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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
13
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19.07.2020 4.358
 
Kapitel 18 – auf Bedenken gestützt


Mit klopfendem Herzen ließ Matt sich aufs Bett fallen und starrte die gegenüberliegende Wand an. Er wollte es wissen, hatte auf die Wahrheit gedrängt, sie Severide hinterlistig entlockt und es fühlte sich an wie ein Schlag mitten ins Gesicht.
Kelly war tatsächlich in ihn verliebt, er hatte sich also nicht getäuscht und es waren auch keine Hirngespinste. Sein bester Freund hatte Gefühle für ihn und die Tragweite dieses Wissens wurde Matt erst jetzt richtig bewusste.
Diese Emotionen, diese Wahrheit, übte sich auf sämtliche Bereiche seines Lebens aus und für einen Augenblick hasste Matt sich selbst dafür, so versessen auf Severides Ehrlichkeit gewesen zu sein.
~Ich bin ich dich verliebt~, die Worte schallten ihm durch den Kopf, sie hingen in seinen Ohren, saugten sich regelrecht fest und ließen seine Schultern beben.
Den Kloß in seinem Hals versuchte Matt zu ignorieren, erst als er ihn am Atmen hinderte und sich heiße Tränenflüssigkeit in seinen Augen sammelte, schüttelte der Feuerwehrmann benommen den Kopf.
Er musste sich verhört haben, vielleicht war es auch ein Traum. Ein Tagtraum, es wäre immerhin nicht sein erster gewesen und würde seine plötzlich aufgetretenen Probleme mit einem Schlag beseitigen.

Nein, es war kein Traum, er hatte nicht fantasiert und er hatte sich auch nicht verhört. Kelly sprach zwar undeutlich, war kaum bei Atem gewesen, trotzdem hatte der Captain jedes Wort exakt verstanden.
War es seine Schuld, hatte er seinem Freund falsche Hoffnungen gemacht? Wie lang hegte Severide bereits Gefühle für ihn, Gefühle die über eine normale Freundschaft hinausgingen?
Sollte er seit längerem diese Empfindungen spüren, erklärte das auch, weshalb er Matt gerade zu versessen gedrängt hatte, ihm auf diese spezielle Weise behilflich zu sein.
Wieso sonst sollte ein Mann, auch wenn es der beste Freund war, einem anderen Mann anbieten ihn zu befriedigen? Essen kochen, beim Anziehen und vielleicht auch duschen helfen, das waren normal Hilfestellungen, jeder Pflegedienst hätte das gleiche getan, doch das was Kelly ihm angeboten hatte, was er ihm quasi aufgezwungen hatte, es war Matt schon in dem Moment in welchem sein Freund es aussprach komisch vorgekommen.
Wieso hatte er nicht auf seine innere Stimme gehört, wieso hatte er sich nicht auf sein Gefühl verlassen? Weil er es selbst wollte? Das war doch nicht möglich, er war ein verheirateter Mann und Kelly war sein bester Freund!
Sicher, der Rüstgruppenführer war ihm in der Vergangenheit des Öfteren positiv aufgefallen, er war ein attraktiver Mann, der wusste wie gut er aussah. Kelly spielte gern mit seinen Reizen, verführte gern und genoss die Reaktionen seiner Mittmenschen auf sein Aussehen und Können bezogen, doch nicht bei Matt. Zu ihm war er immer aufrichtig gewesen, mit ihm hatte er nie gespielt, oder sich auf besondere Weise hervorgehoben.

