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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
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02.08.2020 5.489
 
Anmerkung: sicher ist euch bereits aufgefallen, dass ich den Titel der Geschichte geändert habe und dieser nun aus einem Haupt- und einem Bei-Titel besteht. Ich hoffe dies sorgt nicht für all zu große Verwirrung, doch nach langem Überlegen, fand ich den neuen Titel passender und auch schöner. Ich hoffe euch gefällt er ebenfalls und wie immer freue ich mich, wenn ihr mich an eurer Meinung zur Geschichte und auch zu dieser, doch etwas größeren Änderung, teilhaben lasst.



Kapitel 20 – zur Erkenntnis gedrängt


Ungeduldig sah Matt auf die Uhr, bevor er sich schmerzhaft auf die Lippe biss um einen leisen Fluch zu unterdrücken.
Ungefähr zwei Wochen war es nun schon her, seit er mit Gabby nach Hause gegangen war und es hatte nur wenige Tage gedauert, bis ihre Situation ähnlich verfangen wurde, wie beim ersten Mal.
Zuerst hatte Gabby sich vorbildlich um ihn gekümmert, hatte ihm bei den Verbandswechseln geholfen, essen zubereitet und liebevolle Rücksicht genommen. Matt verlangte diese Hilfestellungen nicht von ihr, doch auch wenn er seiner Frau dankbar für ihr entgegenkommen war, so flüsterte ihm eine kleine Stimme zu, dass er sich deshalb nicht schlecht fühlen durfte. Sie war seine Ehefrau, ihr Versprechen bei der Hochzeit war, in Guten wie in schlechten Zeiten und dies waren ganz offensichtlich die schlechten Zeiten. Würden sie das überstehen, konnte Matt sich sicher sein, dass sie wirklich und wahrhaftig zusammengehörten und jede Hürde gemeinsam meistern konnten.

Doch entgegen seiner Hoffnung hatte sich der Alltag schneller als ihm lieb war eingeschlichen. Gabbys Geduldsfaden war kurz und da mit ihm momentan nicht viel anzufangen war, hielt ihre Rücksichtnahme sich bereits nach wenigen Tagen in Grenzen.
Er hatte nach wie vor keine Lust auf Menschen, wollte auch seinen Kollegen nicht unter die Augen treten und sich eigentlich einfach zuhause auskurieren, doch Gabby ließ ihm kaum eine Wahl.
Äußerte er den Wunsch nach Ruhe, so wurde sie schnell wütend, erklärte er ihr, wieso er ihre gemeinsamen Freunde gerade nicht um sich haben wollte, zeigte sie kein Verständnis und weigerte er sich schlichtweg mit ihr auszugehen, brachte sie Sylvie, Otis oder Cruz einfach mit nach Hause.
Matt blieb nur der Rückzug, an Abenden wie diesen flüchtete er sich in das gemeinsame Schlafzimmer und tat als würde er schlafen, doch das Wutgefühl, welchen Gabbys Verhalten in ihm auslöste ließ sich nur schwer ignorieren.

Der Sex war wieder eine andere Sache. Nach wie vor verfolgte die junge Frau den Wunsch nach einem eigenen Kind und setzte alles daran, Matt so oft wie möglich mit Verführungsversuchen zu reizen. Ein weiterer Streitpunkt, denn an seiner Meinung zu diesem Thema hatte sich nichts geändert.
Auch wenn es immer sein Wunsch gewesen war Vater zu werden, so konnte er im Bezug auf die momentanen Umstände sein Herz nicht für ein Baby erweichen. Von Gabbys Gesundheit abgesehen, schallte ihm bei dem Gedanken an ein gemeinsames Kind auch der Streit, welchen er mit Severide gehabt hatte, in den Ohren.
Die Vermutung, Gabby würde dieses Kind nur wollen, um sich und ihrer Familie zu beweisen, dass sie Recht hatte und ein Baby in der Lage war eine Ehe zu retten, war keine Grundlage für eine Familie. Auch wenn Matt sich gegen den Gedanken sträubte, wenn er sich nicht vorstellen wollte, dass dies wirklich ihre Beweggründe sein könnten, so erinnerte ihn die kleine Stimme in seinem Kopf bei jedem Streit, welcher sich um dieses leidige Thema drehte, an Kellys irrwitzige Vermutung.
Bisher, auch wenn es sich in seinen Ohren schrecklich anhörte, hatte er es geschafft seine Frau auf Abstand zu halten.
Einmal behauptete der Feuerwehrmann Kopfschmerzen zu haben, ein anderes Mal taten ihm die Hände weh, so dass er kaum an etwas anderes denken konnte und die restlichen Male hatte der Drehleiterführer einfach feige so getan, als würde er bereits schlafen.
Sie waren also, seit er in die gemeinsame Wohnung zurückgekehrt war, nicht intim geworden und dementsprechend war auch die Laune der Sanitäterin.

