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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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25.07.2020 3.687
 
Kapitel 19 – von Schmerz zerfressen


Seufzend ließ Kelly sich in seinem Büro auf den Schreibtischstuhl sinken und stemmte das Gesicht in beide Hände. Es war zum Verzweifeln, dabei hatte er sich von diesem Morgen so viel versprochen.
Die vergangene Nacht war schrecklich, erst konnte er nicht einschlafen, wälzte sich unruhig von einer auf die andere Seite und versuchte den Wunsch, die Nacht neben Matt zu verbringen, krampfhaft zu ignorieren. Zwar war er irgendwann eingeschlafen, doch nicht seht lang. Ständig schreckte der Feuerwehrmann auf, erst weil ihn irgendwelche absurden Träume verfolgten und dann, weil Geräusche aus der Wohnung, die ihm eigentlich vertraut sein sollten, ihn aus der Ruhe rissen. Mit angehaltenem Atem hatte er mehr als einmal gehorcht ob es Matt war, der die Geräusche verursachte, doch es waren lediglich die Abflussrohre, der morsche Ast vor dem Küchenfenster, und die tanzenden Mäuse auf dem Wellblechdach unterhalb seines Schlafzimmers.
Waren es nicht die Geräusche, oder der Gedanke an Matt welcher ihn nicht zur Ruhe kommen ließ, dann war es die Arbeit. Kelly hatte sich im Bezug auf seinen Dienst und ob er diesen am kommenden Tag ausführen sollte, noch nie so unsicher gefühlt. Er könnte sich selbst in den Hintern treten, noch vor einem Jahr war es undenkbar gewesen, einmal in einer solchen Situation zu stecken, oder ernsthaft in Erwägung zu ziehen, den Dienst abzusagen.
Doch heute sah die Lage anderes aus, Matt hatte an diesem Tag wirklich schreckliches durchstehen müssen und dann auch noch diese verfluchte Beichte. Wieso hatte er nicht den Mund halten können, der Feuerwehrmann wusste schließlich genau, dass er wenige Minuten nach dem Höhepunkt nicht zu klarem Denken fähig war.

Die Worte passten nicht zu ihm, was zu Hölle hatte ihn bloß geritten, solchen Schwachsinn von sich zu geben!?
~Ich bin in dich verliebt~, nicht mal die Ausdrucksweise war sein, normalerweise würde er etwas von sich geben wie ~du bist heiß~ oder ~verflucht was machst du nur mit mir, ich will dich~, aber verliebt? Was zur Hölle hatte Matt mit ihm angestellt? Für einen Augenblick hatte es sich angefühlt, als wäre er geradewegs in einen teuflischen Plan getappt. Matt hatte ihm seltsamen Fragen gestellt, hatte ihm Informationen entlockt, welche Kelly eigentlich nicht preisgeben wollte, doch wirklich sauer konnte er auf seinen Kollegen nicht sein. Auch wenn ihn der Gedanke, die Wahrheit sei raus, in den Wahnsinn trieb, fühlte es sich an, als sei ein kleiner Teil der Last auf seinen Schultern abgefallen.

Wichtig war jedoch, dass sie diese Sache klärten. Der Feuerwehrmann konnte die Reaktion seines besten Freundes verstehen, immerhin ging es nicht um eine Kleinigkeit, trotzdem durfte es nicht zwischen ihnen stehen. Sie mussten miteinander reden, immerhin brauchte Matt ihn, auch wenn Kelly sich nur sehr ungern auf den Umstand der Hilflosigkeit seines Freundes verlassen wollte. Wer sollte ihm die Verbände wechseln, wer sollte ihm beim Baden und Duschen behilflich sein, oder Matt mit Essen versorgen. Das der Captain nicht allein klarkam, hatte er deutlich unter Beweis gestellt!
Deshalb war Kelly auch in aller früh zum Wochenmarkt gegangen, an Schlaf war eh nicht mehr zu denken und dadurch das sie am Vortag keine Einkäufe besorgen konnte, war ihm quasi keine andere Wahl geblieben.
Außerdem hoffte der Rüstgruppenführer insgeheim, dass ein leckeres Frühstück seinen Kollegen etwas beruhigen würde. Das es auch für Matt eine schlimme Nacht gewesen sein musste, war so gut wie sicher, immerhin kannte er seinen besten Freund und wusste, wie lang dieser einen Gedanken zerkauen konnte.

