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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
13
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14.06.2020 4.503
 
Kapitel 13 – im Zweifel gefangen


Was hatte er getan? War er gerade tatsächlich über Matt hergefallen? Hatte sich zwischen seine Beine gelegt, seinen Hintern in die Höhe geschoben und sich an diesem gerieben bis er sich in seiner eigenen Shorts ergoss? Hatte er dem Captain über die weiche Haut an dessen Hals geleckt, hineingebissen, sich an ihr festgesaugt und war anschließend mit seiner Zunge in dessen Mundhölle eingetaucht?
Hatte er ihm ins Ohr gestöhnt, sich so fest er konnte an ihn gepresst, versucht sein hartes Glied, durch denn Stoff, zwischen Matts Pobacken zu zwängen und seiner Erregung freien lauf gelassen?
Das durfte nicht wahr sein, was hatte er sich dabei gedacht? Wie konnte er sich nur so gehen lassen?

Doch wie hatte das ganze begonnen? War es nicht Matt gewesen, welcher sich mit seiner Härte an Kellys Oberschenkel gepresst hatte, seine Hüften in kreisenden Bewegungen gegen ihn rieb und immer engeren Kontakt zu ihm suchte? War es nicht Matt gewesen, welcher zuerst lustvoll keuchte, sein Handgelenk auf Kellys Mitte legte und anfing ihn mithilfe sanften Druckes zu stimulieren?
Ja, Matt hatte den Stein ins Rollen gebracht, er hatte den Kontakt gesucht, ihn angefasst und zu mehr bewegt. Ihr Handeln war von dem Captain ausgegangen, jede Bewegung, jede Regung, Matt hatte sie ausgelöst.
Doch Kelly hätte sich bremsen müssen, er hätte sich von dem berauschenden Gefühl und dem wohltuenden Körpergeruch seines Freundes nicht betören lassen dürfen, er hätte ihm nie willig die Beine auseinander schieben und sich dazwischen legen dürfen.
Doch genau so war es passiert, es ließ sich nicht leugnen, er hatte gerade Trockensex, mit seinem besten Freund!
Ob Matt das Zucken seiner Mitte gespürt hatte, als er sich in den erlösenden Sekunden an ihn presste? Ob er die Feuchtigkeit an seinem Hintern fühlen konnte, nachdem Kelly gekommen war?
Doch da war noch etwas, er war nicht als einziges zum Abschluss gekommen, auch Matts Glied, zwischen ihren Körper, hatte gezuckt. Auch der Captain hatte den Atem angehalten, sich ihm entgegengestreckt und auch wenn Kelly es weder sehen noch spüren konnte, war er sich sicher, dass auch Matt einen Orgasmus gehabt haben musste.

Doch was jetzt? Weder Matt noch er hatten vor oder während dieser Aktion ein einziges Wort gesagt, nur heißes, erregendes, antreibendes Keuchen und lustdurchtränktes Stöhnen hatte die Luft zerschnitten.
Jetzt lagen sie hier, schwer atmend, keuchen, nebeneinander und keine wagte es, auch nur einen Muskel zu rühren. Matt hatte ihn angemacht, er hatte angefangen, sollte Kelly ihm dann nicht auch den Vortritt zu einer Erklärung lassen? War es also nicht logischerweise Matt, der ein Gespräch in Gang setzen musste? Oder sollte Kelly einfach so tun, als währen die vergangenen Minuten nie passiert?
Nein! Das konnte er nicht, diese vergangenen Minuten würde er nie wieder vergessen, dieses Gefühl war so all umgreifend gewesen, so verschlingend und wunderbar. Es war nicht mal ansatzweise mit den Bildern vor seinem inneren Auge zu vergleichen, bei denen er Matt angetrunken auf dem Sofa verführt hatte, oder ihm in der Badewanne Erleichterung verschaffte. Die vergangenen Minuten waren genau so erregend gewesen, wie die, welche sie vor kurzen bei seinem Hilfe-Angebot geteilt hatten. Als er Matt mit seinen Händen befriedigte, als er mit den Fingern in ihn eingedrungen war und sich dem Stöhnen seines Freundes hingegeben hatte.
Welcher Moment war erregender gewesen? Matts Anblick als dieser sich unter ihm wandte und nach mehr bettelte, oder der gerade eben, als er seinem Freund so nah sein durfte, wie es selbst in seiner Vorstellung nicht möglich war.
Sie hatten gerade eine Vorstufe von echtem, realem Sex vollzogen und waren beide, im Wissen des jeweils anderen, zum Höhepunkt gekommen, hatten sich dabei sogar gegenseitig unterstützt.
Doch was spielte es für eine Rolle, welcher Moment erregender gewesen war. Weit wichtiger sollte die Frage sein, ob sich durch das gerade erlebte etwas zwischen ihnen änderte?