Gestern Abend hatten sie, wie so oft in der vergangenen Woche, Streit gehabt. Natürlich drehte es sich um das alte Thema: Sex. Gabby hatte versucht ihn zu verführen, doch Matt hielt eisern dagegen. Er behauptete ein Eishockey Spiel sehen zu wollen, wofür die junge Frau kein Verständnis aufbringen konnte. Schließlich konnte er ihr nicht sagen, dass er ihre Ehe aus eigener Kraft retten wollte und nicht mit Hilfe eines Kindes. Zum einen hätte er sich dadurch den Wahrheitsgehalt dieser Aussage eingestehen müssen, zum anderen wäre es ein Grund gewesen, erneut aneinander zu geraten. Sollte dem wirklich so sein, wovon Matt nicht ausgehen wollte, dann würde Gabby diese Anschuldigungen nicht schweigend hinnehmen. Sie würde auf ihn einreden, ihn rund machen und tobend schreien.
Dafür hatte er momentan weder die Kraft noch die Nerven.
Nachdem er seine Frau auf scharmante Weise abgewiesen hatte, unterstellte diese ihm, sie nicht mehr zu lieben. Würde er sie lieben, dann würde er wollen das sie glücklich sei, dass sie befriedigt war und ihre Wünsche bedingungslos erfüllen.
Eine Unterstellung die Matt sich nicht gefallen lassen konnte. Er hatte versucht auf sie einzureden, ihr klar zu machen, dass zu einer glücklichen Ehe mehr als ungeschützter Sex gehörte und er sich freuen würde, wenn sie einfach einen Abend auf dem Sofa verbringen könnten, kuscheln und einen Film schauen.
Sofort hatte Gabby ihn mit diesem speziellen Blick angesehen, die Augen verdreht und gefragt, wann er ein alter Mann geworden war. Matt hatte noch versucht die Wut zu unterdrücken, doch als er ihren erhabenen Blick spürte, als sie ihn von oben herab ansah, hielt er nicht länger an sich.
Er warf ihr vor sich lieber zu amüsieren, als ihren Mann zu umsorgen, hatte ihr unterstellt sich ihm nur zu nähern, mit dem Gedanken ein Baby zu machen und nicht um seinetwillen. Mit diesem Ausbruch traf er einen wunden Punkt bei der Sanitäterin.
Wütend hatte Gabby ihre Handtasche gegriffen, war in die High Heels gesprungen und verschwunden.

Die halbe Nacht machte Matt sich Vorwürfe, versuchte immer wieder sie zu erreichen und hatte sich schon eine Entschuldigung zurechtgelegt, doch Gabby ging weder an ihr Telefon, noch kam sie nach Hause. Auch wenn er die Schuld für den Streit nicht allein bei sich sah, war Matt bewusst, dass er auf seine Frau und ihre Gnade angewiesen war. Würde er nicht über seinen Schatten springen und sich diese Last aufbürden, wäre er auf sich allein gestellt, auch wenn ihn allein der Gedanke rasend machte.
Er hatte sogar darüber nachgedacht, sich ihrem Willen zu beugen und mit ihr Intim zu werden. Das allein die Vorstellung daran ihm einen Schauer über den Rücken jagte, sollte Matt zwar zu denken geben, jedoch schaffte er es hervorragend, auch diesen Gedanken zu ignorieren.
Auch wenn sich alles in ihm gegen Sex mit Gabby sträubte, hatte er versucht sich darauf einzulassen, zwar war er nicht bereit auf die Sicherheitsvorkehrungen zu verzichten, doch immerhin versuchte er einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Doch egal wie sehr er sich bemühte, egal wie liebevoll sie seinen Hals küsste und egal wie tief er ihr Parfüm inhalierte, es baute sich keine Erregung in ihm auf.

„Reiß dich zusammen Matt!“, rief der Feuerwehrmann sich plötzlich selbst zu und hob, überrascht vom tiefen Klang seiner Stimme den Kopf.
Sex war keine Lösung für ihre Probleme, das wusste er und Matt war sich sicher, dass auch sie das wusste. Es konnte unmöglich die einzige Gemeinsamkeit sein, die sie noch verband. Vielleicht konnte er es deshalb nicht tun, vielleicht sträubte sein Inneres sich deshalb dagegen Erregung aufzubauen, weil er sich die Wahrheit nicht eingestehen wollte, oder weil er verzweifelt versuchte etwas zu finden, das sie außerhalb der Laken teilen konnten.
Er konnte sich noch so sehr und lange den Kopf zerbrechen, ohne Gabby würde er zu keiner Lösung kommen. Es war ein Problem, das sie nur gemeinsam meistern würden nur gemeinsam konnten sie ihre Ehe retten!

