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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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21.06.2020 4.330
 
Kapitel 14 – durch Gefühle verwirrt


Überrascht sah Matt seinen Freund an und lehnte sich auf dem Sofa zurück, „was denn?“
Das Kelly etwas auf der Seele brannte war deutlich zu erkennen und auch das er es unbedingt los werden wollte, doch mit sich haderte, „was ist los Severide, was willst du mir erzählen?“
„Es ist…“, setzte der Rüstgruppenführer an, stockte jedoch. Matts Spannung stieg, es musste etwas unglaublich wichtig sein, wenn sein Kumpel ein solches Geheimnis darum machte, „…es geht um Gabby, ich hab da etwas mitbekommen von dem ich glaube, das du es wissen solltest.“
Jetzt wurde Matt hellhörig, „und das wäre?“ Das Kelly und seine Frau sich in letzter Zeit schlecht verstanden war ihm nicht entgangen, doch deswegen würde Severide ihm keine Märchen erzählen, dieses ominöse Wissen schien ihn wirklich zu belasten, „komm schon Kelly, wenn es mit Gabby zutun hat, dann sag es mir bitte.“

„Also gut, wie du willst“, seufzte der Lieutenant schließlich und ließ sich neben Matt auf das Sofa sinken, „gestern bei der Schicht habe ich mitbekommen wie Gabby sich mit… sie hat sich mit… sie hat…“, doch wieder brach er ab und langsam wurde Matt ungeduldig. Doch bevor er Kelly diese Ungeduld entgegenbringen konnte, atmete dieser tief durch und versuchte es noch einmal, „sie hat sich mit Sylvie unterhalten.“ Noch immer wirkte sein Kollege im Zwiespalt, so als wäre er einen Weg gegangen, den er eigentlich nicht gehen wollte, was Matt nervös werden ließ, „und?“
„Ich habe mitbekommen wie sie sich über Gabbys Kinderwunsch unterhalten haben, wieso Gabby so auf dieses Kind besteht. Sie meinte, das hätte mit den Erfahrungen ihrer Familie zu tun, dass sie damit eure Ehe retten wollte. Es hat sich angehört als würde es ihr gar nicht wirklich um ein Kind oder dich gehen, sondern viel mehr darum ihrer Familie zu beweisen das diese im unrecht sind. Sie hat bemerkt wie schlecht eure Ehe läuft, dass ihr euch von einander entfernt und glaubt, dass sie dich mit einem Kind an sich binden kann.“ Mit einem Mal fiel es Kelly überhaupt nicht mehr schwer darüber zu reden und kurz wunderte Matt sich, doch als die Worte in sein Bewusstsein drangen, spürte er wie sein Magen sich Krampfhaft zusammenzog.

Wütend erhob er sich und starrte Kelly an, „ist das dein Ernst? Wie kannst du meiner Frau so etwas unterstellen? Du meinst gehört zu haben das Gabby mit diesem irrsinnigen Wunsch einfach nur unsere Ehe retten will und überhaupt nichts für mich empfindet? Das sie ihren Eltern schlicht und ergreifend beweisen will, das diese Falsch liegen?“
„Nein Matt warte, so meinte ich das nicht“, versuchte Kelly einzulenken, doch Matt wehrte ab, „nein, du hast sie nicht mehr alle. Was weißt du schon über Gabby, mich oder unsere Ehe? Sie will mich ganz bestimmt nicht an sich binden, das würde ja bedeutet das sie mich auf gewisse Weise hintergehen würde, oder austricksen. Wie kannst du ihr so etwas unterstellen?!“, wiederholte sich Matt und biss zornig die Zähne aufeinander.
Wieso er plötzlich so wütend wurde konnte er nicht erklären, doch Kellys Worte klangen so Absurd, dass sie wahr sein könnte.
Nein, das konnte nicht sein, Gabby würde sein Ehrgefühl, sein Verantwortungsbewusstsein, niemals auf so niederträchtige Weise ausnutzen. Sie wollte ihre Beziehung retten, weil sie Matt liebte, weil sie zusammengehörten.
„Matt bitte, jetzt hör mir doch erst mal zu, du hast das falsch verstanden, ich wollte nicht das…“, versuchte Kelly einen erneuten Ansatz den Feuerwehrmann zu beruhigen, doch Matt war zu wütend.
Kopfschüttelnd wandte er ich von Kelly ab, „nein, spar dir jedes weitere Wort, ich will nichts mehr hören!“ bevor er sich an ihm vorbeidrückte und im Gästezimmer verschwand.

