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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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07.07.2020 3.730
 
Kapitel 16 – zum Widerstand gezwungen


In Matt loderte die reinste Panik und gleichzeitig spürte er Zorn für seine eigene Dummheit. Vor der Tür hatte er drei Gestalten bemerkt, welche sich an Kellys Auto zu schaffen machen wollten, doch anstatt den Rüstgruppenführer zu informieren und mit ihm gemeinsam nach draußen zu gehen, hatte er sich allein auf den Weg gemacht.
Wie so oft in Kellys Nähe hatte Matt seine Verletzungen verdrängt, nicht daran gedacht und durch das Sicherheitsgefühl, welches sein Freund im schenkte, war er unachtsam geworden.
Den Van, welcher hinter ihrem Auto parkte, hatte Matt durch die Scheiben des Supermarktes nicht gesehen, doch als er bei den vermeintlichen Übeltätern ankam, überstürzt durch lautes Rufen auf sich aufmerksam gemacht hatte und die Blicke der drei Männer seine trafen, wusste er instinktiv, das er einen gigantischen Fehler begangen hatte.

Eher Matt reagieren konnte, schnappte ihn der größte von ihnen an den Schultern, presste seinen Körper in einer Drehung gegen Kellys Wagen und drückt ihm die flache Hand auf den Mund.
Matt wollte Schreien, er wollte sich wehren, treten, schlagen, sich aus dem Griff des großen Mannes winden, doch schon beim Anzeichen eines Befreiungsversuches war Angreifer Nummer zwei herbeigeeilt, hatte seine bandagierten Hände gepackt und fest zugedrückt.
Der Schmerz welcher Matts Bewusstsein in diesem Augenblick durchflutete war gigantisch. Ihm wurde übel, schwindelig und alles in ihm schrie, er solle aufgeben und jegliche Befreiungsversuche einstellen, damit sein Angreifer ihn nicht länger quälte.
Zwar rief eine leise Stimme in seinem Kopf, er müsse sich wehren, dürfe sich nicht einfach kampflos ergeben, doch das brennende Stechen in seinen Händen raubte ihm beinah den Atem.

Aus dem Augenwinkel registrierte Matt, wie Angreifer Nummer drei sich dem parkenden Van zugewandt hatte um die breite Seitentür schwungvoll aufzureißen. Der Feuerwehrmann musste kein Genie sein um zu begreifen was gerade geschah.
Sie wollten ihn verschleppen, entführen und…
Es mussten dieselben Männer wie bei seiner ersten Entführung sein, die Männer, welche ihn verprügelt hatten, welche ihn verbrennen lassen wollten. Sie trugen Mundtücher und Sonnenbrillen, sie waren eindeutig keine Weißen und auch wenn er ihre Gesichter nicht erkennen konnte, spürte der Feuerwehrmann instinktiv das er mit seiner Vermutung richtig lag.  
Wie sollte er sich befreien, wie sollte er hier rauskommen?
Die Verzweiflung drohte Matt zu überwältigen und der Selbsthass über seine grenzenlose Naivität und Dummheit bohrte sich in jede Faser seines Verstandes.
Er hätte niemals Einkaufen gehen dürfen, es war eine dumme und leichtsinnige Idee gewesen. Wie konnte er annehmen, dass er stark genug war.
Nein, Matt war weder stark, noch mutig, noch clever. Er war ein schwaches Häuflein Elend das nicht allein zurechtkam. Was sollte es bringen sich ihnen weiterhin zu widersetzen?