Als sich ein Schlüssel in die Haustür schob, hob Matt erschrocken den Kopf. Neben der Angst sich den Blicken seiner Freunde und Kollegen zu stellen, gab es schließlich noch einen weiteren Grund, wieso der Captain nicht vor die Tür wollte.
Immerhin war es gerade mal zwei Wochen her, dass drei Latinos versucht hatten ihn gewaltsam zu entführen. Noch so eine Kleinigkeit, die Gabby gefühllos herunterspielte. Matt fühlte sich im freien nicht sicher, doch Gabby meinte trocken, die beiden Polizisten vor der Tür wären für seinen Schutz dort und er solle sich nicht so anstellen, außerdem war seit diesem Vorfall nichts mehr passiert.
Das sie seine Sorgen und Ängste nicht nachvollziehen konnte, verstand der Feuerwehrmann nicht, immerhin waren die Drohungen dieser Männer nicht haltlos. Sie hatten auf ihn eingeschlagen, hatten ihn getreten und letztendlich waren sie auch für die Verletzung an seinen Händen verantwortlich. Um ein Haar wäre er ihretwegen gestorben, bei lebendigem Leib verbrannt.
Konnte oder wollte Gabby seine Angst nicht verstehen, oder konnte sie es wirklich nicht nachempfinden? Eigentlich war sie ein sehr empathischer Mensch, es sollte ihr leicht fallen sich in ihn hinein zu versetzen, doch stattdessen zeigte sie ihm die kalte Schulter, tat die Sache ab, als wäre es eine Kleinigkeit und ihr einziger Beruhigungsversuch, wenn Matt mal wieder kurz vorm Nervenzusammenbruch stand, war ein halbherziges: ~beruhig dich, dir wird nichts mehr passieren, schließlich bist du wieder zuhause~
Doch die Worte brachten ihm nicht mal annähernd die Ruhe und Sorglosigkeit, die Gabby sich für ihn wünschte. Er fühlte sich missverstanden und die Tatsache das sie ihn in besonders schlimmen Stunden mit diesem speziellen Blick besah, der ausstrahlte ~verhalt dich endlich wie ein Mann~, machte die Sache nicht besser.

Auf leisen Sohlen schlich sich Gabby in die Wohnung und wollte schon, ohne sich umzuschauen, im Badezimmer verschwinden, als Matt sich geräuschvoll räusperte und die Sanitäterin wie angewurzelt stehen blieb.
„Oh Matt, du bist schon… schon wach?“, auch wenn ihre Stimme klar klang, konnte der Feuerwehrmann den Alkoholkonsum der vergangenen Stunden deutlich in ihren Augen sehen. Das sie nicht im Stande war ihm die selbe Aufmerksamkeit zu schenken war deutlich, sonst hätte sie die dunklen Ringe unter seinen Lidern und den gequälten Gesichtsausdruck sicher längst bemerkt.
„Ich konnte nicht schlafen, hab mir Sorgen gemacht. Wo warst du die ganze Nacht?“, dass seiner Stimme eine harte Note Bitterkeit hinterherschwang konnte Matt nicht verhindern und wenn er ehrlich war wollte er das auch gar nichts. Er hatte sich wirklich Sorgen gemacht, auch wenn seine Gedanken sich nicht ausschließlich um ihren Streit drehten, wäre es trotzdem schön zu wissen, wo seine Frau die ganze Nacht abgeblieben war.
Seufzend führ Gabby sich durch die Haare, „ich war mit Sylvie aus, danach sind wir zu ihr und ich bin eingeschlafen. Entschuldige bitte. Ich werde schnell duschen gehen und mache dir dann Frühstück.“
Überrascht hob Matt die Augenbraun und nickte, eigentlich hatte er damit gerechnet, seine Frau würde ihm Kontrollwahn oder etwas ähnlich Absurdes vorwerfen, niemals erwartete er, dass Gabby sich bei ihm entschuldigen würde. Auch wenn sie eindeutig leicht alkoholisiert war, als betrunken würde er ihren Zustand nicht bezeichnen.

Nickend sah er ihr nach, nicht in der Lage etwas zu erwidern. Gabby zwinkerte ihm noch einmal zu und verschwand im Badezimmer, woraufhin Matt ihr zwei Schritte folgte und versuchte die widersprüchlichen Signale, welche seine Frau aus sandte zu deuten.
Ihre Tasche hatte Gabby auf der Kommode neben der Haustür abgelegt und scheinbar nicht bemerkt, dass diese keinen sicheren Stand hatte. Gedankenverloren versuchte Matt sie zu packen und auf das schmale Holzbrett zurück zu schieben, doch durch den schlechten Halt rutschte er ab und konnte das Gewicht des vollbepackten Leders gerade noch mit seinem Unterbauch davon abhalten zu Boden zu fallen. Gabbys Handy, ein paar Kaugummis und Hygieneartikel purzelten aus dem offenen Reißverschluss und sofort wandte Matt erschrocken den Kopf zum Badezimmer. Würde sie ihn in dieser Haltung vorfinden, würde sie die Situation auf jeden Fall falsch interpretieren.
Matt wollte den Inhalt der Tasche wieder in das klobige Leder packen, als sein Blick auf ihr Handydisplay fiel und er irritiert innehielt.

