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Ein Abschied

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost / P12 / Het
Hermine Granger Severus Snape
16.03.2020
16.03.2020
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1.952
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16.03.2020 1.952
 
Aus gegebenem Anlass ein kleiner OS.

Disclaimer: Harry Potter gehört J.K.Rowling, ich leihe mir nur ihre Figuren aus und spiel ein bisschen mit ihnen.

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„Dieser verdammte Kniesel!“, fluchte sie erstickt und wischte sich dabei gleichzeitig unwirsch die unaufhörlich über ihr Gesicht laufenden Tränen mit dem Ärmel weg. Ihr Gesicht war rotfleckig, die Augen geschwollen und ihre Haare eine unbändige wirre Masse.

„Es ist Winter verflucht, musste er wirklich jetzt…?“ Ein abgehacktes Schluchzen erstickte den Rest des Satzes und minutenlang war nur noch Hermiones Schniefen und Weinen zu hören.

Unablässig stieß sie die schwere Schaufel in den hartgefrorenen Erdboden und versuchte mit schierer Verzweiflung das kümmerliche Loch zu vergrößern.

Neben ihr lag, eingeschlagen in eine weiche Decke, der leblose Krummbein.

Er hatte ein langes und schönes Leben gehabt, versuchte sie sich erneut erfolglos zu trösten, den Krieg überstanden und seinen wohlverdienten Altersstand in seinem liebsten Zuhause in Hogwarts verlebt und schließlich war er auch dort friedlich entschlafen. Wer wusste schon, wie alt er wirklich gewesen war?

Sie hätte trotzdem vorbereitet sein müssen, hätte es erahnen müssen, schließlich war er nun wirklich nicht mehr der jüngste gewesen, aber jetzt, wo es passiert war, traf es sie trotzdem vollkommen unvorbereitet.

„Ich hätte mehr Zeit für ihn haben müssen, wenn ich nur gewusst hätte...“ Abermals konnte sie ihren Satz nicht zu ende sprechen, ihr Schuldgefühl und die tiefe Trauer über den erlittenen Verlust, machten es ihr unmöglich.

Es stimmte, sie hatte weniger Zeit gehabt, die Abschlussprüfungen mussten vorbereitet werden, die Schüler kamen vermehrt zu ihr und als Hauslehrerin konnte sie sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. So war es jedes Jahr seitdem Hermione die Stell als Lehrerin für Verwandlung von Minerva übernommen hatte, damit diese sich ganz auf ihre Pflichten als Schulleiterin konzentrieren konnte. Das war jetzt immerhin auch schon drei Jahre her. Abends, wenn sie dann theoretisch Zeit gehabt hätte, war der sture Kater immer öfters unauffindbar gewesen.

Hermione hatte nicht die leiseste Ahnung wo er sich rumgetrieben hatte, aber er kannte sich wahrscheinlich noch besser im Schloss aus als sie selbst und daher hatte sie sich nie Sorgen gemacht.

Er hatte sich ausgekannt, verbesserte sie sich in Gedanken, was direkt zu einer neuen Tränenflut führte. Ihren geliebten Kater so vorzufinden, leblos, erkaltet und mit trüben geweiteten Pupillen war ein schrecklicher Schock gewesen. Nichts hatte mehr an den lebendigen und frechen Halbkniesel erinnert, der stets durch Hogwarts gestreift war als gehöre das Schloss ihm.

Merlin, sie hatte diesen plattgesichtigen Kniesel wirklich geliebt trotz seiner vielen Marotten und Macken, zum Teil sogar wegen ihnen. Er hatte im Laufe der Zeit eine Menge Mist angestellt, aber ihr einfach wegzusterben war wohl das Schlimmste, was er ihr jemals angetan hatte.

Mit neuer Vehemenz bearbeitete sie den steinharten Boden und machte dennoch kaum nennenswerte Fortschritte. Langsam wurde es dunkel und auch wenn sie sich eine Stelle in Sichtweite von Hagrids Hütte gesucht hatte, wollte sie eigentlich nicht die ganze Nacht hier zubringen.

„Professor Granger, was soll das werden, Sie machen sich lächerlich!“, schnitt unerwartet Snapes scharfe Stimme durch die Luft.

Erschrocken zuckte Hermione zusammen und versuchte krampfhaft die noch immer aufsteigenden Schluchzer zumindest für den Moment zu unterdrücken. Sie hielt ihren Blick stur auf das armselige Loch im Boden gerichtet und würdigte ihn keines Blickes. Sie konnte gut darauf verzichten, dass er ihre desolate Erscheinung bemerkte und spöttisch kommentierte.

„Es ist dunkel, ich bin weit genug vom Schloss entfernt, außer Ihnen sollte mich niemand sehen, Professor Snape. Ich wüsste auch nicht, was es Sie anginge.“ Sie hoffte sehr, dass Snape wieder verschwinden würde, sie hatte nicht die Kraft sich jetzt auch noch mit ihm auseinanderzusetzen.

