The Old Crowd

von Eeylop
GeschichteDrama, Romanze / P18
Hermine Granger Kreacher Regulus Arcturus Black Sirius "Tatze" Black
13.03.2020
29.03.2020
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„Wie sollte sie nach dieser ganzen Zeitreise-Aktion jemals wieder zu sich selbst finden?“

Unterschlupf des Ordens, London, Vereinigtes Königreich, 28. Juni 1978

Erst in der Nacht vom siebenundzwanzigsten auf den achtundzwanzigsten Juni trafen sie im Unterschlupf des Ordens ein. Sie hatte lange überlegt, ob die Kapazitäten für alle sieben Schüler ausreichten oder ob man sie aufteilen sollte, doch weder wollten Hermine und Sirius voneinander oder von den Anderen getrennt werden. Auch James, Lily und Remus sprachen sich vehement gegen eine Aufteilung auf. Und für Diskussionen hatte Hermine keine Kraft mehr.

So war es also schon sehr spät und dementsprechend waren die Anwesenden im Unterschlupf auch sehr besorgt gewesen. Als sie zur Tür reinkamen, rannten sechs kleine Füße Schneisen in den Teppich der Diele, als die Bones-Kinder ihren Vater wiedersahen. Auch ihre Mutter, Irma Bones, wirkte unheimlich erleichtert, als sie ihren Mann wieder in die Arme schloss. Edgar wirkte, als sei er um zehn Jahre gealtert. Auch Elphias, der ja sogar wirklich ziemlich alt war, wirkte nur noch erschöpfter. Die Anspannung hatte sie alle zerfressen. Solche Missionen, vor allem, wenn sie so furchtbar schiefgingen, überforderten sie doch alle ziemlich. Dagegen war kein Ordensmitglied gewappnet. Sie hätten an diesem Tag auch alle sterben können. Oder Schlimmeres.

Kaum waren sie in den sicheren Mauern des Unterschlupfes angekommen, strömten von allen Seiten schon Menschen auf sie zu. James‘ und Marlenes‘ Eltern waren sofort angereist, als man sie über die Problematik der Überreise informiert hatte. Hermine beobachtete, wie James Eltern nicht nur ihren Sohn und auch Lily, sondern auch Sirius fest in die Arme schlossen. Mrs. Potter verdrückte sogar einige Tränen und schimpfte leicht mit den beiden Jungen, als die betont locker ein paar lustige Anmerkungen dazu machten. Lily ging anschließend direkt zu Hermine und machte damit auch James‘ Eltern auf die junge Frau aufmerksam. Mrs. Potter kam zu den beiden hinüber und bedachte Hermine mit einem langen, dankbaren Blick. „Du hast sie gerettet. Wir danken dir von ganzem Herzen dafür“, sprach sie mit einem liebevollen Lächeln auf den Lippen und schloss auch Hermine in eine Umarmung. „Wer weiß, was ohne dich passiert wäre.“

„Sie war fabelhaft“, erklärte Sirius, der sich wieder zurück zu Hermine gesellte. „Einfach Weltklasse.“ Er griff nach ihrer Hand und Mrs. Potter zog überrascht die Augenbrauen in die Höhe, als sie die Innigkeit in dieser Berührung bemerkte. Sie warf ihrem Mann einen Blick frei nach dem Motto „Na schau mal, was wir scheinbar verpasst haben!“ zu.

Hermine war viel zu erschöpft, um über die Merkwürdigkeit dieses Aufeinandertreffens nachzudenken. Sie lehnte sich gegen Sirius und ließ ihren Kopf an seine Schulter sinken. Ihr war nun wirklich egal, was als nächstes passierte. Die Hauptsache war, dass sie alle in Sicherheit waren. Sie hatten niemanden verloren, niemanden zurücklassen müssen. So aussichtslos die Situation anfangs auch gewesen war, sie waren alle beieinander.