„Willst du die Sache wirklich beenden?“, flüsterte der Feuerwehrmann sich tonlos zu und spürte beinah im selben Augenblick, wie sich ein Kloß in seinen Hals schob. Als Absender war der Name Carlos Santagio angegeben und sofort setzten sich alle Zahnräder in Matts Verstand in Gang, um eine Verbindung zu diesem Namen herzustellen. Gabby hatte mindestens drei Verwandte mit dem Vornamen ~Carlos~, doch der Nachname ~Santagio~ war ihm nicht bekannt.
Natürlich konnte es im Bereich des Möglichen sein, das es sich um einen guten Freund der Familie oder einen Bekannten handelte, unmöglich konnte Matt ihren gesamten Freundeskreis kennen, auch wenn sie schon wahnsinnig lang zusammen waren, doch das war nicht sein erster Gedanke. Sein erster Gedanke bezog sich auf eine eventuelle Untreue seitens seiner Frau.
Diese Wortwahl, ihre ständigen Annäherungsversuche und die Tatsache das die beiden gestern im Streit auseinander gegangen waren und sie heute so unglaublich gut gelaunt schien.
War es möglich das… könnte es sein… wäre Gabby in der Lage ihn…
NEIN! Nein, völlig unmöglich. Er hörte die Mücken husten, sicher konnte sie ihm eine glaubwürde Erklärung liefern, selbst wenn das bedeuten würde, das er zugeben musste ihre Tasche in den Armen gehabt zu haben.

Plötzlich spürte Matt das selbe Zuckende Reißen in seiner Brust, welches er schon vor zwei Wochen auf der Wache verspürt hatte. Als seine Vertretung sich über ihn stellte, als dieser Wichtigtuer seiner Frau angrub.
Matt hatte ursprünglich den Plan verfolgt mit Kelly zu sprechen, eine Entscheidung zu treffen, doch als dieser Angeber vor ihn getreten war, ihm diese widerlichen Sprüche an den Kopf knallte, konnte der Feuerwehrmann nicht anderes. Das Grünäugige Monster der Eifersucht hatte Besitz von ihm ergriffen, ihn sprechen und handeln lassen. Zuerst hatte der Captain seinen Impuls bereut, doch die Tatsache das er noch immer Eifersucht verspürte zeigte ihm auch, dass er Gabby nach wie vor lieben musste.
Das Gefühl als er den fremden Männernamen auf dem Display lag und die Worte, welche so vieles bedeuten konnten, war das Selbe wie vor zwei Wochen.

„Matt? Was machst du da?“, hörte er die sanfte Stimme seiner Frau hinter sich und wandte sich ihr überrascht zu. Entweder war Gabby unheimlich schnell gewesen, oder er hatte nicht registriert, wie lang er seinen Gedanken nachhing.
Für einen kurzen Augenblick ließ er seinen Blick über sie gleiten, musterte das enganliegende feuchte Handtuch, welches sie um ihren Körper gewickelt hatte, ihr nasses, tropfendes Haar und die verwischten Makeup Reste ihrer Wimperntusche, bevor er schluckte und kaum merklich den Kopf schüttelte, „wer ist Carlos Santagio?“
Seine Stimme sollte nicht anklagend klingen, doch auch wenn ihr Anblick keine Erregung in ihm aufflammen ließ, konnte er seine Augen nicht abwenden.
Überrascht ging Gabby auf ihn zu und nahm ihr Handy entgegen, bevor sie einen Blick aufs Display warf, kurz geschockt wirkte, dann jedoch liebevoll lächelte, „nur ein Freund. Du kennst ihn, ich habe ihn dir vor diesem schrecklichen Unfall vorgestellt. Erinnerst du dich nicht? Es war im Mollys?!“
Gabby war eine geübte Schauspielerin, weshalb es Matt unheimlich schwer fiel sie zu durchschauen. Er erinnerte sich nicht daran jemanden mit dem Namen Carlos im Mollys kennengelernt zu haben, allerdings könnte es auch sein, dass er an diesem Abend bereits angetrunken war und sollte dieser ominöse Carlos keine markanten Gesichtszüge gehabt haben, war es sehr wahrscheinlich, dass Matt ihn kaum registriert hatte.

„Moment, glaubst du etwas… Matt ich würde nie… Du bist so süß!“, lächelte sie plötzlich, ging einen Schritt auf ihn zu, nahm sein Gesicht in beide Hände und küsste ihn zärtlich.
Damit hatte der Feuerwehrmann weiß Gott nicht gerechnet. Toben, fluchen, Schreien, es war alles realistischer als diese Reaktion.
Sein Blick musste Bände sprechen, denn als Gabby sich von ihm trennte, sie sich einen Moment tief in die Augen sahen und sie ihn dann an den Unterarmen packte und Richtung Schlafzimmer zog, kicherte sie ein leises, „wie süß, das du nach so vielen Jahren noch Eifersüchtig bist.“
Sie war nicht wütend, im Gegenteil. Gabby schien sogar froh über sein seltsames Verhalten zu sein. War das ihr Problem, war das ganze Chaos in ihrer Beziehung doch seine Schuld? Zeigte er ihr nicht wie sehr er sie liebte, wie sehr er sie begehrte? Tat er das überhaupt noch?
Ja, sie waren verheiratete und es war sein Job sie zu lieben. Selbst wenn er kaum einen Funken Erregung spüren konnte, als sie das Handtuch fallen ließ, ihn auf Bett stieß und sich aufreizend auf seinem Schoß platzierte, durfte er seine Frau nicht von sich stoßen. Vielleicht war es der richtige Augenblick, vielleicht hatten sie das gebraucht, einen winzigen Denkanstoß, eine unbekannte, vergessen geglaubte Emotion, welcher ihrer Beziehung die nötige Würze gab.
„Ich will dich Matthew Casey, nur dich, jetzt sofort!“, flüsterte Gabby ihm leise ins Ohr, bevor sie ihm in den Hals biss, sein T-Shirt in die Höhe zerrte und Matt angestrengt die Augen schloss.