Erneut durchflutete stechender Schmerz seinen Körper und als sich die Hand auf seinem Mund lockerte, konnte der Feuerwehrmann nicht anderes, als aus voller Kehle zu schreien.
Wie war es überhaupt möglich, dass sie niemand sah, dass niemand mitbekam, wie diese Kerle versuchten ihn zu entführen? Sahen die Leute alle weg? Ignorierten sie seine Befreiungsversuche oder dachten gar, er wolle gewaltsam in einen Transporter gezwungen werden?
„Halt die Fresse! Niemand wird dir helfen, du bist es nicht wert. Sei lieber kooperativ, sonst töten wir jeden der dir wichtig ist“, blaffte ihm der große entgegen, welcher ihn noch immer an den Wagen drückte.  
In diesem Moment legte sich in Matts Gedanken ein Schalter um, die Worte, welche ihn vermutlich verletzen und deprimieren sollte, bewirkten das exakte Gegenteil.
Er war es wert, Kelly hatte es ihm in den vergangenen Tagen immer und immer wieder gesagt. Kelly hatte sich Mühe mit ihm gegeben. Kelly hatte ihn nicht aufgeben und Matt durfte das auch nicht. Wenn er nicht für sich Kämpfen konnte, dann musste er es wenigstens für Kelly tun!

Wutentbrannt wandte Matt seinen Körper hin und her, versuchte sich aus dem Griff des großen Mannes zu befreien, trat erneut nach ihm aus und biss ihm in die Hand, als dieser ihn zum Schweigen bringen wollte.
Als Angreifer Nummer Eins ihn nach vorn riss, schüttelte und anschließend mit aller Gewalt mit dem Rücken gegen Kellys Auto schleuderte, ertönte schreiend die grelle Alarmanlage des Mustangs, was die drei Männer erschrocken zusammenzucken ließ.
Auch Matt war zusammengefahren, doch fing sich deutlich schneller als seine Gegner. Er wollte flüchten, wollte sich aus ihrem Kreis winden und zu Kelly in den Laden rennen, doch er konnte sich nicht rühren.
Verzweifelt sah Matt auf seine Füße, spürte wie seine Knie zittrig nachgaben und er mit den Rücken den Wagen herab, bis auf den Boden, sackte. Das Adrenalin hatte seinen Körper verlassen, erneut flammte Schmerz in seinen Händen auf, zog sich durch seinen Körper und ließ kleine Sterne vor seinen Augen tanzen.
Es hatte keinen Sinn, er würde nicht entkommen und endlich erkannte Matt auch, wieso ihm keiner half, wieso niemand einschritt und diese Kerle an einer Entführung hinderte.
Die Straße um sie herum war wie leergefegt, plötzlich wirkte seine Umgebung wie verlassen, so als hätten sich die Menschen, in Erwartung etwas Schrecklichem, in Sicherheit gebracht.
Matt verstand diesen Umstand nicht, als er sich noch im Laden befunden hatte, waren dort Passanten, wieso kamen sie nicht heraus? Oder waren sie herausgekommen und hatten sich leise vorbeigestohlen?  

Lange Zeit um darüber nach zu denken blieb ihm nicht, denn schon im nächsten Moment hatte der größte seiner Angreifer sich gefangen und packte ihn hart an den Schultern.
„Wir haben genug getrödelt, reißt euch zusammen! Ab mit ihm in den Van!“, schrie Angreifer Nummer Zwei und in Matt sank jegliche Hoffnung doch noch entkommen zu können.
Doch gerade als er wieder auf die Beine gezerrt wurde, taumelte der Feuerwehrmann erneut zurück. Die Hände um seine Schultern hatten sich gelöst, aus dem Augenwinkel erkannte er, wie sein Widersacher stolperte, zur Seite gerissen wurde und hart auf dem Boden aufschlug.
Angreifer Nummer Drei wollte sich in das Geschehen einmischen, wurde jedoch mit einem harten Tritt zurückbefördert und der Mann, welcher gerade noch geschrien hatte, sie müssten sich beeilen, besah sich die Szene mit aufgerissenen Augen.
Matt brauchte einen Augenblick um zu begreifen was gerade geschah.

