Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
Alle Kapitel
37 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
28.06.2020 3.999
 
Kapitel 15 – von Angst besessen


Enthusiastisch griff Kelly zur Kaffeemaschine und legte ein Pad in die schmale Öffnung, bevor er eine Tasse unter den Auslaufhahn stellte und die Taste auf der rechten Seite betätigte. Er hatte wirklich gut geschlafen und mit Matt im Arm aufzuwachen, ließ den Tag beinah perfekt beginnen.
Eine ganze Weile hatte er seinen Kollegen beim Schlafen beobachtet, genossen wie ruhig und entspannt dessen Atmung war und wie regelmäßig sich der Brustkorb des Captains hob und senkte, bis er sich schließlich schweren Herzend aus der Umarmung schälte und aufgestanden war.
Zwar wäre er lieber dicht an seinen besten Freund gekuschelt liegen geblieben, doch seine Blase zwang ihn zum Handeln. So leise wie möglich hatte er sich im Anschluss eine erfrischende Dusche gegönnte und ließ seine Adern dann mit reichlich Tatendrang durchströmen.

Es war ein sonniger Tag, die Vögel zwitscherten bereits beim aufwachen und während der Dusche hatte Kelly sich Gedanken über den Ablauf der nächsten Stunden gemacht.
Woher seine gute Laune rührte wusste der Rüstgruppenführer nicht, vermutete aber, dass es mit dem Angebot, welches Matt ihm am Vorabend gemacht hatte, in Zusammenhang stand. Zwar hatte Kelly abgelehnt, doch allein die Tatsache, das sein Freund ihm diesen Vorschlag unterbreitete, beflügelte seine Hoffnungen regelrecht.
Wieso sollte Matt ihm etwas so Delikates anbieten, wenn er nichts als Freundschaft für Kelly empfand? Ein Angebot dieser Art war speziell und reichte weit über eine Gefälligkeit hinaus, das wusste er bereits, als er Matt den Vorschlag unterbreitete.
Kelly hatte jedoch bewusst abgelehnt, natürlich wäre es seinem Plan, Gefühle in Matt zu wecken, zugutegekommen, doch in diesem Moment war ihm etwas anderes in den Sinn geschlichen. Der Drehleiterführer sollte dieses Angebot nicht als Ausrede benutzen, so würde Kelly sich über dessen Gefühle nie im Klaren sein können. Wenn Matt und er intim wurden und dieses Handeln dann auch noch von seinem Freund ausging, dann müsste dieser sich seinen Emotionen stellen und könnte es nicht auf ihre Absprache schieben.

„Bekomme ich auch einen?“, erklang die weiche Stimme seines Kollegen plötzlich hinter ihm und überrascht drehte Kelly sich um, bevor er Matt ein schnelles „klar“, entgegenbrachte, während dieser auf einem der Barhocker am Küchentresen platz nahm.
Schnell rührte der Lieutenant etwas Milch und Zucker in die dunkle Brühe, mittlerweile wusste er wie Matt seinen Kaffee mochte, schob einen Strohhalm hinein und stellte die dampfende Tasse vor Matt ab, welcher gequält auf das Stück Plastik in seinem Kaffee sah und seufzte, „das erste was ich mache, wenn diese Verbände endgültig ab sind, ist einen richtigen Kaffee trinken!“
„Das ist ein richtiger Kaffee“, lachte Kelly, während er sich eine neue Tasse vorbereitet und Matt aus dem Augenwinkel beobachtete, „du weißt was ich meine. Erst ein Kaffee und anschließend ein Bier und beides ganz ohne Strohhalm!“
„Ich könnte dir auch eine Schnabeltasse besorgen, wenn dir der Strohhalm zu wider ist?“, grinste Kelly und erntete für seinen Vorschlag einen tödlichen Blick, „sehr lustig, aber nur wenn ich dazu das passende Spucktuch bekomme.“
„Lässt sich einrichten“, kurz nach dem Aufwachen hatte der Lieutenant für einen Moment die Sorge, Matt könnte sich, aufgrund des unangenehmen Gespräches oder ihres Streits am Vortag, zurückziehen oder seltsam benehmen. Das der Captain ihm so wohlgesonnen und ~normal~ begegnete beruhigte Kelly ungemein.