Es konnte in die eine oder andere Richtung gehen. Entweder Matt war schrecklich angewidert von seinem eigenen Handeln und auch von Kellys Reaktion, oder der Kollege spürte endliche ähnliche Gefühle wie der Rüstgruppenführer. War es möglich das Matt ähnlich wie er selbst empfand? Das er Gefühle für seinen besten Freund entwickelte und diese Aktion ein Versuch war, diese verwirrenden Gefühle zu entschlüsseln?
Oder war es Option drei, in welcher Matt instinktiv gehandelt hatte, indem sein rationales Denken nicht vorhanden war und er sich einem Impuls hingab? Doch sollte es wirklich so sein, würde das nicht eher zu Theorie zwei passen und sein Unterbewusstsein hatte den Captain dazu veranlasst, weil er tief in seinem Inneren etwas für Kelly empfand, das über Freundschaft hinaus ging?!
Wie gern würde der Rüstgruppenführer sich jetzt laut stöhnend die Haare raufen um dem Druck in seinem Kopf zu entkommen, doch das würde bedeutet, er müsste sich rühren. Er müsste sich als erstes bewegen und würde er das tun, müsste er Stellung zu dem gerade geschehenen beziehen.

Ein kleiner Teil in Kelly bereute diese Schwäche, sich gehen gelassen zu haben, schließlich hatte der Feuerwehrmann sich vor genommen seine Gefühle in eine kleine Schachtel zu packen und sorgsam zu verschließen. Doch nach ihrem Handeln, nachdem was gerade passierte, war die kleine verschlossene Schachtel geradezu explodiert. Es machte keinen Sinn seine Gefühle länger zu leugnen, sich einzureden, dass sie keinen Sinn ergaben, oder eventuell nur eingebildet waren.
Er fühlte etwas für Matt, er war in ihn verliebt, das hatte er bereits begriffen und nachdem was eben passiert war, konnte Kelly nun endlich einen Entschluss fassen.
Die Angst vor der Zukunft hatte sich beinah vollständig verzogen, sollten seine Freunde und Kollegen doch denken was sie wollte. Sollte seine Familie ihn doch mit Missachtung strafen und schief ansehen. Er wollte Matt, er wollte eine Zukunft mit ihm, wollte mit dem Drehleiterführer zusammen sein, eine Beziehung führen und ganz offen an seiner Seite stehen.
Scheiß auf alle Bedenken, auf alle Probleme und Widersprüche. Würde Matt wirklich eine Beziehung mit ihm in Betracht ziehen, würde er sich wirklich Gefühle für Kelly eingestehen, dann würde dieser nicht zögern, nicht eine einzige Sekunde.
Er war bereit für Matt, für eine Zukunft mit dem Kollegen, er war bereit für ein Wir!

Doch Kelly konnte nur rätseln wie es in dem Captain aussah, ob ihr Handeln wirklich etwas in ihm ausgelöst hatte, ob er tatsächlich Gefühle für den Rüstgruppenführer entwickelte. Er musste mit Bedacht vorgehen, durfte Matt nicht verschrecken, oder überfordern.
Sein bester Freund war verheiratet, er war ein Ehemann und dieser Schritt würde ihm sicher einiges abverlangen. Es musste von Matt kommen, auch wenn Kelly sich seiner Gefühle sicher war, er würde seinen Freund zu nichts drängen.
Es war einzig und allein Matts Entscheidung, Kelly würde ihm lediglich beistehen, egal wie er sich entschied.
Doch was, wenn diese Gedanken nur Hirngespinste waren? Sicher, Matt konnte das was gerade passiert war nicht leugnen und er könnte auch nicht behaupten geglaubt zu haben mit seiner Freu Intim zu sein, immerhin war es Kellys steifes Glied, welches sich versucht hatte in den Hintern seines Freundes zu bohren. Das Gabby zu einer solchen Handlung in der Lage war, wäre dem Rüstgruppenführer neu. So wie auch der Lieutenant, war Matt gezwungen sich mit seinen Gedanken auseinander zu setzen und das dieser nicht schlief, wusste Kelly genau.
Nein, er würde nicht den ersten Schritt machen, diesmal würde er Matt nicht entgegenkommen. Wenigstens einmal musste Kelly an sich und seine Interessen denken!