Er war keinen Deut geselliger oder umgänglicher geworden, wenn überhaupt ging er nur noch weniger auf Konfrontation mit anderen Menschen. Sein Unterricht verlief, nachdem was sie gehört hatte, immer noch sehr streng ab, er war immer noch berüchtigt für seine sarkastischen und bissigen Kommentare und er zog immer noch mehr Punkte ab als er vergab.

Als sie keine Antwort erhielt ging sie davon aus, dass er wieder verschwunden war und stach frustriert mit der Schaufel in die Erde.

„Um Merlins Willen Sie sind eine Hexe, zaubern Sie doch einfach das verdammte Loch!“, kam der überraschend laute Kommentar von dem ungebetenen Zuschauer und ließ die junge Hexe erneut zusammenzucken.

„Das kann ich nicht!“, rief sie heftiger als gewollt zurück und nutzte einen Teil ihrer nicht unerheblichen Wut auf die Welt und das Schicksal um ihrer Stimme einen scharfen Klang zu geben. „Wenn Sie dann jetzt endlich verschwinden würden.“ Hermione gestikulierte zum Schloss hin.

Snape überging ihre unhöflich vorgebrachte Bitte einfach und trat näher zu ihr hin.

„Sie, die schlaueste Hexe Ihrer Generation, hat keine Ahnung wie Sie ein Loch im Boden zaubert?“

Resigniert stützte sich Hermione auf ihre Schaufel auf, dabei zitterten ihre Hände bereits vor Kälte und Anstrengung. Sie hatte es aufgegeben einen Wärmezauber zu sprechen.

„Professor Snape, es gibt einfach Dinge, die muss man ohne Magie tun. Wenn Sie mich jetzt bitte endlich allein lassen würden. Ich möchte meinen toten Kater beerdigen.“ Und einfach so war die Wut wieder verbraucht und der lähmenden Trauer gewichen. Sie war froh, dass es bereits zu dunkel war, als dass er ihre Tränen sehen konnte.

„Ein Grab muss auf Muggelart ausgehoben werden?“

Zuerst wollte Hermione nicht darauf antworten, aber es lag kein Spott in seinem Tonfall. Argwöhnisch drehte sie sich zu ihm um und studierte seine Mimik so gut es ging bei den schlechten Lichtverhältnissen. Er sah sie ernst und grimmig an, soweit sie das beurteilen konnte, aber nicht spöttisch.

„Mit Magie wäre es zu einfach, das wäre falsch, weil… weil… es darf nun einmal nicht einfach sein!“, rief sie entnervt und hysterisch. Wieso sollte sie auch etwas erklären müssen, was jeder von sich aus wusste?

Kommentarlos nahm er Hermione die Schaufel weg und schob sie beinahe sanft zur Seite. Mit geübten Stichen und einem konzentrierten Wärmezauber auf das Schaufelblatt gelang es ihm tatsächlich die Erde aufzubrechen. Unter Hermiones fassungslosen Blick erweiterte er so zügig das Loch. Dennoch erforderte es auch bei ihm eine nicht unerhebliche Menge Anstrengung.

„Was? Ist es jetzt auch gegen die Regel, wenn ich Ihnen behilflich bin?“, fragte er zwischen den Stichen keuchend.

Stumm schüttelte sie den Kopf, unfähig etwas zu erwidern. Innerhalb einer halben Stunde war das Loch breit und tief genug um den kleinen Körper von Krummbein zu fassen. Dankbar nickte sie Snape zu und hob die Decke samt Kater vorsichtig hoch und legte beides ebenso sanft in das Erdloch. Zu gern hätte sie Snape um die Schaufel gebeten, aber sie traute ihrer Stimme nicht, zu groß war der Kloß in ihrem Hals.

Zu ihrer großen Überraschung war es aber gar nicht nötig etwas zu sagen, wie selbstverständlich hielt er ihr die Schaufel entgegen und trat zur Seite. Aber die noch größere Überraschung war, dass Snape jetzt nicht etwa zum Schloss zurück ging, sondern mit verschränkten Armen in kurzer Entfernung stehen blieb.

Hermione zwang sich die Irritierung, die sie bei seinem ungewohnt verständnisvollen Verhalten empfand, zu ignorieren und machte sich dabei die ausgehobene Erde wieder über Krummbeins Überreste zu schaufeln. Jetzt wo die Erde gelockert und ausgehoben war, bereitete es ihr keine Schwierigkeiten mehr, jedenfalls nicht körperlich. Ihre Hände und Arme zitterten dennoch sichtbar bis hinauf zu ihren Schultern. Die Tränen liefe ihr ungehemmt über die Wangen und verschleierten ihre Sicht. Mittlerweile war es Hermione herzlichst egal, ob Snape dabei stand und was er wohl dachte. Mit jedem Stück Decke, der unter der Erde begraben wurde, begrub sie auch ein Stück ihrer selbst.

Erst als sie fertig war und das Grab mit der Schaufel festklopfte, richtete er sein Wort wieder an sie: „Sie kennen den Spruch zur Sicherung eines Grabes vor wilden Tieren und Plünderern?“

Bedauernd schüttelte sie den Kopf und erwartete bereits die verbale Vernichtung, weil die ewige Know-it-all Etwas nicht wusste und sich auch vorher nicht darüber informiert hatte. Insgesamt hatte sie ungewohnt unüberlegt gehandelt.

