Drunken for the first time

GeschichteFreundschaft / P12
Lan Zhan Wei Ying
15.03.2020
04.04.2020
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15.03.2020 909
 
Es gab eine Versammlung in den Wolkenschluchten. Es schien sich um etwas Großes zu handeln, aber Wei Ying war noch nicht bereit, an solch wichtigen Terminen teilzunehmen. Er war gerade erst aufgewacht, hatte mehrere Tage im Koma gelegen. Dank Jin Ling, der ihn mit seinem Schwert durchbohrt hatte wie damals Jiang Chen. Der Junge musste verzweifelt und wütend gewesen sein, als er zugestochen hatte. Er hatte es anscheinend nicht verkraftet, dem Mörder seiner Mutter und seines Vaters gegenüberzustehen. Wei Ying wusste, dass Jin Ling gezögert hatte, aber nur für einen kurzen Moment. Was war ihm durch den Kopf gegangen? Was hatte er sich gewünscht? Was hatte er sich erhofft? Er konnte es nicht sagen.

Alles, was Wei WuXian tun konnte, war aus dem Fenster zu schauen. Er lehnte an der Wand in einer halbwegs sitzenden Position, in die Lan Zhan ihn freundlicherweise gebracht hatte.
„Nicht aufstehen“, hatte sein Blick gesagt, als er zur Versammlung gerufen wurde. Er hatte sich schweigend umgedreht und war gegangen. Erhabenen Schrittes und erhobenen Hauptes. Und dennoch hatte Wei Ying bemerkt, dass Lan WangJi über sein Aufwachen erleichtert und erfreut zugleich  gewesen war. Er hatte die ganze Zeit an seiner Seite verbracht, war nicht aus dem Zimmer gewichen, das konnte sich Wei WuXian wahrhaftig vorstellen. Lan Zhan war schon immer treu und loyal gewesen, er würde es auch immer sein. Er war der einzige, der in dem ganzen Trubel zu ihm gehalten hatte, der ihn unterstützt und begleitet hatte. Und was hatte er getan? Ihn in einen Fluss aus Sorgen und Kummer gestürzt, in dem er fast ertrunken wäre.

Niemals wieder wollte Wei WuXian seinem Freund Lan WangJi so etwas noch einmal antun. Er hatte gelitten, auch wenn er darüber Stillschweigen bewahrte. Er hatte sich beinahe selbst aufgegeben. Und das alles nur für ihn.
Die Tür zum Jingshi wurde aufgeschoben. Sanft und leise. Wei Ying wunderte sich, warum die Versammlung, welche wirklich wichtig zu sein schien, so schnell vonstatten gegangen war.
„Du bist schon zurück? Ich bin nicht aufgestanden“, sagte er schnell, doch um die Ecke schritt nicht Lan WangJi, sondern Ze Wu Jun.  Er beäugte ihn mit einem wissenden Lächeln. Ze Wu Jun musste Lan Zhan gesehen und daraufhin geschlossen haben, dass er aufgewacht war. Lan Zhan hatte Wei WuXian auch erzählt, dass sein Bruder ihnen eine Versteckmöglichkeit bot. Dankbar verbeugte sich Wei Ying, so weit es ihm möglich war.

„Bitte, junger Meister Wei. Schone dich“, sprach Ze Wu Jun mit sanfter Stimme und deutete auf den Bettrand.
„Darf ich?“
„Gerne.“ Wei WuXian rutschte etwas zur Seite, um ihm Platz zu machen.
„Wie geht es dir? Deine Verletzungen haben sehr lange gebraucht, um sich zu schließen. Wang Ji hat seine beste Medizin verwendet.“
„Ich bin ihm sehr dankbar, dass er das für mich getan hat. Mir geht es viel besser. Es tut auch nicht mehr so weh.“ Ze Wu Jun beugte sich nach vorn und zog einen Teil des Hemdes zur Seite, wie sein Bruder es getan hatte. Sie waren beide sehr fürsorglich, wobei Ze Wu Jun viel offener war.
„Ist die Versammlung schon beendet? Warum bist du hier?“
„Die Versammlung wird noch eine Weile dauern. Ich habe gestern schon alles mit unserem Lehrer besprochen, da ich jetzt Sektenführer bin. Wir haben uns geeinigt, es heute offiziell zu machen, sowohl für die Jünger, als auch für die anderen, die zur Zeit in den Wolkenschluchten leben. Aber das wird Wang Ji dir später ausführlich erzählen. Ich weiß, es kommt ganze sechzehn Jahre zu spät, aber ich wollte dir schon damals im Goldenen Pavillon danken.“

Wei WuXian war überrascht. Wofür wollte sich Ze Wu Jun bedanken? Dass er einen Aufstand veranstaltet hat, um Wen Ning zu finden und deshalb den Cousin Zi Xuans mit dem Tod bedroht hatte? Dass er die Feier hat platzen lassen? War noch etwas vorgefallen? Sein Gedächtnis war nach sechzehn Jahren nicht mehr das beste.
Als er den fragenden Blick Wei Yings sah, lächelte Ze Wu Jun noch ein wenig mehr, ehe er auf den Punkt kam. „Du hast damals Wang Ji davor bewahrt, Alkohol zu trinken. Dafür möchte ich dir danken. Und er war dir auch sehr dankbar, dass du den Becher an seiner statt geleert hast.“ Es dauerte einen kurzen Moment, bis Wei WuXian den Augenblick abrufen konnte, aber er erinnerte sich. Aber das bedeutete...
„Ze Wu Jun, du weißt davon, dass Lan Zhan keinen Alkohol verträgt?“ Er konnte sich unmöglich vorstellen, dass HanGuang Jun ihm das gesagt hatte. Er war sehr verschwiegen, wenn es um bestimmte Dinge ging und diese hier war definitiv eine davon.
„Ja, ich weiß davon. Durch einen Zufall habe ich davon erfahren. Es war noch bevor du es herausgefunden hast.“

Wei WuXian musste aussehen wie ein offenes Buch. In seinen Augen leuchtete der Wunsch auf, die Anekdote hören zu wollen. Wie Ze Wu Jun herausfand, dass Lan Zhan nichts vertrug und ob er sich bei jedem Alkohol so merkwürdig verhielt. Jede Geschichte, die dazu beitrug, mehr über HanGuang Jun zu erfahren, wollte Wei Ying hören. Er würde ihn damit nicht ärgern wollen, aber er wollte mehr über ihn wissen, denn es kam selten vor, dass er etwas über sich erzählte. Ze Wu Jun las in der Tat seinen Wunsch und erfüllte ihn. Er war der Ansicht, dass die Versammlung länger dauern würde und der junge Meister Wei etwas gebrauchen könnte, was die Zeit ein wenig schneller vergehen ließ. Und so erzählte er ihm, wie er Lan WangJi zum ersten Mal betrunken erlebte.