Noch eine ganze Weile lagen sie schweigend nebeneinander. Kelly war schon vor Minuten wieder zu Atem gekommen, doch Matt keuchte noch immer, was vermutlich an dessen mangelnder Ausdauer, aufgrund des Trainingsausfalls lag.
„Kelly?“, es war kaum mehr als ein Flüstern und kam so überraschend, das der Rüstgruppenführer einen Moment brauchte, um es zu registrieren. Es war also soweit, Matt brachte den Stein tatsächlich ins Rollen und Kelly konnte vor Spannung auf die Erklärung seines Freundes kaum bei klarem Verstand bleiben, „ja?“
Wieder herrschte einen Moment Stille und der Lieutenant hasste sich für die Gedanken, welche sich urplötzlich in ihm ausbreiteten. Er hatte mit einem Mal das Gefühl egoistisch zu sein, schließlich konnte er spüren, wie schwer Matt sich tat ihn anzusprechen. Er kannte seinen Freund, wusste das diese Art der Unterhaltung nicht zu seinen Stärken gehörte, doch Kelly wollte nicht nachgeben, er musste es von Matt hören, schlechtes Gewissen hin oder her!

„Es tut mir leid“, der Rüstgruppenführer hörte das Krachen in der Stimme seines Freundes, hörte wie zittrig und unsicher sie war und musste die Luft anhalten, als Matt erneut einen tiefen Atemzug nahm, „ich weiß nicht wieso ich das gemacht habe, ich kann es mir nicht erklären… Es tut mir leid Kelly, ich hätte dich nicht so überrumpeln dürfen, ich hätte mich zusammenreißen müssen. Aber diese Angst, diese Ungewissheit, es macht mich wahnsinnig, am liebsten würde ich laut schreien. Die ganze Situation lässt mich den Verstand verlieren und ich habe es an dir ausgelassen, hab dich ja quasi zu dieser Sache genötigt und… verdammt… Bitte entschuldige Kelly, es tut mir leid!“
Atemlos presste Severide seinen Rücken in die Matratze, das war es also. Keine versteckten Gefühle, keine heimlichen Emotionen, Matt hatte Angst und die Situation überforderte ihn so, dass er ein Ventil für diese Ängste gesucht hatte.
Es hatte nichts mit ihm als Person zu tun, er war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und als Kelly spürte, wie sich die Enttäuschung wie ein Schatten über ihn legte, schloss er frustriert die Augen.
Trotzdem war ihm der Aufgewühlte Ton in der Stimme seines Freundes keineswegs entgangen, was brachte diese Wut, was brachte die Enttäuschung?! Es war nicht Matts Schuld das er anders empfand, dass sie nur Freunde waren und auch wenn Kelly nicht so schnell aufgeben würden, durfte er Matt keinen Vorwurf machen. Er hatte versprochen für seinen Freund da zu sein, ihn von Leid und Schmerz zu befreien und jetzt zwang er ihn zu einer Erklärung?
Kelly fühlte sich schuldig, er fühlte sich schlecht, nicht aufgrund dessen, was sie gemeinsam erlebt hatten, sondern weil er Matt diese Gedanken aufbürdete, weil er es ihm absichtlich schwer machte.

