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Flaming Emotions - Feuer im Herzen

von Nakami
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 Slash
Kelly Severide Matthew Casey
16.03.2020
21.08.2020
25
105.848
12
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17.05.2020 4.225
 
Kapitel 10 – im Zwiespalt gefesselt


Müde öffnete Matt die Augen und drehte sich murrend auf die Seite, bevor seine bandagierte Hand unruhig über die freie Bettseite neben ihm glitt. Er war nicht desorientiert und erinnerte sich genau an den vergangenen Abend, deshalb wusste er auch wo er sich befand. Doch wieso war er allein? Eigentlich müsste er gegen den warmen, muskulösen Körper seines Kollegen stoßen.
Kurz zwinkerte Matt einige Male um sein Sichtfeld zu klären, bevor er sich verwirrt umsah. Er war tatsächlich alleine und trotz der Dunkelheit im Raum konnte er erkennen, dass Kelly nicht mehr neben ihm lag.
Ein schneller Blick auf den Wecker zeigte Matt, dass es bereits früher Vormittag war und seufzend ließ er sich zurück in die Kissen fallen.

Kelly hatte heute Schicht, deshalb lag er nicht mehr neben ihm. Der Feuerwehrmann musste Arbeiten, hatte jedoch geistesgegenwertig den Rollladen geschlossen, um Matt nicht durch die störende Lichtquelle zu wecken. Dabei währe es dem Captain lieber gewesen, Kelly hätte ihn geweckt, hätte ihn noch einmal angelächelt, ihm einen schönen Tag gewünscht und wäre erst dann zum Dienst aufgebrochen.
Irritiert über seine eigenen Gedanken setzte Matt sich auf, wieso wünschte er sich, dass Kelly ihn geweckt hätte, wieso wollte er dessen Lächeln sehen und wieso fühlte sich sein Inneres gerade so belegt an? War er etwa traurig?
Es war zum verrückt werden, waren die Chaotischen Gedanken der letzten Nacht nicht quälend genug gewesen? Wieso war Kelly einfach eingeschlafen?
Als Matt sich müde erhob und den vergangenen Abend in Gedanken review passieren ließ, schoben sich seine Mundwinkel automatisch in die Tiefe.

Es hatte ihn viel Überwindung gekostet sein eigenes Schlafzimmer zu verlassen um Kelly zu bitten bei diesem schlafen zu dürfen. Eine gefühlte Ewigkeit hatte er im Bett gelegen und mit sich gerungen, denn auch wenn sie beschlossen hatten, beziehungsweise wenn Matt versprochen hatte, das Geschehene würde nicht zwischen ihnen stehen, hatte er sich den gesamten Tag abwehrend verhalten. Dabei wollte er das überhaupt nicht. Severide hatte lediglich das getan, um was der Feuerwehrmann ihn gebeten hatte, Matts Verhalten war also völlig irrational. Trotz des Grübelns war er jedoch nicht zu einer Erklärung gekommen, trotzdem beschäftigte ihn der Gedanke so enorm, dass er nicht anders konnte, als dem Drang, sich bei dem Kollegen zu entschuldigen, nachzugehen.
Als er dann jedoch vor ihm stand, ihm in die tiefen blauen Augen sah und das dunkle Glitzern darin wahrnahm, war jeder Gedanke an eine Entschuldigung, oder den Grund seines Besuches, verschwunden.
Ohne Erklärung hatte er Kelly gefragt ob es in Ordnung wäre, wenn er bei ihm schlafen würde und entgegen seiner Erwartungen, hatte Kelly kommentarlos zugestimmt, war zur Seite gerutscht und hatte Matt Platz in seinem Bett gemacht.