Doch was, wenn es wirklich zu einem klärenden Gespräch kommen würde? Was sollte er Matt entgegenbringen? Die Wahrheit, oder sollte er sich eine Ausrede einfallen lassen? Was war ihm wichtiger, eine eventuelle Beziehung zu dem Drehleiterführer, oder ihre Freundschaft.
Eigentlich sollte Kelly sich diese Frage nicht einmal stellen müssen. Selbstverständlich war ihre Freundschaft wichtiger, wie oft hatten sie sich gegenseitig aus der Patsche geholfen, sich auf männliche Art einander das Herz ausgeschüttet? Auch wenn Kelly sich wünschte, aus ihnen könnte mehr werden, wollte er Matts Freundschaft unter keinen Umständen verlieren.

Angestrengt sah der Rüstgruppenführer auf sein Handy, die Schicht lief seit gerade mal 6 Stunden. Wie oft hatte er in diesen Stunden schon darüber nachgedacht seinen Kumpel anzurufen?
Doch bisher war er tapfer standhaft geblieben. Matt hatte ihm am Vorabend deutlich zu verstehen gegeben, dass er gerade Ruhe benötigte, dass er nicht mit Kelly sprechen wollte und sich der Situation, wenigstens für den Moment, allein stellen musste und Kelly hatte ihm diese Freiheit gegeben, trotzdem machte er sich Sorgen. Trotzdem bitzelte es dem Lieutenant in den Fingern, wenigstens zu fragen, ob er am Morgen allein zurechtgekommen war. Denn auch wenn diese dämlich Beichte die übrigen Ereignisse des vergangenen Tages in den Schatten stellte, waren sie trotzdem nervenaufreibend gewesen.
Zwar hatte er Matt am Morgen für einen Augenblick beim Schlafen beobachtet, hatte sich einen winzigen Moment der Schwäche hingegeben, den Feuerwehrmann durch einen Spalt in der Tür anzustarren und das sanfte Kribbeln in seinem Bauch zu genießen immerhin wirkte Matt vollkommen ruhig und entspannt, sein Züge waren fein und er wandte sich nicht wild umher, doch wäre Kelly dem Anblick länger verfallen, hätte er unter keinen Umständen Rechtzeitig seinen Dienst aufnehmen können. Außerdem bestand die Gefahr, sein Kollege könnte aufwachen und ihn beim Spannen erwischen.

Ein Lächeln schlich sich bei der Erinnerung an den schlafenden Matt auf seine Lippe, als es plötzlich leise klopfte.
Irritiert hob Kelly den Blick, doch als er durch die Glastür sah und erkannte wer ihn besuchte, blieb sein Herz für einen Augenblick stehen.
Matt klopfte ein weiteres Mal mit dem Ellenbogen gegen die Tür und Kelly spürte wie ihm ein Schauer über den Rücken lief. Doch eher der Drehleiterführer sich erneut verrenken musste, um ein drittes Mal gegen den stabilen Türrahmen zu klopfen, sprang Kelly von seinem Stuhl, riss die Tür auf und starrte Matt mit tellergroßen Augen an, „Matt was…?“ Doch als sein Freund keine Miene verzog, sich schweigend an ihm vorbeidrückte und unruhig neben der Pritsche zum stehen kam, verkrampfte sich Kellys Magen augenblicklich.
„Du siehst müde aus“, es war das erste was ihm einfiel, als er den Drehleiterführer musterte. Matts Augen wirkten tatsächlich winzig, seine sowieso schon helle Haut glich einer weißen Wand und sogar seine Haare machten einen spröden Eindruck. Von seiner Haltung signalisierte ebenfalls rein gar nichts ein aktives Inneres, im Gegenteil, mit hängenden Schultern, stand er Kelly gegenüber und der traurige, unsichere Blick ließ den Rüstgruppenführer das Schlimmste erahnen.
Trotzdem konnte er die Hoffnung nicht aufgeben, sicher sah Matt nur wegen des Schlafmangels so aus, sicher hatte er keine schlimmen Nachrichten für ihn. Er durfte den Teufel nicht an die Wand malen, eher er diesen überhaupt zu Gesicht bekam. Es würde sich alles klären, sie würden ein vernünftiges Gespräch führen, ehrlich zu einander sein und Kelly sollte endlich die Möglichkeit erhalten, Stellung zu dem Schwachsinn, welchen er gestern sich gegeben hat, zu beziehen.
Es war der richtige Zeitpunkt, auch wenn er nicht vorbereitet war und auch wenn er sich noch keine Worte zurechtgelegt hatte, wenn nicht jetzt, wann dann.