„Hast du Pläne für heute?“, frage Matt plötzlich, nachdem er mit verzogenem Mund am Strohhalm gesaugt hatte und der Feuerwehrmann musste an sich halten, nicht erneut in Gelächter auszubrechen, „in der Tat, die habe ich wirklich!“
Für einen Augenblick wirkte Matt enttäuscht, „oh, wirklich… verstehe“, bevor er sich ein Lächeln auf die Lippen zwang und den Blick abwandte, doch bevor der Verletzte in seinen düsteren Gedanken abtauchen konnte klatschte Kelly laut in die Hände, „und die schließen dich mit ein. Wir gehen heute Einkaufen, du musst endlich mal vor die Tür und etwas anderes als diese vier Wände sehen!“

Entgeistert starrte Matt ihn an, „Einkaufen? Draußen?“, woraufhin Kelly um die Kücheninsel schritt, seinem Kollegen eine Hand auf die Schulter legte und nickte, „ja einkaufen und noch mal ja, das tut man für gewöhnlich draußen. Komm schon Matt, du sitzt den ganzen Tag in Jogginganzug in der Wohnung und grübelst. Ein bisschen Abwechslung wird dir guttun und ich verspreche nicht von deiner Seite zu weichen.“
Angestrengt musterte Matt seinen besten Freund, das Kelly sich den letzten Satz hätte Sparren können stand ihm auf die Stirn geschrieben, doch nach einer kurzen Überlegung nickte er schließlich, „also gut, wenn es sein muss.“
„Ja das muss sein und damit wir nicht direkt aus dem Laden geworfen werden, wirst du vorher duschen gehen!“, noch immer war das Grinsen auf seinen Lippen gigantisch, doch als er spielerisch übertrieben die Nase rümpfte, zog Matt trotzig die Unterlippe hervor, „willst du damit sagen das ich stinke?“

Ohne eine Antwort abzuwarten, hatte Kelly ihn mit sich ins Badezimmer gezogen, Matt auf dem Toilettendecken geparkt und ihm zwei Gefrierbeutel um die Hände gebunden.
Allein der Gedanke an das was gleich folgen würde, ließ des Rüstgruppenführer hart schlucken. Zwar genoss er Matts Nähe, trotzdem fiel es ihm schwer sich in dieser zu beherrschen, besonders in Anbetracht der Tatsache, das er den athletischen Körper seines Freundes gleich mit Duschgel einseifen würde.
Er musste professionell bleiben, durfte sich seine Schwäche nicht anmerken lassen und einen kühlen Kopf bewahren. Außerdem musste er schnell handeln, gerade hatte er den Mut für das was ihm bevor stand, doch würde Kelly sich weiter in seinen Gedanken verlieren, könnte er Matt auf keinen Fall berühren.

Fest entschlossen packte er den Feuerwehrmann unter den Armen, zwang ihn damit auf die Beine und zog ihm das T-Shirt über den Kopf, danach verlor Matt auch seine Shorts und ehe er es sich versah, stand er in der kleinen Duschkabine und zog scharf die Luft ein, als das erfrischend lauwarme Wasser seine Haut benetzte.
Gerade als Kelly nach dem Duschgel greifen wollte, stoppte der Captain ihn jedoch, „ich denke, das bekomm ich selbst hin.“
Überrascht zog Kelly dibeide Augenbraun in die Höhe, „ach ja? Wie denn?“
„Naja ich könnte… ich versuche einfach…“, nuschelte Matt unverständlich und tat sich schwer mit der glitschigen Flasche zwischen den eingepackten Verbänden. Offensichtlich hatte er sich allgemein etwas viel zugemutet, denn plötzlich zuckte sein Körper zusammen und hätte Kelly ihn nicht geistesgegenwärtig an den Hüften gepackt und wäre einen Schritt in die Dusche getreten um ihn zu stützen, dann hätte Matt Bekanntschaft mit dem Boden machen dürfen.
„Sei nicht albern, ich mache das!“, bestimmte der Rüstgruppenführer gebieterisch, nahm Matt die glitschige Flasche aus der Hand und öffnete sie geschickt mit den Fingern, eine Hand behielt er jedoch an Matts Hüfte, für den Fall das dieser noch einmal das Gleichgewicht verlor.
„Tut mir leid, hab gedacht ich bekomm es hin. War wohl noch zu viel Bewegung für meine Finger“, nuschelte er leise, „und jetzt bist du auch noch nass geworden!“