„Ich bringe sie nach oben“, hörte sie Sirius irgendwann nur noch sagen. Sie öffnete die Augen einen spaltbreit und ließ sich von dem Gryffindor auf die Beine ziehen. Ehemaliger Gryffindor, sagte sie sich, halb am Schlafen. Sie bekam gerade noch so mit, wie jemand Sirius den Weg in die Schlafgemächer beschrieb und ihm die Zimmernummer ihres Zimmers nannte. Wie sie es jedoch nach oben geschafft hatten, war ihr später nicht mehr eingefallen. Sie merkte nur noch, dass sie irgendwann auf weichen Matratzen lag und Sirius sie zudeckte, unschlüssig, ob er bleiben durfte. Duldete sie ihn? War sie froh, dass er bei ihr war? Fühlte sie dasselbe wie er, dieses unbändige Verlangen nach ihrer Nähe? All diese Fragen konnte sie nur an seinem Gesichtsausdruck erkennen. Sie streckte die Hand nach ihm aus. Was auch immer sie verband, nun oder in ihrer Zeitlinie, es wurde gefühlt ständig mächtiger.

„Bleib“, murmelte sie mit einem Lächeln auf den Lippen und rückte im Bett ein Stück beiseite. „Bitte bleib.“

~*~*~


Erleichtert kroch er zu ihr unter die Decke, spürte die Wärme ihres Körpers und das Kribbeln ihrer Berührung, als sie sich an ihn kuschelte und ihren Arm über seine Brust legte. Sie rochen beide nach Rauch und Staub, nach Verwüstung, doch das war ihm egal. Darum könnten sie sich auch noch kümmern, sobald sie mal ausgeschlafen waren. Er drehte seinen Kopf zu Hermine und bemerkte, dass sie bereits eingeschlafen war. Vorsichtig drehte er sich nun komplett zu ihr und legte beschützend seine Arme um ihren Oberkörper. Nichts Anderes erreichte ihn mehr. Seinetwegen könnte das Haus einstürzen oder Trolle das Zimmer verwüsten, es war ihm alles egal. Er konnte nicht einmal mehr darüber nachdenken, was alles an diesem Tag geschehen war, als ihm bereits die Augen zufielen und auch er dankbar in einen langen Schlaf glitt.

~*~*~


Der nächste Morgen kam schnell und damit auch das Ende ihrer Schonfrist. Als Hermine erwachte, war sie alleine. Nur das verknitterte, zweite Kissen und die Erinnerung an ganz viel Wärme verrieten ihr noch, dass sie nicht alleine in dem Bett geschlafen hatte. Noch etwas verblüfft blieb sie einige Minuten liegen, machte sich klar, dass sie nicht nur davon geträumt hatte, dass Sirius bei ihr gewesen war.

Sie stutzte, als sie das lange nicht mehr verspürte Flattern in ihrer Magengrube registrierte. Doch nicht nur die positiven Gefühle ergriffen sie in diesem Moment, nein. Plötzlich wurden sie alle überschattet von wahnsinnig erdrückenden Gefühlen. Absolute Verwirrung und Unverständnis. Angst. Sie war zum ersten Mal seit Jahren annähernd glücklich. Gefangen im Jahr 1978, ein Jahr vor ihrer eigenen Geburt. Umgeben von Leuten, die sie gar nicht persönlich kennen sollte. Sie hatte Gefühle der Freundschaft für Menschen, die in ihrer Zeitlinie schon lange tot waren. Sie hatte Gefühle für einen Mann, der vor mehr als eineinhalb Jahren gestorben war. Es war schon unheimlich schwierig, darüber nachzudenken, dass einige ihrer neuen Freunde nicht älter als einundzwanzig werden würden. Aber dass der Mann, für den sie so starke Gefühle hegte, irgendwann so grausam aus dem Leben gerissen werden würde…

Sie stemmte sich im Bett hoch und konnte das Gewicht der Decke, unter der sie in der Nacht gekuschelt hatten, nicht mehr ertragen. Beinahe schon wütend über die ganze Situation schlug sie die Decke über ihre Beine und zog diese an sich heran. Das war doch alles zum Verrücktwerden.