Kelly durfte keine Gefühle für ihn haben, verstand der Lieutenant das nicht? Begriff er nicht was das für sie und ihre Freundschaft bedeutete?
Sie waren Seelenverwandte, Kumpels, Vertraute, wie sollte er diesem Mann jemals wieder in die Augen sehen, wie sollte er ihm jemals wieder nah sein, mit dem ständigen Gedanken im Hinterkopf, dass er ihm falsche Hoffnungen machen würde.
Diese Freundschaft bedeutete Matt so unsagbar viel, dass er sich kaum vorstellen konnte, sie würden keine Freunde mehr sein.
Ihre Vergangenheit war geprägt von Ereignissen die sie zusammengeschweißt hatte. Andys und Shays Tod, das war nur die Spitze des Eisberges. Niemals hätte er die einschneidenden Erlebnisse in seinem Leben ohne den Rüstgruppenführer bewältigen konnten und auch wenn sie manchmal stritten, sich in den Haaren lagen und wie raufende Jungs benahmen, war ihre Freundschaft etwas ganz Besonderes.
Wie sollte er sich einem Mann anvertrauen, mit ihm Zigarre rauchen, ihm von Ehestreitigkeiten erzählen, mit dem Wissen, das dieser Mann in ihn verliebt war?!
Nein, das war unmöglich und auch wenn ihre Freundschaft weitläufiger als diese unwichtigen Nebensächlichkeiten war, so konnte Matt sich mit dem Gedanken nicht arrangieren.

Als es leise an seine Tür klopfte und er nur Sekunden später Kellys Stimme hörte, hielt Matt geschockt den Atem an, „Matt?... hey, bitte lass uns reden...“
Er klang nicht wie üblich, sondern belegt, zurückhaltend, vielleicht sogar etwas bedrückt und plötzlich spürte der Feuerwehrmann wie sich ein harter Gegenstand in seine Brust bohrte.
Erschrocken sah er an sich hinab, doch da war nichts. Nichts als anhaltender, erdrückender Schmerz. Gewissensbisse?
Vermutlich! Doch er konnte nicht antworten, er konnte keinen Mucks von sich geben, traute sich nicht mal einen Muskel zu rühren.
Auch wenn er vor den geschlossenen Lidern die gekränkten dunkelblauen Augen sah, den kindlich-traurigen Gesichtsausdruck und die zusammengesackte Haltung, konnte Matt sich der Situation jetzt nicht stellen. Alles in ihm schrie sich einfach die Decke über den Kopf zu ziehen und dem Chaos in seinem Inneren zu entfliehen.
Er wusste, dass ein solches Verhalten keine Lösung sein konnte, doch Kellys Beichte und das damit verbundene Verlustgefühl ihrer Freundschaft war erst wenige Minuten her.

„Matt?“, diesmal war die Stimme so leise, das Matt sie beinah überhört hätte und klang noch viel bedrückter. Es zerriss ihm das Herz, am liebsten würde er die Tür aufreißen, Kelly in den Arm ziehen und ihm beruhigend, mit den Worten ~das wird schon wieder~, über den Rücken streichen. Er durfte es nicht, durfte sich von seinem schlechten Gewissen nicht übermannen lassen. Würde er jetzt einknicken, könnte Kelly sich falsche Hoffnungen machen und am Ende noch viel mehr verletzt werden.
Aber sollte ihn das stören? Sollte Matt nicht viel eher sauer auf seinen Freund sein? Nicht nur weil er ihre Freundschaft zerstörte, sondern auch weil er die Lage des Feuerwehrmanns scharmlos ausgenutzt hatte.
Kelly hatte ihn mit zu sich nach Hause genommen, er hatte ihn gebadet, geduscht, gefüttert und bef… Kelly hatte ihn befriedigt und das gegen Matts Willen. Er müsste kochen vor Wut, müsste Kelly vorwürfe machen, ihn anbrüllen und klar ins Gesicht sagen, das der Rüstgruppenführer es war, der ihre Freundschaft zerstört hatte, stattdessen plagten ihn Gewissensbisse, das war doch…