Den Einwand ignorierend verteilte Kelly das Duschgel großflächig auf Matts Rücken, fuhr ihm anschließend über die Arme, unter die Achsel und nach vorn zu dessen Bauch. Er stand noch immer hinter Matt, so dass er sein Gesicht nicht sehen konnte, doch als seine Hand tiefer Glitt, durch Matts Scharmbeharrung fuhr, sein Glied hinab rutschte und sich dahinter auf seinen Hoden legte, war er über diesen Umstand sehr froh.
Wie hätte Matt reagiert, wenn er seinen lustvollen Blick gesehen hätte, wenn er das verlangen in seinen Augen registriert hätte. Das Kellys Atmung sich beschleunigte und er alle Körperkontrolle aufbringen musste um seinen Mitte nicht gegen den Hintern des jungen Mannes zu pressen, ahnte dieser hoffentlich nicht.
Das Kelly dem Penis seines Freundes, sowie dessen Hoden mehr Seife schenkte, als dem Rest von Matts Körper wurde diesem bewusst, als ein leises Keuchen an sein Ohr drang und Matt beide Unterarme kopfüber gegen die hellen Fließen der Dusche presste. Automatisch schob sich sein Hinter zurück und wäre Kelly nicht einen Schritt beiseite gegangen, hätte er seine, in Jeans gehüllte Mitte, zielgerecht getroffen.
„Tut mir leid“, murmelte Kelly schnell und löste seine Hand von Matts Hüfte um zur Brause zu greifen, als dieser ihn keuchend anhielt weiter zu machen, „nein Kelly, bitte… bitte mach… weiter.“
Überrascht sah er auf den Hinterkopf seines besten Freundes, doch als dieser den Kopf wandte um Kelly in die Augen zu sehen und darin die unerfüllte Erregung lesen konnte, legte sich ein Lächeln auf Kellys Lippen.
Er selbst war am Morgen unter der Dusche ebenfalls auf seine Kosten gekommen und das Matt es immer leichter zu fallen schien, ihn um diesen Gefallen zu bitten, stimmte Kelly stolz. Es signalisierte ihm, dass sie sich von Tag zu Tag näherkamen und Matt sich ihm, ohne es zu wissen, immer weiter öffnete.
„Klar, kein Problem. Versuch dich zu entspannen“, flüsterte er liebevoll, drehte das Wasser etwas wärmer und fuhr erneut mit der Hand über Matts Glied, was stetig an Umfang und Härte gewann.

Durch das viele Duschgel war die Behandlung um einiges glitschiger, was in Kelly die Erinnerung an zu viel Gleitgel weckte und ihn auf eine Idee brachte.
Ohne sich vorher bei Matt abzusichern, ließ er seine freie Hand über die Pobacken des Captains gleiten, welcher sich noch immer konzentriert an der Wand abstützte und erregt keuchte.
Kellys Hand zwischen Matts Schenkel leistete derweil ganze Arbeit und das die Behandlung dem Verletzten gefiel, war an dessen Gesichtsausdruck leicht zu erkennen.
Auch als Kellys Finger, an Matts Hintern, sich zwischen dessen Pobacken schoben, änderte der Ausdruck im Gesicht seines Freundes sich nicht. Erst als er mit dem Zeigfinger über Matts Eingang strich, ihn für einen Moment rieb und dann vorsichtig mit der Fingerkuppe in ihn eindrang, riss der Feuerwehrmann die Augen, doch ehe Kelly sich erschrocken zurückziehen konnte, mit dem Gedanken zu weit gegangen zu sein, drang lustvolles, beherztes Stöhnen an sein Ohr und er hielt inne.
Matt versuchte sich der fremden Hand entgegen zu strecken, sein Becken kreiste zwischen Kellys Hand an seinem Penis und der Hand an seinem Hintern rhythmisch und als der Rüstgruppenführer seinen Finger tiefer in Matt schob, wurde auch dessen Lustgefühl stärker beansprucht.
Es war wie bei letzten Mal, nur besser, denn durch das Duschgel konnte Kelly einfacher in und aus seinem Freund gleiten, ohne die Angst diesen zu verletzen. Doch auch wenn Matts Befriedigung gerade Vorrang hatte, verlor sich Kelly für einen Moment in dem Gedanken sich die Kleider vom Leib zu reißen und den Finger in Matts Hintern durch sein eigenes, steifer werdendes Glied zu ersetzen.