Und es gab noch eine Sache, die sie noch mehr verunsicherte. Dass sie Gefühle für den Rumtreiber entwickelt hatte, war ja irgendwie offensichtlich gewesen. Immerhin hatte sie sich schon in ihrer Zeitlinie in ihn verguckt, da war es nur natürlich, dass ihre Gefühle wiederaufkamen, jetzt, wo sie ihn in seiner Jugend erlebte. Sie hatte ihn geliebt, sie hatte ihn in den wenigen Momenten vor seinem Tod, die sie heimlich geteilt hatten, wirklich zu lieben gelernt.

Aber wieso… wieso fühlte er im Moment scheinbar ebenso für sie? Wieso konnte er seinen Blick kaum von ihr lassen, was mittlerweile sogar ihren Freunden auffiel und alle gleichermaßen ein wenig irritierte? Sirius, der in ihrer Schulzeit sonst nie eine lockere Verabredung hatte bleiben lassen, wie sie einmal von Lily erfahren hatte, der aber immer von sich behauptet hatte, dass er seinen Freiraum brauchte, dass er keine Zeit für eine feste Beziehung hatte so wie James und Lily… er war wie ausgewechselt, sobald es um Hermine ging. Dass Hermine ihm nicht aus dem Weg gehen konnte und wollte, war klar. Immerhin trug sie die ganzen liebevollen Erinnerungen, die sie miteinander geteilt hatten, in sich. Aber er? Er kannte sie doch gar nicht. Er würde erst in über einem Dutzend Jahren eine Art von Gefühlen für sie entwickeln. Hermine glaubte ebenso nicht an die Liebe auf den ersten Blick, von der so viele Romane und Filme erzählten. Wieso schien es ihr also, als hätte auch Sirius sich längst in ihr verloren? Als würden sie sich ihr ganzes Leben lang bereits kennen?

Sie dachte an Dumbledores beinahe missbilligenden Ausdruck in seinen Augen, mit dem er sie bedacht hatte, als er von dem innigen Umgang zwischen Hermine und dem Rumtreiber erfahren hatte. Selbst Dumbledore, der größte Verfechter der ewigen, tiefen Liebe. Vielleicht wäre es schon für manche schon nicht akzeptierbar gewesen, dass sie sich als fast volljährige Schülerin in einen mehr als doppelt so alten Mann verliebt hatte. Deshalb hatten sie es ja auch niemandem erzählt. Wie musste es dann also rüberkommen, dass sie sich während einer unglaublichen Zeitreise während einer weiteren Zeitreise auf den Rumtreiber einließ? Wenn man das überhaupt so nennen konnte, immerhin hatten sie sich nur ein paar Mal geküsst und umarmt. Und einander das Leben gerettet, wenn man es genau nahm.

Ja, nur ein paar Küsse und Umarmungen. Nicht anders als in ihrer Zeitlinie. Nur gerade so viel Gefühl, dass es ihr absolut das Herz zerrissen hatte, als er ermordet worden war. Gerade so viel, dass sie danach nie wieder so etwas für einen Mann empfunden hatte, selbst Jahre später, selbst als Ron und sie sich etwas nähergekommen waren. So viel, dass sie immer noch Albträume von dem Kampf in der Mysteriumsabteilung hatte und seither nicht mehr richtig sie selbst war.

Verflucht. Sie konnte nicht leugnen, was sie für den Rumtreiber empfand. Weder jetzt, noch in ihrer Zeitlinie. Sie konnte nicht leugnen, dass sie seit Jahren nicht mehr so gut und vor allem traumlos geschlafen hatte, wie in dieser Nacht neben ihm. Sie konnte nicht abstreiten, dass sich in ihr ein riesiges Loch aufgetan hatte, als sie Hogwarts hatte verlassen müssen, ohne ihm Bescheid sagen zu können. Und dass sie seither in den vergangenen Wochen jeden Tag oft an ihn gedacht hatte und auf ein Wiedersehen gehofft hatte.