Nein! Was dachte er da? Kelly hatte ihn nicht ausgenutzt, er hatte Matts Lage nicht zu seinem Vorteil missbraucht. Kelly war ein Freund und hatte ihm Hilfe angeboten, weil Matts eigene Ehefrau diese verweigerte. Weil sie ihm nicht das gab, was er gerade brauchte, hatte sich Kelly dazu bereiterklärt. Der Rüstgruppenführer hatte weder arg- noch hinterlistig gehandelt, so war er einfach nicht!
Wer konnte ihm überhaupt versichern, dass der Lieutenant sich nicht erst vor kurzem in ihn verliebt habe. Gedanklich unterstellte Matt ihm, dass diese Liebe geplant und berechnend war, doch was, wenn dem nicht so sein musste? Würde das nicht alles ändern?
Dann hätte er keinen Grund Wut auf seinen Freund zu empfinden, er könnte ihm keine böse Absicht nachsagen, oder vorwerfen, Kelly habe von Anfang an nur im eigenen Interesse gehandelt.
Doch Fragen konnte Matt ihn nicht, dafür müsste er schließlich den Raum verlassen und seinen Freund ansprechen. Er müsste sich diesem unsagbar unangenehmen Thema offen stellen und das konnte er nicht, vermutlich weil er mit Kellys Reaktion auf seine Ablehnung nicht umzugehen wusste.

Erst als die Schritte vor der Tür sich langsam entfernten, traute Matt sich einen tiefen Atemzug zu nehmen. In seinem Kopf herrschte ein solch wildes Chaos, das ihm übel würde. Wieso war sein Leben nur so schrecklich kompliziert?
Auch wenn es undenkbar war, vermutlich wäre es das Beste, wenn er sich etwas ausruhen würde. Eine Nacht darüber schlafen und morgen sollte die Welt gleich anderes aussehen. Eventuell wer er sogar in der Lage Kelly anzusprechen, ein offenes und ehrliches Gespräch mit dem Rüstgruppenführer zu führen und wer weiß, vielleicht könnte es sogar sein, das es sich um ein Missverständnis handelte.
Auch wenn Matt sich von dieser Idee kaum selbst überzeugen konnte, war es im Bereich des Möglichen, das Kelly seine Worte nicht so meinte, wie er sich ausgesprochen hatte.
Sie brauchten Abstand, wenigstens für ein paar Stunden, morgen würde Matt mit kühlem Kopf noch mal über das ganze Nachdenken und erst dann, ausgeschlafen und stark, eine Entscheidung für ihre Zukunft treffen.

Wann genau Matt eingeschlafen war, hatte er nicht mitbekommen, doch als er seine Lider müde auseinander zwang, stach ihm das helle Licht der einfallenden Sonne in den Augen.
Murrend drehte er sich zur Seite, tastete neben sich und schreckte auf. Er hatte den warmen, festen Körper seines besten Freundes erwartete, wieso schlief er allein und wieso nicht in Kellys Bett?
Erst langsam kam die Erinnerung an den gestrigen Abend zurück, doch kaum hatte sie sein Bewusstsein vollständig erreicht, riss der Feuerwehrmann erschrocken die Augen auf.
Kelly hatte ihm gesagt, er hätte sich in ihn verliebt, auch wenn die Aussage von Matt regelrecht erzwungen wurde. Daraufhin war er panisch aus dem Raum geflüchtet, hatte sich in seinem Zimmer versteckt und die Luft angehalten, bis er sicher war, Kelly würde ihn an diesem Abend nicht mehr um ein Gespräch bitten.
Es war eine feige Reaktion gewesen, doch was hätte er tun sollen? Es war schließlich keine Kleinigkeit und Matt war schon immer eher der ruhige und bedachte Denker gewesen. Überforderte ihn eine Situation, brauchte er Zeit um darüber nach zu denken und genau diese Zeit hatte er sich genommen.
Doch jetzt, an diesem neuen Morgen, würde er um ein Gespräch nicht herumkommen. Er war mit der Hoffnung eingeschlafen, das Problem würde sich irgendwie von selbst klären, doch das war reines Wunschdenken, völlig unrealistisch!
Matt war keinen Schritt weiter als noch vor wenigen Stunden, der Schlaf und auch das intensive Nachdenken hatte nichts ergeben, er saß in der Patsche!