„Du brauchst dich nicht entschuldigen. Wir waren beide… außer Kontrolle. Sicher war es der Schlafenzug, uns fehlt wohl beiden etwas Ruhe und Erholung, mach dir keine Gedanken“, ließ sich Kelly von seinem schlechten Gewissen lenken und versuchte den kleinen Teufel der Augenrollend vor sein inneres Auge trat, zu ignorieren.
„Trotzdem tut es mir leid, ich hab dich ja sozusagen… genötigt“, entschuldigte sich der Drehleiterführer erneut und Kelly konnte nicht anderes als die Augen zu öffnen, sich auf die Seite zu drehen und Matt anzusehen, „du hast mich nicht genötigt, offensichtlich hab ich das auch gebraucht. Mit tut es leid, wenn ich dich in eine unangenehme Situation gebracht habe. Lass uns das ganze einfach als Erleichterung für beide Seiten abtun, einverstanden?“, woher sein plötzliches Einfühlungsvermögen stammte konnte Kelly nicht erklären und auch nicht wieso er gegen seinen eigenen Plan, Matt von dessen tief schlummernden Gefühlen zu überzeugen, abwich. Vielleicht war es einfach der Drang in ihm, seinem besten Freund nicht unnötig zuzusetzen und für diesen da zu sein, anstatt es ihm schwer zu machen.

Dankbar lächelte Matt und zwang sich zu einem zögerlichen Nicken, bevor auch er sich auf die Seite drehte um seinem Freund besser in die Augen sehen zu können, „danke, ich weiß das zu schätzen.“
Auch wenn Matt indirekt behauptete, das zwischen ihnen alles gut sei, jedenfalls las Kelly das zwischen den Zeilen seiner Worte, spürte der Lieutenant nach wie vor die Unruhe seines Freundes, die Ungewissheit und Sorge und ohne noch einen Augenblick zu zögern, robbte er an Matt heran, ließ sich auf den Rücken gleiten und legte dem Captain einen Arm um den Nacken, so das dessen Kopf auf seine Brust rutschte, „es ist alles in Ordnung Casey, zwischen uns ändert sich nichts, egal was passiert. Das habe ich dir doch versprochen. Versuch die Gedanken in deinem Kopf für ein paar Stunden beiseite zu schieben und dich zu entspannen. Wir schlafen jetzt und morgen früh sieht die Welt gleich anders aus, in Ordnung?“
Wie schwer es Kelly fiel, Matt so dich bei sich zu haben, ohne ihm intim näher zu kommen, konnte der Lieutenant kaum in Worte fassen, doch als er spürte, wie sein Freund sich in seinem Arm entspannte und dessen Muskeln weicher wurden, lächelte der Rüstgruppenführer zufrieden.
Er musste sich zusammenreißen und auch wenn es nicht seinem Plan entsprach, könnte diese Einstellung und Fürsorge ihm bei Matt zu Gute kommen. Er zeigte seine weiche Seite nicht gern, doch wenn er es tat, dann nur dem richtigen gegenüber. Matt schien auf diese Wesensänderung positiv zu reagieren und dass er sich bei Kelly wohl fühlte, hatte der Captain ihm bereits zu genüge bestätigt.

Als Kelly ein nicken in seiner Armbeuge spürte und Matt seinen Körper dichter an den des Rüstgruppenführers schob, schloss er die Augen und versuchte sich von dem Körpergeruch seines Freundes nicht um den Verstand bringen zu lassen.
Matts Atmung wurde ruhiger, noch eine ganze Weile lauschte Kelly den entspannenden Klängen und genoss den Wohligen Schauer, welcher der feuchte Atem auf seiner nackten Brust auslöste
Doch seinen letzten Gedanken, bevor er ins Land der Träume glitt würde er nicht so schnell vergessen, denn noch einmal rief er sich in Erinnerung, das er nicht aufgeben durfte, das er Matt nicht verlieren durfte und das er ihn irgendwie davon überzeugen musste Gefühle für den Rüstgruppenführer zu haben.

