The Cage

von Nagin
GeschichteDrama, Familie / P16
Elladan Elrohir Elrond Legolas Thranduil
15.03.2020
31.05.2020
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15.03.2020 2.129
 
Der Wind strich durch den dunklen Wald. Der Weg, nur für Elbenaugen gut sichtbar, schlängelte sich durch die Bäume. Wie unberührt lag er da, waren die Schritte des unsterblichen Volkes doch zu leicht, um Spuren zu hinterlassen. Nur freundliche Kreaturen wagten sich in dessen Nähe, lauerte dort schließlich der Tod für all jene, die Böses im Sinn hatten. Langsam folgten drei braune Rösser dem Pfad, ihre Reiter stets darauf bedacht diesen nicht zu verlassen. Nur die Waldelben waren in der Lage dies zu tun und dennoch wieder unbeschadet zurückzukommen. Jetzt, wo die Sonne sich durch das dichte Laub kämpfen konnte, verstand der Elbenlord, wieso die Bewohner dieses Waldes diesen so liebten. Gerne wäre er für einen kurzen Moment stehen geblieben und hätte die Atmosphäre genossen, die so nur im Reich Thranduils zu finden war. Doch spürte er bereits jetzt die Ungeduld seiner zwei Söhne, die am liebsten quer durch den Wald geprescht wären und ihre Jagdkünste in diesem ihnen ungewohnten Gebiet ausprobiert hätten.
“Bleibt auf dem Pfad. Ihr würdet es anderweitig nicht mehr lebend aus dem Wald schaffen.”
Die Zwillinge kommentierten die Warnung ihres Vaters mit amüsiertem Lachen.
“Solange unser Freund uns wieder aufgabelt, mache ich mir darüber keine Sorgen.”
Elrond sah seinen ältesten Sohn kopfschüttelnd an und richtete seinen Blick wieder nach vorne.
“Ich wüsste ihn davon abzuhalten.”
Das Lachen der beiden Elben verstummte und ihr Vater musste unwillkürlich schmunzeln. Seine Söhne hatten nur einmal seine Drohung ignoriert. Das war das erste und letzte Mal seither gewesen. Sie ritten noch eine kurze Weile, bis sich Elrohir plötzlich zu Wort meldete: “Ob sie uns wohl entgegenkommen werden?”
Sein älterer Bruder zuckte mit den Schultern.
“Unser Besuch ist unangekündigt. Ich würde nicht damit rechnen.”
In diesem Moment zügelte ihr Vater sein Pferd und blieb mitten auf dem Weg stehen. Dann drehte er sich zu seinen Söhnen, welche ihn fragend ansahen.
“Auch wenn wir uns hier nicht in Gefahr befinden, so solltet ihr eure Aufmerksamkeit dennoch nicht komplett fallen lassen. Wäre uns das Waldelbenvolk feindlich gesinnt, so wärt ihr nun schon längst tot.”
“Wie lange wisst Ihr schon, dass wir Euch beobachten?”
Die beiden Brüder sahen überrascht den braunhaarigen Elb an, der wie aus dem Nichts in einem eleganten Sprung vor den dreien landete. Der Herr von Bruchtal legte sich die Faust auf die Brust und neigte den Kopf zum Gruß, eine Geste, welche der fremde Elb nachahmte.
“Nun, selbst ich habe vermutlich den genauen Zeitpunkt verpasst, doch eure Augen ruhen schon länger auf uns drei.”
Der Soldat lächelte freundlich und neigte noch einmal seinen Kopf.
“Ihr seid wahrlich Imladris’ Herr. Es ist nicht mehr weit zum Hause unseres Königs. Wenn Ihr erlaubt, werde ich bereits vorgehen und Euren Besuch ankündigen. Meine restlichen Männer werden weiterhin aus den Bäumen heraus über euch wachen.”
Elrond nickte zustimmend, woraufhin sich der Elb nochmal verbeugte und dann abseits zwischen den Bäumen verschwand. Die drei Besucher setzten ihren Weg fort und wie der Soldat bereits angekündigt hatte, dauerte es nicht lange bis vor ihnen das riesige Tor auftauchte, welches in die Hallen des Elbenkönigs führte. Sofort kamen ihnen weitere Waldelben entgegen und nahmen ihnen die Pferde ab. Nur der ältere Elb merkte, wie die Patrouille sich wieder zurück in den Wald begab.