Doch kaum lag Matt neben ihm, sich dem alles verschlingenden Körpergeruch seines Freundes hingebend und seinen Gedanken erneut Spielraum in seinem Kopf gewährend, war der Drang, die Sache zu klären, erneut in ihm aufgeflammt.
Er wollte sich entschuldigen, doch als er endlich einen Anfang fand, den Mund öffnete und sein Blick auf den Körper neben sich fiel, musste er feststellen, dass der Feuerwehrmann bereits eingeschlafen war.
Frustriet hatte Matt ihn eine Weile betrachtet, wie attraktiv Kelly auf ihn wirkte wurde ihm auch in diesem Moment wieder bewusst, doch diesmal genoss er den Augenblick, in welchem er ihn ungehindert anstarren konnte. Genoss das Gefühl, als er sich zum wiederholten Mal vorstellte, diese Starken Arme würden sich um ihn schließen, ihn an die unbehaarte Brust ziehen und wärmend in den Schlaf wiegen.
Auch wenn eine Klärung zu diesem Zeitpunkt außer Frage stand, spürte Matt nicht den Drang zu gehen. Atemlos blieb er liegen, starrte Kelly schweigend an, ließ seine Vorstellungskraft erblühen und erst als seine Lider so schwer wurde, dass er sie nicht länger offenhalten konnte, schlossen sich Matts Augen und er rutschte in einen beruhigenden, entspannten Schlaf.

Zwar hatte er den wirren Strudel in seinem Kopf wenigstens für diesen Moment ausblenden können, doch jetzt, wo er in der Küche saß und den vorbereiteten Thermobecher mit Kaffee, welchen Kelly ihm hingestellt hatte, zwischen seinen Handgelenken auf und ab rieb, fühlte sein Gehirn sich an, als würde es jeden Moment explodieren.
Im Sekundentakt stachen ihm die Emotionen durch sein Inneres und Unmengen an Fragen sammelten sich in seinen Gedanken.
Die präsentesten versuchte der Feuerwehrmann heraus zu filtern und näher auseinander zu nehmen, zum Beispiel: War er mit seiner Bitte zu weit gegangen und wie dachte Kelly jetzt über ihn?
Das er die Behandlung genossen hatte konnte Matt nicht abstreiten und dem Captain war auch bewusst, dass der Rüstgruppenführer den Grad seiner Erregung wahrgenommen haben musste. Er hatte seine Bitte gar nicht aussprechen müssen, Kelly hatte instinktiv gewusst, was Matt sich wünschte und zu dem hatte er ihm diesen abnormalen Wunsch auch noch kommentarlos erfüllt. Doch was dachte der Feuerwehrmann jetzt von ihm? Es war schließlich nicht normal für einen Heterosexuellen, verheirateten Mann sich solche Dinge vorzustellen oder zu wünschen.
Was Matt zu einer weiteren Frage brachte: Wieso hat ihn Kellys Behandlung so enorm stimuliert und wieso haben ihm die Berührungen des Feuerwehrmanns besser gefallen, als alles was seine Frau in den vergangenen Jahren mit ihm gemacht hatte? Lag es allein an der Handlung, oder an Kelly als Person?
Es war zum verrückt werden, Matt war sich sicher, die Antwort tief in seinem Inneren bereits zu kennen, doch sie konnte nicht richtig sein, sie durfte nicht richtig sein und vor allem musste er mit allen Mitteln verhindern, das diese Antwort ihm tatsächlich gefiel.
Er war ein verheirateter Mann, auch wenn er Probleme mit Gabby hatte, liebte er sie doch auf irgendeine Weise. Er stand nicht auf diese Art des Körperkontaktes, nicht auf raue schwielige Hände und nicht auf den muskulösen Körper seines Freundes. Er durfte nicht darauf stehen, Severides Erscheinungsbild durfte ihn nicht ansprechen!