Beherzt wollte der Rüstgruppenführer erneut das Wort ergreifen, hielt jedoch mit angehaltenem Atem inne und wich einige Zentimeter zurück. In seiner Euphorie war er kaum in der Lage rational zu denken. Sicher hatte Matt nicht den Weg in Kauf genommen und sich seinen Blößen vor den Kollegen hingegeben, nur um ein Gespräch zu führen, das sie auch in trauter Zweisamkeit nach Schichtende vollziehen konnten.
Es musste etwas passiert sein, wieso war er nicht sofort, nachdem sein Freund an der Tür geklopft hatte, auf den Gedanken gekommen. Ganz sicher war etwas passiert, das würde schließlich auch dessen krumme, unsichere Haltung erklären!
„Matt, was ist los“, dass Kelly auf die letzten beiden Ansätze eines Gesprächs keine Reaktion erhalten hatte, schien er überhaupt nicht zu registrieren.
Der Captain starrte ihn einfach wortlos an, die Augen voller Unmut und Bedauern.

Nein, das hier war definitiv nicht der beginn einer ruhigen, verständnisvollen Unterhaltung. Ganz im Gegenteil, die Luft war bis zum zerreißen gespannt, die Atmosphäre schien gereizt zu knistern und langsam spürte Kelly, wie ihm übel wurde.
Der noch nicht begonnene Verlauf dieser Unterhaltung entwickelte sich in die falsche Richtung, Matt sah aus als würde er ihm gleich eine schreckliche Mitteilung machen und Kelly war sich nicht sicher, ob er eine weitere Zurückweisung verkraften würde.
Er musste dem Feuerwehrmann zuvorkommen, musste ihm den Wind aus den Segeln nehmen und die Situation entschärfen, „hör mal Matt, wegen gestern Abend, was ich da gesagt habe… das war…“
Er würde Lügen, er würde all sein Können aufbringen und seinem besten Freund knall hart ins Gesicht lügen. Auch wenn der Plan anders aussah, auch wenn er Matt ehrlich und aufrichtig begegnen wollte, es ging nicht. Das Gefühl in seinem Inneren, diese schreckliche Vorahnung, wenn er dem Drehleiterführer nicht zuvorkommen würde, dann wäre alles…