Jemand hatte sein stummes Flehen erhört und war ihm zu Hilfe gekommen. Er war diesen Männern nicht länger schutzlos ausgeliefert, sondern bekam eine zweite Chance.
Gerade als der Feuerwehrmann den Kopf hob um seinen Helfer zu identifizieren erreichte ihn ein fester Tritt. Sein Körper wurde erneut zurückgeschleudert, prallte gegen das kalte Metall des Wagens hinter sich und ehe Matt reagieren können, traf ihn ein Schuh. Diesmal ging der Tritt in seine Seite und länger konnte der Feuerwehrmann sich nicht mehr auf den Füßen halten. Mit einem stöhnenden Aufschrei glitt Matt auf den kalten Asphalt, drückte seine bandagierten Hände mit schmerzverzerrtem Gesicht fest gegen die pochende Seite und keuchte atemlos.
Doch endlich konnte er seinen Retter erkennen und sofort wurde Matt warm ums Herz. Obwohl die Szene Absurd wirkte, schob sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen als er den muskulösen Rücken seines Freundes sah, den zornigen Gesichtsausdruck wahrnahm und erst als Matt registrierte, das Kelly über einem seiner Angreifer kniete und ihm unermüdlich ins Gesicht schlug, schaltete sein Verstand sich vollständig an.

„Kel…Kelly“, keuchte der Drehleiterführer atemlos und es dauerte nur wenige Sekunden, bis dieser den Kopf in die Höhe riss, Matt mit vor Schock geweiteten Augen anstarrte und zu ihm stürzte.
„Matt, verflucht es tut mir leid. Matt du warst plötzlich… was ist passiert?“, überschlug sich Kelly beinah beim Sprechen und der junge Captain konnte nicht anderes als entschuldigend zu Lächeln, „es tut mir leid, das war so dumm. Ich hätte niemals allein raus gehen dürfen.“
Sofort schüttelte der Rüstgruppenführer den Kopf, „nein, so etwas konnte doch keiner Ahnen… dieser verfluchte…“, wie als wäre ihm plötzlich eingefallen, aus welchem Grund sie auf dem Boden Knieten, riss Kelly den Kopf in die Höhe, „scheiße diese verdammten…!“ Matt folgte seinem Blick und erkannte gerade noch, wie der kleine Dicke Mann, auf welchen der Rüstgruppenführer eingeschlagen hatte, seine Sonnenbrille richtete und humpelnd in den Van stieg, welcher anschließend mit quietschenden Reifen davonfuhr.
Schwer atmend versuchte Matt mit seiner bandagierten Hand nach seinem Freund zu greifen, welcher seine Aufmerksamkeit umgehen zurück auf Matt richtete, „sie sind weg Kelly, es geht schon… kannst du mir… hilfst du mir…?“
Sofort Begriff der Angesprochene worauf Matt hinaus wollte, packte ihn unter den Armen und zog ihn in die Höhe. Doch auch als der Feuerwehrmann wieder auf eigenen Füßen stand, ließ Kelly seinen Arm auf Matts Hüfte ruhen, „du warst plötzlich verschwunden. Ich dachte schon diese drei Kids, welche uns beobachteten wären… aber das waren lediglich kleine Diebe, die glaubten ich wäre vom Sicherheitspersonal.“
Matt konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen, presste jedoch umgehend die Augen zusammen, als ihn seine schmerzende Seite erneut erinnerte, sich nicht zu viel zu bewegen, „das war so dumm, ich bin ein solcher Idiot. Ich habe durch die Scheibe gesehen wie diese drei Kerle sich an deinem Wagen zu schaffen gemacht haben. Es war eine Falle und ich bin blind hineingetreten.“

Seufzend musterte Kelly den Feuerwehrmann, „ist jetzt nicht mehr zu ändern, ich werde dich erst mal ins Med bringen, danach fahren wir zur Polizei. Ich hab dem einen die Sonnenbrille runtergerissen, außerdem will ich wissen, wo der verfluchte Streifenwagen war, der dich eigentlich im Auge behalten sollte!“
„Du hast was? Das habe ich nicht mitbekommen. Mir geht es gut Kelly, lass uns direkt zur Polizei. Krankenhaus ist wirklich nicht nötig!“, versuchte Matt abzuwehren, woraufhin Kelly ihn streng musterte, „also gut, erst Polizei und dann Med. Sie sollen sich wenigstens deine Hände ansehen, ich sehe doch das du Schmerzen hast und ich habe auch den Tritt gesehen, welchen dieser verfluchte…“, erneut brach der Rüstgruppenführer ab und biss verkniffen die Zähne zusammen.
Matt erkannte wie sehr sein Freund sich quält, er sah die Schuldgefühle, welcher dieser sich selbst aufbürdete und alles in ihm schrie, Kelly davon zu erlösen, schließlich war es seine eigene Schuld gewesen, doch ihm fehlten schlicht und ergreifend die Worte.