Sie schliefen bis zum frühen Vormittag und als Kelly, noch immer müde, die Lider öffnete und sich umsah, stellte sich in ihm augenblicklich ein beruhigendes Gefühl ein.
Matt lag noch immer auf seiner Brust, doch anhand dessen Atmung konnte Kelly erkennen, dass auch der Drehleiterführer bereits wach sein musste.
Seufzend rieb sich Kelly mit der freien Hand übers Gesicht, bevor er mit der anderen über Matts Rücken strich und den Blick senkte, um seinem Freund ins Gesicht sehen zu können, „gut geschlafen?“
Er sah Matts nicken, doch erst als dieser die Augen öffnete, den Kopf hob und sich ihre Blicke trafen, fühlte Kelly dieses mittlerweile bekannte, wohltuende kribbeln in seinem Magen.
Bevor das Gefühl jedoch übermächtig werden konnte, räusperte sich der Rüstgruppenführer und klopfte seinem Freund mit der flachen Hand freundschaftlich auf den Rücken, „dann lass uns aufstehen. Ich mach deine Verbände neu und wir frühstücken etwas, einverstanden?“
Wieder brachte Matt ihm lediglich ein Nicken entgegen, bevor er sich mühsam erhob und seinen Körper in eine Sitzende Position zwang. Kelly entging keinesfalls, dass es ihm schwer fiel den Blickkontakt zu halten.
„Alles in Ordnung?“, fragte er vorsichtig, wohl wissend, was Matt gerade im Kopf spukte. Dieser nickte jedoch wiederholt und zwang sich ein Lächeln auf die Lippen, „ja alles gut, nur noch etwas müde.“

Sich vorerst mit der fadenscheinigen Ausrede zufriedengebend wandte Kelly sich aus dem Bett, holte alles was er für den Verbandswechsel benötigte aus dem Badezimmer und kniete sich dann wieder vor Matt, der ihm bereitwillig beide Hände entgegenstreckte.
Das der Verbandswechsel weh tu würde war beiden klar, doch der Captain wirkte heute Morgen, von seiner inneren Zerrissenheit abgesehen, relativ stabil, was Kelly ermutigte sein Vorhaben schnell über die Bühne zu bringen.
Tapfer ließ Matt sich die alten Verbände von den Händen entfernen, zuckte zwar beim reinigen und auftragen der Wundsalme, verzog auch das Gesicht, doch brach die Behandlung nicht ab. Kelly spürte wie groß die Mühe war, welche Matt sich gab und beeilte sich, seinen Freund nicht länger als nötig quälen zu müssen.
Als das strahlende Weiß erneuert seine Finger schmückte, sah der Rüstgruppenführer seinen Freund stolz an, „geschafft, du hast es erstmal hinter dir.“
Lächelnd keuchte Matt auf, scheinbar hatte der Captain in den vergangenen Sekunden angestrengt den Atem angehalten und erst jetzt, wo es überstanden war, legte sich ein entspannter Ausdruck auf seine Züge und zum ersten Mal an diesem Morgen hatte Kelly das Gefühl, das zwischen ihnen alles in Ordnung zu sein schien.
Ein viel zu langen Moment saßen sich die beiden Feuerwehrmänner schweigend gegenüber, sahen sich in die Augen und erst als Matt den Blick abwandte und umständlich versuchte aus dem Bett zu krabbeln, registrierte Kelly, welche Hingabe gerade in dem strahlenden Blau seines Freundes geschienen hat.

„Ich geh mich mal etwas frisch machen“, überschlug sich Matt beinah, welchem die Situation augenscheinlich unangenehm geworden war. Doch der Feuerwehrmann hatte sich zu schnell erhoben, war ungeschickt aufgestanden und als er über seine eigenen Beine stolperte, ins Taumeln geriet und drohte auf den Boden zu fallen, reagierte Kelly sofort.
Mit einem Satz war er aus dem Bett gesprungen, hatte Matt an den Hüften gepackt, zu sich gezogen, dabei selbst das Gleichgewicht verloren und war samt seinem Freund zurück aufs Bett gefallen.
Der Feuerwehrmann brauchte eine Schrecksekunde um die Situation zu begreifen, doch als er sich endlich gefangen hatte und registrierte, dass das strahlende Blau nur Zentimeter vor ihm ruhte, wurde ihm heiß und kalt zugleich.
Noch immer lagen seine Hände auf Matts Hüfte, er hatte diesen mit sich nach hinten gerissen, den lädierten Körper seines Freundes auf seinen eigenen gezogen und genau dort ruhte dieser auch jetzt noch.
Kelly fühlte Matts Herzschlag an seiner eigenen Brust, wie ungesund schnell er hämmerte und er spürte Matts Atem auf seinen Lippen. Die feuchte Hitze, wie sie sich zwischen seine leicht geöffneten Lippen schob, ihre Nasenspitzen sich beinah berührten und als es den Anschein machte, Matts Augen würden seinen immer näherkommen, schloss Kelly instinktiv die Augen.
Es war ein hauchzartes Gefühl, kaum spürbar und doch nahm er es wahr wie einen Donnerschlag, als Matt Lippen seine streiften, dieser sich mit den Ellbogen neben Kellys Kopf abstütze, ihm durch die Nase an die Oberlippe atmete und als der Rüstgruppenführer die feuchte, warme Zungenspitze seines Obermannes an seiner Unterlippe spürte, setzte sein Herz für zwei Schläge aus.

