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Hamsterkäufe

von Redlum
GeschichteHumor / P12
12.03.2020
08.05.2020
7
5.571
18
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12.03.2020 1.085
 
Hamsterkäufe. Sie sind in aller Munde. Jeder der überleben will tätigt sie momentan und ich frage mich die ganze Zeit: Wieso? Wenn die Nahrung ausgeht, sagt man, wenn man nicht verhungern will, heißt es. Eins ist klar – verhungern will ich auch nicht, also habe ich mich jetzt doch auch mal zu so einem Hamsterkauf durchgerungen. Von diesem und seinen Folgen will ich nun berichten.

Zunächst einmal musste ich überrascht feststellen, dass die Regale gar nicht so leer waren, wie überall geschrieben wurde. So hatte ich also die Qual der Wahl, aber Manfred, der nette Verkäufer in der Tierhandlung, war recht zuvorkommend bei der Beratung und so konnte ich mich recht schnell für ein schwarz-weißes Exemplar namens Hugo entscheiden.

So ganz war mir noch nicht klar, wie man von einem Hamster im Fall der Fälle satt werden konnte. War ja nicht viel dran an dem kleinen Kerl. Wären da Schweine-, Elefanten- oder am besten noch Blauwalkäufe nicht die bessere Wahl? Gut, zugegeben, so ein Blauwal passt nicht unbedingt in den Garten, geschweige denn in die Tiefkühltruhe. Wobei ich mir sowieso die Frage stellte, ob ich Hugo gleich in die Tiefkühltruhe stecken oder erstmal mästen sollte bis Not am Mann ist. Als was isst man Hamster überhaupt? Gibt es da spezielle Rezepte? Hamsterkuchen? Hamsterauflauf? Hamsterdöner? Ich verlor mich etwas in den Weiten des Internet, denn Hamsterrezepte waren gar nicht so leicht zu finden und mussten meist erst umständlich aus dem chinesischen mit Hilfe des Google-Übersetzers übersetzt werden. Wieso zur Hölle waren Hamsterkäufe nur dermaßen beliebt? Eine fachkundige Antwort darauf fand ich auch in einem zufällig gefundenen Hamsterforum nicht. Dort stieß meine Frage nach guten Hamsterrezepten sogar auf ziemliche Irritation und Anfeindungen seitens der dortigen Community.

Lange konnte ich mich allerdings nicht mit dieser beschäftigen, da mich just in diesem Moment Ursel ablenkte. Ursel ist meine Katze und scheinbar hatte sie, als ich noch dabei war nach guten Hamsterzubereitungsmöglichkeiten zu googeln schon mal Nägel mit Köpfchen gemacht, denn ein halbes Hugohinterteil ragte aus ihrer Schnauze, während sie eine blutige Spur hinter sich verteilte. Ob dass das Geheimnis war? Seine Haustiere mit Hamstern füttern und im Notfall die Haustiere schlachten? Wäre auf jeden Fall mehr dran als an den kleinen Fellknäulen …

Ich wollte mich gerade daran machen, Katzenrezepte aus dem chinesischen zu übersetzen und mich in einem Katzenforum zu registrieren, als ich den Geistesblitz hatte: Zucht! Bestimmt züchteten die Leute ihre Hamster. Denn – die waren zwar wirklich klein, aber wenn man wirklich viele davon hatte, konnte man bestimmt trotzdem lange ziemlich satt von ihnen werden.

Manfred war recht erstaunt, als ich eine halbe Stunde später schon wieder bei ihm im Laden stand und mich dieses Mal nach zwei Hamstern unterschiedlichen Geschlechts erkundigte. Zunächst wollte er mir keinen weiteren verkaufen, als ich auf seine Nachfrage, wie es denn mit Hugo liefe, wahrheitsgemäß von dem kulinarischen Zwischenfall mit meiner Katze berichtet hatte, aber nach einigem hin und her und dem Versprechen Ursel zukünftig von Hamstern fernzuhalten verkaufte er mir schließlich doch noch zwei Exemplare: Amy und Hörnchen.