Sie wollte ihn und er wollte sie, so war es richtig, so musste es sein. Auch wenn er sich vorgenommen hatte, ihrer Beziehung nicht durch Sex die Sicherheit zu geben, die ihr fehlte, konnte er sich diesmal nicht gegen die Berührungen seiner Frau wehren. Auch wenn er das sanfte Kribbeln und die prickelnde Erregung in seinem Körper vermisste, konnte er sie diesmal nicht zurückweisen. Nicht nach dem, was er gerade gefühlt hatte.
Mit noch immer geschlossenen Augen erwiderte Matt ihren Kuss, umschlang ihre Zunge mit seiner eigenen, ließ sich das Shirt über den Kopf ziehen und auch seine Hose verabschiedete sich wenig romantisch von seinen Beinen.
Gabby mochte es wild, sie liebte es animalisch und auch wenn die Sanitäterin wusste, das seine Vorlieben in einem anderen Bereichen lagen, stürzte sie sich auf ihn wie ein Löwe auf ein rohes Steak.
Er würde mit ihr schlafen, nur dieses eine Mal und danach würde er erkennen, wie viel Substanz ihre Beziehung noch hatte. Gabby würde in gerade mal zwei Stunden zur Schicht müssen, dann blieb ihm genügend Zeit seine Gefühle und das was sie gleich tun würden zu analysieren.

„Was ist los Matt, gefalle ich dir nicht?“, ihre spitze Stimme holte ihn in die Realität zurück und erst jetzt spürte der Feuerwehrmann die Finger seiner Freundin an seiner Männlichkeit.
Sie hatte ihm im Griff, ihre Hand schloss sich um sein Glied und er fühlte die massierenden Begehungen, welche von dieser ausgingen, doch es regte sich nichts. Wie sollte er mit Gabby schlafen, wenn er nicht mal in der Lage war, sein Glied in die Höhe zu treiben?!
„Babe was ist los?“, nun klang sie schon weniger Geduldig und Matt wusste, dass es nicht mehr lang dauern würde, bis sie in den nächsten Streit gerieten.
Angestrengt schloss er die Augen, atmete tief durch und ganz automatisch bildete sich ein Gesicht vor seinen geschlossenen Lidern.
Freches Lächeln, stechend blaue Meerestiefe, markante Gesichtszüge, eine Zahnlücke, strake Arme, ein breites Kreuz und dieser wahnsinnig muskulöse Körper. Die großen Hände, welche seine Brust hinabstrichen, sich zwischen seine Schenkel schoben und ihn sanft stimulierten.
Es klappte, zartes Kribbeln zog sich über seine Glieder, verbiss sich in seinen Muskeln und strömte durch jede Vene. Die prickelnde Erotik, welche er verzweifelt gesucht hatte, sie prasselte wie Golfballgroße Hagelkörner auf ihn ein. Doch es war nicht Gabby die ihn an diesen Punkt trieb, es war nicht die Vorstellung an ihren Körper, an ihre Hände, an ihr Gesicht.
Allein die Vorstellung seines besten Freundes, der klang dessen Stimme in Matts Ohren und das tiefe kehlige Stöhnen in seinen Erinnerungen ließ sein Glied pochend an härte Gewinnen.
Lust durchströmte ihn wie ein Donnerschlag und auch wenn die realen Gefühle, welche seine Haut ertasteten sich nicht mit seiner Vorstellung deckten, genügte der Gedanke an Kelly, um ihn erregt Stöhnen zu lassen.

Das Gabby von dem Irrsinn in seinen Gedanken nichts mitbekam, war Matts glück. Viel zu gierig fiel sie über ihn her, umschlang ihn, vereinnahmte ihn und zwang seinen Körper sich ihr hinzugeben.
Das Matt von dem eigentlichen Akt nichts mitbekam, schien die Sanitäterin nicht zu registrieren. Seine Bewegungen waren Mechanisch, reflexartig und einseitig. Zwar spürte Matt die feuchte Hitze und auch die gewohnte Enge um sich, doch seine Stöße waren es nicht, die ihn der Klippe immer näherbrachten. Es war die Erinnerung an Kelly, wie er ihm einen Finger einführte, wie er ihre Körper aneinanderpresste und versuchte seine Härte durchs Matts Hose zu stoßen.
Nicht Gabbys keuchendes Flehen, nicht die kreisenden Bewegungen ihrer Hüften, nicht die wilde ungestüm ihrer Nägel auf seinem Rücken brachten Matt zum Höhepunkt, allein die Erinnerung an Kelly und ihr schmutziges kleines Geheimnis war für den erlösenden Augenblick verantwortlich. Den Augenblick, in dem er alles um sich herum vergaß, den Augenblick in dem Kellys Name stumm auf seinen Lippen hing und den Augenblick, indem er sich mit einem letzten Stoß in seiner Frau ergoss.