Noch immer müde warf Matt einen Blick auf die Uhr über der Tür, es war bereits kurz vor 10 Uhr am Vormittag, eigentlich hatte er ausreichend Schlaf bekommen und damit sowohl sich, als auch Kelly mehr als genug Zeit zum Nachdenken verschafft. Trotzdem fühlte er sich unausgeruht, zerschlagen und matt. Natürlich könnte das auch mit den restlichen Ereignissen von diesem Tag in Zusammenhang stehen, doch vermutlich lag es an Kelly.
Auch wenn die Situation kompliziert und verworren war, hätte er die Nacht lieber in Anwesenheit seines besten Freundes verbracht, an dem Ort und der Person bei der er sich sicher und beschützt fühlte.
Das war doch Unsinn und total widersprüchlich! Klar, er fühlte sich wohl bei Kelly, doch gerade dieser Umstand zwang ihn auf Abstand zu gehen, genau diese Anhänglichkeit hatte zu einem grundlegenden Problem geführt.

Wieso zum Teufel wollte er überhaupt bei dem Rüstgruppenführer sein? War es wirklich nur das Sicherheitsgefühl? War es nicht viel eher das angenehme Kribbeln in seinem Magen, wenn Kelly ihn anlächelte, diese Wärme um sein Herz, wenn Kelly ihm seine Stärke und Sicherheit demonstrierte und dieses erregende bitzeln, wenn sein bester Freund ihn berührte?
Auch wenn er versuchte es zu leugnen, oder sich einzureden, dass alle diese hitzigen Momente allein von dem Lieutenant ausgegangen waren, wenn er ehrlich war wusste Matt, dass das nicht stimmte.
Kellys Hand zwischen seinen Beinen hatte ihm gefallen, seine Lippen hatten sich auf Matts gut angefühlt und als Kelly auf ihm lag, der Moment in dem der Lieutenant ihm diesen beschämenden Wunsch erfühlt hatte und mit seinen Fingern in Matt eingedrungen war und ihn allein damit zum Orgasmus beförderte, oder als er ihm sein steifes Glied fest an den Hintern presste und immer wieder zustieß, als wolle er in Matt eindringen, es hatte ihn erregt, in eine Ekstase versetzt, die er selbst nicht für möglich gehalten hatte.
Auch gestern musste Matt der inneren Lust nachgeben, auch gestern, vor Kellys Beichte, hatte er sich auf seinem Schoss gewunden, hatte sich an ich gepresste, den Wunsch unterdrückt seine eigene Hose auszuziehen, damit Kelly ihn hart nehmen konnte.
Die Hände des Rüstgruppenführers auf seinem Becken, wie er ihn gelenkt hatte, wie er seinen Penis an ihm gerieben hatte und dann diese Klänge als Matt ihn oral befriedigte…

Schwer schluckend hielt der Feuerwehrmann inne, versuchte die Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen und sich der aufsteigenden Hitze in seiner Mitte nicht hinzugeben.
Wenn ihn selbst die Erinnerung an das, was sie miteinander getrieben hatten erregte, wie konnte er Kelly dann die alleineige Schuld geben, wie konnte er dann behaupten, dass sie nur Freunde waren?!
Matt selbst hatte doch erst vor kurzem den Gedanken sich in seinen Freund verliebt haben zu können. Auch wenn ihn diese Idee geradezu panisch werden ließ, war sie nicht all zu weit hergeholt.
All das sollte ihm nicht gefallen, denn stellte er sich diese perversen Handlungen mit jemand anderem vor, egal wie attraktiv er ihn fand, lösten sie nicht annähernd die Gefühle in ihm aus, die Kellys Bild vor seinem inneren Auge hervorrief.
Es lag also durchaus im Bereich des Möglichen, das er Gefühle für seinen besten Freund entwickelt hatte und genau aus diesem Grund war er gestern innerlich nahezu ausgerastet. Er wollte es sich nicht eingestehen, wollte es ignorieren und irgendjemandem die Schuld geben.
Denn wenn er wirklich Gefühle für Kelly hatte, würde das bedeuten, das mit ihm etwas nicht stimmte, immerhin war er ein verheirateter Mann. Er war Gabbys Ehemann, auch wenn ihre Beziehung nicht perfekt war, sie ständig stritten und er mit seiner eigenen Frau keine Intimitäten teilen wollte, so war er trotzdem mit ihr verheiratet.
War das vielleicht auch der Grund, wieso er Gabby nicht auf erotische Weise nah sein konnte? Lag es an versteckten Gefühlen für Kelly und er hatte ihren penetranten Kinderwunsch nur als Vorwand benutzt?
Das ging jetzt eindeutig zu weit! Ein Problem nach dem anderen, erst mal musste er mit dem Rüstgruppenführer ein klärendes Gespräch führen, die Dinge richtigstellen und sich, in aller erster Linie, ordentlich bei ihm entschuldigen!
Matt kannte Kelly gut und wusste genau, dass dieser eine schlaflose Nacht hinter sich hatte, nachdem Matt einfach davongelaufen war.