„Ich bin dir unheimlich dankbar Kelly, bitte glaub mir das. Ich kann dir gar nicht genug Danken, für all die Opfer, die du meinetwegen und auch für mich in Kauf genommen hast. Du hast mir hoch geholfen, als ich ganz unten war. Hast mich bei dir aufgenommen und nach Leibeskräften versorgt. Ich kann nicht mal ansatzweise ausdrücken, wieviel deine Freundschaft mir bedeutet, ohne dich hätte ich die letzten Wochen sicher nicht überstanden. Ich kann und will mir nicht vorstellen wie es wäre, wenn ich diese Freundschaft verlieren würde“, begann Matt zu erklären, ohne Kelly ausreden zu lassen, der Rüstgruppenführer bezweifelt sogar, dass sein Freund ihm zuhörte.
Kelly wollte ihn stoppen, wollte Matt aufhalten, doch sein Mund bewegte sich nicht. Seine Stimmbänder waren wie gelähmt und sogar das Schlucken viel ihm schwer. Er konnte dem Captain rein gar nichts entgegenbringen, weshalb dieser unbehelligt fortfuhr, „neben dieser Freundschaft muss ich jedoch auch an meine Ehe denken. Ich habe Gabby in letzte Zeit zu wenig Energie und Aufmerksamkeit gewidmet, habe sie vernachlässigt und war nicht für sie da. Das ist nicht richtig und ich muss diesen Umstand ändern, deshalb habe ich beschlossen, dass es das Beste ist, wenn ich wieder nach Hause gehe. Gabby spricht gerade mit dem Chief, macht eine Übergabe mit Brett und Kidd wird für sie auf dem Rettungswagen einspringen. Trotzdem wollte ich es mir nicht nehmen lassen dir noch mal von Herzen zu danken und auch noch mal deutlich zu sagen, was für eine große Hilfe du in den vergangenen Tagen und Wochen für mich gewesen bist.“
Sein Lächeln wirkte so unglaublich falsch und traurig, dass Kelly es nicht ernst nehmen konnte. Er sah Matt in die Augen und konnte den Schmerz darin regelrecht fühlen.
„Matt ich… bitte wir…“, das durfte es noch nicht gewesen sein, so leicht würde er nicht aufgeben. Matt musste ihm die Möglichkeit einräumen sich zu erklären, Stellung für sein Verhalten zu beziehen und ihm die Geduld schenken, welche Kelly seinem Freund in der Vergangenheit in überwältigendem Ausmaß entgegengebracht hatte.
So unfair durfte Matt ihn nicht behandeln, das konnte er nicht machen, nicht Matt!
Doch ehe der Lieutenant noch etwas zu seiner Verteidigung vorbringen, oder Matts Abgang kommentieren konnte, hatte dieser sich bereit umgedreht und eilte mit schnellen Schritten aus dem Schlafraum.

Ausdruckslos starrte Kelly ihm nach, konnte den Blick nicht vom Rücken seines Freundes abwenden, bis dieser hinter der Ecke und damit aus seinem Sichtfeld verschwand.
Das stechen in seiner Brust war gleichzusetzen mit dem Hämmern in seinem Kopf und so sehr er sich auch bemühte, er konnte das Chaos in seinen Gedanken mit den Worten, welche Matt ihm entgegengebracht hatte, nicht verbinden.
Angestrengt fischte er nach einem Satzfetzen, nach einem einzelnen Wort, nach einer Textpassage und als sich Matts trauriges Gesicht zurück in seine Nervengänge schlängelte, spürte er Wut.
Ja, es war unfair, Matt sprach von Freundschaft und wie wichtig Kelly für ihn sei, doch kein Wort von ihren Küssen, von ihren erotischen Begegnungen und auch kein Wort von dem Geständnis, welches er ihm entgegengebracht hatte.
War es Matt plötzlich egal, oder so unangenehm, dass er lieber davonlief, als sich einer klärenden Unterhaltung zu stellen? Seit wann war der Captain ein solcher Feigling?
Und was zur Hölle sollte das mit seiner Frau und dem verzweifelten, jämmerlichen Versuch diese lieblose Ehe zu retten?