Doch wieso wollte er unbedingt bei Kelly sein, wieso sprach dieser ihn auf solch unklare Art an und weshalb konnte Matt den Gedanken an seinen Kollegen nicht einfach beiseiteschieben.
Kelly war ihm wirklich hilfreich gewesen, er hatte ihn aufgenommen, half ihm in dieser schwierigen Lebenslage und erfüllte ihm sogar fragwürdige Wünsche.
Ohne es so wollen wanderten Matts Gedanken in den vergangenen Tag zurück, als Kelly ihn berührte, ihn streichelte, ihm ein Gefühl bescherte, von dem Matt niemals zu träumen gewagt hatte.
Da gab es einen kurzen Moment, einen winzigen Augenblick, als er die Augen öffnete, sich ihre Blicke trafen und er seinem Freund all die Erregung und Ekstase aus seinem Inneren entgegenbrachte. Es hatte so unheimlich gut getan Kelly dabei an zu sehen, seinen Namen laut auszusprechen und allein der Gedanke, dass es der Kollege war, der ihm diese lustvollen Minuten bescherte genügte, um Matt zum Abschluss kommen zu lassen, naja das und die Finger an seinem Hintern.
Aber da war noch etwas gewesen, Matt hatte während ihres Treibens nicht darüber nachgedacht, trotzdem war es ihm nicht entgangen.
Kellys Schulter hatte sich bewegt, genau wie in seinem Traum. Es sah so aus, als hätte der Rüstgruppenführer selbst Hand angelegt, als würde er sich befriedigen, während er Matt streichelte? War das möglich? War das wirklich passiert?
Doch das würde auch bedeuten, dass Kelly diese Sache ebenfalls erregt hatte und jetzt wo Matt begann sich mit der Erinnerung auseinander zu setzen, kam ihm auch der Blick, welchen der Kollege ihm entgegenbrachte in den Sinn.
Ja, Kelly war ebenfalls erregt gewesen, in seinen Augen hatte ebenfalls Lust und verlangen gelegen und auch wenn Matt die Zusammenhänge noch nicht verstand, Kelly hatte sich mit ihm gemeinsam befriedigt!

Er würde ihn darauf ansprechen müssen, irgendwann! Doch war die Vorstellung, Kelly hatte gefallen an dem was er getan hatte wirklich so schrecklich? War es nicht viel eher aufregend und berauschend. Niemals hätte Matt erwartet, dass ein Typ wie er, ein unscheinbarer, stehts korrekter Langweiler, einen Mann wie Kelly Severide erregen könnte. Ohne es zu merken legte sich ein Grinsen auf Matts Lippen und erst Sekunden später erwischte er sich selbst bei dem Gedanken das Kribbeln, welches sich gerade in seinem Magen ausbreitete, zu genießen.
Wieso sollte es ihm vergönnt sein etwas Spaß zu haben, es hatte schließlich nichts mit Gefühlen zutun und eigentlich betrog er seine Frau auch nicht. Erstens amüsierte er sich mit einem anderen Mann und zweitens ging es nicht anderes, er konnte ja schlecht selbst Hand anlegen.
Kelly war kein Kostverächter und wenn sie absprechen würde, dass es sich lediglich um belanglosen Spaß handelte und er die Zusicherung des Rüstgruppenführers bekam, das ihr Treiben zwischen ihnen bliebe, wieso dann eigentlich nicht?!

Schnell schüttelte Matt den Kopf, worüber dachte er hier nach, was geisterte ihm schon wieder durch den Kopf? Das war doch schwachsinnig, Kelly hatte ihm einen Freundschaftsdienst erwiesen, das war alles gewesen und mehr würde es auch niemals werden.
Die Tatsache das allein die Vorstellung an den masturbierenden Männerkörper ihn erregte, versuchte der Feuerwehrmann geschickt auszublenden.
Er war gern in Kellys nähe, genoss seine Gesellschaft, seine Aufmerksamkeit und auch seine Freundschaft, doch mit seiner momentanen Lage hatte das nichts zutun. Auch vor der Entführung war das so gewesen, auch zuvor hatte er die Nähe seines Freundes gesucht, wenn ihm mal wieder alles zu viel wurde und Kelly hatte mehr als einmal unter Beweis gestellt, dass er tatsächlich ein guter Freund war.