Im versuch sich zu zügeln hatte Kelly nicht bemerkt, wie er Matt einen weiteren Finger eingeführte, beide tief in ihm bewegte und einen Punkt zu treffen schien, der Matt geradewegs um den Verstand brachte.
Die Erregung in dem jungen Feuerwehrmann wurde so gewaltig, dass er sich noch ein letztes Mal gegen Kellys Hand stemmte, den Atem anhielt und sich auf der Hand zwischen seinen Beinen ergoss.
Erst als Matt schwer Atmend zusammen zu sacken drohte, kam Kelly vollständig zu sich, schlang einen Arm um die Hüften seines Freundes und stabilisierte ihn, „alles klar?“
Es war eine bescheuerte Frage, doch auf die Schnelle war dem Feuerwehrmann nichts besseres eingefallen, außerdem versuchte er noch immer den Umstand seiner eigenen Erektion zu verschleiern und Matt so zu stützen, das dieser nicht in die Nähe seines Schrittes kam, auch wenn die Gefahr, durch Kellys Nasse enge Jeans, geringer wurde.
Keuchend nickte Matt ihm zu, „tut… tut mir leid…“, bevor er versuchte auf eigenen Beinen zu stehen.
„Kein Problem, geht’s dir besser?“, schwer atmend griff Kelly nach der Handbrause und begann seinem Freund den Schaum vom Körper zu spülen, während dieser nickte und beschämt den Kopf abwandte.  

Schwer Atmend trat Kelly aus der Dusch, schnappte nach einem großen Handtuch und hielt es geöffnet vor die Kabine, so dass Matt sich beim Aussteigen darin einhüllen konnte.
Mit einem sanften Lächeln versuchte er dem Kollegen zu signalisieren das es keinen Grund für Scharm und Unwohlsein gab, ohne es offen auszusprechen, „trocknest du dich ab, ich werde mir derweil schnell was trockenes überziehen und bring dir dann ein paar frische Klamotten. Eine Rasur würde dir auch mal wieder ganz guttun“, dabei zwinkerte er Matt, im versuch die Stimmung zu heben, zu und verschwand ohne auf Antwort zu warten aus dem Badezimmer.
Er musste sich beruhigen und zwar schnell! Wieso war er auch so weit gegangen, dass das einseifen des Objekts seiner Begierde zwangsläufig zu mehr führen musste war doch klar, wieso hatte er das Duschgel nicht einfach auf einen Schwamm gespritzt und diesem dem Captain in die Hände gedrückt?!
Doch es brachte nichts sich weiter darüber zu ärgern, das Kind war in den Brunnen gefallen und er musste das beste daraus machen. Dank seiner geübten Körperkontrolle hatte sich sein Problem relativ schnell gesenkt und nach einem weiteren tiefen Atemzug schälte Kelly sich aus den nassen Klamotten und angelte frische aus seinem Schrank, bevor er nach etwas passendem für Matt suchte und zurück ins Badezimmer ging.

Dieser saß noch genau dort wo er ihn zurückgelassen hatte, sein Kopf hing hinab und sein Blick wirkte betroffen. Kelly konnte nicht anders als ihm seufzend durchs Haar zu streichen, „es ist alles in Ordnung Matt, war doch keine große Sache.“
Es war offensichtlich das der Feuerwehrmann etwas erwidern wollte, als er den Mund öffnete, schloss ihn jedoch wieder ohne einen Laut von sich zu geben und nickte schweigend.
Schnell half Kelly ihm in die frischen Klamotten, bevor er sich Matts Bartansatz widmete und seinem Kollegen eine ordentlich Rasur verpasste, „es gibt Männern, denen steht ein drei-Tage-Bart, du gehörst definitiv nicht dazu!“, lachte Kelly und drehte Matt als er fertig war, so das dieser einen Blick in den Spiegel werfen konnte, „gleich viel besser, oder?“
Der angesprochene konnte nur stumm nicken, diesmal jedoch nicht aus Scharm, sondern viel eher aus Überraschung vor seinem eigenen Anblick.
Mit dem sauber rasierten Kinn, den leicht feuchten Haaren und den frischen Klamotten, welche zur Abwechslung tatsächlich aus einer Jeans und einem Langarm Shirt bestanden, sah Matt sofort um Längen gesünder aus.
„Fühlst du dich nicht auch viel besser?“, fragte Kelly, als er das Gesicht seines Freundes im Spiegel musterte und Matt nickte sofort, „ja, viel besser, Danke Kelly!“