Angestrengt schleppte der Captain sich aus dem Bett, in Gedanken schon darauf vorbereitend Kelly in der Küche anzutreffen. Bestimmt würden die ersten Minuten seltsam werden und Matt war sich beinah sicher, dass er es sein müsste, der das Gespräch in Gang brachte. Doch nachdem er Kelly am Vorabend mit seinen Gedanken einfach hatte stehen lassen, würde er in den sauren Apfel beißen, was bliebe ihm anderes übrig.
Ein Blick auf die Verbände an seinen Händen ließ ihn schlucken. Diese waren ausgefranzt, etwas schmutzig an den Seiten und Matt verspürte den Wunsch sie sich von den Händen zu reißen, die Wunden ordentlich zu reinigen und die Wunden mit einer dicken Schicht Brandsalbe neu zu verbinden.
Noch ein Grund mehr sich so schnell wie möglich mit Kelly zu versöhnen, denn auch wenn seine Frau eine Sanitäteraubildung hatte und quasi Profi auf diesem Gebiet war, schmerzten die Verbrennungen am wenigstens, wenn der Rüstgruppenführer sich ihnen widmete, doch nach den verstörenden Gedanken gerade eben, bezweifelter Matt das diese Realität der Wirklichkeit entsprach. Vermutlich redete er es sich nur ein, oder es lag an dem immensen Vertrauen das er dem Lieutenant entgegenbrachte.
Egal was es war, am liebsten ließ er sich von Kelly verarzten und egal wie groß die Enttäuschung, ein eventueller Streit oder die verwirrenden Gefühle zwischen ihnen war, Matt konnte sich sicher sein, das sein Freund ihn, was diese Verletzungen betraf, nicht hängen lassen würde.

Ein Blick in die Küche ließ ihn jedoch innehalten, weder dort, noch im angrenzenden Wohnzimmer war der Feuerwehrmann zu sehen. Einen Moment hielt Matt den Atem an und lauschte auf Geräusche aus dem Badezimmer, doch die Tür stand weit offen und von Kelly keine Spur. Vermutlich schlief der Rüstgruppenführer noch, schließlich hatte Matt schon eruiert, das es auch für Kelly eine harte Nacht gewesen sein musste.
Doch als Matts Blick auf die Pfannkuchen in der Küche fielen, er daneben ein frisches Glas Orangensaft mit einem Strohhalm erblickte und das weiße Stück Papier sah, breitete sich eine böse Ahnung in ihm aus.
Mit klopfendem Herzen trat er nähe und überflog den kleinen Zettel, auf dem in unordentlicher Handschrift: ~Musste zur Arbeit, würde mich freuen, wenn wir morgen noch mal reden könnten. Es tut mir leid! -K~ stand.
Das hatte Matt völlig vergessen, Kelly hatte heute Dienst und als sich ein dumpfes Klopfen in seinem Magen bemerkbar machte, senkte er betrübt den Kopf.
Der Rüstgruppenführer hatte ihm mehr als einmal angeboten die Schicht auszusetzen und jetzt bereute Matt ihn nicht darum gebeten zu haben. Er hatte diese Unterhaltung unnötig lang hinausgezögert, unterbewusst vermutlich sogar gewusst das Kelly am Morgen nicht hier sein würde und als er sich das Frühstück genauer besah, erkannte das neben den duftenden Pancakes eine kleine Schale mit frischen Beeren stand, wurden die Gewissensbisse noch größer.
Durch den Vorfall am Vortag hatten sie die Lebensmittel nicht mit nach Hause nehmen können, die Tatsache das hier gebackener Teig und frisches Obst stand bedeutete, das Kelly in aller Frühe auf dem Markt gewesen sein musste und das nur, damit Matt etwas in den Magen bekam. Sogar ein Glas Orangensaft hatte er ihm ausgepresst.
Matt war ein echter Mistkerl!

