Gefühle außer Plan

GeschichteRomanze / P12
Elias Bähr OC (Own Character)
16.03.2020
26.03.2020
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Die Herzkatheteruntersuchung war für Emma entspannter, als sie zuvor gedacht hatte. Sie hatte sich sehr viele Gedanken im Vorhinein gemacht, was alles hätte passieren könne, hatte die Patientin auch noch über die Risiken aufgeklärt und darüber, dass sie bei der Untersuchung nur eine örtliche Betäubung erhielt und keine Vollnarkose. Und es hatte alles super funktioniert. Die Angst, dass sie in Elias Nähe aufgeregeter sein könnte, war ganz unbegründet. Denn wie immer, wenn sie zusammenarbeiteten, lief alles reibungslos und Elias gab ihr auch immer das Gefühl, dass sie gemeinsam alles hinbekommen würden. Und im Notfall würde er eingreifen. Die Vene für die Untersuchung traf sie daher, mit seiner Hilfe, tatsächlich schon beim ersten Anlauf. Das machte sie selbst sehr stolz. Was sie allerdings feststellten, war, dass Frau Habermanns Herzkranzgefäße so verengt waren, dass es nur ratsam war, ihr an zwei Stellen einen Stent zu setzen, um sie vor weiteren Herzinfarkten zu schützen.
„Frau Habermann, ihre Herzkranzgefäße sind teilweise so verengt, dass wir nicht drum herum kommen, ihnen zwei Stents zu setzen. Das würden wir jetzt gleich während der Untersuchung machen. Das macht es für uns und für sie am einfachsten“, erklärte Elias.
„Jetzt gleich? Was heißt das genau?“, wollte die Patientin verunsichert wissen.
„Doktor Jahn?“, wandte sich Elias in ihre Richtung um ihr zu verdeutlichen, dass sie die Behandlung erklären sollte.
„Also die Gefäße weiten wir mithilfe des Katheters an den verengten Stellen mit einem Ballon. Dort wird dann ein Röhrchen aus Drahtgeflecht eingesetzt, welches die Gefäße offen hält. Nach dem Eingriff müssen sie zwar immer noch Medikamente nehmen, aber die Gefahr eines erneuten Herzinfarktes ist deutlich minimiert. Allerdings müssen sie mindestens noch fünf Tage hier bleiben“, teilte Emma der Patientin mit.
„Ach, das macht mir doch nichts aus. Wenn hier alle so nett sind wie sie beide“, erklärte die ältere Dame nun mit einem Lächeln.
Elias und Emma schauten sich an und konnten sich ein Lachen kaum verkneifen, mussten sie doch beide an Dr. Moreau denken. „Ja, die meisten schon“, lachte Elias.
„Dr. Jahn trauen sie sich zu den Stent zu setzen?“, fragte er dann.
„Na klar kann sie das“, mischte sich jetzt die Patientin ein, „so eine kluge junge Ärztin“
Elias war kurz verwundert über diese Aussage, aber auch er hätte traute ihr das natürlich sofort zu.
„Ich denke auch, dass ich das kann“, antwortete Emma schließlich und gemeinsam mit Elias Hilfe hatte sie innerhalb kürzester Zeit zwei Stents bei Frau Habermann gesetzt.

„Frau Habermann, sie haben es schon geschafft“,teilte Emma der Patientin mit, „sie bleiben noch über Nacht auf der Überwachungsstation und morgen werden sie dann auf die Normalstation verlegt“
„Wirklich ? Jetzt schon? Das ging aber schnell. Also ich muss ja sagen, sie beide sind wirklich ein sehr gutes Team. Da sitzt ja jeder Handgriff“
Verlegen schauten Emma und Elias sich an. Natürlich freuten sie sich über das Kompliment der Patientin und sie wussten auch, dass sie gut zusammenarbeiteten. Und doch spürte Emma diese Zweideutigkeit, die in der Stimme von Frau Habermann mitschwang. Wieder musste sie an die Worte von vorhin denken. Sie versuchte sich aber nichts anmerken zu lassen, was ihr nicht ganz gelang. Elias merkte, dass irgendwas nicht stimmte. „Emma, alles in Ordnung?“, fragte er dann. Die Patientin wurde währenddessen schon von zwei Pflegern auf Station gebracht.
„Ja klar, wieso?“, versuchte sie die unangenehme Situation wegzulächeln.
„Ich weiß nicht, du wirktest eben so abwesend“
„Ja, nein, ich hab nur über was nachgedacht“
„Ist es wegen dem Eingriff? Du hast alles super gemacht. Ist doch richtig gut gelaufen“
„Ja stimmt. Naja ich muss jetzt auch los, den OP Bericht schreiben“
Emma veschwand und ließ Elias ein wenig ahnungslos im Raum stehen. Warum war sie plötzlich so nachdenklich. Das kannte er doch sonst nicht von ihr. Er wollte sich noch weitere Gedanken machen, was da gerade passiert war, als er schon zum nächsten Notfall gerufen wurde. Emma schrieb währenddessen den Verlaufsbericht der Patientin und arbeitete sämmtliche andere Akten ab. Zum Glück lief sie Elias an diesem Tag nicht mehr über den Weg und hoffte so, dass er die merkwürdige Situation von vorhin schon wieder vergessen hatte. Die Verlaufskontrolle bei Frau Habermann wollte er übernehmen, da sein Dienst länger ging.

Kurz bevor er Feierabend hatte, schaute er noch einmal bei Frau Habermann rein.
„Ach Dr. Bähr, schön dass sie nochmal vorbei schauen“
„Hallo Frau Habermann, ich wollte nur nochmal schauen, wie es Ihnen geht, bevor ich Feierabend mache“
„Ach mir geht es soweit gut. Ein bisschen müde. Aber ansonsten alles prima. Ich kann sogar viel besser durchatmen als früher, hab ich das Gefühl. Sie und ihre Kollegin haben mich gut wieder hinbekommen. Apropos, wo ist sie eigentlich? Ich hab sie schon den ganzen Tag nicht mehr gesehen“, wollte die Patientin nun wissen.
„Dr. Jahn hat schon Feierabend“, teilte er der Patientin mit und konnte sich ein lächeln nicht verkneifen, als er an sie denken musste. Was natürlich auch der Patientin nicht entging.
„Na Dr. Bähr, was seh ich denn da? Ihr Lächeln... Könnte es sein, dass sie ein Auge auf ihre hübsche Kollegin geworfen hab“
Elias dachte kurz, er hätte sich verhört und musste schlucken. Wie kommt die Patientin denn auf so etwas? „Frau Jahn und ich sind Kollegen. Ich wünsche ihnen jetzt eine gute Nacht“, verabschiedete er sich schnell von der älteren Dame. Auf dem Weg zur Umkleide hingen ihm ihre Worte immer wieder nach. Er sollte auf Emma stehen? Also sowas. Natürlich bewunderte er ihre Art und wie sie mit Patienten umging. Sie war eine tolle Ärztin, ohne Frage. Und ja er fand sie auch wirklich sehr hübsch, ihr Lächeln, ihr Geruch. Aber das heißt ja noch lange nicht, dass...
Nein, er schüttelte diesbezügliche Gedanken ab. Er wollte nicht darüber nachdenken, wie es wäre mit ihr zusammen zu sein. Aber es war ein Gedanke, der ihm doch unwillkürlich immer wieder aufkam.
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