Matts Make-Over hatte das Eis gebrochen und endlich gelang es dem Drehleiterführer seinem Freund in die Augen zu sehen, was Kelly einen Stein vom Herzen fallen ließ.
Eine halbe Stunde später waren sie auch schon auf dem Weg zum Supermarkt, Kelly war jedoch keinesfalls entgangen, wie hektisch Matt sich umsah, wie gehetzt er wirkte und wie unwohl der verletzte Feuerwehrmann sich fühlte, „hey, es ist alle in Ordnung, wirklich.“
Mit den Worten wollte er Matt beruhigen, doch das Gegenteil schien der Fall zu sein.
„Wollen wir nicht lieber Morgen einkaufen gehen?“, versuchte Matt seinen Freund vom umkehren zu überzeugen, welcher ihn daraufhin seufzend ansah, „morgen habe ich wieder Schicht, also entweder gehen wir heute und ich kann dir noch etwas zu Essen für Morgen vorbereiten, oder wir gehen übermorgen und du musst morgen hungern.“
Es war eine rhetorische Frage, beziehungsweise Auswahlmöglichkeit, doch Matt nickte entschlossen, „gut… dann hungere ich morgen!“  
Mit hochgezogenen Augenbraun sah Kelly ihn an, als er sein Auto auf den Parkplatz fuhr und den Motor abstellte, „du hungerst lieber als jetzt in diesen Laden zu gehen und ein paar Lebensmittel zu besorgen?“
„Essen wir völlig überbewehrtet“, versuchte Matt einen weiteren verzweifelten Versuch und Kelly musste lachen, „mach dir keine Sorgen Matt, ich bin bei dir und werde dir auch nicht von der Seite weichen. Wir gehen rein, besorgen ein paar Lebensmittel, zahlen und verschwinden wieder. In einer Stunde sind wir zu Hause. Wovor hast du denn solche Angst?“
Mit vorgezogener Unterlippe sah Matt seinen Kollegen an, „ich habe überhaupt keine Angst!“

Seufzend lehnte Kelly sich im Sitz zurück und suchte einen entspannenden Radiosender, „wenn du meinst, wir bleiben so lange hier sitzen, bis du mir sagst was los ist!“
Damit hatte der Drehleiterführer nicht gerechnet, „du willst mich zu einem Gespräch zwingen?“, seine Stimme klang spitz und sein Gemüt wirkte erbost.
Noch einmal drückte sich ein Stoß Luft über Kellys Lippen, „nein, ich zwinge dich zu gar nichts. Aber wenn ich deine Sorge, oder was auch immer gerade in dir vorgeht, nachvollziehen soll, beziehungsweise mir keinen fadenscheinigen Grund zusammenspinnen soll, dann musst du mir wohl oder übel erklären, wieso du diesen Laden nicht betreten willst.“
In Gedanken spielte der Feuerwehrmann bereits unzählige Gründe durch, schließlich war Matt kein Angsthase. Der momentanen Situation war seine Aversion gegen das Einkaufen sicher nicht geschuldet. Vielleicht erinnerte ihn dieser Laden an Gabby, vielleicht gingen sie hier gemeinsam einkaufen, doch wieso sollte Matt dann nicht hineinwollen? Zwar stritt er oft mit der jungen Sanitäterin, doch er hegte augenscheinlich keinen Groll gegen sie. Nein, er hatte sie sogar verteidigt, Kelly ihretwegen angebrüllt und war regelrecht aus der Haut gefahren.
Eine andere Möglichkeit war, dass er befürchtete auf jemand bekanntes zu treffen, vielleicht einen Freund oder Arbeitskollegen. Das Matt sich mit der momentanen Situation nicht wohl fühlte, war nicht zu verkennen, dass er seinen Kollegen absichtlich aus dem Weg ging hatte er zwar nie gesagt, aber es ergab durchaus Sinn.