Gedankenverloren angelte Matt nach seinem Handy, welches auf der Mitter der Kücheninsel lag. Er sollte seinen Plan von vergangener Nacht noch einmal aufgreifen und sich bei Severide entschuldigen. Die Behandlung seines besten Freundes war nicht fair gewesen und die Gewissensbisse, welche unbeirrt an Matt nagten wurden immer größer.
Noch bevor Matt in sein Telefonbuch gehen konnte, wurde seine Aufmerksamkeit jedoch von einer Nachricht auf dem Display abgelenkt.
Er hatte einen verpassten Anruf und die Information seiner Mailbox, dass ihm jemand etwas auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hatte.
Irritiert überlegte Matt einen Moment wer es sein könnte, bevor er die Nummer seiner Mailbox wählte und den Lautsprecher des Telefons aktivierte. Erneut war er froh, wenigstens seine Daumen benutzen zu kommen.
Erst ertönte die übliche Ansage der Computer Stimme, dann war es einen Moment still und als anschließend die akzentreiche Stimme eines Mannes aus dem Hörer dröhnte, fuhr Matt erschrocken zusammen, „glaubst du das war schon alles? Glaubst du wir sind bereits fertig mit dir? Du hast aus unserer Warnung nichts gelernt, bist nach wie vor dumm und uneinsichtig. Das wirst du bereuen Feuerwehrmann, das wirst du bereuen!“

Atemlos starrte Matt auf das kleine schwarze Mobiltelefon, als ein eiskalter Schauer über seinen Rücken kroch und er sich panisch umsah. Wie war das möglich? Woher hatten sie seine Nummer? Er war ihr Ziel? Sie waren noch nicht fertig mit ihm?
Die Fragen in seinem Kopf überschlugen sich regelrecht und Matt spürte wie ihm Galle die Speiseröhre hinaufkroch.
Das alles durfte nicht wahr sein, es musste sich um einen schlechten Scherz handeln!
Panisch griff er erneut nach seinem Handy, versuchte es in den bandagierten Händen zu balancieren und scrollte durch sein Adressbuch.
Als erstes schoss ihm Kelly in den Sinn, doch was sollte der Feuerwehrmann schon tun?! Er musste die Polizei informieren, musste ihnen die Nachricht vorspielen und sie wissen lassen, dass er nach wie vor das Ziel von wer-weiß-wem war.
Doch nicht einfach nur den Notruf, in diesem Verein gab es zu viele Gerüchte, zu viele Geschichten, welche ihm den Magen umdrehten. Er musste jemanden informieren dem er vertraute, jemanden wie der Sondereinheit, die bereits beschlossen hatte sich seinem Fall anzunehmen.
„A… A wie… ATWATER!“ rief Matt plötzlich, als sein Blick auf die Nummer des großgewachsenen Polizisten fiel und bereits als er diese antippte, stellte sich ein beruhigendes Gefühl in seinem Inneren ein.

Es dauerte kaum 20 Minuten bis Atwater, dicht gefolgt von Burgess, vor der Haustür des Feuerwehrmanns auftauchten und um Einlass baten.
Matt hatte einige Schwierigkeiten die Tür aufzubekommen, bei seiner eigenen Haustür hatte er schon Probleme gehabt, doch Kellys kompliziertes Sicherheitsschloss stellte eine ganz neue Hürde für ihn da.