Kelly konnte sich noch genau an Matts Worte erinnern, an seine Wut als er über Gabby und deren lächerliche Vorstellungen sprach. Er wollte ihr nicht nahe sein, er wollte keine Intimität mit dieser Frau, jedenfalls nicht jetzt. Wieso tat er dann so, als würde er Gabby irgendetwas schulden, als hätte er sie schlecht behandelt und müsste nun allein diese Beziehung retten? Das war einfach lächerlich, er hatte ihm bei diesem Teil seines Monologes nicht mal in die Augen sehen können.
Der Rüstgruppenführer spürte wie immer mehr Wut in ihm aufstieg, immer mehr Entrüstung über das Verhalten seines besten Freundes und die Behandlung, welche er Kelly entgegenbrachte.
Sicher, er bedankte sich für all die Hilfe und natürlich erwartete der Rüstgruppenführer auch nichts für seine Opfer, trotzdem fühlten sich Matts Worte, in Verbindung mit dem Blick und der Haltung, welche er ihm entgegengebracht hatte, völlig unwichtig, beinah bedeutungslos an. Meinte er es überhaupt ernst?
Das der Feuerwehrmann ihre Freundschaft in jedem Satz betont hatte, war Kelly keinesfalls entgangen und er verstand auch den Sinn hinter dieser Aktion. Damit wollte er den Lieutenant auf schonende Weise darauf aufmerksam machen, das zwischen ihnen niemals mehr als diese tiefe Freundschaft existieren würde. Hatte Matt wirklich so wenig Schneid, dass er es nicht schaffte, ihm diese Tatsache mitten ins Gesicht zu sagen? Er konnte ihm nicht mal in die Augen sehen!

Frustriert ließ Kelly seinen Arm über die Tischplatte fegen und warf all die Akten, Stifte, Ordner und den sonstigen Kleinkram geräuschvoll zu Boden, bevor er sich in die Haare griff und einen wütenden Schrei von sich gab.
Glücklicherweise war er allein im Schlafraum und durch die dünne Glasscheibe seines Büros zusätzlich geschützt, wie hätte er seinen Zustand den Kollegen erklären sollen?
Doch was interessierten ihn Cruz, Otis, Herrmann und wie sie alle hießen? Matt hatte sich feige aus dem Staub gemacht, er hatte ihn im stich gelassen, ohne jede Vorwarnung. Es war nur ein winziger Fehler gewesen, eine winzige Kleinigkeit, doch Matt konnte lief davon, ohne auch nur den Gedanken an eine Klärung oder vielleicht sogar ein Missverständnis aufzubringen.
„Dieser verfluchte Feigling!“, schrie Kelly gegen die Wand und erst als die Worte seine Lippen verließen, an sein Ohr drangen und in sein Bewusstsein sickerten, hielt er inne.

Was redete er da, was dachte er da? Ja, Matts Behandlung fühlte sich unfair an. Er fühlte sich zu Unrecht verurteilt und hätte sich gewünscht zu Wort kommen zu dürfen, doch was dann? Hätte er Matt seine Liebe von Angesicht zu Angesicht, in völlig klarem Zustand, gestanden? Hätte er ihm tief in die Augen gesehen und ihn gefragt, ob er sich eine gemeinsame Zukunft mit Kelly vorstellen könnte?
Wohl kaum!
Er war aufgebracht, das war sein gutes Recht, doch diese Gedanken im Bezug auf Matt, diese Unterstellungen und Vorwürfe, dazu hatte er kein Recht. Er hatte seinen Freund mit diesen bescheuerten Worten in Verlegenheit gebracht, er hatte ihn in die Arme seiner Ehefrau zurückgetrieben und dafür gesorgt, das sie sich jetzt beide schlecht vorkamen. Dieses ganze Durcheinander, dieses ganze Drama, es ging auf seine Kappe!

Nein, das alles machte keinen Sinn und Kelly spürte, wie ihn allmählich die Kräfte verließen. Er wollte Kämpfen, für Matt, für eine gemeinsame Zukunft, ihre Freundschaft, doch die Realität sah anders aus. Der Drehleiterführer hatte die Wahl gehabt, nachdem Kelly ihm die Wahrheit offenbart hatte, auch wenn sie erzwungen war, Hatte er die Wahl gehabt, sich zwischen Gabby und ihm zu entscheiden und er wählte seine Frau.
Kelly konnte und durfte ihm dafür keinen Vorwurf machen. Es war Matts Entscheidung und diese würde er akzeptieren müssen, ob es ihm gefiel oder nicht.
Er hatte ihn verloren, für ihre Liebe und eine gemeinsame Zukunft gab es keinen Weg. Es war Matts freier Wille und nur weil er sich gegen den Rüstgruppenführer entschied, durfte dieser seine Wut nicht an Matt auslassen, das hatte sein Freund nicht verdient und auch wenn alles in Kelly dagegensprach, wollte er sich nicht wie ein bockiger Teenager benehmen, der einen Korb bekam.
Sie waren erwachsene Männer und genau so mussten sie sich benehmen, alle beide. Matt machte das gut, er hatte Distanz gehalten, hatte nur relevante Dinge aufgegriffen und unangenehme Themen, welche interessant, aber unwichtig waren, weggelassen. So musste Kelly sich ebenfalls verhalten, jetzt und in Zukunft!