Als sie das Tor durchquerten wartete bereits ein Mann auf sie, der anders als die bisherigen, keine Rüstung, sondern nur ein einfaches grünes Gewand trug.
“Meister Elrond, Meister Elronds Söhne, meine Name ist Aldon. Ich werde Euch zu unserem König führen. Wenn Ihr mir bitte folgen mögt.”
Die Besucher folgten dem Elb durch die gewundenen Gänge des Palastes und bewunderten die riesigen Hallen, die Größe dieses Ortes nur noch unterstrichen. Von hier aus konnte man gut beobachten wie Soldaten, Diener und Gelehrte auf den verschiedenen Ebene unbeirrt ihren Weg suchten, wo man den Eindruck hatte, man könne sich hier nur verlaufen. Auch ihr Führer lief ohne zu zögern voran und blieb dabei stets auf den breiten Hauptweg, zum Bedauern der Zwillinge. Sie waren nicht zum ersten Mal an diesem Ort, doch hatten sie bisher nie die Gelegenheit gehabt, zu erkunden, wo auch die schmalsten Wege hinführten. Schließlich folgten sie Aldon in die letzte große Halle, deren Mittelpunkt der Thron des Elbenkönigs bildete. Vereinzelte kleine Löcher, die durch die Wurzeln in der Decke entstanden waren, ließen vereinzelte Sonnenstrahlen herein, die den Sitz des Königs in ein mystisches Licht tauchten. Die Wachen, die am Eingang der Halle stationiert waren, begrüßten die Neuankömmlinge stumm und ließen sie ungehindert passieren. Mit leisen Schritten näherten sie sich dem Thron, bis Aldon sich schließlich hin kniete und den Kopf senkte.
“Mein König, die Besucher aus Imladris. Meister Elrond mit seinen Söhnen Elladan und Elrohir.”
Jene Besucher begrüßten den König mit der geläufigen Geste, während dieser die Elben mit seinem eisigen Blick bedachte. Elben empfanden normalerweise keine Kälte, doch unter den hellblauen Augen des Königs fröstelten die Söhne Elronds. Die Anspannung in der Halle war deutlich zu spüren und keiner wagte es auch nur ein Muskel zu bewegen. Schließlich stand Thranduil langsam von seinem Thron auf und schritt die Treppe herunter. Er fixierte den Herr von Bruchtal mit unveränderter Miene. Letzterer erwiderte den Blick und die Zwillinge fragten sich schon, ob nicht gleich ein Kampf zwischen dem König und ihrem Vater ausbrechen würde. Doch dann wurde plötzlich der Ausdruck in Thranduils Augen weicher und ein kaum wahrnehmbares Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
“Elrond, Elladan, Elrohir. Ich heiße Euch herzlich Willkommen in meinen Hallen. Als ich von Eurem unerwarteten Besuch erfuhr, empfand ich große Freude.”
Auch Elronds Haltung entspannte sich sichtlich und auch er lächelte nun seinen alten Freund an.
“Es freut mich, das zu hören. Ich hoffe unsere fehlende Ankündigung bereitet Euch nicht zu viele Umstände.”
Thranduil nickte Elrond zu und wandte sich dann an Aldon.
“Ihr habt Eure Aufgabe erfüllt. Widmet Euch nun wieder Euren normalen Tätigkeiten.”
Der Elb verneigte sich noch einmal tief vor seinem König und verließ dann den Thronsaal.
“Kommt mit in mein Hinterzimmer. Dort sind wir ungestört.”
Der Elbenkönig schritt voran und seine Gäste folgten ihm. Thranduils Hinterzimmer diente anscheinend auch zur Hälfte als Beratungszimmer. Am einen Ende stand ein großer Tisch mit einer ebenfalls großen Karte des Düsterwalds. Etliche Stellen waren auf dieser markiert worden, während Figuren sowohl auf dem Papier, als auch am Rand des Tisches platziert worden waren. Etliche Dokumente füllten den Schreibtisch nebendran und es schien, als würde der König dort ziemlich viel seiner Zeit verbringen. Die andere Hälfte des Raumes war dagegen mit zwei großen Sofas und Sesseln um einen niedrigen Holztisch herum ausgestattet. Hinter diesen führte eine Glastür auf einen Balkon heraus, die den Raum mit natürlichem Licht durchflutete. Als sich die Tür hinter den Elben schloss, kam Thranduil auf Elrond zu und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
“Es freut mich wirklich dich zu sehen.”