Angestrengt hörten die beiden Officers sich die Sprachnotiz an, tauschten zweideutige Blicke und Matt spürte, wie er sich immer unwohler fühlte.
„Was haltet ihr davon?“, entfuhr es ihm schließlich und er hasste sich selbst für das unsichere Zittern in seiner Stimme.
Noch einmal tauschen die Polizisten einen Blick, bevor Burgess Matt zurück auf den Hocker an der Kücheninsel schob und sich seufzend durch das lange braune Haar strich, „ist es in Ordnung, wenn ich mir einen Kaffee nehme?“
Sofort hatte Matt das Gefühl die junge Frau wollte sich um eine Antwort drücken, doch er wurde zur Höflichkeit erzogen, weshalb er zurückhaltend nickte und seinen Blick auf Atwater richtete, der dankend die Tasse mit der braunen Flüssigkeit von seiner Kollegin entgegennahm.
„Wie versprochen haben wir die Ermittlungen aufgenommen Casey und ich muss sagen, dass mich dieser Anruf sehr verwundert. Er passt nicht zum Stand unserer bisherigen Recherchen und wirbelt mehr Fragen auf, als er beantwortet“, brachte Kevin schließlich hervor und nahm auf dem Hocker neben Matt Platz.
Dieser wirkte über die Fadenscheinige Antwort alles andere als glücklich, „kannst du das noch etwas ausführen? Was für Ergebnisse habt ihr denn bisher erzielen können? Wie ist der Stand eurer Ermittlungen?“
„Nun das würden wir dir eigentlich nur sehr ungern sagen, wir wollen dich nicht beunruhigen. Sagte der Arzt nicht, dass es wichtig ist, dass du ruhig bleibst und auf deine Innere Verfassung achtest?“, setzte Kim an und Matt konnte nicht anderes als sie ausdruckslos anzustarren, bevor er sich erhob und der jungen Frau wütend entgegentrat.

„Soll das ein Scherz sein? Meine Innere Verfassung? Kannst du dir nicht denken, dass die völlig am Arsch ist? Es geht mir beschießen und ich flippe hier aus. Irgend so ein irrer quatscht mir dieses Zeug auf die Mailbox und ihr meint mir nichts Näheres darüber sagen zu können? Wie würde es euch an meiner Stelle gehen?“, schrie er den Polizisten ungehalten entgegen und stützte sich mit den verbundenen Handstümpfen am Tresen ab, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.
Sofort war auch Kevin aufgesprungen und legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter, „schon in Ordnung Matt, wir wissen wie du dich fühlst und es tut und leid, aber…“
„Nichts aber!“, blaffte Matt den Officer an, „ich will endlich wissen was Sache ist. Es geht schließlich um mein Leben, könnt ihr euch auch nur ansatzweise vorstellen wie es ist völlig hilflos ausgeliefert zu sein? Ich kann mich ja nicht mal selbst verteidigen!“, dabei hob er demonstrativ beide Hände in die Höhe und wedelte mit den weißen Verbänden vor Kevins Gesicht.

Dieser seufzte schwer und warf seiner Kollegin einen flüchtigen Blick zu, „er hat recht, man! Es ist sein leben und er verdient die Wahrheit, oder nicht?“
„Kevin NEIN!“, wetterte Burgess sofort dagegen, „Voight wird das ganz bestimmt nicht gefallen. Er hat und doch ausdrücklich gesagt das…“
Doch Matt ließ sie nicht weitersprechen, er hatte Kevin beinah soweit, nicht mehr viel und der Polizist würde reden, „komm schon Atwater, du verstehst das. Was soll ich mit meinem Wissen denn schon anfangen? Es würde mir wenigstens ein kleines bisschen Gewissheit geben. Wärst du an meiner Stelle, würdest du doch sicher auch über alles Bescheid wissen wollen. Wieso wollt ihr es mit nicht erzählen?“  
„Hör mal Matt“, setzte Kim erneut in ruhigen Ton an, doch Matts Worte hatten auf Kevin scheinbar einen anderen Effekt, als auf die Polizistin, denn diesmal war er es, der sie unterbrach, „er hat recht Kim, wir erzählen ihm von den Ermittlungen und unseren Vermutungen. Wir würden es auch wissen wollen, währen wir in seiner Lage!“

Das Kim mit Kevins Entscheidung nicht zufrieden war, wurde deutlich als sie sich schnaufend ihrer Kaffeetasse widmete und augenrollen einen Schluck der dunklen Brühe trank.
Kevin ignorierte ihren stummen Einwand und wies Matt an wieder neben ihm Platz zu nehmen, bevor er nach dem kleinen schwarzen Notizblock in seiner Jackentasche griff und unruhig darin herumblätterte.
Noch einmal sah er Matt abwartend an, doch als dieser keine Anstalten machte ihn aufzuhalten, seufzte er schließlich, „sagt dir der Name Collin Phillips etwas?“
Irritiert schüttelte Matt den Kopf, doch bevor er seiner Verwunderung Ausdruck verleihen konnte, fuhr Atwater fort, „vor ungefähr einem Jahr war er für etliche Großbrände im Williams-Viertel verantwortlich. Deine Feuerwache hat mehrere seiner Brände gelöscht und schließlich war es deine Expertise, welche die Polizei auf seine Fährte gelockt hat.“