Wütend ließ Matt sich auf das breite Bett fallen, nachdem er die Tür hinter sich zugeknallt hatte. Wie konnte Kelly so etwas behaupten, seiner Frau so etwas unterstellen? Niemals würde Gabby ihn auf solche Weise hintergehen, oder?
Nein, bestimmt nicht, das passte nicht zu ihr, oder doch?
Matt wusste wie gern seine Frau recht behielt, wie ehrgeizig sie war, doch reichte der Wunsch recht zu behalten aus, um ihn auf solch abscheuliche Art zu verletzen?
Doch was hatte Kelly wiederum davon ihn anzulügen? Wenn er wirklich ein Gespräch zwischen Sylvie und Gabby mitbekommen hatte, dann könnte es durchaus sein, das Worte dieser Art gefallen waren. Kelly wusste wie schlecht die beiden sich in letzter Zeit verstanden und auch das Matt unter dem ewigen Streit litt, der Rüstgruppenführer war sein bester Freund. Er würde ihm keine Lügen erzählen, im Wissen das es Matt dadurch noch schlechter gehen könnte.
Allerdings war es Kelly unheimlich schwer gefallen einen Anfang für das Gespräch zu finden, vielleicht war er sich auch nicht sicher, ob er es richtig verstanden hatte und es Matt wirklich erzählen sollte.
Der Captain hatte ihn nicht mal ausreden lassen, er hatte sich von seiner Wut so plötzlich beherrschen lassen, das Kelly für eine Erklärung überhaupt keine Möglichkeit hatte.
Mit einem Mal fühlte Matt sich schlecht, er hatte seinen besten Freund angebrüllt, dabei wollte dieser ihm doch nur helfen.

Ja, Kelly hatte ihm in den vergangenen Tagen wirklich viel geholfen, er fing ihn regelmäßig auf, wenn Matt am Boden war, er brach seinen Dienst vorzeitig für ihn ab, weil es ihm nicht gut ging und er war sogar bereit sich um Bedürfnisse zu kümmern, die in einer einfachen Männerfreundschaft nichts zu suchen hatten.
Augenblicklich musste Matt an ihr gemeinsames Erlebnis im Bett denken. Kelly hatte über ihm gelegen, so voller Energie und euphorisch, er hatte sich an ihn gepresst und als Matt das steife Glied seines Freundes am Hintern spüren konnte, war da plötzlich dieses seltsame Gefühl. Es war eine Art der Erregung, welche er nie zuvor erlebt hatte. Er wollte mehr, alles in ihm schrie in diesem Moment nach mehr, nach intensiverem Kontakt, mehr Nähe und erregendere Berührungen.
Sein bester Freund hatte es tatsächlich geschafft eine Art der Ekstase in ihm auszulösen, die Matt völlig neu war, ihm aber so gut gefallen hatte, dass sich auch jetzt, allein beim Gedanken daran, ein zartes Kribbeln in seine Mitte schlich.