Erst als Matts Glieder sich unter Atemnot entspannten, sie von seinem Schoss rutschte und sich rücklings auf die Matratze fallen ließ, kehrte auch Matts Bewusstsein vollständig zurück. Mit geschocktem Blick starrte er an die Decke, spürte wie sich seine Frau an seinen Arm hängte, sah den befriedigten glücklichen Ausdruck aus dem Augenwinkel und musste sich hart auf die Lippe beißen um sie nicht von sich zu schieben.
Er hatte mit ihr geschlafen, es hatte tatsächlich geklappt, doch so hätte es nicht ablaufen dürfen.
„Ich mach mich frisch, bereite dir noch ein schnelles Frühstück vor und muss dann zum Dienst, oder soll ich zuhause bleiben und wir wiederholen das was da gerade passiert ist?“, ihre Stimme war so grell, dass Matt sich am liebsten die Ohren zugehalten hätte. Er ertrug sie nicht, dieses helle Rauschen, diese verzerrten Laute.
Benommen schüttelte er den Kopf und angelte umständlich nach der Bettdecke, „ich muss mich ausruhen. Geh zur Arbeit Gabby, die anderen brauchen dich.“
Matt wusste welche Knöpfe er bei seiner Frau drücken musste, sobald sie das Gefühl bekam unersetzlich zu sein, vergaß sie alles um sich herum und auch diesmal behielt er recht. Nickend sprang sie aus dem Bett und verschwand im Badezimmer.

Nachdem die Sanitäterin zur Schicht aufgebrochen war, blieb Matt noch eine ganze Weile liegen und wälzte sich unruhig hin und her, bei dem Versuch seinen eigenen Gedanken zu entkommen.
Was war gerade passiert, wieso musste er so unerbittlich an Kelly denken, wieso ausgerechnet in dieser Situation. War er wirklich nicht im stand Erregung in seinem Körper aufzubauen, wenn er nicht das Bild des starken Feuerwehrmanns vor Augen hatte?
Zwei Wochen hatte Matt versucht jeden Gedanken an den Kollegen zu verdrängen, doch gerade in dieser Situation war Kelly präsenter als jemals zuvor. Was brachte es sich länger zu wiedersetzen. Wenn er ehrlich war, dann vermisste er seinen besten Freund. Nicht nur die Intimitäten, welche sie ausgetauscht hatten, nicht seinen Körper, oder die Art von Severide angefasst zu werden. Er vermisst den Menschen, der hinter dem muskulösen Rücken und den breiten Schultern stand. Er vermisst das Gefühl von Sicherheit, welches Kelly ihm schenkte und diese strahlend dunkelblauen Augen.
So sehr er auch versuchte sich einzureden, er sei glücklich mit Gabby, ihre Ehe wäre zu retten und er müsse genau hier sein, so wusste er doch auch, das er gern wo anderes wäre. Matt fühlte sich nicht wohl, weder in dieser Wohnung, noch in der Gesellschaft seiner Frau und erst recht nicht in seiner eigenen Haut.

Er war unfair gewesen, hatte Kellys keine Gelegenheit gegen sich recht zu verteidigen, Stellung zu seinen Worten zu beziehen, oder ihm eine Erklärung zu liefern.
Nein, er hatte seinen besten Freund vor vollendete Tatsachen gestellt, einfach beschlossen zu gehen und ihm nicht mal eine vernünftige, glaubwürde Erklärung geliefert.
Matt fühlte sich schrecklich und auch wenn er in den vergangenen 14 Tagen alles darangesetzt hatte, dieses Gefühl zu verdrängen, ließ es sich nicht länger leugnen. Der Sex mit Gabby hatte ihm gezeigt, das mit ihm etwas nicht stimmte, das mit ihrer Ehe etwas nicht stimmte und das sie nur gemeinsam daran arbeiten könnten, doch momentan fühlte es sich so an, als würde er mehr in diese Beziehung investieren als sie.
Immerhin konnte der Feuerwehrmann sich sicher sein, dass er in den nächsten Tagen ruhe vor erneuten Annäherungsversuchen haben würde. Gabby hatte ihren Willen bekommen, sie hatten Sex gehabt und wenn es unbedingt sein müsste, dann würde er sich, eventuell in ein paar Tagen, erneut darauf einlassen. Denn so sehr Matt sich in den Gefühlen, welche der Gedanke an Kelly in ihm auslöste, suhlte oder sich wohlfühlte, wusste er, dass sie falsch waren. Würde er sie zulassen, würde er sich ihnen hingeben, dann wäre dies das Ende ihrer Freundschaft. Davon abgesehen konnte Matt diese Verwirrung in seinem Inneren überhaupt nicht deuten. Nur weil da Gefühle und Emotionen waren, die sein Herz erwärmten, musste das nicht bedeutet, das es sich dabei um liebe oder etwas romantisches handelte.
Seufzend schlug der Captain die Arme über dem Kopf zusammen und stöhnte genervt. Das wirre Chaos in seinem Kopf trieb ihn noch an den Rand des Wahnsinns. Es fühlte sich an, als ob seine Gedanken alle samt überhaupt keinen Sinn ergaben und allein dem Zweck diensten, ihn irre werden zu lassen.