Überrascht sah Matt den Cop an, als die Erinnerung an den Fall in sein Gedächtnis zurückkehrte. Atwater hatte recht, Collin Phillips war ein gemeingefährlicher Brandstifter und er persönlich hatte dafür gesorgt, dass dieser Kerl zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Jetzt wo die Erinnerung immer deutlicher wurde, sah Matt auch das Gesicht des jungen Mannes vor seinem inneren Auge, doch irgendetwas störte ihn am Körperbau des Mitte-Zwanzigers, „und ihr glaubt das Phillips etwas mit dem Überfall auf mich zutun hat?“
Atwater nickte und sein Blick verfinsterte sich, „ja ganz recht. Der Kerl wurde vor ungefähr einem Monat wegen guter Führung entlassen, seitdem ist er wie vom Erdboden verschluckt, nicht einmal bei seinem Bewehrungshelfer hat er sich gemeldet.“
„Du hast damals vor Gericht gegen ihn ausgesagt und dem Protokoll zu Folge soll Phillips dir während der Verhandlung gedroht haben. Erinnerst du dich daran?“, mischte sich auch Burgess in die Unterhaltung ein, nachdem sie ihre Schmollarie beendet hatte.
Die Polizistin hatte recht, dieser Verrückte hatte ihm damals wirklich gedroht, „ja, er war aufgebracht und schrie, er würde sich furchtbar an mir Rächen und ich würde den Tag bereuen, an welchem wir uns über den Weg gelaufen sind.“
„Das klingt übel Casey, wenn wir mit unserer Vermutung richtig liegen, dann schwebst du wirklich in Gefahr“, merkte Kevin an und augenblicklich legte sich ein dunkler Schatten über Matts Gemüt.

„In Gefahr?“, wiederholte der Feuerwehrmann mit belegter Stimme und der Officer nickte ihm entgegen, „ja, auf Collin Phillips Konto gehen nicht nur eine Unmenge von Brandstiftungen, er hat in Verbindung damit auch mehrere Menschen auf dem Gewissen.“
„Waren das nicht Unfälle“, versuchte Matt sich selbst zu beruhigen, doch Atwater schüttelte trostlos den Kopf, „leider nicht, die Kollegen konnten Nachweisen, das viele der Opfer bereits gestorben waren, bevor die Flamen sie erreichten. Wir vermuten das Phillips ihre Leichen lediglich dort abgelegt hatte um seine Spuren zu verwischen, beweisen können wir diese Theorie jedoch nicht.“
„Aber dann passt das doch überhaupt nicht zu meinem Fall“, das er unterbewusst seinen Hals aus der Schlinge ziehen wollte, wurde Matt erst klar, als er den mitleidigen Blick der jungen Frau neben sich spürte.
Seufzend stellte sie ihre Kaffeetasse auf der Kücheninsel ab und zwang sich ein entschuldigendes Lächeln auf die Lippen, „zum aktuellen Stand der Ermittlungen müssen wir leider davon ausgehen, dass es sich bei dem Täter um Phillips handelt. Tut mir wirklich leid Matt.“
„Aber nein, es waren doch drei Personen die mich angegriffen haben und ich erinnere mich, dass Phillips stehts allein gearbeitet hat, außerdem habt ihr doch gerade selbst gesagt, dass er seine Opfer vor den Bränden tötete und von Kelly habe ich erfahren, das die Brandursachenermittlung bei dem Feuer von einem Unfall ausgeht. Es war nur ein Zufall, das Gebäude hätte gar nicht brennen sollen. Das passt doch alles überhaupt nicht zu seiner normalen Vorgehensweise, ihr müsst euch irren.“