Doch wie sah die Zukunft überhaupt aus, wie sollte er sich in den nächsten Wochen und Monaten seinem besten Freund gegenüber verhalten? Waren sie überhaupt noch beste Freunde?
Ob es Kelly gefiel oder nicht, diese Beichte würde zwischen ihnen stehen, vermutlich für immer. Matt würde ihn in Zukunft auf diese spezielle Weise ansehen, in seinem Blick würde die Angst leuchten, Kelly unabsichtlich Hoffnungen zu machen und dass bei jedem Gespräch, bei jedem Kontakt.
Wollte er das Matt wirklich antun? Wollte er den Mann, den er liebte, wirklich auf so grausame Art leiden lassen? Er kannte den Drehleiterführer, wusste wie schnell dieser Gewissensbisse bekam und sich die Schuld für alles Mögliche gab.
Nein, Kelly hatte nicht nur die Hoffnung auf eine eventuelle gemeinsame Zukunft zerstört, er hatte auch ihre Freundschaft ruiniert. Sie könnten nie wieder die selben wie vorher sein, nicht mit dem Wissen über all die schmutzigen Dinge, welche sie gemeinsam getan hatten.
Sie würden in Zukunft auch nicht mehr zusammen Arbeiten können, auch wenn sie Profis waren, würden Matt ihm nie wieder dieses enorme Vertrauen entgegenbringen, das er noch vor zwei Tagen hatte.
Auch wenn dieser Job ihr beider Traum war, unabhängig voneinander, für seine Liebe war der Rüstgruppenführer bereit zurückzustecken. Sobald Matt genesen und wieder Arbeitstauglich war, würde er einen Versetzungsantrag einreichen. Er würde sie nicht beide Quälen!

Kelly spürte wie seine Augen feucht wurden und kniff reflexartig die Lider zusammen. Er wollte nicht weinen, er hasste das Gefühl, den Druck in seinen Nebenhöhlen, das ziehen hinter seiner Stirn und die Verkrampfungen in seinem Nacken. Für gewöhnlich versuchte er die Tränen herunter zu schlucken, von dem Unwohlsein abgesehen war er immerhin ein Mann und die heulten nicht herum, erst recht nicht wegen einer verlorenen Liebe.
Doch so sehr er auch versuchte sich auf den Gedanken der Härte zu versteifen, schnürte der Schmerz den Matts Verlust in ihm auslöste ihm die Luft zum Atmen ab.
Nur ein einziges Mal hatte er sich so gefühlt, nur ein einziges Mal war dieses erdrückende Gefühl so stark gewesen, das ihn seine Emotionen auf bestialische Weise übermannten.