Hypnotisiert von der Erinnerung wanderte Matts bandagierte Hand zu seinem Hals, genau an die Stelle, an welche Kelly einen dunklen Fleck auf der hellen Haut hinterlassen hatte. Matt konnte von Glück sprechen, das Gabby der Knutschfleck gerade entgangen war, niemals hätte er diesen rechtfertigen können. Doch der Moment in dem Kelly ihm das Ding verpasst hatte, es war unglaublich erregend und anheizend gewesen. Was danach geschehen war, sah Matt in seiner Erinnerung wie durch einen Schleier.
Er hatte Kellys Kopf von seinem Hals gezogen und ihn geküsst. In diesem Moment wusste er genug was er tat und auch was er wollte.
Kelly! Alles in ihm hatte nach dem Kollegen geschrien, er wollte ihn so unbedingt küssen, dass allein dieser Wunsch alle Erinnerungen an seine Frau, oder das Gefühl das es falsch war, beiseiteschob.
So war es auch wenig später gewesen, als er fast gefallen und auf Kelly gelandet war, als er ihm in die Augen gesehen hatte. In diesem Moment musste er ihm einfach näherkommen, er musste seine Lippen auf die des Kollegen legen, musste noch einmal diesen süß-salzigen Geschmack in sich aufnehmen und wieder konnte er keine Reue für seine Tat empfinden. Wieso fühlte es sich richtig an, wieso fühlte er sich nicht schlecht?

Seine Frau hatte ihn angefasst, sie hatte ihm gerade angeboten, ihn oral zu befriedigen, doch Matt konnte keine Vorfreude spüren, er konnte nicht einmal einen Hauch von Erregung in sich wahrnehmen. Da war nur der Gedanke an Kelly, die warmen weichen Lippen, die Zärtlichkeit, die Sanftheit und gleichzeitig das wilde Verlangen in seinen Augen.
Wieso erregte ihn sein bester Freund, das war nicht richtig und das durfte nicht sein. Würde das nicht bedeuten, das er etwas für den Rüstgruppenführer empfand, dass er Gefühle für ihn hatte?
Nein! Unmöglich, er war nicht schwul, er war verheiratet, sein Leben lang war er mit Frauen liiert gewesen, hatte kaum Gedanken an erotische Männerkörper verschwendet, wieso faszinierte Kelly ihn plötzlich so sehr.
Doch auch wenn Matt den Gedanken nicht zulassen wollte, wenn sich alles in seinem Inneren dagegen sträubte, so musste er zugeben, das er sich in den vergangenen Tagen eindringlich mit dem Aussehen seines Freundes beschäftigt hatte, er beobachtete ihn auf unangebrachte Weise, musterte den Hintern seines Kollegen, gestand sich unterbewusst ein, wie attraktiv sein bester Freund war und dann war da ja auch noch dieser seltsame Gedanke, diese seltsame Vorstellung, wie Kelly ihn auf seinen starken Armen hoch nahm, an sich drückte, Matt die Beine um die Hüften seines Freundes schlang und der Lieutenant ihn ins Schlafzimmer trug.

Das alles war nicht normal, es waren keine normalen Gedanken für einen Heterosexuellen Mann, es waren keine freundschaftlichen Gedanken, nichts das sich logisch erklären ließ.
Entzug körperlicher Nähe? Schwachsinn, er hatte mehr als eine Möglichkeit bekommen mit seiner Frau intim zu werden, doch dass diese ihn nicht erregte, dass er absolut kein kribbeln spürte oder ein warmes, flauschiges Gefühl in seinem Magen genießen konnte, dass alles waren eindeutige Indizien, oder?
Aber in Kelly verliebt? Das konnte nicht sein, es musste an dem anziehenden Körper seines Freundes liegen, an seinem Aussehen, auch wenn dieses Matt nicht erregen durfte, so war ihm der Gedanke lieber sich von einem Männerkörper angezogen zu fühlen, als sich tatsächlich in einen Mann verliebt zu haben.
Doch so einfach würde sein Gehirn es ihm nicht machen, es würde ihm nicht erlauben sich mit einer solch banalen Erklärung aus der Affäre zu ziehen. Nein, Matt brauchte Gewissheit. Er musste herausfinden was die Wahrheit war, hatte er Gefühle für Kelly, oder war es die bloße Erregung welcher ihr intimer Körperkontakt in ihm auslöste.