“Die Freude ist ganz meinerseits.”, lächelte Elrond. Der König nickte und deutete auf die Sitzmöglichkeiten.
“Nehmt Platz. Gleich sollte auch Tee für euch kommen.”
Elrond und seine Söhne taten wie ihnen geheißen und auch Thranduil ließ sich auf einem Sessel nieder.
“Nun, was verschafft mir die Ehre deines Besuches. Wie ich sehe hast du sogar deine Söhne mitgenommen. Wie geht es deiner Tochter?”
Der Elbenlord nickte lächelnd.
“Meiner Tochter geht es gut. Stur wie eh und je. Dasselbe gilt für meine Söhne, deswegen dachte ich, ich nehme sie mal wieder hier her mit. Junge Elben sind noch so gefüllt mit Abenteuerlust. Ich fürchtete, sie würden irgendwann noch von alleine den Weg hierhin antreten und so hab ich sie lieber begleitet.”
Elladan und Elrohir grinsten sich an, woraufhin Thranduil leise lachte.
“Natürlich. Sie wären vermutlich nicht im Geringsten begeistert gewesen, hättest du sie davon abgehalten, ihren Freund nach Jahrzehnten wiederzusehen.”
Jetzt stimmte auch Elrond in das Lachen mit ein.
“Wohl war. Wo wir gerade beim Thema sind, wie geht es denn deinem Sohn?”
Der blonde Elb seufzte leise.
“Nun, was soll ich sagen. Auch er ist noch jung. Nicht, dass ich es ihm verübel, dass er die Patrouillen draußen im Wald so liebt. Doch mittlerweile habe ich das Gefühl, er ist öfter unterwegs als hier in den Hallen.”
Elrond betrachtete seinen Freund verstehend.
“Dein Sohn war noch nie jemand, der lange an einem Ort verweilen konnte und schon gar nicht so lange von seinen geliebten Baumwipfeln getrennt.”
In diesem Moment klopfte es an der Tür.
“Herein.”
Sie öffnete sich und schließlich trat ein goldblonder Elb in das Zimmer.
“Ich hoffe, ich störe Euch nicht Vater. Wir sind auf ein Nest zu nahe an unserer Grenze gestoßen und haben die Spinnen beseitigt.”
Elrond betrachtete den Mann, der unbestreitbar die Schönheit seiner Eltern geerbt hatte. Währenddessen war der König aufgestanden und trat auf seinen Sohn zu. Seine Augen suchten besorgt nach irgendwelchen Spuren, die der Kampf hinterlassen haben könnten.
“Seid ihr auf irgendwelche Schwierigkeiten gestoßen?”
Der Elbenprinz schüttelte den Kopf.
“Wir haben die Spinnen ohne Probleme wieder zurückdrängen können. Es gab keine Toten und nur sehr wenige Verwundete. Die Verletzungen belaufen sich aber nicht mehr als auf ein paar Kratzer.”
Thranduil nickte zufrieden, nachdem er sich sicher war, dass sein Sohn nichts abbekommen hatte.
“Wechsel deine Kleidung und gesell dich dann zu uns.”
Legolas’ Blick fiel auf die Gäste seines Vaters und nickte dann schnell.
“Natürlich, Vater.”
Er lächelte die Zwillinge an und verließ schnellen Schrittes den Raum. Elrond seufzte leise.
“Ich wünschte, meine Söhne hätten das Talent nach einem Kampf noch genauso makellos auszusehen wie vor dem Kampf.”
Sein Freund sah ihn belustigt an.
“Legolas würde es nicht aushalten wegen einer Verletzung nicht mit nach draußen gehen zu dürfen. Deswegen vermeidet er es so gut wie es geht. Deine Söhne haben dagegen einen exzellenten Heiler als Vater.”