Es half alles nichts, er musste die Sache klären und mit Kelly sprechen. Einen Aufschub würde er nicht länger ertragen. Kurz sah Matt an sich hinab, die Jogginghose war noch in Ordnung und sein T-Shirt wirkte auch noch relativ frisch, also schlüpfte er kurzerhand umständlich in die Kapuzenjacke, welche neben der Haustür am Harken hang und seine Schuhe und hielt inne. Sofort schoss ihm Kellys Geruch in die Nase und zu spät bemerkte Matt, dass er einen Pullover des Rüstgruppenführers trug.
Kurz überlegte Matt sich noch einmal umzuziehen, haderte dann jedoch. Wie sollte er überhaupt zur Wache kommen, sicher konnten ihn die Polizisten vor der Tür dort hinbringen, doch die Wohnung ohne Kellys Geleitschutz zu verlassen fühlte sich beängstigend an.
Allein bei dem Gedanken daran kroch ihm Übelkeit die Speiseröhre hinauf und er schloss die Augen. Seufzend lehnte sich Matt gegen die geschlossene Haustür und überlegte ob es doch klüger wäre einfach bis zum Schichtende zu warten. Doch als sein Blick zurück in die Küche fiel und er das vorberietet Frühstück vor Augen hatte, schüttelte er entschlossen den Kopf.
Nein, er musste das durchziehen, nicht nur für Kelly, sondern auch für sich selbst. Die zwei Polizisten, welche die Wohnung observierten, waren vielleicht unerfahren, trotzdem würden sie ihren Job ansatzweise beherrschen, sonst hätten sie wohl kaum eine Abschlussprüfung meistern können.
Entschlossen atmete Matt durch, straffte die Schultern und schüttelte noch einmal den Kopf, mit dem Versuch die Angst in seinen Gedanken loszuwerden.

Das drückende Gefühl in seinem Inneren verschwand nicht, auch als er im Streifenwagen auf der Rückbank saß. Dass die beiden Beamten wenig begeistert waren, seinen Chauffeur spielen zu müssen war nicht zu übersehen, doch Matt hatte mehr als genug mit dem Chaos in seinem Kopf zu tun, als sich auch noch über ihre Gefühle Gedanken machen zu können.
Aus weiter Ferne konnte er das Dach der Wache bereits sehen, und augenblicklich versagten ihm die Nerven ein weiteres Mal. Er war so von dem Gedanken mit Kelly zu reden besessen, dass ihm das andere Übel an diesem Ort nicht mal in den Sinn gekommen war.
Seine Frau würde sich dort befinden, wie sollte er ihr erklären, dass sein Besuch nicht ihr galt, davon abgesehen würden ihm gleich auch unzählige Fragen von seinen Kollegen entgegengebracht werden. Kollegen die er seit der Entführung nicht mehr gesehen hatte, Kollegen denen er bewusst aus dem Weg gegangen war, um sich den Blößen seiner Hilflosigkeit nicht hingeben zu müssen.
Ein Gespräch mit Kelly war das eine, darauf bereitete er sich seit dem Aufwachen vor, doch seinen Freunden gegenüber zu treten und in ihre mitleidigen Gesichter zu sehen, war eine ganz andere Geschichte.

„Wollen Sie nicht aussteigen?“, irritiert hob Matt den Kopf und sah den Polizisten am Steuer an. Er war schon wieder so in Gedanken versunken gewesen, dass er überhaupt nicht registriert hatte, dass sie angekommen waren.
„Ich äh… also…“, setzte er an, doch als das genervte Prusten an sein Ohr drang und er durch den Rückspiegel erkennen konnte, dass der junge Mann die Augen verdrehte, packte ihn die Wut.
Zornig öffnete er, mit Hilfe seines Ellenbogens, die Tür und stieg aus. Diesen überheblichen Typen würde er seine Schwäche nicht zeigen. Er war stark, er war ein Feuerwehrmann und er würde das schaffen!
Ein letzter Blick zum Streifenwagen und der überraschte Ausdruck auf den Gesichtern der Uniformierten festigten seinen Entschluss und so atmete Matt tief durch, bevor er die Schultern straffte, den Rücken gerade hielt und erhobenen Hauptes auf die Wache zulief.