Den gesamten Tag und auch die darauffolgende Nacht quälte Matt sich mit Erinnerungen, Irritationen und dem Strudel in seinem Kopf. Er hatte kaum Schlaf bekommen, konnte nichts Essen und sobald er versuchte sich abzulenken, dauerte es nur Sekunden und er musste wieder an dieses Drama in seinem Leben denken.
So verbrachte er Stunde um Stunde, sah immer wieder auf die Uhr und erst als die Sonne am nächsten Morgen am Horizont erschien, die kühle Morgenluft ihm um die Nase wehte, als er den Kopf zum Fenster heraus streckte und das leise zwitschern der Vögel an sein Ohr drang, spürte er einen winzigen Anflug von Ruhe und Frieden in seinem Inneren.

Doch ebenso schnell wie diese Ruhe gekommen war, verschwand sie auch wieder. Nur Sekunden nachdem er sich aus dem Fenster lehnte, sah er den parkenden Honda vor der Wohnung. Das Auffällige gelbe Sportfahrzeug mit dem viel zu großen Spoiler war ihm schon vor der Feuerwache, vor zwei Wochen, aufgefallen und bei näherem Hinsehen erkannte er auch den Mann am Steuer.
~David~ wie Gabby ihn in übertrieben schmalzigem Ton nannte, parkte vor ihrem Haus, er beugte sich hinüber und erst als seine Arme sich um die Person neben ihm schlangen, erkannte Matt, dass es seine Frau war, die von dem Vertretungscapatin nach Hause gefahren wurde.
Mit angehaltenem Atem beugte Matt sich weiter nach vorn, versuchte seine Arme am Fensterrahmen abzustützen um den Halt nicht zu verlieren, doch als er die Hände seiner Frau sah, wie sie sich um das Genick des fremden Mannes Schlangen und auch ihr Körper sich zur Seite neigte, traute Matt seinen Augen kaum.
Küsste sie diesen aufgeblasenen Typen etwa? Knutschte seine Ehefrau in einem peinlichen gelben Sportwagen direkt vor ihrer gemeinsamen Wohnung?

Geschockt wich Matt zurück, das durfte nicht wahr sein. Bestätigte sich sein Buchgefühl damit? Hatte er recht gehabt und daher ruhte Gabbys gute Laune nach jeder Schicht und wenn sie von einem Abend mit Sylvie nach Hause kam? Betrog seine Frau ihn?
Stundenlang hatte er sich dem schlechten Gewissen wegen seiner Gedanken hingegeben, hatte verzweifelt Lösungsmöglichkeiten durchgespielt und jetzt das?

Unglaubwürdig sah Matt zur Tür, als diese schwungvoll aufflog und Gabby mit zwei großen Schritten die Wohnung betrat. Gut gelaunt ließ sie ihre Tasche neben die Haustür fallen, summte ein wortloses Lied und als ihre Blicke sich trafen, wirkte sie vollkommen ruhig und glücklich.
„Liebling, du bist ja schon wach?“, flötete ihm die Sanitäterin mit heller Stimme entgegen und Matt konnte nicht anderes als sie ausdruckslos anzustarren. Ohne auf ihre Frage einzugehen schüttelte er den Kopf um bei Sinnen zu bleiben, „was war das da unten gerade? Hast du diesen Schmierlappen etwa geküsst?“
„Schmierlappen?“, überrascht sah Gabby ihn an, bis ihr Lächeln breiter wurde, „oh Matt, deine Eifersucht ist wirklich süß, aber bitte nenn ~David~ nicht so. Er ist mein Freund und hat mich nach Hause gefahren.“
„Hast du ihn geküsst?“, wiederholte Matt in angespanntem Ton und zwang sich selbst ihr weiter in die Augen zu sehen. Auch Gabbys Blick veränderte sich, die gute Laune schwand und ihre Augenwinkel petzten sich feindselig zusammen, „natürlich nicht. Er hat mich zum Abschied umarmt. David ist verheiratet, wir sind nur Freunde. Unterstellst du mir etwa, dich zu betrügen?“

Es fiel dem Feuerwehrmann unheimlich schwer die Fassung zu wahren und seinen aufgewühlten Gefühlen nicht freien Lauf zu lassen, „war eine ziemlich intime Umarmung.“ Bestürzt sah Gabby ihn an, „vertraust du mir nicht? Beobachtest du mich heimlich?“
Es war keine Antwort auf seine Feststellung und Matt spürte, wie die Wut in seinem Inneren sich weiter schürte.
„Sei nicht albern Matt, wieso sollte ich dich betrügen, jetzt wo wir endlich an unserer gemeinsamen Zukunft arbeiten und versuchen unser Wunschkind zu zeugen“, ihre gute Laune kehrte Augenblicklich zurück und schon wieder konnte Matt nicht anderes, als sich zu fragen, ob seine Frau eine zweite Persönlichkeit hatte die ihm bisher entgangen war. Nur Gabby schaffte es von wütend, zornig zu unbeschwert und heiter im Bruchteil weniger Sekunden zu wechseln.
Doch dieses Thema verkraftete er momentan nicht, wenn sie wirklich auf einen Streit hinauswollte, schlug sie genau den richtigen Weg ein, „fang nicht wieder damit an. Ich möchte momentan kein Kind Gabby. Ich fühle mich dazu gerade nicht in der Lage.“
Matt spielte überhaupt nicht auf die Zeugung an, viel eher auf eine Schwangerschaft, das damit verbundene Chaos und die Anstrengung welche er momentan auf Grund seiner Einschränkungen nicht leisten konnte.