Mit einem Blick auf seine zustimmend nickenden Söhne antwortete er: “Das ist trotzdem kein Grund, um seinen Vater einen riesigen Schreck einzujagen, indem sie mit blutigen Gewändern nach Hause zurückkehren und vor Erschöpfung von ihren Pferden fallen.”
Die Brüdern rollten mit den Augen.
“Das war einmal.”, mischte sich Elrohir ein.
“Und nur Elrohir ist von seiner Ilmare gefallen. Ich bin ganz normal abgestiegen.”, fügte Elladan hinzu. Elrond bedachte sie mit einem ernsten Blick und wandte sich dann wieder dem König zu.
“Deinem Reich scheint es gut zu gehen.”
Thranduil runzelte die Stirn und sah zum Fenster hinaus.
“Es gab schlimmere Zeiten, es gab allerdings auch bessere. Die Schatten aus Dol Guldur greifen wieder um sich. Doch noch sind sie zu schwach, um eine Gefahr für uns darzustellen. Die Spinnen dagegen scheinen wieder Freude daran gefunden zu haben, sich wie Menschen zu vermehren und ihr Gebiet über unsere Grenze hinweg zu erweitern. Noch können wir sie aber in Schach halten.”
In diesem Moment klopfte es wieder und sowohl ein Diener, der vor den Elben aus Bruchtal jeweils eine Tasse Tee stellte und danach wieder verschwand, als auch Legolas betraten das Zimmer. Die Söhne Elronds ignorierte das Getränk und sprangen sofort auf, um ihren Freund endlich richtig zu begrüßen. Ihr Ritual war bei weitem nicht so würdevoll, wie das ihrer Väter. Sie sprangen schon fast in Legolas’ Arme, sodass dieser beinahe nach hinten gefallen wäre. Lachend umarmte er die Zwillinge, welche ihn ebenfalls breit angrinsten.
“Bist du gewachsen?”, fragte Elladan scherzhaft.
“Ich glaube, ich sehe schon ein paar Falten auf seiner Stirn.”, fügte sein kleiner Bruder hinzu. Offensichtlich war nichts dergleichen passiert, weshalb Legolas die beiden kopfschüttelnd ansah.
“Ich bin doch schon so groß wie ihr. Müsstet ihr euch nicht eigentlich wünschen, dass ich geschrumpft wäre? So überrage ich euch vielleicht am Ende sogar noch.”
Dass der Prinz eigentlich bereits, wenn auch kaum merklich, größer war, als die beiden Brüder, behielten die Väter in dem Moment lieber für sich.
“Erzählt, wie kommen wir zu der Ehre eures Besuches?”
Der Prinz ließ sich ebenfalls in einen Sessel nieder und sah die Zwillinge interessiert an.
“Warum wohl. Wir sind hier um dein langweiliges Leben ein bisschen aufzumischen.”
Legolas betrachtete die beiden amüsiert und richtete dann seinen Blick auf Elrond, der jedoch einfach nur mit den Schultern zuckte.
“Na dann. Wollt ihr mein Leben auf dem Übungsplatz ‘aufmischen’?”
Jetzt mischte sich allerdings der König in das Gespräch ein: “Legolas, die beiden haben gerade erst eine lange Reise hinter sich gebracht und auch du bist vor nicht einmal einer halben Stunde erst nach Hause zurückgekehrt. Wollt ihr euch nicht erst einmal etwas ausruhen?”
Die drei jungen Elben wechselten Blicke, bis die Zwillinge plötzlich gleichzeitig aufsprangen.
“Wir würden liebend gern mit auf den Übungsplatz.”, sprachen sie im Chor.
“Wir können schließlich nicht zulassen,...”
“...dass unsere Schwertkünste einrosten.”
Legolas sah seinen Vater bittend an, woraufhin dieser einfach nur tief seufzte. Mit einer Handbewegung entließ er die Freunde, welche daraufhin sich freudig aus dem Staub machten. Elronds Augen verfolgten sie amüsiert, bis die Tür ins Schloss fiel.
“Er hat deine Sturheit und den Charme seiner Mutter.”
Thranduil betrachtete seinen Freund lächelnd.
“Sieht so aus.”
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