Dass sie eine Todesangst um ihn verspürt hatte, als er den Cruciatus, der für sie bestimmt war, von ihr genommen und auf sich selbst gezogen hatte.

Wie sollte sie nach dieser ganzen Zeitreise-Aktion jemals wieder zu sich selbst finden?

Sie wusch sich ausgiebig im angrenzenden Badezimmer und schrubbte den ganzen Staub und Dreck von ihren Gliedern. Sie würde auch unbedingt ihr Bett frisch beziehen müssen. Alles roch immer noch streng nach dem Kampf in der Kirche, nach Trümmern und Blut. Sie hatte sich einige Kratzer zugezogen und ihr Rücken schmerzte sehr, dort, wo sie der unverzeihliche Fluch direkt getroffen hatte. Wenn sie sich vornüberbeugte, bildete sie sich ein, den Schmerz während der Folter nachempfinden zu können. Abgeschwächt, ja, aber die Erinnerung war immer noch da. Sie hatte erst einmal einen solchen Fluch aushalten müssen, vor nicht allzu langer Zeit im Malfoy Manor. Sie erinnerte sich noch lebhaft daran, wie sie auf dem kalten Marmorboden gelegen hatte, während Bellatrix Lestrange ihr den Arm aufgeschlitzt und sie anschließend mit dem Cruciatus gefoltert hatte, bis ihre Stimme versagte. Dass sie diese Qualen noch einmal hatte erleben müssen, machte die Erinnerung nicht unbedingt weniger schädlich für ihren Geist. Sie fühlte sich so gerädert wie schon lange nicht mehr.

Nach der Dusche trocknete sie sich gründlich ab und ließ sich auch hier besonders viel Zeit. Alles war irgendwie verlangsamt. Wie sie in ihre Kleidung schlüpfte, wie sie das nasse Haar mithilfe eines Zaubers trocknete und in einen Zopf zwängte. Wie sie sich das Gesicht wusch, dreimal, viermal, um all die Bilder irgendwie loszuwerden. Wie sie sich am Waschbecken festhalten musste, als sie über sie hereinbrachen. Nur Tränen kamen keine. Sie hatte einen dicken Kloß in der Kehle, ja, aber Tränen kamen keine.

„Keine Milde“, sagte sie zu ihrem eigenen Spiegelbild. „Die Schonfrist ist vorbei, Hermine.“

In wenigen Minuten würde sie den Anderen Rede und Antwort stehen müssen, insofern Sirius das nicht bereits getan und dem Orden von dem Geschehen in der Kirche berichtet hatte. Und dann musste sie sich wirklich einmal richtig Gedanken darübermachen, wie sie weiter vorgehen sollte. Sie wusste nun, dass die Todesser irgendwie von der Prophezeiung um sie erfahren haben mussten und auf der Jagd nach ihr waren. Wie auch immer das hatte geschehen können. Ob es ein Leck in den Reihen des Ordens gab? Ob jemand, der ebenfalls von der Prophezeiung wusste oder nur Bruchteile dessen gehört hatte, die Information weitergegeben hatte? Oder hatte ihr seltsames Auftauchen in Hogwarts gereicht, um Rosier und seine Todesserfreunde zu alarmieren? Und was war mit Regulus? Sie konnte den jungen Todesser nicht richtig einschätzen.

Zwischen ihrem Erwachen und dem Verlassen des Zimmers war beinahe eine ganze Stunde vergangen. Ein Blick auf die Uhr, die neben ihrer Zimmertür hing, verriet ihr, dass es mittlerweile elf Uhr morgens war. So lange hatte sie noch nie schlafen können, seit sie im Unterschlupf lebte. Der Schutzwall, den sie am Vortag in der Kirche beschworen hatte, hatte ihr scheinbar wirklich den Großteil ihrer Kräfte geraubt. Aber wenn sie so darüber nachdachte, dann konnte sie das sogar verstehen. Noch nie hatte sie einen derart mächtigen Zauber gesprochen. Selbstverständlich hatte sie schon oft den Protego-Zauber gewirkt, aber gestern war irgendetwas passiert, das alle Grenzen der Möglichkeit gesprengt hatte. Ihr Verteidigungs-Schild war in einem verheerenden Angriffszauber übergegangen. Von so etwas hatte sie noch nie gehört. Ob es an dem Elderstab lag? War das die beinahe unkontrollierbare Macht des Zauberstabes, vor der so viele bereits gewarnt hatten?

