Mass Effect: Romanversion

von CL Bell
GeschichteAbenteuer, Sci-Fi / P16
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian Liara T'Soni Saren Arterius Tali'Zorah vas Normandy Urdnot Wrex
16.03.2020
18.03.2020
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16.03.2020 1.021
 
2148 entdeckten Forscher auf dem Mars Überreste einer alten, raumfahrenden Zivilisation. In den darauf folgenden Jahrzehnten konnten mit Hilfe der gefundenen Artefakte neue Technologien entwickelt werden, die Reisen selbst zu den entferntesten Sternen ermöglichten. Basis dieser unglaublichen Technologie ist eine Kraft, die in der Lage ist, das Raum-Zeit-Gefüge zu kontrollieren.

Sie nannten es „die größte Entdeckung in der Geschichte der Menschheit“.

Die Zivilisationen der Galaxis nannten es Mass Effect.

Prolog

Dunkelheit. Im Weltraum ist es immer Nacht. Völlig lautlos glitt ein schlankes Schiff durch die Schwärze, eine hell erleuchtete Kugel daneben. Die Erde. Von dort unten mochte es abstrakt klingen, aber von oben, von außen, da wollte kein besserer Name einfallen: der blaue Planet. Majestätisch, lebendig, blau bespickt von grünen Weiten, von gelben Wüsten und, leider zunehmend sichtbar, von grauen Städten. Trotz dessen war der Anblick atemberaubend, und David Anderson konnte nie anders, als sich ihm hinzugeben. Nicht nur er – neben ihm stand Steven Hackett, langjähriger, hoch angesehener Admiral der Allianz-Streitkräfte.
Mit hinter dem Rücken verschränkten Armen stand er da. Schritte wurden lauter und wurden wenige Meter hinter ihnen still. Anderson atmete tief ein, den Blick nicht von der Erde nehmend. Donnel Udina. Der Botschafter stand irgendwo hinter ihm, außerhalb seines Blickfelds. Zu Andersons Glück, denn dem Mann ins Gesicht zu blicken war selten eine Freude. Er war die personifizierte Bürokratie. Da gab es keinen Raum für Romantik. Trotz dessen hatte er sich als Botschafter auf der Citadel immerzu tatkräftig für die Menschheit eingesetzt, und dafür konnte Anderson ihn wenigstens respektieren. Er hatte nicht viel übrig für die schleimige Bürokratie, die sich leider auch in die Citadel eingeschlichen hatte.
Die Citadel – ein gewaltiges, interstellares Konstrukt, das sich nur schlecht als Raumstation beschreiben ließ. Dafür war sie zu gewaltig, zu groß, zu alt, zu – unverstanden. Sie war schon dort gewesen noch bevor die Menschen sie entdeckten. Und nicht nur sie – vor den forschen Kroganern, vor den uralten Asari, vor all den intelligenten Spezies, die auf ihr wandelten. Sie war das Symbol der Gemeinschaft, dem Versuch, die so vielfältigen Welten innerhalb der Galaxis zu vereinen, Krieg zu verhindern und Gerechtigkeit walten zu lassen. Eine Gemeinschaft, ja, aber keine Regierung per se – am ehesten ließe sie sich wohl mit der ehemaligen Europäischen Union vergleichen. Der Versuch, zahllose Länder zu vereinigen in der Idee, dass Menschen allesamt im selben Boot wären und man mit Zusammenarbeit nicht nur Krieg verhindern, sondern umso mehr noch Gutes daraus entwachsen lassen könnte.
Aber das war lange her. Die Europäische Union war eine der ersten Staatenverbunde, die einer planetaren Regierung zustimmten und aktiv dafür arbeiteten. Es gab sie noch immer in einer gewissen Form, aber vielmehr als große Version eines Föderalstaates. Spätestens in den 2150ern, als die Menschen den Erstkontakt mit Außerirdischen hatten, wurden die Bestreben zur Realität. Es geschah in einem Herzschlag – hatte der Klimawandel die Menschheit im späten 21. Jahrhundert vereint – der Erstkontakt 2157 finalisierte dies und machte es schnell zum Gesetz. Keiner klagte, es war als selbstverständlich genommen: sie die Menschen, die die Außerirdischen. Das Horrorszenario wurde wahr. Krieg gegen eine so viel weiter entwickelte Spezies. Der Krieg der Welten. Und dann kam die Citadel. Die Waffen wurden niedergelegt, die Menschen integriert. Das war nun 26 Jahre her, Anderson hatte diese Zeit als junger Mann lebhaftst miterlebt, wie sehr viele im Militär, wie viele in der Citadel – und die Spannungen waren noch immer da.