Die freudigen Willkommensrufe ertönten, noch bevor er eine Gestallt erkennen konnte und kaum war Matt in die Fahrzeughalle getreten, fiel ihm Sylvie um den Hals, „oh Matt was für eine schöne Überraschung!“
Schwer schluckend zwang sich der Feuerwehrmann ein Lächeln auf die Lippen, als Cruz ihm auch schon einen festen Schlag auf die Schulter verpasste, „wow das ist ja eine Überraschung, es ist toll dich zu sehen Casey! Hattest du Sehnsucht nach deiner Familie?“
„Casey!“, brüllte bereits die nächste Stimme und nur Sekunden später trat Otis in sein Blickfeld, der mit aufgerissenen Armen auf ihn zu rannte, woraufhin Matt reflexartig einen Schritt zurückwich. Mit beleidigter Miene blieb der Russe stehen und senkte die Arme, als Sylvie ihn auch schon tadelnd ansah, „hey Jungs, jetzt lasst ihn doch erst mal reinkommen!“, bevor sie sich Matt zuwandte und ihn Richtung Gebäudeinnerem schob, „du möchtest bestimmt Gabby besuchen?“
„Äh nein ich… eigentlich wollte ich zu…“, setzte Matt an, als sein Blick im Vorbeigehen auf den Tisch der Rüstgruppe fiel, an dem ihm Tony und Capp entgegengrinsten, von Severide war jedoch nichts zu sehen.

Sylvie ließ ihn kaum zu Wort kommen, ihr Griff um seinen Arm war fest und unbeirrt zog sie ihn hinter sich her, bis Matt schließlich im Aufenthaltsraum stand und von allen Seiten mit großen Augen gemustert wurde.
Am Tisch saßen Herrmann und Kidd, während Mouch auf dem Sofa thronte. Hinter dem Herd erblickte er Gabby und einen großgewachsenen fremden Mann in ungefähr seinem Alter und Feuerwehrkleidung. Auf dem Kragen seines weißen Hemdes prangte der Captain-Anstecker und Matt musste kein Genie sein, um den Kerl zu identifizieren.
„Matt was…“, warf seine Frau in fragendem Ton ein und Matt kannte Gabby lang genug um ihren ~erwischt~ Gesichtsausdruck umgehend zu durchschauen. Sein Blick fiel zurück auf den großgewachsenen Mann. Er war wirklich stattlich, hatte dunkles Haar und tiefe braune Augen. An den Ärmeln seines Shirts zeichneten sich muskulöse Oberarme ab und sein Blick hatte etwas an sich, das Matt auf Anhieb missfiel.
Ein großspuriges Lächeln breitete sich auf seinen schmalen Lippen aus, als er Gabby noch einmal ansah und dann um die Kücheninsel Schritt und mit ausgestreckter Hand auf Matt zuging, „Hallo ich bin Captain David Halloweight, Ihre Vertretung.“
Einen Augenblick sah Matt auf die ausgestreckte Hand, bevor er den Kopf hob um Halloweight ausdruckslos anzustarren. Dieser machte eine peinlich berührte Geste, murmelte ein schnelle „oh, richtig“, und zog die Hand zurück.
Plötzlich fühlte Matt sich unglaublich schäbig. Hier stand er mit seiner schwarzen Jogginghose, den ausgelatschten Turnschuhen, einem ausgeleierten dunkelblauen T-Shirt und Kellys übergroßer Kapuzenjacke. Zwar hatte Kelly ihm erst vor kurzem beim Rasieren geholfen und sein Bartwuchs war recht langsam, trotzdem hatten sich bereits kleine Stoppeln um seinen Mund gebildet und diesem großgewachsenen Mann, mit dem strahlend weißen Zahnpaste-Lächeln gegenüber zu stehen, löste ein Gefühl in ihm aus, auf das er gern verzichten könnte.