Was auch immer es war, er hatte seinem besten Freund unrecht getan und ihn schlecht behandelt und auch wenn seine Gedanken mal wieder abgedriftet waren, wusste er den Grund seines Abgangs aus dem Wohnzimmer noch sehr genau.
Auch wenn er sich nicht vorstellen konnte, oder eher vorstellen wollte, das Gabby zu so etwas im Stande war, dass sie ihn auf so miese Weise manipulieren könnte, wäre es durchaus im Rahmen des Möglichen, das Kelly etwas falsch verstanden hatte.
Vermutlich hatten die beiden Sanitäterinnen sich wirklich über etwas in dieser Richtung unterhalten und Kelly hatte eins und eins zusammengezählt. Nichts desto trotz hätte er seinen besten Freund nicht so anfahren dürfen und sehr viel länger würde Matt seinem schlechten Gewissen auch nicht mehr standhalten können.
Seufzend richtete er sich auf und sah zur Schlafzimmertür, er musste das klären, allein schon um ihrer Freundschaft willen.

Mit schlechtem Gewissen und auf leisen Sohlen schlich Matt aus dem Gästezimmer und sah sich in der offenen Wohnung am. Kelly saß noch immer auf dem Sofa, hielt den Kopf gesenkt, wirkte nachdenklich und als Matt näher kam, erkannte er die halb geleerte Bierfalsche in der Hand seines Freundes und die bereits leere Flasche auf dem Wohnzimmertisch vor ihm.
Er war zu weit gegangen, auch wenn zwei Bier kein Grund waren sich über irgendetwas Sorgen zu machen, so war es offensichtlich das Kelly versuchte sich in den Alkohol zu flüchten. Die zwei Flaschen zeigten ihm jedoch auch, wie lange er seinen Gedanken nachgehangen haben musste, ohne es zu bemerken.
„Hey Mann, störe ich?“, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch sofort drehte sich Kelly zu ihm um und stand auf, „nein, quatsch. Natürlich nicht!“
„Hör mal Kelly“, setzte Matt an und versuchte gegen den festen Klumpen in seinem Hals anzukämpfen, „es tut mir leid, ich hätte dich nicht so angehen dürfen. Du wolltest nur ehrlich zu mir sein und ich sollte dir dafür danken, anstatt dich anzubrüllen. Aber ich… ich kann das einfach nicht glauben, Gabby würde mir so etwas nicht antun, sie würde mich nicht auf solch miese Weise hintergehen, beziehungsweise manipulieren. Das kann ich einfach nicht glauben.“
Sofort nickte Kelly ihm zu, woraufhin Matt seinen Freund verwundert ansah, „ja, ich schätze, da habe ich einfach was falsch verstanden. Es geht mich nichts an und ich sollte mich raushalten. Sorry, wir nicht noch mal vorkommen.“
Der Kloß in Matts Hals wurde immer größer, darauf wollte er überhaupt nicht hinaus, „nein, bitte. So meinte ich das nicht, ich bin dir dankbar für deine Vorsicht und hab begriffen, dass du es mir erzählt hast um mich zu schützen. Du dachtest, dass sie irgendeinen hinterhältigen Plan verfolgt und hast in bestem Gewissen gehandelt. Ich will nicht das du dich raus hältst und ich bin auch nicht der Meinung das dich das Ganze nichts angeht. Schließlich stelle ich den Leben wegen meinem Drama auf den Kopf, ich wollte mich einfach entschuldigen dafür das ich so übertrieben reagiert habe und diese fiesen Sachen…“
„Schon in Ordnung Casey, wirklich. Das brauchst du nicht“, plötzlich lächelte der Rüstgruppenführer und reichte Matt die angefangene Bierfalsche, welcher dankbar darauf sah und sie zwischen seinen Handgelenken eingekeilt entgegennahm, „also alles wieder gut?“
Der Lieutenant nickte, ließ sich zurück aufs Sofa fallen und wieder war Matt unheimlich dankbar dafür, dass sein bester Freund so unkompliziert war.
Eine einfache Erklärung, gefolgt von einer ehrlichen Entschuldigung und die Sache war erledigt. Kein tot kauen irgendwelcher Sätze, die im Affekt gesagt wurden, kein herum reiten auf irgendwelchen Reaktionen, die Interpretationssache waren. Eine ehrliche Entschuldigung und Ende!

