer möglichen Gegenüberstellung, was bedeutete, dass sie endlich Verdächtige hatten, jemanden den sie mit dem Entführungsversuch in Verbindung bringen konnten. Er hatte inzwischen so lang auf Ergebnisse gewartet, auf einen Fortschritt, dann würde er sich auch noch etwas gedulden können. Außerdem war Kelly sich sicher, dass Matt ihm nach dem Gespräch mit Atwater davon erzählen würden, „verstehe, ja ich richte es ihm aus und morgen ruft er dich an. Danke Atwater!“

Nachdem Kelly das Gespräch beendet hatte lehnte er sich angestrengt zurück. Es war ein wirklich harter Tag gewesen, aufwühlend und durchdringend. Doch allein die Gewissheit das Matt im Zimmer nebenan lag, das er sich in seiner Reichweite befand und auch beim Aufwachen noch dort sein würde, löste eine Ruhe in Kelly aus, die er seit Tagen sehnlichst vermisst hatte. Er hatte Matt vermisst!
Auch wenn er versprach sich zurück zu halten und dies keine leeren Worte gewesen waren, fasste Kelly den Entschluss nicht aufzugeben. Er würde Matt von seinen Gefühlen überzeugen, sie würden zueinander finden!
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