„Es scheint Ihnen ja noch nicht so… wirklich gut zu gehen“, dabei hob der Vertretungscaptain eine Augenbraun und sein schiefes Grinsen setzte den Wunsch in Matt frei, dem Mann mitten ins Gesicht zu schlagen. Dem Drehleiterführer war keinesfalls entgangen, dass dieser Schönling die Augenbraun in die Höhe gezogen und auf seine ausgefranzten Verbände geschaut hat, doch als der überhebliche Ton in der Stimme des Mannes zum Schneiden wurde, musste Matt all seine Willensstärke aufbringen um ruhig zu bleiben, „machen Sie sich keine Sorgen Matt, ich hab hier alles bestens im Griff und vertrete Sie in ~allen~ Bereichen ganz hervorragend.“
Das Maß war voll, die Spannung in der Luft zum Zerreißen und Matt spürte wie das Blut in ihm hochkochte. Er fühlte die Blicke seiner Untergebenen auf sich, wie sie sich die Szene betrachteten und gerade als er verbal auf den Mann losgehen wollte, huschte Gabby an Halloweights Seite, legte ihm eine Hand auf die Schulter, die andere auf die Brust und lächelte, „David ist uns hier auf der Wache eine wirklich große Hilfe, du brauchst dir keine Sorgen zu machen und kannst in aller Ruhe genesen.“
Diese Worte ausgerechnet von seiner Frau zu hören und dabei zusehen zu müssen, wie nah sie dem fremden Mann war schmerzte Casey auf eine Weise, die er kaum für möglich gehalten hatte.
Die beiden flirteten nicht direkt miteinander, der enge Körperkontakt störte ihn zwar, doch er war für seine Wut nicht ausschlaggebend. Es war die Art wie Gabby diesen Kerl ansah, wie sie lächelte und seinen Namen aussprach.
Matt spürte ein Stechen in seiner Brust, sein Magen zog sich krampfhaft zusammen und er musste fest den Kiefer aufeinanderpressen, um seiner Wut keinen Ausdruck zu verleihen. Ob Gabby seinen Unmut nicht mitbekam, oder schlichtweg ignorierte konnte Matt nicht sagen, doch dieses Gefühl der Eifersucht das immer stärker in ihm brodelte und sein Empfinden zu verschlucken drohte, benebelte seine Sinne.

„Was machst du denn überhaupt hier? Wolltest du mich besuchen?“, flötete sie, als ihre Hände sich von der durchtrainierten Brust des Feuerwehrmann lösten und sie einen Schritt auf Matt zuging.
Gabby hatte wirklich ausgesprochen gute Laune und die Verwunderung in Matt war nicht zu übersehen. Er hatte damit gerechnet, dass sie ihm Vorhaltungen, vielleicht sogar Vorwürfe machen würde, das sie Toben und Schreien würde und das sie sich stritten, bedachte man ihr letztes aufeinandertreffen. Doch dem war nicht so, die Sanitäterin wirkte völlig ausgeglichen.
„Ja ich… ich bin hier, weil ich mit dir sprechen muss“, antwortete Matt ihr, noch immer vom Verhalten seiner Frau überrascht.

Das Gespräch mit Gabby war nicht der Grund für seinen Besuch, er wollte mit Severide reden, wollte diese Sache zwischen ihnen klären, doch nachdem er seine Frau und diesen fremden Mann zusammen gesehen hatte, konnte er nicht anderes. Alles in ihm schrie, doch Matt wusste nicht wonach. Tat er das falsche, sollte er an ihr vorbei gehen um endlich die Sache zwischen Kelly und ihm zu klären, oder sollte er hier bei seiner Frau stehen bleiben und sich mit ihr unterhalten.
Mit angehaltenem Atem ging Matt einen Schritt beiseite, so das den beiden wenigstens ein kleines bisschen Privatsphäre zuteilwurde und der Rest, der gaffenden Belegschafft sie nicht mehr hörte, „Gabby ich… ich möchte wieder nach Hause kommen. Ich will bei dir sein!“
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