Auf dem Weg nach unten kamen ihr Taylor und Griffin Bones entgegen, die ihr erzählten, dass die Erwachsenen bereits auf sie warteten. Also stand wie vermutet eine Versammlung an. Hermine suchte die Ordensmitglieder zunächst in der Küche des Hauses auf, doch dann wurde ihr klar, dass die Küche viel zu klein sein musste falls ihre Freunde auch an der Versammlung teilhaben durften. Wie vermutet war dort auch niemand. Hermine ging weiter zum Wohnzimmer und hörte bereits aufgeregtes Stimmengewirr, als ihre Finger den Türgriff umschlangen.

Direkt in ihrem Blickfeld, auf einem der größeren Sofas, saßen Edgar Bones, seine Frau Irma und eine braunhaarige Frau, die eine gewisse Ähnlichkeit zu Ed aufzeigte. Sie war kein Ordensmitglied, aber Hermine auch nicht ganz unbekannt. Die drei diskutierten angeregt und Irma schüttelte dabei immer wieder stur den Kopf. Der älteste Sohn von Irma und Ed war nicht anwesend, er musste sich also auch irgendwo im Haus herumtreiben. Dafür saßen auf dem Zweiersofa neben den dreien James‘ Mutter und eine Frau, die Hermine am Vortag als die Mutter von Marlene McKinnon identifiziert hatte. Mr. Potter und Mr. McKinnon standen gemeinsam mit Elphias Doge hinter den beiden und unterhielten sich leise miteinander. An einem größeren Tisch, den sie wohl extra für diese Versammlung in den Raum gestellt hatten, saßen die Prewett-Brüder, Emma, Sturge und Benjy auf der einen Bank. Auf der anderen sah Hermine James, Lily, Remus, Peter und Marlene. Dorcas hatte sich einen Stuhl herangezogen und kritzelte auf einem Pergament herum. Merula und Faris Jones, Hestia’s Eltern, standen gemeinsam mit ihrer Tochter neben dem Tisch und besprachen scheinbar eine weitere Mission, denn Hestia zeigte die ganze Zeit auf eine magische Leinwand, die man an einem der Regale aufgespannt hatte und Merula wirkte unheimlich wütend und sagte die ganze Zeit: „Nein, Hestia. Nicht nach so einem Vorfall!“

Zwei fehlten. Wo waren Moody und Sirius?

Die Frau, die bei Edgar und Irma gesessen hatte, sprang auf als sie Hermine erblickte und kam schnellen Schrittes zu ihr hinüber. Sie streckte ihr die Hand entgegen und stellte sich vor. „Hallo Hermine, ich bin Amelia. Amelia Bones.“  

Jetzt wusste Hermine auch, woher sie die Frau kannte. In ihrer Zeitlinie war sie die Leiterin der Abteilung für magische Strafverfolgung im britischen Zaubereiministerium, eine faire und gerechte Hexe. Ob sie diese Position bereits innehatte? Sie war außerdem die Tante von Susan Bones. Und sie würde im Jahr 1996 brutal von Voldemort selbst oder seinen Gehilfen ermordet werden, dachte Hermine, als sie ihr die Hand schüttelte. Es war grausam, das Schicksal so vieler Menschen zu kennen und irgendwie nichts dagegen tun zu können. Was hatte sie Schlimmes angestellt, dass man ihr so eine Bürde auflastete?