Auf der Fahrt zum 21. Revier entschuldigte der Lieutenant sich gefühlte 100 weitere Male, bis Matt schließlich seufzte und ihn anflehte endlich damit aufzuhören.
Für einen Augenblick schien Kelly diese Bitte in den Falschen Hals zu bekommen, er wirkte kurz irritiert, vielleicht auch vor den Kopf gestoßen und schwieg die restliche Fahrt über.
Erst im Revier kam der Rüstgruppenführer dann wieder auf Touren.
„Verdammt noch mal, wie kann das sein, Ihr Job ist Matts Schutz. Wo zur Hölle waren Sie?“, brüllte Kelly die beiden Beamten an, welche Platt zum Tresen beordert hatte, nachdem der Lieutenant ihr den Sachverhalt in wenigen Worten schilderte.
Die jungen Polizisten wollten sich seine Anschuldigungen offenbar nicht gefallen lassen und so Diskutierten die beiden Parteien nun schon seit mehreren Minuten über die Frage, wer von ihnen falsch gehandelt hatte.
Die beiden Cops wollen sich, vor allem vor ihrem Sergeant, nicht stillschweigen denunzieren lassen, „Sie hätten Mr. Casey überhaupt nicht raus lassen dürfen. Wie kommen Sie auf diesen völlig bescheuerten Einfall, es wäre eine gute Idee ihn zum Einkaufen zu schleppen? Schnallen Sie ihm doch gleich eine Zielscheibe auf den Rücken!“
„Soll das ein verdammter Scherz sein? Sie wagen es ernsthaft mir ein Fehlverhalten zu unterstellen? Matt ist doch kein Gefangener!“, schrie Kelly zurück und ballte die Hände zu Fäusten.

Matt stand schräg neben ihm, spürte noch immer, dass Kelly ihm versuchte Halt und Sicherheit zu spenden, doch je wütender der Lieutenant wurde, desto unsicher fühlte sich Matt.
Auch Platt besah sich den Streit eine ganze Weile schweigend, doch dann schien auch ihre Lunte zu verglühen. Mit einem lauten Knall ließ sie die flache Hand auf den Tressen rauschen, was alle Anwesenden verstummen ließ und sah zu ihren Untergebenen, „Lieutenant Severide hat vollkommen recht. Sie hätten Casey im Augen behalten müssen. Severide musste Ihren Job erledigen und wenn ich mir seine Hände anschaue, oder auch Caseys Erscheinung, dann war das offensichtlich kein einfacher Job.
Das Ganze wird Konsequenzen haben, Sie werden sich für Ihr Fehlverhalten verantworten müssen! Los, wegtreten!“
Beeindruckt sah Matt die erfahrene Polizistin an und bemerkte aus dem Augenwinkel, das auch Kellys Blick regelrecht hochachtungsvoll geworden war. Mit Trudy Platt legte sich wirklich niemand an und Matt war sich sicher, dass Mouche es zuhause bestimmt nicht immer leicht hatte.
„Danke Sergeant Platt“, murmelte Kelly, noch immer sichtlich erbost, woraufhin Trudy abwinkte, „nichts zu danken, diese Jungspunde sind für wirklich nichts zu gebrauchen. Ich kann mich für ihre Unachtsamkeit nur entschuldigen. Haben Sie denn etwas gesehen, können Sie eine Aussage machen?“
Kelly sah Matt wartend an und dieser fühlte sich plötzlich furchtbar unsicher. Zeitlupenartig nickte Matt, „ich habe nichts außer ihrer Masken und Sonnenbrillen gesehen, aber ich bin sicher, dass es die gleichen wie beim letzten Mal waren. Ihre Stimmen, die Statur, ich bin mir sicher! Kelly konnte einem die Sonnenbrille herunterreißen, ich hab seine Augen jedoch nicht sehen können.“ Die Tatsache das Matt sich beinah vollständig auf sein Bauchgefühl bei der Täterbeschreibung verließ, behielt der Feuerwehrmann lieber für sich.
Kelly nickte neben ihm, „ja, der große schlanke. Er hatte dunkelbraune Augen, sie standen dicht zusammen und seine Augenbraun waren sehr markant.