Deutlich erleichtert ließ Matt sich neben seinen Kumpel auf das Sofa sinken und sah zum Fernseher, in welchem ein Eishockeyspiel lief. Seine Konzentration konnte er darauf jedoch nicht verschwenden, aus dem Augenwinkel musterte er seinen Kollegen, nahm jede Bewegung von diesem wahr und festigte noch einmal den Gedanken unbedingt das wirre Chaos seines Inneren entschlüsseln zu müssen.

Nach 20 Minuten stand Kelly plötzlich auf, woraufhin Matt erschrocken die Luft anhielt. Er war so in seinen Gedanken versunken, dass er kaum noch etwas mitbekommen hatte.
„Ich werde uns was zu Essen machen, oder soll ich lieber was bestellen? Pizza, Chinesisch, Indisch? Worauf hast du Lust?“, grinste Kelly und schlug sich auf den Magen um seinen Hunger zu unterstreichen. Matt sah ihn noch immer überfordert an, „äh… ähm… keine Pizza…“
„Was hältst du von Italienisch ohne Pizza? Nudeln und Soße?“, schlug Kelly vor und ehe Matt seine eigene Reaktion steuern konnte, sah er hinab zu seinen Händen und biss sich auf die Lippen. Kelly bemerkte den plötzlichen Gefühlsumschwung scheinbar und klopfte ihm auf die Schulter, „ich schneid die Nudeln klein und du kannst sie mit einem Löffel essen, in Ordnung?“
Das die Lösung Matt unangenehm war, weil sie ihn mal wieder daran erinnerte, wie hilfsbedürftig er war, wurde seinem Gesichtsausdruck zwar deutlich, doch der Captain nickte zustimmend und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen.
„Danke, auch dafür das du mich nicht aufziehst“, gestand der Feuerwehrmann plötzlich, ging einen schritt auf Kelly zu, hielt inne um ihm in die Augen zu sehen und schlang dann einfach die Arme um die Taille seines Freundes um seinen Freund zu umarmen.
Diese Aktion war völlig untypisch für Matt und innerlich trat er sich in den Hintern, doch etwas Besseres war ihm nicht eingefallen.
Er musste Körperkontakt zu Kelly suchen, ob nötig oder unnötig, wie sollte er sich dem wirren Chaos in seinem Kopf sonst entgegenstellen, oder es gar entschlüsseln.

Überrascht schloss auch Kelly die Arme um ihn, strich ihm zärtlich über den Rücken und für einen Augenblick hatte Matt das Gefühl, das Kelly ihn fester an sich drückte, einen tiefen Atemzug nahm und sich in der Umarmung wohl fühlte.  
Es war eine seltsame Reaktion und sie passte absolut gar nicht zu dem Rüstgruppenführer. Kelly war nicht zart besaitet oder sensibel, außerdem hätte er ihn normalerweise mit einem harten Stoß auf die Schulter zur Besinnung gebracht, ihm vielleicht noch einen dummen Spruch unter die Nase gerieben, laut gelacht und sich Kelly-typisch weggedreht.
Es war das erste Mal, das Matt die ungewöhnliche Reaktion seines Freundes auffiel, doch jetzt wo der Stein ins Rollen gekommen waren, regnete es unzählige Bilder und Eindrucke auf ihn herab. Bilder in den Kelly ihn mit sanftem Blick ansah, ihm zärtlich über den Rücke strich, lächelte, sich schützend vor ihn stellte, ihn in den Arm nahm. Plötzlich hatte Kelly in seiner Erinnerung eine unheimlich sanfte Stimme, zärtlich, so als wollte er mit seinen Worten noch etwas anderes sagen als das, was seinen Mund verließ. Als sollte Matt hinter ihnen eine Emotion erkennen, welche Kelly krampfhaft versuchte zu verbergen.
Empfand der Rüstgruppenführer etwa etwas für ihn? Hatte Kellys Severide, sein Vertrauter und bester Freund Gefühle für ihn?