Die Berührung war so unschuldig, dass sie ihn beinah mehr erregte, als wenn sie wild übereinander herfielen. Matts Scheu, wie er ihm mit der Zunge über die Lippe streifte, sich auf ihm hinauf zog um seinen Kopf schräger zu legen und die Spitze seiner Zunge zeitlupenartig zwischen Kellys noch immer halb geöffnete Lippen schob, war berauschend.
Zögerlich schlag der Lieutenant seine Arme um Matts Hüfte, legte beide Hände vorsichtig auf den Hintern seines Freundes und hieß, mit ebenso scheuen Bewegungen, die Zunge in seinem Mund willkommen.
Er stupste sie mit seiner eigenen an, streifte ihre Seite hinauf, umkreiste sie, schob seine Lippen weiter auseinander um Matt tiefer in sich eindringen zu lassen und genoss den süßen Geschmack, welcher von dem Drehleiterführer ausging.
Blut rauschte Kelly in den Ohren, sein Herz raste, sein Puls schien explodieren zu wollen. Er war erregt, doch es war nicht wie sonst, es war sanfter, zärtlicher, liebevoller, eine Art der Erregung, welche er nie zuvor gesprüht hatte und doch löste sie etwas in ihm aus, dass er nicht in Worte fassen konnte.

Dieser Moment könnte ewig andauern, diese liebevolle Zärtlichkeit sollte niemals vergehen, doch das Glück war ihm nicht vergönnt. Ein lautes Klopfen an der Haustür ließ ihn erschrocken zusammenzucken und beinah im gleichen Moment breitete sich die Sorge über Matts folgende Reaktion in ihm aus. Der Drehleiterführer war nach der Aktion im Schlafzimmer in den frühen Morgenstunden völlig daneben gewesen, sicher würde er jeden Augenblick ausflippen.
Sich innerlich auf das Schlimmste vorbereitend, wurde Kelly jedoch eines Besseren belehrt, als Matt sich zeitlupenartig von ihm löste, ihre Blicke sich erneut ineinander verflochten und er Kelly noch einmal warm gegen die Lippen atmete, „ich geh mich… etwas frisch machen. Gehst du zur Tür?“
Severide sah ihn überfordert an, kein ausflippen, kein Zusammenbruch, kein infrage stellen der eigenen Intelligenz. Matt war völlig ruhig, sprach mit angenehmer Stimme und wirkte nicht im Geringsten überfordert oder desorientiert.
Mit einem Kloß im Hals nickte Kelly ihm zu, löste seine Hände von Matts Hintern und als dieser sich aufrichtete und im Badezimmer verschwand, setzte auch Kelly sich auf und starrte mehrere Sekunden dem jungen Mann hinterher.