„Ich fühl mich nicht wohl an Plätzen mit vielen Menschen, Orte die Unübersichtlich sind. Diese Drohung liegt mir wie ein Stein im Magen und ich befürchte hinter jeder Ecke einen Hinterhalt. Ich weiß das, sollte es wirklich Collin Phillips sein, welchem ich diesen ganzen Mist zu verdanken habe, dann sollte mir an einem öffentlichen Platz keine Gefahr drohen, aber was, wenn er es nicht ist, wenn er damit überhaupt nichts zutun hat? Was wenn es eine wütende Gang war, oder jemand den ich damals als Stadtrat verärgert habe? Wer sagt mir, das diese Typen, welche mich schon einmal überwältigt haben, nicht wiederkommen und diesmal Waffen oder Messer benutzen?“, während der Erläuterung war Matts Stimme immer leiser geworden und als er schließlich seinen Satz beendete, die Augen schloss und seinen Kopf gegen die Kopfstütze presste, konnte Kelly nicht anderes als ihn mitleidig an zu sehen.
Er war davon ausgegangen das es definitiv nicht die Angst sein konnte, welche Matt zögern ließ, doch genau das schien es zu sein. Er hatte keine Sorge auf einen Kollegen oder Bekannten zu treffen, er hatte Angst. Angst dieses Trauma noch einmal durchleben zu müssen.

Schwermütig griff Kelly nach seiner Hand und sah ihn entschuldigend an, „bitte verzeih, ich dachte es würde dir gut tun mal unter Menschen zu kommen. Wie schlimm das Ganze wirklich für dich ist, habe ich nicht erkannt. Ich werde dich nach Hause fahren und danach die Einkäufe erledigen, in Ordnung?“
Dankbar sah Matt ihn an, doch ehe Kelly den Wagen starten konnte, hielt der Drehleiterführer inne, „warte! Nein… nein, so geht das nicht. Du hast recht, ich kann mich nicht verkriechen, bis die Polizei eventuell, irgendwann diese Kerle geschnappt hat. Ich muss damit klarkommen und darf mich von der Angst nicht beherrschen lassen. Verflucht, ich bin Feuerwehrmann! Ich habe keine Angst!“
Überrascht sah Kelly ihn an, nicht nur weil der plötzliche Stimmungsumbruch ihn aus der Bahn warf, auch weil Matt den letzten Teil seines Satzes beinah geschrien hatte.
„Bist du sicher?“, harkte er deswegen verunsichert nach. Matt nickte und sah Kelly mit festem Blick in die Augen, „ja, ich bin sicher. Du bist außerdem dabei, mir kann nichts passieren. Wir gehen da jetzt rein und erledigen den Einkauf und danach wird es mir besser gehen!“

Noch immer erstaunt nickte Kelly und stieg aus, bis Matt sich dazu überwinden konnte es ihm gleich zu tun vergingen zwar noch einige Sekunden, doch als der Feuerwehrmann sich schließlich ebenfalls aus dem Auto erhob, erkannte Kelly wie sein Freund die Schultern straffte, eine gerade Haltung einnahm und den Kopf hob um sich selbst und von seinem Vorhaben zu überzeugen.

Trotz der plötzlichen Entschlossenheit beobachtete Kelly seinen Freund genau, wenn auch nur aus dem Augenwinkel. Matts anregende Worte hatten ihm zu denken gegeben, eventuell hatte der Feuerwehrmann recht und Kelly war tatsächlich zu sorglos. Wer garantierte Matts Sicherheit, er etwa? Was sollte er gegen Handfeuerwaffen schon ausrichten?
Andererseits wirkte Matt gerade tatsächlich sehr entschlossen und Kelly fühlte sich im Zwiespalt. Wenn er den Einkauf nun doch abbrechen würde, könnte das am Selbstbewusstsein seines Freundes nagen. Es würde ihn verunsichern und eventuell sogar zurück in dieses dunkle Loch befördern, aus dem er ihn nur schwer hatte herausholen können.
„Bleib bitte an meine Seite“, murmelte er stattdessen ergeben und schnappte sich einen Einkaufswagen, während Matt ihm mit festem Blick zunickte und erhobenen Hauptes voranschritt.