Sie unterhielt sich einige Minuten mit Amelia, die ihr von einer Mission erzählte, für die sie Hermine rekrutieren wollte. Das Zaubereiministerium plante gemeinsam mit dem Orden eine Strafverfolgung für alle Zauberer und Hexen, die einen der unverzeihlichen Flüche anwendeten. Sie arbeiteten gerade an einem Erkennungszauber, der ihnen damit die Suche nach bösartigen Magiern erleichtern sollte. Amelia, die scheinbar von Hermines magischem Talent gehört hatte, wollte, dass sie bei der Entwicklung des Zaubers mitwirkte. Es klang nach einer Herausforderung und es klang logisch, fand Hermine und beschloss, schon mal in den Büchern, die sie im Unterschlupf gefunden hatte, nach eventuellen Lösungen für ihr Problem zu suchen, sobald die Versammlung beendet war.

Amelia bedankte sich bei ihr für die Mithilfe und Hermine ging hinüber zu dem Tisch, an dem ihre ganzen Freunde saßen. Sie waren alle relativ ruhig, selbst Marlene, die sonst eigentlich immer irgendetwas erzählte oder sich über jemanden erzürnte. Lily rutschte auf der Bank zur Seite und machte Hermine damit Platz. Als die junge Hexe sich zu ihnen setzte, tippte Lily sie an und sagte: „Noch mal vielen Dank, dass du James und die anderen da rausgeholt hast. Wir alle schulden dir etwas, Hermine.“

Hermine winkte ab. „Ich würde es immer wieder tun. Und ihr auch, das weiß ich.“ Sie blickte sich suchend um. „Habt ihr Sirius gesehen?“

„Er ist scheinbar mit Alastor Moody vor einer Stunde raus“, erklärte James und wirkte ein wenig gnietschig. „Wir waren da noch gar nicht wach. Aber Alastor Moody! Der berühmteste Auror aller Zeiten! Er hat in den letzten Jahren schon so viele bösartige Zauberer und Hexen nach Askaban gebracht, dass man sie kaum noch zählen kann!“

Hermine konnte sich bereits denken, warum Moody den jungen Rumtreiber beiseite genommen hatte. Es war offensichtlich, was nun geschehen würde. Die ehemaligen Gryffindors hatten ihren Abschluss in der Tasche. Man hatte die Prüfungen um eine Woche vorgezogen, sodass die Schüler das Schloss zu einer Zeit verlassen konnten, zu der man einen Angriff durch die Todesser nicht vermutete. Dass sie doch irgendwie davon Wind gekriegt hatten, sprach nicht unbedingt dafür, dass die Pläne und Geheimnisse des Ordens sicher waren. Immer mehr bekam Hermine das Gefühl, als hätten sie einen Verräter in ihren Reihen. ‚Ob es bereits Peter war?‘, fragte Hermine sich und beäugte den Rumtreiber kritisch. Er war sehr blass und starrte die ganze Zeit nur unsicher von James zu Remus. Er wirkte so verloren innerhalb dieser großen Gruppe, dass Hermine sich kaum vorstellen könnte, dass er schon in Voldemorts Fängen war. Aber sie beschloss, den Jungen in den nächsten Wochen und Monaten zu beobachten. Sie würde schon herausfinden, wann er zur anderen Seite hinüberwechselte.

~*~*~


Nach etwa einer Stunde, die sie nun bei ihren Freunden saß, war Sirius immer noch nicht aufgetaucht. Hermine wurde langsam nervös und hibbelig.

Auch die Anderen fragten sich, wohin Moody und Sirius verschwunden waren. Außerdem hieß es, dass Dumbledore sich auch noch irgendwann zu ihnen gesellen würde. Doch als nach der ganzen Warterei immer noch niemand gekommen war, spürte Hermine eine quälende Unruhe in sich aufsteigen. Als dann auch noch Elphias Doge zu ihnen trat und Peter, Remus, Marlene, James und Lily bat, mit ihm zu kommen, platzte Hermine beinahe der Kragen. Was war hier los? Dorcas und Hestia kamen hinüber zu Hermine, die nun alleine auf der Bank saß und blickten sie fragend an. Sogar Mr. und Mrs. Potter, sowie Marlenes Eltern sollten Elphias nach draußen begleiten. Als Hermine ihnen folgen wollte, hielt Edgar Bones sie zurück.

