Abschiedsparty Oneshot

OneshotSchmerz/Trost / P12
14.03.2020
14.03.2020
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Martha war wütend. Wütend auf ihre Freunde. Wütend auf die bescheuerten Sportler. Wütend auf die gesamte Situation mit der Zusammenlegung. Aber am allermeisten war sie wütend auf Kasimir. Und vielleicht auch auf sich selbst. Obwohl sie es nicht wahrhaben wollte schlich sich langsam das Gefühl ein, er könnte Recht gehabt haben. Und das gefiel ihr noch weniger. Ihr ganzes Leben lang hatte sie immer genau gewusst was richtig und falsch war. Und sie hatte für das Richtige immer 100 Prozent gegeben. Egal, was andere gesagt hatten. Zum ersten Mal war sie sich plötzlich nicht mehr sicher, ob es das Richtige gewesen war, auf ihre Intuition zu vertrauen.

Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Nele würde sie garantiert nicht fragen. Die war ja quasi auf Kasimirs Seite. Und laut ihr sah Martha ja eh in allen nur Verräter. Martha hatte etwas Abstand von der Partymeute genommen. Es war mittlerweile fast 12 und die Kleinen waren schon von Frau Schiller ins Bett gescheucht worden. In der kurzen Zeit, in der Frau Schiller aus der Sicht gewesen war, hatte Orkan schnell aus der Kinderbowle ziemlich hartes Zeug gemacht. Es gab schließlich einen Grund zu feiern. Martha hatte vorher noch nie Alkohol getrunken. Es hatte sie einfach nicht gereizt, die Kontrolle absichtlich zu verlieren. Doch als sie gesehen hatte, wie Kasimir nach dem Zeug gegriffen hatte, musste sie einfach mitziehen. Was der Idiot konnte, konnte sie schon lange! Vielleicht lag es auch am Alkohol, dass sie mit einem mal so bescheuert nachdenklich geworden war. Jetzt stand sie jedenfalls mit ihrer 3. Bowle in der Hand am Waldrand, nicht allzu weit vom Internat. Sie konnte die anderen zur Musik gröllen hören. Nele hatte nicht mal gemerkt, dass Martha abgehauen war. Seit Sarah nicht mehr da war, war es eh nicht mehr so wie vorher. Nichts war mehr wie vorher. Martha rief ihren Bruder an. Er war der einzige, mit dem sie über sowas reden konnte, ohne, dass ihr Image als taffe Rebellin verloren ging.
„Na Zwerg?“, begrüßte er sie. „So spät noch wach?“
„Wir feiern Olivias Abschied.“, erklärte sie ihm.
„Und da rufst du natürlich deinen großen Bruder an, nur, um ihm unter die Nase zu reiben, dass er nicht dabei sein kann.“
„Nein man! Die Party ist mir gerade scheißegal! Dank dir seh ich Olivia eh oft genug.“, sie nahm einen Schluck von der Bowle.
„Was ist los, Zwerg?“, er merkte, dass etwas nicht stimmte. Vor allem, weil sie ihn gar nicht dafür anschrie, dass er sie wieder "Zwerg" nannte.
„Ich hab mit Kasimir Schluss gemacht“, brachte sie heraus und nahm dann direkt einen weiteren Schluck Bowle.
„Oh...was hat er gemacht?“, Lennard klang, als plante er bereits einen Attentat gegen ihren Exfreund.
„Die Pokale an die Sporthirnis zurück gegeben. Und gesagt, dass ich kindisch bin und schwer zu ertragen. Und das ich übertreibe. Dabei übertreibe ich überhaupt nicht. Die Sportler haben Einstein geklaut Lenny! Und unsere Koffer. Die verarschen die Lehrer in einer Tour und kriegen immer Extrawürste nur, weil sie ein bisschen im Kreis rennen!“, zählte Martha auf. „Das können wir doch nicht einfach so mit uns machen lassen!“, sie trank noch einen Schluck von der Bowle. Ihr Becher war schon fast leer. Irgendwie mochte Martha diese brennende Wärme, die bei jedem Schluck durch ihren Körper fuhr.