Das alles war doch schon kompliziert genug, das Chaos in seinem Kopf bezüglich seiner eigenen Gefühle beschäftigte Matt zu genüge, da konnte er auf zusätzliches durcheinander gern verzichten.
Aber wieso benahm sich sein Kumpel so seltsam, oder bildete Matt sich das alles nur ein? Hing es mit seiner Verletzung zusammen? Aber Matt war schon oft verletzt und niemals hatte Kelly ihn so sanft behandelt und das dem so war, dessen war der Drehleiterführer sich gerade sehr sicher geworden.
Je intensiver er darüber nachdachte, desto unsicherer wurde Matt, denn seine eigenen Gefühlte stellte gerade ein deutlich kleines Problem da, als das was Kelly eventuell für ihn empfinden könnte.

Wenn Kelly wirklich etwas für ihn empfand, dann sollte sich dieser Umstand zu einem ausgewachsenen Problem entwickeln. Was würde das für ihre Freundschaft bedeuten, könnten sie dann überhaupt noch Freunde sein?
Aber worüber dachte er ihr überhaupt nach, sein bester Freund konnte unmöglich etwas für ihn empfinden, schließlich kannte er Kelly nur als Aufreißer und Frauenschwarm, die Möglichkeit das dieser sich für das eigene Geschlecht interessieren könnte, vielleicht sogar Bisexuell war, wäre ihm nicht im Traum gekommen.
An für sich hätte Matt auch kein Problem damit, dessen war er sich sicher, doch auf Kosten ihrer Freundschaft?
Er brauchte Kelly, er durfte ihn nicht verlieren. Die Tatsache das sich ihre Gefühle gerade eventuell in die selbe Richtung entwickelten, ließ Matt völlig außer Acht. Das alles, diese wirren Gedanken, diese unzähligen Emotionen, es überforderte ihn. Sein Kopf drohte allmählich zu zerplatzen und auch wenn er sich gern einreden würde, Kelly könnte unmöglich Gefühle für ihn haben, ließ sein Unterbewusstsein ihm diesen Gedanken nicht durchgehen.
So wie es ihn zwang seinen eigenen Gefühlen auf den Grund zu gehen, so bestand es auch darauf die Wahrheit über Severide heraus zu finden.

Matt brauchte einen Plan und auf die Stelle fiel ihm nur ein Weg ein, den Rüstgruppenführer zur Ehrlichkeit zu bewegen, auch wenn dieser Plan fragwürdig und vermutlich sogar an den Haaren herbeigezogen war.
Er kannte Kelly seit Jahren und in diesen war sein bester Freund immer als starker Beschützer und ganzer Kerl aufgetreten, er ließ sich nicht so einfach hinters Licht führen, doch Matt kannte den Moment, in welchem Kelly kaum fähig war einen klaren Gedanken zu fassen.
Wenige Minuten nach einer Befriedigung ließ sein Freund jeden Gedanken, jeden Zweifel, einfach alles frei. Das hatte er Matt einmal bei einem feuchtfröhlichen Abend erzählt, vermutlich erinnerte er sich gar nicht mehr daran, doch der Captain erinnerte sich genau und jetzt wo er gezielt darüber nachdachte, erinnerte er sich auch an die Minuten nach ihrem Trockensex Erlebnis, Kelly hatte mehrere Minuten über ihm gelegen, nachdem er gekommen war. Matt dachte sich in diesem Augenblick nichts dabei, doch je intensiver er sich damit beschäftigte, desto sicherer wurde er, dass der Rüstgruppenführer diesen Moment gebraucht hatte um sein Gehirn wieder hoch zu fahren.
Das war also die Lösung des Problems: Kelly musste in Ekstase gelangen, musste sich gehen lassen, der Erregung nachgeben und dann würde er ihn ausfragen können. Es fühlte sich nicht richtig an seinen Freund auf so heimtückische Weise zu manipulieren, doch er brauchte die Wahrheit, wenn er jemals wieder Ruhe in seine Gedanken bringen wollte, musste Matt wissen wie es wirklich um Kelly, ihn selbst und ihre Gefühle stand.
Die Tatsache, dass sich bei dem Gedanken an Kelly in Ekstase eine gewisse Vorfreude in seinen Körper schlich, versuchte Matt gekonnt zu ignorieren.