Dass mit dem Fernhalten lief recht einfach, da ich Amy und Hörnchen einfach auf Ursels Kratzbaum einquartierte. Ursel geht da Tag und Nacht nicht rauf, da sie sich lieber im Kratzbaumkarton eingenistet hat, in dem dieser geliefert wurde und Amy und Hörnchen kamen nicht ohne weiteres herunter. Da ich mich jetzt aber dazu entschieden hatte, die Hamster definitiv zu züchten und damit vorerst am Leben zu lassen stellte sich mir ein weiteres Problem: Ich musste sie irgendwie versorgen und mir stellte sich die Frage: Was fressen Hamster?

Im Supermarkt meines Vertrauens fand ich neben Hunde- und Katzenfutter leider kein Hamsterfutter. Scheinbar hatten die Leute das alle schon weggekauft. Anscheinend fressen Hamster auch gerne Reis, Nudeln und Klopapier, wie ich bei meiner Suche nach Hamsternahrung feststellen musste, denn scheinbar waren die Tausende, wie aus dem Nichts erschienenen, Hamsterzüchter inzwischen auf diese Produkte zur Ernährung ihrer Vierbeiner ausgewichen, denn auch diese Regale waren leer. Zur Not griff ich nach Salat, der noch reichlich vorhanden war und hoffte, dass sich Amy und Hörnchen damit zufrieden geben würden.

Zu Hause musste ich leider feststellen, dass Hörnchen einen auf Lemming gemacht und sich todesmutig vom Kratzbaum gestürzt hatte, jedenfalls empfing mich Ursel freudestrahlend mit einem toten Hamster mit Genickbruch im Maul.

Manfred war von dem Zwischenfall nicht wirklich angetan, aber hey, wenn er mir einen todeslustigen Hamster verkauft, können ja weder Ursel noch ich etwas dafür oder? Eigentlich war es ja eher seine Schuld, wer wusste denn schon, was für einen seelischen Knacks Hörnchen eventuell in der Tierhandlung abbekommen hatte? Wir einigten uns schließlich darauf, dass ich noch einen letzten Hamster bekam und ich ihn im Gegenzug weder verklagte noch einen Mengenrabatt einforderte. Zu Hause hatte ich dann das erste Erfolgserlebnis: Anscheinend liebten sowohl Amy als auch Hörnchen II. Salat. Nur so als kleiner Tipp für alle da draußen, die sich auch dazu entschließen vor der Apokalypse noch Hamsterkäufe zu erledigen und vor leeren Nudel-, Reis- und Klopapierregalen stehen. Oder meine beiden Hamster waren nur gerade auf einem vegetarischem Trip und ich hatte einfach nur Glück, dass will ich auch nicht ausschließen.

Die Hamsterzucht entwickelte sich auf jeden Fall prächtig. Willibald, Maulbeere, Heinz-Friedrich, Hörnchen II. Junior und Keksy Sue waren die ersten Nachkommen meiner Langzeitüberlebensnotration. Wobei es aber auch hier Verluste gab. Maulbeere schubste Heinz-Friedrich gemeinerweise vom Kratzbaum, da dieser für sieben Hamster wohl etwas zu klein war. Zwar erlitt Heinz-Friedrich nicht das gleiche Schicksal wie Hörnchen, denn statt einem Genickbruch zu erleiden landete er genau auf der im Kratzbaumkarton schlafenden Ursel, was ihn allerdings auch nicht recht lange überleben ließ.

Aber dass war nur einer von einigen kleinen Zwischenfällen. Im Großen und Ganzen entwickelt sich meine Hamsterzucht jedoch richtig gut. Inzwischen steht meine ganze Wohnung voller Kratzbäume, ich muss jeden Tag Schubkarrenweise Salatköpfe kaufen und Ursel wird langsam immer dicker. Deswegen mal eine Frage an die Leute hier: Wie macht ihr das mit den Hamsterkäufen? Züchtet ihr nur bis zu einer gewissen Schwelle und alles was darüber hinausgeht wandert gleich in die Tiefkühltruhe? Oder kauft ihr gleich die Menge an Hamstern die kratzbaumtechnisch in eure Wohnung passen und dann halt nur von einem einzigen Geschlecht? Fressen eure Hamster auch Salat oder nur Nudeln, Reis und Klopapier? Antworten wären wirklich sehr willkommen, denn irgendwie habe ich das Gefühl, dass das Ganze von den Leuten nicht so richtig durchdacht ist.

Danke schon Mal im Voraus und vielleicht kann man bei Gelegenheit ja dann gleich noch ein paar gute Hamsterrezepte austauschen. Würde mich jedenfalls freuen.
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