Trudy hörte sich alles aufmerksam an, notierte sich das wichtigste und befragte anschließend auch Matt noch einmal bezüglich des Tathergangs. Anschließend musste Kelly sich mit einem Zeichner zusammensetzen, welcher ein Phantombild erstellte und danach durften sie endlich gehen.
Doch auch wenn Matt sich schon auf Kellys gemütliche, Sichere Wohnung gefreut hatte, fuhr dieser zuvor noch im Chicago Med vorbei.
Matt musste sich untersuchen lassen, ob er wollte oder nicht, doch glücklicherweise hatte Will Halstead Dienst in der Notaufnahme und der Feuerwehrmann konnte sich lange Erklärungen sparen, immerhin war es Will, der ihn auch bei seiner Handverletzung behandelt hatte.
Zwei Stunden später war die Tortour, oder besser gesagt, dieser endlose Tag, endlich vorbei. Kelly parkte den Wagen vor dem Haus, sah sich kurz aufmerksam um und lächelte Matt schließlich an, „du siehst ganz schön kaputt aus.“
Dieser zog beide Augenbraun in die Höhe, „wundert dich das? Ich will nur noch aufs Sofa, die Füße hochlegen und ein kühles Bier genießen. Nicht mal der Strohhalm wird mich heute stören!“

„Hör mal der Dienst morgen“, setzte Kelly an, als sie gemeinsam die Wohnung betraten, „ich sag Boden das ich nicht kommen kann, er wird das verstehen.“
Mit großen Augen sah Matt seinen Kollegen an, „nein, mach das nicht. Es geht schon wieder Kelly, der Schock hat sich gelegt. Es geht mir besser, wirklich.“
Das Matt sich mit den Worten selbst belog, war dem Drehleiterführer durchaus bewusst, doch er konnte auch nicht zulassen, dass Kelly schon wieder einen Dienst absagte. Ihr Chief war verständnisvoll, doch er würde dieses Spiel nicht ewig mitmachen. Außerdem fühlte Matt sich wirklich etwas besser, seltsamerweise spürte er weder Angst noch Unsicherheit. Wenn er ehrlich war, ging es ihm richtig gut, von den Schmerzen in seinen Händen mal abgesehen.
„Sei nicht albern Matt, dir geht es überhaupt nicht gut. Du glaubst es würde dir gut gehen weil du mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt bist, sobald die Wirkung nachlässt unterhalten wir uns noch mal“, schüttelte Kelly den Kopf und schob Matt aufs Sofa, nur um Sekunden Später ein kühles Bier vor ihm abzustellen und ihn aus mitleidigen Augen anzusehen.
„Oh komm schon Severide, nicht dieser Blick… bitte!“, Kellys schlechtes Gewissen war so präsent, dass Matts Schuldgefühle, trotz der Beruhigungsmittel, nagend an seinem Bewusstsein klopften. Wieso gab der Rüstgruppenführer sich allein die Schuld an dem Vorfall, immerhin war es Matt gewesen, der einfach nach draußen gelaufen war, der sich dumm und töricht verhalten hatte!
Kelly hingegen war beeindruckend gewesen, wie er die Kerle von ihm wegzog, auf sie einschlug und völlig ausrastete. Der Lieutenant war kein gewalttätiger Mensch, trotzdem hatte er ohne Unterlasst auf sie eingeschlagen und das alles nur für Matt.
Noch nie hatte sich jemand so für den Feuerwehrmann eingesetzt, noch nie war jemand bereit sich zu prügeln, um ihn aus einer gefährlichen Lage zu befreien.
Aber wieso? Wieso tat Kelly das alles, wieso kümmerte er sich so liebevoll um ihn, wieso war er bereit sein Privatleben beinah vollständig aufzugeben und Matt seine gesamte Zeit zu widmen und wieso zum Teufel ließ der Gedanke an Kelly und seinen Heldenmut, sowie sein Verhalten kleine Schmetterlinge in Matts Magen flattern?