„Was ist denn hier los?“, fragte Hermine unsicher und deutete auf die Tür. „Wohin gehen sie alle?“

„Hermine, setz dich“, sagte Fabian Prewett und stellte sich ebenfalls zwischen sie und die Tür. Auch Dorcas und Hestia wurden angewiesen, sich auf das große Sofa zu setzen. Hermine fühlte sich bevormundet und beinahe… bewacht. Fabian und Gideon standen zu ihrer Rechten und Linken, als wären sie dafür da, Hermine zurückzuhalten, wenn…

„Ihr trennt die Gruppe“, flüsterte sie und blickte Elphias, Fabian und Gideon nacheinander an. „Ihr bringt sie woanders hin!“

„Es ist zu ihrem Besten“, bestätigte Elphias ihre Vermutung. „Hier können wir nicht dafür garantieren, dass eine so große Gruppe in Sicherheit leben kann.“

Es klang vernünftig, ja. Aber Hermine vermutete, dass es hier nicht nur um die Sicherheit der Ordensmitglieder ging. Was für ein Zufall war es, dass man nicht nur Lily, James und ihre Freunde wegbrachte, zumindest bis auf Dorcas und Hestia, sondern auch ausgerechnet Sirius? Sie konnte sich nicht vorstellen, dass Sirius einfach ohne Diskussionen gegangen war. War Moody deshalb bereits mit ihm vorgegangen?

Niemand wollte Hermine oder den anderen verraten, in welchen Unterschlupf man die Anderen bringen würde.

„Es geht also um die Sicherheit der Ordensmitglieder?“, fragte selbst Hestia nach einer Zeit, ebenso ungläubig wie Hermine. „Und deshalb sagt ihr uns nicht einmal, wohin sie gebracht werden?“ Sie warf die Arme in die Luft, als wollte sie sagen: ‚Was soll denn das alles?‘

Fabian und Gideon hatten sich mittlerweile gesetzt. „Wir wissen es auch nicht. Das hier passiert alles auf Dumbledores Anweisung.“ Dumbledore… natürlich.

„Er versucht, uns zu trennen“, murmelte Hermine leise und fühlte sich wie betäubt. Warum tat Dumbledore das? Ungeachtet der verwirrten Blicke von Hestia und Dorcas stand Hermine auf und ging hinüber zu einem der Fenster, aus dem sie hinaus auf die Hauptstraße blicken konnte. Sie setzte sich auf die Fensterbank und lehnte ihre erhitzte Stirn gegen die kühlende Scheibe. Das machte die ganze Situation nur noch schwieriger für sie. Sie brauchte doch endlich eine Idee, einen Plan. Und wenn die Zeitreise wirklich prophezeit war… was, wenn sie eine wichtige Rolle im Überleben ihrer Freunde spielte? Was, wenn Lily und James etwas passierte, noch bevor Harry das Licht der Welt erblicken konnte? Immerhin waren sie gerade erst angegriffen worden und Hermine fragte sich bekümmert, ob sie es auch aus der Kirche hinausgeschafft hätten, wenn sie nicht gewesen wäre.

Darüber hinaus fühlte sie in sich auch einfach eine Sehnsucht nach Sirius, die sie nicht mehr wirklich unterdrücken konnte. Sie sollte vielleicht nicht bei ihm sein, aber gleichzeitig wollte sie es aus tiefstem Herzen. Sie brauchte seine Nähe. Sie musste wissen, dass er lebte, dass es ihm gut ging.

Jetzt von den Anderen getrennt zu werden –und vor allem von Sirius–, fühlte sich an, als würde man ihr das Herz herausreißen. Sie hatte sie doch gerade erst wiedergefunden…
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