Im Supermarkt selbst war glücklicherweise nicht viel los. Hier und da war eine kleine Familie, am Make Up Regal tummelte sich eine Gruppe junger Mädchen und als Kelly in die Abteilung für Teigwaren abbog, erblickte er zwei ältere Herrschaften, welche sich angeregt über eine neue Nudelsorte unterhielten. Alles in allem schien keine Gefahr zu bestehen, weshalb er seinen Muskeln gestattete sich für einen Augenblick zu entspannen.
Immerhin hielt Matt Wort, er wich nicht von seiner Seite, merkte nur ab und zu an, dass sie noch Öl, Mehl oder Eier brauchten, doch im Allgemeinen verlief der Einkauf reibungslos.
Erst als sie um die Ecke bogen, beinah alles Gewünschte in den Wagen geladen hatten und nur noch etwas für die trockene Kehle besorgen wollten, geriet Kelly ins Stocken.
Am Weinregel standen zwei dunkelhäutige Jugendliche, sie waren ihm schon an der Fleischtheke aufgefallen und auch bei den Hygieneartikeln hatte er sie bemerkt, doch erst jetzt registrierte der Feuerwehrmann, das sie immer wieder in seiner Richtung sahen und leise flüsterten.
Noch einmal sah er zu Matt, vergewisserte sich, dass sein Freund noch immer in Reichweite war und griff nach zwei Flaschen Weißwein. Langsam wurde es auch ihm zu viel, er wollte nach Hause, die Einkäufe verstauen und sich von der Sicherheit seiner eigenen vier Wände beruhigen lassen.

„Junger Mann, junger Mann? Könnten Sie mir behilflich sein?“, hörte er plötzlich eine gebrechliche Stimme hinter sich und als Kelly sich mit klopfendem Herzen umdrehte und direkt auf den Haarschopf eine kleine alte Dame blickte, spürte er das Verlangen sich selbst in den Hintern zu treten.
Er musste sich beruhigen, dieses paranoide Verhalten tat weder ihm noch Matt gut.
„Ja, was kann ich für Sie tun?“, lächelte er der kleinen Damen entgegen, die beherzt nach seiner Hand griff und ihn mit großen Kulleraugen ansah, „würden Sie mir den Bordeaux aus dem oberen regal reichen. So ein guter Wein, mein lieber Herold und ich lieben ihn.“
Kelly folgte ihrem Blick zum oberen Regal, lächelte verstehend und reichte ihr eine Flasche, „bitteschön, machen Sie sich mit Herold einen schönen Abend.“
Eigentlich war die Unterhaltung damit für ihn beendet, doch die alte Dame suchte scheinbar nach Konversation, „ich find das ja toll, das mit Ihnen und Ihrem Lebensgefährten. Diese alten Sitten und Bräuche, wer braucht die heute noch. Die Liebe fällt dahin, wo sie hingehört.“
Überrascht zog Kelly die Augenbraun hoch, doch bevor er sich umdrehen konnte um auch Matts Reaktion auf diese seltsame Bemerkung zu erfassen, redete die alte Lady weiter, „Sie sind ein wirklich schönes Paar, stattliche gutaussehende Männer. Sicher Bauarbeiter, richtig?“
Kelly spürte wie der Schimmer um seine Nase röter wurde und schüttelte beherzt den Kopf, „nein Miss, wir sind Feuerwehrmänner.“
„Ah, ich verstehe… toll, Helden des Alltags. Machen Sie sich einen schönen Abend mit Ihrer jungen Liebe“, damit tätschelte sie ihm noch einmal die Hand und verschwand.

Einen Moment starrte Kelly ihr nach, wieso er sie nicht korrigiert hatte und erklärte das Matt lediglich ein Kollege und Freund war wusste er nicht, jedoch hatte dieser sie ja auch nicht aufgeklärt. Wieso eigentlich?
Fragend drehte Kelly sich um, doch an dem Platz, an welchem Matt gerade noch gestanden hatte war nichts als gähnende Leere.
Noch ehe Kelly begriff was geschah, spürte er die Nervosität Besitz von ihm ergreifen. Sein Herzschlag beschleunigte sich, ihm wurde heiß und kalt zugleich und unruhig streifte er mit den Augen durch den Laden, bevor sich seine Füße selbstständig in Bewegung setzten.
„Matt? Hey wo bist du? Matt?“, doch von seinem besten Freund fehlte jede Spur. Doch nicht nur das, auch die dunkelhäutigen Jugendlichen schienen ihn nicht mehr zu verfolgen, genau wie sein Kollege waren sie wie vom Erdboden verschluckt und Kelly musste all seine Willensstärke aufwenden um nicht in blanke Panik auszubrechen.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast