Severus Snape - der Todesser

von Tajara
GeschichteAllgemein / P16
Avery Igor Karkaroff Lily Potter Lord Voldemort / Tom Vorlost Riddle Mulciber Severus Snape
15.03.2020
26.03.2020
3
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Kapitel 3:  Arectem



»Heute fertigt ihr einen Trank, der Brandwunden heilt«, verkündete Johnson. »Das ist jetzt Teil der ersten Testphase, die Reproduktionsphase habt ihr alle bestanden. Jetzt geht’s wirklich ums Entwickeln von neuen Tränken. Euer Trank soll auch Brandwunden heilen können, die magisch verursacht wurden. Beispielsweise durch Incendio oder Flagrate. Fragen?« »Gibt’s dafür echt noch keinen Trank?«, wollte jemand wissen. Johnson kniff die Augen zusammen. »Doch, aber sicher. Aber er ist nicht sehr bekannt und findet keine Anwendung, weil wesentlich praktikablere Heilzauber existieren. Zu Übungszwecken werden Sie die gestellte Aufgabe trotzdem ausführen. Zu wirklich notwendigen Aufgaben kommen wir, wenn Sie soweit sind.«
Dieses Mal beeilte Severus sich doppelt. Als er fertig war und zum Waschbecken ging, stellte er fest, dass Christina ihrem Trank noch den letzten Schliff gab. Zufrieden begann er, seine Sachen abzuspülen. Er hatte sein Ziel erreicht – er hatte sie geschlagen.




Das Mal brannte eine Woche später, als Severus gerade in seiner kleinen Küche stand und Nudeln kochte. Im ersten Moment glaubte er, versehentlich den heißen Topfrand berührt zu haben. Doch als der Schmerz stetig anschwoll, schob er seinen Ärmel hoch – und sah auf die Umrisslinie des dunklen Mals, das sich rot verfärbt hatte. Die Schlange, die aus dem Mund des Totenschädels kroch, schien sich zu schlängeln. Einige Augenblicke lang starrte Severus darauf, dann riss er sich zusammen. Hastig schaltete er den Herd aus und rief seinen Todesser-Umhang und seine Maske zu sich. Schnellen Schrittes verließ er seine Wohnung, getrieben von dem weiter steigenden Schmerz. Auf der Straße blieb er stehen und disapparierte, ohne sich auf ein Ziel zu konzentrieren, wie Igor es ihm erklärt hatte. Das dunkle Mal übernahm das für ihn und zog ihn durch das Nichts zu dem Ort, an den er gerufen worden war.


Severus fand sich draußen vor einem großen Anwesen wieder. Im Erdgeschoss brannte Licht, die restlichen Fenster waren dunkel. Zögerlich sah er sich um, doch hier draußen gab es nichts Interessantes. Eine Straße, ein paar Bäume, der Garten des Anwesens. Von Voldemort keine Spur, er musste drinnen sein.
Ein Ploppen ertönte rechts von ihm, und ein Todesser erschien. »Hallo. Was machst du hier draußen? Bist du neu?« »Ja«, gab Severus zu. »Müssen wir da rein?« »Allerdings. Es ist ziemlich einfach.« Der andere Todesser trat vor und klopfte an der Haustür. Sie wurde im nächsten Moment von einem Hauself geöffnet. Der Todesser zeigte ihm sein dunkles Mal, und der Elf trat zur Seite, um ihn einzulassen. Severus folgte seinem Beispiel.

Der Hauself führte sie einen Flur entlang. Ein dicker Teppich dämpfte jeden ihrer Schritte. Vor einer weiteren Tür blieb der Elf stehen. Severus folgte dem anderen Todesser hinein, während der Hauself disapparierte. Dahinter war ein ausladender Salon. Ein langer Tisch stand in der Mitte, Stühle mit hohen Lehnen waren außenherum aufgestellt. Im Kamin brannte ein Feuer und warf flackerndes Licht auf die Szene. Die Todesser standen in kleinen Gruppen im ganzen Raum verteilt und unterhielten sich. Von Voldemort fehlte jede Spur. Severus verwunderte das zwar, aber er wagte es nicht zu fragen. Unschlüssig blieb er nahe der Tür stehen – wo sollte er hin? Selbst wenn er jemanden eigentlich kannte, würde er ihn wegen der Masken, die alle trugen, nicht erkennen.

Zögerlich trat er zu einer kleinen Gruppe von drei Todessern. Sofort wandten sich alle Blicke ihm zu. »Hallo«, sagte Severus nervös. »Ich, ähm, bin neu hier.« Sollte er seinen Namen sagen? War das erlaubt? Bevor er sich entschieden hatte, ergriff einer der anderen Todesser das Wort. »Ich bin Corban«, erklärte er. »Wir nennen uns hier alle beim Vornamen, das ist einfacher. Nachnamen werden generell nicht genannt, nur für alle Fälle.« Die anderen beiden stellten sich als Antonin und Rabastan vor. Severus nannte ebenfalls seinen Vornamen, während er versuchte, sich die anderen Todesser einzuprägen. Er wollte versuchen, sie auch mit Maske zu erkennen, denn er bezweifelte, dass er sie je ohne sehen würde.

Plötzlich verstummten alle Gespräche. Severus drehte sich um. Voldemort trat herein, im langen, schwarzen Umhang und ohne Maske. Sein Blick wanderte über die Todesser und blieb an jedem kurz hängen. Langsam schritt Voldemort zum Kopfende der Tafel vor dem Kamin und setzte sich. Immer noch in vollkommener Stille suchten auch die Todesser sich Plätze. Das schien jedoch nach einem bestimmten, Severus unbekannten System zu passieren. Als er sich umsah, stellte er fest, dass zwei weitere Gestalten etwas ratlos herumstanden. Sie warteten, bis alle sich gesetzt hatten. Es blieben drei Plätze am Ende des Tisches frei, am weitesten von Voldemort entfernt. Während Severus sich setzte, beobachtete er die beiden anderen. Er mochte sich irren, doch er schätzte, dass es sich um Ryan und Wayne handelte. Die Größe würde jedenfalls passen. Zwei andere Neue jedenfalls, mit unvollständigem dunklem Mal auf den Unterarmen, das stand für Severus fest. Deshalb waren auch gerade diese Plätze frei – die Sitzordnung markierte die Rangordnung.

»Willkommen, Todesser«, begann Voldemort. Seine Stimme klang klar und laut in der ansonsten vollkommenen Stille, nur das Feuer im Kamin knisterte leise. »Thorfinn, wie steht es um deinen Auftrag?« Einer der Todesser, der etwa an der Mitte der Tafel saß, räusperte sich. »Es verläuft gut, Herr. Ich habe gestern eine Beförderung erhalten.« »Gut«, meinte Voldemort. »Ich möchte die Magische Strafverfolgung vollständig unter meiner Kontrolle haben. Warte noch zwei, drei Wochen, in denen du die Angewohnheiten deines Vorgesetzten beobachtest. Danach belegst du ihn mit dem Imperius-Fluch.« »Ja, Herr«, sagte Thorfinn. Seine Stimme verriet keine Regung, höchstens Erwartung. Obwohl er soeben beauftragt worden war, einen Unverzeihlichen Fluch auszuführen. Severus fragte sich, wie häufig das war. Stand es hier an der Tagesordnung? Wie lange würde es dauern, bis Severus selbst dazu aufgefordert wurde? Wäre er dazu überhaupt in der Lage? Voldemorts Blick blieb auf ihm liegen, bohrte sich durch die Schlitze seiner Maske direkt in seine Augen, als könnte er seine Zweifel quer durch den Raum erspüren.

»Herr?«, sagte einer der anderen Todesser. Voldemort wandte sich ihm zu, und Severus atmete auf. »Was gibt es, Abraxas?« »Ich habe einen neuen Anwärter gefunden. Er ist Drachentrainer bei Gringotts.« »Hatten wir schon mit ihm zu tun?« »Nein, Herr«, antwortete Abraxas. »Er hat sich bislang aus allem herausgehalten. Sein Blutstatus ist Halbblut. Er wirkte sehr interessiert, und seine Position ist vielversprechend, er ist bereits Abteilungsleiter, obwohl er gerade einmal dreißig ist.« »In Ordnung«, meinte Voldemort. »Richte ihm aus, dass ein Todesser zu ihm kommen wird, das übliche Vorgehen. Antonin, du übernimmst das.« Sein Blick wanderte weiter. »Wie sieht es mit deinem Fortschritt aus, Matthew?«

Matthew? Überrascht starrte Severus zu dem angesprochenen Todesser. Wie hatte Matthew es geschafft, so schnell bis fast an die Hälfte er Tafel zu gelangen? Natürlich, sein Vater war selbst ein hochrangiger Todesser, aber ergab das einen so großen Vorteil? Bislang hatte Matthew immer durchblicken lassen, es würde ihm kaum nützen! »Sehr gut, mein Lord.« Es war Matthew, ganz sicher, es war seine Stimme. Jetzt klang sie beherrscht und pflichtbewusst. Diszipliniert. »Es ist mir gelungen, den Auroren Phillip Savage dem Imperius-Fluch zu unterwerfen.« Nur wenn man ihn sehr gut kannte, hörte man den Anflug von Stolz in seiner Stimme. Voldemort nickte anerkennend. »Gut.« Er wandte sich dem nächsten zu, einer nach dem anderen gaben die Todesser ihre Berichte ab. Severus war mit seinen Gedanken eher bei Matthew. Ob er schon oft einen Unverzeihlichen Fluch ausgeführt hatte? Da war kein Zittern in seiner Stimme gewesen, kein Zeichen von Unsicherheit. Ob er wohl bei der Tat gezögert hatte? Vermutlich nicht. Viel wahrscheinlicher war, dass Matthew sich auf diese Art so schnell hochgearbeitet hatte, dass er oft und skrupellos diese Flüche benutzte.

Erst, als Rabastan das Wort ergriff, horchte Severus auf. »Mein Lord, ich habe ein Ordensmitglied aufgedeckt.« Die plötzliche Spannung war fast mit den Händen zu greifen. »Wer?«, fragte Voldemort. »Jason Smith. Er betreibt die Apotheke in der Winkelgasse.« »Sehr gut, Rabastan«, lobte Voldemort. »Behalte ihn Auge. Nimm dir ein paar Todesser und findet einen geeigneten Zeitpunkt für einen Übergriff.« »Ja, Herr«, sagte Rabastan, zugleich respekt- und erwartungsvoll. Dabei handelte es sich bei diesem »Übergriff« um einen Mord, da war sich Severus sicher. Keinen hier schien das abzuschrecken. Sie waren alle zu hundert Prozent überzeugt. Frei von Zweifeln. Er fand das bewundernswert.

Nach dieser Nachricht schien es keine ausstehenden Berichte mehr zu geben, und Voldemort beendete das Treffen. Alle strömten in Richtung Ausgang, und Severus wollte ihnen folgen, weiterhin in der Masse untertauchend, doch Voldemort rief ihn zurück. Mit einem beklommenen Gefühl trat Severus vor ihn. Hatte er etwas falsch gemacht? »Kennst du Jason Smith?«, fragte Voldemort. »Ich habe ein paar Mal bei ihm eingekauft«, antwortete Severus überrumpelt. »Aber ihn persönlich kenne ich nicht. Herr.« An diese Gepflogenheit der Todesser erinnerte er sich erst im letzten Moment. Ein schmales Lächeln erschien auf Voldemorts Gesicht. »Das dachte ich mir. Ich möchte, dass du Rabastan begleitest, wenn er Smith einen Besuch abstattet. Fühlst du dich dem gewachsen?« Severus zögerte einen Augenblick lang. War das eine Testfrage? War er bereit für einen Mord? »Ja, mein Lord«, sagte er und versuchte, sicher zu klingen. »Du bist willens, aber nicht bereit«, korrigierte Voldemort. »Hast du dich schon einmal duelliert?« »Noch in Hogwarts, Herr.« »Zeig mir, was du kannst.« Voldemort zog seinen Zauberstab. Severus tat es ihm gleich, zögerte jedoch. Durfte er ihn wirklich angreifen? Voldemort war jetzt sein Herr, er war zu Gehorsam verpflichtet. »Fang an«, befahl Voldemort.

Severus begann mit einem Schockzauber. Ungesagt, ohne den Zauberstab großartig zu bewegen. Voldemort wischte den Lichtblitz zur Seite wie eine lästige Fliege. »Levicorpus!«, dachte Severus, versuchte es weiter, doch nichts, was er tat, rief eine nennenswerte Reaktion hervor. Plötzlich ging Voldemort zum Angriff über. Severus hatte alle Hände voll zu tun, sich zu verteidigen. Einige Male musste er sich mit einem Sprung in Sicherheit bringen. Voldemort spielte mit ihm, testete aus, was er konnte und wo seine Schwachstellen lagen. Auch steigerte er langsam sein Niveau, erhöhte das Tempo und verwendete stärkere Flüche. Bis einer von ihnen sein Ziel fand. Severus wurde auf den Rücken geworfen, die Luft wurde aus seinen Lungen gepresst. Er war sich bewusst, dass Voldemort ihn beobachtete, also rappelte er sich auf und bemühte sich um Haltung. »Junge Zauberer haben nach ihrer Schulausbildung oft dieselben Lücken«, verkündete Voldemort. »In einem echten Kampf wärst du schnell besiegt worden. Du bist langsam, und vor allem mit mächtigen oder dunklen Zaubern hast du keine Erfahrung.« Severus senkte zerknirscht den Kopf. Er hatte sich alle Mühe gegeben.

»Ich bringe dir einen neuen Zauber bei«, verkündete Voldemort. »Einen dunklen Zauber: Arectem.« Aufgeregt folgte Severus seinen Worten. Er bekam einen Zauber vom dunklen Lord persönlich gelehrt! »Arectem kann eine hohe Einschlagskraft entwickeln und zerschmettert das Opfer meist von innen. Er endet oftmals tödlich, besonders durch innere Verletzungen im Oberkörper.« Voldemort erläuterte ihm die Anwendung, ließ es ihn ausprobieren. Einfach auf den Boden, ohne lebendes Ziel. Severus bemühte sich, doch es wollte ihm nicht gelingen. »Stärker«, drängte Voldemort. Als immer noch kein Resultat zu sehen war, schwang er selbst den Zauberstab. Ein violetter Lichtblitz schlug auf den Boden ein. Die Wucht warf Severus von den Füßen. Sein Kopf dröhnte. Mühsam rappelte er sich zum zweiten Mal an diesem Abend auf. »Weiter«, befahl Voldemort. Severus gehorchte. Er rackerte sich ab, bis auch ihm der Zauber gelang. Weit weniger kraftvoll, ohne sichtbare Wirkung. Doch Voldemort nickte. »Das genügt für heute. Du darfst gehen.«




Das andauernde Stechen hinter Severus’ Stirn machte ihn fertig. Er kannte das schon, sich dermaßen an einem Zauber zu überanstrengen verursachte häufig Kopfschmerzen. Mehr als einmal juckte es Severus in den Fingern, sich die Zutaten für einen entsprechenden Linderungstrank zu schnappen. Stattdessen widmete er sich ganz seinem eigentlichen Projekt, einem Trank gegen Schockzauber. Total unnötig, denn der Gegenzauber war spielend leicht, doch sie sollten lernen, überhaupt Zauber aufzuheben. Es war auch nicht einfach. Am Ende des Tages hatte es keiner geschafft. Johnson war nicht zufrieden und zeigte es auch, aber Severus hörte nicht hin. Stattdessen massierte er seine Stirn mit den Fingerknöcheln, bis sie endlich gehen durften.

Zuhause fand er eine Eule von Wayne vor. Er lud ihn in den Tropfenden Kessel ein. Severus zögerte, dann schickte er seine Zustimmung zurück.
Im Tropfenden Kessel herrschte der übliche Trubel. Die Luft war stickig und gesättigt mit Gerüchen, die Tische zumeist voll besetzt. Severus entdeckte Wayne erst auf den zweiten Blick. Ryan war zu seiner Überraschung auch dabei, ebenso ein ihm unbekannter Typ. Sie rückten zusammen, um ihm Platz zu machen, und Severus ließ sich neben ihnen auf die Bank fallen. Bei Tom, dem Wirt des Tropfenden Kessels, bestellte er einen Feuerwhiskey, um sein Kopfweh zu betäuben. »Severus, das ist Regulus«, stellte Wayne vor. »Er ist auch dabei.« Das Wort »Todesser« schwang unausgesprochen mit. »Freut mich«, sagte Severus und reichte Regulus kurz die Hand. Es war seltsam, einem fremden Todesser ohne Maske zu begegnen.

Tom brachte den Feuerwhiskey und Severus nahm einen tiefen Schluck. Es brannte in Rachen und Kehle, doch er hatte ihn schon oft genug getrunken, sodass es ihm keine Tränen in die Augen trieb. Zunächst hielt er sich größtenteils aus dem Gespräch heraus und hörte zu. Doch je länger sie dort saßen und je mehr Feuerwhiskey er trank, desto gelöster wurde er. Regulus war ein lustiger Zeitgenosse, sie lachten alle viel. Natürlich sprachen sie über nichts, was mit den Todessern zu tun hatte, denn sie wusste nicht, wer ihnen vielleicht zuhörte. Es war schon spät, als sie schließlich bezahlten und gingen. Nach dem Trubel im Tropfenden Kessel kam Severus seine Wohnung unnatürlich still vor. Müde und deutlich angetrunken ließ er sich ins Bett fallen.




Hallo!
Nur eine kurze Bemerkung am Rande: Falls es irgendwelche Szenen gibt, die ihr gerne hier enthalten hättet, zum Beispiel noch irgendwas aus dem Alltag eines Todessers oder ein bestimmter Auftrag, dann könnt ihr mir das gerne mitteilen. Wenn es dazu passt, nehme ich es mit rein.
LG Tajara

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