„Shay“, flüsterte Kelly mit gebrochener Stimme und ließ sich auf die unbequeme Pritsche sinken, um den Blick an die Decke zu richten.
Sie wüsste was zutun ist, sie würde ihm jetzt sowohl Trost, als auch Aufmunterung zukommen lassen.
Shay, seine beste Freundin, seine Seelenverwandte. Ihren Tot hatte er nie richtig überwunden und in Momenten wie diesen, in Momenten, in welchen die Welt über ihm zusammenbrach, vermisste er sie mehr als an jedem übrigen Tag.
Wie lang hatte er schon nicht mehr an sie gedacht? Anfangs fühlte Kelly sich schuldig, hatte das Gefühl sie zu vergessen, doch irgendwann war ihm bewusst geworden, das Shay ihm allein für diesen absurden Gedanken einen Tritt in den Hintern verpassen würde. Mit ihrem Tot war sein Vertrauen gestorben, auch wenn er sich mit den Jungs auf der Wache gut verstand, wenn er sie als Freunde bezeichnete, so könnte er ihnen niemals auf die selbe Weise begegnete, auf die Shay sein Herz eroberte.
Nur bei Matt hatte er nicht das Gefühl sich verstellen zu müsse, nur ihm konnte er sich ohne Angst vor Hintergedanken öffnen und jetzt wo Kelly das dringende Bedürfnis spürte sich jemandem anzuvertrauen, jemanden zum Reden an seiner Seite zu haben, war es ausgerechnet dieser Mensch, um den es bei seinem Problem ging.

So einsam wie gerade hatte sich der Rüstgruppenführer noch nie gefühlt, er wollte sich jemandem Mitteilen, spürte sogar den Wunsch in den Arm genommen zu werden, doch da war niemand, niemand dem er genügend vertraute, um ihm diese Empfindliche Seite zu präsentieren.
Als sich ein leises Schluchzen aus seiner Kehle drückte hielt Kelly angestrengt den Atem an, die anderen durften nichts mitbekommen. Er konnte unter keinen Umständen riskieren, dass sie den Respekt vor ihm verloren!

„Hey Severide hast du…“, rief ihm jemand mit heller, freundlicher Stimme entgegen und als die Person schwungvoll seine Bürotür aufriss, setzte er sich reflexartig auf, senkte den Blick und zog den Kopf in den Nacken, bevor er versuchte mit einer gestreckten Hand an seiner Stirn seine Augen zu verbergen.
Unheimlich gern würde er den Störenfried laut anschreien, ihn zurechtweise, dass diese Tür zum Anklopfen war, doch würde er auch nur ein einziges Wort sagen, könnte er die Tränen hinter seinen glasigen Augen nicht länger halten.
„Kelly was…“, hörte er das hohe Flöten erneut und erkannte die Stimme, ohne der jungen Frau ins Gesicht sehen zu müssen.
Ausgerechnet Sylvie Brett! Sie war zwar eine nette, liebenswerte Zeitgenossin, doch auch unheimlich nah am Wasser gebaut und übertrieben Mitfühlsam. Außerdem war sie eine gute Freundin von Gabby und wenn eine Person nicht wissen sollte, wie es ihm gerade ging, dann war das Gabriela Dawson. Schließlich war Matts Ehefrau nicht auf den Kopf gefallen und würde schnell eins und eins zusammenzählen. Diese Blöße konnte Kelly sich unmöglich geben!
Sie sollte gehen, sie sollte einfach verschwinden und ihn in Ruhe lassen, doch stattdessen setzte Sylvie sich neben ihn auf die dünne Matratze, legte ihren Arm um seinen Rücken, streichelte sanft, schweigend, auf und ab.

Es waren seltsame Gefühle die in Kelly aufloderte und er brauchte einen Moment um sie zu sortieren. Sie waren ihm nicht völlig unbekannt und doch war er sich sicher, schon sehr lange nicht mehr so empfunden zu haben.
War es möglich das… es fühlte sich an wie…
Atemlos riss der Lieutenant den Kopf zur Seite und starte in die hellen Augen der Sanitäterin. Sylvie schwieg noch immer, nur ein sanftes Lächeln zierte ihre Lippen. liebevoll, verständnisvoll und als Kelly stumm Shay´s Namen flüsterte und Sylvies Mundwinkel für den Bruchteil einer Sekunde zuckten, konnte er seine Emotionen nicht länger unterdrücken.
Beherzt schlang er die Arme um den dünnen Körper, drückte seinen Kopf an ihre Schulter und weinte. Mit seinen Tränen spülte er all den Schmerz, die Angst und verzweiflung aus seinem Körper, die seit Stunden drohte ihn zu ertränken.
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