Gleich würde es knallen, unzählige Male hatte er genau diese Worte benutzt, kurz bevor sie in einen Wahnsinnigen Streit gerieten. Doch entgegen seiner Erwartungen lächelte Gabby beharrlich.
„Ich weiß Babe und ich habe darüber nachgedacht. Du möchtest offensichtlich keinen Menschen mit deiner DNA zeugen und auch wenn ich deine Beweggründe nicht nachempfinden kann, möchte ich mich bemühen sie zu akzeptieren. Dadurch bin ich auf folgende Idee gekommen…“, ungläubig sah Matt sie an. Gabby verdrehte ihm geradezu die Worte im Mund. Er wollte kein Kind mit seiner DNA? Niemals hatte er das gesagt, niemals hatte er auch nur ein Gespräch, welches in diese Richtung führen könnte, in Gang gebracht. Doch ohne seinen ungläubigem Blick Beachtung zu schenken fuhr Gabby unbehelligt fort, „…wie wäre es, wenn ich auf anderem Weg schwanger werde und wir einfach behaupten, es sei dein Kind. Niemand bräuchte es wissen, nur du und ich. Wir werden Eltern und behalten recht, damit das ein Kind eine Ehe in Ordnung bringen kann. Das wäre die Lösung all unserer Probleme. Ist das nicht eine tolle Idee?“

Matt konnte nicht anderes, als sie mit offenem Mund anzustarren. Unmöglich konnte das ihr Ernst sein, er musste sich verhört haben, seine Frau hatte ihm gerade nicht wirklich vorgeschlagen, sich von einem anderen Mann schwängern zu lassen, um ihren Willen zu bekommen.
Mit einem Mal fiel es dem Feuerwehrmann wie schuppen von den Augen, Kelly hatte recht, mit einfach allem. Gabby wollte kein Kind mit ihm, weil sie ihn liebte. Sie wollte dieses Baby um zu beweisen, das sie in der Lage war mithilfe eines Kindes ihre Ehe zu retten, sie wollte schlicht und ergreifend recht behalten!
Er konnte ihr keine Sekunde länger in die Augen sehen, ertrug keine Sekunde länger das unschuldige Lächeln und den aufgesetzten Blick.
Die Luft in seinen Lungen schien immer dünner zu werden, Matt spürte das er kaum noch atmen konnte, die Wände bewegten sich rasend auf ihm zu und die Übelkeit in seinem Hals wurde übermächtig.

Ohne eine weitere Sekunde zu warten oder Gabby die Möglichkeit zu geben, noch einen einzigen Ton zu sagen stürmte er an ihr vorbei, schritt barfuß aus der noch immer geöffneten Haustür und rannte geradewegs hinunter auf die Straße.
Er wollte sie nicht mehr sehen, er konnte sie nicht mehr sehen. In seinem Kopf drehte sich alles und endlich gab Matt dem Drang zu flüchten nach.
Er lief bis seine Lunge schmerzte, seine nackten Füße auf dem kalten Beton brannten und seine Kleidung ihm schweißgetränkt an der Haut klebte. Wie konnte seine eigene Frau ihm so etwas antun?!
Keuchend ließ er seine Bandagierte Hand in die Tasche der Jogginghose gleiten, zog unter Schmerzen sein Handy hervor und entriegelte den Sperrbildschirm. Nur einen winzigen Augenblick besah er sich die ausgefranzten Ränder am Verband um seine rechte Hand, auch hier hatte die Sanitäterin nicht Wort gehalten, seit drei Tagen klebte das alte Stück Mullbinde um seine Finger, juckte, roch unangenehm und brannte gelegentlich sogar. Doch darüber konnte Matt gerade keinen Gedanken verschwenden, viel zu starr war das Chaos in seinem Kopf und der Wunsch sich endlich wohl und geborgen zu fühlen überschattete jede andere Empfindung.
Verzweifelt tippte er mit dem Daumen auf dem Display herum, bis er den Freisprecher aktivierte und als nach dem vierten Klingeln, die ihm wohlbekannte Stimme erklang, als Matt sie endlich wieder hörte, konnte er nicht länger an sich halten.
Die Emotionen pressten sich wie Teig aus seinem Körper, ließen seine Schultern beben und die Knie so wacklig werden, dass er an der Hauswand hinabrutschte und auf den Hintern plumpste.
Leises Schluchzen drang aus seiner Kehle und Matt versuchte nicht mal, sich zusammen zu reisen. Er war mit seinen Kräften am Ende, es war zu viel, nicht eine Sekunde länger konnte er sich verstellen, „ich bins… ich… ich brauche dich… bitte Kelly… hol mich ab.“
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