Erst das erneute laute Klopfen an der Haustür brachte ihn in die Realität zurück.
Schnell schüttelte der Lieutenant den Kopf, versuchte sich damit selbst zur Besinnung zu rufen und lief mit schnellen Schritten zur Wohnungstür.
Doch nur wenige Sekunden nachdem er sie geöffnet hatte, bereute er, das Klopfen nicht einfach ignoriert zu haben.
Gabby stand ihm gegenüber, ihre Augen verzogen sich zu winzigen Schlitzen als sie ihn näher unter die Lupe nahm und bevor sie ihren zierlichen Körper an ihm vorbei in die Wohnung schieben konnte, zischte sie ein leises, „was guckst du denn so blöd?“
Noch immer mit der Situation überfordert sah Kelly ihr einen Augenblick nach, bevor er die Tür schloss und der jungen Sanitäterin folgte, „Matt… ich meine Casey, ist im Badezimmer.“
Mit hochgezogenen Augenbraun besah sich Gabby den Rüstgruppenführer, musterte ihn genaustens und als sich ein zynisches Lächeln auf ihre Lippen legte und sie sich Richtung Badezimmer drehte, musste Kelly sich zusammenreißen, sie nicht am Arm zu packen und vor die Tür zu setzen.
„Er ist sicher gleich fertig!“, das Severide mit seinem Einwand lediglich bezwecken wollte, dass Gabby Matt nicht folgte war offensichtlich und dass die Sanitäterin etwas erwidern wollte auch, doch bevor sich die beiden ein Wortgefecht liefern konnten betrat Matt den Raum, „Gabby? Was machst du denn hier?“

Überrascht hielten beide inne und ehe Kelly reagieren konnte zischte Gabby ihm ein leises, „lass uns allein Severide“, zu. Von der Dreistigkeit ihrer Forderung überrumpelt schaffte Kelly es kaum ihr etwas entgegen zu bringen, lediglich ein kurzes Nicken gab er von sich, bevor er in schnellen Schritten im Schlafzimmer verschwand.
Seine eigene Reaktion überforderte den Lieutenant so sehr, dass er sich erst einmal gegen die Wand neben der Tür lehnen musste um tief durchzuatmen.
Liebend gern würde er jetzt seinen Gedanken nachgehen, in sich horchen und die Szene zwischen Matt und ihm vor wenigen Minuten Revue passieren lassen, doch Gabbys, plötzlich liebevolle Stimme, zog erneut seine Aufmerksamkeit auf das Geschehen im Wohnzimmer.

„Ich habe mir Sorgen um dich gemacht. Chief Boden meinte das Kelly von der restlichen Schicht freigestellt wurde, weil es dir nicht gut geht?“, flötete sie in hohen Tönen und Kelly musste an sich halten keine lauten Geräusche von sich zu geben.
Matt klang vollkommen ruhig, „es geht schon wieder, ich habe mich nicht gut gefühlt, aber dank Kelly geht es mir jetzt besser.“ Allein diese Aussage genügte, um Severides Herz einen kleinen Sprung machen zu lassen.
„Verstehe, es freut mich das es dir besser geht, komm setz dich doch zu mir“, säuselte sie liebreizend und als Kelly hörte wie sich das Leder des Sofas leise dehnte, als die beiden Platz nahmen, öffnete er die Tür einen Spalt um besser sehen zu können.