„Erlauben Sie mir dann den Schutzzauber zu sprechen?“, fragte er lediglich, wartete aber gar nicht erst ihre Antwort ab, sondern zog seinen Zauberstab und sprach den entsprechenden Zauber.

Hermione stand neben dem Grab und schlang fröstelnd die Arme um sich, dennoch hörte sie nicht auf zu zittern, neben der Trauer und Kälte kam nun auch reine Erschöpfung hinzu. Ihr Blick bekam etwas Abwesendes und verklärte sich. Wahrscheinlich hätte sie so stundenlang bewegungslos da gestanden ohne etwas um sich herum bewusst wahrzunehmen. Sie bekam gar nicht richtig mit, wie sie von Severus am Arm gepackt und zielstrebig Richtung Schloss geführt wurde. Auch den Weg durch das Schloss erlebte sie nicht bewusst, wie ein Imperius-Opfer lief sie willenlos neben Severus her.

Erst als sie sich plötzlich in einem bequemen Sessel sitzend wiederfand mit einem starken Drink in der Hand und schräg neben sich ein wärmendes Feuer im Kamin, kam wieder Leben in sie. verwirrt blickte sie sich um. Auf ihrem Schoß lag eine warme Wolldecke ausgebreitet und verströmte einen zarten Geruch von Kräutern. Gerade wollte sie aufstehen und sich umsehen, als Severus aus einem angrenzenden Raum zurückkam, mehrere Phiolen in der Hand.

„Weilen Sie also wieder unter uns, Miss Granger. Dann können Sie auch diese Tränke einnehmen. Ein Abschwelltrank, ein Kopfschmerztrank und ein Aufpäppelungstrank. Ich denke Sie werden alle sehr gut gebrauchen können.“ Er stellte alle auf den kleinen Couchtisch ab und setzte sich mit überschlagenen Beinen in einen zweiten Sessel unweit von ihr entfernt. Er wartete und seine ganze Haltung verriet seine stumme Aufforderung. Immer noch verwirrt griff sie nach den einzelnen Tränken und leerte die drei Phiolen.

„Warum sind Sie so nett zu mir?“, fragte sie sofort nachdem der Kopfschmerztrank anfing zu wirken und das stetige Drücken in ihren Schläfen beseitigt hatte.

„Ah es geht Ihnen besser wie ich sehe, Sie stellen alberne Fragen!“ Er hatte die Finger aneinandergelegt und beobachtete Hermione aus seinen dunklen Augen heraus aufmerksam an.

Trotzig schob sie ihr Kinn nach vorne. „Das ist keine alberne Fragen, sondern eine berechtigte! Sie schließen sich sonst in ihre Räume ein, kommen nur zum Unterricht oder den Mahlzeiten heraus und heute sind Sie plötzlich da, wenn ich Krummbein… “ Sie verstummte und blickte bedrückt nach unten.

„Trinken Sie. Minerva predigt mir seit Monaten, ich solle mich mehr um meine Mitmenschen bemühen. Sie können dem Drachen also versichern, dass ich ihrer Forderung nachgekommen bin und mir unsere liebe Direktorin so vom Hals schaffen.“ Sein spöttisches Grinsen hätte Hermione beinahe überzeugt, wenn ihr nicht noch etwas anderes aufgefallen wäre.

Orangerote Katzenhaare.

Überall auf der Wolldecke auf ihrem Schoß waren vereinzelte Orangerote Katzenhaare. Sie kannte es zur Genüge, egal welchen Reinigungszauber man benutzte, ein paar der Haare blieben immer zurück. Während sie ihre Gedanken ordnete, trank sie einen Schluck aus ihrem Glas und sah sich unauffällig um.

Unter dem Sessel indem Severus saß lag eine von Krummbeins Stoffmäusen, die Hermione immer mit ein bisschen Katzenminze zu befüllen pflegte und die er gerne durch die Gegend getragen hatte. Sogar als Halbkniesel war Krummbein nicht gegen die berauschende Anziehungskraft des Krautes immun gewesen.

Hermione richtete ihren Blick auf den Mann vor sich und erwiderte dessen Blick stoisch. Sie konnte es fast vor sich sehen, wie er in dem Sessel saß, die Decke auf dem Schoß, ein Buch in der einen Hand und die andere vergraben im dichten Fellbündel auf seinem Schoß und plötzlich ergab sein seltsames Verhalten einen Sinn.

„Danke, Professor Snape.“

„Ich konnte Sie schlecht da draußen erfrieren lassen, Minerva hätte mir die Hölle heiß gemacht.“, seine Augen fixierten sie grimmig, unwillig seiner Tat eine positive Bedeutung geben zu lassen.

Zum ersten Mal an diesem Abend lächelte Hermione, wenn auch nur schwach und zaghaft. Krummbein hatte ihr etwas hinterlassen, die Möglichkeit auf einen anderen Blickwinkel, auf eine ihr bisher unbekannte Facette des dunklen Tränkemeisters.
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