Wieder tauschen die beiden Polizisten einen Blick und nun war es an Kevin tröstend zu lächeln, „das hoffen wir wirklich sehr, doch momentan führen uns alle Spuren zu Collin. Wie gesagt, es ist noch nichts entschieden und die Ermittlungen laufen. Ob es sich bei dem Feuer um einen Unfall oder Brandstiftung handelt wird auch noch ermittelt und was die Anzahl der Täter angeht, wir gehen davon aus, das Phillips aus seinen Fehlern in der Vergangenheit gelernt hat.“
Matt konnte nicht in Worte fassen, wie es ihm gerade ging. Er fühlte sich schrecklich, in seinem Kopf drehte sich alles und am liebsten würde er sich in einem kleinen dunklen Schrank verkriechen und dort so lang verharren, bis dieser Alptraum vorüber war.
„Wir geben nicht auf Matt, keine Sorge und solang du nicht mehr als diese Drohung bekommen hast…“, setzte Kevin an und Matts Blick hellte auf, „ja richtig, die Drohung! Phillips hat niemals Drohungen verfasst, er hat immer direkt gehandelt. Spricht das nicht ebenfalls gegen eure Theorie?!“
„Casey, ich weiß, dass das eine Menge Informationen waren und du diese erst mal verarbeiten musste, bitte versuch dir nicht all zu große Sorgen zu machen. Wir geben nicht auf, ehe die Täter geschnappt sind und dein Leben wieder zu hundert Prozent sicher ist, versprochen!“, redete Burgess auf den Captain ein, doch Matt konnte ihr kaum zuhören.
Wenn die beiden recht hatten, dann hätte er ein größeres Problem wie bisher angenommen.

„Wir würden dich gern mit aufs Revier nehmen, von dort aus werden wir dich an einen sicheren geheimen Ort bringen, bis wir mehr herausgefunden haben“, erklärte Kevin als er sich erhob und von Matt einen ungläubigen Blick zugeworfen bekam, „ihr wollt was? Ich musste euch anbetteln mit Informationen zu geben und jetzt wollt ihr mich mitnehmen?“
Unruhig streifte Atwaters Blick umher und als er auch nach mehreren Sekunden nicht zu einer Antwort ansetzt, sprang Burgess in den Ring, „wir hatten sowieso die Anweisung dich mitzunehmen, Voight wollte jedoch, dass wir dir den Stand der Ermittlungen nicht mitteilen. Wir sollten dir einfach sagen, dass es zu deiner eigenen Sicherheit besser wäre, wenn…“, doch weiter kam sie nicht, denn schon wieder grätschte Matt ihr ungehalten dazwischen, „auf gar keinen Fall! Ihr könnt doch nicht erwarten das ich euch blind folge. Ich werde nirgendwo hin mitkommen. Gerade sagtet ihr noch, ich solle mir keine Sorgen machen, ihr hättet alles im Griff und würden den Täter schnappen und im nächsten Moment soll ich in eine Art Zeugenschutz?“
„Nein, so ist das nicht, es ist kein Zeugenschutz. Voight will einfach auf Nummer Sicher gehen, du kennst ihn doch. In Anbetracht der Umstände, beziehungsweise eurem angespannten Verhältnis will er nicht den Eindruck vermitteln deinen Fall nicht ernst zu nehmen. Denke ich jedenfalls“, erklärte Atwater und erntete dafür einen gequälten Blick von Matt, „denkst du jedenfalls?“
„Ja, also er hat es nicht gesagt, aber es ist die einzig logische Erklärung!“, beendete dieser schließlich seine Ausführung und trat einen Schritt auf Matt zu, welcher umgehend zurückwich.
„Wie dem auch sei, ich werde nicht mit euch kommen. Ihr habt selbst gesagt, es ist eine Drohung und solang es dabei bleibt, brauche ich mir keine Gedanken machen. Wenn sich etwas ändert, seit ihr die ersten, welche es erfahren“, plötzlich klang seine Stimme wie die eines trotzigen kleinen Kindes und Matt spürte das Verlangen die Unterlippe hervor zu schieben und die Arme vor der Brust zu verschränken.