Den gesamten Tag hatte Matt darüber gegrübelt, wie er Kelly zum Höhepunkt bringen könnte ohne selbst ins Feuer zu treten. Unmöglich würde er sich dem Kollegen auf diese Weise nähern können, ohne sich zu verraten. Was müsste Kelly von ihm halten?
„Alles klar? Bist du satt?“, drang die Stimme seines Freunds plötzlich an sein Ohr und überrascht sah Matt erst auf die Schüssel, welche er auf dem Schoß balancierte und anschließend zu Kelly. Nickend stimmte er zu, ohne die Frage wirklich verstanden zu haben, doch als der Feuerwehrmann ihm die Reste seiner kleingeschnittenen Spaghetti, welche Matt am Mittag nicht komplett geschafft hatte, vom Schoss nahm, sie in die Küche brachte und mit zwei kühlen Bier wieder kam, reimte er sich eins und eins zusammen.
Mit sich hadernd nahm er die Flasche entgegen, an den Strohhalm hatte er sich endlich einigermaßen gewöhnt, auch wenn es nicht wie direkt aus dem Flaschenhals schmeckte, gab sich Matt damit zufrieden. Viel mehr beschäftigte ihn noch immer derselbe Gedanke wie am Mittag, wie beinah den gesamten Tag und langsam war er von sich selbst genervt. Vielleicht war ein umständlich Plan gar nicht das richtige, vielleicht sollte er einfach mit Anlauf ins Feuer springen und das Gespräch auf den Punkt bringen.
Sowohl er, als auch Kelly bevorzugten Ehrlichkeit, wieso also lang drum rum reden. Er würde nicht mit der Tür ins Haus fallen und auch seine ursprüngliche Idee war nach wie vor Teil des Plans, aber der Weg um Kelly zu Ekstase zu bringen, fühlte sich in seinen Gedankengängen unnötig kompliziert an.

„Hey Kelly, ich hab da was auf dem Herzen“, setzte Matt an, was ihm sofort die Aufmerksamkeit seines Freundes sicherte, „ich hab ein schlechtes Gewissen und bevor du gleich wieder sagts, dass das unnötig sei, hör mir bitte erst zu.“ Noch bevor der Lieutenant widersprechen konnte räuspere Matt sich und sah ihm in die Augen. Es viel ihm unheimlich schwer den Blickkontakt zu halten, in Anbetracht der Tatsache, was er seinem Freund gleich vorschlagen würde.
„Du hast dein Privatleben meinetwegen beinah vollkommen ableget, wenn ich überlege wie viele Frauen normalerweise in der Woche hier aus und eingehen. Ich weiß das du das für mich tust und auch hier bitte ich dich: lass mich ausreden bevor du sagst das würde nicht stimmen! Also, ich weiß das du das für mich tust und ich habe ein schlechtes Gewissen. Du machst so viel für mich, hilfst mir bei allem und in jeder Lage und damit meine ich wirklich in JEDER Lage. Dieses Angebot das du mir gemacht hast, am Tag als du mich hierhergeholt hast, ich würde es dir gern zurückgeben.“
Mit offenem Mund starrte Kelly ihn an, „du meinst… du bietest mir an… du und ich…“
Ein Kloß groß wie ein Häuserblock schob sich in Matts Hals als er nickte, „der Ausrutscher heute Morgen, wir haben festgestellt das er uns beiden gutgetan hat und wir haben beschlossen das sich nichts zwischen uns ändert, egal was wir machen. Ja, ich möchte dir das Angebot machen, so wie du es mir angeboten hast. Ich möchte dir gern etwas zurückgeben und dir helfen.“
„Matt das kann nicht dein Ernst sein!“, setzte Kelly an, woraufhin der Captain den Kopf schüttelte, „denk erst mal darüber nach, bevor du ablehnst. Ich habe das Gefühl dich auszunutzen und möchte dir gern etwas zurückgeben. Immerhin hast du meinetwegen keinen Damenbesuch momentan und du kommst nicht auf deine Kosten, dabei könnte ich dir helfen.“