Zwiegespalten biss der Captain sich auf die Lippe, er hatte bereits eine Ahnung gehabt, eine Ahnung welche ihm selbst ganz und gar nicht gefiel. Er durfte sich nicht in Kelly vergucken, er durfte keine Gefühle, neben den Brüderlichen, für den Rüstgruppenführer entwickeln. Er war ein verheirateter Mann, ein heterosexueller Mann, völlig unmöglich das er sich in einen anderen Kerl verknallt, dazu auch noch in seinen besten Freund.
Doch wieso war es Kellys Gesicht, welches er sah, wenn er sich dem Höhepunkt näherte. Lag es daran des es der Feuerwehrmann war, der ihm bei der Erleichterung behilflich war? Noch so ein Punkt den Matt nicht verstand.
Kelly war, seines Wissens nach, ebenfalls Heterosexuell, wieso fiel es ihm so leicht, Matt zu befriedigen und wenn er dann auch noch an diesen speziellen Moment dachte, dieser Moment indem es sie beide überkommen hatte.
Allein beim Gedanken daran wurde Matt schwindelig. Dieser Moment war berauschend gewesen. Die Art wie Kelly ihn anfasste, wie er sich über ihn beugte, wie er sein steifes Glied an Matt presste, zustieß und es sich anfühlte als würde er versuchen sich durch den Stoff zu schälen.
Dieser Moment hatte Matt so erregt, dass er alles und jeden um sich herum vergessen hatte. Da war nur noch Kelly und er, wie sie sich in den Laken wälzten, sich einander hingaben und Matt erinnerte sich noch genau an die Winzige Stimme in seinem Kopf, die sich wünschte, der Lieutenant würde ihm die Klamotten vom Leib reißen und ihn hart nehmen.

Was war mit ihm los, was zur Hölle stimmte nicht mit ihm. Auch die Erregung, als Kelly ihm den Wunsch mit dem Finger erfüllt hatte. Kein normaler Mann würde sich so etwas wünschen, jedenfalls kein Heterosexueller normaler Mann.
Nein, irgendetwas stimmte nicht mit ihn. War er doch Schwul? Hatte sein Unterbewusstsein Gabby nur zur Tarnung geheiratet?
Quatsch, jetzt spann er sich Blödsinn zusammen! Auch wenn er sich diese seltsamen Vorlieben nicht erklären konnte, oder die Tatsache das Kelly dieses zaghafte Kribbeln in seinem Magen auslöste, sobald er ihn berührte, weigerte sich Matt den Gedanken, er könnte sich tatsächlich in den Rüstgruppenführer verliebt haben, zu akzeptieren.

Er war nicht verliebt und Kelly war nicht verliebt, oder doch? Matt selbst konnte diese irrwitzigen Einfälle ausblenden, doch was, wenn Kelly dieselben Gedanken beschäftigten? Schließlich war auch er erregt gewesen, als sie sich im Bett ihren Gelüsten hingaben, schließlich hatte er den Kuss, welchen Matt ihm aufgezwungen hatte erwidert.
Kelly durfte sich nicht in ihn verlieben, er war sein bester Freund, sein Seelenverwandter. Eine unerwiderte Liebe würde dieser Freundschaft doch das Fundament entreißen, es würde sie trennen, sie zu einfachen Kollegen machen.
Nein, Kelly durfte sich unter keinen Umständen in ihn verlieben und Matt brauchte endlich Klarheit. Dieses ewige Gegrübelt, das Aufstellen von Mutmaßungen, es machte ihn irre, ließ ihn nicht mehr rational denken! Oder waren die Beruhigungsmittel an seinem plötzlichen Kopfchaos schuld?