„Bist du sicher Casey? Wir würden auch dafür Sorgen das du Hilfe bekommst, naja um den Alltag besser bewältigen zu können“, bot Burgess mit sanfter Stimme an, doch Matt schüttelte entschlossen den Kopf, „hier geht es mit hervorragend. Kelly kümmert sich um alles und ich könnte mich bei niemandem sicherer fühlen!“
Die irritierten Blicke der Beamten versuchte er zu ignorieren, natürlich mussten seine Worte in ihren Ohren seltsam klingen, immerhin hatte er Kelly gerade als eine Art Beschützer beschrieben.

Wenn Matt ehrlich war, überforderte ihn die Situation tatsächlich, doch dass er hier nicht weg wollte wusste er sicher. Er hatte nicht gelogen, nirgendwo würde er sich sicherer fühlen, als in Kellys Severides Obhut. Auch wenn er sich zum jetzigen Zeitpunkt unsicher war, ob es die Stärke des Feuerwehrmanns war, die ihm diese Sicherheit vermittelte, oder einfach Kelly als Person und seine Art für ihn da zu sein. Doch das spielte keine Rolle, egal wie Kellys oder seine Gefühle aussahen, egal ob sich zwischen ihnen einen Kilometerhohe unsichtbare Mauer aufbauen würde, einer Sache konnte Matt sich zu hundert Prozent sicher sein: Kelly Severide würde eher ohne Sicherung in den Chicago River springen, als zuzulassen das Matt etwas passierte!  
„Ich bleibe hier, danke für das Angebot Leute, aber nur hier fühle ich mich wirklich sicher“, erklärte er fest entschlossen und nickte den beiden Beamten zu.
Das diese von seiner Entscheidung wenig begeistert waren, brauchte keiner der beiden zu erwähnen, ihre Blicke sprachen Bände, „dann werden wir wenigstens einen Streifenwagen vor dem Haus positionieren und du wirst uns versprechen, das du dich sofort meldest, wenn dir etwas verdächtig vorkommt, oder du noch eine Drohung erhältst, hast du verstanden!?“
Nickend stimmte Matt zu, mit diesem Kompromiss konnte er leben und Atwater hatte recht, das Wissen um einen Streifenwagen vor der Tür stimmte ihn tatsächlich etwas ruhiger, „danke Leute.“
Mit einem Kopfnicken verabschiedeten sich die beiden Polizisten und verschwanden eilig.

Es war die richtige Entscheidung gewesen, hier zu bleiben fühlte sich jedenfalls richtig an und ohne es zu wollen, drifteten Matts Gedanken zurück zu seinem Kollegen.
Wie gern würde er Kelly jetzt Anrufen um ihn über die Neuigkeiten zu informieren, doch was sollte das bringen. Der Feuerwehrmann würde sich unnötige Sorgen machen, vielleicht sogar die Schicht abbrechen. Er hatte morgen Früh genügend Zeit es ihm zu erzählen und bis dahin hieß es ruhe bewahren!
Trotzdem konnte Matt den Gedanken, wie schön es wäre seinen Freund jetzt bei sich zu haben, nicht beiseiteschieben und sah immer wieder zu seinem Handy. Das er in den vergangenen Stunden nicht einen einzigen Gedanken an seine Frau verschwendet hatte, nicht mal auf die Idee gekommen war, ihr von den Neuigkeiten zu erzählen, wurde Matt erst bewusst, als er durch Zufall über ihren Namen in seinem Telefonbruch scrollte und augenblicklich legte er sein Handy beiseite, als sich sein schlechtes Gewissen zurückmeldete.
Nein! Er würde keinen der beiden Anrufen, er würde das alleine schaffen, auch wenn er gerade nur eingeschränkt handeln konnte, so würde er die paar Stunden auch ohne fremde Hilfe zurechtkommen!
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