Unsicher sah Kelly seinen Freund an und als Matt die Zweifel in seinen Augen erkannte, stellte sich eine unbändige Vorfreude in ihm ein. Ein Gefühl das er werden begreifen, noch einordnen konnte. Es war die Vorbereitung auf seinen Plan, er sollte nicht so empfinden, er sollte rational und überlegt Denken.
„Das ist nett von dir Matt, aber das wird nicht nötig sein. Immerhin habe ich zwei gesunde Hände und kann gewisse Dinge auch gut alleine machen“, antwortete Kelly ihm schließlich und Matt spürte wie eine kleine Lawine über ihm zusammenbrach. Sein Herz fühlte sich plötzlich schwer und belegt an und dem Feuerwehrmann wurde bewusst, dass er sich auf einen gemeinsamen Moment, in welchem sie beide etwas voneinander hatten, tatsächlich gefreut hatte.
„Willst du nicht noch mal darüber nachdenken?“, versuchte Matt noch einen letzten verzweifelten versuch seinen Freund umzustimmen, doch Kelly wehrte bestimmt ab, „nein, wirklich nicht nötig Matt“, bevor er sich abrupt erhob und streckte, „und jetzt werde ich ins Bett gehen, bin ziemlich müde. Kommst du mit?“

Enttäuscht erhob sich auch Matt und folgte seinem Freund ins Schlafzimmer, wo er sich seufzend seiner Klamotten entledigte und neben Kelly unter die Bettdecke schlüpfte. Erst als der Rüstgruppenführer ihm einen Arm um die Schulter legte und Matt völlig selbstverständlich an seine Brust rutschte, wurde ihm bewusst wie automatisch seine Handlungen waren.
Es fühlte sich natürlich an bei Kelly zu schlafen, anstatt ins Gästezimmer zu gehen. Der Feuerwehrmann hatte ihn nicht mal auffordern oder fragen müssen. Selbstverständlich war Matt ihm gefolgt, hatte sich bis auf das T-Shirt und die Shorts entkleidet und war unter der Bettdecke an Kellys Brust gerutscht.
Es fühlte sich gut an, so sehr er auch versuchte sich gegen den Gedanken zu wehren, so sehr er auch versuchte sich einzureden, es sei falsch, fühlte es sich gut an.
Kellys Geruch, das Gefühl welches er auf seiner Haut hinterließ, dieser Schutz, diese Wärme, Matt konnte nicht anderes als es zu genießen. Vielleicht lag er falsch, vielleicht waren doch nicht Kellys eventuelle Gefühle das Problem, sondern seine, vielleicht hatte er sich wirklich in seinen besten Freund verliebt.

Sofort überkam den Feuerwehrmann eine Fülle an Gewissensbissen. Er war verheiratet, er durfte sich nicht verlieben, erst recht nicht in einen Mann.
Gabby, auch wenn sie stritten, er liebte sie, sie gehörten zusammen, sie waren doch…
Weiter kam er in seinen Gedankengängen nicht, den plötzlich drehte Kelly, welcher augenscheinlich bereits eingeschlafen war, sich neben ihm, legte ihm seinen freien Arm um die Hüfte und zog Matts Körper dich an seinen, so das Matts Gesicht an die muskulöse Brust seines Freundes gedrückt wurde und sich dessen Körpergeruch in jedem seiner Nerven ausbreitete.
Augenblicklich war jeder Gedanke an Gabby, jedes Schuldgefühl, einfach alles, aus Matts Geist verschwunden. Einzig Kelly und dieses wunderbare Gefühl hatten noch Platz in seinem Inneren und es war auch der Rüstgruppenführer, dem Matts letzte Gedanke galt, bevor er in einen ruhigen und sicheren Schlaf sank.
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