„Naja, Nele und Kasimir ist es anscheinend egal, dass die Sportler unser Logo geklaut haben. Also musste ich mit Jona und Herrmann die Pokale klauen. Kasimir war dann total sauer und hat die Pokale aus meinem Zimmer genommen und den Idioten wieder gegeben. Aber unser Logo haben wir trotzdem nicht.“, berichtete sie weiter.
„Also bist du sauer, weil Kasimir den Sportlern die Pokale, die du geklaut hast, wiedergegeben hat?“, hakte Lennard nach.
„Ja verdammt! Er ist mir in den Rücken gefallen! Das war unsere einzige Chance, das Logo wiederzukriegen!“
„Und er hat die Pokale zurückgegeben, weil er diese Kriegereien kindisch findet?“
„Ja. Und weil er mit einem dieser Idioten jetzt plötzlich befreundet ist.“, sie exte ihr Getränk. „Ich versteh ihn einfach nicht. In einem Moment will er mit mir unterm Sternenhimmel liegen und findet es total toll, dass ich das heimlich organisiert habe und will unbedingt mit mir schlafen, weil ich für ihn das tollste Mädchen der Welt bin und im nächsten bin ich einfach nur kindisch und schwer zu ertragen!“
„Ihr hattet Sex?“, ihr Bruder konnte es nicht fassen.
„Das ist doch jetzt völlig egal Lenny! Ich frag ja auch nicht, ob du und Olivia...Liebe macht.“, Martha war das Thema unangenehm. Und sie konnte gar nicht glauben, dass sie das ihrem Bruder gerade wirklich erzählt hatte. Das lag definitiv am Alkohol. Lennard musste über ihre Verklemmtheit lachen.
„Das ist nicht witzig Lenny! Was soll ich denn jetzt machen?“
„Versuch mit ihm zu reden. Sag ihm, dass du dir unsicher bist, was seine Gefühle zu dir angeht. Und mach ihm vielleicht auch klar, dass du nicht möchtest, dass dieser Schulstreit zwischen euch steht.“
„Aber er steht zwischen uns. Das ist ja das Problem! Ihm ist scheißegal, dass die unser Logo geklaut haben.“
„Und warum ist es dir so wichtig?“
„Das hast du gerade nicht wirklich gefragt! Man das ist unser Schullogo! Unser Internat ist weg. Wir müssen bei den Sportfuzis wohnen. Ich bin auf einem Zimmer mit zwei rosa Ballerinas. Naja jetzt ja nur noch einer. Und jetzt sieht auch unsere Schule nicht mehr aus, wie das Einstein. Nele und Kasimir sind total dicke mit den Sportlern, genau wie Pawel und Pit! Seit das Logo weg ist, ist auch das Einstein einfach weg!“, Martha kamen die Tränen. Wenn sie jetzt jemand sehen oder hören würde, würde sie vor Scham im Boden versinken.
„Hey, Zwerg. Gar nichts ist weg. Es hat sich nur ein bisschen was verändert. Deine Freunde sind immer noch deine Freunde. Das sind immer noch Einsteiner. Ich weiß, du hasst Veränderungen, aber denk mal ein paar Jahre zurück. Als klar war, dass Henk und Finn das Einstein verlassen dachtest du doch auch, dass du nie wieder so tolle Freunde findest. Und dann hast du dich doch mit Sarah und Nele angefreundet. Veränderungen gehören nun mal dazu. Du kannst die Zusammenlegung nicht rückgängig machen. Genausowenig kannst du deine Freunde davon abhalten sich mit den Sportlern anzufreunden.“
„Also war alles kindisch und bescheuert, was ich gemacht hab?“
„Das war typisch Martha.“
„Ja aber anscheinend ist typisch Martha bescheuert. Sonst wären Nele und Kasimir ja nicht gegen alles, was ich sage oder tue!“
„Nur, weil die beiden deine Meinung mal nicht teilen sind sie bestimmt nicht gegen alles, was du machst. Woher kommt diese Unsicherheit denn plötzlich? Eine Martha die nicht weiter weiß. Das ich das noch erlebe.“
„Dich ruf ich bestimmt nicht mehr an, wenn ich einen Rat brauche!“
„Okay, sorry Martha-“, doch da hatte Martha schon wütend aufgelegt. Sie würde sich noch eine Bowle holen. Aber vorher noch schnell die bescheuerten Tränen wegwischen.
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