„Scheiße verdammt!“, brüllte es plötzlich leise neben ihm und überrascht hob Matt den Kopf. In dem wirren Durcheinander seiner Gedanken hatte er nicht registriert, wie Kelly sich neben ihn auf das Sofa gesetzt hatte.
„Was…“, setzte der Drehleiterführer an, um eine Erklärung für Kellys lautes Fluchen zu finden, als er den dunklen Fleck auf dessen T-Shirt und das leere Glas in seiner Hand erblickte. Nahm man jetzt noch den stechenden Alkoholgeruch hinzu war klar, dass der Rüstgruppenführer sich gerade seinen Whiskey übergelegt hatte.
Schon dabei sich weiter fluchend zu erheben, versuchte Matt seinen Kollegen am Arm zu packen, musste jedoch feststellen, dass er schon wieder die Verbände vergessen hatte, „hey, ist doch nur ein verschütteter Drink, ist doch nicht so schlimm“, versuchte Matt seinen Freund zu beruhigen, woraufhin Kelly ihn mit großen Augen ansah, „wie zur Hölle kannst du nur so verflucht ruhig bleiben Matt? Diese Mistkerle wollten dich entführen, sie haben dich verprügelt sie haben…“
Jetzt war es Matt, der seinen Kollegen entgeistert ansah. Eigentlich hatte er geglaubt, Kelly hätte sich längst beruhigt und sein schlechtes Gewissen in den Griff bekommen, doch dem war Augenscheinlich nicht so. Ganz offensichtlich beschäftigte ihn diese Sache so sehr, dass er nicht mehr in der Lage war, seine Gedanken ordentlich zusammen zu nehmen.
„Ich sagte doch, vergiss es. Was passiert ist, ist passiert. Du bist dazwischen gegangen, hast mich gerettet und jetzt sind wir beide in Sicherheit“, endlich merkte es Matt selbst. Dieses verfluchte Beruhigungsmittel ließ ihn zwar klar denken, doch diese abnormale Gelassenheit kam eindeutig nicht von ihm. Was auch immer Dr. Halstead ihm da verabreicht hatte, sicher war es verschreibungspflichtig gewesen!

„Herzlichen Glückwunsch das du diesen ganzen Mist so gelassen sehen kannst, mir gelingt das leider nicht. Verflucht ich…“ setzte Kellys erneut an und Matt hatte endgültig die Nase voll. Entschlossen erhob er sich ebenfalls, stellte sich seinem Freund in den Weg, so dass dieser stockend stehen blieb, beugte sie zu ihm und presste seine Lippen auf Kellys.
Dieser war durch die Aktion so überrascht, das er reflexartig zurückwich und Matt mit offenem Mund anstarrte.
„Was zum…“, setzte Kelly an, doch Matt fiel dem Rüstgruppenführer ins Wort, „irgendwie musste ich dich doch zur Ruhe bringen! Verdammt Kelly, es war meine Schuld und würden diese Beruhigungsmittel mich gerade nicht so gelassen machen, dann glaub mir… ich könnte meine Schuldgefühle wegen diesem Vorfall eindeutig besser rüberbringen! Aber so war es Kelly, es war einzig und allein meine Schuld. Ich bin leichtsinnig weggegangen, obwohl ich wusste das du mir nicht gefolgt warst. Wieso ich sowas dummes gemacht habe weiß ich nicht, wirklich, aber bitte hör auf dir diese Schuldgefühle einzureden! Es war mein Fehler und ich musste ihn ausbaden. Du solltest eher Stolz sein, so wie du dazwischen bist, wie du mich verteidigt, mich gerettet hast… so mutig wäre nicht jeder gewesen.“
Ausdruckslos sah Kelly ihn an, nicht fähig einen Ton zu sagen und Matt ergriff ein weiteres Mal die Initiative und schob ihn aufs Sofa zurück.

Seufzend setzte der Captain sich dicht neben ihm, zwang seinen Kollegen ihm noch einmal in die Augen zu schauen und lächelte, „du bist aufgebracht… aufgewühlt… meinetwegen, schon wieder. Lass mich dir helfen, du hast mein Angebot zwar abgelehnt, trotzdem will ich es dir noch mal vorschlagen. Lass mich dir helfen Kelly, wenigstens dieses eine Mal!“
Ohne eine Antwort abzuwarten beugte Matt sich ein weiteres Stück nach vor und legte seine Lippen hauchzart auf Kellys, der noch immer wie versteinert wirkte.
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