Die Menschen hatten sich zwar schnell an die neue Zivilisation angepasst, aber gerade das hatte den Citadelvölkern Angst gemacht. Der Mensch wurde 100, manchmal 120 Jahre alt. Lang war das nicht. Diese Tatsache ließ sie so schnelllebig werden wie fast keine andere Spezies in der Citadel, die fast alle deutlich längere Lebensspannen genossen und wo Fortschritt langsam und sicher, nicht schnell und wagemutig geschah ... oder so sahen das wenigstens die Asari und Turianer. Nach nicht einmal drei Jahrzehnten waren die Menschen unverzichtbar im Handel geworden, in der Wirtschaft, im Militär. Die Polizei der Citadel, die C-Sicherheit, war dominiert von Menschen. Das machte den Völkern Angst, allen voran den Politikern, die nicht verdrängt werden wollten. Seit vielen Jahren schon kämpften die Menschen für einen Platz im Rat, der das letzte Wort hatte in Entscheidungen über die Galaxis, derletztlich  die höchste Instanz der Galaxis darstellte und der von den etablierten, großen Völkern geleitet wurde, die Meister der Diplomatie waren – Asari, Turianer und Salarianer. Nicht aber Menschen. Nicht Menschen.
Deshalb hatte Captain Anderson trotz persönlicher Abneigung eine gewisse Akzeptanz für Botschafter Udina. Denn er kämpfte, wenn auch nicht so selbstlos wie es einen respektablen Politiker gebührt, für dein Einlass der Menschen in die Citadel. Genauer – für den seinen Einlass, aber die Details spielten nur bedingt eine Rolle: Das Ziel war wichtig für die Menschen. Der letzte Schritt, um endlich akzeptierter Teil zu sein.
Die Last der Verantwortung auf den Schultern blickte Anderson nachdenklich aus dem Fenster. Das Schweigen brach er nur, nachdem er noch einmal die Kontinente der Erde aufgezählt hatte. Wortlos drehte er seinen Kopf ein wenig, um seine Aufmerksamkeit erkennbar zu machen. Er wusste schon, was Udina von ihm wollte.
Dessen Stimme riss ihn trotzdem aus seiner Nachdenklichkeit. „Was wissen wir über Shepard? Er wurde auf der Erde geboren. Über seine Familie gibt es keinen Eintrag.“
Shepard. Das war ein Mann, vor dem Anderson den größten Respekt hatte. Er nickte. „Er hat keine. Er ist quasi auf der Straße aufgewachsen. Er hat gelernt, auf sich selbst aufzupassen.“
Nun meldete sich Admiral Hackett rechts neben ihm zu Wort. Er hatte sich umgedreht. Anderson seufzte und tat es ihm gleich, als der Admiral zu reden begann. „Er musste mitansehen, wie seine ganze Einheit auf Akuze starb. Er könnte ein emotionales Trauma dabei erlitten haben.“
Anderson machte eine wegwerfende Handbewegung. „Fast alle Soldaten haben ein Trauma. Shepard ist ein Überlebenskämpfer.“
„Wollen wir eine solche Person wirklich die Galaxie beschützen lassen?“, fragte Udina.
Anderson blickte Hackett ernst in die Augen. „Nur solche Personen können überhaupt die Galaxie beschützen.“
Udina verschränkte die Arme vor sich. „Ich stimme dafür.“
Anderson grinste schief und legte den Kopf schief. Nach einem Moment des Schweigens nickte Hackett und drehte sich wieder zur Erde um. Es war entschieden.
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