Matt hatte neben seiner Frau Platz genommen und als der Rüstgruppenführer sah, wie sie eine Hand auf den Oberschenkel ihres Ehemanns legte, ihn anlächelte und sanft zu streicheln begann, drehte sich ihm beinah der Magen um.
Er könnte die Tür öffnen, sie stören und verlangen, dass sie in Matts Zimmer verschwanden, doch dann hätte er keine Chance mehr die Reaktion seines Freundes zu beobachten.
„Du hast mich, als ich das letzte Mal hier war, um einen Gefallen bitten wollen. Tut mir leid, ich hätte dir aufgeschlossener gegenübertreten sollen und ich möchte es wieder gut machen“, lächelnd erhob sich die Sanitäterin und kniete sich zwischen Matts Beine.
Geschockt hielt Kelly inne, als sie nach seinem Hosenbund griff und mit der Hand über die Mitte des Drehleiterführers strich. Das wollte er nicht sehen, das konnte er nicht sehen.
Matt, sein Matt, intim mit dieser Frau!
Doch bevor Kelly die Tür schließen und seinen Lauschangriff beenden konnte, sah er wie Matt zurückwich und Gabby mit seinen bandagierten Händen an den Schultern packte, „nein Gabby, bitte nicht. Ich kann nicht… das ist… ich hab dir doch gesagt das ich...“ Die Unsicherheit war seiner Stimme deutlich anzuhören, doch es klang nicht als wäre er unsicher, es doch zu tun, sondern eher wie er seiner Frau auf schonende Weise mitteilen sollte, das sie ihn nicht erregte.
Ein grinsen konnte der Lieutenant sich nicht verkneifen und neugierig vergrößerte er den Spalt der Tür, als Gabby sich wütend erhob und leise fluchend um das Sofa lief.
„Ist das dein verfluchter Ernst? Du weißt wie sehr ich es hasse das zu tun und dann komme ich dir entgegen und du wehrst mich ab? Was ist mit dir los Matt? Wenn es wirklich daran liegt, das wir in Severides Wohnung sind, dann komm endlich nach Hause!“, herrschte sie ihren Mann an, welcher noch immer verdächtig ruhig wirkte, „ich habe es dir doch schon erklärt Gabby, Kellys Nähe tut mir gut und in der momentanen Situation ist es besser, wenn ich hier bin. Ich fühle mich sicher bei ihm und unserer Ehe würde es doch nur schaden wenn ich…“
„Liegt es wirklich daran Matt? Wenn dem so wäre, dann müsste sich trotzdem etwas bei dir regen, sobald ich dich anfasse. Aber da ist rein gar nichts und langsam beschleicht mich der Verdacht, dass du nicht wegen eines sicheren Gefühls bei Severide bist. Was läuft da zwischen euch, macht er irgendwelche kranken, perversen Sachen mit dir? Lässt du dich von ihm befriedigen und reagierst deshalb nicht mehr auf meine Annäherungsversuche?“, keifte sie aufgebracht und Kelly hielt gespannt den Atem an. Sie hatte recht, er tat tatsächlich unaussprechliche Dinge mit Matt, doch sicher würde dieser das nie gestehen.

„Aus dir spricht der Zorn Gabby, du denkst nicht rational und ich möchte dir dein Verhalten nicht übelnehmen, deshalb bitte ich dich zu gehen. Wir wollen doch beide nicht Dinge sagen, die wir später bereuen könnten“, entschied Matt mit nach wie vor ruhiger Stimme und sah seiner Freu fest in die Augen, die kurz vor einem Vulkanausbruch stand. Er hatte es weder bestätigt noch verneint, Matt war, wenn er sich konzentrieren konnte, wirklich ein geschickter Wortkünstler.
„Du verfluchter! Matt du bist… ahhhh!“, schrie Gabby aufgebracht, wandte ihm den Rücken zu und verlies laut stampfend die Wohnung.
Einen Moment sah Matt ihr nach und eher er den Spanner hinter der Tür entdecken konnte, öffnete Kelly diese und sah ihn zwiegespalten an, „alles in Ordnung?“
Was Besseres war ihm nicht eingefallen, sicher war Matt bewusst, dass er ihre Unterhaltung mitangehört haben musste, doch da stand ja auch immer noch die Sache mit dem Kuss von vor wenigen Minuten im Raum.

Entgegen Kellys Erwartungen wirkte Matt jedoch nicht verunsichert oder peinlich berührt, er nickte lediglich und lächelte plötzlich, „ja, alles in Ordnung. Sie wird sich schon wieder beruhigen.“
Seufzend trat Kelly näher und setzte sich auf die Sofalehne. Das Matt nicht über den Kuss sprechen wollte signalisierte seine Haltung, außerdem spürte Kelly, wie das schlechte Gewissen in seinem Inneren an Umfang gewann. Der Drehleiterführer hatte seine Frau erneut abgewiesen, hatte zum wiederholten Mal klargestellt wie Sicher und Beschützt er sich bei Kelly fühlte und dass er ihm vertraute. Was war er für ein Mistkerl, dass er Matt nicht mit offenen Karten entgegentrat. Sicher, von seinen Gefühlen konnte er ihm zwar nichts erzählen, doch von seinem Verdacht bezüglich Gabby schon.
Doch wie würde sein Freund reagieren? Nur weil er seine Frau abwies, keinen Sex mit ihr wollte und gern bei Kelly war, hieß das nicht, das er ihr mistrauen würde.
Seufzend fuhr Kelly sich durch die Haare, bevor er seinen Kollegen ansah und noch einmal tief durchatmete, „Matt, ich muss dir da etwas erzählen.“
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